<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>EJO - European Journalism Observatory &#187; Ressorts</title>
	<atom:link href="http://de.ejo-online.eu/category/ressortjournalismus/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://de.ejo-online.eu</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Fri, 18 May 2012 11:53:16 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2.1</generator>
		<item>
		<title>Nachhilfe zur Finanzkrise</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/6669/ressortjournalismus/nachhilfe-zur-finanzkrise</link>
		<comments>http://de.ejo-online.eu/6669/ressortjournalismus/nachhilfe-zur-finanzkrise#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 09 May 2012 08:57:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ressorts]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Henry]]></category>
		<category><![CDATA[Cristina Marconi]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gabriele Reckinger]]></category>
		<category><![CDATA[Schuldenkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Volker Wolff]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://de.ejo-online.eu/?p=6669</guid>
		<description><![CDATA[Weil die Schuldenkrise gerade wieder hochzukochen beginnt, sei im folgenden auf zwei Arbeiten verwiesen, die stark journalistisch geprägt sind und doch auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Sie sind bereits 2011 in Reaktion auf das Krisendebakel in einem forschungsaffinen Umfeld entstanden &#8211; und dürfen dennoch für sich in Anspruch nehmen, im Mai 2012 aktueller denn je zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="size-full wp-image-6681 alignleft" title="Foto: Gerd Altmann  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/gewinn1.jpg" alt="" width="240" height="240" />Weil die Schuldenkrise gerade wieder hochzukochen beginnt, sei im folgenden auf zwei Arbeiten verwiesen, die stark journalistisch geprägt sind und doch auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.</strong></p>
<p>Sie sind bereits 2011 in Reaktion auf das Krisendebakel in einem forschungsaffinen Umfeld entstanden &#8211; und dürfen dennoch für sich in Anspruch nehmen, im Mai 2012 aktueller denn je zu sein.</p>
<p>Gabriele Reckinger und Volker Wolff, beide hochangesehene Wirtschaftsjournalisten und letzterer darüber hinaus Journalistik-Professor an der Universität Mainz, haben etwas zustande gebracht, was im Zeitalter von Wikipedia und Corporate Spin Doctoring altmodisch anmuten mag, aber notwendiger denn je sein dürfte. Sie haben ein Kompendium „Finanzjournalismus“ verfasst, das alles andere als ein klassisches Lehrbuch ist und doch als Ratgeber in jede Wirtschaftsredaktion gehört. Weil das eklatante Problem des Finanzjournalismus im Zeitalter ausgedünnter Redaktionen und florierender Gratisangebote vor allem  mangelnde Sachkenntnis der hochkomplexen Finanzwelt sein dürfte, haben sie 56 beschlagene Kolleginnen und Kollegen gebeten, ihr Fachwissen zu einzelnen Stichworten preiszugeben. <span id="more-6669"></span>So ist ein bemerkenswert lesbares und kenntnisreiches Buch entstanden, das nicht nur über Behavioral Finance, Hedge Fonds, Private Equity, Termingeschäfte und anderes aufklärt, sondern Journalisten gezielt mit Tips versorgt, was sie zu solchen Themen bei ihren eigenen Recherchen wissen sollten.</p>
<p>Nur eine Kostprobe: Andreas Henry, bis vor kurzem Korrespondent der <em>Wirtschaftswoche</em> in New York, warnt vor einer Berufsgruppe, die sich inzwischen auch in renommierten Blättern mit ihren Börsentipps austoben dürfen: „Journalisten, die sich bei ihrer Arbeit stark auf das Urteil und die Berichte von Analysten verlassen, sind entweder zu faul, oder nicht in der Lage, sich etwa durch das Studium von Bilanzen oder durch eigene Recherchen ein Bild über ein Unternehmen zu machen.“ Ein guter Journalist liefere den Analysten Informationen, nicht umgekehrt. Vor allem sollten Journalisten wissen, in wessen Interesse Analysten agierten: Es gebe solche auf der „Sell Side“, die von einer Bank oder einem Broker beschäftigt würden und die „mit ihren Unternehmensstudien Aktienkäufe generieren sollen, für die die Bank oder der Broker dann Gebühren kassiert“. Analysten auf der „Buy Side“ arbeiteten dagegen für einen institutionellen Investor. Ein unabhängiges Urteil sei von solchen Leuten also eher nicht zu erwarten.</p>
<p>Zu einer ganz anderen Forschungsarbeit hat die Krise Cristina Marconi inspiriert, eine italienische Journalistin, die in Brüssel als Korrespondentin gearbeitet hat, bevor sie am Reuters Institute for the Study of Journalism in Oxford Fellow wurde. Sie hat sich angesehen, wie führende Blätter in Italien, Frankreich und Großbritannien über die Europäische Union und den griechischen Schuldenberg berichtet haben. Die <em>Financial Times</em> ausgenommen, beobachteten alle von ihr untersuchten Blätter die Geschehnisse in Brüssel jeweils „nur aus dem Blickwinkel nationaler Interessen“. Es gebe keine unvoreingenommene Sicht; damit verstellten sich die Journalisten den Blick auf das, was auf der europäischen Ebene wirklich passiere. Die Griechenland-Krise sei ein gutes Beispiel dafür, wie die Presse die „toughen“ Fragen zum Gebaren der EU-Institutionen gar nicht mehr stelle, gerade weil sie entweder ihre europhilen oder ihre euroskeptischen Vorurteile kultiviere. Es liege in der Natur der Sache, dass die EU sehr häufig Kompromisse kommunizieren müsse – also Politik-Ergebnisse, „mit denen sich oft keiner mehr richtig identifizieren kann.“</p>
<p>Das freilich gilt auch anderswo für die Kunst des Möglichen. Vielleicht ist das eigentliche Problem der EU ein ganz anderes: Sie investiert viel zu viel Geld in Selbstdarstellung und Public Relations – statt etwa durch eine großzügige Förderung  journalistischer Aus- und Weiterbildung an den wenigen europäischen Hochschulen und an Bildungsstätten wie dem European Journalism Center in Maastricht dafür zu sorgen, dass ihre Arbeit von wirklich fachkundigen, aber eben auch kritischen Journalisten begleitet wird.</p>
<p><span style="color: #888888;">Gabriele Reckinger/Volker Wolff (Hg.): Finanzjournalismus, Konstanz: UVK 2011</span></p>
<p><span style="color: #888888;">Cristina Marconi: Does the Watchdog Bark? The European Union, the Greek Debt Crisis and the Press, Reuters Institute for the Study of Journalism, University of Oxford, 2011</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><a href="http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/about/news/item/article/does-the-watchdog-bark-the-europea.html"><span style="color: #888888;">http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/about/news/item/article/does-the-watchdog-bark-the-europea.html</span></a></span></p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Schweizer Journalist Nr. 4+5/2012</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://de.ejo-online.eu/6669/ressortjournalismus/nachhilfe-zur-finanzkrise/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zur Skandaldynamik in der Wirtschaft</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/6579/ressortjournalismus/zur-skandaldynamik-in-der-wirtschaft</link>
		<comments>http://de.ejo-online.eu/6579/ressortjournalismus/zur-skandaldynamik-in-der-wirtschaft#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 18 Apr 2012 14:18:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tina Bettels</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ressorts]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmerksamkeitsmaximierung]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Zürcher Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftsberichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftsskandale]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://de.ejo-online.eu/?p=6579</guid>
		<description><![CDATA[Internationale Großbanken und Unternehmen stehen seit einigen Jahren europaweit zunehmend im Fokus der – oftmals skandalisierten – Berichterstattung. Inwieweit Skandalisierungen in der Wirtschaftsberichterstattung in der Schweiz seit den 1960er Jahren zugenommen haben, hat nun der Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich analysiert. Wichtigstes Ergebnis: Die fög-Studie „Zur Skandaldynamik in der Wirtschaft“ zeigt eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-6582 alignleft" title="Foto: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/finanzindustrie.jpg" alt="" width="240" height="180" /></a><strong>Internationale Großbanken und Unternehmen stehen seit einigen Jahren europaweit zunehmend im Fokus der – oftmals skandalisierten – Berichterstattung.</strong></p>
<p>Inwieweit Skandalisierungen in der Wirtschaftsberichterstattung in der Schweiz seit den 1960er Jahren zugenommen haben, hat nun der Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich analysiert. Wichtigstes Ergebnis: Die fög-Studie „Zur Skandaldynamik in der Wirtschaft“ zeigt eine kontinuierliche Zunahme der Bedeutung von Wirtschaftsskandalen im Mediendiskurs. Vor allem ab den 1990er Jahren erhalten Skandalisierungen von Wirtschaftsthemen massiv mehr Aufmerksamkeit.</p>
<p>Immer häufiger gehören sie seitdem in der Berichterstattung der vom fög untersuchten Medien <em>Neue Zürcher Zeitung</em>, <em>Tages-Anzeiger</em> und <em>Blick </em>zu den zehn größten Kommunikationsereignissen pro Jahr. Während in den 1980ern vor allem die Pharmabranche mit dem Seveso-Giftgasskandal und dem Brand beim Chemiekonzern Sandoz Negativschlagzeilen machte, dominiert seit 1998 die Berichterstattung über die Finanzindustrie die Liste der Wirtschaftsskandalisierungen, ausgehend vom Kollaps der Lehman Brothers bis zum Versagen der Finanzmärkte.<span id="more-6579"></span></p>
<p>Im Zeitraum 1998 bis 2004 rückte die Berichterstattung über die Swissair-Pleite in den Vordergrund der Berichterstattung. Von 2008 bis 2010 überwogen aber wieder eindeutig Skandalisierungen der Finanzindustrie, also des Bankensektors. Im Jahr 2009 machten sie laut der fög-Forscher sogar knapp 45% der Beiträge innerhalb der Top-10-Kommunikationsereignisse aus.</p>
<p>Als Ursachen der intensivierten Skandaldynamik sehen die Wissenschaftler zum einen den Wunsch nach Aufmerksamkeitsmaximierung im kommerzialisierten Mediensystem. Davor ist, wie die Studie zeigt, zunehmend auch der jahrzehntelang als seriös und zuweilen trocken geltende Wirtschaftsjournalismus nicht mehr gefeit – auch hier kämpfen Redaktionen nun mit dem Mittel der Skandalisierung um die Aufmerksamkeit des Wirtschaftspublikums. Zum anderen könne die gewachsene Zurschaustellung der Wirtschaft auch auf Effekte des sozialen Wandels zurückgeführt werden. Die neoliberale Ära, die seit den 1990er Jahren herrsche, habe den gesellschaftlichen Erwartungsfluss auf das Teilsystem Wirtschaft kanalisiert. Die Finanzindustrie steige zur Leitindustrie auf und stehe zunehmend unter öffentlicher Beobachtung.</p>
<p>Die Folgen der Dauerbeobachtung durch die Medien liegen auf der Hand, so die Forscher: sie geraten unter verstärkten Legitimationsdruck.</p>
<p>Mehr Informationen zur Studie „Zur Skandaldynamik in der Wirtschaft“ finden Sie auf der <a href="http://jahrbuch.foeg.uzh.ch/Seiten/default.aspx" target="_blank">Website des fög</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://de.ejo-online.eu/6579/ressortjournalismus/zur-skandaldynamik-in-der-wirtschaft/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die regionale Lücke</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/6545/ressortjournalismus/die-regionale-lucke</link>
		<comments>http://de.ejo-online.eu/6545/ressortjournalismus/die-regionale-lucke#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 10 Apr 2012 13:47:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Torsten Schäfer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ressorts]]></category>
		<category><![CDATA[Brüssel]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Regionalmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Regionalzeitung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://de.ejo-online.eu/?p=6545</guid>
