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	<title>EJO - European Journalism Observatory &#187; Medienpolitik</title>
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		<title>Zur Macht und Ohnmacht von Medienmogulen</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 09:17:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Franke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Außenmacht]]></category>
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		<category><![CDATA[Macht]]></category>
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		<category><![CDATA[Rupert Murdoch]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Untersuchung zu Rupert Murdochs News Corporation in Großbritannien und Australien Könige, Kaiser, Präsidenten – viele auf den ersten Blick einleuchtende Akteure würden dazu taugen, den Einband einer theoretischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Machtkonzeptionen zu zieren. Nicht so im Falle der Veröffentlichung von Barry Hindess (1996). Von deren Umschlag prangt vielmehr ein Bild von Orson Welles [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-6671 alignleft" title="Foto: 38 Degrees / Flickr" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/murdoch_a1-238x300.jpg" alt="" width="238" height="300" /><strong>Eine Untersuchung zu Rupert Murdochs <em>News Corporation</em> in Großbritannien und Australien</strong></p>
<p>Könige, Kaiser, Präsidenten – viele auf den ersten Blick einleuchtende Akteure würden dazu taugen, den Einband einer theoretischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Machtkonzeptionen zu zieren. Nicht so im Falle der Veröffentlichung von Barry Hindess (1996). Von deren Umschlag prangt vielmehr ein Bild von Orson Welles alias Medienmogul William Randolph Hearst aus dem Film <em>Citizen Kane</em>.</p>
<p>Auf den weiteren über 180 Seiten folgt kein einziger Hinweis darauf, weshalb Medienmogulen im Allgemeinen oder Hearst im Besonderen tatsächlich das Attribut „machtvoll“ zugeschrieben werden könnte. Dies ist symptomatisch: Die Assoziierung von Medienmogulen mit Macht erfolgt häufig reflexhaft und wird als Selbstverständlichkeit präsentiert.</p>
<p>Obwohl erst nach Fertigstellung der Studie enthüllt, bestätigt auch der Umgang mit dem aktuellen Abhörskandal rund um die britischen Zeitungen von Rupert Murdochs <em>News Corporation</em> diese Ausgangsbeobachtung. Trotz zum Teil entwaffnender Befragungen und hohem öffentlichen Druck, der in der Schließung der <em>News of the World</em> gipfelte, strotzt die Berichterstattung nur so vor Formulierungen wie „heimlicher Herrscher Großbritanniens“. Wer doch über seinen „Machtverlust“ spekuliert, hegt zumindest keine Zweifel, dass Murdoch tatsächlich Macht zu verlieren hat. Als bedürfe es für diese Annahme keiner weiteren Erläuterungen.<span id="more-6622"></span></p>
<p>Es zeigt sich: Für Medienmogule wird gebetsmühlenartig Macht reklamiert, ohne auch nur die Mindestbedingungen einer Machtanalyse hinreichend zu erfüllen. Entscheidende Fragen bleiben meist unbeantwortet: Macht gegenüber wem? Wodurch? Mit welchen Konsequenzen und vor allem Einschränkungen? Ziel dieser Studie ist es, diesen Fragen über die Entwicklung eines geeigneten Analyserahmens systematisch und differenziert auf den Grund zu gehen.</p>
<p><strong>Untersuchungsgegenstand/Fragestellung</strong></p>
<p>Aus forschungslogischen und –ökonomischen Gründen fokussiert die Arbeit in dreierlei Hinsicht:</p>
<ol>
<li>Als vermeintlich machtvollster der ja ohnehin als machtvoll erachteten Protagonisten seiner Zunft konzentriert sich die Arbeit auf <strong>Rupert Murdoch</strong>, dessen Status als Medienmogul sich aus seiner engen Verbindung zum Medienkonzern <em>News Corporation</em> abgeleitet.</li>
<li>Im zweiten Schritt fokussiert die Untersuchung auf konkrete Medienlandschaften. Als solche bieten sich die Länder <strong>Großbritannien und Australien</strong> an, in denen die <em>News Corporation</em> auf verschiedenen Medienmärkten aktiv ist.</li>
<li>Im dritten Schritt werden die zu untersuchenden Bezugsobjekte der Macht von Rupert Murdoch benannt. In beiden Länden ist eine Reihe an solchen Bezugsobjekten mit (medien-) wissenschaftlicher Relevanz vorhanden, von denen sich die Arbeit auf zwei konzentriert:</li>
</ol>
<ul>
<li>Murdochs <strong>Innenmacht</strong> in Bezug auf <strong>dem der <em>News Corporation</em> zurechenbaren (nachrichten-) journalistischen Personal</strong> in Großbritannien und Australien: Medienmogulen wird immer wieder nachgesagt, sie übten einen maßgeblichen Einfluss auf das redaktionelle Geschehen in Medienunternehmen aus. Mediale Berichterstattung wird dabei als abhängige Variable von zugrundeliegenden Produktionsbedingungen begriffen.</li>
<li>Murdochs <strong>Außenmacht/Meinungsmacht</strong> in Bezug auf die <strong>Bevölkerungen</strong> der beiden Länder. Medienberichterstattung ist die unabhängige Variable in Medienwirkungsprozessen. Sofern dem Medienmogul Innenmacht über die Journalisten des Konzerns oder zumindest einzelnen Bereichen attestiert werden kann, stellt sich somit die Frage nach den Implikationen der unter diesen Bedingungen produzierten Nachrichteninhalten für die Bevölkerung.</li>
</ul>
<p>Die Untersuchung der ersten Fragestellung ist entscheidend, um auch die zweite beantworten zu können. <strong>Das Vorhandensein von Innenmacht in Organisationen ist eine notwendige Voraussetzung, um einem individuellen Akteur wie Murdoch auch Außenmacht zuschreiben zu können.</strong> Organisationen machen durch die Bündelung von individuellen Kräften potentiell weit mehr Macht verfügbar, als die einzelnen Organisationsmitglieder unabhängig voneinander ausprägen könnten. Organisation kann nur dann die Machtquelle eines bestimmten individuellen Akteurs sein, wenn die spezifische Gestaltung des Outputs oder Teilen des Outputs der Organisation auf das intentionale Wirken &#8211; die Innenmacht &#8211; dieses Akteurs zurückgeführt werden kann.</p>
<p><strong>Vorgehensweise</strong></p>
<p>Für die Bestimmung von Rupert Murdochs <strong>Innenmacht</strong> werden zunächst bestehende Machtquellen sowie der darauf aufbauende Einsatz von ausgewählten Machtmitteln – auch im Lichte organisationstheoretischer Erkenntnisse &#8211; untersucht. Ferner erfolgt die Analyse weiterer Faktoren, welche sowohl die Stärke als auch die Reichweite dieser Machtmittel beeinflussen. Die Sekundäranalyse konnte dafür auf vielfältige Quellen – unter anderem Stellungnahmen von Murdoch selbst, zahlreiche Marktstudien und Biographien, wissenschaftliche Beiträge, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel usw. – zurückgreifen.</p>
<p>Bei der Einschätzung der <strong>Außenmacht</strong> Rupert Murdochs wird sich insbesondere auf die Wahrscheinlichkeit intendierter Medienwirkungseffekte in der Bevölkerung konzentriert. Zunächst wird quantitativ anhand der aktuellsten verfügbaren Daten die Stellung des Konzerns in den einzelnen Medienteilmärkten in Großbritannien und Australien ermittelt. Die Bestimmung von Marktanteilen in den einzelnen Medienteilmärkten ermöglicht unter Anwendung eines Rechenmodells der deutschen Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) ferner eine quantitative Analyse der Stärke der „Meinungsmacht“ des Konzerns <em>News Corporation</em> als Ganzem. Diese Einschätzungen werden in der Folge einer qualitativen Beurteilung unterzogen, welche unter anderem die Meinungsrelevanz der Konzernangebote im spezifischen kulturellen Kontext analysiert. Ein Abgleich zwischen der mediengattungsspezifisch variierenden Innenmacht Rupert Murdochs mit den landesspezifischen Ausprägungen von intervenierenden Drittvariablen im Medienwirkungsprozess befähigt abschließend zur Identifikation möglicher Machtgrenzen sowie damit zu einer fundierten Gesamtbetrachtung seiner Außenmacht. Diese Drittvariablen umfassen das politische Informationsverhalten, Vertrauen in einzelne Mediengattungen sowie Prädispositionen zur medialen Beeinflussung (erfasst durch Parteiidentifikation, Wählervolatilität, gesellschaftliches Engagement).</p>
<p><strong>Ergebnisse</strong></p>
<p><strong>a)     </strong><strong>Innenmacht</strong></p>
<p>Durch den Besitz des größten stimmberechtigten Aktienpakets ist Rupert Murdoch der überragende Eigentümer der <em>News Corporation</em>. Das Verfügen über die <strong>Machtquelle</strong><strong> Eigentum</strong> führt zur Bekleidung beider Spitzenposten US-amerikanischer Konzerne, des Chairman und des CEO, in Personalunion. Die Position als oberster Geschäftsführer wird mit größtmöglicher Dominanz und Entscheidungsgewalt ausgefüllt. Sie eröffnet überdies das Verfügen über eine Reihe an <strong>Machtmitteln</strong>, deren konkrete Ausschöpfung letztlich zu einer <strong>mediengattungsspezifisch variierenden Innenmacht </strong>in zurechenbaren Medien in Großbritannien und Australien führt.</p>
<p>Im <strong>Fernsehbereich</strong> ist Murdochs Möglichkeit, über Innenmacht den inhaltlichen Output zu beeinflussen, stark begrenzt. So verhindern in Bezug auf die australischen Joint Ventures hohe Anteilspakete anderer Eigentümer die Dominanz eines spezifischen Anteilseigners, sodass Rupert Murdoch keine uneingeschränkte Verfügung über Machtmittel besitzt. Beim britischen <em>BSkyB</em> ist indes eine zunehmende Emanzipation des Führungspersonals zu beobachten. Nicht zuletzt implizieren regulatorische Bestimmungen zur Unparteilichkeit und Ausgewogenheit von Fernsehinformationen in beiden Ländern erhebliche Handlungseinschränkungen. Die <strong>Machtquelle Organisation</strong> kann Murdoch in Bezug auf das Fernsehen in Großbritannien und Australien insgesamt nicht zugeschrieben werden.</p>
<p>Anders bei den<strong> britischen und australischen Zeitungen</strong> und entsprechenden Online-Medien, für die eine sehr hohe Innenmacht Murdochs zu attestieren ist. Das Verfügen bzw. der Einsatz von spezifischen Machtmitteln eröffnet dort die Möglichkeit, den unternehmensinternen sozialen Kontext für journalistisches Personal zu determinieren, Handlungsoptionen auszuschalten und damit den journalistischen Output auch ohne häufige direkte Intervention maßgeblich zu beeinflussen.</p>
<p>Besonders relevant ist dabei seine <strong>Personalmacht</strong>, die sich in der persönlichen Auswahl journalistischen Schlüsselpersonals sowie einer starken Innenorientierung im Rekrutierungsprozess äußert. Beides stellt einen Machttransport („Machtketten“) auch in untere redaktionelle Hierarchieebenen sicher. Dieses Schlüsselpersonal ist seinerseits weiteren Machtmitteln wie <strong>legitimer Macht</strong> über Weisungen oder häufiger subtilere Vorgehensweisen unterworfen. Schlussendlich entfaltet das selektiv eingesetzte Machtmittel <strong>Bestrafungsmacht</strong> unter Annahme bedürfnisbefriedigender Akteure eine disziplinierende Wirkung.</p>
<p><strong>Weitere Rahmenbedingungen</strong> wie verengte journalistische Arbeitsmärkte, das Fehlen entscheidender Gegenmachtquellen bei der Mehrheit der einzelnen Journalisten sowie die traditionell streng verrichtungsorientierte Zeitungsproduktion in den jeweiligen Ländern erhöhen dabei noch die Wirksamkeit dieser Machtmittel. Überdies sorgen fehlende gesetzliche Regularien zur Outputgestaltung im Printbereich für keine Verkleinerung des Handlungsspielraumes Rupert Murdochs. Zweifelhaft sind ferner großflächige Handlungseinschränkungen durch die Gewinnorientierung der <em>News Corporation</em>.</p>
