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	<title>EJO - European Journalism Observatory &#187; Medienjournalismus</title>
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		<title>Darf man das?</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 11:33:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt W. Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethik & Qualitätssicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Medienjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Cover]]></category>
		<category><![CDATA[Protest]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Kunst des Titelbilds ist die Kunst der maximalen Reduktion. Nur Reduktion führt zu Reaktion. Im Juli 1977 erschien der Spiegel mit dem berühmtesten Titelbild seiner Geschichte. Es zeigte einen Teller Spaghetti. Auf den Spaghetti lag ein schwarzer Trommelrevolver. Darunter stand: „Urlaubsland Italien“. Die Italiener heulten auf. Es kam zu öffentlichen Protesten. Der Spiegel wurde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.weltwoche.ch/no_cache/die-weltwoche/aktuelle-ausgabe/ausgabe_jahr/2012/ausgabe_nummer/14.html"><img class="size-full wp-image-6590 alignleft" title="Foto: Screenshot Weltwoche" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/Roma_Pistole.jpg" alt="" width="240" height="135" /></a>Die Kunst des Titelbilds ist die Kunst der maximalen Reduktion. Nur Reduktion führt zu Reaktion.</strong></p>
<p>Im Juli 1977 erschien der <em>Spiegel </em>mit dem berühmtesten Titelbild seiner Geschichte. Es zeigte einen Teller Spaghetti. Auf den Spaghetti lag ein schwarzer Trommelrevolver. Darunter stand: „Urlaubsland Italien“. Die Italiener heulten auf. Es kam zu öffentlichen Protesten. Der <em>Spiegel </em>wurde mit Strafklagen wegen Volksverhetzung eingedeckt. Die italienischen Auslandorganisationen demonstrierten. Politiker bis zu Premierminister Giulio Andreotti gaben ihrer Empörung Ausdruck. Es war aus journalistischer Sicht ein perfektes Titelbild. Das sogenannte Cover, so die Regel der Zeitschriftenbranche, muss das Thema der Story verdichten, einkochen, maximal reduzieren. Mit der maximalen Reduktion auf Spaghetti und Schusswaffe wurde diese Vor­gabe zielgenau erreicht.</p>
<p>Damit sind wir bei der <em>Weltwoche</em>. Auch sie hat das Prinzip der Reduktion umgesetzt und auf dem Cover ein Roma-Kind mit Pistole abgebildet. Auch sie sieht sich nun einem Proteststurm gegenüber, auch hier flankiert von den üblichen Strafklagen. <span id="more-6586"></span>Und natürlich springen Politiker auf den Zug auf. Aus medientheoretischer Sicht ist an diesen Fällen immer die Diskrepanz zwischen Form und Inhalt interessant. Die <em>Spiegel</em>-Titelgeschichte thematisierte seinerzeit die Unfähigkeit Italiens, gegen Terrorismus und Mafia vorzugehen. Niemand mochte über ­diese Missstände diskutieren. Alle stürzten sich nur auf das Titelbild. Bei der <em>Weltwoche</em>, wenig erstaunlich, spielt genau derselbe Effekt.</p>
<p>Bei Magazinen sorgt die Optik für die Emotionen. Das Bild kann heftige Abwehrreflexe auslösen. Der Text, weil zu faktennah, erbringt den schnellen Schockeffekt der Fotografie in der Regel nicht. Der Effekt gelingt am besten bei Themen wie Verbrechen, Sex und Religion. Besonders gut funktioniert die optische Reduktion, wenn sie eine unterschwellige Dosis an politischer Unkorrektheit mittransportiert.</p>
<p>Darf man das? Das ist die aufwühlende ­Frage bei Titelbildern. Es gibt viele Beispiele in der Mediengeschichte, die mit diesem Mechanismus für Skandale sorgten. Riesig war etwa die Aufregung, als Demi Moore 1991 auf dem Titelbild von <em>Vanity Fair </em>posierte. Sie war nackt und hochgradig schwanger und streckte ihren kugelrunden Bauch in die Kamera. Diesmal drehten die konservativen Organisationen durch und reagierten mit den üblichen Protesten und Strafklagen.</p>
<p>Ein ähnlicher Hammer auf Seite eins gelang 1987 dem Stern. Ein Reporter fotografierte im Hotel „Beau Rivage“ in Genf den deutschen CDU-Politiker Uwe Barschel, der tot in der Badewanne lag. Darf man das? Die Protestwelle war jedenfalls gewaltig. <em>Esquire </em>brachte 1968 Muhammad Ali auf dem Titelblatt, nachdem der Boxweltmeister den Militärdienst in Vietnam verweigert hatte. Es zeigte ihn von Pfeilen durchbohrt, wie den heiligen Sebastian, den christlichen Märtyrer. Der Aufschrei war gewaltig.</p>
<p>Nicht viel besser war es schon <em>Time </em>ergangen, als das Blatt Ende 1938 Adolf Hitler als „Man oft the Year“ aufs Titelblatt hob. Die vorletzte vergleichbare Aufregung gelang dem Magazin Ok, als es 2009 das letzte Bild des toten Michael Jackson aufs Cover pflanzte. Meist verfliegt die vermeintliche Schock­wirkung der starken Bilder aber sehr schnell. Am besten kann man das daran aufzeigen, wie sich der gewaltige Skandal um Demi Moore weiterentwickelte. Nach ihr posierten unter anderem Britney Spears, Christina Aguilera, Jessica Simpson und Mariah Carey genauso nackt und genauso hochschwanger auf den Titelblättern.</p>
<p>Als Letzte zeigte Claudia Schiffer ihren nackten Kugelbauch 2010 vorn auf der ­deutschen <em>Vogue</em>. Es war nur noch zum ­ Gähnen.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Weltwoche Nr. 16/2012<br />
</em></p>
<p><span style="color: #808080;">Mehr zum Thema &#8220;Roma-Kind mit Pistole&#8221; auf dem Titelbild der Weltwoche Nr. 14/2012</span></p>
<p><a href="http://www.weltwoche.ch/no_cache/die-weltwoche/aktuelle-ausgabe/ausgabe_jahr/2012/ausgabe_nummer/14.html" target="_blank">http://www.weltwoche.ch/no_cache/die-weltwoche/aktuelle-ausgabe/ausgabe_jahr/2012/ausgabe_nummer/14.html</a></p>
<p><a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2012-15/editorial-roma-die-weltwoche-ausgabe-152012.html" target="_blank">http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2012-15/editorial-roma-die-weltwoche-ausgabe-152012.html</a></p>
<p><a href="http://www.infosperber.ch/Artikel/Medien/Das-Roma-Kind-gehort-in-ein-CARITAS-Projekt" target="_blank">http://www.infosperber.ch/Artikel/Medien/Das-Roma-Kind-gehort-in-ein-CARITAS-Projekt</a></p>
