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	<title>EJO - European Journalism Observatory &#187; Neue Medien &amp; Web 2.0</title>
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		<title>Eigenplagiat</title>
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		<pubDate>Fri, 18 May 2012 06:00:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
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		<description><![CDATA[Dank der unbegrenzten Kopiermöglichkeiten scheint sich eine ganze Generation ums Copyright kaum noch zu scheren. Eine Partei, die in Deutschland inzwischen einen Landtag nach dem anderen kapert, bekennt sich sogar mit ihrem Namen zu derlei Piraterie. Google und manche seiner Aktionäre sowie Web-Pioniere wie Ariana Huffington sind steinreich geworden, indem sie mit geistigem Eigentum ziemlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.flickr.com/photos/mikeblogs/3020135683/"><img class="size-full wp-image-6688 alignleft" title="Foto: Mike Seyfang / Flickr.com" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/copyright.jpg" alt="" width="240" height="241" /></a>Dank der unbegrenzten Kopiermöglichkeiten scheint sich eine ganze Generation ums Copyright kaum noch zu scheren.</strong></p>
<p>Eine Partei, die in Deutschland inzwischen einen Landtag nach dem anderen kapert, bekennt sich sogar mit ihrem Namen zu derlei Piraterie. Google und manche seiner Aktionäre sowie Web-Pioniere wie Ariana Huffington sind steinreich geworden, indem sie mit geistigem Eigentum ziemlich salopp umgehen.</p>
<p>Dagegen gerieten namhafte Politiker und Persönlichkeiten von Karl Theodor zu Guttenberg über Silvana Koch-Mehrin und Margarita Mathiopoulos bis hin zu Annette Schavan ins Straucheln, weil sie geistiges Eigentum nicht respektierten, sprich: bei ihren Doktorarbeiten geschummelt und von Dritten abgeschrieben haben. Das alles ist schon skurril genug, doch seit einigen Monaten eskaliert der Streit um Plagiate im Wissenschaftsbetrieb in geradezu bizarrer Weise.<span id="more-6685"></span> Bruno Frey zum Beispiel, einem weltberühmten Ökonomen aus Zürich, werfen seine Kollegen „Eigenplagiate“ vor. In leicht abgewandelter Form hat er seine Erkenntnisse in mehreren Zeitschriften veröffentlicht, um eine größere Wirkung zu erzielen. Dies verstößt in der Tat gegen eine Regel, der zufolge ein Wissenschaftler seine Forschungsergebnisse nur einmal veröffentlichen darf. Diese Vorschrift ist allerdings hoffnungslos antiquiert.</p>
<p>Jeder, der in Zeiten des Internets auf sich und seine Arbeit aufmerksam machen möchte, muss so oft wie irgend möglich viele Kanäle nutzen. Ohne solches Recycling kann niemand in der Aufmerksamkeitsökonomie überleben, deren Grundregeln der Wiener Sozialforscher Georg Franck bereits vor Jahren sehr klug beschrieben hat. Auch Wissenschaftler sind auf vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten angewiesen. Zum Schluss deshalb ein Geständnis aus Solidarität zu Bruno Frey: Auch der Hinweis auf Franck in diesem Kommentar ist ein Eigenplagiat.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Die Furche Nr. 20/2012</em></p>
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		<title>Der Skandal ist allgegenwärtig</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 10:24:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Pörksen und Hanne Detel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
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		<description><![CDATA[Wie Entlarvung und Enthüllung unter den modernen Kommunikationsbedingungen funktionieren, zeigen die Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und Hanne Detel in ihrem Buch „Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“ am Beispiel von zahlreichen Fallgeschichten auf. Kurz zusammengefasst: Im Zeitalter der digitalen Überall-Medien und der wechselseitigen Dauerbeobachtung ist der Skandal allgegenwärtig. Jeder kann ihn auslösen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><strong> <img class="size-medium wp-image-6646 alignleft" title="" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/entfesselter_skandal_titela-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" /></strong></strong></p>
<p><strong>Wie Entlarvung und Enthüllung unter den modernen Kommunikationsbedingungen funktionieren, zeigen die Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und Hanne Detel in ihrem Buch „Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“ am Beispiel von zahlreichen Fallgeschichten auf.</strong></p>
<p>Kurz zusammengefasst: Im Zeitalter der digitalen Überall-Medien und der wechselseitigen Dauerbeobachtung ist der Skandal allgegenwärtig. Jeder kann ihn auslösen, jeden kann er treffen. Neun Thesen zur Zukunft der Enthüllung.</p>
<p><strong>1.</strong> Heute kann jeder einen Skandal auslösen. Allzweckwaffen der Skandalisierung – Smartphones und immer kleiner und leistungsfähiger werdende Handys mit Kamera- und Videofunktion – tragen die meisten von uns am Körper. Netzwerk- und Multimedia-Plattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube, Blogs, persönliche Websites und Wikis sind die neuartigen Instrumente der Enthüllung. Sie liegen in den Händen aller.</p>
<p><strong>2.</strong> Heute kann jeder zum Opfer eines Skandals werden. „Gegen Ohnmächtige oder kleine Leute“, so einst der Publizist Johannes Gross, „bricht kein Skandal aus.“<strong> </strong>Diese Diagnose stimmt nicht mehr. Man muss nicht prominent oder mächtig sein oder zur gesellschaftlichen Elite zählen. <span id="more-6639"></span>Enthüllungsgeschichten richten sich im digitalen Zeitalter in einem bislang unbekannten Ausmaß auch gegen Ohnmächtige und komplett Unschuldige. Auch Nichtigkeiten lassen sich nun skandalisieren; auch gänzlich Unbekannte können es zu zweifelhafter Ad-hoc-Berühmtheit bringen. Gesellschaftliche Fallhöhe ist kein Schlüsselkriterium mehr.</p>
<p><strong>3.</strong> Das Publikum ist die neue Macht. Das Publikum skandalisiert selbst, setzt eigene Themen, tritt in der Rolle des Archivars, des Informanten, des Beweis-Lieferanten und des Anklägers in Erscheinung. Damit verändert sich der bisher bekannte Dreischritt der Skandalisierung, der für das Gatekeeper-Zeitalter typisch war: Am Anfang stand einst die Normverletzung, es folgte die Enthüllung durch die Medien, schließlich – am Ende des Kommunikationsprozesses – die Empörung eines mehr oder minder effektiv alarmierten Publikums. Nun kann es sein, dass die Publikumsempörung den Auftakt bildet und etablierte Massenmedien zur Reaktion gezwungen werden.</p>
<p><strong>4.</strong> Die Digitalisierung ist die alles entscheidende Zäsur. Denn was in digitaler Form vorliegt, kann von Computern verarbeitet, beliebig vervielfältigt, blitzschnell um die Welt geschickt und simultan rezipiert werden. Eben weil digitalisierten Daten und Dokumenten diese „neue Leichtigkeit“ (Peter Glaser), diese Möglichkeit zur totalen Transformation und zur globalen Präsenz eigen ist, können einzelne Textsplitter und Imagefragmente, Bilder und Filme zu kollektiv wirksamen Empörungsanlässen werden, die ein kaum fassbares, nicht mehr kalkulierbares Publikum erreichen. Die Digitalisierung macht den Skandal – im Verbund mit den Technologien des Web 2.0 – potenziell allgegenwärtig.</p>
<p><strong>5.</strong> Die ohnehin bescheidenen Möglichkeiten der Kontrolle nehmen dramatisch ab. Die breite Streuung der Daten, ihre leichte Verfügbarkeit, die womöglich globale Verbreitung, die Permanenz ihrer Präsenz, die rasche Durchsuchbarkeit und leichte Rekombinierbarkeit, die schwierige Identifikation der Verursacher und Auslöser – all diese Merkmale lassen die mehr oder minder brachialen Formen des Skandalmanagements (Zensur- und Einschüchterungsversuche durch aggressive Medienanwälte, Korrekturen und Gegendarstellungen, die Schwärzung missliebiger Passagen in einem Buch etc.) als vergleichsweise hilflos erscheinen. Der Einzelne besitzt keine Möglichkeit mehr, seine Realitätsversion durchzusetzen, andere Realitäten effektiv zu verdrängen oder ganz und gar unsichtbar zu machen.</p>
<p><strong>6.</strong> Zensurversuche wirken oft kontraproduktiv. Sie erzeugen das Gegenteil dessen, was erreicht werden soll. Sie mobilisieren.<em> </em>Wer damit droht, einmal veröffentlichte Daten wieder aus dem Netz zu bannen, der macht sie in der Regel erst so richtig bekannt, sorgt für jede Menge Aufregung und eine Fülle von in Rekordgeschwindigkeit angefertigten, begeistert verbreiteten Kopien und lässt die Verbreitung von Daten mitunter als einen Akt der Rebellion erscheinen, als eine Art Gratis-Protest, dem man sich ohne größere zeitliche, ökonomische oder intellektuelle Unkosten anschließen kann. Das allgemeine Muster: Oft sind es gerade die Versuche der Informationskontrolle, die den Kontrollverlust provozieren.</p>
<p><strong>7.<em> </em></strong>Den digitalen Skandal charakterisiert eine eigene Zeitform. Es ist die potenziell ewige Gegenwart.<em> </em>Der lineare Zeitpfeil, der von der Vergangenheit in die Gegenwart und von dort in die Zukunft weist, ist unter den neuen Medienbedingungen gebrochen. Auch Vergangenes und gerade noch gnädig Versendetes – eine unbedachte Äußerung, eine idiotische Fehlleistung, ein unsympathisch wirkender Aussetzer – wird zur abrufbaren und bei Bedarf erneut aktualisierbaren Gegenwart, zum bedrohlich im Hintergrund brodelnden Zukunftsgift. Selbst marginales Fehlverhalten bleibt öffentlich abrufbar und womöglich weltweit präsent.</p>