		<description><![CDATA[Europäische Öffentlichkeit ist zu einem Trendthema in der Medienforschung geworden. Das eigentliche Massenmedium wurde dabei aber kaum betrachtet: die Regionalzeitung. Das Forschungsfeld der europäischen Öffentlichkeit hat sich rasant entwickelt. Doch Regionalzeitungen wurde dabei kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei ist ihr Potenzial zur Europäisierung der Öffentlichkeit, und damit zur Reduktion des öffentlichkeits- und Demokratiedefizits der Europäischen Union, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-6549 alignleft" title="Foto: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/EU.jpg" alt="" width="240" height="259" /></a>Europäische Öffentlichkeit ist zu einem Trendthema in der Medienforschung geworden. Das eigentliche Massenmedium wurde dabei aber kaum betrachtet: die Regionalzeitung.</strong></p>
<p>Das Forschungsfeld der europäischen Öffentlichkeit hat sich rasant entwickelt. Doch Regionalzeitungen wurde dabei kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei ist ihr Potenzial zur Europäisierung der Öffentlichkeit, und damit zur Reduktion des öffentlichkeits- und Demokratiedefizits der Europäischen Union, besonders groß: Die Regionalpresse ist das eigentliche Massenmedium; zwei Drittel der Deutschen nutzen sie als tägliche Informationsquelle. Und diese Mediengattung berichtet dort, wo die EU-Politik oft direkt Wirkung zeigt: in der Region, in Kreisen und Kommunen. Vor diesen Hintergründen schien es geboten, die Entstehungsbedingungen der regionalen EU-Berichterstattung zu erkunden und offen zu legen.</p>
<p>Dies geschah auf Grundlage einer Aufarbeitung des bisherigen Kenntnisstandes zum EU-Journalismus, verbunden mit einer Analyse des EU-Demokratiedefizits. Bestandteile der empirischen Studie waren eine teilnehmende Redaktionsbeobachtung, auf die 24 Leitfadeninterviews mit Ressortleitern von Politikredaktionen folgten. Inhaltsanalysen, telefonische Experteninterviews und Fragebögen waren weitere Methoden, die zum Einsatz kamen. <span id="more-6545"></span>So gelang es erstmals, ein vielschichtiges Bild der regionalen EU-Berichterstattung in den Heimatredaktionen zu zeichnen, nachdem Deike Schmidt 2008 mit ihrer Analyse „Ein bisschen wie Volkshochschule“ bereits die Arbeit der EU-Korrespondenten deutscher Regionalzeitungen untersucht hatte.</p>
<p>Wenige Arbeiten zeigten, dass die regionale EU-Berichterstattung ähnliche Schwächen hat wie die überregionale Berichterstattung. Dazu kommen andere Defizite, die verhindern, dass ein breiter europäischer Mediendiskurs entsteht – wenn nicht ein Megathema wie die Schuldenkrise Europa zum Dauerbrenner macht. In normalen Zeiten wird, gemessen an ihrer innenpolitischen Bedeutung, zu wenig über die EU berichtet. Rund 80 Prozent aller Vorschriften, die in Deutschland rechtliche Wirkung entfalten, gehen auf Vorgaben aus Brüssel zurück. Dieser Einfluss wird jedoch nicht angemessen wiedergegeben. Großereignisse wie Ratsgipfel und Referenden überwinden durchaus die hohen Hürden und gelangen ins Blatt. Weniger spektakuläre Themen des politischen Alltags werden dagegen häufig ausgeblendet.</p>
<p>Welche Strukturen stehen hinter dieser ausbleibenden Berichterstattung? Und wie berichten die Regionalblätter, wenn sie es tun? Was denken die Redakteure über die EU? Wie stehen sie zu ihr? All diese Fragen sollten geklärt werden. Methodisch hieß das, nach den Faktoren zu suchen, die auf die Redaktionen einwirken.</p>
<p>Zuerst sind grundlegende Punkte zu nennen: Die Medienkrisen der Jahre 2002 und 2008/9 bestimmen  als konjunkturelle  Größen das Arbeitsumfeld massiv. Auflagen- und Anzeigenverluste sowie das Abwandern jüngerer Leserschichten beeinflussen als strukturelle, dauerhafte Komponenten die Rahmenbedingungen der regionalen EU-Berichterstattung  ebenfalls stark. Infolge dieser Probleme ist der Platz für politische Nachrichten in den Regionalzeitungen über die Jahre vielerorts geschwunden. Aufgrund des Platzmangels wird oft erst gar nicht über die EU und/oder ihre regionalen Auswirkungen berichtet, oder der hochkomplexe EU-Stoff wird bis zur Unverständlichkeit verkürzt. Beim Kürzen geht oft der Hinweis verloren, dass die EU eine Rolle spielt – und es kommt zur so genannten verdeckten EU-Berichterstattung: Gesetze und Verordnungen werden mit rein deutschem Hintergrund berichtet, obwohl sie ihren Vorlauf in Brüssel genommen haben. Dass das Anti-Diskriminierungsgesetz Ergebnis von europäischen Richtlinien ist, muss gesagt werden. Andernfalls erscheint die Politik immer nur national, obwohl sie europäisch ist.</p>
<p>Ähnlich tiefgreifend wie der Platzmangel wirkt sich der Personalmangel aus: Er verhindert Spezialisierungen, größere Recherchen sowie grundsätzlich Eigeninitiative. Die strukturellen Zwänge verhindern also das regionale Engagement. Ideelles und kreatives Potenzial ist in den Redaktionen, so einer der Hauptbefunde der Studie, aber durchaus vorhanden. Es kann nur nicht genügend abgerufen werden. Die befragten Leitungsredakteure sind fast durchweg integrationsfreundlich eingestellt; EU-Skepsis war nur in Einzelfällen zu beobachten. Die Einstellungen von Verlagen und Chefredaktionen erscheinen ebenfalls meist positiv. Neben den Wunsch der Blattmacher nach einer weiteren politischen Vertiefung tritt allerdings eine differenzierte EU-Kritik, die v. a. das EU-Demokratiedefizit in den Blick nimmt. Ein europapolitisches Demokratieverständnis, das u. a. nach mehr Subsidiarität und regionaler Beachtung verlangt, prägt zumeist das Denken der Redakteure, die sich auch häufig gut mit grundlegenden EU- Fragen wie etwa dem Lissabonner Vertrag auskennen. Sachwissen ist also durchaus vorhanden. Im redaktionellen Kollegium fehlt es häufiger, auch wenn hier ebenfalls meist eine große Aufgeschlossenheit gegenüber der EU zu finden ist. Wissen und Haltung klaffen weit auseinander.</p>
<p>Stärker vorhanden als bisher vermutet sind nach Ansicht der Redaktionen die Interessen der Leser für die EU bzw. für bestimme Aspekte ihrer Politik. Denn für die Redakteure bestehen zwei Gemeinschaften: Es gibt die „Verbraucher-Union“, die mit der Umsetzung ihrer Gesetze tief in den regionalen Alltag eingreift, was sich in einer mal stärkeren, mal schwächeren EU-Dimension einer regionalen, deutschen Thematik ausdrückt. Und es gibt die rein politisch-institutionelle „Brüssel-Union“, die kaum das Leserinteresse bedient. Innerhalb dieses Deutungsmusters  wird die EU als außenpolitisches Thema gesehen, aus der Perspektive der Verbraucher-Union ist sie ein innenpolitisches Thema. Insofern müssen die bisherigen Forschungsergebnisse, wonach die EU in Redaktionen fast immer als außenpolitische Thematik wahrgenommen wird, revidiert werden.</p>
<p>Neben Verbraucherfragen ist die EU-Regionalpolitik mit ihren Fördertöpfen das wichtigste Thema für Regionalmedien. Danach folgen – außerhalb von Eurokrise und Schuldenstreit – die Agrar-, Umwelt- und Wettbewerbspolitik der Europäischen Union. An der Küste ist zudem die Fischereipolitik ein großes Thema, die 2012 umfassend reformiert wird.</p>
<p>Themenkomplexität, Konfliktmangel in  der konsensorientierten EU-Politik und das Fehlen von politischem Personal sind in der Forschung oft beschriebene allgemeine Determinanten, die Journalisten in Brüssel wie in Deutschland die Arbeit erschweren. In diesen Bereich fällt auch die EU-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die unterschiedlich stark wirkt: Einer Scheu gegenüber der Kommission in Brüssel steht die regelmäßige Nutzung der – öfter gelobten – Pressearbeit deutscher Kommissionsvertretungen  gegenüber. Die europapolitische Pressearbeit von Land, Kommunen und Kreisen wird von den Redaktionen kaum genutzt – obwohl deren wichtigste allgemeine Strategie die Regionalisierung von Ereignissen ist, die auf den vorderen Seiten zugenommen hat. Europa ist jedoch nicht Teil der Strategie. Bei der Recherche fallen zwei andere Dinge auf: die Vermeidung von Kontakten mit der Brüsseler Ebene und die Präferenz für Europaabgeordnete als Recherchequelle. Die Abgeordneten sind mit das entscheidende Scharnier für die Regionalblätter. Von der Quantität und Qualität der Pressearbeit und dem persönlichen Engagement des lokalen Europaabgeordneten, das mal existiert, teils aber auch ausfällt, hängt stark ab, wie oft sie berichten. Die große Unkenntnis europapolitischer Onlinequellen ist ein weiterer Befund. Selbst die wichtigsten EU-Fachdienste wie Euractiv.com, EUobserver.com oder politikportal.eu sind den wenigsten Ressortleitern und Leitungsredakteuren ein Begriff. Geschweige denn der wertvolle Themen-Newsletter „Europa vor Ort“ eines Korrespondentenbüros in Brüssel.</p>
<p>Der Kontakt zu einem Korrespondenten ist keineswegs Standard. Viele kleinere Lokal- und Regionalblätter haben keinen Mitarbeiter in Brüssel, was folgenschwer ist: Hat eine Zeitung einen Korrespondenten, bekommt sie eigene EU-Geschichten, lernt das sperrige ‚Brüssel‘ über den persönlichen Kontakt besser kennen. Wenn nicht, bleibt all dies aus und fällt ein wichtiger Einflussfaktor weg. Die Regionalkorrespondenten in Brüssel arbeiten meist für mehrere Blätter, mehr als zehn Zeitungen können es sein. Bei dieser breiten Streuung ist ein Korrespondent oft nur zum bundesweiten Rundumschlag fähig. Eine stete Berichterstattung über die speziellen Themen einer Region – wie etwa die Hafenrichtlinie für Norddeutschland oder die Weinmarktreform für Rheinland-Pfalz – kann er aus zeitlichen Gründen nicht immer leisten. Beeinflusst wird die Zusammenarbeit mit den Redaktionen auch durch deren Organisation der Nachrichtenauswahl: Systeme mit vollständiger Personalrotation wie das Newsdesk-System sind ungünstig, reine Ressortstrukturen oder Mischformen mit höchstens zwei zuständigen Kontaktpersonen günstig für die Zusammenarbeit mit dem Kollegen in Brüssel.</p>
<p>Defizite ergeben sich auch bei der redaktionellen Organisation: EU-Fachredakteure, also Kollegen, die nach formeller Festlegung ein Auge auf ‚Europa‘ haben, fehlen öfter in den Redaktionen als sie vorhanden sind. Unterentwickelt sind redaktionelle Kommunikation und Kooperation: Strategien wie Teambildungen und Planungskonferenzen spielen kaum eine Rolle in der regionalen EU-Berichterstattung. Umso wichtiger sind dafür die – oft gelobten – Nachrichtenagenturen, da sie die Inhalte der Berichterstattung zu großen Teilen bestimmen. Und sie wirken durch ihr Agenda-Setting auf die Nachrichtenauswahl der Redakteure und deren Verhalten gegenüber den Korrespondenten ein.</p>
<p>Das Offenlegen ihrer Gründe ändert zunächst nichts an der Hauptproblematik: Dort, wo die EU in vielen Teilen das Leben beeinflusst und die Bürger Politik hautnah erleben, ist die Medienberichterstattung wenig europäisch: in der Region. Um die regionale EU-Berichterstattung zu fördern, müssten Regionalzeitungen zum einen ihre Korrespondentenstellen in Brüssel ausbauen. Das wird aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht geschehen.</p>
<p>Wichtiger und deutlich günstiger ist die zweite Veränderungsstrategie: Aus- und Weiterbildung im EU-Bereich. Die Zahl der Angebote an Hochschulen und Akademien hat zugenommen. Jedoch gibt es keine verpflichtenden Strukturen. Es bleibt nach wie vor dem Zufall überlassen, ob sich ein Journalist in seiner Ausbildung – angefangen in der Schule bis hin zu Studium und Journalistenschule – mit der EU beschäftigt. Deutsche Staatskunde ist dagegen Pflicht, auf mindestens einer Bildungsebene. Die EU ist aber zu wichtig, um sie dem Zufall zu überlassen. Deshalb wäre eine flächendeckende Strukturierung der europajournalistischen Aus- und Weiterbildung wünschenswert; Berufsverbände, Verbünde von Hochschulen oder die Bundesverbände von Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern könnten hierfür Modelle entwickeln.</p>
<p>In jüngster Zeit ist ein Trend in Redaktionen zu erkennen, Weiterbildungsetats zu kürzen und Redakteure nicht mehr so oft freizustellen. Dem muss zuallererst Vorschub geleistet werden. Denn wenn sie nicht genutzt werden, streichen Weiterbildungsstellen ihre aufgebauten EU-Kurse wieder. Erste Beispiele dafür gibt es schon jetzt.</p>
<p><span style="color: #888888;">Literatur</span></p>
