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	<title>EJO - European Journalism Observatory &#187; Marketing &amp; Werbung</title>
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		<title>Amerikanisierung, Europäisierung, Berlusconisierung</title>
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		<pubDate>Tue, 03 May 2011 13:12:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marketing & Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[Medienjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Amerikanisierung]]></category>
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		<category><![CDATA[David A.L. Levy]]></category>
		<category><![CDATA[Europäisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Everette Dennis]]></category>
		<category><![CDATA[Krise des Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Marlis Prinzing]]></category>
		<category><![CDATA[Rasmus Kleis]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Blum]]></category>
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		<description><![CDATA[In der Werbebranche vermag das richtige „Catchword“ Berge zu versetzen, im Forschungsbetrieb kreieren dagegen Schlagworte oftmals Trends, die der differenzierten Realität nicht standhalten. Über Jahrzehnte hinweg haben viele Sozialforscher immer wieder mit der „Amerikanisierung“ unserer Lebensverhältnisse hantiert – eine Formel, die – so simpel gestrickt &#8211; bei näherem Hinsehen kaum Bestand hat, wie jüngst neuerlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="size-full wp-image-4846 alignleft" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/05/Thomas-Krüger.jpg" alt="" width="160" height="220" />In der Werbebranche vermag das richtige „Catchword“ Berge zu versetzen, im Forschungsbetrieb kreieren dagegen Schlagworte oftmals Trends, die der differenzierten Realität nicht standhalten.</strong></p>
<p>Über Jahrzehnte hinweg haben viele Sozialforscher immer wieder mit der „Amerikanisierung“ unserer Lebensverhältnisse hantiert – eine Formel, die – so simpel gestrickt &#8211; bei näherem Hinsehen kaum Bestand hat, wie jüngst neuerlich Forscher an zwei sehr unterschiedlichen Kommunikationsfeldern gezeigt haben. Bei der Jahrestagung der Schweizer Kommunikations- und Medienforscher zur Bildkommunikation stellten Roger Blum und Marlis Prinzing die platte Amerikanisierungs-These am Beispiel des Parteienwettbewerbs in Frage.<br />
<span id="more-4843"></span></p>
<p>Bei Wahlkämpfen, so berichteten sie, sei es längst nicht mehr so, dass alle Kampagnenplaner nur nach den USA schielten. Die Wissenschaftler sprechen deshalb lieber von Modernisierung, Professionalisierung, Medialisierung  und Entideologisierung der Kampagnen.</p>
<p>Ihr  drastischstes Beispiel: In Amerika wäre es undenkbar, auf Plakaten Nackedeis zu präsentieren. In Deutschland haben sich dagegen Kandidaten entkleidet – und weil sie offenbar dank ihres originellen Übermaßes an Transparenz und ohne  Kaisers Kleider beim Wähler „angekommen“ sind, hat dies auch in der Schweiz, in Belgien und in Polen Nachahmer gefunden. Auf Rückfrage betont Frau Prinzing zudem, die Amerikanisierungsthese sei „vor allem dann, wenn sie in den Medien transportiert wird, auch eine Ablenkung“. Amerikanisierung werde missverstanden „als ein Synonym für Hollywood-Wahlkämpfe“ und dabei übersehen, „welch große Rolle in den USA die Issues spielen , die überdies ja durchaus in den Medien ein Forum erhalten“.</p>
<p>Das Nackedei-Beispiel zeigt: Wahlkampfprofis beobachteten sich also im internationalen Austausch wechselseitig  – ein Verhaltensmuster, das man auch Journalisten und Verlagsmanagern auf der Suche nach neuen Erlösmodellen anempfehlen möchte. Denn auch im Medienbetrieb ist die Amerikanisierungs-These wenig stimmig. Jedenfalls sind sich die Forscher am Reuters Institute for the Study of Journalism der University of Oxford keineswegs sicher, ob die Krise des Journalismus in den USA auch in Europa voll durchschlagen wird. Es sei voreilig, den Tod von Zeitungen, des Fernsehens oder gar von kommerziell arbeitenden Nachrichtenmedien vorherzusagen, meinen David A.L. Levy und Rasmus Kleis Nielsen, die in ihrem neuesten Buch zu den Auswirkungen der veränderten journalistischen Geschäftsmodelle ganz unterschiedliche Entwicklungspfade in verschiedenen Ländern Europas, den USA und den beiden BRIC-Staaten Brasilien und Indien ausleuchten. „Wenn die großen Nachrichten-Medien in Amerika sich mit einer ernsteren Krise auseinandersetzen müssen als anderswo, dann ist  damit keineswegs gesagt, dass sie die Wegbereiter für den Rest der Welt sind. Die USA könnten eher eine Ausnahme sein &#8211; statt des Vorboten, als der sie vielfach in den Diskussionen um die internationale Medienentwicklung dargestellt werden.“</p>
<p>Dass die Amerikanisierungsthese eher Unfug ist, lässt sich auch nicht zuletzt daran ablesen, dass in den USA bereits vor Jahren Forscher wie Everette Dennis umgekehrt eine „Europäisierung“ des Journalismus beobachtet haben – zum Beispiel, weil viele US-Nachrichtenmedien die Trennung von Nachricht und Meinung nicht mehr strikt durchhalten, oder weil – eher neuerdings und zum Teil inspiriert von der Meinungsfreudigkeit der User im Internet – ganze Sender wie Fox ihr Erfolgsrezept auf politisch einseitigem (Rechts-)Populismus aufbauen.</p>
<p>Durch die osteuropäischen Fachgazetten geistert übrigens seit Jahren das Schlagwort von der „Berlusconisierung“ der dortigen Medien. Ein angesehener Forscher hat es in die Welt gesetzt, und viele andere haben es danach mehr oder minder gedankenlos immer wieder zitiert. „Boulevardisierung“ als Trend – damit wäre der Nagel vermutlich auf den Kopf getroffen, und auch „Italienisierung“ hätte vielleicht gerade noch Sinn ergeben, wenn man damit auf wachsende (partei-)politische Kontrolle und  auf Entertainisierung hätte hinweisen wollen – oder auch auf die „Infantilisierung“ der Medien, wie Umberto Eco das einmal im Blick auf die Verhältnisse in seinem Heimatland genannt hat. Aber Berlusconisierung? Eigentlich sollten die aufstrebenden Demokratien im Osten und Südosten Europas dankbar sein, dass ihnen die Medienübermacht und der mit ihrer Hilfe abgefederte langjährige Amtsmissbrauch eines Berlusconi erspart geblieben ist &#8211; übrigens auch dank des (freilich nicht selbstlosen) Engagements westlicher Investoren, die sich aus politischen Händeln eher heraushalten, von Ringier über Springer und die Passauer Verlagsgruppe bis hin zur WAZ-Gruppe und skandinavischen Zeitungsverlegern wie Schibsted.</p>
<p>Offenbar sind auch Wissenschaftler, gerade weil sie Wirkung erzielen wollen, nicht dagegen gefeit, sich gelegentlich Schlagworte zu eigen machen – auch wenn sie damit eher das Gegenteil jener Aufklärung bewirken, auf die Forschung eigentlich zielen sollte.</p>
<p><span style="color: #808080;">Quellen:</span></p>
<p><span style="color: #808080;">Roger Blum/Marlis Prinzing (2011): Böse Bilder – brave Bilder. Zwei Tendenzen in der Bildkommunikation europäischer Parteien, Vortrag zur Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM) vom 25./26. März 2011 in Basel</span></p>