<p><strong>8.</strong> Das digitale Panoptikum der Gegenwart ist selbst fabriziert. Es ist nicht eine böse, fremde Macht, die uns überwacht. Wir alle beobachten und überwachen uns permanent gegenseitig. Auch sind es gerade die eigenen Datenspuren in Blogs, Chat-Protokollen, Facebook-Postings, Mailbox-, SMS- und Twitter-Botschaften, die womöglich eines Tages zu Dokumenten der Demontage und Blamage werden. Auf das Dauerrisiko des plötzlichen Reputationsverlustes sind wir mental nicht vorbereitet. Niemand lebt in dem Gefühl, dass er immer und überall auf einer womöglich weltweit einsehbaren Bühne steht. Der kategorische Imperativ des digitalen Zeitalters lautet daher: „Handele stets so, dass Dir die öffentlichen Effekte Deines Handelns langfristig vertretbar erscheinen. Aber rechne damit, dass dies nichts nützt.“</p>
<p><strong>9.</strong> Der digitale Skandal ist nicht einfach gut oder schlecht, sondern hat seinen eigenen Schrecken und seine eigene Schönheit. Mal ist er einfach nur grausames Spektakel, mal dringend benötigte Aufklärung, die Folter und Gewalt beendet und den Sturz von gefährlichen Charismatikern, Despoten und Diktatoren voran treibt. Alles hängt davon ab, wie die Publizisten der neuen Zeit, also wir alle, die Werkzeuge der Skandalisierung gebrauchen. Denn<em> </em>hinter dem Werkzeug und dem Medium steht immer noch ein einzelner, im Letzten verantwortlicher Mensch mit seinen guten oder schlechten Absichten, seinen guten oder schlechten Zielen, Sehnsüchten, Wünschen, Hoffnungen. Schon allein daraus folgt, dass Monoperspektiven und prinzipiell euphorische oder kulturpessimistische Positionen unsinnig sind, weil sie die Vielfalt der Verwendungszwecke übersehen.</p>
<p>Im Übrigen gilt: Auch das Netz ist nicht einfach gut oder schlecht. Die neuen Manichäer aktueller Debatten, die so fein säuberlich zwischen Licht und Finsternis zu unterscheiden wissen, marschieren in die Irre, weil sie über Algorithmen, Medien und Technologien entweder überschäumend begeistert oder nur noch erschrocken und schockiert reden – aber immer so, als wären diese Werkzeuge so etwas wie eigenmächtig und stets berechenbar handelnde Wesen, Entitäten mit einer prinzipiell festgelegten Natur. Aber das sind sie nicht. Wir selbst sind es, die publizieren, was uns wichtig, brisant und interessant oder eben auch skandalös erscheint.</p>
<p><em>Die hier vorgestellten Thesen wurden zuerst auf Spiegel online (4.5.2012) veröffentlicht und gehen auf das Buch &#8220;<em>Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter&#8221; zurück.</em><br />
</em></p>
<p><em>Pörksen, Bernhard; Detel, Hanna (2012): Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter. Köln: Halem-Verlag.<br />
</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong><em></em></strong><em><br />
</em></p>
<p><em> </em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Erfolg ist, wenn man überlebt</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 09:12:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tina Bettels</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
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		<category><![CDATA[Reuters Institute for the Study of Journalism]]></category>
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		<category><![CDATA[The European]]></category>

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		<description><![CDATA[Journalistische Online-Start-ups haben es in Europa alles andere als leicht: Das hat eine Studie des Reuters Institute for the Study of Journalism der Universität Oxford festgestellt. Nicola Bruno und Rasmus Kleis Nielsen haben jeweils drei Neugründungen aus  Deutschland, Frankreich und Italien analysiert und festgestellt, dass nur zwei der neun untersuchten Websites Gewinne erzielen, und zwar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/about/news/item/article/survival-is-success-new-risj-chal.html"><img class="size-full wp-image-6614 alignleft" title="" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/Survical-is-success.jpg" alt="" width="183" height="260" /></a>Journalistische Online-Start-ups haben es in Europa alles andere als leicht: Das hat eine Studie des Reuters Institute for the Study of Journalism der Universität Oxford festgestellt.</strong></p>
<p>Nicola Bruno und Rasmus Kleis Nielsen haben jeweils drei Neugründungen aus  Deutschland, Frankreich und Italien analysiert und festgestellt, dass nur zwei der neun untersuchten Websites Gewinne erzielen, und zwar das deutsche Kultur- und Literaturmagazin <em>Perlentaucher</em> und das französische Nachrichten-Angebot <em>Mediapart</em>. <em>The European</em> aus Deutschland, <em>Agoravox</em> und <em>Rue89</em> sowie <em>Il Post</em>, <em>Lettera43</em> und <em>Linkiesta</em> aus Italien kämpfen dagegen ums Überleben, die deutsche <em>Netzeitung</em> wurde sogar bereits wieder eingestellt.</p>
<p>Der Titel des Forschungsprojekts „Survival is Success“ verrät es: Journalistische Online-Start-ups können in Europa schon einen Erfolg verbuchen, indem sie überleben.  Das Forscherteam sieht vor allem zwei wesentliche Herausforderungen, denen sich die Existenzgründer stellen müssen:  Der Markt der Online-Nachrichten wird weiterhin von Online-Ablegern der alteingesessenen Medienunternehmen dominiert, die dank ihres bekannten Namens und schon vorhandenen Ressourcen wesentlich mehr Nutzer als Start-ups anlocken und zudem höhere Erlöse erzielen.  <span id="more-6613"></span>Zudem wird der europäische Online-Werbemarkt weiterhin von einigen wenigen großen Unternehmen aus den USA dominiert, weshalb für deutsche Unternehmen, vor allem für kleine, vom Werbekuchen weniger übrig bleibt.</p>
<p>Bruno und Nielsen haben bei den analysierten Start-ups, die es geschafft haben, zu überleben, die folgenden drei Gemeinsamkeiten ausgemacht: Die Unternehmen halten ihre Kosten gering, haben neben Online-Werbung noch andere Einnahmequellen und bedienen eine Nische.</p>
<p>So beweist das deutsche Angebot <em>Perlentaucher</em> seit mehr als einem Jahrzehnt, dass seine Strategie erfolgreich ist: Die Betriebskosten werden dank einer kleinen Redaktion gering gehalten, neben dem Ursprungsprodukt werden noch andere Produkte angeboten (u.a. eine Datenbank für Buchrezensionen) und die Themen Literatur und Kultur richten sich an eine spezifische Zielgruppe.</p>
<p>Auch das Konzept von <em>Mediapart</em> aus Frankreich geht auf: Im Gegensatz zu den anderen acht analysierten Start-ups haben die Gründer der Nachrichtenseite ihre Inhalte kostenpflichtig gemacht. Das Online-Magazin hat sich zudem vor allem mit seinem investigativen Journalismus einen Namen gemacht, u.a. hat es 2010 die Bettencourt- Affäre aufgedeckt.</p>
<p>Nicola Bruno, Co-Autor der Studie und Mitgründer des italienischen Start-ups <em>Effecinque</em>, betont, dass sich die Erfolgsgeschichten einiger US-amerikanischer Start-ups wie z.B. die <em>Huffington Post</em>, <em>Gawker</em> und <em>Politico</em>  nicht so einfach in Europa wiederholen lassen, da auf beiden Kontinenten bezüglich Größe des Medienmarktes und Struktur der Medienindustrie ganz andere Ausgangsvoraussetzungen herrschen.</p>
<p>Die neun analysierten Online-Start-ups in Zahlen:</p>
<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="153"><strong>Deutschland</strong></td>
<td valign="top" width="153"><em>Netzeitung</em></td>
<td valign="top" width="153"><em>Perlentaucher</em></td>
<td valign="top" width="153"><em>The European</em></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">In Betrieb</td>
<td valign="top" width="153">2000-2009</td>
<td valign="top" width="153">seit 2001</td>
<td valign="top" width="153">seit 2009</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Redaktionsmitglieder</td>
<td valign="top" width="153">40-60</td>
<td valign="top" width="153">4</td>
<td valign="top" width="153">14</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Jährliche Betriebskosten</td>
<td valign="top" width="153">ca. 2 Mio. €</td>
<td valign="top" width="153">ca. 250.000 €</td>
<td valign="top" width="153">k.A. (geschätzt 1 Mio. €)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Gewinne?</td>
<td valign="top" width="153">nie</td>
<td valign="top" width="153">ja</td>
<td valign="top" width="153">k.A. (wahrscheinlich noch nicht)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153"><strong>Frankreich</strong></td>
<td valign="top" width="153"><em>Agoravox</em></td>
<td valign="top" width="153"><em>Rue89</em></td>
<td valign="top" width="153"><em>Mediapart</em></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">In Betrieb</td>
<td valign="top" width="153">seit 2005</td>
<td valign="top" width="153">seit 2007</td>
<td valign="top" width="153">seit 2008</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Redaktionsmitglieder</td>
<td valign="top" width="153">9</td>
<td valign="top" width="153">26</td>
<td valign="top" width="153">36</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Jährliche Betriebskosten</td>
<td valign="top" width="153">ca. 300.000 Euro</td>
<td valign="top" width="153">ca. 2,2 Mio. €</td>
<td valign="top" width="153">ca. 4,5 Mio. €</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Gewinne?</td>
<td valign="top" width="153">zurzeit nicht</td>
<td valign="top" width="153">noch nicht</td>
<td valign="top" width="153">ja, seit 2011</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153"><strong>Italien</strong></td>
<td valign="top" width="153"><em>Il Post</em></td>
<td valign="top" width="153"><em>Lettera43</em></td>
<td valign="top" width="153"><em>Linkiesta</em></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">In Betrieb</td>