<p><span style="color: #888888;">Schäfer, Torsten (2011): Brüssel – vermeintlich fern. Zum europäischen Denken und Handeln deutscher Regionalzeitungen. Konstanz: UVK.</span></p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Journalistik Journal Nr. 1 / 2012</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://de.ejo-online.eu/6545/ressortjournalismus/die-regionale-lucke/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>„Mittendrin statt nur dabei!“</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/5550/ressortjournalismus/eigeninteressen-empirisch-eruieren</link>
		<comments>http://de.ejo-online.eu/5550/ressortjournalismus/eigeninteressen-empirisch-eruieren#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 03 Nov 2011 14:05:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Schaffrath</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ressorts]]></category>
		<category><![CDATA[empirische Kommunikatorforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Rollenselbstverständnis]]></category>
		<category><![CDATA[Sportjournalisten]]></category>
		<category><![CDATA[Sportkommunikatorforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Sportressort]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://de.ejo-online.eu/?p=5550</guid>
		<description><![CDATA[Sport Kritische Bilanz der bisherigen Sportkommunikatorforschung Seit fast 40 Jahren beschäftigt sich die empirische Kommunikatorforschung auch mit Sportjournalisten. Trotz dieser relativ langen Zeit fällt die Forschungsbilanz in quantitativer wie qualitativer Hinsicht eher ernüchternd aus, vor allem wenn man die steigende gesellschaftliche Relevanz und die wachsende publizistische Dominanz des Sujets und seiner Protagonisten berücksichtigt. Denn aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="text-decoration: underline;">Sport</span><br />
<a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-5569 alignleft" title="Foto: Marco Kröner  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/11/sport1.jpg" alt="" width="240" height="180" /></a><strong>Kritische Bilanz der bisherigen Sportkommunikatorforschung</strong></p>
<p>Seit fast 40 Jahren beschäftigt sich die empirische Kommunikatorforschung auch mit Sportjournalisten. Trotz dieser relativ langen Zeit fällt die Forschungsbilanz in quantitativer wie qualitativer Hinsicht eher ernüchternd aus, vor allem wenn man die steigende gesellschaftliche Relevanz und die wachsende publizistische Dominanz des Sujets und seiner Protagonisten berücksichtigt. Denn aus den ehemaligen „Außenseitern der Redaktion“ (Weischenberg 1976) sind längst die „Aufsteiger im Journalismus“ (Görner 1995) geworden, von denen mancher sogar zu den „Topstars der Medienbranche“ (Schaffrath 2002) gehört.</p>
<p>„Der Einzug des Kommerz-Fernsehens hat den Sportjournalismus gewaltig verändert“, resümiert Hans Leyendecker von der „Süddeutschen Zeitung“ zu Recht (2005: 32). Kein anderes Ressort im Journalismus ist derart von Ökonomisierungs- und Kommerzialisierungsprozessen betroffen wie das Sportressort. <span id="more-5550"></span>Die mediale Auswahl von Sportereignissen orientiert sich immer stärker an ökonomischen Pos­tulaten und weniger an journalistischen Prämissen. „Der messbare Erfolg beim Publikum und auf den Werbemärkten ist entscheidend. Unter der Regie von ‚Programmdirektor Einschaltquote’, ‚Chefredakteur Auflagenzahl’ sowie ‚Contentmanager Pageimpressions’ wird entschieden, was berichterstattenswert ist und sich verkaufen lässt. (…) Nicht die publizistische Diktion, sondern immer mehr das ökonomische Diktat definiert die Berichterstattungsräume“ (Schaffrath 2010a: 102).</p>
<p>„Mittendrin statt nur dabei!“ – die Sportjournalisten, die sowohl für eine qualifizierte mediale Vermittlung von Sportinhalten zu sorgen haben, als auch eine gewinnmaximierende ökonomische Vermarktung der Ware Sport anstreben müssen. Und dies nicht nur im Sinne des wirtschaftlichen Erfolges ihrer Redaktionen, sondern auch bezogen auf den Erhalt der eigenen Arbeitsplätze sowie persönlicher Karrierechancen. Dass „wir ausgerechnet die Eigeninter­essen der Journalisten aus der Debatte um die Ökonomisierung der Medien ausblenden“ (Fengler/Ruß-Mohl 2005: 19), ist schon für die Journalismusforschung im Allgemeinen zu monieren. Aber dieser Kritikpunkt gilt für wissenschaftliche Beschäftigung mit dem hochkommerzialisierten Sportjournalismus in ganz besonderer Weise. Doch bislang wurde von der Sportkommunikatorforschung empirisch kaum analysiert, inwieweit das veränderte sportjournalistische Sein in den Redaktionen das Bewusstsein der sportjournalistischen Redakteure verändert hat. Wobei niemand ernsthaft bestreiten wird, dass derartige Veränderungen stattgefunden haben und stattfinden.</p>
<p><strong>Relative Unvergleichbarkeit</strong></p>
<p>Die bislang vorliegenden Untersuchungen sind aufgrund unterschiedlicher methodischer Herangehensweisen kaum miteinander zu vergleichen. Repräsentative Vollerhebungen stellen die Ausnahme dar. Fallstudien mit bestimmten regionalen Schwerpunkten oder einer gewissen Fokussierung auf spezielle Berufsgruppen überwiegen. Zudem divergieren die Verfahren zur Stichprobenziehung ebenso wie die Anzahl der untersuchten Sportjournalisten. Je nach Untersuchungsanlage reicht das Spektrum der befragten Personen von 30 bis 1.739. Die Datenerhebung erfolgt mal mittels schriftlicher Befragungen (postalisch oder online) oder auch durch mündliche Interviews (persönlich oder telefonisch). Eine chronologisch angelegte Synopse offeriert einen Überblick über die methodischen Unterschiede der wichtigsten Studien.</p>
<div id="attachment_5553" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/11/schaffrath_tab1.jpg"><img class="size-medium wp-image-5553" title="schaffrath_tab" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/11/schaffrath_tab1-300x135.jpg" alt="" width="300" height="135" /></a><p class="wp-caption-text">zum Vergrößern auf das Bild klicken</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Probleme theoretischer Provenienz</strong></p>
<p>Bedingt durch die allgemeine Dominanz systemtheoretischer Modellierungen des Journalismus sind auch in der Sportkommunikatorforschung über Jahrzehnte teilsystemische, codespezifische, programmatische, normative, strukturelle, organisatorische oder redaktionelle Erfordernisse als die wichtigsten Einflussfaktoren für sportjournalistisches Agieren gesehen worden. Die seit Mitte der 1990er Jahre von einigen renommierten Kommunikationswissenschaftlern wiederholt angemahnte Beachtung der „personalistischen Perspektive“ (Saxer 1997: 45) oder der „Subjekt-Sphäre“ (Donsbach 1999: 508-509) und die damit einhergehende Forderung, die „individuellen Handlungsbedingungen“ sowie „Eigeninteressen“ (Kepplinger 2000: 94-97) von Medienmitarbeitern in den Untersuchungen stärker zu beachten, wurde von der Sportkommunikatorforschung zunächst gar nicht wahrgenommen bzw. erst mit erheblicher Zeitverzögerung bedacht.</p>
<p>Darüber hinaus spielte ebenso der Anspruch, die Folgen von Ökonomisierungsprozessen und die Effekte einer zunehmenden Kommerzialisierung auf Journalisten empirisch intensiver zu erforschen (vgl. Kaase et al. 1997: 14-15; Kiefer 1997: 57), in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Sportjournalisten höchstens deskriptiv, aber keinesfalls analytisch eine Rolle. Dementsprechend ist auch der von Fengler und Ruß-Mohl im Jahr 2005 auf den Journalismus transferierte akteurstheoretische Ansatz, in dem der Journalist als „Homo oeconomicus“ modelliert wird, der vor allem seinen eigenen Nutzen auf der Basis rationaler Vorteils-/Nachteils-Kalkulationen verfolge (vgl. Fengler/Ruß-Mohl 2005: 18 und 107-121), in der Sportkommunikatorforschung bisher selten theoretisch diskutiert (vgl. Schaffrath 2006: 132-165) und empirisch nur einmal – lediglich im Rahmen einer Fallstudie – überprüft worden (vgl. Schaffrath 2010b und Schaff­rath 2011).</p>
<p><strong>Umstrittene Schlüsselkategorie</strong></p>
<p>Analog zur allgemeinen Kommunikatorforschung stellt auch in der Sportkommunikatorforschung das Rollenselbstverständnis die zentrale Schlüsselkategorie dar. Unter dem Rollenselbstverständnis versteht Donsbach jene „Erwartungen, die sich die Inhaber dieser Rollen aneignen und die bei ihnen zu bestimmten regelmäßigen Einstellungen und Verhaltensweisen führen. Übertragen auf den Journalismus bedeutet Rollenselbstverständnis: Was sehen Journalisten als legitime Erwartungen anderer an ihren Beruf an, so dass sie sich diese Erwartungen für ihr Selbstbild und ihr Aufgabenverständnis zu eigen machen?“ (Donsbach 2005: 415) Über das Reflektieren und Internalisieren externer Rollenerwartungen hinaus gehen Weischenberg, Malik und Scholl bei ihrer Begriffsdefinition. Sie subsumieren unter Rollenselbstverständnis jene „kommunikativen Ziele und Absichten (…), mit denen Journalisten ihren Beruf ausüben“ (Weischenberg et al. 2006b: 355) und fokussieren insbesondere die Frage, was Journalisten selber wollen (vgl. Weischenberg et al. 2006a: 97).</p>
<p>Obwohl das Rollenselbstverständnis in seiner Aussagekraft für die Berichterstattung äußerst umstritten ist und auch unklar bleibt, welchen Einfluss das Rollenselbstverständnis in welchen Situationen und in welcher Intensität tatsächlich auf das konkrete berufliche Handeln ausübt (vgl. vor allem Weischenberg et al. 2006a: 98-100 und Meyen 2009: 331), bleibt es in der bisherigen Sportkommunikatorforschung die zentrale Untersuchungskategorie. Dass es sich beim Rollenselbstverständnis um ein „vielschichtiges Einstellungskonstrukt“ handelt (vgl. Esser/Weßler 2002: 188), wurde in den bisher vorliegenden Untersuchungen zu Sportjournalisten weder theoretisch noch empirisch adäquat aufgearbeitet.</p>
<p><strong>Methodische Defizite </strong></p>
<p>Die systemtheoretische Dominanz und die damit einhergehende Ignoranz von Ich-bezogenen Individuen und deren Eigeninteressen hat in der Sportkommunikatorforschung lange Zeit dafür gesorgt, nur solche Selbstbeschreibungen zu erheben, die vor allem normative Vorgaben, allgemein akzeptierte Vorstellungen und konsentierte Gemeinwohlorientierungen reflektierten. Hierdurch wurde ein idealisiertes Rollenverständnis repräsentiert und tradiert. Für die Ermittlung ökonomisch determinierter Eigeninteressen und für die Erfassung persönlich motivierter Berufsabsichten der Sportjournalisten sind die meisten der bisherigen Studien wenig aussagekräftig. Dies liegt primär daran, dass den Befragten immer wieder vorgegebene Antwortlis­ten vorgelegt worden sind, die sehr ähnliche und fast ausschließlich norm- und gemeinwohlorientierte Aufgaben beinhalteten, um deren Intensität mit drei- oder fünfstufigen Skalen zu messen. Potentielle ökonomische Absichten oder mögliche Individualintentionen standen den Befragten oft gar nicht erst zur Auswahl. Dementsprechend wünschen sich Fengler und Ruß-Mohl richtigerweise den Einsatz „modifizierter Fragebögen“ oder gar „anderer Befragungstechniken“, wenn man ökonomisch determinierten Kommunikationsabsichten und anders motivierten Eigeninteressen auf die Spur kommen will (vgl. Fengler/Ruß-Mohl 2005: 114-115). Die Sportkommunikatorforschung steht bei der Umsetzung solch berechtigter Ansprüche noch ziemlich am Anfang.</p>
<p><strong>Zukunftswünsche</strong></p>
<p>Der Beruf des Sportjournalisten wird sich in vielerlei Hinsicht weiter dynamisch wandeln. Medientechnologische Innovationen und ökonomische Imperative werden auf der einen Seite redaktionelle Erwartungshaltungen erhöhen sowie Anforderungsprofile an den Einzelnen weiter modifizieren, um auf der anderen Seite die Selbstwahrnehmung und Eigeninteressen sportjournalistischer Mitarbeiter ebenfalls zu verändern. Die künftige Sportkommunikatorforschung sollte diese Prozesse und ihre Konsequenzen aufmerksam beobachten und kritisch begleiten.</p>
<p>Dazu bedarf es zunächst einer Erweiterung bisher gewählter theoretischer Perspektiven. Neben den sinnvollen und weiterhin berechtigten systemtheoretischen Verortungen scheint zur Erfassung ökonomisch determinierter, aber vor allem persönlich motivierter Berufsabsichten das Berücksichtigen akteurstheoretischer Modelle – speziell des Rational-Choice-Ansatzes – empfehlenswert. Um nicht missverstanden zu werden: Dies ist keinesfalls ein Plädoyer dafür, die ontologischen Sichtweisen früherer Zeiten „systemblind“ zu reaktivieren. Es geht vielmehr darum, die vorhandenen und das berufliche Handeln irgendwie beeinflussenden persönlichen Präferenzen von Sportjournalisten in künftigen Studien auch theoretisch umfassender zu reflektieren.</p>