<p><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/rassismusvorwurf-gegen-zeitung-weltwoche-roma-mit-pistole-11713234.html" target="_blank">http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/rassismusvorwurf-gegen-zeitung-weltwoche-roma-mit-pistole-11713234.html</a></p>
<p><a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/zentralrat-der-roma-und-sinti-zeigt-weltwoche-an-wie-im-nationalsozialismus-1.1329509" target="_blank">http://www.sueddeutsche.de/medien/zentralrat-der-roma-und-sinti-zeigt-weltwoche-an-wie-im-nationalsozialismus-1.1329509</a></p>
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		<title>Das redaktionelle Umfeld</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Apr 2012 14:21:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt W. Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Anzeigen]]></category>
		<category><![CDATA[Beilage]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer interessiert sich eigentlich für Luxus- und Stil-Beilagen? Am schrecklichsten ist es immer im Frühling. Weil jetzt Frühling ist, ist es darum jetzt am schrecklichsten. Immer im Frühling nämlich erfasst unsere Zeitungsredaktionen ein luxuriöser Lemming-Effekt. Gleichzeitig und geballt hauen sie nun ihre Luxus-Beilagen raus. Die Luxus-Beilagen heißen wechselweise auch Stil-Beilagen. Die einzigen Themen der Luxus- [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-6539 alignleft" title="Foto: Thorben Wengert  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/luxus.jpg" alt="" width="240" height="160" /></a>Wer interessiert sich eigentlich für Luxus- und Stil-Beilagen?</strong></p>
<p>Am schrecklichsten ist es immer im Frühling. Weil jetzt Frühling ist, ist es darum jetzt am schrecklichsten. Immer im Frühling nämlich erfasst unsere Zeitungsredaktionen ein luxuriöser Lemming-Effekt. Gleichzeitig und geballt hauen sie nun ihre Luxus-Beilagen raus.</p>
<p>Die Luxus-Beilagen heißen wechselweise auch Stil-Beilagen. Die einzigen Themen der Luxus- und Stil-Beilagen sind Luxus und Stil. In der Selbstdarstellung der Verlage tönt das so: <em>Finest</em>, die Luxus-Beilage der <em>Sonntags­zeitung</em>, &#8220;ist im Luxusbereich positioniert&#8221;. <em>First</em>, die Luxus-Beilage der <em>Bilanz</em>, &#8220;ist ein hedonistisches Lifestyle-Magazin&#8221;. <em>Stil</em>, die Luxus-Beilage der <em>Weltwoche</em>, &#8220;inspiriert zum Genuss des Schönen&#8221;. <em>Z</em>, die Luxus-Beilage der <em>Neuen Zürcher Zeitung</em>, beschreibt &#8220;die genussvollen Seiten des Lebens&#8221;. <em>Luxe</em>, die Luxus-Beilage der <em>Finanz und Wirtschaft</em>, wirkt &#8220;im Themenkreis Luxus und Lifestyle&#8221;. <em>Luxus</em>, die Luxus-Beilage des<em> Tages-Anzeigers</em>, &#8220;präsentiert luxuriöse Themen&#8221;.<span id="more-6538"></span></p>
<p>Wir sind damit in einem Grenzbereich des Journalismus angekommen. Es ist der Bereich des Gefälligkeitsjournalismus. Der Gefälligkeitsjournalismus unterscheidet sich vom Normalfall durch seine spezielle Zielgruppe. Für einmal schreiben die Journalisten nicht für ihre Leser. Sie schreiben für ihre Inserenten. Sie wissen, dass sich kein Leser derart ­geballt für Luxus und Stil interessiert. Für Luxus und Stil interessieren sich derart geballt nur die Werbekunden aus der Luxus- und Stil-Industrie.</p>
<p>Wir sagen nicht, es handle sich beim Gefälligkeitsjournalismus um Korruption. Es ist nur eine Vorstufe davon.</p>
<p><em>Am schrecklichsten treibt es die NZZ</em></p>
<p>Erkennbar wird das jeweils an der Redaktionssitzung. An der Redaktionssitzung der ­Luxus- und Stil-Beilagen darf, anders als sonst, auch der Anzeigenleiter dabei sein. Der Anzeigenleiter sagt dann: &#8220;Ich habe mit dem Werbechef der Firma W gesprochen. Die würden eine Doppelseite schalten. Die schalten sie aber nur, wenn ihr darum herum eine schöne Story macht.&#8221; Die Journalisten in der Runde wissen nun, was zu tun ist. Der Anzeigenleiter fügt dann noch an, er habe auch mit den Werbechefs der Firmen X, Y, Z sowie A, B, und C gesprochen.</p>
<p>Damit unsere Leser kundig mitreden können, machen wir einen kurzen Ausflug in den Fachjargon. Diese journalistische Einbettung, diese unwesentlichen Artikel rund um die wesentlichen Anzeigen, nennt man in der Branche das &#8220;redaktionelle Umfeld&#8221;. Schöner Ausdruck, nicht wahr?</p>
<p>Am schrecklichsten in diesen redaktionellen Umfeldern treibt es die NZZ-Gruppe, oder am erfolgreichsten, je nach kultureller Sichtweise. Sie verlegt das wöchentliche Stil-Magazin <em>Stil</em>. Es liefert &#8220;Tipps und Trends zu Design, Genuss, Schönheit&#8221;. Dazu gibt es das Stil-Magazin <em>Z</em>. Es liefert &#8220;das ganze Spektrum der gepflegten Lebensart&#8221;. Soeben hat die <em>NZZ </em>eine dritte Publikation auf den Markt gebracht. Das Ding heißt <em>Gentlemen’s Report</em>. Es liefert &#8220;die Aspekte des kultivierten Lebensstils&#8221;.</p>
<p><em>Gentlemen’s Report</em>. Was für ein Name. Was für ein Name, wenn man bedenkt, dass der Ausdruck &#8220;Report&#8221; für eine klassische Form von schwierigem, analytischem und manchmal lebensgefährlichem Journalismus steht. Weil diese Kolumne aber traditionellerweise völlig frei von Polemik ist, verzichten wir auf eine kritische Würdigung dieses neusten Geniestreichs im Luxus- und Stil-Schaffen.</p>
<p>Völlig ohne Polemik stellen wir darum zu <em>Finest</em>, <em>First</em>, <em>Stil</em>, <em>Z</em>, <em>Luxe</em>, <em>Luxus</em>,<em> Gentlemen’s ­Report </em>und all den anderen nur eine neutrale Frage: Interessiert das irgendwen, außer ein paar Verlegern, Redaktionsleitern und Marketingchefs?</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Weltwoche vom 28. März 2012</em></p>
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		<title>Wider die Dauer-Medienschelte</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Feb 2012 14:27:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marlis Prinzing</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Causa Wulff]]></category>