<p><span style="color: #808080;">Levy, David A.L. /Nielsen, Rasmus Kleis (eds.) (2010): The Changing Business of Journalism and its Implication for Democracy, Reuters Institute for the Study of Journalism, University of Oxford</span></p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Werbewoche vom 29. April 2011</em></p>
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		<title>Medienmarketing im Redaktionellen</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jun 2010 12:19:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marketing & Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[Medienjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Eigeninteressen]]></category>
		<category><![CDATA[r:k:m-Journal]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Weinacht]]></category>

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		<description><![CDATA[Erstveröffentlichung: r:k:m-Journal vom 7. Juni 2010 Wer den Titel von Stefan Weinacht nur flüchtig liest, dem wird es vielleicht ähnlich ergehen wie dem Rezensenten: Als er das Buch orderte, tat er das in der Erwartung, sich endlich einmal wieder mit “redaktionellem Marketing” auseinandersetzen zu können. Ein Thema, das im Überlebenskampf der “Dinosauriermedien” Print und Fernsehen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #888888;"><strong>Erstveröffentlichung: <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/2241" target="_blank">r:k:m-Journal</a></strong></span><strong><span style="color: #888888;"> vom 7. Juni 2010</span></strong></p>
<p><img class="size-full wp-image-2965 alignleft" title="Medienmarketing im Redaktionellen" src="http://de.ejo.ch/wp-content/uploads/2010/06/Medienmarketing-im-Redaktionellen3.jpg" alt="" width="160" height="238" /><strong>Wer den Titel von Stefan Weinacht nur flüchtig liest, dem wird es vielleicht ähnlich ergehen wie dem Rezensenten: Als er das Buch orderte, tat er das in der Erwartung, sich endlich einmal wieder mit “redaktionellem Marketing” auseinandersetzen zu können. </strong></p>
<p>Ein Thema, das im Überlebenskampf der “Dinosauriermedien” Print und Fernsehen an Bedeutung gewonnen hat, während es merkwürdigerweise von der Kommunikationswissenschaft eher vernachlässigt wird. Mit dem Medienjournalismus, um den es bei gründlicher Lektüre von Titel und Untertitel tatsächlich geht, verhält es sich dagegen genau anders herum: Ihm zollen seit ein paar Jahren Medien- und Kommunikationsforscher sehr viel Aufmerksamkeit, <span id="more-2964"></span>während die großen Verlage und noch mehr die TV-Sender im deutschen Sprachraum ihn nahezu stranguliert, jedenfalls auf das unvermeidliche Minimum reduziert haben.</p>
<p>Weshalb also ein weiterer Titel, der sich mit der Thematisierung von Medien und Journalismus in den Medien wissenschaftlich auseinandersetzt? Wissen wir nicht längst, dass die “mainstream media” das Thema vermeiden – und wenn sie es ausnahmsweise einmal nicht tun, nahezu zwangsläufig in der “Selbstbeobachtungsfalle” landen? Michael Beuthner und Stephan A. Weichert haben mit dieser Formel im vorerst vorletzten Buch, das sich gründlich mit Medienjournalismus auseinandergesetzt hat, flächendeckend die Risiken und Nebenwirkungen des Medienjournalismus beschrieben. Aber weder sie noch andere Medienjournalismus-Forscher, zu denen sich auch der Rezensent zählen darf, haben bisher geleistet, was Weinacht mit seiner Studie gelungen ist: sich mit solcher Gründlichkeit zu fundierten Aussagen vorzutasten.</p>
<p>Stefan Weinacht hat den Titel seines opus magnum mit Bedacht gewählt, auch wenn er leicht zu Missverständnissen verleiten mag: “Medienmarketing im Redaktionellen” – das ist eben gerade kein Synonym für “redaktionelles Marketing”, denn letzteres sei “eindeutig der Produktpolitik” gewidmet. Dem Autor geht es um die Kommunikationspolitik der zu untersuchenden Medienorganisationen – also um die Vogelperspektive und um die Frage, wie Medienunternehmen ihre Wahrnehmung durch Dritte steuern und Aufmerksamkeit auf sich lenken oder von sich ablenken können. Im Kern möchte er empirisch klären, ob Verlage und Sender den Medienjournalismus instrumentalisieren, um wirtschaftliche oder politische Eigeninteressen zu verfolgen.</p>
<p>Das gekonnte Sezieren beginnt bereits im Theorieteil: Weinacht rezipiert nicht nur all das, was die bisherige Medienjournalismus-Forschung mit ihren verschiedenen Theoriezugängen und -verästelungen von der Systemtheorie bis hin zur Ökonomik herausgefunden hat. Vielmehr stellt er diese Erkenntnisse systematisch den Erklärungsansätzen gegenüber, die in den letzten Jahren die Diskussion um Unternehmenskommunikation, um Branding und Produktmarketing bestimmt haben.</p>
<p>Mit diesem Theoriekorsett kann der Verfasser – und darin sehe ich das Innovative in seiner Vorgehensweise – dann im empirischen Teil drei Datensätze des Forschungsinstituts <a href="http://www.mediatenor.de/" target="_blank">Media Tenor</a> sekundäranalytisch auswerten und nachweisen, wie krass die meisten Redaktionen bei der Selbstthematisierung und auch bei der Berichterstattung über die Konkurrenz gegen journalistische Grundregeln verstoßen und stattdessen ihre Eigeninteressen verfolgen.</p>
<p>Der Anfangsverdacht, dass “Marketingeinfluss auf die Medienthematisierung in besonderem Maße wahrscheinlich (ist), weil in dieser Konstellation Medien sowohl Kommunikator als auch selektierende und gestaltende Institution sind” (13) bestätigt sich voll und ganz: Medienthemen unterliegen “einem spezifischen Selektionsdruck” – “in wirtschaftlich ‘eigenen’ Medien” ist dieser “besonders niedrig, in konkurrenzierenden besonders hoch” (14).</p>
<p>Medienjournalismus wandelt sich somit tendenziell zum Dienstleister der Unternehmenskommunikation. Soll heißen: viele Redaktionen betreiben willfährig PR für das eigene Haus – wenn man PR-Verantwortlichen aus großen Medienhäusern Glauben schenkt, sogar gänzlich ohne Regieanweisungen von oben. Wettbewerbern begegnen sie dagegen mit der Schere im Kopf oder mit Häme. Und, schlimmer noch: Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die ihren eigenen Qualitätsanspruch so gerne hoch halten und die sich auch von Kommunikationswissenschaftlern oftmals ob ihrer angeblich hohen journalistischen Standards belobigen lassen, übertreffen die privaten Anbieter teilweise sogar noch in puncto Selbstbeweihräucherung.</p>
<p>Doch betrachten wir Weinachts wichtigste Ergebnisse etwas differenzierter: Der erste, vergleichsweise kleine Datensatz befasst sich mit der Selbstthematisierung der deutschen TV-Sender in Jahresrückblicken: Dort entfallen mehr als zwei Drittel (69 Prozent) aller Selbstthematisierungen auf den eigenen Sender, nur fünf Prozent dagegen auf die Konkurrenz. Es mag überraschen, aber gerade solch ein auf den ersten Blick unverdächtiges “Genre” wird Weinacht zufolge als “Forum in markanter Weise für die Unternehmenskommunikation genutzt” (122). Seine Daten bestätigen eine Beobachtung des Medienjournalisten Imre Grimm, die Weinacht zitiert: “Das Jahr 2008 sah bei <a href="http://www.rtl2.de/" target="_blank">RTL II</a> ganz anders auch als bei der <a href="http://www.ard.de/" target="_blank">ARD</a>. Schnell wird deutlich, dass der Jahresrückblick mehr über den Rückblickenden verrät als über das Jahr selbst” (122) – nur, dass eben die Publika vermutlich weit weniger “zwischen den Zeilen bzw. Bildern” lesen, als der im Dekonstruieren geschulte Medienprofi.</p>