<p>Empirisch wünschenswert wären zweifellos nationale, europaweite oder gar international vergleichende Repräsentativ-Befragungen von Sportjournalisten, die dabei die Sportmitarbeiter sämtlicher Medienbereiche adäquat berücksichtigen, um generalisierbare Ergebnisse zu liefern. Da solche Großprojekte aber oft kaum finanzierbar und auch forschungsökonomisch nur schwer realisierbar sind, könnten als „Alternativprogramm“ medienspezifische Studien entwickelt werden. Diese sollten nicht nur Sportjournalisten von TV-Sendern oder Tageszeitungen in den Fokus nehmen, sondern sich auch um die seit Jahren eher vernachlässigten Sportredakteure und Freien Mitarbeiter im Hörfunk, bei Sportzeitschriften und Internetportalen sowie Presseagenturen kümmern.</p>
<p>Auch das Spektrum an Befragungstechniken könnte intensiver ausgeschöpft werden als bislang geschehen. Standardisierte schriftliche und mündliche Befragungen sollten ergänzt werden durch qualitative Interviews. Über die Methode der Beobachtung hat man sich bisher in der Sportkommunikatorforschung ebenfalls zu wenige Gedanken gemacht. Neben qualitativen Interviews könnte die Beobachtung zu einem sehr hilfreichen Instrument der Berufsfeldforschung werden. Sicher ließen sich damit die facettenreichen Interrelationen und komplexen Interdependenzen in den Redaktionen bzw. zwischen den Redakteuren besser erfassen als mit standardisierten Befragungen. Nicht nur wegen des großen Forschungsaufwandes und der hohen Zeitintensität sind Beobachtungen jedoch nur flankierend einsetzbar. Unabhängig von der Befragungsart sind Fragebögen zu konzipieren, die nicht mit antiquierten Antwortvorgaben operieren, sondern mit solchen, die die aktuelle Berufswirklichkeit von Sportjournalisten unter der Prämisse veränderter Rahmenbedingungen differenziert erfassen.</p>
<p>Bislang lief die Sportkommunikatorforschung der allgemeinen Kommunikatorforschung sowohl theoretisch wie empirisch hinterher. Es wird Zeit, dies zu ändern!</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Donsbach, Wolfgang: Journalismus und journalistisches Berufsverständnis. In: Wilke, Jürgen (Hrsg.): Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1999, S. 489-517.</li>
<li>Donsbach, Wolfgang: Rollenselbstverständnis. In: Weischenberg, Siegfried/Kleinsteuber, Hans J./Pörksen, Bernhard (Hrsg.): Handbuch Journalismus und Medien. Konstanz 2005, S. 415-420.</li>
<li>Ehl, Lisa/Fey, Amelie: Das Berufsprofil „Sportjournalist 2004“. Eine repräsentative Befragung der Sportjournalisten in Deutschland. Köln 2004. (Unv. Diplom­­arbeit)</li>
<li>Esser, Frank/Weßler, Hartmut: Journalisten als Rollenträger: Redaktionelle Organisation und berufliches Selbstverständnis. In: Jarren, Otfried/Weßler, Hartmut (Hrsg.): Journalismus – Medien – Öffentlichkeit. Eine Einführung. Wiesbaden 2002, S. 165-240.</li>
<li>Fengler, Susanne/Ruß-Mohl, Stephan: Der Journalist als „Homo oeconomicus“. Konstanz 2005.</li>
<li>Frütel, Sybille: Toy Department for Men. Eine empirische Studie zum internationalen Sportjournalismus. Köln-Pulheim 2005.</li>
<li>Görner, Felix: Vom Außenseiter zum Aufsteiger. Ergebnisse der ersten repräsentativen Befragung von Sportjournalisten in Deutschland. Berlin 1995.</li>
<li>Kaase, Max/Neidhardt, Friedrich/Pfetsch, Barbara: Politik und Ökonomie der Massenkommunikation: Forschungsdesiderate unter veränderten Strukturbedingungen des Mediensystems. In: Publizistik, 1/1997, S. 3-15.</li>
<li>Kepplinger, Hans Mathias: Problemdimensionen des Journalismus. Theoretischer Anspruch und empirischer Ertrag. In: Löffelholz, Martin (Hrsg.): Theorien des Journalismus. Ein diskursives Handbuch. Wiesbaden 2000, S. 81-99.</li>
<li>Kiefer, Marie Luise: Votum für eine publizistikwissenschaftlich orientierte Medien-ökonomie. In: Publizistik, 1/1997, S. 54-61.</li>
<li>Knief, Martina: Sportjournalismus als Beruf. Eine Befragung. Darmstadt 1991.</li>
<li>Lerch, Gerhard: Der Sportjournalist aus der Sicht von Sportjournalisten. Eine schriftliche Umfrage zur Sportberichterstattung in Presse und Rundfunk unter Berücksichtigung der Kommerzialisierung des Sports. Mainz 1989. (Magisterarbeit)</li>
<li>Leyendecker, Hans: Wer zahlt, schafft an. In: Süddeutsche Zeitung v. 5. August 2005, S. 32.</li>
<li>Mertens, Frank: Zur Sachkompetenz und zum Selbstverständnis der Sportjournalisten an ausgewählten deutschen Tageszeitungen. Berlin 1993. (Magisterarbeit)</li>
<li>Mertes, Harald: Der Sportjournalist. Ein Beitrag zur Kommunikatorforschung. Mainz 1974. (Magisterarbeit)</li>
<li>Meyen, Michael: Das journalistische Feld in Deutschland. Ein theoretischer und empirischer Beitrag zur Journalismusforschung. In: Publizistik, 3/2009, S. 323-345.</li>
<li>Nause, Martina: Das Selbstverständnis von Sportjournalisten unter besonderer Berücksichtigung sich wandelnder sozialer Strukturen. Ein empirischer Beitrag zur Kommunikatorforschung. Münster 1988. (Magisterarbeit)</li>
<li>Saxer, Ulrich: Kommunikationsforschung und Kommunikatoren. Konstitutionsprobleme einer publizistikwissenschaftlichen Teildisziplin. In: Bentele, Günter/Haller, Michael (Hrsg.): Aktuelle Entstehung von Öffentlichkeit. Konstanz 1997, S. 39-54.</li>
<li>Schaffrath, Michael: Sportjournalismus in Deutschland (2002). In: Schwier, Jürgen (Hrsg.): Mediensport. Ein einführendes Handbuch. Schorndorf 2002, S. 7-26.</li>
<li>Schaffrath, Michael: Spitzensport und Sportjournalismus. Empirische Studie zum grundlegenden Verständnis der Beziehungen zwischen zwei Subsystemen und Akteurgruppen. Köln-Pulheim 2006.</li>
<li>Schaffrath, Michael: Sportjournalismus. In: Quandt, Siegfried/Deutscher Fachjournalisten-Verband (Hrsg.): Fachjournalismus. Expertenwissen professionell vermitteln. Konstanz 2010a, S. 99-119.</li>
<li>Schaffrath, Michael: Vermittler, Vermarkter und Verkäufer. Empirische Studie zum beruflichen Selbstverständnis von TV-Sportjournalisten. In: Medien &amp; Kommunikationswissenschaft, 2/2010b, S. 247-267.</li>
<li>Schaffrath, Michael: Sein und Bewusstsein von TV-Sportjournalisten. Selbstverständnis, Themenselektion und Zukunftsaussichten angesichts wachsender Kommerzialisierungseffekte im Fernsehsport. In: Fachjournalist, 1/2011, S. 8-14.</li>
<li>Thielemann, Marko: Kommunikatorforschung: Das Selbstverständnis im Sportjournalismus. Eine empirische und exemplarische Untersuchung deutscher Fernseh-Sportjournalisten. Berlin 2008.</li>
<li>Weischenberg, Siegfried: Die Außenseiter der Redaktion. Struktur, Funktion und Bedingungen des Sportjournalismus. Bochum 1976.</li>
<li>Weischenberg, Siegfried: Annäherungen an die „Außenseiter“. Theoretische Einsichten und vergleichende empirische Befunde zu Wandlungsprozessen im Sportjournalismus. In: Publizistik, 4/1994, S. 428-452.</li>
<li>Weischenberg, Siegfried/Malik, Maja/Scholl, Armin: Die Souffleure der Mediengesellschaft. Report über die Journalisten in Deutschland. Konstanz 2006a.</li>
<li>Weischenberg, Siegfried/Malik, Maja/Scholl, Armin: Journalismus in Deutschland 2005. Zentrale Befunde der aktuellen Repräsentativbefragung deutscher Journalisten. In: Media Perspektiven, 7/2006b, S. 346-361.</li>
</ul>
<p><em>Erstveröffentlichung: Journalistik Journal Nr. 2 / 2011</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://de.ejo-online.eu/5550/ressortjournalismus/eigeninteressen-empirisch-eruieren/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Neurose der Demontage</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/5446/ressortjournalismus/die-neurose-der-demontage</link>
		<comments>http://de.ejo-online.eu/5446/ressortjournalismus/die-neurose-der-demontage#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 22 Sep 2011 09:08:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt W. Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ressorts]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesrat]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<category><![CDATA[Demontage]]></category>
		<category><![CDATA[Mediendatenbank]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkampagnen]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Silvio Berlusconi]]></category>
		<category><![CDATA[Zürcher SVP]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://de.ejo-online.eu/?p=5446</guid>
		<description><![CDATA[Politik Je näher die Parlamentswahlen in der Schweiz rücken, umso erklärbarer wird die Blocher-Fixierung der Medien. Die Schweizer Mediendatenbank ist das kollektive Gedächtnis unseres Journalismus. Alle Artikel, die seit den achtziger Jahren geschrieben worden sind, sind hier im Volltext abgespeichert. Vorher gab es nur zufällige Zettelarchive. Der erste erfasste Artikel zu Christoph Blocher zum Beispiel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="text-decoration: underline;">Politik</span><br />
<strong><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-5447 alignleft" title="Foto: Stefan Emilius  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/09/Archiv.jpg" alt="" width="230" height="160" /></a></strong></p>
<p><strong>Je näher die Parlamentswahlen in der Schweiz rücken, umso erklärbarer wird die Blocher-Fixierung der Medien. </strong></p>
<p>Die Schweizer Mediendatenbank ist das kollektive Gedächtnis unseres Journalismus. Alle Artikel, die seit den achtziger Jahren geschrieben worden sind, sind hier im Volltext abgespeichert. Vorher gab es nur zufällige Zettelarchive.<br />
<span id="more-5446"></span></p>
<p>Der erste erfasste Artikel zu Christoph Blocher zum Beispiel stammt vom 15. Januar 1981. Er erschien im Tages-Anzeiger, geschrieben von Wilfried Maurer, dem Ratsberichterstatter des Blattes. Maurer berichtete über einen Parteitag der Zürcher SVP und deren Präsidenten Blocher. &#8220;Krawalle: Wir haben genug!&#8221;, hieß das Motto der Veranstaltung.</p>
<p>Seit Anfang 1981 sind in der Schweizer Presse 79 036 Artikel erschienen, die sich mit der Person Blochers beschäftigen. Zum Vergleich: Bei Kaspar Villiger, der in Politik und Wirtschaft genauso lang aktiv ist, sind es 28 231 Artikel.</p>
<p>Interessant und paradox daran ist, dass die Artikelflut über Blocher dann erst so richtig anschwoll, als Blocher niemand mehr war. Nach seiner Abwahl am 12. Dezember 2007 war er nunmehr weder Bundesrat noch Ständerat, noch Nationalrat, noch Parteipräsident, noch Unternehmer. Dennoch erschienen seit der Abwahl 24 219 Artikel, in denen er ein Thema war. Über Jesus Christus, wieder zum Vergleich, waren es 2285 Artikel.</p>
<p>24 219 Blocher-Artikel, das ist deutlich mehr, als in den letzten vier Jahren über publizistisch populäre Bundesrätinnen wie Micheline Calmy-Rey oder Doris Leuthard geschrieben worden ist. Das ist ungewöhnlich, weil Exekutivmitglieder allein schon wegen ihrer Regierungsrolle und ihren öffentlichen Pflichtprogrammen stärker im Fokus der Journalisten stehen.</p>
<p>Es handelt sich also um eine Blocher-Neurose, eine Art krankhafter Fixierung. Sie kann leicht erklärt werden, weil es dabei um das Herz des Journalismus geht. Es gibt einige Triebfedern für Journalismus, aber die wichtigste Triebfeder ist immer dieselbe geblieben. Die wichtigste Triebfeder des Journalismus ist die Demontage.</p>
<p>Das ultimative Ziel eines ambitionierten Journalisten ist die Zerstörung einer Karriere. Natürlich werden die Journalisten das öffentlich nie zugeben. Im privaten Gespräch aber sind sie sich einig. Die erfolgreiche Demontage ist die einzig wahre journalistische Trophäe.</p>
<p>Es spielt keine Rolle ob es sich um ungerechtfertigte Abschüsse handelt, etwa von Figuren wie UBS-Präsident Peter Kurer oder Bundesanwalt Erwin Beyeler. Beide hatten keine größeren Fehler im Job gemacht, und kleinere Fehler macht jeder. Aber sie waren auf einmal Zielobjekt einer medialen Treibjagd, die wiederum auf die Entscheidungsgremien wirkte. Manchmal entstehen die Treibjagden eher zufällig. Dann breiten sie sich spiralförmig aus und gewinnen an Stärke, weil die Aussicht auf die Zerstörung einer Karriere dermaßen verlockend wird.</p>