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		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Neue Zürcher]]></category>
		<category><![CDATA[staatsbürgerliche Pflicht]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn fast jeder Zweite im Land glaubt, der zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff sei Opfer einer Medienhatz, dann müssen die Alarmglocken schrillen. Denn offenbar besteht ein breites Missverständnis über das, was Medien zu tun haben. Es geht nicht darum, schwarze Schafe unter den Journalisten zu verteidigen, sondern soliden Journalismus. Von der „Bild“-Zeitung, die noch vor dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-6156 alignleft" title="Foto: Cornerstone  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/Zeigefinger.jpg" alt="" width="240" height="181" /></a>Wenn fast jeder Zweite im Land glaubt, der zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff sei Opfer einer Medienhatz, dann müssen die Alarmglocken schrillen.</strong></p>
<p>Denn offenbar besteht ein breites Missverständnis über das, was Medien zu tun haben. Es geht nicht darum, schwarze Schafe unter den Journalisten zu verteidigen, sondern soliden Journalismus.</p>
<p>Von der „Bild“-Zeitung, die noch vor dem „Stern“ herausfand, wer das Wulff-Haus in Großburgwedel maßgeblich finanzierte und damit den Stein ins Rollen brachte, bis zur „FAZ“, vom Boulevard bis zum Qualitätsblatt, regional wie überregional: in der Einschätzung der „Causa Wulff“ herrschte breite Übereinstimmung, und das war keine Hetzkampagne, sondern hatte Sachgründe. Journalismus heißt nicht, Halt machen vor einem Amt oder vor jemandem, den man nett findet. Gerade im Fall Wulff glaubten viele im Umkreis des Bundespräsidenten, durch Aussitzen und die Hoffnung, das Publikum sei des Themas bald überdrüssig, könne man die lästigen Medien loswerden. Gut, dass sie dennoch „dran blieben“, denn das war ihre staatsbürgerliche Pflicht&#8230;<br />
<span id="more-6155"></span></p>
<p>Kritische Medien haben, das kann man nicht oft genug wiederholen, eine Schlüsselrolle für eine lebendige Demokratie, in der die Herrschenden sich nicht wie in Diktaturen alles erlauben können. Es ist untragbar, das Ansehen von Medien pauschal zu untergraben. Vor allem in Blogs und Foren graust einem vor dummen Nazi-Vergleichen, indem man Medien im Fall Wulff „Gleichschaltung“ unterstellt.</p>
<p>Ein besonders ärgerliches Beispiel pauschaler Medien-Schelte lieferte Jürg Dedial am Samstag in der „Neuen Zürcher Zeitung“. Ausgerechnet er, ein Profi, bezeichnet die Art, wie seine deutschen Kollegen mit Wulff umgegangen sind, als „unrühmliches Kapitel politischer und medialer Auseinandersetzung in Deutschland“. Statt sich mit dem Elend der Welt, mit Katastrophen, Kriegen und Krisen zu befassen, „ergehen sich die politische Klasse und die Medien in unserem Nachbarland in eitlen Balzritualen und Empörungsexerzitien in einem Fall, der an Trivialität und Biederkeit fast nicht mehr zu überbieten ist.“</p>
<p>Und: Diese „Moralbuddhas“ der Medien sollten erst selber darlegen, wo sie sich verführen und einladen lassen. Was soll das!? Heißt das, solange es Krieg gibt auf der Welt, dürfen Spitzenpolitiker Vorteile in hohem Maße annehmen für Feste und Urlaube? Heißt das, solange es schwarze Schafe im Journalismus gibt, dürfen sich die Medien nicht mehr um die politische Hygiene eines Staates kümmern? Oder war das schlicht ein närrischer Kommentar? Nehmen wir es mal so und freuen uns zumindest diesbezüglich, dass Karneval vorbei ist.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Kölner Stadtanzeiger vom 22. Februar 2012 (leicht geänderte Fassung)</em></p>
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		<title>Causa Wulff – ein dreifaches Spiegelbild</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 10:18:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marlis Prinzing</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsident]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrolle]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Fall Christian Wulff  liefert ein dreifaches Spiegelbild: Es zeigt den Zustand der Politik, der Medien und des Verhältnisses von Medien und Politik in Deutschland. Die Art, wie Medien über das deutsche Staatsoberhaupt berichten, schwankt zwischen goldrichtig und gemein. Ja, sie müssen öffentlich machen, wenn ein deutscher Bundespräsident sich Privilegien verschafft für den Kauf seines [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-5987 alignleft" title="Foto: Birgit  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/bellevue.jpg" alt="" width="240" height="173" /></a>Der Fall Christian Wulff  liefert ein dreifaches Spiegelbild: Es zeigt den Zustand der Politik, der Medien und des Verhältnisses von Medien und Politik in Deutschland.</strong></p>
<p>Die Art, wie Medien über das deutsche Staatsoberhaupt berichten, schwankt zwischen goldrichtig und gemein. Ja, sie müssen öffentlich machen, wenn ein deutscher Bundespräsident sich Privilegien verschafft für den Kauf seines Eigenheims.</p>
<p>Kritisieren, kontrollieren, an den Tag bringen, wo ein Amt missbraucht wird, gehört zu ihrem Kerngeschäft und ist Teil der Verantwortung, die Medienschaffende in einer demokratischen Gesellschaft haben; deshalb haben und brauchen sie Privilegien wie Auskunftsrechte, oder das Recht, Informanten zu schützen, und das Recht, auch verdeckt zu recherchieren, weil sonst etwas unter den Teppich gekehrt wird. Es ist ferner ein journalistisches Recht, Position zu beziehen, also zu argumentieren, welche Gründe gegen den Verbleib von Wulff im Amt sprechen und welche dafür.<span id="more-5981"></span></p>