<p>Die Analyse des zweiten und dritten Datensatzes, in dem TV-Nachrichten sowie die Politik- und Wirtschaftsteile der wichtigsten Tageszeitungen bzw. unterschiedliche Thematisierungsmuster von Abo- und Boulevardzeitungen ausgewertet wurden, bestätigt das Ergebnis: Am allermeisten und allerliebsten thematisieren sich sowohl Fernsehsender als auch Printmedien selbst. Und: “In den öffentlich-rechtlichen Nachrichten wird stärker darauf geachtet, welcher TV-Sender thematisiert wird, als in den Privaten. Das kann tendenziell als stärkeres Konkurrenzverhalten der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf dem TV-Markt gedeutet werden” (136).</p>
<p>Aber auch bei jedem einzelnen der untersuchten Verlage ist der “Anteil der Selbstthematisierungen im eigenen Medium” größer als “der Anteil der Thematisierungen in anderen Medien” (138f.) – große Häuser wie <a href="http://www.axelspringer.de/" target="_blank">Axel Springer</a>, <a href="http://www.guj.de/" target="_blank">Gruner + Jahr</a>, aber auch “<a href="http://www.spiegel.de/" target="_blank">Spiegel</a>” und “<a href="http://www.sueddeutsche.de/" target="_blank">Süddeutsche Zeitung</a>” werden deutlich öfter als Sünder überführt als die “<a href="http://www.faz.net/s/homepage.html" target="_blank">Frankfurter Allgemeine Zeitung</a>” und Regionalblätter. Bei der Positionierung bestätigt sich neuerlich das Bild: Mitteilungen über das eigene Haus werden von den Redaktionen jeweils besser platziert als von anderen, konkurrierenden Medien (143). Und Medien thematisieren sich selbst relativ häufiger mit positiven Bewertungen, als dies andere Medien tun (177f.).</p>
<p>Die Befunde gelten ebenso im intra-, inter- und auch im gesamtmedialen Vergleich (139). Das “selbstherrliche TV” ignoriere vor allem die überregionalen Printmedien (140). Am nachhaltigsten würden journalistisch-professionelle Werte, sprich: Auswahlkriterien, von den überregionalen Qualitätszeitungen gepflegt (150). Die Darstellung von Printmedien in Printmedien mache 40 Prozent aller Medienthematisierungen aus, im TV dagegen nur 15 Prozent. Außer Frage stehe somit, “dass Printmedien sich selbst signifikant häufiger thematisieren, als sie im Fernsehen dargestellt werden”. Somit könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch dieser Unterschied “im Sinne des Gattungsmarketings intendiert ist” (151).</p>
<p>Mit der Kritik am Datenlieferanten Media Tenor, der bereits mehrfach in Prozesse verwickelt war und nach Ansicht von Kritikern wie dem Münsteraner Medienforscher Klaus Merten (der allerdings auch ein Wettbewerber von Media Tenor ist) unserös arbeitet, setzt sich Weinacht auseinander: “In Kauf genommen werden muss, dass die Arbeit des Media Tenor umstritten ist. Der Großteil dieser Diskussion beschäftigt sich mit der Interpretation von Daten, die nach Meinung der Kritiker tendenziös erfolgt. Diese Aspekte spielen hier keine Rolle, weil eine Sekundäranalyse durchgeführt wird.” (120)</p>
<p>Weinacht fasst seine Befunde dahingehend zusammen, im Redaktionellen finde “Medienmarketing light” statt: “Redaktionelle Medienthematisierungen sind nicht frei von wirtschaftlichen Eigeninteressen der Medienunternehmen. Sie sind aber auch nicht dominiert von den Interessen der Unternehmenskommunikation.” (243f.) Das ist eine überraschend milde, diplomatische Interpretation der vorgelegten Befunde, die wohl auch damit zu tun hat, dass es sich bei der Forschungsarbeit um eine Dissertation handelt und der Kandidat sich nicht allzusehr exponieren wollte.</p>
<p>Zugespitzt ließe sich wohl eher sagen, dass zumindest dort, wo anspruchsvolle gebildete Publika angesprochen werden, die Selbstbeweihräucherung der Medien Irritation auslösen dürfte. Der rapide Glaubwürdigkeitsverlust vor allem des Fernsehens hat vielleicht auch damit zu tun, dass zumindest die intelligenteren Zuschauer merken, wie oft und wie einseitig <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank">Tagesschau</a> und <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank">ZDF</a> ihre Sendungen missbrauchen, um fürs eigene Haus und eigene Sendungen Reklame zu machen. Die Hierarchen in den Verlagen und Sendern, die in den letzten Jahren allesamt ihre Kommunikationsabteilungen ausgebaut und gleichzeitig den Medienjournalismus zurückgefahren haben, verweigern sich auch hartnäckig der Einsicht, dass erfolgreiche PR-Arbeit letztlich auf journalistische Plattformen (und auch auf kritische Journalisten als Widerpart) angewiesen bleibt. Aber vielleicht ist es ja “nur” die Angst, von Medienjournalisten öffentlich “vorgeführt” zu werden, die sie daran hindert, für eine angemessene und unabhängige Berichterstattung über Medien und Journalismus zu sorgen.</p>
<p><em>Stefan Weinacht: <em>Medienmarketing im Redaktionellen. Medienthemati-sierungen als Instrument der Unternehmenskommunikation von Medien-organisationen.</em> Baden-Baden [Nomos] 2009, 376 Seiten, 44,- Euro.</em></p>
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		<title>Die Kunst des Verführens</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 07:47:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marketing & Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[Kai Fehse]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Schönbach]]></category>
		<category><![CDATA[persuasive Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Ratgeber]]></category>
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		<description><![CDATA[Erstveröffentlichung: Neue Zürcher Zeitung Ein Buch von Klaus Schönbach legt dar, was Wissenschafter über die Techniken des Überzeugens und die Wirkungen des Werbens herausgefunden haben. Schon der Titel von Klaus Schönbachs klugem Kompendium steht für das Kernanliegen des Autors: die «zuverlässige Überraschung» als Geheimnis des Kommunikationserfolgs. «Verkaufen, Flirten, Führen» – so unterschiedlich diese Aktivitäten auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span style="color: #888888;">Erstveröffentlichung: Neue Zürcher Zeitung</span></strong></p>
<p><strong><a href="http://www.flickr.com/photos/thinkless/3113165065/"><img class="alignleft size-medium wp-image-1417" title="flirt" src="http://de.ejo.ch/wp-content/uploads/2010/02/flirt-300x225.jpg" alt="" width="230" height="160" /></a>Ein Buch von Klaus Schönbach legt dar, was Wissenschafter über die Techniken des Überzeugens und die Wirkungen des Werbens herausgefunden haben.</strong></p>
<p>Schon der Titel von Klaus Schönbachs klugem Kompendium steht für das Kernanliegen des Autors: die «zuverlässige Überraschung» als Geheimnis des Kommunikationserfolgs. <span id="more-1416"></span>«Verkaufen, Flirten, Führen» – so unterschiedlich diese Aktivitäten auch sein mögen, es geht dabei um überraschend Ähnliches, eben um persuasive Kommunikation: Andere Menschen sollen zu einem erwünschten Handeln überredet werden – egal, ob der Autohändler einem «nur heute» beim Kauf des neuen Öko-Flitzers ein paar zusätzliche Prozente Rabatt gewährt, ob man spätabends an der Hotelbar einer schwarzhaarigen Schönheit eindringliche Blicke zuwirft oder ob morgens beim Abteilungsleiter-Meeting die Mitarbeiter auf einen Strategiewechsel einzuschwören sind.</p>