<p>Damit sind wir zurück bei Blocher. Er wurde Tausende Male in die Verdammnis geschrieben. Seine Karriere war aus Journalistensicht Tausende Male ruiniert, etwa bei Niederlagen in Wahlkämpfen, bei gescheiterten Volksinitiativen, bei umstrittenen Werbeaktionen, bei Kritik an seiner Amtsführung und dann final bei der Abwahl aus dem Bundesrat. Nach allen Regeln der Schreibzunft war der Mann x-fach erledigt und tot.</p>
<p>Das Unverzeihliche ist, dass Blocher politisch noch lebt. Es ist unverzeihlich, weil es die ganz große Ausnahme ist. Auch zähe Widerständler gegen wachsenden Mediendruck wie Roland Nef, Marcel Ospel und Claude Beglé hielten nur einige Monate oder einige Jahre lang durch. Dann waren sie durch die Medienkampagnen ausgebombt.</p>
<p>Es gibt nur zwei Politiker auf der ganzen Welt, die dauernd totgeschrieben wurden und weiter am Leben sind. Der andere ist Silvio Berlusconi.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Weltwoche Nr. 37 / 2011</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://de.ejo-online.eu/5446/ressortjournalismus/die-neurose-der-demontage/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Aufklärung oder Angstmache?</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/5357/ressortjournalismus/aufklarung-oder-angstmache</link>
		<comments>http://de.ejo-online.eu/5357/ressortjournalismus/aufklarung-oder-angstmache#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 12:31:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Meißner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ressorts]]></category>
		<category><![CDATA[ARD]]></category>
		<category><![CDATA[Bilder]]></category>
		<category><![CDATA[Inhaltsanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Nachrichten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachrichtenwert]]></category>
		<category><![CDATA[Propagandawirkung]]></category>
		<category><![CDATA[RTL]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus-Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[ZDF]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://de.ejo-online.eu/?p=5357</guid>
		<description><![CDATA[Die Medienrealität des Terrors in den Nachrichten von ARD, ZDF und RTL Wenn Journalisten über Terrorismus berichten, wandeln sie zwangsläufig auf einem schmalen Grat. Die Gratwanderung besteht vor allem darin, der journalistischen Informationspflicht nachzukommen, sich aber gleichzeitig so wenig wie möglich als Medium für die terroristische Botschaft instrumentalisieren zu lassen. Denn terroristische Handlungen und ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="size-full wp-image-5369 alignleft" title="Foto: Gerd Altmann  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/09/Terror.jpg" alt="" width="230" height="160" />Die Medienrealität des Terrors in den Nachrichten von ARD, ZDF und RTL </strong></p>
<p>Wenn Journalisten über Terrorismus berichten, wandeln sie zwangsläufig auf einem schmalen Grat. Die Gratwanderung besteht vor allem darin, der journalistischen Informationspflicht nachzukommen, sich aber gleichzeitig so wenig wie möglich als Medium für die terroristische Botschaft instrumentalisieren zu lassen. Denn terroristische Handlungen und ihre Androhung dienen vor allem propagandistischen Zwecken. <span id="more-5357"></span>Sie zielen darauf ab, Furcht zu erzeugen und auf diese Weise Gesellschaft und Politik zu verändern. Hieran zeigt sich die hohe Bedeutung einer reflektierten und verantwortungsvollen Berichterstattung, die sachlich über Gefahren aufklärt und sie in eine angemessene Relation setzt.</p>
<p>Eine der größten Herausforderungen für den Journalismus: Der Terrorismus nutzt die Macht der Bilder. Er inszeniert seine Anschläge zunehmend, um eine möglichst hohe Propagandawirkung zu erreichen, wie Terrorismusforscher Michael Jenkins schon Mitte der 1970er Jahre beobachtete [1]. Die Anschläge vom 11. September 2001 haben Jenkins in so bestürzender wie eindrucksvoller Weise bestätigt. Sie sind wie kaum ein anderes Medienereignis im kollektiven Gedächtnis der westlichen Welt verhaftet – und haben in den Folgejahren offenbar zu einem erheblichen Anstieg der Terrorismus-Berichterstattung geführt [2]. Aber <em>wie</em> berichten deutsche TV-Sender seither über islamistischen Terrorismus? Dies ist die Ausgangsfrage der zugrunde liegenden Diplomarbeit, die sich dafür mit den drei wichtigsten deutschen Fernsehprogrammen ARD, ZDF und RTL auseinandergesetzt hat.</p>
<p>Die untersuchten Nachrichten-Ereignisse wurden bewusst so ausgewählt, dass sie keine Anschläge, sondern weniger beleuchtete Facetten der Terrorismus-Berichterstattung repräsentieren: die Enthauptung des US-amerikanischen Zivilisten Nicholas Berg im Irak (Mai 2004), der falsche Terror-Großalarm in der New Yorker Metro (Oktober 2005) und das versuchte „Kofferbomben“-Attentat auf deutsche Regionalzüge (Juli 2006). In letzterem Fall erstreckt sich die Auswertung auf die drei relevantesten Berichterstattungstage bis einschließlich der Verurteilung des Haupttäters (Dezember 2008). Per Inhaltsanalyse wurden jeweils die wichtigsten Nachrichtensendungen von ARD, ZDF und RTL ausgewertet. Dabei wurden in erster Linie die Positionierung der Beiträge sowie die Häufigkeit von Reizwörtern [3] erhoben. Mit den entwickelten Erkenntnissen und Fragestellungen wurden anschließend in Experteninterviews Oliver Hähnel (Tagesschau-CvD/ARD), Elmar Theveßen (stellv. Chefredakteur und Terrorismus-Experte/ZDF) und Michael Ortmann (Terrorismus-Experte/RTL) konfrontiert.</p>
<div id="attachment_5372" class="wp-caption alignleft" style="width: 373px"><img class="size-full wp-image-5372" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/09/Grafik-1-Terrorismus.jpg" alt="" width="363" height="291" /><p class="wp-caption-text">Position der Themen mit Terrorismus-Bezug in der Sendung nach Programm, eig. Darstellung</p></div>
<p>Eines der auffälligsten Ergebnisse der Inhaltsanalyse: Für RTL haben die  untersuchten Ereignisse eindeutig den höchsten Nachrichtenwert. In den  ausgewerteten Sendungen (n=50) befinden sich die entsprechenden Themen  bei RTL zu 66,7%, bei der ARD zu 52,9% und beim ZDF zu 44,4% unter den  Top 3 der jeweiligen Beiträge. Diese Erkenntnis passt zu Untersuchungen,  nach denen das Privatfernsehen in Deutschland stärker auf angst- bzw.  gewaltbezogene Themen setzt als die Öffentlich-Rechtlichen [4].</p>
<p>Betrachtet man die Gesamtgewichtung der berichteten Ereignisse mithilfe eines Gewichtungskoeffizienten, der neben der Positionierung eines Themas in der Sendung auch die Art und Anzahl der Beiträge berücksichtigt, wird deutlich: Am meisten Bedeutung wurde dem Enthauptungsvideo beigemessen (durchschnittlicher Koeffizient 5,5), danach folgt das Überwachungsvideo, das einen der Kofferbomber am Kölner Hauptbahnhof zeigt (4,7), und erst mit weitem Abstand die ersten Meldungen zum Fund von Gasflaschen in Regionalzügen (2,5), die Verurteilung des gescheiterten Kofferbomben-Attentäters (2,2) und der falsche Terroralarm in New York (1,6). ZDF und RTL haben jeweils das Enthauptungsvideo am höchsten gewichtet, die ARD das Überwachungsvideo des Kofferbombers.</p>
<p>Dass die beiden Themen mit der stärksten Visualisierung am höchsten gewichtet werden, ist bei einer Untersuchung zur Fernsehberichterstattung zunächst nicht überraschend. Bemerkenswert ist aus journalistischer Sicht aber durchaus, dass das insgesamt am stärksten gewichtete Thema eine einzelne Ermordung ist, die – bei aller Grausamkeit – keine allzu weit reichenden politischen Konsequenzen hatte und die Zuschauer in Deutschland nicht direkt betraf. Daran ist erkennbar, dass Visualität die Bedeutsamkeit als Nachrichtenfaktor bei weitem schlägt. Diesen Eindruck bestätigt auch die unterschiedliche Aufbereitung des Videomaterials. So zeigen ZDF und RTL zwar nicht die Enthauptung selbst, unterlegen allerdings in einzelnen Beiträgen das Ziehen des Messers mit den Todesschreien aus der Enthauptungssequenz – eine ethisch höchst bedenkliche Darstellung, die beim ZDF sogar mehrfach so zu sehen war. Der heutige stellvertretende Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen, spricht in diesem Zusammenhang von einer „Verletzung der Menschenwürde“.</p>
<p>Dass ZDF und RTL das Enthauptungsvideo deutlich expliziter zeigten als die ARD, stützt die Ergebnisse, nach denen ZDF und RTL signifikant emotionaler berichten als die ARD: Bei der ARD finden sich durchschnittlich 2,12 Reizwörter pro Beitrag; beim ZDF 3,72 und bei RTL 4 [5]. Das ZDF verwendet am häufigsten Reizwörter der Gruppe „Gefahr“ (durchschnittlich 1,33-mal pro Beitrag), RTL solche der Gruppe „Brutalität“ (1,13). Die ARD verwendet im Vergleich zu den anderen Programmen auffällig selten Wörter aus den Kategorien Entsetzen (0,12) und Gefahr (0,59-mal pro Beitrag).</p>
<p>Die Experteninterviews bestätigten den Eindruck, dass bei der Gewichtung der Themen mit Terrorismus-Bezug bei ARD, ZDF und RTL unterschiedliche Kriterien im Mittelpunkt stehen. So betont Oliver Hähnel von der ARD, dass neben der Überprüfbarkeit der Informationen vor allem entscheidend sei, wie Politik und Behörden auf ein Thema reagierten. Die Visualisierung sei dagegen eher nachrangig.</p>
<div id="attachment_5373" class="wp-caption alignleft" style="width: 373px"><img class="size-full wp-image-5373 " src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/09/Grafik-2.jpg" alt="" width="363" height="291" /><p class="wp-caption-text">Häufigkeit Reizwörter gesamt nach Programm, eig. Darstellung</p></div>
<p>Elmar Theveßen zufolge geht das ZDF seit dem „Schock“ des Falles  Nicholas Berg „deutlich vorsichtiger mit dem Thema ,Terrorismus’ um  (&#8230;) als alle anderen im deutschen Medienmarkt“. Tatsächlich zeigen ARD  und ZDF aus Geiselvideos grundsätzlich nur noch ein Standbild. Außerdem  wurden alle der untersuchten Ereignisse nach dem 11.05.2004 zum Teil  deutlich zurückhaltender als in den anderen Programmen gewichtet. Die  Ergebnisse bezüglich der Emotionalität der Sprache aber passen nicht in  dieses Bild: Das ZDF verwendet signifikant mehr Reizwörter als die ARD.  Auch nach dem 11.05.2004 enthalten acht von elf untersuchten Beiträgen  des ZDF drei oder mehr Reizwörter. Laut Theveßen ist vor allem die  Einschätzung von Experten der Gradmesser dafür, ob und wie über ein  Thema mit Terrorismus-Bezug berichtet wird.</p>
<p>Für RTL bestätigt Michael Ortmann den außerordentlichen Nachrichtenwert des Terrorismus, insbesondere die herausragende Bedeutung der Visualität und der „persönlich empfundenen Bedrohungslage der Zuschauer und der Journalisten“. Dies erklärt, warum RTL Terrorismus als aktuelles Nachrichtenthema insgesamt nicht nur deutlich höher gewichtet als ARD und ZDF, sondern auch am emotionalsten berichtet. Ortmann begründet das damit, dass eine „griffige Sprache“ wichtig sei. Sie solle emotional und nah an den Menschen sein, ohne aber ein Thema aufzubauschen.</p>
<p>Die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen bei ARD, ZDF und RTL zeigen, dass sich die verschiedenen Angebote durchaus ergänzen; es gibt keine Einheitsberichterstattung, sondern unterschiedliche Medienrealitäten, was unter dem Aspekt der Pluralität erfreulich ist. Zugleich wird aber auch die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für eine sachliche und hintergründige Terrorismus-Berichterstattung deutlich. In diesem Sinne fordert Elmar Theveßen, durch eine fundierte Hintergrundberichterstattung auch über die Ursachen des Terrorismus aufzuklären und zu zeigen, dass Menschen vor dem Abdriften in den Extremismus bewahrt werden könnten. Zudem sei es sehr wichtig, über die Gefahr des Terrorismus aufzuklären, damit Gesellschaft und Politik besser auf die Folgen eines Anschlags vorbereitet seien.</p>
<p>Nicht zuletzt hat diese Arbeit gezeigt, dass es endlich eines ethischen Regelwerks für den Umgang mit Bildern bedarf, vergleichbar dem Pressekodex. So sollten traumatisierende Terrorbilder nicht in Endlosschleife laufen; ebenso wenig darf – wie im Fall Nicholas Berg – das Leiden und Sterben von Menschen ausgestellt werden. Eine solche Darstellung verletzt nicht nur die Menschenwürde des Opfers, sondern potenziert auch den von den Terroristen gewollten Propagandaeffekt.</p>