<td valign="top" width="153">seit 2010</td>
<td valign="top" width="153">seit 2010</td>
<td valign="top" width="153">seit 2011</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Redaktionsmitglieder</td>
<td valign="top" width="153">6</td>
<td valign="top" width="153">21</td>
<td valign="top" width="153">15</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Jährliche Betriebskosten</td>
<td valign="top" width="153">ca. 250,000 €</td>
<td valign="top" width="153">ca. 1,8 Mio. €</td>
<td valign="top" width="153">ca. 800.000 €</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Gewinne?</td>
<td valign="top" width="153">noch nicht</td>
<td valign="top" width="153">noch nicht</td>
<td valign="top" width="153">noch nicht</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><em> Quelle: Survival is Success</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Studie des Reuters Institute for the Study of Journalism kann nach kostenloser Registrierung auf der <a href="http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/about/news/item/article/survival-is-success-new-risj-chal.htm" target="_blank">Website des Instituts</a> heruntergeladen werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Fernsehen und Partizipation – ein Zukunftsmodell?</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 12:53:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annika Sehl, Hannah Lobert &#38; Michael Steinbrecher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Annika Sehl]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Landesanstalt für Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Lernsender]]></category>
		<category><![CDATA[nrwision]]></category>
		<category><![CDATA[offene Kanäle]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Social Web]]></category>
		<category><![CDATA[TU Dortmund]]></category>

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		<description><![CDATA[Erste Ergebnisse der Begleitforschung zu nrwision  Die Journalistik steht vor großen Herausforderungen. So viele Umbrüche, so viele Fragen, so viele Forschungsansätze  wie selten zu vor beschäftigen uns. Welche Medien werden zukünftig in welcher Intensität zu welchem Zweck genutzt? Wie verändern sich journalistische Berufsbilder und welche neuen, innovativen Formen der Partizipation werden sich auf Dauer etablieren? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.nrwision.de/index.php"><img class="size-full wp-image-6568 alignleft" title="nrwision" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/nrwision.jpg" alt="" width="240" height="134" /></a>Erste Ergebnisse der Begleitforschung zu <em>nrwision </em></strong></p>
<p>Die Journalistik steht vor großen Herausforderungen. So viele Umbrüche, so viele Fragen, so viele Forschungsansätze  wie selten zu vor beschäftigen uns. Welche Medien werden zukünftig in welcher Intensität zu welchem Zweck genutzt? Wie verändern sich journalistische Berufsbilder und welche neuen, innovativen Formen der Partizipation werden sich auf Dauer etablieren? Die Antworten scheinen sich zu bündeln in der Feststellung: „Die Zukunft liegt im Internet“.</p>
<p>Wer beschäftigt sich schon noch mit dem alten, anscheinend sogar nicht im Trend liegenden Leitmedium Fernsehen? Ist  dieses Medium überhaupt tauglich, um neue Formen von Partizipation zu erproben? Oder noch grundsätzlicher: Ist das Fernsehen, auch wenn es noch so modern über Flachbildschirme angepriesen wird, in Zeiten von YouTube nicht längst ein Auslaufmodell?<span id="more-6565"></span></p>
<p>In  Nordrhein-Westfalen hat die Landesanstalt für Medien (LfM) auf den ersten Blick gegen den Trend in der Nachfolge der Offenen Kanäle ein neues TV-Modell etabliert: einen Lernsender, der landesweit im digitalen Kabelnetz zu empfangen ist und von der TU Dortmund betrieben wird. Zwei Ziele, die mit diesem Sender verbunden werden, sind eine Stärkung der publizistischen Vielfalt und die Vermittlung von Medienkompetenz. Wie kann das funktionieren? Anders als die großen TV-Sender setzt <em>nrwision</em> voll auf Partizipation. Jeder Hobby-Fernsehmacher, der Interesse am Medium hat, kann das Programm mitgestalten. Dies gilt auch für Berufsschüler und Studierende aus sehr unterschiedlichen  Fachrichtungen, denen in „Lehr- und Lernredaktionen“, gefördert von der Lf M, gezielt Fernsehkompetenzen vermittelt werden. Hinzu kommen angehende Profis, die sich bereits in einer professionellen Medienausbildung befinden.</p>
<p>Diese drei Gruppen liefern jeweils Programm zu, das von der „Zentrale“ in Dortmund in einem wöchentlichen Programmschema gebündelt wird. Erfahrene Studierende der Dortmunder Journalistik, die in der Regel bereits ein Volontariat absolviert haben, nehmen als Programmredakteure die Beiträge der Zulieferer entgegen und geben jedem, der bei <em>nrwision</em> mitmacht, individuelle technische, dramaturgische oder journalistische Feedbacks. Somit entspricht <em>nrwision</em> weder dem Modell des reinen Bürgerjournalismus noch dem in großen Sendern überwiegend praktizierten traditionellen Journalismus. Die besondere Form der angeleiteten Partizipation macht dieses Modell auch für die Forschung interessant. Ist der Sender eine Alternative zur Partizipation über <em>YouTube</em>? Setzt er auf ähnliche Motivationsstrukturen wie das Social Web oder entwickelt der Lernsender ein eigenes Profil?</p>
<p>Ein laufendes Lehrforschungsprojekt  am Institut für Journalistik der TU Dortmund unter Leitung von Annika Sehl und Mitarbeit von Hannah Lobert hat die Zulieferer von <em>nrwision</em> unter die Lupe genommen. Es wurden alle befragt, die im Jahr 2011 bis einschließlich Oktober eine Sendung zugeliefert hatten. Dazu verteilten Studierende die Fragebögen vor Ort in den Redaktionen oder verschickten sie auf Wunsch per Post. Von 83 zuliefernden Redaktionen forderten etwas mehr als die Hälfte Fragebögen an. Bisher kamen mit 168 Fragebögen über 40 Prozent der angeforderten Exemplare ausgefüllt zurück. Da die Anonymität der Teilnehmer gewahrt werden sollte, sind keine Rückschlüsse auf den Rücklauf in einzelnen Redaktionen möglich. Weiterhin kann das Verhältnis der Befragten zu allen Zulieferern nur geschätzt werden, da die Ansprechpartner in den Redaktionen nicht in allen Fällen die genaue Anzahl ihrer Redaktionsmitglieder angeben konnten. Schwerpunkte der Befragung waren u. a. die Motivation der Zulieferer, ihre Selbsteinschätzung im Vergleich zum professionellen Journalismus  und das Zusammenspiel zwischen den Zulieferern und der Programmredaktion.</p>
<p>In diesem Artikel beschäftigen wir uns vorwiegend mit der Abgrenzung von <em>nrwision</em> zum Social Web und den Merkmalen, die die Zulieferer diesen beiden Angeboten jeweils zuordnen. Zunächst aber eine kurze Beschreibung der Befragten: Mit Blick auf das Alter fällt auf, dass die Zulieferer eine breite Altersspanne abdecken. Der jüngste  Befragte ist 14 Jahre, der älteste Befragte 79 Jahre alt. Die Hälfte der Teilnehmer ist 24 Jahre oder jünger, davon wiederum die meisten zwischen 20 und 24 Jahren. Im Vergleich zu einer Studie über die ehemaligen Offenen Kanäle in Nordrhein-Westfalen (vgl. Volpers/Werner 2007) zeigt sich hiermit eine jüngere Altersstruktur. Eine genauere Auswertung ergibt, dass dies vor allem durch die Gruppen der angehenden Medienprofis und der Studierenden in Lehr- und Lernredaktionen bedingt ist.</p>
<p>Bei der Gruppe der Hobby-Fernsehmacher sind Zulieferer aller Altersgruppen relativ gleichmäßig vertreten. Entsprechend ergibt sich für die derzeitige Beschäftigung  der Zulieferer: Jeder zweite ist noch Studierender. Die Hobby-Fernsehmacher befinden sich im Gegensatz zu den anderen beiden Gruppen in sehr unterschiedlichen Beschäftigungssituationen. Von Schülern, Auszubildenden und Studierenden über Arbeiter, Arbeitslose, Angestellte/Beamte oder Selbständige bis hin zu Rentnern ist eine große Bandbreite vertreten. Die meisten Zulieferer sind in einem Team organisiert, die wenigsten produzieren alleine. Männer und Frauen sind nahezu gleich häufig bei <em>nrwision</em> als Zulieferer vertreten. Auf den ersten Blick könnte man denken, dass sich diese Verteilung im Vergleich zur oben angesprochenen Studie über die Offenen Kanäle geändert hat. Dort waren vor allem Männer aktiv. Doch auf den zweiten Blick zeigt sich auch bei <em>nrwision</em>: In der Gruppe der Hobby-Fernsehmacher haben nach wie vor mehrheitlich die Männer die Zügel in der Hand. Im Gegensatz dazu dominieren die Frauen in der Gruppe der angehenden Medienprofis.</p>
<p>Der Einfluss der Medienprofis in Ausbildung und der Studierenden in Lehr- und Lernredaktionen auf das Ergebnis zeigt sich auch beim höchsten Bildungsabschluss. Von allen Zulieferern haben rund drei Viertel Abitur gemacht oder sogar einen Hochschulabschluss in der Tasche. Bei den Hobby-Fernsehmachern verteilt sich die formale Bildung allerdings breiter – von Volks-/Hauptschule bis ebenfalls zum Hochschulabschluss. Kommen wir jetzt zum Vergleich der Merkmale, die <em>nrwision</em> oder dem Social Web zugeschrieben werden. Das Social Web beinhaltet Formate wie Weblogs, <em>YouTube</em> oder Social Networks. Dabei wurden die Zulieferer gefragt, ob sie bestimmte Merkmale eher <em>nrwision</em>, eher dem Social Web oder beiden im gleichen Maße zuordnen: Die Ergebnisse zeigen, dass die Zulieferer sehr deutlich differenzieren und <em>nrwision</em> und das Social Web unterschiedlich charakterisieren. „Trifft eher auf <em>nrwision</em> zu“ sagen die Zulieferer vor allem in den Bereichen „journalistisch dazulernen“ (76% <em>nrwision</em> versus 9% Social Web), „Rückmeldung bekommen“ (50% versus 16%) und „Anerkennung bekommen“ (41% versus 15%).</p>