<p>Und Medien müssen ein Forum bieten, auf dem sich eine Gesellschaft über ihre moralischen Leitlinien verständigen kann. Denn jeder Skandal ist zugleich eine Art Gewitterschauer, der klärt. Auf die donnernde Empörung über ein Fehlverhalten folgt die Einigung im Diskurs, ob dieses Verhalten künftig Standard sein soll oder weiterhin untragbar. Konkret: Will man künftig Schwindeleien in wissenschaftlichen Arbeiten, wie sie der ehemalige deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg gleich massenweise praktiziert hat, als normal dulden? Einigt man sich, dass ab sofort Spitzenpolitiker Kredite zu Bedingungen erhalten, von denen die Bürgerinnen und Bürger in ihrem Staate nicht einmal träumen können, und Freunde in Chefredaktionen oder Vorstandsetagen haben, bei denen zumindest der Verdacht bestehe, dass Gegengeschäfte gemacht werden.  Ob im Falle des Zitierschwindels oder bei lukrativen Freundschaftsdiensten: einigt man sich auf ein Nein, kehrt insbesondere bei politischen Mandatsträgern die Ruhe nach dem Sturm meistens ein durch den Rücktritt desjenigen, dessen Verhalten den Skandal auslöste. Insbesondere wenn er sich ein Amt geliehen hat, das hohe Anforderungen an Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit stellt.</p>
<p>Bundespräsident ist ganz sicher ein solches Amt, es ist im Kern ein Repräsentationsamt. Die Richtlinienkompetenz, also die politische Kursbestimmung, verankert die deutsche Verfassung beim Kanzler. Das Amt des Bundespräsidenten wird traditionell geprägt durch die Person, die es innehat. Das  erklärt, weshalb sich in Deutschland immer mehr Bürgerinnen und Bürger empören über die Art, wie sich ihr Bundespräsident verhält, Vorteile verschafft, nur scheibchenweise die Wahrheit zugibt, Sachverhalte verdreht. So jemand verliert in den Augen der Bürger an Würde &#8211; er, nicht das Amt, das er hätte ausfüllen sollen. Der „Spiegel“ greift dies in seinem aktuellen Titelbild auf (in der Schlagzeile „In Amt und Würden“ sind die Wörter „und Würden“ durchgestrichen).</p>
<p>Ja, es wird moralisiert. Das ist übrigens keineswegs ein deutsches „Phänomen“. Sonst wäre die Causa Hildebrand anders ausgegangen; der Nationalbankpräsident hat sich ja  im Grunde an die Reglemente gehalten, aber moralisch bedenklich gehandelt. Sicher, die Welt ist nicht immer „gerecht“. Hildebrand mag hadern, weshalb ausgerechnet er in die Mühlen der „Weltwoche“ und eines Whistleblowers geriet. Wulff  mag sich ärgern, dass manche Journalisten bei Politikern wie Franz-Josef Strauss deren „unkonventionelles“ Vorgehen als Zeichen für einen kantigen Charakter geradezu bewundert haben, es ihm aber ankreiden. Und wahrscheinlich gibt es noch etliche Unentdeckte, die auch nicht besser sind. Das mag ungerecht anmuten, heisst aber letztlich nur: Wo kein Kläger, da kein Richter – und bügelt keinen Fehler aus.</p>
<p>Jeden Tag, an dem Wulff am Amt klebt, wird mehr moralisiert. Manche finden es schrecklich, dass Medien wochenlang auf dieser Geschichte herumreiten. Das finde ich auch, aber aus anderen Gründen. Es ist erschreckend, dass heutzutage offenbar eine ganze Reihe an Missständen aufgetischt werden muss, ehe ein Mandatsträger zugibt, dass er seine Aufgabe wohl doch nicht richtig verstanden hat. Ich begreife nicht, weshalb Leute, die ja eigentlich selbst ganz genau und von vornherein das Ausmass ihres Fehlverhaltens kennen, das sie dann scheibchenweise zugeben, so lange an ihren Ämtern festhalten.</p>
<p>Darin spiegelt sich offensichtlich eine Art „deformation professionelle“ der „classe politique“: Mancher Politiker verliert Maß und Ziel, denkt, ihm stehe fast jedes Privileg zu, und vergisst, dass so manchem seine Freundschaft nur deshalb wichtig ist, weil diese Zugang zu politischen Machthebeln verschafft, und keineswegs, weil er so ein toller, netter Kerl ist. Das gilt übrigens ebenso für Journalisten. Auch sie neigen zu der Einfalt, man lade sie ein, weil sie so kluge Dinge schreiben. Doch auch sie  vergessen, dass sie einfach nützliche Schleusenwärter am Eingang massenmedialer Plattformen sind.</p>
<p>Man hat in Deutschland gegenwärtig den Eindruck, hier gehe es um ein Tauziehen: Schafft es der Politiker, so lange am Sessel zu kleben, bis den Medien der Stoff und die Luft ausgeht und der Öffentlichkeit die Lust am Thema? Oder gelingt es den Medien, einen Politiker so lange mit peinlichen Recherchen über seine Fehler zu traktieren, bis er vom Stuhl fällt?</p>
<p>Allerdings: Jemanden mit Schmutz aus allen erdenklichen Kübeln zu bewerfen sowie Häme, Scheinheiligkeit und Kampagnen sind nicht Teil der Informations-, Kritik- und Kontrollfunktion von Journalisten, und wenn der „Bild“- Chefredaktor sagt, mit seinem Blatt fahre ein Politiker im Aufzug nach oben und je nachdem auch wieder nach unten, dann ist das schlicht anmaßend.</p>
<p>Der Fall Wulff ist eben ein dreifaches Thema. Es handelt von Medien, Politik und ihrer gegenseitigen Beziehung. Man muss diese Themenschichten genau trennen.  Es ist relevant, dass der Präsident sich Vorteile verschaffte, aber eine Nebensache, was seine Frau früher getan hat und wer ihr die Kleider sponsert. Das geht Journalisten und die Öffentlichkeit nichts an, auch da haben Journalisten Verantwortung im Sinne einer „Ethik des Unterlassens“. Es ist zweitrangig, ob ein Politiker auf den Anrufbeantworter eines Journalisten spricht, aber völlig daneben und deshalb relevant, dass er versucht, die Berichterstattungsfreiheit mit Drohungen auszuhebeln. Es ist zu befürchten, dass auch andere Politiker ähnlich Medien unter Druck setzten. Umso wichtiger, sich endlich zu empören und deutlich zu machen, dass das nicht geht.</p>
<p>Was bleibt? Durch die Causa Wulff wurde kein Amt beschädigt, es hat sich lediglich ein Amtsinhaber diskreditiert. Es wurde wieder einmal klar, dass man unterscheiden muss zwischen der schlechten Nachricht und ihrem Überbringer. Und nicht die Journaille als solche  hat sich blamiert oder als unfähig erwiesen, sondern einzelne haben dummes Zeug gefragt, skandaliert, geheuchelt. Jeder Mensch macht Fehler und verdient eine weitere Chance. Das muss aber nicht an derselben Stelle sein. Jeder Mensch ist an jedem Posten durch einen anderen ersetzbar. Politiker, Journalisten, jeder.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Kleinreport vom 12. Januar 2012</em></p>
<pre></pre>