<hr size="1" /><a href="#_ftnref1">[1]</a> Vgl. Jenkins, Michael Brian: International Terrorism: A New Mode of Conflict, in: Carlton, David; Schaerf, Carlo (Hg.): International Terrorism and World Security, London 1975, S. 16, z.n. Hoffman 2001, S. 173</p>
<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Vgl. z.B. Meißner, Florian: Terrorismus-Berichterstattung im TV: Aufklärung oder Angstmache? Die Medienrealität des Terrors in den Nachrichten von ARD, ZDF und RTL, Dortmund, 2009, S. 37 ff.; vgl. Elbrigmann, Thorsten: Terrorismus – Die zweifelhafte Karriere eines Begriffes. Medienrealität und Framing am</p>
<p>Beispiel der Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung von 1992 bis 2007, Dortmund 2008, S. 12</p>
<p><a href="#_ftnref3">[3]</a> Vollständige Listendefinitionen der Reizwörter s. Meißner 2009, S. 57 f.</p>
<p><a href="#_ftnref4">[4]</a> Vgl. etwa Ruhrmann, Georg; Göbbel, Roland: Veränderung der Nachrichtenfaktoren und Auswirkungen auf die journalistische Praxis in Deutschland. Abschlussbericht für netzwerk recherche e.V., Wiesbaden 2007, S. 134</p>
<p><a href="#_ftnref5">[5]</a> Der T-Test für die Mittelwertsvergleiche zwischen ARD und ZDF sowie zwischen ARD und RTL wird mit t &lt; 0,05 signifikant.</p>
<p><span style="color: #888888;"><br />
</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong><span style="text-decoration: underline;">Quellenverzeichnis (Auswahl):</span></strong></span></p>
<p><span style="color: #000000;"> </span></p>
<p><span style="color: #000000;">Elbrigmann, Thorsten: Terrorismus – Die zweifelhafte Karriere eines  Begriffes. Medienrealität und Framing am Beispiel der Berichterstattung  der Süddeutschen Zeitung vom 1992 bis 2007, Dortmund 2008</span></p>
<p><span style="color: #000000;"> </span></p>
<p><span style="color: #000000;">Glaab, Sonja (Hg.): Medien und Terrorismus – Auf den Spuren einer symbiotischen Beziehung, Berlin 2007</span></p>
<p><span style="color: #000000;"> </span></p>
<p><span style="color: #000000;">Hoffman, Bruce: Terrorismus. Der unerklärte Krieg, Frankfurt a.M. 2001</span></p>
<p><span style="color: #000000;"> </span></p>
<p><span style="color: #000000;">Laqueur, Walter: Krieg dem Westen. Terrorismus im 21. Jahrhundert, Berlin 2004</span></p>
<p><span style="color: #000000;"> </span></p>
<p><span style="color: #000000;">Meißner, Florian: Terrorismus-Berichterstattung im TV – Angstmache oder Aufklärung? Dortmund, 2009</span></p>
<p><span style="color: #000000;"> </span></p>
<p><span style="color: #000000;">Norris, Pippa et al. (Hg.): Framing Terrorism. The News Media, the Government and the Public, New York und London 2003</span></p>
<p><span style="color: #000000;"> </span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ruhrmann, Georg; Göbbel, Roland: Veränderung der Nachrichtenfaktoren  und Auswirkungen auf die journalistische Praxis in Deutschland.  Abschlussbericht für netzwerk recherche e.V., Wiesbaden 2007</span></p>
<p><span style="color: #000000;"> </span></p>
<p><span style="color: #000000;">Weichert, Stephan Alexander: Die Krise als Medienereignis. Über den 11. September im deutschen Fernsehen, Köln 2006</span></p>
<p><em><br />
</em></p>
<p><span style="color: #000000;"><em>Florian Meißner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Journalistik an der TU Dortmund.</em><br />
</span></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://de.ejo-online.eu/5357/ressortjournalismus/aufklarung-oder-angstmache/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Krieg aus zweiter Hand</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/5336/ressortjournalismus/5336</link>
		<comments>http://de.ejo-online.eu/5336/ressortjournalismus/5336#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 09:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Inga Wiegand</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ressorts]]></category>
		<category><![CDATA[Auslandseinsätze der Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurter Neue Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Nachrichtenauswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeitsarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Quellen]]></category>
		<category><![CDATA[Stuttgarter Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Thüringer Allgemeine]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://de.ejo-online.eu/?p=5336</guid>
		<description><![CDATA[Eine Studie untersucht, wie sich die Berichterstattung zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr in regionalen Tageszeitungen gestaltet und inwieweit sie durch die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr geprägt wird. Die Bundeswehr ist als Parlamentsarmee an die Akzeptanz und den Rückhalt in der Öffentlichkeit gebunden. Deshalb räumt sie der Informationsarbeit einen besonders hohen Stellenwert ein. Mit mehr als tausend [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.flickr.com/photos/augustinfotos/4968368706/"><img class="size-full wp-image-5341 alignleft" title="Foto: Bundeswehr-Fotos Wir.Dienen.Deutschland. / Flickr" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/08/bundeswehr.jpg" alt="" width="230" height="159" /></a>Eine Studie untersucht, wie sich die  Berichterstattung zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr in regionalen  Tageszeitungen gestaltet und inwieweit sie durch die  Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr geprägt wird. </strong></p>
<p>Die Bundeswehr ist als Parlamentsarmee an die Akzeptanz und den Rückhalt in der Öffentlichkeit gebunden. Deshalb räumt sie der Informationsarbeit einen besonders hohen Stellenwert ein.<br />
<span id="more-5336"></span>Mit mehr als tausend haupt- und  nebenamtlichen Mitarbeitern beschäftigt die Bundeswehr mehr Öffentlichkeitsarbeiter als jede andere staatliche Organisation.</p>
<p>Für die Studie wurde die Berichterstattung der <em>Stuttgarter Zeitung </em>(<em>SZ</em>), der <em>Thüringer Allgemeinen </em>(<em>TA</em>) und der <em>Frankfurter Neuen Presse </em>(<em>FNP</em>) in einer Inhaltsanalyse stichprobenartig ausgewertet. Die Untersuchung lässt eine deutliche Dominanz tatsachenbetonter Darstellungsformen in der Berichterstattung der drei  Regionalzeitungen erkennen. Mit 126 Beiträgen sind fast zwei Drittel der Texte Nachrichten (25 Prozent) oder Berichte (38 Prozent).</p>
<p>Weitere 15 Prozent der Beiträge sind der Kategorie Hintergrundberichte zuzuordnen. Reportagen und Features finden sich hingegen kaum (insgesamt vier Texte). Kommentare erreichen einen Anteil von 11 Prozent der Gesamtberichterstattung. Am kommentierfreudigsten zeigt sich die <em>Stuttgarter Zeitung</em>, die meisten Hintergrundberichte erschienen in der <em>Frankfurter Neuen Presse</em>. Die <em>Thüringer Allgemeine </em>behandelt das Thema insbesondere nachrichtlich aber auch mit einem vergleichsweise hohen Anteil an Interviews (8 Prozent). Mehr als die Hälfte der publizierten <em>TA</em>-Beiträge sind allerdings kürzer als 1.000 Zeichen – <em>FNP </em>und die <em>SZ </em>veröffentlichten deutlich umfangreichere Texte.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Erfolgsmeldungen sind selten</strong></p>
<p>Der in den Zeitungen vorherrschende Grundtenor gegenüber den internationalen Einsätzen der Bundeswehr war im untersuchten Zeitraum kritisch. Nur selten waren Erfolgsmeldungen aus den Einsatzgebieten oder die „humanitären Leistungen“ der Bundeswehr das Thema der Berichterstattung. In der <em>TA </em>ist die Berichterstattung allerdings deutlich positiver gefärbt als in der <em>FNP </em>oder der <em>SZ</em>. 23 Prozent der Beiträge sind hier in ihrer Tendenz als positiv einzuschätzen und nur neun Prozent der Beiträge weisen negative Konnotationen auf.</p>
<p>Offensichtlich schätzen insbesondere Journalisten der <em>TA</em>-Lokalredaktionen Informationen der Bundeswehr positiv ein (vgl. Riesmeyer 2006). Zum Vergleich: In der <em>Stuttgarter Zeitung </em>zeigt sich ein gegensätzliches Bild. Während hier 10 Prozent der Beiträge einen positiven Beiklang haben, weisen 29 Prozent einen eher negativen Tenor auf. Die Untersuchung ergab zudem, dass sich die Nachrichtenauswahl stark nach den Vorgaben der Tagespolitik richtet. Insbesondere Mandatsbeschlüsse im Bundestag sorgen für Berichterstattungshochs. Außerdem fokussieren die untersuchten Regionalmedien deutlich auf Konflikt- und Krisensituationen. Dennoch setzen die drei  Regionalzeitungen unterschiedliche Themenschwerpunkte in ihrer Berichterstattung.</p>
<p>Während die <em>SZ </em>die Auslandseinsätze aus einer vergleichsweise politischen Perspektive betrachtete und dabei besonders häufig die Situation in den Einsatzgebieten und Fragen der Bündnispolitik thematisierte, wurden die Auslandseinsätze in der <em>TA </em>überdurchschnittlich häufig in den Zusammenhang mit den Erfahrungen von Thüringer Bundeswehrsoldaten gestellt.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Thüringer Soldatenschicksale</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Die <em>TA </em>veröffentlichte im untersuchten Zeitraum ungewöhnlich viele Beiträge zum Themenaspekt „Soldatenschicksale“. Nahezu ein Viertel der Berichterstattung setzt sich aus Geschichten über feierliche Verabschiedungen oder das schwere Schicksal der aus Thüringen entsandten Soldaten zusammen. Die räumliche Nähe wird dazu genutzt, das Thema Auslandseinsätze zu lokalisieren und zu personalisieren. Etliche Beiträge geben die Aussagen von Bundeswehrangehörigen weitgehend unreflektiert wieder und lassen journalistische Distanz vermissen. Neben der Themenauswahl und der Tonalität der Beiträge wurden auch Quellen und Akteure der Berichterstattung untersucht.</p>
<p>Bemerkenswert dabei ist zunächst, dass in 18 Prozent aller Beiträge keinerlei Quellenangaben zu finden sind. Zeitungsübergreifend kristallisierte sich eine zu erwartende Quellendominanz von Bundeswehr und Bundesministerium für Verteidigung (BMVg) heraus. Ein genauerer Blick lohnt sich auch hier, da er die Präsenz dieser Quellengruppe verdeutlicht: In knapp jedem dritten Text sind Bundeswehr oder BMVg die alleinigen Quellen. In mehr als zwei Dritteln aller Beiträge kommen politische und militärische Entscheidungsträger als  Informationsquellen vor.</p>
<p>Der Verteidigungsminister kommt mit Abstand am häufigsten zu Wort (27 Prozent), gefolgt von Abgeordneten der Regierungsfraktionen im Deutschen Bundestag (16 Prozent) und Angehörigen der militärischen Organisationsbereiche des BMVg (15 Prozent). 35 Prozent der Beiträge lassen keine bundeswehrunabhängigen Quellen zu Wort kommen. Die offenbar hohe Informationsabhängigkeit der Medien vom Militär schlägt sich jedoch nicht in der Themenbewertung nieder, was sich damit erklärt, dass es sich bei den Beiträgen ohne unabhängige Quellen mehrheitlich um Texte mit nachrichtlichem Charakter handelt.</p>
<p>Dennoch sei darauf verwiesen, dass unabhängige Experten und Wissenschaftler in der Berichterstattung vergleichsweise selten auftauchen. Sie stellen lediglich fünf Prozent aller Quellen. Die höchste Quellendichte pro Beitrag weisen die <em>Stuttgarter Nachrichten </em>auf, gefolgt von der <em>Frankfurter Neuen Presse </em>und – deutlich abgeschlagen – der <em>Thüringer Allgemeinen</em>. Der Blick auf die Recherche zeigt, dass nur bei einem Viertel der Beiträge eindeutig davon ausgegangen werden kann, dass der Autor originäre Rechercheleistungen erbracht hat. So ließen sich keine Ansätze investigativer journalistischer Arbeit erkennen, hintergründige Reportagen fehlen fast komplett. Hingegen bestätigt sich die erwartungsgemäß hohe Agenturabhängigkeit. Bis auf wenige Ausnahmen stammten die Informationen aus dem Ausland aus dem Angebot der Nachrichtenagenturen.</p>
<p><strong>Hohe Relevanz, partielle Mängel</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Da das Themenfeld Krieg und Bundeswehreinsätze von besonders hoher gesellschaftlicher Relevanz ist, müssten an dieses auch besondere journalistische Anforderungen gestellt werden. Grund dafür ist auch der enge  Handlungsspielraum der Bundeswehr zwischen Offenheit und Informationsverweigerung gegenüber den Vertretern der Presse, denn natürlich unterliegt militärisches Medienhandeln strategischen, taktischen und klandestinen Erwägungen und besonderen Geheimhaltungsanforderungen. Dieser Herausforderung sollte sich der regionale Journalismus stellen. Die in der Studie dargestellten partiellen Mängel in Quellenvielfalt, Distanz, Rechercheleistung oder Ausgewogenheit zeigen, dass die hohen Anforderungen nur ausnahmsweise erfüllt werden.</p>
