“Manche Grenzen kann man nicht überschreiten”

21. Dezember 2010 • Ausbildung • von

Abdallah Hamad

Die Studierenden Abdallah Hamad aus Jordanien und Tianlin Xu aus China berichten von ihren Erfahrungen mit dem Master “International Media Studies”.

Wie sind Sie auf den Studiengang „International Media Studies“ aufmerksam geworden?

Ich bin ursprünglich Palästinenser, aber ich bin in Jordanien aufgewachsen. Ich habe Deutsch und Englisch an der jordanischen Universität in Amman studiert und wollte mein Studium in Deutschland im Bereich Medienwissenschaft fortsetzen. Bei uns war das schwierig, weil es diesen Fachbereich nur an einer Universität gibt, und das nicht mal auf Master-Niveau. In Jordanien schaue ich immer Deutsche Welle. Deshalb habe ich mich um ein Stipendium beworben, um diesen Master-Studiengang in Deutschland zu studieren. Es hat geklappt; ich bin seit anderthalb Jahren hier, und in sieben Monaten werde ich mein Studium beenden.

Wieso studieren Sie „International Media Studies“?

Eigentlich habe ich im Bereich Politik und Medien gearbeitet, nicht als Journalist, sondern als Diplomat beim Auswärtigen Amt in Jordanien. Ich will etwas bei der Medienentwicklung im Nahen Osten bewirken. Es gibt jetzt einen Aufschwung in der Medienwelt im Nahen Osten, und es gibt viele Nichtregierungsorganisationen, die im Rahmen der Medienentwicklung tätig sind. Ich versuche mit diesem Studium, diese Kenntnisse von Deutschland nach Jordanien zu bringen, obwohl die Mediensituation dort nicht leicht ist. Man kann die Medienfreiheit nicht mit der aus Deutschland vergleichen. Aber ich glaube, dass es sich in Jordanien allmählich bessert, obwohl es natürlich Grenzen gibt, die man nicht überschreiten kann. Aber ich denke positiv.

Hat Ihnen das Studium bisher die Kenntnisse vermittelt, die Sie sich für die weitere Arbeit in Ihrem Heimatland erhofft haben?

Ja, ich habe hier viele Sachen im Bereich Journalismus gelernt, aber sozusagen aus einer deutsch-europäischen Perspektive betrachtet. Ich habe auch vieles im Bereich Medienpolitik und Medienbildung gelernt. Dinge, die wir in unserem Land eigentlich gar nicht in Betracht ziehen. Aber ich will mich immer weiter entwickeln. Nach dem Abschluss gehe ich erst mal zurück nach Jordanien. Ich glaube, dass es dort viele Möglichkeiten gibt, in solchen Bereichen zu arbeiten und zu helfen.

Welches Berufsziel haben Sie?

Ich möchte gerne als Medienberater arbeiten. Wenn ich die Möglichkeit hätte, beim internationalen Rundfunk wie BBC oder Al Jazeera zu arbeiten, wäre ich auch daran interessiert, als internationaler Korrespondent zu arbeiten, um über die Wahrheit in den arabischen Ländern zu berichten. Aber mehr als die journalistische Arbeit interessiert mich die Arbeit bei einer Nichtregierungsorganisation in Bezug auf Medienentwicklung.

Tianlin Xu, 24 Jahre, China, studiert „International Media Studies“ im ersten Semester.

Tianlin Xu

Ich komme aus China und habe meinen Bachelor-Abschluss in Germanistik gemacht. Dann habe ich ein Jahr beim Goethe-Institut gearbeitet und war zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und die Kulturkoordination. Gleichzeitig habe ich mit meinem zweiten Studiengang „Radio and Television Editing and Directing“ begonnen und im letzten Jahr meinen Abschluss gemacht. Ich wollte immer im Bereich der Medien arbeiten. Während meiner Arbeit beim Goethe-Institut habe ich erkannt, dass ich für die Arbeit beim Fernsehen noch mehr Kompetenzen brauche. Ich studiere „International Media Studies“, um noch mehr theoretisches und praktisches Wissen zu bekommen.

Was unterscheidet Ihrer Meinung nach die journalistische Ausbildung in Deutschland von der in China?

In China haben wir zwar auch journalistische Studiengänge, aber mehr in klassischer Art und Weise. Die Studierenden haben zwar nach dem Bachelor-Abschluss auch Chancen auf Arbeit in diesem Bereich und verdienen auch Geld, werden aber sozusagen für ein bis zwei Jahre von einem „Lehrer“ begleitet und können schlechter in verantwortungsvolle Positionen hineinwachsen. In Deutschland finde ich die Ausbildungssituation sehr gut. Die Studierenden können nach dem Studium noch ein ein- bis zweijähriges Volontariat absolvieren: Während sie praktisch für ein Medienunternehmen arbeiten, können sie sich gleichzeitig viele neue theoretische journalistische Fähigkeiten aneignen.

Können Sie die Fähigkeiten, die Sie sich hier in Deutschland aneignen, in China konkret umsetzen?

Das ist eine Frage, die mich auch aktuell sehr beschäftigt. Ich studiere jetzt seit drei Monaten hier, und die Frage ist für mich jetzt immer bedeutender geworden. Ich weiß nicht so genau, ob ich alle Fähigkeiten und Kenntnisse, die ich im Studium oder von meinen Kommilitonen lerne, auch genau so in China umsetzen kann. Das liegt an unserem System. Aber für mich persönlich kann ich sagen, dass ich schon jetzt einen höheren Horizont habe. Ich sehe viel mehr, als ich in China gesehen habe. Entfernt von meinem Heimatland habe ich die bessere Perspektive, weil ich Dinge sowohl aus der Sichtweise der Chinesen als auch aus der Sicht der Europäer betrachten kann. Aber ich möchte auf jeden Fall versuchen, die Sachen, die ich hier gelernt habe, auf mein Heimatland und meine Kollegen dort zu übertragen. Inwiefern ich das genau umsetzen kann, weiß ich allerdings noch nicht.

Welches Berufsziel haben Sie?

Ich interessiere mich sehr für visuelle Medien. Ich möchte mit Bildern tiefgehende Themen ergreifen und damit Menschen berühren und bewegen. Am liebsten würde ich später im Bereich Dokumentarfilm arbeiten und auch kritische Themen beleuchten.

Hier geht es zum Interview mit Professor Dr. Christoph Schmidt, wissenschaftlicher Leiter und Verwaltungsleiter der DW-Akademie.

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