<p>Wer genug von oberflächlichen Management- und Marketing-Bestsellern oder Flirt-Ratgebern hat und stattdessen einmal gebündelt, leicht lesbar und trotzdem fundiert erfahren will, was Wissenschafter in den letzten Jahrzehnten über Überzeugungsstrategien und Werbewirkungen herausgefunden haben, der wird bei Schönbach fündig.</p>
<p>Die Botschaft des Medienwirkungsforschers, der an der Universität Amsterdam lehrt, ist beruhigend und irritierend zugleich: Einerseits ist es bei weitem nicht so einfach, uns durch Werbung und Überredung zu manipulieren, wie das Vance Packard mit seinem Bestseller «Die geheimen Verführer» in den fünfziger Jahren unterstellte. Ausserdem mache uns Persuasion oftmals erst handlungsfähig, indem sie «die Qual der Wahl vermindert».</p>
<p>Anderseits haben die Verhaltensforscher mit einer Fülle von Experimenten belegt, wie oft und wie leicht sich auch intelligente, nachdenkliche Menschen übertölpeln – oder vielleicht ja auch überzeugen – lassen. Fast «auf Knopfdruck» funktioniere das mitunter, und das Bedrohliche an Persuasion sei nun einmal, dass sie «vorhandene Handlungsalternativen zu reduzieren versucht – möglichst auf eine einzige».</p>
<p>Eine Schlüsselrolle spielt dabei laut Schönbach die «zuverlässige Überraschung». In vielen Lebensbereichen gelinge Persuasion, wenn die Botschaft so komponiert werde, dass eine Balance entstehe «aus einerseits Neuem und Unerwartetem, die unsere Neugier anregen», sowie anderseits aus «einer Vorauswahl und Einordnung, die total Unglaubliches und Verstörendes verhindern».</p>
<p>Das Erfolgsrezept gilt nicht nur für Werbetreibende, sondern auch für Journalisten – denn auch von ihnen wird einerseits täglich neu die Wundertüte aus Überraschungen erwartet, anderseits sollen sie diese aber auch zuverlässig in den vorhandenen Kontext einordnen, weshalb bereits eingeführte Themen mehr Aufmerksamkeit für sich beanspruchen dürfen als gänzlich neue.</p>
<p>Eine kongeniale Ergänzung zu Schönbachs Büchlein mag sich erhoffen, wer Kai Fehses Versprechen vertraut, die «neuesten Studien aus den internationalen Journals der Hirnforscher» zusammenzufassen, um die Wirkweise von Werbung besser zu erklären und somit die Neurowissenschaften ebenfalls für die Zwecke der Persuasion nutzbar zu machen. Dem Autor gelingt der Brückenschlag zwischen Naturwissenschaft und Sozialforschung indes nur bedingt.</p>
<p>Anders als Schönbach fehlt dem Werbepraktiker, dessen Buch auf einer Dissertation basiert, bei seinem Ausflug in die Forschung schlicht die Gabe, schwierige Materie so zu veranschaulichen, dass auch interessierte Laien ihm zu folgen vermögen. So fragt sich der Leser etwas ratlos, welchen Nutzen es ihm beziehungsweise Werbetreibenden und andern Medienschaffenden verheisst, wenn sie nunmehr verorten können, in welcher Gehirnregion bestimmte Aktivitäten der Wahrnehmung und Speicherung stattfinden.</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/Verkaufen-Flirten-F%C3%BChren-Persuasive-Kommunikation/dp/353116595X" target="_blank">Klaus Schönbach: Verkaufen, Flirten, Führen. Persuasive Kommunikation – ein Überblick. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009. 152 S. </a></p>
<p><a href="http://www.verlag-reinhard-fischer.de/PDF/Inhalt%20Fehse.pdf">Kai Fehse: Neurokommunikation. Ein Modell zur Wirkweise von Werbung im Lichte neuester Erkenntnisse der Hirnforschung. Nomos-Verlag, Baden-Baden 2009. 262 S.</a></p>
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		<title>iPad-Hype</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/1238/marketing-werbung/ipad-hype-wie-sich-journalismus-und-verlage-uberflussig-machen</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Feb 2010 15:25:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marketing & Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[Medienökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[advertising value]]></category>
		<category><![CDATA[apple]]></category>
		<category><![CDATA[iPad]]></category>
		<category><![CDATA[medienhype]]></category>

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		<description><![CDATA[Erstveröffentlichung: Die Furche Wie sich Journalismus und Verlage überflüssig machen Nach der Schweinegrippe und der „Schneekatastrophe”, die eigentlich bislang nichts weiter war als ein ganz normaler Winter, wurden wir letzte Woche von einer ganz anderen Medien-Hype heimgesucht. Über Tage hinweg eroberten Steve Jobs und Apple mit ihrem iPad die Titelseiten und beschäftigten obendrein die Feuilletons [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #888888;"><strong>Erstveröffentlichung: Die Furche</strong></span></p>
<p><em></em><strong><a href="http://de.ejo.ch/wp-content/uploads/2010/02/iPad.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1239" title="iPad" src="http://de.ejo.ch/wp-content/uploads/2010/02/iPad-300x257.jpg" alt="" width="235" height="200" /></a>Wie sich Journalismus</strong><strong> und Verlage überflüssig machen</strong></p>
<p>Nach der Schweinegrippe und der „Schneekatastrophe”, die eigentlich bislang nichts weiter war als ein ganz normaler Winter, wurden wir letzte Woche von einer ganz anderen Medien-Hype heimgesucht. Über Tage hinweg eroberten Steve Jobs und Apple mit ihrem iPad die Titelseiten und beschäftigten obendrein die Feuilletons und die Wirtschaftsredaktionen.<span id="more-1238"></span></p>
<p>Wer die Public Relations-Branche ein bisschen kennt, wird versucht sein, das zu tun, was viele PR-Strategen in solchen Fällen machen. Um ihre Kunden zu überzeugen, wie wertvoll ihre Arbeit ist, ermitteln sie den „<strong>advertising value</strong>“: Hochzurechnen wäre demnach, wie viele Millionen und Abermillionen Dollar es Apple gekostet hätte, wenn das Unternehmen für all die Print-Artikel, TV-, Radio- und Onlinebeiträge den Platz bzw. die Sendezeit in Form von Anzeigen bzw. Werbespots hätte bezahlen müssen, statt sich der Gratis-Publicity quer durch die Medienwelt zu erfreuen.</p>
<p>O.k. – natürlich sollen, ja müssen Medien über Produkt-Innovationen berichten, das gehört zum Service, den wir Konsumenten erwarten. Aber wer die Sache zu Ende denkt, wird sich doch fragen, <strong>wer da wen um den Finger gewickelt hat</strong>, wenn Steve Jobs uns allerorten sein neues Lieblingsbaby vorführen durfte.</p>
<p>Ist Journalismus noch glaubwürdig, wenn er so willfährig das Geschäft der PR-Branche betreibt? Ruinieren nicht die Verleger ihr eigenes Business, wenn sie Redaktionen weiter ausdünnen und damit gleichzeitig so weit die Schleusen für Öffentlichkeitsarbeit öffnen? Zeitklame Redakteure verwandeln immer öfter Pressemeldungen mit einem Mausklick in „Journalismus“ – ohne kritische Prüfung und ohne Zusatzrecherche.</p>
<p>Das ist der zuverlässigste Weg für Journalismus und Verlage, sich <strong>selbst überflüssig</strong> zu machen. Die Dummen sind dann nämlich jene Leserinnen und Leser, die für so etwas <strong>weiterhin bezahlen</strong>; aber auch die Werbetreibenden, die teure Anzeigen oder Spots schalten, statt sich erst einmal – wie Apple – auf dem kostengünstigen Weg, über Öffentlichkeitsarbeit und mediale Inszenierungen, an ihre Zielgruppen heran zu pirschen.</p>