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		<title>Der hl. Philipp</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jan 2012 16:17:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt W. Zimmermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Fall Hildebrand zeigt, in welch traurigem Zustand der Recherchierjournalismus in der Schweiz ist. Zuerst zur Dimension des Deals. Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand verdient 995 000 Franken. In Zürich fallen dafür 375 000 Franken an Einkommenssteuern an. Seine Ehefrau Kashya zockte also mit zwei Dritteln seines verfügbaren Jahreslohns, als sie über 400 000 Franken hinter seinem Rücken in eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-5941 alignleft" title="Foto: Andrea Damm  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/Dollars.jpg" alt="" width="240" height="180" /></a>Der Fall Hildebrand zeigt, in welch traurigem Zustand der Recherchierjournalismus in der Schweiz ist.</strong></p>
<p>Zuerst zur Dimension des Deals. Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand verdient 995 000 Franken. In Zürich fallen dafür 375 000 Franken an Einkommenssteuern an. Seine Ehefrau Kashya zockte also mit zwei Dritteln seines verfügbaren Jahreslohns, als sie über 400 000 Franken hinter seinem Rücken in eine Dollarspekulation steckte.</p>
<p>Das sollen wir glauben? Wir sollen glauben, sie habe ihm von ihrem Deal kein Sterbenswort gesagt? Wir sollen glauben, ihr perfektes Timing des Deals, kurz vor der Frankenanbindung, sei reiner Zufall? Seltsam, aber alle Schweizer Journalisten glauben das felsenfest.<span id="more-5940"></span></p>
<p>Man stelle sich vor, die Gattin des deutschen Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann hätte in großem Stil mit Dollars spekuliert. Von Spiegel bis Bild hätten sie ihre besten Rechercheure auf den Fall angesetzt. Sie hätten nicht geruht, bis sie alle Fakten aufgedeckt hätten, genauso, wie sie dies eben bei den dubiosen Finanzgeschäften von Bundespräsident Christian Wulff zeigten.<br />
Die Schweizer Journaille legte im vergleichbaren Fall die Hände in den Schoß. Keiner recherchierte im Umfeld von Kashya Hildebrand und ihrer Kunstgalerie. Keiner ging der Frage nach, ob es ihr erster Devisenhandel mit derart hohem Einsatz war. Bei einem Ja wäre der Beweis für ein eheliches Insidergeschäft zweifelsfrei erbracht.</p>
<p><strong>Solidarität mit dem Verdächtigen</strong></p>
<p>Und vor allem fragte kein einziger Journalist, ob es sich bei der heimlichen Spekulantin Kashya womöglich um ein Tarnkonstrukt handelte, das einen anderen Täter schützen sollte.<br />
Am dreistesten bei dieser Arbeitsverweigerung trieben es die zwei auflagestärksten Zeitungen Blick und Tages-Anzeiger. Der Blick kannte manche Details bereits an Weihnachten, weil ein Whistleblower der Redaktion vertrauliche Informationen zugetragen hatte. Doch der Blick recherchierte nicht weiter. &#8220;In der Dollar-Affäre waren zu viele Fragen offe&#8221;, begründet das Blatt sein Schweigen. Präziser und peinlicher wurde der traurige Zustand des Recherchierjournalismus in der Schweiz selten beschrieben.</p>
<p>Einen ebenso desolaten Auftritt legte der Tages-Anzeiger hin. Er ignorierte die Affäre nicht nur, er solidarisierte sich gleich noch innig mit dem Verdächtigen. Mitten im Fall bekannte sich das Blatt als glühender Fanklub des Nationalbankers. Wir zitieren nur kurz aus der Huldigung, die man zu Hildebrand druckte: Er sei &#8220;kompetent, souverän, seriös, cool, erhaben, konzentriert, smart&#8221;. Er sei &#8220;ein Superstar, ein Rockstar, ein Star&#8221;. So schreibt sonst die Teenager-Postille Bravo. Statt zu recherchieren, versuchte der Tages-Anzeiger, wie viele andere Redaktionen auch, die Geschichte zu einem Fall Christoph Blocher umzubiegen. Der hatte den Bundesrat vor Wochen diskret über die Vorbehalte gegen Hildebrand informiert.</p>
<p>Damit sind wir beim schrecklichsten Verdacht, den man rund um den Journalismus haben kann. Es ist der Verdacht, dass eine Recherche aus ideologischen Gründen unterbleibt. Journalisten graben darum nicht tiefer, weil sie fürchten, etwas zu finden. Es könnte etwas sein, das ihrer politischen Haltung zuwiderläuft.<br />
Leider ist der Verdacht nicht unbegründet. Die SVP und Blocher haben Hildebrand früher mehrfach kritisiert. Dadurch ist er für die Journalisten zu einem Heiligen geworden. Wer von Blocher attackiert wird, wird in den Medien unangreifbar. Recherchen zur Person unterbleiben. Dieselbe Immunität wie der heilige Philipp genoss auch die heilige Eveline.<br />
Die Obsession mit der SVP und Blocher prägt und degeneriert unsere Medien. Man kann es leider nur pietätlos sagen: Unsere Journalisten werden erst wieder normal, wenn Christoph Blocher gestorben ist.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Weltwoche vom 4. Januar 2012</em></p>
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		<title>EJO Goes East</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Oct 2011 17:05:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tina Bettels</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Albanien]]></category>
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		<description><![CDATA[In eigener Sache Mit Albanien, Rumänien, Serbien, der Tschechischen Republik und der Ukraine werden bald fünf neue Partner an Bord des European Journalism Observatory sein. Die EJO-Osterweiterung wird durch das SCOPES-Programm möglich gemacht. Das Programm, das gemeinsam vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) finanziert wird, fördert die wissenschaftliche Zusammenarbeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="text-decoration: underline;">In eigener Sache</span><br />
<span style="text-decoration: underline;"><img class="size-full wp-image-5491 alignleft" title="Eastern-EJO" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/10/Eastern-EJO.jpg" alt="" width="230" height="82" /></span><strong>Mit Albanien, Rumänien, Serbien, der Tschechischen Republik und der Ukraine werden bald fünf neue Partner an Bord des European Journalism Observatory sein. </strong></p>