<p>Die ersten beiden Punkte liefern ein erstes Indiz dafür, dass die Intention des Lernsenders, Medienkompetenz zu vermitteln, von den Zulieferern deutlich registriert wird. Interessant  ist, dass auch der Punkt „Anerkennung bekommen“ <em>nrwision</em> stärker zugeschrieben wird als Angeboten im Social Web. Hier ist zu vermuten, dass durch die redaktionelle Gesamtstruktur die soziale Interaktion mit der Programmredaktion und anderen Zulieferern deutlicher wahrgenommen wird. Umgekehrt ist das Profil des Social Web ebenso deutlich zu erkennen. Sowohl das Vernetzen (70% Social Web versus 4% nrwision)  als auch das Erreichen eines breiten Publikums (38% versus 23%) werden eindeutig stärker dem Social Web als <em>nrwision</em> zugeordnet. Dass ein Fernsehsender trotz aller Online-Aktivitäten nicht mit den Vernetzungsoptionen des Social Web konkurrieren kann, war vorhersehbar und unterstreicht, dass die Zulieferer von <em>nrwision</em> dem Lernsender andere Qualitäten zuordnen als dem Social Web.</p>
<p>Bedeutet diese Differenzierung der Angebote insgesamt, dass das Medium Fernsehen doch eine Partizipations-Option der Zukunft sein kann?  Für eine Beantwortung der Frage ist es noch zu früh. Fest steht, selbst wenn <em>nrwision</em> bezogen auf die Reichweite nicht mit großen Sendern konkurriert, könnte der Lernsender als Modell eine interessante Perspektiv-Diskussion anstoßen. Er kann zur Klärung der Frage beitragen, welche Partizipations-Möglichkeiten das als eher unbeweglich abgestempelte Medium Fernsehen grundsätzlich eröffnen kann.</p>
<p><span style="color: #888888;">Literatur:</span></p>
<p><span style="color: #888888;">Volpers, Helmut/Werner, Petra (Hrsg.) (2007): Bürgerfernsehen in Nordrhein-Westfalen. Eine Organisations- und Programmanalyse. Berlin: Vistas.</span></p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Journalistik Journal Nr. 1 / 2012</em></p>
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		<title>Wie twittern Journalisten?</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 11:26:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tina Bettels</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Gatekeeper]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Muck Rack]]></category>
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		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>
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		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
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		<description><![CDATA[Wie Journalisten sich das Social Web zunutze machen, und ob sie dabei professionelle Grenzen überschreiten &#8211; das haben jetzt drei US-amerikanische Medienforscher analysiert. Eines der zentralen Ergebnisse: Für viele Journalisten ist es gang und gebe, ihre Meinung via Twitter kundzutun – eine Praxis, die der Norm der journalistischen Objektivität jedoch grundsätzlich eher widerspricht. Dabei zeigte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/wellohorld/6128232600/sizes/o/in/photostream/"><img class="size-full wp-image-6118 alignleft" title="Foto: wellohorld / Flickr" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/Twitter-bird-Kopie.jpg" alt="" width="240" height="180" /></a><strong>Wie Journalisten sich das Social Web zunutze machen, und ob sie dabei professionelle Grenzen überschreiten &#8211; das haben jetzt drei US-amerikanische Medienforscher analysiert.</strong></p>
<p>Eines der zentralen Ergebnisse: Für viele Journalisten ist es gang und gebe, ihre Meinung via Twitter kundzutun – eine Praxis, die der Norm der journalistischen Objektivität jedoch grundsätzlich eher widerspricht.</p>
<p>Dabei zeigte sich, dass die Tweets der Journalisten, die für kleine und lokale Medienunternehmen arbeiteten, wertender waren als die ihrer Kollegen, die für überregionale „elitäre“ Medien tätig waren.</p>
<p>Insgesamt haben die Kommunikationswissenschaftler Dominic L. Lasorsa, Seth C. Lewis und Avery E. Holton 22.000 Tweets von 430 Journalisten auf die folgenden drei Forschungsfragen hin untersucht: Geben Journalisten ihre Rolle als unabhängige Informationsvermittler auf, wenn sie ihre Meinung twittern? Lassen Journalisten, die die Einträge anderer teilen („retweeten), damit andere Twitter-Nutzer an ihrer Gatekeeper-Rolle teilhaben? Stellen Journalisten Transparenz über ihre journalistische Arbeit her, indem sie über ihre Arbeit twittern, mit anderen Twitter-Nutzern diskutieren und zu externen Quellen verlinken?<span id="more-6117"></span></p>
<p>Die Spannbreite der Twitter-Fangemeinde US-amerikanischer Journalisten ist groß: George Stephanopoulos von ABC News führte zum Zeitpunkt der Untersuchung im September 2009 auf Platz 1 mit 1.224.118 Anhängern, Andy Newman von der New York Times kam auf Platz 500 mit 690 Anhängern.</p>
<p>Fast 16 Prozent der untersuchten Tweets waren in erster Linie wertend. Zusätzlich enthielten 27 Prozent der Tweets, die hauptsächlich Informationen übermittelten, mindestens ein „Meinungselement“.</p>
<p>Bis zu einem gewissen Grad ließen die Journalisten auch andere Twitter-Nutzer an ihrer Gatekeeper-Rolle teilhaben: Mehr als 15 Prozent der journalistischen Mikroblogs waren Retweets.</p>
<p>Ebenso nutzten die Journalisten bis zu einem gewissen Grad Twitter, um Transparenz über ihre journalistische Arbeit herzustellen: Etwa neun Prozent der Tweets vermittelten in erster Linie Informationen über den Job; zudem konzentrierten sich 14,9 Prozent auf  Diskussionen mit den Nutzern.  42 Prozent der Tweets enthielten einen externen Link, der auch als Indikator für Transparenz gilt. Die Forscher stellten allerdings auch fest, dass In 20,2 Prozent der Tweets die Journalisten über ihr Privatleben bloggten.</p>
<p>Dabei fiel den Wissenschaftlern auf, dass die Journalisten der überregionalen Zeitungen und Fernsehsender nicht annähernd so meinungsfreudig twitterten wie ihre Kollegen der lokalen – weniger ‚elitären‘ – Medienunternehmen.  Es scheint, so Lasorsa, Lewis und Holton, als hätten sie weniger Probleme, mit dem Publikum zu diskutieren und auch ihre Gatekeeper-Rolle mit ihm zu teilen. Zudem sei es für Journalisten, die für prestigeträchtige Medienunternehmen arbeiten, generell einfacher, viele Anhänger auf Twitter zu bekommen, ohne viel dafür zu tun. Journalisten von kleineren lokalen Medien müssten dagegen „interessanter und aktiver“ sein, um sich auf Twitter Gehör zu verschaffen.</p>
<p><strong>Die Untersuchungsmethode</strong></p>
<p>Für die Studie wurden zunächst 500 Journalisten identifiziert, die laut der Website <a href="http://www.muckrack.com/" target="_blank">Muck Rack</a> die meisten Anhänger auf Twitter hatten.</p>
<p>Im Folgenden wurden dann die Tweets von 430 Journalisten analysiert, da einige Journalisten entweder ihr Twitter-Konto nach der Auswahl im September 2009 gelöscht oder während des zweiwöchigen Untersuchungszeitraums der Studie im Oktober 2009 nicht getwittert hatten.</p>
<p>Von den ausgewählten Journalisten arbeiteten 27 Prozent für überregionale Zeitungen, 21,8 Prozent für Lokalzeitungen, 15,2 Prozent für Zeitschriften, 10,8 Prozent für überregionales Fernsehen, 9,8 Prozent für Kabelfernsehen, 9,4 Prozent für Online-Nachrichtenseiten, 2,2 Prozent für Radiosender, 2 Prozent für Nachrichtenagenturen und 1,8 Prozent für sonstige Medienunternehmen.</p>
<p>Während des Untersuchungszeitraums wurden täglich die ersten zehn Twitter-Einträge jedes Journalisten codiert. Im Durchschnitt verfassten die Journalisten 5,6 Einträge pro Tag.  Der Rekord: Ein einziger Journalist allein verfasste 810 Einträge innerhalb der untersuchten zwei Wochen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Lasorsa, Dominic L.; Lewis Seth C.; Holton, Avery E. (2012): Normalizing Twitter. Journalism practice in an emerging communication space. In:  Journalism Studies, Vol. 13, No 1, S. 19-36.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Regionale Medien und das Web 2.0</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Jan 2012 13:34:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susanne Fengler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Annika Sehl]]></category>
		<category><![CDATA[Braunschweiger Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Gatekeeper]]></category>
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		<category><![CDATA[partizipativer Journalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Partizipativer Journalismus: Motor für mehr publizistische Vielfalt – oder Marketing-Instrument der Redaktionen? Studie untersucht die Strategien von Regionalzeitungen im Zeitalter von Web 2.0 Unter dem Einfluss des Social Web experimentieren Redaktionen weltweit mit neuen Formen der Publikumsbeteiligung. Vom BILD-Leserreporter bis hin zum britischen Guardian, der seine Leser und User einlud, gemeinsam mit den Redakteuren online [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-5996 alignleft" title="Foto: Gerd Altmann  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/social-web.jpg" alt="" width="240" height="160" /></a>Partizipativer Journalismus: Motor für mehr publizistische Vielfalt – oder Marketing-Instrument der Redaktionen? Studie untersucht die Strategien von Regionalzeitungen im Zeitalter von Web 2.0</strong></p>
