Das italienische Projekt „Is it really worth it? Stories of (Italian) journalists under threat” nutzt das Potenzial des Datenjournalismus, um zu illustrieren, wie, wann und wo Journalisten in Italien bedroht worden sind.

Auf der Website haben die Journalisten Jacopo Ottaviani und Andrea Fama sowie der Grafikdesigner Isacco Chiaf Geschichten von in Italien in Gefahr geratenen Journalisten zusammengetragen.

Basis für ihr Projekt sind Daten, die die italienische Organisation „Ossigeno per l’informazione” („Sauerstoff für Medien“) erhoben hat. Diese war 2008 von den beiden italienischen Journalistengewerkschaften FNSI und ODG ins Leben gerufen worden, um die steigende Zahl von Drohungen zu dokumentieren, die italienische Journalisten erhalten.

Drei Landkarten verorten die 195 Drohungen, die im Jahr 2012 gegen insgesamt 324 italienische Journalisten gerichtet wurden. Davon haben die Datenjournalisten drei Fälle ausführlich in Facebook-Chroniken rekonstruiert: Von der Publikation des journalistischen Beitrags, der eine Drohung zur Folge hatte, über die Meldung vom Empfang der Drohung bis hin zur Einleitung von rechtlichen Schritten. Dabei haben sie Dokumente und Auszüge aus mitgeschnittenen Telefonaten eingebunden.

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Mit ihrer Website wollen die Datenjournalisten die Arbeit der Organisation „Ossigeno per l’informazione“ einem größeren und jüngeren Publikum zugänglich machen. „Um auch jene zu erreichen, die ihre Karriere im Journalismus gerade erst beginnen oder noch beginnen wollen, benutzen wir eine andere ‚Sprache’, nämlich soziale Netzwerke und datenjournalistische Tools wie Landkarten”, erklärt Website-Gründer Andrea Fama, der zudem als Journalist für die Website www.lsdi.it des Medien-Observatoriums „Libertà di Stampa, Diritto all’Informazione“ (Die Freiheit der Presse, das Recht auf Information) arbeitet sowie Autor des E-Books “Open Data e Data Journalism: trasparenza e informazione al servizio delle società nell’era digitale” (Open Data und Datenjournalismus: Transparenz und Information für die Gesellschaft im digitalen Zeitalter) ist.

Die Journalisten möchten auch über Italien hinaus auf die Problematik aufmerksam machen. Deshalb wurden die Website und Teile des dort verlinkten Materials ins Englische übersetzt.

Innerhalb Italiens hat die Website schon Anerkennung gefunden. Die italienische  <ahref Foundation, die u.a. zum digitalen Journalismus forscht, hat die Macher der Website dafür gelobt, dass sie geschickt digitale Möglichkeiten nutzen, um für die Gesellschaft wichtige Informationen zu liefern, und dabei Partizipation und Kollaboration der Nutzer ermöglichen.

Original-Artikel auf Italienisch: Data Journalism: un nuovo modo di raccontare la realtà

Übersetzt aus dem Englischen von Tobias Jochheim

Antonio Rossano

Journalist und Experte für neue Medien. Er schreibt für diverse Medien, darunter das italienische Journalismus-Nachrichtenportal lsdi.it (Libertà di Stampa e Diritto all’Informazione), die Schweizer Tageszeitung La Regione und das EJO. Außerdem ist er CEO der Agentur für Kommunikation YourMedia in Lugano (Schweiz).