<p>Alles in allem ist Rupert Murdoch in Bezug auf die britischen und australischen Zeitungen der <em>News Corporation</em> eine starke Innenmacht und somit die Machtquelle Organisation durchaus zuzuschreiben. Der spezifische Output besonders der großen Titel entsteht maßgeblich unter Produktionsbedingungen, die durch den (potentiellen) Einsatz ihm zuzuordnender Machtmittel geprägt sind. Zahlreiche inhaltsanalytische Arbeiten zeigen dementsprechend, dass Murdochs Zeitungen in der Tat durch eine frappierende intellektuelle Orthodoxie verbunden mit ideologisch-politischer Uniformität zugunsten konservativer Standpunkte gekennzeichnet sind. Auf der anderen Seite gelten die unter allenfalls schwacher Innenmacht Murdochs produzierten Nachrichtenangebote der Rundfunkkanäle der <em>News Corporation</em> als ausgewogen.</p>
<p><strong>b)      </strong><strong>Außenmacht/Meinungsmacht</strong></p>
<p>Unter Verwendung des von der KEK anlässlich der geplanten Übernahme der <em>ProSiebenSat.1 Media AG</em> durch die <em>Axel Springer AG</em> konzipierten Rechenmodells ergibt sich eine starke bis sehr starke Gesamtstellung der <em>News Corporation</em> in den beiden Medienlandschaften. Ziel des streng quantitativen, zugegeben umstrittenen Modells ist die Ableitung eines Gesamtmarktanteils am Fernsehmarkt durch eine Gewichtung der Stellung auf den einzelnen Medienteilmärkten. Vorherrschende Meinungsmacht wird unter anderem vermutet, wenn eine Gesamtbeurteilung der Aktivitäten eines Unternehmens im Fernsehen und auf medienrelevanten verwandten Märkten ergibt, dass die dadurch erzielte Kumulation von Medieneinflüssen einem Zuschaueranteil von 30% im Fernsehmarkt entspricht.</p>
<p>In <strong>Großbritannien</strong> erreicht die <em>News Corporation</em> eine hohe, aber nicht vorherrschende Meinungsmacht. Insgesamt verfügt der Konzern dort durch seine zurechenbaren Aktivitäten über eine Meinungsmacht, die derjenigen eines Unternehmens entspricht, dem Fernsehprogramme mit einem Zuschaueranteil von insgesamt 26,4% zuzurechnen sind.</p>
<p>Mit 54% exorbitant ist der Anteil in <strong>Australien.</strong> Vor allem der hohe Marktanteil im Zeitungsmarkt (57,5%) trägt dazu bei. Dies stellt eine sehr deutliche Überschreitung der 30%-Grenze dar, und spricht für eine sehr starke vorherrschende Meinungsmacht.</p>
<p>Eine <strong>qualitative Gesamtwürdigung</strong> der Befunde zeigt indes erste Einschränkungen auf: Beispielsweise weisen die zurechenbaren Pay-TV-Angebote in beiden Ländern eine schwache Meinungsrelevanz auf. Die hoch meinungsrelevanten Kanäle von <em>Sky News</em> und <em>Sky News Australia</em> erreichen je einen Gesamtmarktanteil von deutlich unter einem Prozent. Außerdem sind in Großbritannien die ohnehin nur moderaten Marktanteile im Internet im Zuge der Einführung eines Bezahlmodells nach jüngeren Erhebungen marginalisiert worden.</p>
<p>Eine Verknüpfung mit den Erkenntnissen über die variierende Innenmacht Rupert Murdochs sowie eine Analyse der gesamtgesellschaftlichen Ausprägungen von in den Medienwirkungsprozess intervenierender Variablen nährt weitere Zweifel an einer großen Meinungsmacht des Medienmoguls.</p>
<p><em>Großbritannien</em></p>
<p>Entscheidend für eine Einschätzung von Rupert Murdochs Meinungsmacht ist primär der Zeitungsbereich, für den Murdoch aufgrund seiner erheblichen Innenmacht die Machtquelle Organisation zugeschrieben wurde. Mit einem Marktanteil von über 23% ist dies ferner der einzige Medienteilmarkt in Großbritannien für den bezüglich der <em>News Corporation</em> sowohl Meinungsrelevanz als auch hohe Breitenwirkung konstatiert werden kann. Den Zeitungen stehen allerdings in einem dynamischen, moderat konzentrierten Markt bedeutsame Wettbewerber entgegen, die insgesamt hohe oder sogar marginal höhere Auflagenzahlen erreichen. Überdies spricht viel für ein beschränktes Meinungseffektpotential der Mediengattung Zeitung.</p>
<p>Die Hauptinformationsquelle der Briten ist mit sehr weitem Abstand das Fernsehen, während Zeitungen von einer Mehrheit nicht einmal als zweitwichtigste Quelle angesehen werden. Dies spiegelt sich auch deutlich in aktuellen Nutzungsdaten. Einen begrenzten Meinungseffekt der Zeitungen legen überdies ihre beispiellos geringen Vertrauenswerte nahe, welche die auflagenstärksten Titel der <em>News Corporation</em> an stärksten betreffen. Im Gegensatz dazu genießt das Fernsehen und andere Zeitungen weit mehr Vertrauen. Die Einschätzung der Stärke von Präferenzfestlegungen führt überdies zur Vermutung lediglich moderater Prädispositionen für mediale Beeinflussung in der britischen Bevölkerung. Obgleich dies durchaus die Möglichkeit breiterer Meinungseffekte einschließt, ist angesichts der weiteren Feststellungen jedoch eine Beeinflussung durch das Fernsehen oder andere Zeitungen weit wahrscheinlicher.</p>
<p>Insgesamt ist es daher zweifelhaft, dass Rupert Murdoch über seine Innenmacht im Zeitungsbereich auch eine erhebliche Außenmacht in Bezug auf die britische Bevölkerung entwickelt. Vielmehr bestätigen die Befunde eine Reihe anderer Studien, die ein begrenztes Meinungseffektpotential der britischen Presse im Allgemeinen ermittelten.</p>
<p><em>Australien</em></p>
<p>Entscheidend für eine Beurteilung von Rupert Murdochs individueller Meinungsmacht ist auch in Australien der Zeitungs- und Onlinebereich. Wie schon in Großbritannien besitzt der Konzern nur in diesem Sektor Meinungsrelevanz und eine hohe Breitenwirkung.</p>
<p>Noch stärker als in Großbritannien legen die Befunde trotz des immensen Marktanteils nicht zu vernachlässigende Beschränkungen von Murdochs Meinungseffektpotential nahe. So weisen im internationalen Vergleich schwache Auflagen- und Nutzungszahlen auf einen niedrigen qualitativen Stellenwert des Mediums Zeitung in Australien hin. Das Fernsehen ist mit Abstand die Hauptinformationsquelle für die Mehrheit der Australier. Ferner ist das Fernsehen das meistvertraute bzw. glaubwürdigste Medium, allerdings erreichen Tageszeitungen je nach Studie bessere Werte als in Großbritannien.</p>
<p>Angesichts der Innenmacht Rupert Murdochs sowie der dominanten Stellung der <em>News Corporation</em> auf dem australischen Zeitungsmarkt mögen gewisse, dem Medienmogul zuzuschreibende Meinungseffekte dennoch plausibel erscheinen. Eine großflächige gesellschaftliche Meinungsmacht ist aber äußerst zweifelhaft. Das Medium mit dem größten Meinungseffektpotential ist auch in Australien das Fernsehen, für das Murdoch die Machtquelle Organisation nicht zugeschrieben werden konnte. Sehr starke Präferenzfestlegungen, die sich unter anderem in beispiellosen Parteiidentifikationsraten spiegeln, lassen überdies grundsätzlich bezweifeln, inwiefern Medien überhaupt kurzfristige Meinungseffekte innerhalb weiter Teile der australischen Bevölkerung hervorrufen können. Insgesamt ist Rupert Murdochs Außenmacht also auch in Australien spezifischen Beschränkungen unterworfen.</p>
<p>Alles in allem zeigt die Arbeit, dass im Fall Rupert Murdoch sowohl bei seiner Innen- als auch bei der Außenmacht zum Teil große Einschränkungen bestehen. Die oft zu beobachtende quasi-automatische Zuschreibung von Macht zu Medienmogulen ist im Lichte dessen in ihrer Absolutheit und Eindimensionalität nicht zu rechtfertigen.</p>
<p><em><span style="color: #888888;">Auswahl der verwendeten Literatur</span></em></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Anand</strong>, Bharat / <strong>Attea</strong>, Kate (2003): News Corporation, Harvard Business School Case Study 9-702-425, o.O.: Harvard Business School.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Craig</strong>, Geoffrey (2004): The Media, Politics and Public Life, Crows Nest: Allen&amp;Unwin.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Cunningham</strong>, Stuart / <strong>Turner</strong>, Graeme (20103): The Media and Communications in Australia, Crows Nest: Allan&amp;Unwin.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Franklin</strong>, Bob (2004): Packaging Politics. Political Communiations in Britain’s Media Democracy, London: Hodder Arnold.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Galbraith</strong>, John K. (1987): Anatomie der Macht, München: Heyne.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Gerhards</strong>, Jürgen (1991): Die Macht der Massenmedien und die Demokratie. Empirische Befunde, Discussion Paper FS III 91-108, Berlin: Wissenschaftszentrum für Sozialforschung.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Luhmann</strong>, Niklas (2003): Macht, Stuttgart: Lucius &amp; Lucius.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Marjoribanks</strong>, Timothy (2000): News Corporation, Technology and the Workplace. Global Strategies, Local Change, Cambridge: Cambridge University Press.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Marshall</strong>, Ian / Kingsbury, Damien (1996): Media Realities. The News Media and Power in Australian Society, Melbourne: Longman.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>McNair</strong>, Brian (1998): The Sociology of Journalism, London: Arnold.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Olsen</strong>, Marvin E. / Marger, Martin N. (1993): Power in Modern Societies, Boulder: Westview Press.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Shawcross</strong>, William (1997) Murdoch: The Making of a Media Empire. Revised and Updated, New York: Simon &amp; Schuster.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Wolff</strong>, Michael (2009): Der Medienmogul. Die Welt des Rupert Murdoch, München: Deutsche Verlags-Anstalt.</span></p>
<p><em>Peter Franke, M.A. studierte Medien- und Politikwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der University of Otago (Dunedin, Neuseeland). Seine Ende 2010 eingereichte Abschlussarbeit &#8220;Zur Macht und Ohnmacht von Medienmogulen. Eine Untersuchung zu Rupert Murdochs <em>News Corporation</em> in Großbritannien und Australien&#8221; erhielt den Preis des Jenaer Instituts für Kommunikationswissenschaft für die beste Magisterarbeit im Prüfungszeitraum 2010/2011.</em></p>
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		<title>Albanische Medien und der lokale Markt</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/6190/medienpolitik/albanische-medien-und-der-lokale-markt</link>
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		<pubDate>Wed, 07 Mar 2012 13:54:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mark Marku</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethik & Qualitätssicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Albanien]]></category>
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		<category><![CDATA[Medienkonzentration]]></category>
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		<category><![CDATA[Printmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Regulierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Veränderungen des politischen Systems in Albanien sind mit der Entwicklung und Umgestaltung der Medienbranche verbunden. Als der politische Pluralismus und die Markwirtschaft 1991 etabliert wurden, verlor der Staat sein Monopol über den albanischen Medienmarkt. Der Übergang von einem zentralisierten System zu einem privatisierten Mediensystem ging Hand in Hand mit anderen wesentlichen Veränderungen des Markts. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="size-full wp-image-6193 alignleft" title="" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/albanien.jpg" alt="" width="240" height="159" />Die Veränderungen des politischen Systems in Albanien sind mit der Entwicklung und Umgestaltung der Medienbranche verbunden. </strong></p>
