Archiv für Kategorie Medienjournalismus

Darf man das?

Die Kunst des Titelbilds ist die Kunst der maximalen Reduktion. Nur Reduktion führt zu Reaktion.

Im Juli 1977 erschien der Spiegel mit dem berühmtesten Titelbild seiner Geschichte. Es zeigte einen Teller Spaghetti. Auf den Spaghetti lag ein schwarzer Trommelrevolver. Darunter stand: „Urlaubsland Italien“. Die Italiener heulten auf. Es kam zu öffentlichen Protesten. Der Spiegel wurde mit Strafklagen wegen Volksverhetzung eingedeckt. Die italienischen Auslandorganisationen demonstrierten. Politiker bis zu Premierminister Giulio Andreotti gaben ihrer Empörung Ausdruck. Es war aus journalistischer Sicht ein perfektes Titelbild. Das sogenannte Cover, so die Regel der Zeitschriftenbranche, muss das Thema der Story verdichten, einkochen, maximal reduzieren. Mit der maximalen Reduktion auf Spaghetti und Schusswaffe wurde diese Vor­gabe zielgenau erreicht.

Damit sind wir bei der Weltwoche. Auch sie hat das Prinzip der Reduktion umgesetzt und auf dem Cover ein Roma-Kind mit Pistole abgebildet. Auch sie sieht sich nun einem Proteststurm gegenüber, auch hier flankiert von den üblichen Strafklagen. Zum Rest des Beitrags »

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Das redaktionelle Umfeld

Wer interessiert sich eigentlich für Luxus- und Stil-Beilagen?

Am schrecklichsten ist es immer im Frühling. Weil jetzt Frühling ist, ist es darum jetzt am schrecklichsten. Immer im Frühling nämlich erfasst unsere Zeitungsredaktionen ein luxuriöser Lemming-Effekt. Gleichzeitig und geballt hauen sie nun ihre Luxus-Beilagen raus.

Die Luxus-Beilagen heißen wechselweise auch Stil-Beilagen. Die einzigen Themen der Luxus- und Stil-Beilagen sind Luxus und Stil. In der Selbstdarstellung der Verlage tönt das so: Finest, die Luxus-Beilage der Sonntags­zeitung, “ist im Luxusbereich positioniert”. First, die Luxus-Beilage der Bilanz, “ist ein hedonistisches Lifestyle-Magazin”. Stil, die Luxus-Beilage der Weltwoche, “inspiriert zum Genuss des Schönen”. Z, die Luxus-Beilage der Neuen Zürcher Zeitung, beschreibt “die genussvollen Seiten des Lebens”. Luxe, die Luxus-Beilage der Finanz und Wirtschaft, wirkt “im Themenkreis Luxus und Lifestyle”. Luxus, die Luxus-Beilage des Tages-Anzeigers, “präsentiert luxuriöse Themen”. Zum Rest des Beitrags »

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Wider die Dauer-Medienschelte

Wenn fast jeder Zweite im Land glaubt, der zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff sei Opfer einer Medienhatz, dann müssen die Alarmglocken schrillen.

Denn offenbar besteht ein breites Missverständnis über das, was Medien zu tun haben. Es geht nicht darum, schwarze Schafe unter den Journalisten zu verteidigen, sondern soliden Journalismus.

Von der „Bild“-Zeitung, die noch vor dem „Stern“ herausfand, wer das Wulff-Haus in Großburgwedel maßgeblich finanzierte und damit den Stein ins Rollen brachte, bis zur „FAZ“, vom Boulevard bis zum Qualitätsblatt, regional wie überregional: in der Einschätzung der „Causa Wulff“ herrschte breite Übereinstimmung, und das war keine Hetzkampagne, sondern hatte Sachgründe. Journalismus heißt nicht, Halt machen vor einem Amt oder vor jemandem, den man nett findet. Gerade im Fall Wulff glaubten viele im Umkreis des Bundespräsidenten, durch Aussitzen und die Hoffnung, das Publikum sei des Themas bald überdrüssig, könne man die lästigen Medien loswerden. Gut, dass sie dennoch „dran blieben“, denn das war ihre staatsbürgerliche Pflicht…
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Causa Wulff – ein dreifaches Spiegelbild

Der Fall Christian Wulff  liefert ein dreifaches Spiegelbild: Es zeigt den Zustand der Politik, der Medien und des Verhältnisses von Medien und Politik in Deutschland.

Die Art, wie Medien über das deutsche Staatsoberhaupt berichten, schwankt zwischen goldrichtig und gemein. Ja, sie müssen öffentlich machen, wenn ein deutscher Bundespräsident sich Privilegien verschafft für den Kauf seines Eigenheims.

Kritisieren, kontrollieren, an den Tag bringen, wo ein Amt missbraucht wird, gehört zu ihrem Kerngeschäft und ist Teil der Verantwortung, die Medienschaffende in einer demokratischen Gesellschaft haben; deshalb haben und brauchen sie Privilegien wie Auskunftsrechte, oder das Recht, Informanten zu schützen, und das Recht, auch verdeckt zu recherchieren, weil sonst etwas unter den Teppich gekehrt wird. Es ist ferner ein journalistisches Recht, Position zu beziehen, also zu argumentieren, welche Gründe gegen den Verbleib von Wulff im Amt sprechen und welche dafür. Zum Rest des Beitrags »

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Der hl. Philipp

Der Fall Hildebrand zeigt, in welch traurigem Zustand der Recherchierjournalismus in der Schweiz ist.

Zuerst zur Dimension des Deals. Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand verdient 995 000 Franken. In Zürich fallen dafür 375 000 Franken an Einkommenssteuern an. Seine Ehefrau Kashya zockte also mit zwei Dritteln seines verfügbaren Jahreslohns, als sie über 400 000 Franken hinter seinem Rücken in eine Dollarspekulation steckte.

Das sollen wir glauben? Wir sollen glauben, sie habe ihm von ihrem Deal kein Sterbenswort gesagt? Wir sollen glauben, ihr perfektes Timing des Deals, kurz vor der Frankenanbindung, sei reiner Zufall? Seltsam, aber alle Schweizer Journalisten glauben das felsenfest. Zum Rest des Beitrags »

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EJO Goes East

In eigener Sache
Mit Albanien, Rumänien, Serbien, der Tschechischen Republik und der Ukraine werden bald fünf neue Partner an Bord des European Journalism Observatory sein.

Die EJO-Osterweiterung wird durch das SCOPES-Programm möglich gemacht. Das Programm, das gemeinsam vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) finanziert wird, fördert die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Forschungsgruppen und –institutionen aus der Schweiz und aus Osteuropa. Es unterstützt die fünf neuen EJO-Partner mit insgesamt 240.000 CHF (ca. 194.000 Euro) in den Jahren 2012 und 2013.
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Heiße Luft, heilige Einfalt

Der Papst schenkte uns ein Bild zum Abschied: In Freiburg predigte er über die Krise des Glaubens und führte sie zurück auf „Routiniers in den Kirchen“ und auf „laue Christen“.

Dieses Bild lässt sich übertragen auf einen Teil der Berichterstattung über den Deutschlandbesuch des Papstes: Die Krise des Journalismus ist zu einem guten Teil zurückzuführen auf „laue Journalisten“ und Routiniers in den Redaktionen. Ein paar Beispiele. Die „taz“ wollte wohl routiniert-cool wirken, als sie einen Bericht über den Papstauftritt vor dem deutschen Parlament mit dem Bild des spitzohrigen, kleinen Jedi-Meisters Yoda –Überschrift „Religionsführer im Bundestag“ – bebilderte. Zum Rest des Beitrags »

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