<p>Unter dem Einfluss des Social Web experimentieren Redaktionen weltweit mit neuen Formen der Publikumsbeteiligung. Vom BILD-Leserreporter bis hin zum britischen Guardian, der seine Leser und User einlud, gemeinsam mit den Redakteuren online riesige Datensätze nach Hinweisen auf steuersündige Abgeordnete zu durchkämmen, werden derzeit die verschiedensten Modelle erprobt. Doch trägt dieser neue „partizipative Journalismus“ tatsächlich zur publizistischen Vielfalt bei – und welche Bedeutung messen ihm die Verantwortlichen in den Medienhäusern zu?</p>
<p>Antworten auf diese Frage gibt jetzt ein Forschungsprojekt der Dortmunder Journalismuswissenschaftlerin Annika Sehl. Im Rahmen ihrer Studie „Partizipativer Journalismus in Tageszeitungen. Eine empirische Analyse zur publizistischen Vielfalt im Lokalen“ hat sie Chefredakteure und Redaktionsverantwortliche deutscher Tageszeitungen befragt und zudem eine Inhaltsanalyse der Printausgaben der Braunschweiger Zeitung, der Rheinischen Post und der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vorgenommen. <span id="more-5993"></span>Damit setzt die Studie einen spannenden Akzent auf Modelle des partizipativen Journalismus in regionalen und lokalen Medien, die im Vergleich zu den überregionalen Marktführern oft über weit weniger Ressourcen verfügen, mit neuen Formaten zu experimentieren.</p>
<p>Fazit der Studie: In den untersuchten Zeitungen finden sich zum Zeitpunkt der Analyse vielfältige Leserbeiträge, die in der Tat zu einer höheren Meinungsvielfalt und Themenbreite in den Lokalteilen beitrugen. Allerdings dominieren Beiträge und Formate, in denen die Leser auf die vorangegangene redaktionelle Berichterstattung reagieren – vergleichsweise selten hingegen finden sich Formate, in denen die Leser ganz neue Themen auf die Agenda der Tageszeitung bringen oder sich sogar am Rechercheprozess beteiligen konnten. Ihre Rolle als Gatekeeper wollen viele Medienmacher also auch im Zeitalter von Journalismus 2.0 nicht aufgeben.</p>
<p>Aufschlussreich sind auch die Ergebnisse der Chefredakteursbefragung: Mit 94% gaben die allermeisten Befragten an, mittels partizipativem Journalismus die Leser-Blatt-Bindung stärken zu wollen, 79% bzw. 69% erhofften sich, auf diesem Weg neue Zielgruppen für die Online- bzw. für die Print-Ausgabe der Zeitung zu erschließen. Damit scheinen ökonomische Motive eine deutlich größere Rolle für die Redaktionsleitung zu spielen als der von den Verfechtern des partizipativen Journalismus oft geäußerte Wunsch nach einer breiten Einbindung des Publikums in den medialen Prozess: 82% versprachen sich von partizipativen Formaten, Rückmeldung zur Berichterstattung zu erhalten, und die Erhöhung der Meinungsvielfalt bzw. die Vertiefung der Lokalberichterstattung war nur für 64% bzw. 54% der Befragten ein Beweggrund.</p>
<p>Informationen zu der Studie über Annika Sehl: <a href="mailto:annika.sehl@tu-dortmund.de">annika.sehl@tu-dortmund.de</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Schnell, exklusiv und transparent</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 08:00:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Pierre Gehmlich</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethik & Qualitätssicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Augsburger Allgemeine]]></category>
		<category><![CDATA[Gratis]]></category>
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		<category><![CDATA[Rezipienten]]></category>
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		<description><![CDATA[Was zeichnet journalistische Web-Angebote aus Sicht der Nutzer aus? Eine Studie befragte das User-Publikum und überprüfte daraufhin das Onlineangebot dreier großer Regionalzeitungen. Das Ergebnis lässt zu wünschen übrig. Wie lässt sich mit Journalismus im Internet Geld verdienen? Eine Antwort auf diese Frage ist nicht nur für Zeitungsverlage überlebenswichtig, die in der Printkrise ihre Onlineangebote auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-5970 alignleft" title="Foto: berlin-pics  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/User.jpg" alt="" width="240" height="186" /></a>Was zeichnet journalistische Web-Angebote aus Sicht der Nutzer aus? Eine Studie befragte das User-Publikum und überprüfte daraufhin das Onlineangebot dreier großer Regionalzeitungen. Das Ergebnis lässt zu wünschen übrig.</strong></p>
<p>Wie lässt sich mit Journalismus im Internet Geld verdienen? Eine Antwort auf diese Frage ist nicht nur für Zeitungsverlage überlebenswichtig, die in der Printkrise ihre Onlineangebote auf wirtschaftlichen Erfolg trimmen müssen. Alle Anbieter kämpfen seit Jahren mit einem großen Problem. Sie haben ihre Leistungen in der Vergangenheit online schlichtweg verschenkt und ihren Nutzern die inzwischen lautstark beklagte Gratismentalität selbst mit anerzogen. Derzeit bieten fast alle ihre Inhalte kostenlos an, obwohl es für alle besser wäre, Geld zu verlangen.</p>
<p>Einen Ausweg aus dem so genannten Gefangendilemma haben bisher nur einige wenige Anbieter gefunden. Financial Times und Wall Street Journal konnten vor ihren exklusiven Analysen erfolgreich eine Paywall hochziehen, der britische <em>Guardian</em> und die <em>New York Times</em> experimentieren mit gegensätzlichen Konzepten.<span id="more-5967"></span></p>
<p>Die ganze Branche beobachtet mit Argusaugen, ob die <em>New York Times</em> mit ihrem Online-Abonnement oder der Guardian mit seiner Kostenlos-Philosophie am Ende erfolgreich sein wird. In Deutschland jedenfalls verdient <em>Spiegel Online</em> aufgrund seiner immens hohen Reichweite und guter Reputation mit Werbung gerade mal genügend Geld, um rentabel zu sein.</p>
<p>Die Lösungsvorschläge von Wissenschaftlern und Journalisten treffen sich in einem zentralen Punkt:  Es muss gelingen, die Online-Angebote durch Qualitätsjournalismus auszuzeichnen und so von ähnlich erscheinenden Angeboten wie News-Portale, Blogs, PR-Seiten oder Bürgerjournalismus abzugrenzen. Für ein herausragendes Angebot, so die These, zahlen die Nutzer dann auch.</p>
<p><strong>Definition für Qualitätsjournalismus im Internet fehlt</strong></p>
<p>Der Begriff Qualitätsjournalismus wird in zahlreichen Beiträgen mit Begriffen wie „saubere Recherche“,  „Relevanz“, „exklusive Inhalte“ oder „Verlässlichkeit“ umschrieben. Doch diese beziehen sich auf Offline-Medien. Für die Qualität journalistischer Onlineangebote fehlt ein allgemeingültiger Kriterienkatalog, der auf repräsentativen Untersuchungen aufbaut. Eine zentrale Rolle, so viel steht fest, spielen die Erwartungen und Interessen des Publikums, denn schließlich soll es in Zukunft für die Inhalte bezahlen.</p>
<p>Bisherige Studien im Forschungsbereich „Medienqualität“, die sich für die Rezipientenperspektive interessierten, ließen zwei wichtige Themen unbearbeitet: Zum einen wurden die spezifischen, auf journalistische Angebote  gerichteten Nutzungswünsche der Rezipientengruppen für Onlineangebote nicht untersucht. Und zum andern griffen die Forscher meist auf dieselben Qualitätskriterien zurück, die sich aus Normenkatalogen oder der journalistischen Praxis herleiten lassen. Ob diese Merkmale auch von den Nutzern als treffend empfunden werden, blieb offen. Diese lückenhafte Studienlage mag einer der Gründe dafür sein, dass die meisten journalistischen Onlineangebote deutlich hinter den Erwartungen ihrer Nutzer zurückbleiben.</p>
<p>Welche Kriterien ziehen die Nutzer heran, um die Qualität von News-Websites zu bewerten? Und was müssen diese Sites tatsächlich bieten, um die Erwartungen der User-Gruppen zu erfüllen? Diese Fragen standen im Fokus einer Studie, die  am Lehrstuhl Journalistik am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig durchgeführt wurde.</p>
<p><strong>Deutliche Absage an „shovelware“</strong></p>
<p>Mit einer differenzierten online-gestützten Publikumsbefragung wurden das Nutzerverhalten und die Auffassungen von insgesamt 501 Internetnutzern erhoben. Zentraler Befund: Journalistische Onlinenachrichten sollen vor allem schnell, permanent und zugleich mit möglichst viel Hintergrund informieren. Darüber hinaus wünschen sich die Nutzer Geschichten, die mit multimedialen Elementen wie Videos oder Infografiken erzählt werden. Folglich werden Angebote als qualitativ eher schlechter eingeschätzt, wenn eine dünn besetzte Onlineredaktion kaum mehr leistet als die Printinhalte des Muttermediums ins Web zu schaufeln. Oder plakativ gesagt: Wer die Stärken des Mediums Internet ungenutzt lässt, wird wahrscheinlich auch auf lange Sicht online kein Geld verdienen.</p>
<p>Die Studie zeigt auch, dass die Onlineredaktionen ihre Ressourcen deutlich gezielter einsetzen sollten. Vieles wird angeboten, was die Nutzer nicht interessiert. Denn nicht alles, was im Internet derzeit möglich ist und von Web-Apologeten als Muss angesehen wird, interessiert die Rezipienten. So ist selbst jüngeren Nutzern weniger wichtig, ob interaktive Möglichkeiten angeboten werden oder nicht. Es scheint vielmehr, dass sie auch online die Rolle der Journalisten als Gatekeeper akzeptieren.</p>
<p>Sie legen auch weniger Wert darauf, sich am Rechercheprozess beteiligen zu können. So steht zum Beispiel Crowdsourcing, das Beschaffen von Informationen durch User/Leser, weit unten auf der Prioritätenliste der Nutzer. Dabei war vor allem in den USA Crowdsourcing in den letzten Jahren das Zauberwort in der Zeitungskrise. Der Rückgriff auf die „Schwarmintelligenz“ galt als erfolgversprechender Weg zu hochwertigem Journalismus trotz zunehmend begrenzter Finanzen. Die mit der Alltagswelt verbundenen Wünsche der Mediennutzer sehen anders aus.</p>
<p><strong>Den User-Dialog finden Nutzer nicht so wichtig</strong></p>