<p>*******************************</p>
<p><strong>Wissenschaftliche Methode </strong></p>
<p>Im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Universität Leipzig wurde untersucht, wie die drei regionalen Tageszeitungen Frankfurter Neue Presse, Stuttgarter Zeitung und Thüringer Allgemeine über Auslandseinsätze der Bundeswehr berichten. Die Stichprobe wurde aus künstlichen Wochen der Jahre 2003, 2006 und 2009 gezogen und umfasst 202 Beiträge (TA: 76; SZ: 61; FNP: 65). Untersucht wurden die Themenauswahl und der Tenor der Beiträge. Auch die Quellen und Objekte der Berichterstattung wurden inhaltsanalytisch erfasst.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Message Nr. 3 / 2011</em><em><br />
</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://de.ejo-online.eu/5336/ressortjournalismus/5336/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Was die Presse für die Öffentlichkeit heute noch leistet</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/5182/ethik-qualitatssicherung/5182</link>
		<comments>http://de.ejo-online.eu/5182/ethik-qualitatssicherung/5182#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 14 Jul 2011 14:37:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Lilienthal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethik & Qualitätssicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Ressorts]]></category>
		<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Interpretation]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Politischer Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Pressevielfalt]]></category>
		<category><![CDATA[Verantwortung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://de.ejo-online.eu/?p=5182</guid>
		<description><![CDATA[Was die Presse heute noch leistet – das Beiwort „noch“ lädt in meinem Verständnis zur Kritik ein, lässt anklingen, früher sei alles besser gewesen, wobei man nun keinen historischen Vergleich erwarten darf. Aber ein paar Streiflichter auf das, was Presse für die Information ihres Publikums leistet, und das dankenswerter Weise, was sie beiträgt zur öffentlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="https://www.pixelio.de/index.php"><img class="size-full wp-image-5185 alignleft" title="Foto: Verena N.  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/07/Zeitungen.jpg" alt="" width="230" height="159" /></a>Was die Presse heute <em>noch</em> leistet – das Beiwort „noch“ lädt in meinem Verständnis zur Kritik ein, lässt anklingen, früher sei alles besser gewesen, wobei man nun keinen historischen Vergleich erwarten darf.</strong></p>
<p>Aber ein paar Streiflichter auf das, was Presse für die Information ihres Publikums leistet, und das dankenswerter Weise, was sie beiträgt zur öffentlichen Meinungsbildung in der Demokratie, und auf das, was sie besser machen und zusätzlich leisten könnte.<br />
<span id="more-5182"></span>Das wären dann die normativen Erwartungen. Klargestellt sei: Mein Thema ist die Presse, d.h. ich gehe nur auf die guten alten Holzmedien ein und auf Online-Journalismus oder Blogs nur am Rande. Die elektronischen Medien sind nicht mein Thema. Ich setze vier Schwerpunkte:</p>
<ul>
<li>Leistungsbilanz der Pressevielfalt</li>
<li>Zustand des Politischen Journalismus</li>
<li>Zustand des Lokaljournalismus, den ich im Übrigen in großen Teilen dem Politischen Journalismus hinzuzähle.</li>
<li>Schließlich komme ich zu zwei normativen Setzungen. Die Stichwörter dafür lauten: Integration und Interpretation.</li>
</ul>
<p>Was ich auch liefere, sind einige „Brühwürfel des Denkens“, wie Thomas Steinfeld, der Feuilletonchef der „Süddeutschen Zeitung“ die Präsentationsunkultur von Powerpoint genannt hat. Manchmal werden im Folgenden Denkbilder aufscheinen, die ich nicht immer erläutere, sondern die einen Hintergrund abgeben sollen, der – so glaube ich – selbsterklärend ist.</p>
<p>Trotz des jahrelangen Geredes über die Pressekrise, trotz der momentanen Streiks in der Zeitungsbranche mit der Folge von Notausgaben oder Nichterscheinen sind unsere Zeitungen (und Zeitschriften) noch immer tagtäglich verfügbar. Sie erscheinen mit großer Verlässlichkeit und bieten ihren Lesern im Großen und Ganzen alltäglich zusammenfassende Informationen über das aktuelle Geschehen in Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur. Sie bringen Themen und auch Konflikte zur Sprache, sie tragen mit Kommentierungen bei zur Meinungsbildung ihrer Leser, und manche von ihnen machen sich auch die Mühe, durch investigative Recherche bislang unentdeckte Skandale auszugraben und damit das Zeitgespräch der Gesellschaft zu bereichern mit wirklich Neuem.</p>
<p><strong>Kein Grund zur pauschalen Kritik</strong></p>
<p>Wer wie ich der Jury eines Journalistenpreises angehört (Otto Brenner Preis; Anm. der Red.) und also Jahr für Jahr Hunderte Beiträge im Vergleich liest, weiß nur zu gut, viel Gutes deutsche Journalisten hervorbringen, wie stark Kompetenz und Engagement oft sind. Wo Redaktionen ihre Kräfte bündeln und ihr Recht zum öffentlichen Wächteramt ernstnehmen, kommt manchmal sogar Erstaunliches zustande. Ich möchte beispielhaft die umfangreiche Recherche des „General-Anzeigers“ über die Machenschaften rund um das World Conference Center Bonn erwähnen, eine Enthüllungsserie, die es auf inzwischen 63 Folgen gebracht hat, gesammelt erschienen unter dem Titel „Die Millionenfalle“.<a href="#_ftn1">[1]</a></p>
<p>Das alles gibt es, und es gibt also keinen Grund zu der pauschalen Kritik, die deutsche Presse sei leistungsschwach. Aber die Frage ist vielleicht erlaubt, ob die kritischen Interventionen der Presse in Fehlentwicklungen und Erstarrungen unseres gesellschaftlichen Systems hinreichend kontinuierlich sind, damit sich der Journalismus als Movens in die Demokratie und fortlaufende Modernisierung unserer Lebensverhältnisse einbringen kann.</p>
<p>Doch bleiben wir fürs erste bei der positiven Bestandsaufnahme. An die Pressevielfalt darf man noch mal erinnern, die ja nicht nur eine Viel<span style="text-decoration: underline;">zahl</span> von „Kopfblättern“, sondern eine infrastrukturelle Voraussetzung von demokratischer Vielstimmigkeit darstellt.</p>
<p>351 Tageszeitungen mit einer täglichen Gesamtauflage von fast 20 Millionen Exemplaren – das ist die Leistungsbilanz, die der BDZV gern vorzeigt. Aber, wir wissen: Es gibt auch Verluste, es gibt Pressekonzentration, Schließung von Lokalredaktionen, z.B. im Riesenreich der WAZ, es gibt in ihrer Existenz bedrohte Traditionsblätter wie die „Frankfurter Rundschau“.</p>
<p>Diese Krisensymptome haben mit vielem zu tun; ich werde nicht auf alle Gründe eingehen. Unbestreitbar ist, dass die Deutschen seit vielen Jahren immer weniger Zeitungen abonnieren oder sonst kaufen.</p>
<p>Rund sieben Millionen Exemplare weniger in zehn Jahren – das hat wie gesagt viele Ursachen, die Konkurrenz des Internets ist nur eine davon. Eine weitere könnte auch in Leistungsschwächen zu suchen sein, die Leser möglicherweise bemerkt haben, weswegen sie sich als Abonnenten abwendeten. Das ist eine Vermutung, empirisch nicht abgesichert. Aber verschiedene Umfragen, die einen Ansehensverlust von Journalisten in der Bevölkerung dokumentieren, sind doch ein Indiz. Zusammengefasst kann man sagen: Den Journalisten wird nicht zugetraut, dass sie einlösen, was ihr Beruf doch verspricht: neutral zu informieren, intensiv zu recherchieren, kritisch zu kommentieren ohne Rücksicht auf Freunde und Verwandte.</p>
<p><strong>Bissige Schoßhunde</strong></p>
<p>Das Misstrauen bezieht sich z.B. auf den Politischen Journalismus. Der kränkelt schon seit einigen Jahren. Es scheint, als teile er das Schicksal der politischen Klasse, über die er berichtet. Sein Publikum misstraut ihm oder hat sich schon abgewendet. Auf Politikverdrossenheit folgte Journalistenverdrossenheit. Diese Leidensgenossenschaft von Politikern und ihren (kritischen?) Beobachtern lässt vermuten, der politische Journalismus sei längst Teil der politischen Klasse geworden und habe somit seinen notwendig unabhängigen Beobachterstandpunkt verloren. Eine mögliche Erklärung, aber bestimmt nicht das ganze Bild.</p>
<p>Doch es stimmt schon: Politische Journalisten suchen und brauchen die Nähe zur Macht, sonst könnten sie nicht intim und distanziert zugleich – ein Paradoxon! – über Politik berichten. Der Berliner Büroleiter und stellvertretende Chefredakteur des „stern“, Hans-Ulrich Jörges, hat sehr anschaulich beschrieben, wie das ist: „embedded“ zu sein in den Berliner Politikbetrieb (<a href="http://www.bpb.de/files/H4EPZS.pdf" target="_blank">www.bpb.de/files/H4EPZS.pdf</a>). Der Schweizer Journalist und Emeritus der Journalistik, Roger Blum, drückt es so aus: „Politische Journalisten müssen die paradoxe Kunst beherrschen, bissige Schoßhunde zu sein, nämlich die politische Macht gleichzeitig zu kritisieren und zu hofieren. Die Frage ist, auf welche Seite das Pendel ausschlägt.“</p>
<p>Zu den Befunden der Krise gehört die Tatsache, dass seit Mitte der 2000er Jahre immer wieder Kritik am Politischen Journalismus laut geworden ist. Die  Kritiker kommen aus der Medienkritik und der Kommunikationswissenschaft, sie kommen auch aus der Politik, wie man am beredten Beispiel von Bundestagspräsident Norbert Lammert sieht, und sie kommen, schlimmer noch, aus den eigenen Reihen.</p>
<p>Tom Schimmeck, auch er ein politischer Journalist, Mitbegründer der „taz“, beschreibt in seinem Buch „Am besten nichts Neues“ (2010) die Medien als erodierende Kontrollinstanz, die im Zeichen des Neoliberalismus längst zu Handlangern derer geworden sei, die sie eigentlich kontrollieren sollte. Der „Spiegel“, das einst so selbstbewusste „Sturmgeschütz der Demokratie“ von Rudolf Augstein, sei zur „Spritzpistole Angela Merkels“ umgerüstet worden.</p>
<p>Wenn Schimmeck weniger personalisiert, wird seine Kritik treffend: „Die Entpolitisierung der Betrachtung entwertet den politischen Journalismus. Es fehlt eine Sprache, die zu mehr taugt als zur mittelprächtigen Theaterkritik. Eine Sprache, die einen größeren Kontext herzustellen vermag, die eingebettet ist in eine Vorstellung einer anzustrebenden Gesellschaft.“</p>
<p>„Mittelprächtige Theaterkritik“ &#8211; damit könnte ein „ZEIT“-Leitartikel wie dieser gemeint sein: „Die CDU weiß nicht mehr recht, wofür sie Politik betreibt, und die Kanzlerin ist ihr dabei keine Hilfe. Im Gegenteil. (…) Sie verwirrt, statt Orientierung zu geben. Und sie nährt den Verdacht, im Bedarfsfall opportunistisch zu entscheiden. Das immunisiert die Öffentlichkeit inzwischen sogar gegen echte Erfolgsmeldungen.“</p>
<p>Oder ein „Spiegel“-Essay von Dirk Kurbjuweit, „Ackermanns Herrschaft“, in dem das verlorene Primat des Politischen beklagt wird: „Die Regierenden sind nun die Regierten der Banken.“ Bei der Ursachenforschung werden in hohem moralischen Ton „Gier und Lotterleben“ ausgemacht, und am Ende appelliert der Leiter des Hauptstadtbüros des „Spiegels“ gar an christliche Tugenden: „Wenn jetzt ein Kapitalschnitt notwendig ist, verlangt es der Anstand, dass die Banken klaglos auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Ihre Rolle ist die von Beteiligten, nicht von Oberaufsehern und Strafrichtern. Demut ist gefordert.“</p>
<p><strong>Rechtfertigungsdruck für Journalisten steigt</strong></p>
<p>Alles nicht falsch, aber es bleibt doch die Frage, ob der Ton verfängt, ob diese Art Gardinenpredigt kritische Evidenz bei den Adressaten entfalten wird. Adressaten sind aber eben nicht nur die Objekte journalistischen Kritik – Adressaten sind vor allem die eigenen Leser. Hier lässt sich eine verstärkte Publikumsorientierung zu neueren Leistungen zählen. Für eine Studie, entstanden an der FU Berlin unter Leitung der Journalistik-Professorin Margreth Lünenborg, haben rund 1000 Korrespondenten und Redakteure in einem Online-Fragebogen Auskunft über ihr Selbstbild und ihre Berufspraxis im Wandel gegeben. „Mindestens eine positive Entwicklung“ glaubt Lünenborg ausgemacht zu haben: „Die Orientierung am Publikum ist deutlich stärker ausgeprägt.“</p>