<p><em>Diese Kolumne hat Stephan Russ-Mohl für die österreichische Wochenzeitung <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/www.furche.at/');" href="http://www.furche.at/">Die Furche</a> und Carta geschrieben.</em></p>
<ul>
<li><em>Zu dem Thema siehe auch Zapp: <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/medien_wirtschaft/ipad106.html');" href="http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/medien_wirtschaft/ipad106.html">Kostenlos-Werbung für Apple</a>.</em></li>
</ul>
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		<title>Das Fernsehen hat Schuld an Schulden…</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/261/marketing-werbung/das-fernsehen-hat-schuld-an-schulden%e2%80%a6</link>
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		<pubDate>Wed, 10 Dec 2008 17:53:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marketing & Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[Medienökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Erstveröffentlichung: Schweizer Journalist 10 + 11 / 2008 Dieser Beitrag ist brandaktuell, obschon es sich eigentlich um eine historische Analyse handelt: Lisa George von Hunter College in New York glaubt zeigen zu können, dass das Fernsehen und die TV-Werbung ursächlich daran schuld sind, dass sich viele amerikanische Haushalte bis zur Halskrause verschuldet haben. Um das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #888888;"><strong><span class="small">Erstveröffentlichung: Schweizer Journalist 10 + 11 / 2008 </span></strong></span></p>
<div>
<p>Dieser Beitrag ist brandaktuell, obschon es sich eigentlich um eine historische Analyse handelt: Lisa George von Hunter College in New York glaubt zeigen zu können, dass das Fernsehen und die TV-Werbung ursächlich daran schuld sind, dass sich viele amerikanische Haushalte bis zur Halskrause verschuldet haben.</p>
</div>
<p><span id="more-261"></span></p>
<div>
<p>Um das zu beweisen, muss die Forscherin allerdings in die 50er Jahre zurückgehen: Ein flächendeckender Abgleich von Daten ist nur für eine Zeit möglich, als es noch viele Haushalte ohne TV-Zugang gab. Ihr Zahlenwerk deutete auf beeindruckende Weise auf den Zusammenhang hin, den George beweisen möchte. Aber sie betont, ihre Forschungsarbeit, die sie bei einem Workshop für Medienökonomie der Universität Zürich Ende Oktober vorgestellt hat, sei noch nicht abgeschlossen. Es könnten auch ganz andere Veränderungen die Verschuldung ausgelöst haben. Mit Korrelationen ist das nämlich so eine Sache: Wenn weniger Babies auf die Welt kommen und es zugleich weniger Störche gibt, lässt sich damit leider nicht zweifelsfrei beweisen, dass uns die Störche die Babies bringen.</p>
</div>
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		<title>Vermeintlicher Verbraucherschutz</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/146/marketing-werbung/vermeintlicher-verbraucherschutz</link>
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		<pubDate>Sun, 26 Oct 2008 23:17:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marketing & Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[Aufklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Regulierung der Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Werbeverbot]]></category>

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		<description><![CDATA[Erstveröffentlichung: Werbewoche 37/08 Mehr Aufklärung über den Medienbetrieb statt Reglementierung: Höchste Zeit in diesen Tagen des Umbruchs, wo sich viele den regulierenden Staat zurückwünschen, das Hohelied der Freiheit anzustimmen. Neuerlich macht sich eine Koalition der Besserwisser und Schutzpatrone für Werbeverbote stark. Sie wollen anderen vorschreiben, ob sie Zigaretten- oder Alkoholwerbung sehen dürfen.  Werbetreibende möchten sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #888888;"><strong><span class="small">Erstveröffentlichung: Werbewoche 37/08</span></strong></span></p>
<p><strong>Mehr Aufklärung über den Medienbetrieb statt Reglementierung: Höchste Zeit in diesen Tagen des Umbruchs, wo sich viele den regulierenden Staat zurückwünschen, das Hohelied der Freiheit anzustimmen.</strong></p>
<div>Neuerlich macht sich eine Koalition der Besserwisser und Schutzpatrone für Werbeverbote stark. Sie wollen anderen vorschreiben, ob sie Zigaretten- oder Alkoholwerbung sehen dürfen.  <span id="more-146"></span>Werbetreibende möchten sie zwingen, 20 Prozent einer Werbefläche für Hinweise auf schädliche Nebenwirkungen bestimmter Produkte zu reservieren. Solche Kleingeister offenbaren damit nicht nur ihre Krämerseelen, sie würden am liebsten mündige Mitmenschen in einer Weise bevormunden, die einer Demokratie unwürdig ist. Und entzögen damit gerade jenen Medien die Ressourcen, die mit gut ausgestatteten Redaktionen und seriösem Journalismus  aufklären  könnten – allerdings nicht nur über die Gefahren, die von Drogen ausgehen, sondern auch über die Risiken von Machtphantasien, mit denen Populisten, Bürokraten und Bürgerbevormunder in ihrer Regulierungswut Freiheit zu ersticken drohen.Wem dies zu platt und „neoliberal“ gedacht ist, der sei zu einem Gedankenspiel eingeladen: Warum schaffen wir nicht ganz radikal jedwede Werbung ab? Was die „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_geheimen_Verf%C3%BChrer">geheimen Verführer</a>“ so alles an Bösem im Schilde führen, wie sie uns manipulieren, lässt sich im Klassiker von Vance Packard nachlesen – wobei die Methoden seither sicherlich noch raffinierter geworden sind. Also höchste Zeit, diesen Unfug zu stoppen…</p>
<p>Denkt man solche Experimente zu Ende, merkt man schnell, dass der vermeintliche Verbraucherschutz mit grossen Informations- und Freiheitsverlusten erkauft würde – und dass die Reglementierer, wie so oft, die ungeplanten Folgen ihrer „guten“ Absichten nicht zu übersehen vermögen. Die meisten von uns,  die ihr Leben westlich des Eisernen Vorhangs leben durften oder durch die Gnade der späten Geburt den Realsozialismus nur aus dem Kino kennen, vermögen sich ja kaum noch auszumalen, wie trist eine Welt ohne Werbung wäre. Irgendwie ist es ja auch schön, dass uns dieses bleierne Grau unvorstellbar geworden ist.</p>
<p>Weil  solch ein Sozialexperiment bereits unsere Phantasie überfordert, hier Gedankenspiel Nr. 2. Gehen wir den Freiheits-Räubern mit ihren eigenen Mitteln an den Kragen: Wie wäre es, wenn jede Europa-Werbung der Brüsseler EU-Kommission einen Hinweis auf die lähmenden Nebenwirkungen von Regulierungswut und Eurosklerose enthalten müsste? Und jede Wahlanzeige einer politischen Partei mit grossaufgedruckten Hinweisen wie diesen zu versehen wäre: „Vorsicht! Glauben Sie besser keine Wahlversprechen“ oder „Wer ans Gemeinwohl appelliert, verfolgt möglicherweise Eigeninteressen.“ Ein solcher Regulierungs-Vorschlag wäre bei einer Volkabstimmung vermutlich mehrheitsfähig.</p>