<p>Mit den Usern auf Du und Du? Auch dies könnte sich als Irrtum erweisen. Den Befragten ist nämlich weniger wichtig, ob die Redaktionen ihrer Internetmedien auf Kritik und Themenvorschläge ihrer Nutzer erkennbar eingehen und auf Facebook den Leser-Kontakt pflegen. Keine Frage, das vergleichsweise schlechte Abschneiden von Merkmalen, die zur Dimension „Interaktion“ zählen, überraschte uns. Schließlich erreichte die Befragung vorrangig urbane Internet-Vielnutzer mit höherer formaler Bildung, die offener für neue Medien sind. Wenn bereits diese Zielgruppe auf Interaktionen kaum Wert legt, was ist dann mit den „Normalnutzern“?  Die Frage, ob die Rezipienten vielleicht der Meinung sind, dass sie auf die Internetredaktion ohnehin keine Einflussmöglichkeiten haben, musste allerdings offen bleiben. Dies jedenfalls wird von einigen Forschern vermutet.</p>
<p>Denkbar ist aber auch, dass die Befragten erheblich rationaler und nutzorientierter sind und von journalistischen Angeboten in erster Linie Information und Orientierung erwarten und keine virtuellen Kaffeekränzchen.<br />
Ebenfalls nicht belegt werden konnte in der Untersuchung die These verschiedener Journalismusforscher, das Internet gewinne aus Sicht der Nutzer zunehmend auch als lokales und regionales Medium an Bedeutung. Unserer Erhebung zufolge  wünschen sich die Nutzer zwar, dass sie Themen aus ihrem Lebensumfeld finden; auch sollten Journalisten komplexe Vorgänge in Brüssel oder Berlin für ihre Nutzer in der Region herunter zu brechen. Ein Beispiel: Wirken sich die aktuellen Herabstufungen der Ratingagenturen auf die Riesterrente und den Bausparvertrag aus?  Und wenn ja: wie?  Die damit verbundenen Qualitätsmerkmale landeten in der Befragung allerdings nur im Mittelfeld.</p>
<p><strong>Transparenz gewinnt hohen Stellenwert</strong></p>
<p>Auch ein wichtiger Befund der Studie: Die Befragten legen sehr hohen Wert auf Transparenz. Sie erwarten von Onlineredakteuren unter anderem, genutzte Quellen vollständig offenzulegen. Die Anbieter sollten zudem deutlich kennzeichnen, wenn Beiträge aus anderen Medien oder von Agenturen übernommen werden. Vor allem aber ist den Nutzern eine strikte Trennung von redaktionellen Texten und Werbung sehr wichtig.<br />
Dieser Befund aus der Befragung scheint eine in zahlreichen anderen Erhebungen geäußerte Vermutung zu bestätigen: Offenbar hat die Flüchtigkeit der online veröffentlichten Informationen und der ständige Druck  auf die Journalisten, topaktuell zu berichten, negative Auswirkungen auf deren Glaubwürdigkeit. Dieses Malus kann aber durch das strikte Einhalten von Transparenzregeln zumindest abgemildert werden.</p>
<p><strong>Die Online-Praxis: weit weg vom Ideal</strong></p>
<p>Im Fortgang der Studie wurden die Qualitätswünsche der User mit den Angeboten des real existierenden Onlinejournalismus abgeglichen. Als „gute Repräsentanten“ des regionalen Onlinejournalismus gelten die Angebote der  <em>Augsburger-Allgemeine.de</em> (AA), der <em>Stuttgarter-Zeitung.de</em> (SZ) und der <em>HAZ.de</em> (HAZ, Hannover), die zudem über soziodemografisch vergleichbare Einzugsgebiete verfügen. Diese Webseiten wurden zur Überprüfung herangezogen und mit einer  Inhaltsanalyse stichprobenartig ausgewertet. Hauptbefund:  Das tatsächliche Angebot erfüllt die User-Erwartungen bei weitem nicht. Woran liegt dies? Eine Rolle spielt gewiss die personelle Ausstattung. In den Online-Redaktionen arbeiten vier (<em>HAZ</em>) bis sechs (<em>AA</em>) fest angestellte Journalisten, und bei dieser dünnen Personaldecke ist es wenig überraschend, dass alle drei Webseiten ihren Nutzern nur einen geringen Mehrwert gegenüber der zugehörigen Printausgabe bieten.</p>
<p>Nur jeder fünfte untersuchte Beitrag bei der <em>AA</em> und bei der <em>SZ</em> war eine Eigenleistung; bei <em>HAZ</em> wurde nur jeder siebte Artikel von den Online-Journalisten geschrieben oder von Kollegen exklusiv für die Webseite geliefert.  In der überwiegenden Mehrzahl handelte es sich bei den selbst produzierten Artikeln um  Kurznachrichten, um Sport- und Polizeiberichte.<br />
Alle drei Anbieter ließen die Stärken des Hybridmediums Internet weitgehend ungenutzt.</p>
<p>Während der Erhebungszeit verzichteten sie beispielsweise darauf, wichtige Beiträge mit multimedialen Elementen unterhaltsamer und leichter zugänglich zu machen. Allerdings lieferte die SZ ein Paradebeispiel dafür, mit welchen Mitteln eine Geschichte online erzählt werden kann: Ein Beitrag über eine neue Stuttgarter Bibliothek wurde mit einer interaktiven Flash-Grafik mit Audio-Erzählungen ergänzt, mit der sich Nutzer die einzelnen Bereiche des Hauses selbst erschließen konnten.</p>
<p>Viel zu selten wurden Beiträge mit Hintergrund angereichert. Die <em>SZ</em> verlinkte in jedem vierten Beitrag auf externe Internetquellen und ergänzte jeden dritten Artikel mit selbst erarbeiteten oder fremden Zusatzinformationen. Die <em>HAZ </em> bot diese Ergänzungen bei rund 25 Prozent der Beiträge, leitete die Nutzer aber nur selten zu anderen Webseiten weiter (5 Prozent). Bei der <em>AA</em> schließlich waren nur knapp 14 Prozent der Beiträge mit Hintergrund angereichert, nur 17 Prozent enthielten zusätzliche Quellen. Positiv: Alle Anbieter achten offenbar auf analytische Qualität und zeigten im Untersuchungszeitraum oftmals die Ereignisse in einem zeitlichen, geografischen oder thematischen Rahmen.<br />
<strong></strong></p>
<p><strong>Kaum Transparenz</strong></p>
<p>Auch das Bedürfnis der Nutzer nach Transparenz wird von den Redaktionen noch nicht ernst genug genommen. So fehlte durchweg die Information, ob und von wem Beiträge übernommen wurden. Ebenso zeigten sich beim Qualitätsmerkmal Quellentransparenz häufig Ungereimtheiten und Probleme. So fehlte auf allen untersuchten Webseiten bei jedem dritten Beitrag die klare Nennung der Quelle einer Information; oft wurde sie nur angedeutet. Zudem verstieß die AA mehrfach (3 Prozent der Beiträge) gegen das Trennungsgebot von Werbung und redaktionellen Inhalten. Bei der <em>SZ</em> und der <em>HAZ</em> kam das nur zweimal bzw. nur in einem Fall vor.</p>
<p>Unsere Studie kann nicht belegen, dass Nutzerzahlen steigen, wenn die Redaktionen stärker auf die Wünsche der Rezipienten eingehen. Auffällig ist aber, dass im Qualitätsvergleich das Onlineangebot der <em>Hannoverschen Allgemeinen</em> gegenüber der <em>AA</em> und der <em>SZ </em> insgesamt etwas schlechter abschnitt; dies gilt insbesondere für  jene Kriterien, die die in der Befragung der User sehr weit oben auf der Prioritätenliste stehen. Mag sein, dass diese Angebotsgüte mit erklärt, warum die <em>Augsburger-Allgemeine.de</em> und <em>Stuttgarter-Zeitung.de</em> 3,4 bzw. 3,6 Millionen Unique Visits im Monat erreichen – und die <em>HAZ.de</em> nur 1,63 Millionen.</p>
<p><strong>Wissenschaftliche Methode</strong></p>
<p>Im Rahmen einer Diplomarbeit am Lehrstuhl Journalistik I der Universität Leipzig wurde mit einem mehrstufigen Forschungsdesign untersucht, welche Qualitätseigenschaften journalistische Internet-Angebote aus Sicht der Nutzer bieten sollten. Wie nahe drei vergleichbare Onlinenachrichtenangebote diesem Ideal tatsächlich kommen, wurde im zweiten Teil der Arbeit erforscht.</p>
<p>Mit einer explorativen Delphi-Befragung wurden zunächst die Qualitätsmerkmale identifiziert, die nach Auffassung von Forschern und Anbietern für Onlinenachrichtenangebote gelten. Diese Kriterien wurden in einer quantitativen, onlinegestützte Befragung dem User-Publikum zur Beurteilung vorgelegt. 501 Nutzer gaben ihre Beurteilung ab. Mit dem daraus gewonnen Anforderungskatalog habe ich die Online-Angebote der regionalen Tageszeitungen <em>Augsburger Allgemeine</em>, <em>Stuttgarter Zeitung</em> und <em>Hannoversche Allgemeine</em> in einer quantitativen Inhaltsanalyse untersucht. Die Stichprobe wurde an zwei aufeinanderfolgenden Dienstagen und einem dazwischenliegenden Samstag gezogen und umfasst 441 Beiträge.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Message Nr. 1/2012</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Nach dem Print-Tod wartet kein Paradies</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 09:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktionsmanagement]]></category>
		<category><![CDATA[Citizen Journalists]]></category>
		<category><![CDATA[Netizens]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<category><![CDATA[partizipativer Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Print]]></category>
		<category><![CDATA[Publikum]]></category>
		<category><![CDATA[Redakteure]]></category>
		<category><![CDATA[Sue Robinson]]></category>
		<category><![CDATA[University of Wisconsin]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn Zeitungen nicht mehr erscheinen, wandelt sich der Beruf radikal – nicht nur zum Besseren. Während mehrere Großverlage im deutschen Sprachraum, darunter Ringier und Springer, sich durch die Zusammenlegung mehrerer Redaktionen für die Online-Zukunft rüsten, haben in den USA bereits seit geraumer Zeit einige Zeitungs-Titel ihre Printausgabe eingestellt und erscheinen nur noch im Internet. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.flickr.com/photos/aepoc/1042857789/in/faves-36152631@N05/"><img class="size-full wp-image-6011 alignleft" title="Foto: Jason Kessenich / Flickr" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/Paradies.jpg" alt="" width="240" height="117" /></a>Wenn Zeitungen nicht mehr erscheinen, wandelt sich der Beruf radikal – nicht nur zum Besseren.</strong></p>