<p>Die EJO-Osterweiterung wird durch das SCOPES-Programm möglich gemacht. Das Programm, das gemeinsam vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) finanziert wird, fördert die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Forschungsgruppen und –institutionen aus der Schweiz und aus Osteuropa. Es unterstützt die fünf neuen EJO-Partner mit insgesamt 240.000 CHF (ca. 194.000 Euro) in den Jahren 2012 und 2013.<br />
<span id="more-5490"></span></p>
<p>Die Plattformen in albanischer, rumänischer, serbischer, tschechischer und ukrainischer Sprache sollen Anfang 2012 online gehen. Dann können die EJO-Leser in insgesamt zehn Sprachen Artikel zu den neuesten Entwicklungen in den Medien und im Journalismus sowie Ergebnisse aus der Kommunikationswissenschaft verfolgen.</p>
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		<title>Heiße Luft, heilige Einfalt</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Oct 2011 10:04:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marlis Prinzing</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Papst schenkte uns ein Bild zum Abschied: In Freiburg predigte er über die Krise des Glaubens und führte sie zurück auf „Routiniers in den Kirchen“ und auf „laue Christen“. Dieses Bild lässt sich übertragen auf einen Teil der Berichterstattung über den Deutschlandbesuch des Papstes: Die Krise des Journalismus ist zu einem guten Teil zurückzuführen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-5481 alignleft" title="Foto: Sebastian Christ " src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/09/Papst-Berlin.jpg" alt="" width="160" height="230" /><strong>Der Papst schenkte uns ein Bild zum Abschied: In Freiburg predigte er über die Krise des Glaubens und führte sie zurück auf „Routiniers in den Kirchen“ und auf „laue Christen“. </strong></p>
<p>Dieses Bild lässt sich übertragen auf einen Teil der Berichterstattung über den Deutschlandbesuch des Papstes: Die Krise des Journalismus ist zu einem guten Teil zurückzuführen auf „laue Journalisten“ und Routiniers in den Redaktionen. Ein paar Beispiele. Die „taz“ wollte wohl routiniert-cool wirken, als sie einen Bericht über den Papstauftritt vor dem deutschen Parlament mit dem Bild des spitzohrigen, kleinen Jedi-Meisters Yoda –Überschrift „Religionsführer im Bundestag“ &#8211; bebilderte.<span id="more-5456"></span><br />
Warum? Würde man das bei anderen Staatsoberhäuptern oder Religionsführern ebenso machen? Ist das guter Journalismus? Es ist lauer Journalismus, schlicht: albernes Kalauern, um bestimmte Routinen und Klientele zu bedienen.</p>
<p>„Es war eine Sternstunde des Parlaments, der Philosophie – und des Papsttums“ schwärmte die „Berliner Zeitung“ über die Papstrede im Bundestag. Logisch, Journalisten dürfen begeistert sein. Doch spätestens bei solchem Schwelgen stelle ich die Gretchenfrage und will vom Autor wissen: Wie hält er’s mit der Religion? Ist er katholisch, evangelisch, Muslim, in keiner Kirche? Beeindruckte ihn der Auftritt? Oder ist er „Partei“?<!--more--></p>
<p>„Bild“ feierte ihre alte Schlagzeile „Wir sind Papst“ mit routiniert-notorischem Hohelied, Riesenplakat am Springer-Hochhaus und Franz Wagners Bann-Kolumne, in der er den Papst um ein Gebet für den „Spiegel“-Chefredakteur bat wegen des Titels „Der Unbelehrbare“ und Frank Plasberg für die Talk-Überschrift „O Gott, der Papst kommt“ verdammte: Es sei „erbärmlich“, den Papst anzukündigen, „als käme der Leibhaftige, der Teufel“. Nein. Erbärmlich ist diese Interpretation – und lau.</p>
<p>Private wie öffentlich-rechtliche Sender fielen in stundenlange, laue Papst-Total-Live-Routinen. Dafür wurde sogar die sonst fast unverrückbare Hauptausgabe der „Tagesschau“ verschoben. Heiße Luft und heilige Einfalt lagen nah beieinander. Als der Papst die Scheiben seines Papamobils runterkurbelte, entschlüsselte dies ein TV-Journalist als „Zeichen des Vertrauens“. Hier, inmitten der Gläubigen bedürfe er offenbar dieser paar Zentimeter Panzerglas nicht&#8230;</p>
<p>Journalisten müssen informieren, kritisieren, wachsam sein, Position beziehen. Dazu gehört nicht, eigene Verunsicherung auf andere abzuladen, manchen Menschen mit Häme und Spott zu begegnen, seien sie nun Pontifex oder Politiker. Berufliche Verpflichtung ist auch zu reflektieren: Lasse ich mich hinreißen? Verfalle ich in Routinen? Die „Welt“ schrieb: „Alle Auftritte des Papstes sind eine einzige Aufforderung, sich der Basis des Glaubens neu bewusst zu werden.“ Manche Medienberichte über den Papstbesuch können auch als Aufforderung gelesen werden, sich der Basis des Journalismus wieder bewusst zu werden.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Kölner Stadt-Anzeiger vom 28.9.2011 </em></p>
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		<title>Sommerloch-Gespräche</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 09:39:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marlis Prinzing</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ZDF-Moderator Thomas Walde traf sich dieses Mal mit Grünen-Chefin Claudia Roth am Bodensee und mit FDP-Chef Philipp Rösler auf einer Rheininsel. Diese Sommerinterviews, die mittlerweile nicht nur öffentlich-rechtliche Sender, sondern auch die Privaten inszenieren, sind im Grunde ein schönes Format: 19 Minuten statt 90 Sekunden, also endlich Muße zum Nachdenken, Zeit für Standpunkte &#8211; und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-5303 alignleft" title="LiliGraphie  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/08/strand.jpg" alt="" width="230" height="159" /></a><strong>ZDF-Moderator Thomas Walde traf sich dieses Mal mit Grünen-Chefin Claudia Roth am Bodensee und mit FDP-Chef Philipp Rösler auf einer Rheininsel. </strong></p>
<p>Diese Sommerinterviews, die mittlerweile nicht nur öffentlich-rechtliche Sender, sondern auch die Privaten inszenieren, sind im Grunde ein schönes Format: 19 Minuten statt 90 Sekunden, also endlich Muße zum Nachdenken, Zeit für Standpunkte &#8211; und dies vor sorgfältig gewählter Kulisse. <span id="more-5302"></span>Doch leider erfahren wir in der Regel nichts Neues, obwohl sich Walde &amp; Kollegen durchaus mühen, kritisch zu fragen.</p>