<p>Als der politische Pluralismus und die Markwirtschaft 1991 etabliert wurden, verlor der Staat sein Monopol über den albanischen Medienmarkt. Der Übergang von einem zentralisierten System zu einem privatisierten Mediensystem ging Hand in Hand mit anderen wesentlichen Veränderungen des Markts. Während sich der Wandel von kontrollierten zu freien Medienmärkten im einst kommunistischen Osten langsam vollzog, traten die Veränderungen in Albanien schlagartig auf.</p>
<p>Daher verschwanden zwischen 1991 und 1997 fast alle Zeitungen und Zeitschriften, die der kommunistische Staat einst kontrolliert hatte (mit Ausnahme von <em>Zëri i Popullit</em>, der Hauptzeitung der regierenden kommunistischen Partei). An ihrer Stelle erschienen neue Zeitungen, die vor allem als private Unternehmen fungierten. <span id="more-6190"></span>Diese neuen Medienunternehmen veränderten die albanische Medienlandschaft grundlegend. Vor 1990 wurden nur zwei Tageszeitungen gedruckt: <em>Zëri i Popullit</em> und <em>Bashkimi</em>. Ab 1991 erschienen vier Tageszeitungen und 1994 verdoppelte sich diese Zahl auf acht. Heutzutage werden landesweit 28 Tageszeitungen gedruckt – verglichen mit der Anzahl der Printmedien in Ländern mit einer größeren Bevölkerung ist dies eine beeindruckende Zahl.</p>
<p>Der audiovisuelle Markt hat sich nach dem gleichen Muster verändert: Es gibt zwar eine staatliche Rundfunkanstalt, <em>RTSH</em>, die albanischsprachigen Medien werden aber von einer Vielzahl von privaten Fernseh- und Radiosendern beherrscht. Laut Statistiken von Keshilli Kombetar  i Radios dhe Televizionit (KKRT – Landesrat für Radio und Fernsehen) operieren in Albanien zurzeit vier überregionale Fernsehsender, 65 lokale Sender, 33 Kabelfernsehsender sowie drei überregionale und 47 lokale Radiosender.</p>
<p><strong>Ein Markt mit geringer Regulierung </strong></p>
<p>Der Boom der privaten Medien hat den Medienmarkt ins Chaos gestürzt. Die Tatsache, dass die Gesetzgebung in diesem Bereich  noch sehr lückenhaft ist, trägt zu diesem Phänomen bei. Der Staat hat bisher noch nicht seinen Einfluss auf den Markt, der sich rapide entwickelt hat und dazu tendiert, Vorschriften zu umgehen,  geltend gemacht. Diese – ein wenig anarchische – Situation kann besonders im Bereich der elektronischen Medien beobachtet werden. Während Zeitungen und Zeitschriften sich inzwischen immer häufiger registrieren, um legal lizenzierte private Unternehmen zu werden, verzichten elektronische Medien meist auf rechtsgültige staatliche Lizenzen.</p>
<p>Eine der grundlegenden Eigenschaften der albanischen Medien ist der Mangel an finanzieller Transparenz. Sobald private Medienunternehmen in den Markt einsteigen, verbergen sie Informationen über ihre finanzielle Lage und Investitionen. Dies führt regelmäßig zu Ungleichgewichten, weil es sich um große Investoren aus medienfremden Bereichen damit die Medienlandschaft verändern. Dies ist schon häufiger passiert, zum Beispiel durch die Beteiligung von Bauunternehmern wie Koço Kokëdhima, Irfan Hasanbelliu und Genc Dulaku oder dem Kaffeeunternehmer Dritan Hoxha &#8211; Sie haben neue Medien gegründet, die unverzüglich zu den wichtigsten des</p>
<p>Landes wurden. Aufgrund gewaltiger Investitionen der Geschäftsleute Kokëdhima und Hasanbelliu haben ihre jeweiligen Zeitungen die höchsten Auflagenzahlen des Landes. Derweil gehören Dulaku und Hoxha auch zwei der größten albanischen privaten Fernsehsender.</p>
<p>Die neuen Unternehmen, die in den Markt einsteigen, verändern häufig den Trend des Medienmarkts. So war die neu gegründete Zeitung <em>Shekulli</em> dreimal billiger als andere Zeitungen. Ihr Preis betrug 10 Lek (ca. 70 Cent), während andere Zeitungen für 30 Lek (210 Cent) verkauft wurden. Bald darauf folgte die Zeitung <em>Panorama</em> ihrem Beispiel. Das führte dazu, dass die Inhaber der anderen Zeitungen die Wettbewerbsbehörde aufsuchten, um sich gesetzlich zu schützen. Dieser Preisunterschied kann zwar nicht gerechtfertigt werden – nicht einmal durch die Druckkosten (die ungefähr gleichgroß sind) oder die Verkaufszahlen –,  er lässt sich aber damit erklären, dass die Verleger einiger Zeitungen ihre Druckkosten durch die Einnahmen ihrer anderen Unternehmen decken.</p>
<p>Im Bereich der Fernsehmedien spiegeln sich die Missverhältnisse des Medienmarkts vor allem in den Werbekosten und dem Programminhalt wider. Für diverse Fernsehsender waren die Preise für Werbespots inakzeptabel. Am 5. August 2003 haben die Intendanten der fünf größten albanischen Fernsehsender deshalb eine Kooperationserklärung unterschrieben, in der sie beschlossen, dass sie zukünftig identische Preise für Werbespots festlegen. Diesem Memorandum zufolge kosten 30 Sekunden Werbung bei jedem der fünf Unterzeichnenden 100 Euro. Ungeachtet dessen wurde das Memorandum letztendlich nicht ausgeführt, weil für jeden Sender bis heute andere Preise gelten.</p>
<p>Diese Respektlosigkeit gegenüber Regeln macht sich auch bei der finanziellen Versorgung der Journalisten und technischen Mitarbeitern bemerkbar.</p>
<p>Aufgrund des Wettbewerbs weichen die Gehälter der Journalisten je nach Medium drastisch voneinander ab: Die Gehälter bei <em>Top Channel</em> und <em>Vizion Plus</em> sind zwei bis dreimal so hoch wie bei anderen Medien, weil diese unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten leiden. Die Gehälter der Fernsehjournalisten sind außerdem sehr viel höher als die der Print- und Radiojournalisten.</p>
<p>Seit 1992 gibt es kontinuierlich Versuche, Vorschriften für den Mediensektor durchzusetzen. In vielerlei Hinsicht ist der Markt heute stabiler als noch vor ein paar Jahre – trotzdem ist er immer noch unberechenbar, instabil, und zu einem gewissen Grad informell.</p>
<p><strong>Ein kleiner Markt in der Krise </strong></p>
<p>Mit einer Einwohnerzahlt von rund drei Millionen ist und bleibt Albanien ein kleiner und ungünstiger Markt für Medien. Kleine Märkte sind hinderlich für die Festigung der Medien, weil die Produktionskosten hier fast genauso hoch sind wie die anderer Medien, die in größeren Märkten tätig sind. Der Profit in den kleinen Märkten ist aber sehr viel geringer.</p>
<p>Von der Größe einmal abgesehen sind die albanisch-sprachigen Medienmärkte auch durch die liberale Medienpolitik der albanischen Regierung zersplittert. Die vielen Akteure, die in diesen Märkten tätig sind, haben zwar einen positiven Einfluss auf den Pluralismus der albanischen Presse, aber sie fragmentieren die Medien. Obwohl es Mediengruppen gibt, in denen beobachtet werden konnte, dass es Zusammenschlüsse gibt,  ist der Markt sehr breit gefächert – es hat sich gezeigt, dass Konzentrationen nicht zur Schließung anderer Unternehmen führen.  Die Schwierigkeiten eines kleinen Markts spiegeln sich nicht nur in den niedrigen Auflagenzahlen der albanischen Zeitungen, aber auch in der geringen Anzahl der Werbekunden der elektronischen Medien wider, wobei genaue Untersuchungen über die Zielgruppen dieser Medien bisher fehlen.</p>
<p>Die tägliche Auflagenhöhe aller albanischen Zeitungen beträgt gerade einmal 70.0000; davon haben lediglich <em>Panorama</em> und <em>Shekulli</em> eigenen Angaben zufolge eine Auflage von 15.000 bis 25.000. Bei allen anderen Medien beträgt die Auflagenhöhe jeweils weniger als 5000 Exemplare.</p>
<p><strong>Die langjährige Krise der Printmedien </strong></p>
<p>Die Printmedien, die nach dem Fall des Kommunismus die erste private Medienform bildeten, haben eine jahrelange Krise durchlebt, die sich immer weiter fortsetzt.</p>
<p>In der ersten Phase (1991-1994) konnten sich die Printmedien über günstige finanzielle Bedingungen freuen, weil sie vor allem durch politische Parteien finanziert wurden und daher drei sichere Einnahmequellen hatten: politische Parteien, Verkauf der Zeitungsexemplare und Werbung.</p>
<p>Es gab auch andere Vorteile: zuallererst die große, beständige Leserschaft – ein bedeutsamer Teil davon war die Wählerschaft der politischen Parteien. Zusätzlich investierten die Parteien einen Teil ihres Budgets in die Printmedien, weil diese zu der Zeit noch die einflussreichsten Medien Albaniens waren.</p>
<p>Die ersten großen Tageszeitungen, die nach 1994 auftauchten, mussten sich erheblichen Problemen stellen. Die Gehälter der Journalisten waren sehr gering (50-250 Euro) und die Zeitungen so billig, dass die Produktionskosten mit den Einnahmen kaum gedeckt werden konnten.</p>
<p>Die wirtschaftliche Lage der Printmedien in Albanien ist großen Herausforderungen unterworfen, was dazu führt, dass die Stabilität der einzelnen Medienunternehmen schwankt und ihre Überlebenschancen sinken. Der Großteil der Unternehmen schreibt inzwischen rote Zahlen und wenn die Gesetze, die besagen, dass Zahlungsunfähigkeiten und die finanzielle Lage der Betriebe transparent gemacht werden müssen, wie beabsichtigt funktionieren würden, wären viele dieser Unternehmen gezwungen zu schließen.  Diese Situation wird durch den kleinen Werbemarkt in Albanien verschlimmert.</p>
<p><strong>Der Boom der audiovisuellen Medien </strong></p>
<p>In Albanien wird am meisten in audiovisuelle Medien investiert. Diese Investitionen sind jedoch durch verschiedene Entwicklungsmuster gekennzeichnet: Es wird viel in Fernsehen und wenig in Radio investiert. Auch bei den verschiedenen Fernsehsendern gibt es Unterschiede, da einige Unternehmen viel mehr investieren und damit auch viel wettbewerbsfähiger als andere Sender sind. Fernsehsender wie beispielsweise <em>Top Channel, Klan, Vizion Plus</em> und neuerdings auch <em>Ora News </em>haben mehr Geld in ihre Produktionen gesteckt, wodurch ihre Rundfunkqualität um einiges besser ist.</p>
<p>Durch ihre Investitionen sind diese Fernsehsender in drei Bereichen konkurrenzfähiger geworden: Rundfunktechnik, Programmproduktion und Arbeitskräfte.</p>
<p>Zu den technischen Investitionen gehört der Bau der Rundfunkstudios. Bis 1997 war der größte Anleger in diesen zwei Gebieten <em>Radiotelevizioni Publik Shqiptar </em>(RTSH, albanisches öffentlich-rechtliches Fernsehen), die damals einzige Rundfunkanstalt in Albanien. Trotzdem hinkte RTSH damals und auch heute noch technisch gesehen hinterher. Die Kameras und Schnittstudios von RTSH sind immer noch diejenigen, die zwischen 1985 und 1990 aus Ostdeutschland importiert wurden.</p>
<p>Laut Statistiken von KKRT macht die Mehrzahl der albanischen Fernsehsender Verluste. Alle lokalen Fernsehsender, deren Programm von Tirana und anderen Regionen ausgestrahlt wird, haben letztendlich Gewinneinbuße. Nichtsdestotrotz sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die finanziellen Angaben der meisten Fernsehsender Albaniens ungenau sind. Diese Ungenauigkeiten kommen daher, dass falsche Angaben über die Anzahl der beschäftigten Journalisten und ihre Gehälter sowie über die Einnahmen gemacht werden, um Gewinnbesteuerungen zu umgehen. Trotzdem hat KKRT eine Datenbank über die Finanzen der Fernsehsender erstellt, die zeigt, dass nur  <em>Klan</em>, <em>Top Channel</em> und <em>Vizion Plus</em> Gewinne erzielen.</p>
<p>Die Haupteinnahmequelle des albanischen Fernsehens ist die Werbung. Von 15.666.000$, die im Jahr 2004 für Werbung ausgegeben wurden, wurden 8.500.000$ in Fernsehwerbung investiert. Diese Summe wird jedoch nicht gleichmäßig verteilt, weil die Hauptfernsehsender die meisten Werbeaufträge von Unternehmen und der Regierung erhalten. Die übrigen Produktionskosten werden durch andere finanziellen Quellen gedeckt. Einige Fernsehsender, wie  z.B. TV Arbëria, wurden zwangsvollstreckt, während andere fortlaufend in finanziellen Schwierigkeiten  stecken und deshalb ihren Mitarbeitern keine Gehälter mehr auszahlen.</p>