<p>Während mehrere Großverlage im deutschen Sprachraum, darunter Ringier und Springer, sich durch die Zusammenlegung mehrerer Redaktionen für die Online-Zukunft rüsten, haben in den USA bereits seit geraumer Zeit einige Zeitungs-Titel ihre Printausgabe eingestellt und erscheinen nur noch im Internet. Die Capital Times in Madison/Wisconsin gehört zu den Pionieren, die diesen Schritt gewagt haben, und sie hat jetzt Aussicht, als jene Zeitung in die Geschichte einzugehen, deren Transformationsprozess als erster umfassend erforscht wurde.</p>
<p>„Journalism as Process“ &#8211; die Studie verkündet bereits in ihrem Titel, worum es der Autorin Sue Robinson von der University of Wisconsin vor allem geht: Zu zeigen, wie in einer professionell erstellten Online-Zeitung traditionelle Grenzen und auch klar definierte Berufsrollen verschwimmen und Nachrichten nicht mehr als „fertiges Produkt“ präsentiert werden, sondern in einem permanenten Interaktionsprozess zwischen Journalisten und Publikum entstehen und fortgeschrieben werden. <span id="more-5961"></span></p>
<p>Dabei schwinde die Trennung von Privat- und Berufsleben mehr und mehr, weil die Redakteure als „Netizens“ zwar nicht mehr notwendigerweise physisch in der Redaktion präsent seien, dafür aber sich tendenziell rund um die Uhr im Einsatz befänden (Journalism Monographs, Vol. 13, No.3, 2011). Allerdings hat die Studie ein Manko: Auf der Seite des aktiven Publikums, der „Citizen Journalists“, unterscheidet Robinson nicht zwischen „Normalbürgern“, die – aus was für Motiven auch immer &#8211; als Laien kommunizieren und solchen Teilnehmern, die als Kommunikationsprofis auf den Journalismus Einfluss nehmen.</p>
<p>So entsteht dann wohl ein zu rosarotes Bild von den Möglichkeiten des neuen „partizipativen Journalismus“. Immerhin: Ein Anfang ist gemacht. Aus der Ferne lässt sich auch die Zusammenarbeit zwischen einer kleinen amerikanischen Online-Regionalzeitung und einer der führenden „Schools of Journalism“ bei dieser Begleitforschungs-Studie als vorbildlich bezeichnen. Hierzulande warten wir dagegen noch auf wissenschaftliche Studien, die den Transformationsprozess in den Newsrooms und seine Folgen genauer unter die Lupe nehmen.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Schweizer Journalist Nr. 12/2011 + 1/2012</em></p>
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		<title>Anschluss statt Ausschluss</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 11:29:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nora Weis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienpädagogik]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Anschluss statt Ausschluss]]></category>
		<category><![CDATA[Ingo Bosse]]></category>
		<category><![CDATA[Lehrstuhl motorische Entwicklung und frühe Hilfen der Technischen Universität Dortmund]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>

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		<description><![CDATA[Für die „Digital Natives“ ist der Umgang mit neuen Medien selbstverständlich, für psychisch und körperlich beeinträchtigte Menschen leider nicht. Im August 2010 startete im Rahmen des Lehr- und Forschungsseminars Medienpädagogik der TU Dortmund das Projekt „Anschluss statt Ausschluss“ unter der Leitung von Prof. Dr. Ingo Bosse vom Lehrstuhl motorische Entwicklung und frühe Hilfen der Technischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-5736 alignleft" title="Foto: Rudolpho Duba  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/11/computer.jpg" alt="" width="180" height="179" /></a>Für die „Digital Natives“ ist der Umgang mit neuen Medien selbstverständlich, für psychisch und körperlich beeinträchtigte Menschen leider nicht. </strong></p>
<p>Im August 2010 startete im Rahmen des Lehr- und Forschungsseminars Medienpädagogik der TU Dortmund das Projekt „Anschluss statt Ausschluss“ unter der Leitung von Prof. Dr. Ingo Bosse vom Lehrstuhl motorische Entwicklung und frühe Hilfen der Technischen Universität Dortmund. Ein Jahr später zieht er eine erste Bilanz.</p>
<p><strong><em>Mit welcher Zielvorgabe haben Sie das Projekt „Anschluss statt Ausschluss“ gestartet?</em></strong></p>
<p><em><strong></strong>Letztendlich ging es uns um die Förderung von Medienkompetenz für Menschen mit  hohem Hilfebedarf – Menschen, die aufgrund ihrer Biografie eine geringe Medienkompetenz haben. Die Teilnehmer waren in einem Alter zwischen 20 und Mitte 30, also in einem Alter, in dem man heutzutage eigentlich eine relativ hohe Medienkompetenz hat. <span id="more-5731"></span>Neben der Vermittlung von Medienkompetenz für Menschen mit hohem Hilfebedarf ging es uns auch um die Förderung von Medienbildungskompetenz von unseren Studierenden des Lehramts für sonderpädagogische Förderung Rehabilitation und Pädagogik bei Körperbehinderung – sie sollten erfahren, wie man einer bestimmten Zielgruppe Medienbildung vermittelt und hatten die Aufgabe, Computerkurse für diese spezifische Zielgruppe zu gestalten.  An diesen Kursen in Dortmunder Wohnheimen haben Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen oder psychischen Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen teilgenommen.</em></p>
<div id="attachment_5737" class="wp-caption alignright" style="width: 148px"><em><img class="size-full wp-image-5737" title="" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/11/Ingo-Bosse.jpg" alt="" width="138" height="185" /></em><p class="wp-caption-text">Ingo Bosse</p></div>
<p><strong><em>Da treffen ja die unterschiedlichsten Erkrankungen und Lebensgeschichten aufeinander. Wie konnten Sie die unterschiedlichen Bildungsstufen in Ihren Computerkursen miteinander vereinbaren?</em></strong></p>
<p><em>Das bedeutete für uns natürlich eine große Herausforderung. Wir hatten auch Teilnehmer, die Probleme hatten mit dem Lesen und dem Schreiben, aber auch Menschen mit einer hohen Intelligenz, die aufgrund anderer psychischer Erkrankungen in diesem Wohnheim wohnen und kognitiv durchaus in der Lage sind, anspruchsvoll am Computer zu arbeiten. Weil ihnen allerdings im Verlauf ihrer Biografie relativ wenig zugetraut wurde, konnten sie diese Dinge nie erlernen. Das tolle an diesem Projekt war, bei den Teilnehmern eine große Begeisterung für das Thema zu sehen und relativ schnell Fortschritte erzielen zu können. Alle Teilnehmer hatten natürlich unterschiedliche Erfahrungen. Einige kannten sich schon ganz gut aus, insofern mussten wir auch darauf achten, bei welchen Vorerfahrungen  wir bei den einzelnen Teilnehmern anknüpfen konnten. Für einige war es das erste Mal, dass ihnen überhaupt zugetraut wurde, mit Computern zu arbeiten. Für sie war es eine ganz neue Erfahrung, sich ernst genommen zu fühlen und zu merken: Ich kann genau die gleichen Medien bedienen wie die anderen und werde nicht darauf reduziert, dass etwas kaputt gehen könnte oder nicht funktionieren könnte.</em></p>
<p><strong><em>Wer hat die Kurse geleitet?</em></strong></p>
<p><em>Den Pilotkurs im Wohnheim in Dortmund-Eving habe ich persönlich durchgeführt. Das haben wir auf die drei weiteren Kurse von den Studierenden des Lehrstuhls in den weiteren Wohnheimen übertragen. Wir haben nach einem bestimmten Konzept gearbeitet das sich „<a href="http://www.mekonet.de/t3/index.php?id=43&amp;tx_ttnews[tt_news]=1519&amp;tx_ttnews[backPid]=85&amp;cHash=638d329d0857b155c94fde5f2c90372d " target="_blank">Inklusive Medienarbeit</a>“ nennt. Das basiert auf der „Methode der leicht zurückweisbaren Angebote“. Das heißt es gibt einen Experten, der die Inhalte vermittelt &#8211; in diesem Fall war ich das &#8211; und es gibt immer einen Lernenden und einen Assistenten, die sich auf Augenhöhe begegnen. Wir haben mit relativ leichten Lernübungen angefangen. In den ersten Sitzungen ging es zum Beispiel um die einfache Handhabung der Maus, um auch auf feinmotorische Schwierigkeiten einzugehen. Einige der Bewohner haben mit dem Programm Paint komplett schwarze Bilder gemalt, das war nun mal deren persönlicher Geschmack.</em></p>
<p><strong><em>Sind Menschen mit Behinderung denn unbedingt auf Menschen ohne Behinderung angewiesen, um einen Zugang zu den Medien zu bekommen?</em></strong></p>
<p style="text-align: left;" align="center"><em>Diese Frage finde ich sehr wichtig. Ich kann sie relativ knapp beantworten: Nein. Trotzdem sage ich noch mehr dazu. Auch bei Menschen mit Behinderung gibt es  manche, die  können gut alleine mit Medien umgehen, andere wiederum benötigen Unterstützung. Das eigentliche Problem ist hierbei jedoch: Meistens wird ihnen der Umgang mit den Medien nicht zugetraut oder man meint aus irgendeinem Grund, sie abschotten oder behüten zu müssen.</em></p>
<p><strong><em>Und wie kann man dem entgegen treten?</em></strong></p>
<p><em>Ein Anspruch, den ich persönlich habe &#8211; allerdings auch bei Menschen ohne Behinderung – ist, die kritische Mediennutzung zu fördern. Wenn man ohnehin schon eine psychische Erkrankung oder eine andere Lernbeeinträchtigung hat, ist das natürlich schwieriger und man muss es anschaulicher und handlungsorientierter vermitteln. Die Medien bedienen &#8211; können viele alleine, man muss es ihnen nur zutrauen. Der Unterschied zwischen digitaler Realität und dem wirklichen Leben muss dem Nutzer bewusst werden. Bei Menschen mit Behinderung ist der kritische Blick häufig schwächer ausgeprägt. So hatte sich ein Bewohner, der zwar bereits Erfahrungen im Umgang mit Computern hatte, einmal im Internet mit einem Mädchen verabredet und war hinterher sehr enttäuscht, dass sie in Wirklichkeit ganz anders aussah.</em></p>