<p>Weshalb wir uns flugs Gedankenexperiment Nr. 3 zuwenden: Wenn schon Reglementierung, warum nicht anders herum? Um ein Minimum an Unabhängigkeit, Seriosität und Integrität eines Medienprodukts zu garantieren und um Redaktionen und Verlage nicht gänzlich zum Spielball der Werbetreibenden zu machen, könnte der Gesetzgeber Medienunternehmen darauf verpflichten, mindestens 50 Prozent ihres Umsatzes von den Mediennutzern zu generieren. Das wäre das sichere Aus für Gratiszeitungen. Es würden tagtäglich Dutzende Bäume gerettet, auch die Verschandelung von Bahnhöfen, Trams und Innenstädten durch herrenloses Altpapier wäre gestoppt – gar nicht zu reden von der geistigen Umweltverschmutzung, die uns mit „Gratis“-Journalismus zugemutet wird und künftig erspart bliebe.</p>
<p>Aber auch in solch einem Gemeinwesen, in dem uns der Staat zwingt, für weitere Medienprodukte bezahlen zu müssen, möchten wir vermutlich nicht leben. Ist ja schon schlimm genug, dass wir mit der Radio- und Fernsehgebühr Monat für Monat geschröpft werden. Höchste Zeit also, gerade jetzt, in diesen Tagen des Umbruchs, wo sich viele Menschen den regulierenden Staat zurückwünschen, das Hohelied der Freiheit anzustimmen. Was wir uns allerdings hinzu wünschen sollten, ist verantwortlicher Umgang mit Freiheit. Der wiederum setzt ein bestimmtes Wissen voraus. Statt Reglementierung also mehr Aufklärung über den Medienbetrieb und das Geschehen hinter seinen Kulissen -  und damit auch über Public Relations, Marketing und Werbung. In der Schule, an den Unis, aber bitte auch in den Medien selbst.</p>
</div>
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		<title>&#8220;Wir reagieren auf die Wünsche der Kunden&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Aug 2008 00:11:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marketing & Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[Craigslist]]></category>
		<category><![CDATA[Inserate]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitungskrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Neue Zürcher Zeitung, Freitag, 22. August 2008 Craigslist revolutionierte das US-Inserategeschäft Craig Newmark, der Erfinder von Craigslist, hat in den USA das Geschäft mit Kleinanzeigen revolutioniert. Seit 2004 dringt sein Unternehmen mit Gratisangeboten auch nach Europa vor, wo die Kleinanzeigen noch zum Kerngeschäft der Presse gehören. Die Offline-Adresse braucht man sich nicht zu merken; sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="small"> Neue Zürcher Zeitung, Freitag, 22. August 2008</span></p>
<p><strong><a href="http://www.craigslist.org/about/sites"><a href="http://www.flickr.com/photos/infomofo/151935241/"><img class="alignleft size-medium wp-image-2160" title="craigslist" src="http://de.ejo.ch/wp-content/uploads/2008/08/craigslist-300x225.jpg" alt="" width="230" height="158" /></a>Craigslist</a> revolutionierte das US-Inserategeschäft</strong><br />
Craig Newmark, der Erfinder von Craigslist, hat in den USA das Geschäft mit Kleinanzeigen revolutioniert. Seit 2004 dringt sein Unternehmen mit Gratisangeboten auch nach Europa vor, wo die Kleinanzeigen noch zum Kerngeschäft der Presse gehören.</p>
<p><span id="more-145"></span></p>
<div>Die Offline-Adresse braucht man sich nicht zu merken; sie ist indes ein Zeichen für eindrucksvolles Understatement: 1291, 9th Avenue, San Francisco. Ein eher schäbiger Altbau in einem beschaulichen Innenstadtgebiet, für den sich jedes Kleinstadt-Anzeigenblatt zu schade wäre: eisenvergitterter Eingang, dahinter begrüssen einen erst einmal zwei blaue Mülltonnen. Dann geht es eine enge Stiege hinauf in den ersten Stock – in eine Büroetage, die eher an eine studentische Kommune erinnert.<strong>Direkt zum Chef</strong><br />
Keine Empfangsdame, keine Sekretärin, die den Geschäftsführer abschirmt: Ein schlaksiger jugendlicher, etwa zwei Meter grosser Mann begrüsst den Gast persönlich. Jim Buckmaster ist in den USA «vermutlich der einzige CEO», der von Journalisten jemals als «anti-establishment», als «Kommunist» und als «sozialistischer Anarchist» etikettiert wurde. Er selbst sieht sich zwar anders; kokettierte er indes nicht mit der Beschreibung, fände sie sich schwerlich auf seiner Website.</p>
<p>Das Internet macht es möglich: Privatpersonen können bei <a href="http://www.craigslist.org/about/sites">www.craigslist.org</a> gratis ihre Kleinanzeigen schalten; Immobilienmakler und Arbeitgeber, die Angebote offerieren, bezahlen Gebühren. Diese liegen aber weit unter den Sätzen, die für Kleinanzeigen üblich waren, bevor das Internet diesen Teil des Werbemarkts und Craigslist das Internet revolutionierte. 40 Millionen Besucher monatlich vermeldet Craigslist allein in den USA – das sind fast doppelt so viele, wie die erfolgreichste Zeitungs-Website (nytimes.com) anzulocken vermag. Das Unternehmen, das Newmark leitet, generiert – so schätzt die «New York Times» – zwischen 80 und 100 Millionen Dollar Umsatz pro Jahr und beschäftigt bloss 25 Mitarbeiter. In den USA ist Craigslist mittlerweile der grösste Anbieter von Kleinanzeigen. Nach Besucherzahlen ist es die Nummer 8 unter allen englischsprachigen Websites weltweit.</p>
<p><strong>Dramatischer Umsatzrückgang</strong><br />
Die Einkünfte, die den Wettbewerbern auf diese Weise entgehen, betragen indes ein Vielfaches vom Umsatz, den Newmarks erfolgreicher Startup selbst erzielt. Wie viel genau, ist bei der Newspaper Association of America (NAA) nicht in Erfahrung zu bringen. Um wenigstens Anhaltspunkte zu geben: Noch werden mit Zeitungs-Kleinanzeigen jährlich 14,2 Milliarden Dollar Umsatz erzielt. Fast ein Drittel dieses Geschäfts ist aber seit dem Allzeithoch im Jahr 2000 weggebrochen – damals waren es knapp 20 Milliarden Dollar gewesen. Die US-Statistik reicht bis 1950 zurück; seither war in keinem anderen Jahr die Einbusse dramatischer als 2007: Minus 16,5 Prozent vermeldete die NAA, was einem Umsatzrückgang von 2,8 Milliarden im letzten Jahr gleichkommt.</p>
<p>Dass Craigslist einen erheblichen Teil dieses Einnahmeausfalls verursacht haben könnte, mit diesem Vorwurf will sich Buckmaster erst gar nicht auseinandersetzen. «Wir reagieren auf die Wünsche unserer Community», sagt er und zählt die Vorteile auf, die Kleinanzeigen im Internet gegenüber herkömmlichen Inseraten bieten. Auch Newmark hält die Schuldzuweisung, so zitiert ihn jedenfalls die «New York Times», für einen «urban myth» – für Grossstadt-Folklore.</p>
<p><strong>In 500 US-Märkten präsent</strong><br />
Aus einer privaten Non-Profit-Initiative, mit welcher der Firmengründer Freunde und Bekannte auf Veranstaltungen in San Francisco hinweisen wollte, ist in nur 13 Jahren das heutige Unternehmen erwachsen. 1995 in San Francisco gegründet, hat Craigslist in den letzten beiden Jahren rapide expandiert. Es ist jetzt in 500 US-Märkten präsent, darunter auch in Gemeinden mit weniger als 20 000 Einwohnern. Damit bedroht es längst nicht mehr nur die Grossstadt-Zeitungen, sondern auch kleine Lokalblätter. Und es will Europa erobern. Seit 2003 gibt es Craigslist in London, seit 2004 in Amsterdam und Paris, seit 2005 in Zürich, Rom, Frankfurt, Madrid und München. In diesem Jahr sind weltweit weitere 120 Städte dazugekommen, darunter Basel und Bern. In der Schweiz, wo das Unternehmen seit 2005 in Zürich und Genf aktiv ist, werden monatlich über eine Million Seiten von Craigslist angeklickt, in Grossbritannien sind es bereits 20 Millionen.</p>