<p>Radiounternehmen sind bescheidener aber auch beständiger als Fernsehunternehmen. Obwohl die Mehrheit der Radiosender an Geldmangel leidet, sind ihre Kosten insgesamt viel geringer, weil ihr Programm vor allem aus Nachrichten aus dem Internet sowie aus Talk Shows mit Anrufern und Musik besteht. Gleichzeitig sind weder die Mitarbeiter noch technische Neuerungen besonders teuer.</p>
<p><strong>Zusammenfassung</strong></p>
<p>Das Wesen der albanischen Medien hängt überwiegend vom Wesen ihrer Besitzer ab. Die radikalen Liberalisierungsreformen haben dazu geführt, dass der albanische Medienmarkt, so wie andere Märkte auch, sehr schnell von privaten Unternehmen dominiert wurde. Die privaten Medien haben die Rolle des öffentlichen Sektors ausgeglichen. Der albanische öffentlich-rechtliche Rundfunk ist bis heute eine unreformierte Medieninstitution, die dem staatlichen Radio- und Fernsehsender der Vergangenheit immer noch ähnelt. Seine Glaubwürdigkeit und Bewertungen nehmen ständig ab und er wird heutzutage vor allem in ländlichen Gegenden genutzt.</p>
<p>Im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern, in denen Medienkonzentration gesetzlich eingeschränkt wird, ist dieses Phänomen in Albanien und im Kosovo erlaubt. Daher kann im albanischen Medienmarkt beobachtet werden, dass verschiedene Medien fusionieren und einflussreiche Mediengruppen, die von einem einzelnen Aktionär kontrolliert werden, gebildet werden. Außerdem hindert die albanische Gesetzgebung andere Unternehmen nicht daran, in die Medienindustrie zu investieren.</p>
<p>In den Balkanstaaten sind das Internet und neue Technologien die einzigen Medienformen, die offene Perspektiven und einen gemeinsamen Raum für Kommunikation bieten. Online-Kommunikation umgeht die Beschränkungen der traditionellen Medien. Ungeachtet dessen ist es, im Gegensatz zu anderen Ländern in Europa, für die Bevölkerung schwieriger das Internet und die  neuen Kommunikationstechniken zu nutzen: Die Kosten sind zu hoch, die Kaufkraft der albanischen Öffentlichkeit zu gering. Die Verbreitung des Internets wird außerdem durch das niedrige Wirtschaftsniveau der Bevölkerung und die mangelhafte Festnetzinfrastruktur beeinträchtigt – vor allem in ländlichen Gebieten. Obwohl sich die neuen Medien noch im Anfangsstadium befinden, wird ihre Präsenz immer stärker, so dass erwartet wird, dass sie in kürzester Zeit zu einer Konkurrenz für die traditionellen Medien werden.</p>
<p style="text-align: center;">*****</p>
<p><em>Dr. Mark Marku ist Medien- und Kommunikationsprofessor der Fakultät für Journalismus und Kommunikation der Universität Tirana. Er hat mehrere Werke über die Geschichte der albanischen Medien und Mediensemiotik veröffentlicht, die von vielen westlichen Autoren übersetzt wurden. Zurzeit ist Dr. Marku Abgeordneter des albanischen Parlaments und Vizepräsident des Parlamentsausschusses für Bildung und Medien.</em></p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Übersetzt aus dem Englischen von Miryam Nadkarni</em></span></p>
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		<title>Medienpolitik in Dänemark</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 15:59:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Wise</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Dänemark]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
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		<category><![CDATA[öffentlich-rechtlicher Rundfunk]]></category>
		<category><![CDATA[privater Mediensektor]]></category>
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		<category><![CDATA[Subventionen]]></category>
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		<description><![CDATA[Dänische Studie skizziert Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des dänischen Mediensystems. In einer kürzlich erschienenen Fallstudie haben Rasmus Helles, Henrik Søndergaard und Ida Toft von der Universität Kopenhagen (UCPH) gemeinsam mit dem MEDIADEM-Projekt untersucht, ob die Medienpolitik in Dänemark die Freiheit und Unabhängigkeit der Medien fördert. Laut der Wissenschaftler ist die dänische Medienpolitik zwischen zwei Wünschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.flickr.com/photos/mag3737/5463694639/sizes/s/in/photostream/"><img class="size-full wp-image-6149 alignleft" title="Foto: mag3737 / Flickr" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/D%C3%A4nemark.jpg" alt="" width="240" height="240" /></a>Dänische Studie skizziert Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des dänischen Mediensystems.</strong></p>
<p>In einer kürzlich erschienenen Fallstudie haben Rasmus Helles, Henrik Søndergaard und Ida Toft von der Universität Kopenhagen (UCPH) gemeinsam mit dem <a href="http://www.mediadem.eliamep.gr/findings/" target="_blank">MEDIADEM</a>-Projekt untersucht, ob die Medienpolitik in Dänemark die Freiheit und Unabhängigkeit der Medien fördert. Laut der Wissenschaftler ist die dänische Medienpolitik zwischen zwei Wünschen hin- und hergerissen: „Dem Wunsch, die Vielfalt der Medieninhalte zu bewahren und anzukurbeln und dem Wunsch nach unabhängigen Medien, die ihre demokratische Aufgabe in der Gesellschaft erfüllen.“</p>
<p>In dem Bericht „Fördert Medienpolitik die Freiheit und Unabhängigkeit der Medien?“ wird die dänische Medienlandschaft ausführlich beschrieben. Die Autoren weisen dabei vor allem darauf hin, dass das Subventionssystem der Medien das Hauptziel von Reformen sein sollte. Obwohl es für alle wichtigen Beteiligten des Medienmarkts eindeutig sei, dass das Subventionssystem der Medien verbessert werden müsse, sei es schwierig sich zu einigen. Während der Reformprozess immer komplizierter und bürokratischer werde, bleibe es das Hauptziel, ein unabhängiges Mediensystem in Dänemark zu fördern.<span id="more-6144"></span></p>
<p><strong>Das Mediensystem</strong></p>
<p>Helles, Søndergarrd und Toft erklären die Komplexität der dänischen Medienpolitik mit dem Vorhandensein mehrerer Zusatzfaktoren. So sei der Medienmarkt in Dänemark wegen seiner geringen Größe einzigartig. Seine Größe führe zur Entstehung eines zerbrechlichen Systems, das auf Privatisierung und Förderungen mit öffentlichen Geldern angewiesen sei. Kern dieses Systems sei die Notwendigkeit, dass die Medien pluralistisch und unabhängig zugleich blieben, was im digitalen Zeitalter immer schwieriger werde.</p>
<p>Die momentan auftretenden Störungen des Marktes hätten die Konkurrenz zwischen den öffentlichen und privaten Medien erhöht, wodurch ein System, das bisher immer harmonisch funktioniert habe, zerrüttet werde. Wie in vielen Medienmärkten weltweit belaste die Digitalisierung den Rundfunk und die Printmedien, da die Öffentlichkeit immer weniger bereit sei, für Inhalte zu bezahlen. In der Vergangenheit hätten mit öffentlichen Geldern finanzierte Rundfunkanstalten und privat finanzierte Printmedien unabhängig voneinander existiert. Seit der Medienmarkt aber kleiner werde, sei es nicht unüblich, auch Rundfunkmedien zu privatisieren. Der Kampf um Medienkonsumenten werde damit vor allem bei den privaten Medienunternehmen immer härter.</p>
<p>In der MEDIADEM-Fallstudie wird auch darauf hingewiesen, dass die Beziehung zwischen Pluralismus und Meinungsfreiheit komplex ist. Obwohl Pluralismus Zustimmung und Unterstützung findet, weil dadurch freie und offene gesellschaftliche Debatten ermöglicht werden, gibt es auch Vertreter, die sich dafür einsetzen, dass Fördermittel für Medien reduziert werden. Sie argumentieren, dass ein System, das Pressekanäle finanziell unterstützt, der Unabhängigkeit der Medien widerspricht.</p>
<p><strong>Reformen und Ziele </strong><strong></strong></p>
<p>Helles, Søndergarrd, und Toft betonen, dass das System der öffentlichen Finanzierung der dänischen Medien zwar notwendig, der Prozess jedoch mühselig und durch sehr viel politisches Getue gekennzeichnet  sei. Das derzeitige System, das sich beim sparsamen Verteilen der öffentlichen Gelder  an Vertriebszahlen orientiert, könne keine zulässige Option mehr sein.</p>
<p>Über neue Initiativen in der Medienpolitik verhandeln dänische Parteien mit Hilfe des sogenannten Drei-Stufen-Prozesses. Er beginnt mit Konferenzen und Treffen zwischen Parteien und Vermittlern, dann wird ein Vorschlag des Kulturministeriums formuliert und schließlich verhandeln das Kulturministerium und die Sprecher der jeweiligen Parteien. Obwohl Einwände seitens der öffentlichen und politischen Vertreter vorgebracht werden können, werden Veränderungen nur sehr selten vorgenommen. Kommt es in seltenen Fällen doch zu Veränderungen, betreffen diese meistens die Finanzierung der unterschiedlichen Pressekanäle und die Programminhalte.</p>
<p>Obwohl bisher nur wenige Vorschläge über Finanzierungsreformen gemacht wurden, legt der vor kurzem erschienene dänische Medienbericht „Förderung der Demokratie: Die Zukunft der öffentlichen Medienförderung“ (Dyremose, 2011) nahe, dass nicht Auflagenzahlen, sondern die Nachrichtenproduktion ausschlaggebend für die Verteilung der Subventionen sein sollten.</p>
<p>Dieser Bericht, verfasst von einem Komitee, das ein neues Medienförderungsmodell entwickeln sollte, skizziert ein System, das Journalisten unmittelbar unterstützen und gleichzeitig Zeitungsproduktionen subventionieren kann. Diese Reformen wurden nicht nur deshalb vorgeschlagen, weil die Zeitungen nach wie vor 70 Prozent der Nachrichteninhalte in Dänemark liefern, sondern auch weil dies sinnvoller erschien, als Komitees zu gründen, die über die Fördermittel bestimmen.</p>
<p>Bei einer solchen direkten Verteilung der öffentlichen Gelder an Journalisten und Printnachrichten könnten die  Medien ihre Unabhängigkeit bewahren und gleichzeitig politische Eingriffe umgehen.</p>
<p>Wäre die Finanzierung nicht mehr von den Auflagenzahlen abhängig, könnten laut der MEDIADEM-Studie zusätzlich die Beschränkungen beim  Markteintritt, die vom „alten, Plattform-spezifischen System“ auferlegt wurden, gelockert werden.</p>
<p>Kritiker, inklusive der  Behörde für Wettbewerb und Verbraucherschutz, geben zu bedenken, dass dies zu einem noch überfüllteren Markt führen könnte, in dem die großen Medienunternehmen einen größeren Teil der Fördergelder bekommen würden.</p>
<p>Am Ende des Berichts weisen die Autoren auf den Einfluss der Medienpolitik der Europäischen Union auf die heutigen Regelungen der dänischen öffentlich-rechtlichen Medien hin: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird nach wie vor als Grundstein der dänischen Medienpolitik und auch der dänischen Kulturpolitik angesehen.“</p>
<p><em>Übersetzt aus dem Englischen von Miryam Nadkarni</em></p>
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		<title>Medien am staatlichen Tropf</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Nov 2011 09:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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		<category><![CDATA[Presseförderung]]></category>
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		<category><![CDATA[Rundfunkförderung]]></category>