<p><strong><em>Ist die Darstellung von Menschen mit Behinderung in den Medien ebenfalls ein großes Thema für Sie?</em></strong></p>
<p><em>Auch Menschen mit Behinderung geht es in den Medien um gute Unterhaltung und kompetente Information. Natürlich darf man auch über das Thema Behinderung lachen, und das darf sogar auch unterhaltend sein. Mir geht es jedoch darum, einen besonderen Blick dafür zu entwickeln. Gott sei Die Darstellung von Menschen mit Behinderung ist in den Medien in den letzten 20 Jahren deutlich besser geworden. Medien können immer nur gesellschaftliche Realitäten darstellen. Dadurch, dass das Thema der gleichberechtigten Teilhabe behinderter Menschen auch gesellschaftlich immer mehr verankert ist und diskutiert wird, ist auch die Mediendarstellung eine andere geworden. Wenn man sich jedoch länger damit auseinandersetzt, entdeckt man, dass sich bestimmte Klischees und Stereotype, die sich medienhistorisch entwickelt haben, tatsächlich immer noch halten.</em></p>
<p><strong><em>Können Medien tatsächlich bilden?</em></strong></p>
<p><em><strong></strong>In der klassischen Aufteilung gibt es zum einen die Vermittlung von Medienkompetenz. Die Arbeit mit Medien lässt sich aufteilen in Lernen mit Medien, Medienbildung und Medienerziehung, also der kritischen Auseinandersetzung mit Medien. Es geht aber nicht nur um klassische Mediendidaktik; Medien sind mittlerweile ein Bildungsbereich wie Theater oder das bildnerische Gestalten. Ich sehe die Medien mittlerweile auch als klassische Kulturwerkzeug. Dazu gehört auch der kreative Ausdruck mit Medien. Dass  das bei Menschen mit Behinderung zum Teil anders aussieht ist klar, aber gerade das ist spannend. Sie haben oft einen anderen Blick und ein anderes ästhetisches Empfinden. Dort würde ich auch den Bereich der Medienbildung am stärksten verankern, also im kulturellen Selbstausdruck mit Medien. Da kommen oft überraschende Einsichten und Dinge, auf die man selbst mit seinem vorgefertigten Blick nie gekommen wäre. Zwar sind bei einigen Menschen mit Behinderung die kognitiven Möglichkeiten begrenzter, aber das heißt nicht, dass bei der Auseinandersetzung und der Arbeit mit Medien keine spannenden kreativen Dinge entstehen können. In unserem Anfangskurs mit Paint sind überraschend tolle Bilder entstanden. Wir sollten uns diesbezüglich grundsätzlich eine Offenheit bewahren und akzeptieren, dass auch das eine Umgangsweise mit Medien ist.</em></p>
<p><strong><em>Gibt es zurzeit genügend gleichartige Projekte für Menschen mit Behinderung?</em></strong></p>
<p><em>In diesem Jahr sehe ich eine große Aufmerksamkeit für das Thema. Im März gab es einen großen medienpolitischen Kongress in Berlin „Keine Bildung ohne Medien“. Es gab zum ersten Mal eine „Arbeitsgemeinschaft Medienbildung“ für Menschen mit Behinderung und eine Veröffentlichung dazu. In den Forderungen ist es also ganz deutlich mit aufgenommen worden, mehr in diesem Bereich und auch im Vorhinein in der Lehrerbildung zu tun. Das Thema Partizipation tauchte am Wochenende vom 18. bis 20. November 2011 das erste mal im GMK-Forum Kommunikationskultur in Nürnberg auf. Am 30. November veranstaltet die Medienberatung NRW eine Tagung zum Thema „All inclusive“, wo nicht nur das Thema Medienbildung für Menschen mit Behinderung, sondern auch andere marginalisierte Gruppen angesprochen werden. Auch wir werden im nächsten März eine Tagung dazu veranstalten (<a href="http://www.fk-reha.tu-dortmund.de/Koerperbehinderten/cms/de/Tagung/index.html" target="_blank">Anschluss statt Ausschluss</a>).  Zumindest auf der Ebene der Institution und Wissenschaftsebene ist das Thema inzwischen präsenter. Was fehlt, sind zielgruppenspezifische Konzepte dafür.</em></p>
<p><strong><em>Also wird viel darüber geredet, aber wenig gehandelt?</em></strong></p>
<p><em>Behindertenverbände und die Sonderpädagogik haben die Medienpädagogik neu entdeckt. Und das im Rahmen der Inklusion, die ja momentan breiter diskutiert wird. Ich erhoffe mir zumindest, dass durch die Signale auf dieser Ebene auch mehr Projekte initialisiert werden. Die außerschulische Medienpädagogik ist da schon ein bisschen weiter, mit dem Projekt <a href="http://www.medienarbeit-nrw.de/cms-projekte/medienkompetent-teilhaben/medienkompetent-teilhaben.html" target="_blank">Medienkompetent teilhaben!</a> gibt es erstmals eine umfangreiche Fortbildung zur inklusiven Medienarbeit, die von der Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit NRW initiiert worden ist. Das ist das erste Mal, dass so etwas überhaupt konkret im Gesamten umgesetzt wird. Ansonsten gibt es immer nur Einzelprojekte.</em></p>
<p><strong><em>Was bedeutet Integration auf medialer Ebene betrachtet?</em></strong></p>
<p><em>Menschen mit Behinderung sind ein integraler Bestandteil medialer Darstellung. Aber sie können auch im Medienbereich beruflich mitwirken. Da gibt es nach wie vor große Barrieren, auch im Journalismus. Ich kenne einige körperlich behinderte Journalisten, die verzweifelt nach einer Anstellung im journalistischen Bereich suchen. Als Rollstuhlfahrer ist es nun mal nach wie vor schwierig, als Journalist barrierefrei arbeiten zu können. Da tauchen dann viele Fragen auf: Wie kann man die Außentermine wahrnehmen und O-Töne sammeln? Integration trifft also auch auf das Arbeitsfeld für Menschen mit Behinderung zu, und es betrifft nicht nur die Journalistik. Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung ist nach wie vor deutlich höher als die von Menschen ohne Behinderung &#8211; und das wiederum betrifft auch den Medienbereich.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Datenjournalismus bietet Mehrwert</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Nov 2011 14:45:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justine Gay</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Datenjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[David McCandless]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[infobesity]]></category>
		<category><![CDATA[Nicolas Voison]]></category>
		<category><![CDATA[OWNI]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Internet werden jeden Tag unzählige Inhalte  produziert. In der Konsequenz sind User der “infobesity” ausgesetzt: Dem Risiko, wegen der zu großen Informationsfülle zu vergessen, was sie im Internet gesehen und gelesen haben. Deshalb erfand David McCandless ein neues graphisches System, mit dessen Hilfe sich Nachrichtenkonsumenten Informationen besser merken können &#8211; dank einer Zusammenstellung verschiedener [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.flickr.com/photos/ownipics/4839932933/sizes/s/in/faves-36152631@N05/"><img class="size-full wp-image-5711 alignleft" title="Foto: Ownipics / Flickr" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/11/datenjournalismus.jpg" alt="" width="180" height="240" /></a>Im Internet werden jeden Tag unzählige Inhalte  produziert. In der Konsequenz sind User der “infobesity” ausgesetzt: Dem Risiko, wegen der zu großen Informationsfülle zu vergessen, was sie im Internet gesehen und gelesen haben.</strong></p>
<p>Deshalb erfand David McCandless ein neues graphisches System, mit dessen Hilfe sich Nachrichtenkonsumenten Informationen besser merken können &#8211; dank einer Zusammenstellung verschiedener Formen und Farben. (mehr dazu im französischen Magazin <a href="http://www.lesinrocks.com/medias/numerique-article/t/71798/date/2011-10-22/article/datavisionnaire/" target="_blank">Les Inrocks</a>) Die Ergebnisse seiner Arbeit hat McCandless in dem Buch “Datavision” zusammengefasst.</p>
<p>Mit seiner Erfindung bringt McCandless den Datenjournalismus voran, der darin besteht, Informationen aus Datenbanken zu extrahieren und in einer für die User leichter verständlichen Art bereitzustellen. Datenjournalismus basiert auf animierten Computergrafiken und ermöglicht es dem Leser, umfangreiche Informationen anschaulicher darzustellen, insbesondere auf einem interaktiven Tablet-PC. <span id="more-5707"></span></p>
<p>In Frankreich gehörte das soziale Netzwerk <a href="http://owni.fr/" target="_blank">OWNI </a>zu den Vorreitern des Datenjournalismus.  Die Website, die 2009 von Nicolas Voisin ins Leben gerufen wurde, gilt als  „Labor für digitalen Journalismus“, das unter der Berücksichtigung der Creative Commons Inhalte für traditionelle Medien generiert. Die größte Besonderheit der Website ist, dass sie sich nicht aus Werbung finanziert.</p>
<p>OWNI integriert auch interaktive und partizipative Instrumente. Etwa 40 Prozent der Inhalte werden von 1.000 Bloggern produziert, deren Arbeit von Journalisten ergänzt wird.  Bei OWNI arbeiten 15 Beschäftigte in den Bereichen Entwicklung, Design und Journalismus.</p>
<p>Kritiker sagen, dass Datenjournalismus so viele redaktionelle Ebenen enthält (Videos, Computergrafiken), dass es für Nutzer immer schwieriger wird nachzuvollziehen, wie die Informationen entstanden sind. Dennoch wurde OWNI bereits zwei Mal von der Online News Association als die beste Online-Nachrichtenseite in nicht-englischer Sprache ausgezeichnet. Eines ist sicher: Der Trend Datenjournalismus sollte im Auge behalten werden.</p>
<p><em>Justine Gay macht einen Master in Journalismus an der <a href="http://www.sciencespo-toulouse.fr/" target="_blank">Science Po Toulouse</a>. Dieser Artikel entstand im Seminar &#8220;Medienjournalismus&#8221; unter der Leitung der deutschen EJO-Editorin Tina Bettels, die  im Rahmen der ERASMUS-Dozenten-Mobilität drei Wochen an der französischen Hochschule verbracht hat.</em></p>
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