<p>Warum also das Ganze? Warum dümpeln so häufig Segelboote im Hintergrund? Warum sind viele dieser Interviews draußen? Wieso lässt sich Bundespräsident Christian Wulff breitschlagen, per Hubschrauber an die See zu fliegen, um „Urlauber auf Norderney“ zu spielen, obwohl er das Gespräch lieber im Schloss Bellevue geführt hätte? Warum gibt es sowohl in Redaktionen als auch in Beraterstäben Menschen, die finden, dem Publikum seien Positionen zu Chancen und Risiken Deutschlands oder zu Veränderungen in der arabischen Welt besser zu vermitteln, wenn eine leichte Brise durch das Haar des ersten Mannes im Staate streift?</p>
<p>Sommerinterviews gibt es seit Fernsehmenschengedenken. Gerade für Mächtige ist reizvoll, zwischendurch „mal Mensch“ zu sein, Genießer, Gelassener, Krawatten-Befreiter&#8230; Auffallend oft sind Wellen und Wasser Teil der Inszenierung &#8211;  ob als Version Helmut Schmidt, aktiv an der Pinne seines Boots auf dem Brahmsee. Oder als Version Helmut Kohl am Wolfgangsee.</p>
<p>Kohl am See &#8211; das war großes Theater. Eins mit dem Berg hinter sich, streichelte er Jahr und Jahr bei bestem Wetter ein hüfthohes Tier mit Fell und ließ sich hernach nieder zu einem zweistündigen Interview mit dem ZDF. Wie klein wirkten dagegen damals Edmund Stoiber auf dem Brombachsee und Angela Merkel auf Rügen – der bayerische Bub und das Mädchen aus dem Osten schauten sich&#8217;s beim Alten ab, schafften aber nur Operette, nie Oper. Vielleicht hat sich&#8217;s auch der Pfälzer nur abgeschaut: Der wohl erste Freiluft-Politiker dürfte Kurt Georg Kiesinger gewesen sein. 44 Jahre ist es her, als er den Kabinettstisch in den Garten des Palais Schaumburg schleppen ließ: Luft für das Bonner Treibhaus. Leichtigkeit. Sauerstoff zum Besserdenken!</p>
<p>Orte verkünden Botschaften. Joschka Fischer ließ sich einst in der Toskana interviewen, Gregor Gysi in Brechts Datscha in der Märkischen Schweiz. Großartig gewählte Orte! Orte, von denen aus Gespräche von ganz eigenem, neuem Wert möglich sind, die wirklich eine andere Seite offenbaren – von einem Menschen und der Politik, für die er steht. Dies wäre der eigentliche Sinn der Sommerinterviews. Vielleicht ab nächstem Jahr.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Kölner Stadtanzeiger vom 17. August 2011</em></p>
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		<title>Al Jazeera hat&#8217;s schwer auf dem US-Fernsehmarkt</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 10:23:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philip Di Salvo</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Alex Youmans]]></category>
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		<description><![CDATA[Einer Studie der University of Michigan zufolge kann die englischsprachige Version des Nachrichtensenders Al Jazeera in den USA nicht punkten. Während der Aufstände in Nordafrika hat die englischsprache Version von Al Jazeera (AJE) als Hauptinformationsquelle für Medien aus der ganzen Welt die internationale öffentliche Meinung stark beeinflusst. Zum ersten Mal seit seinem Bestehen in 2006 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="size-full wp-image-5257 alignleft" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/08/Al-Jazeera-English-270x300.jpg" alt="" width="160" height="178" />Einer Studie der University of Michigan zufolge kann die englischsprachige Version des Nachrichtensenders Al Jazeera in den USA nicht punkten. </strong></p>
<p>Während der Aufstände in Nordafrika hat die englischsprache Version von Al Jazeera (AJE) als Hauptinformationsquelle für Medien aus der ganzen Welt die internationale öffentliche Meinung stark beeinflusst. Zum ersten Mal seit seinem Bestehen in 2006 hatte sich der englischsprachige Nachrichtensender mit Hauptsitz in Doha, Katar, eine globale Identität gegeben und es gewagt, in Konkurrenz mit den anglo-amerikanischen Sendern CNN und BBC zu treten.<span id="more-5253"></span></p>
<p>Sogar das Weiße Haus hatte sich öffentlich dazu bekannt, die englischsprachige Al Jazeera-Berichterstattung über die Aufstände in Ägypten zu verfolgen. Viele Medienanalysten und &#8211; Manager in Doha sprachen von einer Sonderstellung Al Jazeeras – von „Al Jazeera’s moment“, Bezug nehmend auf den so genannten „CNN moment“ während des zweiten Golfkriegs1991, als der Nachrichtensender rund um die Uhr aus Irak berichtete.</p>
<p>Haben die Aufstände in Ägypten einen ähnlichen Wendepunkt für Al Jazeera dargestellt? Oder ist es vielmehr so, dass in den USA die Vorurteile und Unterstellungen gegen den arabischen Nachrichtensender noch immer bestehen?</p>
<p>Eine kürzlich erschienene <a href="http://www.niemanlab.org/2011/03/the-power-of-brand-to-inspire-bias-how-do-perceptions-of-al-jazeera-english-change-once-the-logos-gone/" target="_blank">Studie </a> von  Katie Brown und Alex Youmans von der University of Michigan gibt Antworten auf diese Fragen. Die Studie „Can Al Jazeera English leverage its ‘Egypt moment’ into an American audience?” („Kann Al Jazeera English seine Sonderstellung während der ägyptischen Revolution nutzen, um auch ein amerikanisches Publikum zu erreichen?“) untersucht, wie amerikanische Zuschauer Fernsehbeiträge des arabischen Senders im Vergleich zu Beiträgen des amerikanischen Senders CNN aufnehmen.</p>
<p>Youman und Brown haben insgesamt 177 US-Amerikaner befragt, von denen nur zwei Prozent regelmäßig AJE oder CNN schauen. Der ersten Gruppe zeigten sie ein <a href="http://www.youtube.com/watch?v=cZnBrniJGDg" target="_blank">Video</a> von Al Jazeera English, in dem es um die Vermittlung zwischen der Taliban und der afghanischen Regierung ging. Der zweiten Gruppe zeigten sie dasselbe Video – versahen es aber mit einem Logo von CNN. Der dritten Gruppe zeigten sie keines der beiden Videos. Im Anschluss baten sie alle drei Gruppen, einen Fragebogen auszufüllen, der sich mit der vermeintlichen Objektivität von Al Jazeera English und CNN auseinandersetzte.</p>