<p>Praktisch alle Mitarbeiter widmen sich mit einem erheblichen Teil ihrer Arbeitskraft der Aufgabe, Craigslist von unerwünschtem Inhalt freizuhalten. Buckmaster schränkt allerdings ein, dass dies bei Millionen von Inseraten nicht immer gelinge. Der Verkehr auf der Website lasse sich nicht zentral überwachen – man habe aber gute Erfahrung damit gemacht, dass die Nutzer selbst Internet-Polizei spielten. Sie können Anzeigen, die gegen den Geist des Projekts verstossen, markieren; diese werden dann von einer hochentwickelten Software nochmals überprüft und gegebenenfalls entfernt.</p>
<p><strong>Keine Eigenwerbung, kein Marketing</strong><br />
Newmark und Buckmaster personalisieren jene Symbiose von «Counterculture» und «Cyberculture», der ein junger Stanford-Professor, Fred Turner, kürzlich in einem lesenswerten Buch nachspürte.* Buckmaster bekennt sich zu einem «low stress business model»: Man setzt auf mündliche Propaganda und Schneeballeffekte. Craigslist betreibt keine Werbung und kein Marketing – und auch dafür hat Buckmaster gute Gründe: «Die Leute mögen keine Unterbrecher-Werbung im Fernsehen, sie mögen auch keine Pop-ups im Internet und kein Telefonmarketing. Wir können uns den Luxus leisten, darauf zu verzichten.» Selbst die PR-Aktivitäten seien ausgelagert. Man betreibe keine aktive Öffentlichkeitsarbeit, sondern reagiere eher auf Journalisten-Anfragen, sagt Buckmaster.</p>
<p>Ob damit nicht Marktchancen verspielt werden? «Wer 100 Prozent Umsatzwachstum pro Jahr hat, für den ist mehr Wachstum nicht die Top-Priorität», sagt der CEO. Er weiss sich mit Neumark einig darin, dass sie «low key» bleiben wollen: Sie wollen den Besuchern ihrer Website weiterhin einen Gemeinschaftsdienst bieten, ohne selbst eine Unternehmenskultur zu entwickeln.</p>
<p>Ob das gelingt, hängt allerdings nicht zuletzt von einem Miteigentümer ab, der in Ungnade gefallen ist. 28 Prozent von Craigslist gehören Ebay, und mit deren Management gibt es zurzeit heftige juristische Auseinandersetzungen. Die Ebay-Leute werfen Buckmaster und Newmark Täuschungsmanöver vor. Zum Verfahrensstand wollten sich weder Buckmaster noch Ebay äussern. Ebay betreibt allerdings mit www.kijiji.com inner- und ausserhalb der USA ein ähnliches Projekt wie Craigslist, und inzwischen dringen beide jeweils mit ihren Websites in die Märkte des anderen vor.</p>
<p><strong>Wohltätiges für Journalisten</strong><br />
Wie so viele erfolgreiche Unternehmer in Amerika ist Newmark auch als Stifter aktiv. Wiederholt hat er in Projekte investiert, die dem Journalismus zugutekommen. Er fördert Websites wie factcheck.org, PRWatch.org, NewsTrust.net und publicintegrity.org – allesamt Initiativen, welche Politikern und deren Öffentlichkeitsarbeitern auf die Finger schauen oder auch die Medien selbst stärker rechenschaftspflichtig machen. «Eine Demokratie braucht eine starke freie Presse, die Politikern unbequeme Fragen stellt und dem Machtmissbrauch nachspürt», so Newmark. Medienunternehmen sowie insbesondere Blogger hätten oftmals nicht die nötigen Ressourcen, um ernsthafte Recherchen zu betreiben. Deshalb unterstütze er Gruppen, «die einen starken Journalismus bewahren helfen».</p>
<p>Nur zu dumm, dass Craigslist den Redaktionen weit mehr Ressourcen entzieht, als der Stifter Newmark ihnen jemals zukommen lassen kann. Anderseits kann, wer an Marktwirtschaft glaubt, schwerlich Newmark und Buckmaster vorwerfen, dass sie die bisherigen Quasimonopole der Verlagshäuser im Kleinanzeigenmarkt aufgebrochen haben. Eher schon dürfte sich Buckmaster bestätigt fühlen, der an die Wendigkeit kleiner Unternehmen glaubt und grosse Apparate prinzipiell für «dysfunktional» hält.</p>
<p>* Turner, Fred (2006): From Counterculture to Cyberculture, Chicago: Chicago University Press.</p>
</div>
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		<title>Erfolge mit Unterbrechen</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/143/marketing-werbung/erfolge-mit-unterbrechen</link>
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		<pubDate>Fri, 28 Sep 2007 18:24:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>EJO</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marketing & Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Moritz Leuenberger]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Schawinski]]></category>
		<category><![CDATA[Sender]]></category>
		<category><![CDATA[Werbeverbot]]></category>

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		<description><![CDATA[Erstveröffentlichung: Weltwoche  38/07 Neun Jahre danach ist ein alter Streit zwischen Moritz Leuenberger und Roger Schawinski entschieden. Schawinski hatte recht: Die Werbeverbote nützen vor allem ausländischen Sendern. Tele 24, der erste nationale Privat-TV-Kanal, war gerade 24 Stunden auf Sendung, als am 7. Oktober 1998 bereits die Polizisten von Medienminister Moritz Leuenberger ausschwärmten. Die Behörde leitete [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p><strong><span style="color: #888888;"><span class="small">Erstveröffentlichung: Weltwoche  38/07</span></span></strong></p>
</div>
<div>
<p><strong>Neun Jahre danach ist ein alter Streit zwischen Moritz Leuenberger und Roger Schawinski entschieden. Schawinski hatte recht: Die Werbeverbote nützen vor allem ausländischen Sendern.</strong></p>
</div>
<div>Tele 24, der erste nationale Privat-TV-Kanal, war gerade 24 Stunden auf Sendung, als am 7. Oktober 1998 bereits die Polizisten von Medienminister Moritz Leuenberger ausschwärmten. Die Behörde leitete ein Verfahren ein, weil Tele 24 in der Sendung «Swiss News» unzulässige Unterbrecherwerbung geschaltet habe.<span id="more-143"></span></p>
<p>TV 3, der zweite nationale Privat-TV-Kanal, war gerade fünf Tage auf Sendung, als am 10. September 1999 die Polizisten von Medienminister Moritz Leuenberger ausschwärmten. Die Behörde leitete ein Verfahren ein, weil TV 3 in Sendungen wie «Fohrler live» unzulässige Unterbrecherwerbung geschaltet habe.</p>
<p>Ähnliche Aktionen folgten sich regelmässig. Tele-24-Betreiber Roger Schawinski und TV-3-Chef Jürg Wildberger kritisierten stets, man wolle ihnen mit Werbeverboten das Rückgrat brechen. Das Departement Leuenberger hielt jeweils dagegen, die zwei Privaten überschätzten den Effekt von Unterbrecherwerbung gewaltig.</p>
<p>Es ist dies eine historische Frage. Aber es ist eine interessante Frage, weil wir neun Jahre danach nun beantworten können, wer damals recht hatte.</p>
<p>Seit dem 1. April 2007 ist das neue Radio- und TV-Gesetz in Kraft. Es regelt auch die Unterbrecherwerbung neu. Den SRG-Sendern ist sie nur einmal nach 45 Minuten erlaubt, wenn die Sendung mindestens 90 Minuten dauert. Die ausländischen Kanäle wie RTL und Sat 1 werden liberaler behandelt. Sie dürfen auch kurze Sendungen bereits nach 20 Minuten und mehrmals mit Schweizer Werbung unterbrechen.</p>
<p>Wir können also gut aufzeigen, was die Neuregelung der Unterbrecherwerbung ausgelöst hat. Wir müssen nur die Brutto-Werbeumsätze von SF1 und SF2 mit jenen der Konkurrenz – vorher und nachher – vergleichen.</p>