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		<description><![CDATA[Nicht nur in Österreich wird um Presse- und Rundfunkförderung gestritten. Rasmus Kleis Nielsen und Geert Linnebank vom Reuters Institute der Oxford University haben deshalb analysiert, wie stark die Medien ringsum mit öffentlichen Geldern subventioniert werden – und dabei Bemerkenswertes herausgefunden. Beim Vergleich von Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien und Großbritannien sowie den USA kommen sie zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-5697 alignleft" title="Foto: Maren Beßler  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/11/tropf.jpg" alt="" width="180" height="259" /></a><strong>Nicht nur in Österreich wird um Presse- und Rundfunkförderung gestritten. Rasmus Kleis Nielsen und Geert Linnebank vom Reuters Institute der Oxford University haben deshalb analysiert, wie stark die Medien ringsum mit öffentlichen Geldern subventioniert werden – und dabei Bemerkenswertes herausgefunden.</strong></p>
<p>Beim Vergleich von Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien und Großbritannien sowie den USA kommen sie zu dem Befund, die medienpolitischen Förderinstrumente hätten sich seit den 80er Jahren kaum verändert &#8211; trotz der stürmischen Zeiten, die wir durchleben. Vor allem die Dinosaurier der Medienbranche profitierten davon, seien das öffentliche Rundfunkveranstalter, seien das Presse-Verlage.</p>
<p>Beide hängen in den untersuchten Ländern seit langem am staatlichen Tropf: Die einen erhalten üppige Gebühren, die anderen Vergünstigungen beim Postvertrieb, Steuererleichterungen und in einigen Ländern auch direkte Subventionen. Selbst in den USA, das stets als Land angeführt werde, in dem die Medien „kein“ Geld vom Staat bekämen, fließen jährlich mehr als eine Milliarde Dollar Steuergelder in öffentliche TV- und Radio-Programme und nahezu gleich viel Geld in die Kassen der Zeitungshäuser.<span id="more-5696"></span></p>
<p>Das Lobbying der mächtigen Medienhäuser funktioniert bestens, um sich diese Futtertöpfe zu erhalten. Start ups, die im Journalismus etwas Neues ausprobieren wollen, haben dagegen so gut wie keine Chance, an Fördergelder heranzukommen. Das skurrilste Gesetz, das die Autoren bei ihren Recherchen „entdeckt“ haben, stammt aus Italien. Dort können Journalistenbüros, an denen sich mindestens zwei Parlamentarier beteiligen, Fördermittel kassieren, wenn sie eine Zeitung – nicht etwa eine Website – publizieren. Aber auch nur dann, wenn sich das Blatt bereits drei Jahre lang am Markt behauptet hat.</p>
<p>Rasmus Kleis Nielsen/Geert Linnebank (2011): Public Support for the Media. A Six Country Overview of Direct and Indirect Subsidies, Report, Reuters Institute for the Study of Journalism, University of Oxford</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Die Furche Nr. 47/2011</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Achtung: Gläserne Decke!</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Sep 2011 11:21:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nora Weis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenquote]]></category>
		<category><![CDATA[Führungspositionen]]></category>
		<category><![CDATA[Global report on the status of women in the news industry]]></category>
		<category><![CDATA[International Women's Media Foundation]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistinnenbund]]></category>
		<category><![CDATA[Medienunternehmen]]></category>
		<category><![CDATA[Nachrichtenbranche]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Jahrestagung 2011 des Journalistinnenbundes Anfang September zeigte: die seit Monaten in Deutschland geführte Debatte über die Einführung einer Frauenquote ist nicht vergessen. Auch nicht im Medienbereich. Ganz im Gegenteil: die Diskussion über Möglichkeiten von und für Frauen auf dem Weg nach oben ist nach wie vor notwendig, um Frauen den selbstverständlichen Zugang zu Führungspositionen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<p><strong><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-5401 alignleft" title="Foto: Thommy Weiss / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/09/weiblich.jpg" alt="" width="160" height="222" /></a>Die Jahrestagung 2011 des Journalistinnenbundes Anfang September zeigte: die seit Monaten in Deutschland geführte Debatte über die Einführung einer Frauenquote ist nicht vergessen. Auch nicht im Medienbereich. </strong></p>
<p>Ganz im Gegenteil: die Diskussion über Möglichkeiten von und für Frauen auf dem Weg nach oben ist nach wie vor notwendig, um Frauen den selbstverständlichen Zugang zu Führungspositionen zu ebnen. Laut einer Studie der International Women&#8217;s Media Foundation (IWMF) besetzen Frauen weltweit  nur 27 Prozent der Führungspositionen in der Nachrichtenbranche.<br />
<span id="more-5398"></span>Unter dem Tagungsmotto „Mut und Macht in den Medien“ diskutierten DuMont-Redaktionsleiterin Brigitte Fehrle, rbb-Programmdirektorin Claudia Nothelle und die Bloggerin Katrin Rönicke in einer öffentlichen Podiumsdiskussion im ARD-Hauptstadtstudio über die Möglichkeiten von und für Frauen auf dem Weg nach oben. Sie ermutigten die Frauen, „zu gestalten“ und sich auf den Weg in die Führungsetagen zu machen. Doch DuMont-Redaktionsleiterin Brigitte Fehrle zeigte sich davon überzeugt, dass das „ohne Quote nicht geht“. Die Bloggerin Katrin Rönicke machte darauf aufmerksam, dass Macht nicht nur von einer hohen hierarchischen Position abhinge, sondern dass man vielmehr auch das Netz zur schnellen Meinungsbildung und zur Organisation von Aktionen nutzen sollte. „Auch das bedeutet Macht.“</p>
<p>Dass sich internationale Nichtregierungsorganisationen wie die International Women´s Media Foundation (IWMF) und nationale Organisationen wie der Journalistinnenbund für die Förderung von Frauen und die paritätische Besetzung aller Positionen in den Medien einsetzen, scheint weiterhin wichtig zu sein. Denn obwohl Frauen auf den ersten Blick den Journalismus längst für sich erobert zu haben scheinen und, wie die neueste IWMF-Studie zeigt,  je nach Medium heute zwischen 25 und 50 Prozent der Redaktionsposten besetzen, sind sie in den oberen Leitungs- und Entscheidungsfunktionen immer noch kaum anzutreffen: Weltweit belegen Männer 73 Prozent aller Führungspositionen in der Nachrichtenbranche, auch rund zwei Drittel aller Reporter sind Männer.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Der „Global report on the status of women in the news industry“ („Globaler Bericht über den Status von Frauen in der Nachrichtenbranche“) der IWMF untersuchte innerhalb von zwei Jahren die Unternehmenspolitik und Personalstruktur von mehr als 500 Unternehmen der Nachrichtenbranche in 60 Ländern. Mit der Unterstützung von hunderten eingesetzten Forschern in den einzelnen Ländern entstand die seit 15 Jahren am breitesten international angelegte Untersuchung über Frauen in der Nachrichtenbranche.[1]</p>
<p>Unterhalb des Mittleren Managements, in der Ebene der „erfahrenen Mitarbeiter“ (senior professionals) nähern sich die Frauen mit 41 Prozent der Berichterstattungs- (Journalistinnen), Bearbeitungs- (Cutterinen) und Schreibjobs (Redakteurinnen) den Männern an. Die internationale Studie belegt, dass Frauen nur 26 Prozent der leitenden Jobs und nur 27 Prozent der Jobs an der Führungsspitze innehaben.</p>
<p>„Zum ersten Mal haben wir eine wissenschaftlich gesammelte Aussage, die ein wahres Bild der sehr realen Behinderungen der in der Medienbranche arbeitenden Frauen liefert“, so die geschäftsführende Direktorin der IWMF, Liza Gross. „In allen Regionen der Welt werden Frauen am Aufstieg behindert – ob durch geringere Gehälter im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen oder durch den fehlenden Zugang zu leitenden Jobs in der Nachrichtenredaktion.“</p>
<p>Das Zusammentreffen in Washington D.C. von rund 75 weiblichen Führungskräften der Medienbranche aus der ganzen Welt im Anschluss an die Präsentation der Studie im vergangenen März soll langfristig Früchte tragen: Um die Journalistinnen in der Nachrichtenbranche voran zu bringen, entwarfen die Teilnehmerinnen, darunter auch taz-Chefredakteurin Ines Pohl, aufgrund der Studienergebnisse einen internationalen Handlungsplan &#8211; gemeinsam mit hunderten Delegierten aus dem Nachrichtenbereich,  Vertretern und Studenten von Hochschulen sowie IWMF-Mitgliedern. Gebündeltes Expertenwissen in der Nachrichtenbranche und ein wahrhaftes Interesse daran, Frauen in der internationalen Nachrichtenbranche weiter voran zu bringen, sollen den Grundstein für den positiven Wandel für die Frauen legen – bei Gehältern und Positionen, den Anstellungsverhältnissen, der Qualität der Arbeitsbereiche, der Personalbeschaffung und Anstellung, der Karrierelaufbahn sowie der Gleichstellungspolitik insgesamt. Angeregt werden soll der Dialog mit den Führungsetagen der Nachrichtenunternehmen.</p>
<p>In Deutschland nahmen zwölf Nachrichtenunternehmen  aus allen Mediengattungen (TV, Radio, Print &amp; Online) an der Studie teil. Insgesamt beschäftigten diese Unternehmen in etwa 7.200 Journalisten, darunter 3.133 Frauen und 4.030 Männer.</p>
<p><strong>Ein Blick in ihre Unternehmenspolitik und Personalstruktur zeigte: </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<ul>
<li>Obwohl inzwischen in vielen deutschen Medienunternehmen fast genauso viele Frauen  wie Männer arbeiten, findet man generell in Führungspositionen wesentlich weniger Frauen als Männer. Ab dem mittleren Management besteht also immer noch eine unsichtbare Barriere beziehungsweise die sogenannte gläserne Decke.</li>
</ul>
<ul>
<li>Durch die Entwicklung der neuen Medien und die für die tagesaktuelle Berichterstattung heute unabdingbare Online-Berichterstattung ergeben sich zusätzliche Beschäftigungsfelder für Frauen und Männer. Anhand der persönlich geführten Interviews lässt sich erkennen, dass hier zwar die Frauen in der Gesamtbeschäftigungszahl leicht in Führung sind, allerdings auch hier eher die Männer Führungspositionen übernehmen.</li>
</ul>
<ul>
<li>Zwar verwendet keines der befragten Unternehmen eine bestimmte Methodik, um Diskriminierung zu vermeiden, doch wenden die Unternehmen unterschiedliche Behandlungen im Hinblick auf weibliche Bewerber an. So weisen einige der Unternehmen in ihren Ausschreibungen ausdrücklich darauf hin, dass Bewerbungen von Frauen erwünscht sind, andere wiederum nicht.</li>
</ul>
<ul>
<li>Männer erhalten eher eine Festanstellung als Frauen.</li>
</ul>
<ul>
<li>Zum Thema Gehalt machten nur zwei der zwölf befragten Unternehmen konkrete Angaben. Die Daten dieser zwei Unternehmen wie auch die Aussagen der anderen zehn Unternehmen hinsichtlich der Löhne zeigten zwar, dass anscheinend in jedem Beschäftigungsniveau Frauen wie Männer das gleiche Gehalt beziehen. Doch angesichts der weltweiten Ungleichheit zwischen den Gehältern von Frauen und Männern sowie der ernstzunehmenden Unterrepräsentierung von Frauen in entscheidungsbefugten Rollen in Nachrichtenunternehmen dürften diese Daten skeptisch stimmen. Es bedarf also noch weiterer Forschung, um die Gehaltsfrage in der deutschen Nachrichtenbranche bestimmt und konkret aufzuklären.</li>
</ul>
<ul>
<li>Frauen besetzen in zunehmendem Maße auch die bislang männlichen „Sperrbezirke“ Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Sport und bleiben gleichzeitig in ihren Themenbereichen Soziales, Familie, Unterhaltung, Feuilleton und Service bestimmend. Die Themenvergabe erfolgt laut der Befragten unabhängig vom Geschlecht, vielmehr abhängig vom Interesse und der Kompetenz des jeweiligen Journalisten und der jeweiligen Journalistin.</li>
</ul>
<ul>