<p>Diejenigen, die das Original-Video von Al Jazeeara gesehen hatten, bewerteten dessen Berichterstattung als unausgewogen – ebenso wie die Befragten, die keines der beiden Videos gesehen hatten. Die zweite Gruppe dagegen, die das Video von Al Jazeera für ein Video von CNN hielt, beurteilte die Berichterstattung als ausgewogen.</p>
<p>Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass Al Jazeera English bei den Amerikanern nicht punkten kann: 40 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen Al Jazeera „gleichgültig“ sei; 25 Prozent waren „generell interessiert” und 20 Prozent waren „gegen“ den arabischen Sender.</p>
<p>Es sieht so aus, stellen die Wissenschaftler fest, als habe Al Jazeera English seine Sonderstellung während der ägyptischen Revolution nicht dazu nutzen können, um auch die Amerikaner als Zuschauer zu gewinnen.  Laut den Forschern könnten ideologische Barrieren die Verbreitung von AJE im amerikanischen Fernsehen verlangsamen. Bislang ist AJE in den USA nur über Satellitenfernsehen und vereinzelt im Kabelfernsehen zu empfangen.</p>
<p><em>Übersetzt aus dem Englischen von Tina Bettels </em></p>
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		<title>Zum Ersten, zum Zweiten . . .</title>
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		<pubDate>Mon, 23 May 2011 21:03:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt W. Zimmermann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Medienökonomie]]></category>
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		<description><![CDATA[Picasso, Patek Philippe und nun Tele Züri. Wir bieten mit in einer Live-Auktion der Medienwelt. Eine Auktion ist etwas anderes als ein Verkauf. Bei einem Verkauf wird gekauft. Bei einer Auktion wird oft nur so getan, als würde gekauft. Bei einer Auktion sind viele dabei, die gar nicht kaufen wollen. Sie bieten nur mit, weil [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.pixelio.de/media/451096"><img class="size-full wp-image-5025 alignleft" title="Foto: Thorben Wengert  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/05/auktion.jpg" alt="" width="230" height="160" /></a>Picasso, Patek Philippe und nun Tele Züri. Wir bieten mit in einer Live-Auktion der Medienwelt.</strong></p>
<p>Eine Auktion ist etwas anderes als ein Verkauf. Bei einem Verkauf wird gekauft. Bei einer Auktion wird oft nur so getan, als würde gekauft. Bei einer Auktion sind viele dabei, die gar nicht kaufen wollen. Sie bieten nur mit, weil sie die prickelnde Atmosphäre der Versteigerung erleben wollen.<span id="more-5024"></span></p>
<p>Wenn es an der Auktion in die finalen Angebotsrunden geht, dann geben die Zaungäste auf. Sie wollten den Picasso oder die Patek Philippe gar nicht kaufen. Sie wollten nur dabei sein bei der prickelnden Atmosphäre der Auktion.</p>
<p>Genauso ist es derzeit in der Medienwelt. Tamedia bietet ihre vier TV- und Radiostationen feil. Die bekanntesten Objekte sind Radio 24 und Tele Züri. Es ist die größte öffentliche Versteigerung der Schweizer Mediengeschichte. Um die dreißig Interessenten haben sich bei Tamedia gemeldet, die meisten für den Radiobereich.</p>
<p>Dass die Lizitation überhaupt stattfindet, hat mit der eher exotischen Strategie von Tamedia zu tun. Als fast einziger Medienkonzern dieses Planeten wollen die Zürcher kein TV- und kein Radiogeschäft betreiben. Das ist ungewöhnlich. Nur ganz wenige Verlage wie etwa die Frankfurter Allgemeine und die Süddeutsche Zeitung sind in den elektronischen Medien ebenfalls nicht vertreten.</p>
<p>Der Grund für die Auktion ist pekuniärer Natur. Tamedia ist auf hohe Margen aus. Ziel sind fünfzehn Prozent Umsatzrendite oder noch besser. Diese Vorgabe erfüllen Radio und Fernsehen nicht. Auch in zehn Jahren ist es dem Tamedia-Management erstaunlicherweise nicht gelungen, den TV-Sender Tele Züri aus den roten Zahlen zu bringen.</p>
<p>Also, weg damit. Das Tamedia-Management zeichnet sich durch sein hohes Niveau an Nüchternheit aus. Prestigedenken und Außenwirkung, sonst verbreitete Parameter in der Medienbranche, interessieren nicht. Es zählen die Zahlen.</p>
<p>Bei vielen Teilnehmern an dieser Auktion ist es gerade umgekehrt. Sie sind interessiert an Fernsehen und Radio, weil sie eine Möglichkeit zu Profilierung und Politik sehen. Medien sind sexy. Medien sind den Airlines und den Hotelketten verwandt. Man kauft sie nicht, weil sie Geld und Einnahmen, sondern weil sie Glamour und Einfluss versprechen.</p>
<p>Interessiert am Kauf der vier Radio- und TV-Assets ist darum eine Gruppe um Christoph Blocher, die aus rund zehn Politikern und Unternehmern besteht. Sie möchten FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger gerne als künftigen CEO sehen. Blocher ist klug genug, nicht selber als Lokomotive aufzutreten. „Wenn ich kaufe“, sagt er, „dann gibt das nur wieder ­einen Riesenmais.“ Er kann sich aber vorstellen, so um die zwanzig Prozent zuzuschießen, wenn das Konsortium Liquidität benötigt.</p>
<p>Überlegungen macht sich auch eine Gruppe um die Investoren Philippe Gaydoul, Thomas Matter und Giorgio Behr. Auch Ex-Nationalrat Peter Weigelt mischelt hier mit. Es wird viel geredet und telefoniert. Wir glauben allerdings nicht recht, dass etwas daraus wird.</p>
<p>Dann gibt es noch die brancheninternen Anwärter. Favorit ist Ringier. Im Gegensatz zu Tamedia will Ringier auf den weißen wie den schwarzen Tasten spielen, also Information wie Unterhaltung bieten. Marc Walder, Ringiers schnelldenkender Schweiz-Chef, möchte Tele Züri vom verstaubten News-Sender zum flotten Entertainment-Kanal umpositionieren.</p>
<p>Egal, wer den Zuschlag bekommt, für Tamedia läuft die Sache wunderbar. Es ist das wunderbare Gesetz von Auktionen, dass der Preis umso stärker steigt, je größer die Anzahl an echten und falschen Bietern ist. Tamedia wird bei seiner Auktion um die fünfzig Millionen Franken bekommen.</p>
<p>Zurück zum Anfang: Eine Auktion ist etwas ganz anderes als ein Verkauf.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Weltwoche Nr. 20 / 2011</em></p>
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