<p>Das Bild ist eindeutig. Die ausländischen Kanäle legen gewaltig zu. Die Zunahme ist zwar etwas geringer als gezeigt, weil sie auch mehr Gratiswerbung schalten. Dennoch profitieren sie eindeutig davon, dass sie seit April 07 mehr Sendungen unterbrechen dürfen. SF1 und SF2, die das nicht können, sind klar hinter die Deutschen zurückgefallen.</p>
<p>Der finanzielle Effekt der Unterbrechungen ist also eindeutig. Roger Schawinski und Jürg Wildberger haben damals recht gehabt.</p>
</div>
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		<title>Wahlempfehlungen: Marketing statt Entscheidungshilfe</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/391/marketing-werbung/wahlempfehlungen-marketing-statt-entscheidungshilfe</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Sep 2007 10:55:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marketing & Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[Ressorts]]></category>

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		<description><![CDATA[Schweizer Journalist, 08/09 2007 Die Financial Times Deutschland und der Corriere della Sera haben mit ihren Wahlempfehlungen in Europa Aufsehen erregt, in den USA sind dagegen solche &#8222;endorsements&#8220; an der Tagesordnung. Doch geben die Zeitungen wirklich &#8222;unabh&#228;ngig&#8220; Entscheidungshilfen und beeinflussen damit wom&#246;glich das Wahlergebnis, oder folgen sie eher dem, was die Mehrheit ihrer Leserinnen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="small" align="left">
<p>Schweizer Journalist, 08/09 2007 </p>
</div>
<div align="left">
<p>Die Financial Times Deutschland und der Corriere della Sera haben mit ihren Wahlempfehlungen in Europa Aufsehen erregt, in den USA sind dagegen solche &bdquo;endorsements&ldquo; an der Tagesordnung. </p>
</div>
<p><span id="more-391"></span><br /> 
<div align="left">Doch geben die Zeitungen wirklich &bdquo;unabh&auml;ngig&ldquo; Entscheidungshilfen und beeinflussen damit wom&ouml;glich das Wahlergebnis, oder folgen sie eher dem, was die Mehrheit ihrer Leserinnen und Leser ohnehin denkt und zu w&auml;hlen beabsichtigt? Am Beispiel der US-Pr&auml;sidentschaftswahl von 2004 hat der Kommunikationsforscher Jun-Seok Kang von der Indiana University dieser Frage nachgesp&uuml;rt &ndash; und herausgefunden, dass &uuml;berall dort, wo es unter dem Wahlvolk klare Mehrheiten zugunsten eines der Kandidaten gab, meist auch das Lokalblatt diesen Kandidaten mit seinem &bdquo;endorsement&ldquo; unterst&uuml;tzt hat. Es ist also, so vermutet mit guten Argumenten der Forscher, nicht die Zeitung, die den W&auml;hlerwillen beeinflusst, sondern umgekehrt die Meinung der Lesermehrheit, die sich in der Wahlempfehlung widerspiegelt. Das Forschungsergebnis l&auml;sst sich &uuml;brigens mit grosser Wahrscheinlichkeit auf die FTD und vermutlich auch auf den Corriere della Sera &uuml;bertragen. </p>
<p> Jun-Seok Kang: Economics of Newspapers&rsquo; Presidential Endorsement Decisions: Evidence for Endogenous Product-Type Choices of Media Firms, Pr&auml;sentation bei der Jahrestagung der ICA, San Francisco, Mai 2007  </p></div>
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		</item>
		<item>
		<title>Gnadenbrot von den Genossenschaften</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/144/marketing-werbung/gnadenbrot-von-den-genossenschaften</link>
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		<pubDate>Thu, 16 Aug 2007 08:22:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt W. Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marketing & Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[Hansueli Loosli]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Bolliger]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

		<guid isPermaLink="false"></guid>
		<description><![CDATA[Erstveröffentlichung: Weltwoche 32/07 Der Trend in der Werbung geht in Richtung elektronische Medien. Dass die Schweizer Presse trotzdem noch Werbegeld verdient, hat zwei Erklärungen: Bolliger und Loosli. Heute wollen wir einmal die beiden wichtigsten Männer der Schweizer Medienindustrie vorstellen. Sie heissen Herbert Bolliger und Hansueli Loosli. Die Vorsitzenden von Migros und Coop ernähren nicht nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="small"><span style="color: #888888;"><strong>Erstveröffentlichung: Weltwoche 32/07</strong></span></p>
<p><strong>Der Trend in der Werbung geht in Richtung elektronische Medien. Dass die Schweizer Presse trotzdem noch Werbegeld verdient, hat zwei Erklärungen: Bolliger und Loosli.</strong></p>
<div>Heute wollen wir einmal die beiden wichtigsten Männer der Schweizer Medienindustrie vorstellen. Sie heissen Herbert Bolliger und Hansueli Loosli. Die Vorsitzenden von Migros und Coop ernähren nicht nur die halbe Bevölkerung. <span id="more-144"></span>Sie sind auch die halbe Miete für die Medien. Eben ist die Werbestatistik für das erste Halbjahr 2007 erschienen. Im ersten Halbjahr hat die Migros 145,7 Millionen Franken in Werbung gesteckt. Bei Coop waren es 101,8 Millionen. Nestlé, der drittgrösste Werbeauftraggeber, liegt mit 31,1 Millionen schon deutlich zurück.</p>
<p>Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2007 brutto 1,944 Milliarden Franken für Werbung ausgegeben, ein schönes Plus von 8,2 Prozent. Statistiken sind nur so gut wie ihre Interpretation. Wir wollen drei generelle Einsichten ablesen.</p>
<p>1 – TV boomt gewaltig. Die Zuwachsrate der TV-Werbung beträgt 16,3 Prozent. Die Rate von SF 1 ist noch höher. Die Strategie von Bundesrat Moritz Leuenberger ist also voll aufgegangen. Er machte TV DRS zu einem der ganz wenigen Staatssender ohne Werbebeschränkungen. Nun profitiert man enorm von dieser Günstlingswirtschaft. Im Kielwasser schwimmen die deutschen TV-Fenster fröhlich mit.</p>
<p>2 – 20 Minuten ist ein Weltrekord. Es gibt keine andere Gratiszeitung weltweit, die dermassen erfolgreich ist. 95 Prozent der Gratisblätter verlieren Geld. Die Notendruckmaschine des Hauses Tamedia hingegen wird in der kleinen Deutschschweiz 2007 einen Gewinn von deutlich über 40 Millionen machen. Der derzeit einzige Konkurrent, das Gratis-Abendblatt Heute, kommt im ersten Halbjahr nur auf einen Umsatz von jammervollen 5 Millionen und macht böse Verluste.</p>
<p>3 – Es ist auffallend, wie magersüchtig die Tageszeitungen in klassischer Werbung sind. Im Vergleich besonders umsatzschwach sind die zwei Zürcher Blätter, weil sie rasant Leser verloren haben. Die grossen Consumer-Brands aus Häusern wie Unilever, Nestlé, L’Oréal oder Procter&amp;Gamble meiden inzwischen das gedruckte Angebot und werben fast ausschliesslich am Fernsehen.</p>
<p>Migros und Coop sind die Ausnahme. Drei Viertel ihrer Werbeausgaben fliessen immer noch in die Presse. Das macht in diesem Jahr brutto 350 Millionen Franken. Es wäre ein Sargnagel für die Zeitungen, wenn es Migros und Coop Konzernen wie Unilever, Nestlé, L’Oréal oder Procter&amp;Gamble nachmachen und ebenfalls auf den attraktiveren TV-Werbekanal setzen würden.</p>
<p>Wir können dem Schweizer Verlegerverband nur raten, die Herren Bolliger und Loosli zu Ehrenmitgliedern zu ernennen.</p>
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