<li>Die Unternehmen bieten ihren weiblichen und männlichen Mitarbeitern mit Familie unterschiedliche Förderungen an, mit denen klassische Rollenmodelle aufgebrochen werden sollen. So nutzen mittlerweile immer mehr Journalisten das Angebot des Vaterschaftsurlaubs.</li>
</ul>
<ul>
<li>Eine spezielle innerbetriebliche Förderung von Frauen sowie spezielle Weiterbildungsangebote ausschließlich für Frauen bieten bislang nur wenige Unternehmen an, vielmehr bieten sie Förderungen geschlechtsunabhängig für alle Mitarbeiter an.</li>
</ul>
<ul>
<li>Generell ist ein Trend der Unternehmen zu erkennen, weitere Regelungen und Richtlinien für die faire Gleichbehandlung von Frauen einzuführen sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch zum Beispiel einen Kinderbetreuungsservice zu fördern.</li>
</ul>
<p>Die befragten Unternehmen lassen im Umgang mit Gleichstellungspolitik individuelle Lösungsmöglichkeiten erkennen.</p>
<p>Allerdings gewährt die Studie nur einen Einblick in Unternehmen, die der Teilnahme an der Studie zugestimmt haben und dadurch ein Interesse an der Thematik erkennen lassen. Somit verschärft sich die Vermutung, dass es in den Unternehmen, die nicht an dieser Studie teilgenommen haben, weitaus schlechter um den Status von Frauen in der Nachrichtenbranche bestellt ist.</p>
<p>Zumindest können die gewonnen Daten der IWMF-Studie auch weiteren Arbeitgebern diese Problematik bewusst machen und Lösungswege aufzeigen. Damit in Zukunft mehr Frauen in Führungspositionen vertreten sind.</p>
<hr size="1" /><strong> </strong></p>
<p><strong>Weiterführende Links:</strong></p>
<p><a href="http://www.journalistinnenbund.de/" target="_blank">http://www.journalistinnenbund.de/</a></p>
<p><a href="http://www.iwmf.org/" target="_blank">http://www.iwmf.org/</a></p>
<p>Ines Pohl, Chefredakteurin der taz, über die „kleinen Schritte“, mit denen deutsche Medien die Lage der Frauen in der Nachrichtenbranche verbessern können:</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=WEji0nBl5as">http://www.youtube.com/watch?v=WEji0nBl5as</a></p>
<hr size="1" />[1] 1995 veröffentlichte die UNESCO die Studie „An Unfinished Story. Gender Patterns in Media Employment“ von Margaret Gallagher.</p>
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		<title>Lettlands Mediensystem am Scheideweg</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Sep 2011 10:26:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Reetz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ainārs Dimants]]></category>
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		<description><![CDATA[Die lettischen Medien sind in den vergangenen Jahren unabhängiger geworden, und sie konnten auch ihre journalistische Qualität steigern. Noch haben sie aber nicht das Entwicklungslevel westeuropäischer Länder erreicht. So schätzt der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Ainārs Dimants, der auch die lettische Version des EJO verantwortet, in seinem neuen Buch „Lettlands Mediensystem am Scheideweg” die derzeitige Lage [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.svh-verlag.de/catalog/details/store/de/book/978-3-8381-2101-7/lettlands-mediensystem-am-scheideweg"><img class="size-full wp-image-5390 alignleft" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/09/Dimants1.jpg" alt="" width="160" height="222" /></a>Die lettischen Medien sind in den vergangenen Jahren unabhängiger geworden, und sie konnten auch ihre journalistische Qualität steigern. Noch haben sie aber nicht das Entwicklungslevel westeuropäischer Länder erreicht. </strong></p>
<p>So schätzt der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Ainārs Dimants, der auch die lettische Version des EJO verantwortet, in seinem neuen Buch „Lettlands Mediensystem am Scheideweg” die derzeitige Lage ein. Seine Forschungsarbeit befasst sich mit der Entwicklung der Massenmedien in Lettland nach der „zweiten Unabhängigkeit”, insbesondere mit den „Goldgräberjahren” nach dem Ende der sowjetischen Diktatur – die Zeit nach dem Amtsantritt von Michail Gorbatschow als Generalsekretär der KPdSU. <span id="more-5386"></span>Damals war Lettland noch eine der Sowjetrepubliken, doch der neue Parteivorsitzende gewährte bis dahin ungekannte Freiheiten.</p>
<p>Als Lettland seine Unabhängigkeit zurückgewann, wurde auch das Mediensystem neu strukturiert. Die 1990 gegründete Tageszeitung „Diena” (Der Tag) entwickelte sich zur wohl einflussreichsten Zeitung des Landes. Auch andere Titel wurden, teilweise mit Hilfe ausländischer Investoren, privatisiert. Trotz aller positiven Entwicklungen mangele es im Medienbereich immer noch an Transparenz und Professionalität, so Dimants. Es fehlen vor allem Informationen, wem welcher Verlag gehört (Stichwort Medienkonzentration), und Regeln, die den Einfluss von Verlegern, Herausgebern und Chefredakteuren (Stichwort redaktionelle Autonomie bzw. innere Pressefreiheit) begrenzen.</p>
<p>So kündigten 2009 vierzehn Journalisten bei der Zeitung „Diena”, nachdem der Herausgeber Aleksandrs Tralmaks drei Monate lang seinen Mitarbeitern nicht sagen wollte, wer das Zeitungshaus erworben hatte und parallel dazu einen Sparplan vorlegte. (Vgl. dazu auch einen <a href="http://www.fr-online.de/kultur/medien/nachtschwarz-fuer-den-tag/-/1473342/3077136/-/index.html" target="_blank">Artikel der Frankfurter Rundschau</a>). Entwicklungsbedarf sieht Dimants auch im Bereich der Berufsverbände, der Weiterbildung und des Medienjournalismus – qualitätssichernde Infrastrukturen des Journalismus seien in Lettland kaum vorhanden, so der Autor.</p>
<p>Das  Buch basiert auf Dimants Dissertation, die 2003 an der Freien Universität Berlin eingereicht und jetzt aktualisiert wurde.</p>
<p><span style="color: #888888;">Ainars Dimants (2010),<a href="https://www.svh-verlag.de/catalog/details/store/de/book/978-3-8381-2101-7/lettlands-mediensystem-am-scheideweg" target="_blank"> Lettlands Mediensystem am Scheideweg. Die Entwicklung der Massenmedien in Lettland nach der zweiten Unabhängigkeit</a>, Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften, Saarbrücken<br />
</span></p>
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		<title>Mehr Transparenz!</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/4995/medienpolitik/mehr-transparenz</link>
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		<pubDate>Wed, 11 May 2011 10:55:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Boulevardzeitungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gratiszeitungen]]></category>
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		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
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		<category><![CDATA[Subventionen]]></category>
		<category><![CDATA[Tag des Qualitätsjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>
		<category><![CDATA[Verband Österreichischer Zeitungsverleger]]></category>
		<category><![CDATA[Werbeaufwand]]></category>
		<category><![CDATA[Werbekuchen]]></category>

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		<description><![CDATA[95 Millionen Euro geben die österreichische Regierung, die Gebietskörperschaften und staatsnahe Unternehmen jährlich für Inserate aus – und das Gros dieses Werbeaufwands kommt offenbar den großen Gratis- und Boulevardblättern zugute. Gerade mal 1,7 Millionen Euro staatlicher Gelder stehen dagegen in einem anderen Topf für Journalistenausbildung, für die Förderung des Korrespondentennetzes und die Leseförderung zur Verfügung, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.flickr.com/photos/cayusa/2159980025/sizes/s/in/faves-36152631@N05/"><img class="size-full wp-image-4998 alignleft" title="Foto: Cayusa / Flickr" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/05/Lupe.jpg" alt="" width="160" height="200" /></a>95 Millionen Euro geben die österreichische Regierung, die Gebietskörperschaften und staatsnahe Unternehmen jährlich für Inserate aus – und das Gros dieses Werbeaufwands kommt offenbar den großen Gratis- und Boulevardblättern zugute.</strong></p>
<p>Gerade mal 1,7 Millionen Euro staatlicher Gelder stehen dagegen in einem anderen Topf für Journalistenausbildung, für die Förderung des Korrespondentennetzes und die Leseförderung zur Verfügung, knapp 11 Millionen Euro werden an indirekten Subventionen an Zeitungsverlage zur Vertriebsförderung und zur Förderung der regionalen Vielfalt von Tageszeitungen ausgeschüttet.<span id="more-4995"></span></p>
<p>Allein schon dieses krasse Missverhältnis macht deutlich, wie wichtig die Forderung nach Transparenz ist – generell bei Ausgaben, die vom Steuerzahler finanziert werden, und speziell bei der Vergabe von Anzeigen, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden. Mitunter entscheiden solche Zuwendungen ja sogar darüber, ob bestimmte Presseprodukte am Leben bleiben.</p>
<p>Der Verband Österreichischer Zeitungsverleger hat beim „Tag des Qualitätsjournalismus“, den er vorige Woche erstmals in Österreich ausrief, nachhaltig für solche Transparenz geworben. Die Steuerzahler haben natürlich ein Recht zu erfahren, was der Staat mit ihrem sauer verdienten Geld anfängt.</p>
<p>Merkwürdig ist aber auch, wenn für Zwecke, die zweifelsfrei dem Qualitätsjournalismus aufhelfen, mal gerade ein Fünfundfünfzigstel dessen zur Verfügung steht, was öffentliche Institutionen für Eigeninserate aufwenden. Obendrein  –  so haben das jedenfalls mehrere Insider glaubhaft versichert – kommt offenbar ein Großteil dieses Werbeaufwands gerade solchen Redaktionen zugute, die wenig in journalistische Qualität investieren, soll heißen: Redaktionen, die eher regierungsfreundlich berichten und nicht allzu viele kritische Fragen stellen. Wird nicht offengelegt, wer vom Werbekuchen wieviel bekommt, ist der Korruption Tür und Tor geöffnet.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Die Furche Nr. 19 / 2011</em></p>
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		<title>Kassandra lässt grüßen</title>
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		<pubDate>Tue, 03 May 2011 10:04:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vinzenz Wyss</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesamt für Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikationswissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medienjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpraxis]]></category>
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		<category><![CDATA[Qualität]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftstransfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Was die Wissenschaft zu öffentlichen Debatten über Qualität leisten kann – und was nicht. Medienwissenschaftler und ihre Studien stoßen unter Journalisten und Managern regelmäßig auf Abwehr. Im Folgenden äußert sich ein Professor zum Verhältnis von Wissenschaft, Politik, Öffentlichkeit und Medien. Der angewandten Kommunikations- und Medienwissenschaft weht gegenwärtig aus der medialen Öffentlichkeit ein rauer Wind entgegen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4827" class="wp-caption alignleft" style="width: 240px"><a href="http://www.flickr.com/photos/horiavarlan/4273224901/"><img class="size-full wp-image-4827   " title="Foto: Horia Varlan / Flickr" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/05/Forschung.jpg" alt="" width="230" height="153" /></a><p class="wp-caption-text">Die Ergebnisse von Medienforschern stoßen in der Praxis oft auf Abwehr</p></div>
<p><strong>Was die Wissenschaft zu öffentlichen Debatten über Qualität leisten kann – und was nicht.</strong></p>
<p>Medienwissenschaftler und ihre Studien stoßen unter Journalisten und Managern regelmäßig auf Abwehr. Im Folgenden äußert sich ein Professor zum Verhältnis von Wissenschaft, Politik, Öffentlichkeit und Medien. Der angewandten Kommunikations- und Medienwissenschaft weht gegenwärtig aus der medialen Öffentlichkeit ein rauer Wind entgegen. Die Betreiber der Windmaschinen reagieren säuerlich auf die Publikation von Studien, die fünf Teams aus verschiedenen Forschungsstätten zur Lage der Presse und der elektronischen Medien in der Schweiz durchgeführt haben.<span id="more-4824"></span></p>
<p><strong>Steine des Anstoßes</strong></p>
<p>Beauftragt wurden die Medienwissenschaftler vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom). Dort macht man aus den 634 Seiten sowie aus den Stellungnahmen der Medienbranche dazu für den Bundesrat einen Bericht zu den Zukunftschancen der Presse. Einen solchen Bericht fordert das Postulat &#8220;Pressevielfalt sichern&#8221; des SP-Nationalrats Hans-Jürg Fehr. Dieser sieht durch die jüngsten Entwicklungen in der Schweizer Zeitungslandschaft die für die direkte Demokratie notwendige publizistische Vielfalt in den Regionen bedroht.</p>
<p>Weil Prognosen dem Orakel und nicht der Wissenschaft vorbehalten sind, hat das Bakom die politische Fragestellung etwas wissenschaftsfähiger gemacht. Der Auftrag bestand laut öffentlicher Ausschreibung darin, &#8220;die wirtschaftlichen Grundlagen von Medienunternehmen zu beleuchten, die Auswirkungen der Medienkonzentration auf die Meinungsvielfalt zu untersuchen, die Zukunftschancen verschiedener Medien zu diskutieren sowie die Auswirkungen des Internets auf Presse, Radio und Fernsehen auszuloten&#8221;. Spannend. Insgesamt standen für die fünf Untersuchungen 385 900 Franken zur Verfügung.</p>
<p><strong>Larmoyante Journalisten</strong></p>
<p>Kaum wurden die – eigentlich an die medienwissenschaftlichen Spezialisten des Bakom gerichteten – Studien öffentlich zugänglich gemacht, reagierten manche Journalisten mit mitleiderregender Larmoyanz, ja mit einer wohl erwarteten, aber doch irritierenden Überempfindlichkeit.</p>
<p>Nichts als „belanglose Binsenwahrheiten“ meint der <em>Weltwoche</em>-Kolumnist Kurt W. Zimmermann bei seiner raschen Lektüre gefunden zu haben. Im Polit-Blog von <em>Tagesanzeiger.ch</em> wirft der Chefredaktor von <em>24 heures</em>, Thierry Meyer, den Forschenden Selbstgefälligkeit vor und beklagt, dass „die Wissenschaft die Presse schlecht mache“.</p>
<p>Etwas genauer gelesen hat Norbert Neininger-Schwarz. Der Verleger und Chefredaktor der <em>Schaffhauser Nachrichten</em> mutierte über Nacht zum Methodenspezialisten und stellt dann in der <em>NZZ</em> genüsslich Vermittlungs- und Verständlichkeitsmängel der Studien zur Schau.</p>
<p>Andrea Masüger, Geschäftsführer der Südostschweiz Medien, ließ seinem Unbehagen auf dem Blog <em>Medienspiegel.ch</em> freien Lauf. Er sieht sich von „Experten umzingelt“, die eine regelrechte Inflation an Untersuchungen bewirkten, auf die niemand gewartet habe.</p>
<p><strong>Wichtige Fragen</strong></p>
<p>Die teilweise zynischen Reaktionen der Journalisten irritieren zunächst angesichts der ernsten Lage, wie diese auch die Studien beschreiben. Wir haben es nicht mehr nur mit konjunkturellen Einbrüchen bei der Presse zu tun, vielmehr ist der Strukturwandel des gesamten Medienbereichs in vollem Gang. Es ist fraglich, ob in Zukunft – gerade auch angesichts der Ressourcenschwäche, erschwerter Arbeitsbedingungen und der vielbeklagten, mangelnden Sachkompetenz – im Regionalen ein aus Werbung und Verkauf finanzierbarer Qualitätsjournalismus möglich ist.</p>
<p>Die eher ernüchternden Detailbefunde zur Qualität der ereignis- und zentrumsorientierten, episodischen Regionalberichterstattung etwa unter den Bedingungen der Medienkonzentration mögen erwartbar gewesen sein. Über die Begriffsbestimmungen und die methodischen Zugriffe soll man natürlich immer streiten können, zumal es bei der Debatte um Qualität um einen schwer fassbaren Begriff geht.</p>
<p><strong>Kritik an Presseförderung</strong></p>
<p>Nicht ohne Brisanz sind schließlich die Interpretationen der Forschenden, welche diese unter Berücksichtigung ihrer Befunde in Bezug auf das Postulat Fehr anbringen. Genau das war ja auch eine ihnen vom Bakom zugewiesene Aufgabe. So äußern einige – gerade auch mit Blick auf den Trend zur Konvergenz – ihre Skepsis zum rückwärtsgewandten Modell der indirekten Presseförderung.</p>
<p>In der Studie von SwissGIS der Universität Zürich werden denn auch Alternativmodelle diskutiert, die eine Journalismus- statt eine Presseförderung in den Regionen ins Auge fassen und auch unabhängige Online-Plattformen berücksichtigen. Einmal beachtet, dürften die Vorschläge die medienpolitische Debatte durchaus anregen.</p>
<p>Es ist zu hoffen, dass die vorliegenden Studien einen relevanten Beitrag zu einer breiten Diskussion über die künftige Presse- bzw. Medienförderung und generell zum Diskurs über Qualität leisten können. Auch die jüngst von FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger eingereichte Motion mit dem Titel „Definition Service public“ wird dazu Anlass geben, medienwissenschaftliche Erkenntnisse zu beachten. Diese können dabei helfen, die Diskussionen zu rationalisieren.</p>
<p>Für die öffentlichen Debatten in der Demokratie braucht es aber auch einen Medienjournalismus, der in der Lage ist, nach dem Lesen der Zusammenfassungen der Studien nicht nur mit einem pauschalen und wenig hilfreichen „Wissenschaftsbashing“ zu reagieren. Gelingender Wissenstransfer beginnt anders.</p>
<p>Will die Kommunikations- und Medienwissenschaft auch anerkannte Anwendungswissenschaft sein, so darf sie sich jedoch nicht auf die Position zurückziehen, dass die Dissonanzen zwischen der Wissenschaft und den Medienpraktikern einem gängigen Muster entsprechen und eben Tradition haben. Soll der Wissenschaftstransfer in die Gesellschaft tatsächlich gelingen, so muss die Wissenschaft selbst Verbesserungen ins Auge fassen.</p>
<p>Der Zürcher Kommunikationswissenschafter Ulrich Saxer hat dereinst Prinzipien formuliert, die für erfolgreiche Transdisziplinarität gelten. Diese sollten die Forschenden beim Wissenstransfer anleiten. Sie können auch bei der Selbstdarstellung der Kommunikations- und Medienwissenschaft nach außen Verständnis schaffen für die anspruchsvolle Rolle der Wissenschaft etwa in der Politikberatung.</p>
<p>Wissenstransfer verläuft ideal immer als eine transdisziplinäre und somit problembezogene Kooperation zwischen Wissenschaft und den Repräsentanten außerwissenschaftlicher Bereiche. Es kann also niemals darum gehen, der Wissenschaft den Status der dominanten Produzentin von Wissen einzuräumen, die von oben herab Wissen in die Praxis verteilt. Der Transfererfolg ist abhängig von der Intensität der Interaktion zwischen den Forschenden und ihren Klienten, was auch bedeutet, dass Letztere von den ersten Forschungsschritten an einbezogen werden – und zwar nicht nur als Objekte.</p>
<p>Zu beachten ist, dass jeweils wissenschaftliches Wissen in politisches Wissen umgewandelt wird und dabei verschiedene Logiken aufeinanderprallen. Dies sollte in der Interaktion mit den Klienten transparent gemacht werden. Die Abgleichung darf aber nicht zur Preisgabe von wissenschaftlichen Qualitätsstandards führen oder dazu, dass die Wissenschaft wegen Effizienzansprüchen ihrer Klienten ihre methodologischen Standards aufgibt.</p>
<p>Die Klienten der angewandten Kommunikations- und Medienwissenschaft haben sich im Laufe ihrer jungen Geschichte vervielfacht. Neben den Journalisten und den Medienmanagern sowie den PR- und Werbespezialisten oder den Pädagogen gehören auch die Medienpolitiker bzw. die Behörden dazu. Sie alle sind jeweils anderen spezifischen Sichtweisen verpflichtet, und sie erwarten regelmäßig zu viel oder zu wenig von der Wissenschaft. Die klare Definition der (beidseitigen) Kompetenzen ist hier also notwendig.</p>
<p><strong>Entscheide rationalisieren</strong></p>
<p>Die angewandte Kommunikations- und Medienwissenschaft kann als medienpolitischer Dienstleister zur Verbesserung der demokratischen Medienordnung beitragen, indem sie hilft, politische Entscheidungen zu rationalisieren. Gerade in der Politikberatung, wo der Bedarf nach Prognosen und Planungsgrundlagen groß ist, halten jedoch die Klienten oft Arten von Voraussagen für relevant, welche die Wissenschaft gar nicht exakt leisten kann.</p>
<p>Auch die Klienten müssen wissen, dass es nicht die eine Kommunikations- und Medienwissenschaft gibt, sondern beispielsweise Sozial- oder Kulturforscher, Marktforscher oder Medienlinguisten, die im Wettbewerb untereinander stehen und eine unterschiedliche Affinität zu den Klienten haben. Möglicherweise definieren die einen den Qualitätsbegriff unter Rückgriff auf ein je anderes Paradigma anders als die anderen. Umso wichtiger ist es, unter den am Forschungsprozess Beteiligten Transparenz sowie ein gemeinsames Problemverständnis zu schaffen.</p>
<p>In der medienpolitischen Beratung würde dies beispielsweise ein gemeinsames Verständnis von Medienvielfalt voraussetzen. Eine solche Problemdefinition fehlt offensichtlich in den Konzepten zur Presseförderung. Weil aber die Definition von Problemen immer auch im Hinblick auf Soll-Zustände erfolgt, ist Medienforschung zur Qualität in den Medien gleichzeitig eine implizite Medienkritik. Diese wiederum kann aus journalistischer oder aus verlegerischer Perspektive durchaus lästig erscheinen, was nicht selten ein Grund für das Ablehnen wissenschaftlicher Befunde ist.</p>
<p><strong>Vermittlungsprobleme</strong></p>
<p>Schließlich liegt es auf der Hand, dass die Veröffentlichungen und damit die Vermittlungsqualität der angewandten Kommunikations- und Medienwissenschaft anderen Kriterien zu genügen haben als die Publikationen allein für die Wissenschaftsgemeinschaft. Da öffnen sich Klüfte, denn innerhalb des Wissenschaftssystems werden nur für Letztere – quasi für die Bedienung der Plattformen der internen Kommunikation – Lorbeeren verteilt.</p>
<p>Von den Ornithologen wird zwar nicht erwartet, dass diese selber fliegen können. Aber die Kommunikationswissenschaftler sind mit der hartnäckigen Erwartung konfrontiert, im Rahmen der Transdisziplinarität über die Grenzen der Fachsprache hinaus verständlich kommunizieren zu können. Sollte dies dem Fach noch besser gelingen, werden vielleicht sogar ihre Kassandrarufe von scheinbar tauben Journalisten gehört.</p>
<p><em>Vinzenz Wyss ist Präsident der SGKM (Schweizerische Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft), Professor für Journalismus an der ZHAW und Mitverfasser einer der hier angesprochenen Studien.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/kassandra_laesst_gruessen_1.10375876.html" target="_blank"><em>Erstveröffentlichung: Neue Zürcher Zeitung vom 26. April 2011</em></a></p>
<p><em> </em></p>
<p><em><br />
</em></p>
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		<title>Vom Wert freier und unabhängiger Medien</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/4044/medienpolitik/4044</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Dec 2010 14:03:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tina Bettels</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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		<category><![CDATA[Medienkonzentration]]></category>
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		<category><![CDATA[Slowakei]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie Medienregulierungen entwickelt und umgesetzt werden und welche Faktoren diesen Prozess beeinflussen, erforscht das europäische Projekt MEDIADEM. Das Team von Wissenschaftlern aus 14 Ländern hat nun erste Ergebnisse veröffentlicht. In einzelnen Länderberichten hat es die Faktoren analysiert, die die Entwicklung freier und unabhängiger Medien fördern bzw. behindern. Die ausgewählten Länder entsprechen den Mediensystem-Modellen, die von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="size-full wp-image-4045 alignleft" title="Logo: Mediadem" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2010/12/mediadem2.jpg" alt="" width="230" height="150" />Wie Medienregulierungen entwickelt und umgesetzt werden und welche Faktoren diesen Prozess beeinflussen, erforscht das europäische Projekt MEDIADEM.<br />
</strong></p>
<p>Das Team von Wissenschaftlern aus 14 Ländern hat nun erste Ergebnisse veröffentlicht. In einzelnen Länderberichten hat es die Faktoren analysiert, die die Entwicklung freier und unabhängiger Medien fördern bzw. behindern.<span id="more-4044"></span></p>
<p><strong></strong>Die ausgewählten Länder entsprechen den Mediensystem-Modellen, die von Daniel C. Hallin und Paolo Mancini entwickelt wurden. Griechenland, Italien und Spanien repräsentieren das polarisiert-pluralistische Modell; Belgien, Dänemark, Deutschland und Finnland werden dem nordeuropäischen bzw. korporatistischen Modell zugeordnet und Großbritannien dem nordatlantischen bzw. liberalen Modell.</p>
<p>Zusätzlich werden mit Bulgarien, Estland, Rumänien und der Slowakei Länder aus Zentral- und Osteuropa sowie mit Kroatien und der Türkei EU-Beitrittskandidaten untersucht.</p>
<p>Das von der EU geförderte Projekt läuft seit April 2010 und soll bis März 2013 abgeschlossen sein. Wir stellen erste Ergebnisse des Projekts aus Deutschland, Großbritannien und der Slowakei vor. Weitere Ergebnisse finden Sie in den jeweiligen Länderberichten auf der <a href="http://www.mediadem.eliamep.gr/findings/" target="_blank">Mediadem-Website</a>.</p>
<p><strong>Deutschland</strong></p>
<p>Obwohl das deutsche Mediensystem von einem dualen Rundfunksystem geprägt ist und mehr als 300 verschiedene Tageszeitungen existieren, könne in Deutschland eine Entwicklung hin zur Medienkonzentration beobachtet werden, heißt es in dem Bericht. Die Medienlandschaft werde des Weiteren von der digitalen Entwicklung und Medienkonvergenz geprägt.</p>
<p>Mit einer Beschwerde vor der Europäischen Kommission haben private Rundfunkanbieter versucht, die Online-Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Sender einzuschränken.</p>
<p>Dies habe zu einer stärkeren Überwachung vom Rundfunkrat geführt. Die Forscher halten es auch für sehr wahrscheinlich, dass private Medienunternehmen das jetzige Bezahlsystem anfechten, da sie entweder den Service der Öffentlich-Rechtlichen minimieren oder selbst am Gebührenerlös beteiligt werden wollen.</p>
<p>Eine andere besorgniserregende Entwicklung sehen die Wissenschaftler in der Diskussion um Internetneutralität. Deutsche Internetanbieter unterstützen die Idee, für den Versand größerer Datenmengen zusätzliche Gebühren zu zahlen. Dies stelle aber den wichtigsten Grundsatz des Internet, alle Daten gleich zu behandeln, in Frage.</p>
<p>Zudem sei es fraglich, ob die Rundfunkräte ihre Überwachungsfunktion gewissenhaft genug ausführen. Es müsse untersucht werden, ob eine einzige autonom arbeitende Institution anstelle der 14 Landesrundfunkräte nicht sinnvoller wäre. Zudem müsse weiter analysiert werden, inwieweit Medien in Deutschland von Parteien beeinflusst werden.</p>
<p><strong>Großbritannien</strong></p>
<p>Medien in Großbritannien müssten sich einem schwierigen wirtschaftlichen Klima und politischem Umbruch anpassen, heißt es in dem Mediadem-Bericht. Die Konservative Partei unter Cameron werde sich mit Sicherheit dafür einsetzen, den privaten Rundfunk weiter zu deregulieren. Die bestehenden crossmedialen Besitzbeschränkungen würden abgeschafft und die Rechte der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom eingeschränkt werden.</p>
<p>Auch wenn die britischen Medien nicht direkt von der Regierung beeinflusst würden, gebe es dennoch indirekten Einfluss und Druck von Seiten der Regierung. Die Regierung beeinflusse die Struktur der Medienlandschaft und tue sich schwer damit, mächtige Medien wie z.B. die Murdoch-Presse vor den Kopf zu stoßen, heißt es in dem Mediadem-Bericht. Den Verbindungen zwischen Politik und Medien mangele es oft an Transparenz. Dem britischen System müsse zugute gehalten werden, dass es dennoch einen hohen Grad an Meinungs- und Pressefreiheit zulasse.</p>
<p><strong>Slowakei</strong></p>
<p>In der Slowakei dagegen habe es nie einen politischen Konsens über die Rolle der Medien in einer demokratischen Gesellschaft gegeben. Dennoch habe die Slowakei einen liberalisierten Zeitungsmarkt und einen mehr oder weniger regulierten Rundfunkmarkt, inklusive einem Netzwerk relativ unabhängiger öffentlich-rechtlicher Sender.</p>
<p>Dennoch würden Medieninhalte noch immer von Politikern beeinflusst, vor allem im staatlichen Rundfunk. Viele Medienleute seien in der Politik aktiv, und oftmals würden Medien-Karrieren von politischen Zugehörigkeiten beeinflusst. Auch komme es oft vor, dass Journalisten zur politischen Öffentlichkeitsarbeit wechseln.</p>
<p>Es bestehe die Frage, ob in der Slowakei die Pressefreiheit gefährdet sei. Laut Bericht mussten die Medien 2009 nach  kontroversen Gerichtsentscheidungen slowakischen Politikern mehr als 430.000 Euro Entschädigung zahlen.</p>
<p>Zudem sei in der Slowakei eine fortschreitende Kommerzialisierung der Medien zu beobachten, vor allem im Fernsehen. Anstelle von Nachrichtensendungen gebe es immer mehr neue Formate, die sich mit persönlichen Konflikten, Gewalt und Showbusiness beschäftigen würden.</p>
<p>Trotz des Einflusses von Medienbesitzern und Politikern, einer fortwährenden Bestechung von Journalisten, kontroversen Gerichtsentscheidungen und globalen Kommerzialisierungstrends habe die slowakische Presse zur Demokratie im Land beigetragen, stellt der Mediadem-Bericht fest.</p>
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		<title>Volkshochschule Leutschenbach</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/3878/medienpolitik/volkshochschule-leutschenbach</link>
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		<pubDate>Tue, 19 Oct 2010 10:45:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt W. Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Gebühren]]></category>
		<category><![CDATA[Roger de Weck]]></category>
		<category><![CDATA[Rudolf Matter]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[SRG]]></category>
		<category><![CDATA[Steuermodell]]></category>

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		<description><![CDATA[Meinung Eine unkühne Prognose: Dem Deutschschweizer Fernsehen steht eine ziemliche Talfahrt bevor. Rudolf Matter, der neue Radio- und TV-Chef, gab der NZZ am Sonntag ein Interview. Das Interview war darum interessant, weil Matter wie eine Gebetsmühle seine Botschaft wiederholte und wiederholte. Gleich sechsmal wiederholte er dasselbe Wort, um sein künftiges Fernsehprogramm zu beschreiben. Das Wort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="text-decoration: underline;">Meinung</span></p>
<p><strong><a href="http://www.flickr.com/photos/angelrravelor/314306023/"><img class="size-full wp-image-3879 alignleft" title="Foto: Ángel Raúl Ravelo Rodríguez / Flickr" src="http://de.ejo.ch/wp-content/uploads/2010/10/tv.jpg" alt="" width="230" height="164" /></a>Eine unkühne Prognose: Dem Deutschschweizer Fernsehen steht eine ziemliche Talfahrt bevor.</strong></p>
<p>Rudolf Matter, der neue Radio- und TV-Chef, gab der NZZ am Sonntag ein Interview. Das Interview war darum interessant, weil Matter wie eine Gebetsmühle seine Botschaft wiederholte und wiederholte. <span id="more-3878"></span>Gleich sechsmal wiederholte er dasselbe Wort, um sein künftiges Fernsehprogramm zu beschreiben. Das Wort hieß: relevant.</p>
<p>Für Leser, die sich bei Fremdwörtern nicht so gut auskennen, führen wir kurz die Synonyme für die Relevanz auf. Relevant heißt: bedeutungsschwer, tiefgründig, hochstehend, essenziell, ernsthaft, gehoben, hintergründig, gehaltvoll, substanziell und elitär.<br />
Wir bekommen also nun ein bedeutungsschweres, tiefgründiges, hochstehendes, essenzielles, ernsthaftes, gehobenes, hintergründiges, gehaltvolles, substanzielles und elitäres Fernsehen.</p>
<p>&#8220;Und was geht mich das an?&#8221;, fragen Sie nun. &#8220;Dann schalte ich halt auf RTL, Sat 1, Pro Sieben oder 3+&#8221;, also auf jene Kanäle, wo es mehr Spaß macht und weniger bedeutungsschwer ist. Falsch. Es geht Sie mehr an, als Sie denken, aber darauf kommen wir noch.<br />
Rudolf Matter hat sich in Sachen Relevanz mit seinem Chef abgesprochen, wie er sagt. Sein Chef ist Roger de Weck, der neue SRG- Generaldirektor.</p>
<p>Als Erstes wollen die beiden aus der angriffigen Streitrunde &#8220;Arena &#8221; eine ausgewogene Salonsitzung machen. Dann soll es mehr tiefschürfende Podiumsdiskussionen geben. Bereits wird der Ausstieg aus der Formel 1 diskutiert. Dann gibt es natürlich auch mehr hohe Kultur im Hauptprogramm. Die Mitarbeiter im Studio haben für die Televisionen von Matter und de Weck bereits einen netten Slogan kreiert: Volkshochschule Leutschenbach.</p>
<p>Die Einschaltquoten des Schweizer Fernsehens werden also fallen. Kein Zuschauer will die Zerrissenheitsproblematik der Teilzeitkulturschaffenden zur Hauptsendezeit. Mit sinkenden Quoten könne er leben, sagt Matter. Da sind wir aber nicht so sicher.<br />
Das Deutschschweizer Fernsehen kostete im letzten Jahr 417 Millionen Franken. Seine Einnahmen aus TV-Werbung und Sponsoring betrugen 220 Millionen. Das Deutschschweizer Fernsehen ist also zu 52 Prozent durch Werbung finanziert. Das ist eine extrem hohe Abhängigkeit.</p>
<p>Durch das Relevanz-Modell von Matter und de Weck werden die Zuschauerzahlen runtergehen – und damit auch der Marktanteil am Werbevolumen. Das kann recht schnell gehen, weil sich TV-Werbung leicht ersetzen lässt. Sie ist zwar nicht ersetzbar durch die Presse, weil diese nur eine spezifische Zielgruppe anvisiert. Über Plakate und Radiospots hingegen erreicht man genauso wie über TV das breite Massenpublikum.</p>
<p>Weil man bei SF stärker am Publikum vorbeiproduzieren will, werden die finanziellen Probleme wachsen. Erstaunlicherweise hat man für diese Strategie jedoch die Politik hinter sich. Der Nationalrat stimmte soeben zu, dass künftig jedermann Gebühren für den Staatssender zu bezahlen hat, egal, ob er einen Fernseher besitzt oder nicht.<br />
Die SRG wechselt damit von einem Gebühren- zu einem Steuermodell. Gebührensysteme sind Dienste wie Post oder Telefon. Der Bürger bezahlt sie nur, wenn er sie nutzt. Steuersysteme sind Dienste wie SBB, Opernhaus und nun auch die SRG. Der Bürger bezahlt sie auch dann, wenn er sie nicht nutzt. Merken Sie jetzt, warum es Sie mehr angeht, als Sie denken?</p>
<p>Für die Relevanz-Apostel de Weck und Matter ist der Übergang vom Gebühren- zum Steuermodell ideal. Sie können so das Fernsehen machen, das ihnen vorschwebt, also bedeutungsschwer, tiefgründig, ernsthaft, hochstehend, essenziell, gehoben, hintergründig, gehaltvoll, substanziell und elitär. Vielleicht schaut dann keiner mehr hin. Dafür muss jeder zahlen.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Weltwoche 41/2010</em></p>
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