<p>Demnach sei es Politikjournalisten heute wichtiger als früher, „komplexe Sachverhalte zu erklären und zu vermitteln“, sie kommunizieren intensiver und häufiger mit ihren Lesern und Zuschauern. „Sie schreiben und senden weniger für Kollegen und Experten, als sie das früher getan haben“, sagt Lünenborg und führt dies auch auf die neuen digitalen Publikationswege für das Publikum selbst zurück. In der Tat: Wo sich Leser in Onlineforen oder gar in eigenen Blogs einmischen und die Kommentierungen der journalistischen Profis vor aller Augen in Zweifel ziehen können, steigt der Rechtfertigungsdruck für die Journalisten. Wer sich dem Dialog verweigert, wirkt gestrig und verliert an Ansehen.</p>
<p>Es gibt inzwischen einige angesehene Blogs in Deutschland, die sich ausschließlich mit Politik befassen und die wenn auch keine Massenreichweite, so doch eine treue Fangemeinde haben. Natürlich wird durch jeden dieser Blogs die bisherige Definitionsmacht von Journalisten (und Politikern), was Politik sei und was politisches Urteilsvermögen, in Frage gestellt. Das bisherige Oligopol der Meinungsbildung wird erweitert. Dieser Prozess relativiert die bisherige Hegemonie der Medien in der politischen Information und Kommentierung. Aber es macht sie nicht überflüssig. Denn die Leistungen eines reflektierten und kritischen Journalismus können Laien nicht übernehmen.</p>
<p>Und sie wollen es auch gar nicht, jedenfalls nicht in der Breite: Der jüngsten ARD/ZDF-Online-Studie zufolge wollen nur sieben Prozent der Befragten aktiv etwas zu den Inhalten des Web beitragen – bei der Vorjahresbefragung waren es noch 13 Prozent gewesen. Die Halbierung binnen Jahresfrist beweist: Die digitale Technik ermöglicht zwar einen Zuwachs an demokratischer Partizipation, aber eben nur rein theoretisch. Zudem: Wollen wir uns lieber von einer von einer Handvoll Bloggern als von einer Vielzahl professioneller Medien informieren lassen? Zum neuen Pluralismus in dieser Gesellschaft gehören aber zweifelsohne beide Gruppen von politischen Kommunikatoren.</p>
<p>Die Rede von der Krise des Politischen Journalismus leidet an einer Überschätzung sowohl von mutmaßlichen negativen Medienwirkungen als auch der digitalen Alternative, der Blogosphäre. Die Diskussion konzentrierte sich bislang auf den Hauptstadtjournalismus – und wurde damit viel zu eng geführt. Journalismus, der das ehrenvolle Beiwort „politisch“ verdient, braucht es gerade im Lokalen, in den kleineren Städten und Kreisen, wo Journalismus noch immer vor der Aufgabe steht, sich von den lokalen Eliten zu emanzipieren und das Interesse der Bürger an politischer Mitwirkung wachzuhalten. Und der Journalismus muss antizipativ in dem Sinne sein, dass er neue Politiken schon während ihrer Entstehung in der Zivilgesellschaft entdeckt und thematisiert.</p>
<p><strong>Lokaljournalismus müsste tiefer bohren</strong></p>
<p>Es ist oft gesagt worden: Demokratie wird erlebbar nicht in Berlin (oder früher in Bonn), Demokratie beginnt in der Kommune als Keimzelle, in Stadt und Land. So war es früher und hat u.a. zu hoher Beteiligung an Wahlen geführt. Funktioniert nicht mehr so wie früher. Wir haben folgende Probleme an der Basis unseres demokratischen Systems zu konstatieren: Wahlbeteiligungen auf amerikanischem, also niedrigem Niveau und in den Kommunen das chronische Problem, überhaupt noch Bürger zu finden, die bereit sind, sich für die öffentlichen Belange zu engagieren. Ehrenämter in Gemeinderäten sind wichtig. Da wird entschieden auch über ganz Praktisches: woher die Gemeinde ihren Strom bezieht oder wer ihren Müll entsorgen soll. Doch da gibt es vielerorts ernste Nachwuchssorgen.</p>
<p>Das bringt uns zu der Frage: Vermittelt eigentlich der Lokaljournalismus hinreichend, dass Politik wichtig ist, dass es sich lohnt, sich in ihr und für das Gemeinwesen zu engagieren? Nimmt der Journalismus seine Thematisierungsfunktion auch für kontroverse Sachverhalte ernst – für Sachverhalte, die die lokalen Eliten eben nicht auf die Tagesordnung setzen wollen? (Weil es ihr eigenes Funktionsversagen zeigen würde.) Hier müsste der Lokaljournalismus tiefer bohren und recherchierend das ans Tageslicht heben, was im Terminkalender offizieller Pressekonferenzen nicht auftaucht.</p>
<p>Ich glaube, wenn die Tageszeitungen noch zehn gute Jahre haben wollen, müssen sie jetzt sexy werden – sexy werden, indem sie auch mal Krawall schlagen, wenn Korruption in die Stadt einzieht, sexy, weil sie sich als ehrlicher Fürsprecher von Bürgerinteressen wieder glaubhaft machen. Der Kommunikationswissenschaftler Klaus Schönbach hat dafür die schöne, leicht paradoxe Formel der „zuverlässigen Überraschungen“ gefunden.</p>
<p>Doch zum gewöhnlichen Lokaljournalismus gehört traditionell dessen Gläubigkeit gegenüber den Repräsentanten der lokalen Elite. Der Lokalchef einer kleinen Zeitung im ländlichen Raum hat kürzlich in einer wissenschaftlichen Befragung geäußert: Wenn der Lokaljournalist auch mal Kritik äußere, müsse er das so tun, dass man bei dem Betroffenen hinterher „immer noch auf den Hof fahren“ kann. Daran ist so viel richtig, als der Lokaljournalist in der Tat das Kunststück fertigbringen muss, auch nach öffentlich geäußerter Kritik und nachfolgender Verstimmung bei den Objekten seiner Berichterstattung mit diesen dann doch wieder ins Gespräch zu kommen. Aber unter diesen sog. Partnern im öffentlichen Feld könnten ja auch Leute sein, über die man so viel Negatives erfahren (und berichtet) hat, dass man bei ihnen nun wirklich nicht mehr auf den Hof fahren möchte…</p>
<p>Krisen bergen bekanntlich auch Chancen – so auch hier. Unter politischen Journalisten hat ein selbstkritisches Nachdenken eingesetzt. Weiterdenker wie der stellvertretende Chefredakteur der „ZEIT“, Bernd Ulrich, fragen, ob Kritik an Politikern auch Verächtlichkeit beinhalten darf. „Warum verhalten sich Journalisten gegenüber der politischen Klasse so verächtlich, als hätten sie eine zweite im Kofferraum. (…) Wir stellen uns an die Spitze der Politikverdrossenheit und weisen immerzu nach, dass die Politiker von niedrigen Motiven getrieben sind, süchtig nach Aufmerksamkeit, gierig nach Macht, dem Volk entfremdet und reden können sie auch nicht. Das funktioniert, der politische Journalismus kann von den Verfallsgasen des Politischen leidlich leben. Aber wie lange? Nachhaltiger Journalismus ist das jedenfalls nicht.“</p>
<p><strong>Neue Haltung politischer Journalisten</strong></p>
<p>Ulrichs Alternative: „Politischer Journalismus sollte kein gemeinsames Interesse haben – außer die Erhaltung der Reproduktionsmöglichkeiten demokratischer Politik. Konkret bedeutet das, dass wir gegen jede konkrete Politik anschreiben können, nur nicht gegen alle Politik. Dass wir die Kriterien der Kritik offenlegen müssen und diese Kriterien nicht so anlegen dürfen, dass die Politik immer nur verlieren kann. Auf die Dauer liest sich das auch besser.“</p>
<p>Ulrich ist nicht der einzige, der diese Verantwortungsfrage aufwirft. Sein Chefredakteur Giovanni di Lorenzo tut es ihm gleich, ebenso der Chefpublizist des Ringier-Verlags, Frank A. Meyer. Was hier aufscheint, ist eine neue Haltung politischer Journalisten: eine Haltung im Geiste völliger journalistischer Freiheit, aber auch der Verantwortung gegenüber schützenswerten Gütern wie Demokratie, Frieden und Menschenrechte.</p>
<p>Diese neue Nachdenklichkeit läuft für mich hinaus auf Folgendes: Was ehedem ein Programmauftrag nur für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk war, nämlich beizutragen zur <em>Integration</em> der Gesamtgesellschaft, könnte und sollte ein Mandat für alle Medien werden. Denn Fliehkräfte, Segregationstendenzen haben wir fürwahr genug in dieser pluralen Gesellschaft. Und entsprechend viele Integrationsaufgaben, nicht nur, aber auch die multikulturelle.</p>
<p>In diese Richtung denkt offenbar auch BDZV-Präsident Helmut Heinen, wenn er sagt: „Zeitungen sind der Kitt unserer Gesellschaft.“ Über Heinen hinaus sind vor allem Dirk Ippen und Bodo Hombach als Verleger zu nennen, die ihre Zeitungen nicht nur als Geschäft betreiben, sondern sie in den Dienst an der Demokratie gestellt sehen wollen – und die auch das intellektuelle Vermögen haben, darüber nachzudenken. Der streitbare Verleger Dirk Ippen deutet auf einen wichtigen Punkt, wenn er sagt: „Die größte Gefahr für die gelebte Pressefreiheit aber kommt von innen her. Ich meine den Hang zum Konformismus und zu einer gewissen Hörigkeit gegenüber dem jeweiligen Zeitgeist. Da täte manchmal eine geistige Ohrfeige ganz gut.“</p>
<p><strong>Die Frage nach der Verantwortung</strong></p>
<p>Insbesondere WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach macht seit längerem mit mannigfaltigen Reden voller Ethos von sich reden. Ich finde, ein Sammelband ist überfällig. Ein etwas längeres Zitat aus einer Rede, die Hombach Ende vergangenen Jahres in Frankfurt hielt:</p>
<p>„Eine kleine Dosis Gewissenserforschung kann nicht schaden. Ahnen wir nicht, dass auch uns der Bürger abhandenkommt? Haben wir denn nachgefragt, wenn immer mehr Staat weite Teile der Gesellschaft besetzte, wenn er regelte, was Bürger selber regeln können, wenn er bevormundete, wo Bürger selber den Mund aufmachen können? Mit welchem Recht nennen wir unsere Produkte „Bürgerzeitung“, wenn uns die Bürger davonlaufen? Weil wir Politikern, Wirtschafts-, Gewerkschafts- und Kirchenführern in die Falle gingen. Weil wir ihre Designer-Statements ungeprüft übernommen haben. Weil wir gern mit den Würdenträgern in der ersten Reihe saßen. Weil wir das Volk buchstäblich hinter uns ließen. Die Bürger wollen die Politik zurückerobern. Die Politik muss die Bürger gewinnen. Das kann nur vor Ort beginnen. Die Rekonstruktion unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts steht auf der  Tagesordnung. Das ist der große Auftrag an den bürgernahen Journalismus vor Ort. Sachlich informieren. Moderieren, Abwägen, aber auch Mobilisieren und Partei ergreifen. Nicht für eine Partei, sondern für Bürgerinteressen.“</p>
<p>Dem kann man ohne weiteres zustimmen. Aber es bleibt doch die Frage, ob denn die Zeitungen des WAZ-Konzerns das einlösen, was dem Großen Meister vorschwebt, ob die Redaktionen die hehren Ziele (noch) einlösen können, nachdem eine von Hombach gemanagte Sparwelle mit drastischem Stellen und Redaktionsschließungen über sie hinweggerollt ist. Der stellvertretende WAZ-Chefredakteur, Wilhelm Klümper, hat vor einiger Zeit bei einem Besuch an der Universität Hamburg sinngemäß gesagt, die eine oder andere Lokalredaktion weniger sei kein Problem. Dann schicke er halt einen Volontär dorthin. Der schneide dann halt die Ratssitzung mit einem kleinen Recorder mit, und das Audio werde ins Netz gestellt. Wo es sich jeder interessierte Bürger abrufen könne. Nein, so einfach geht es eben nicht. Da verabschiedet sich der Lokaljournalismus aus seiner Vermittlungsaufgabe, dem Bürger zu sagen, was relevant ist und wo welche Politikeräußerungen interessengeleitet ist, wie sie also eingeordnet werden muss.</p>
<p>Das alles wirft Verantwortungsfragen auf, denen sich Verleger wie Journalisten stellen müssen. Die Frage nach der Verantwortung richtet sich vermehrt auch an die „Bild“-Zeitung. Das Boulevardblatt hat in den vergangenen Jahren immer wieder seine Kampagnenfähigkeit unter Beweis gestellt – und das trotz fallender Auflage. „Bild“ liegt inzwischen deutlich unter drei Millionen Exemplaren täglich (2.855.893, minus 5,25 Prozent binnen Jahresfrist) und kann doch Regierungen, Parteien, Politiker, Gewerkschaften unter Druck setzen und Karrieren beenden. Oder versuchen, die eigenen Lieblinge auch noch in aussichtsloser Lage im Amt zu halten, wie zuletzt die gescheiterte In Treue fest-Kampagne für Guttenberg in der Plagiatsaffäre gezeigt hat.</p>
<p><strong>&#8220;Dienstleistung des Erklärens&#8221; als journalistische Hauptaufgabe </strong></p>
<p>Es gibt Kritiker, die solche Aktionen der einflussreichen Springer-Zeitung für eine Amtsanmaßung halten. Doch ist der dergleichen vom Grundrecht der Pressefreiheit gedeckt. Allerdings sind kritische Anfragen nicht nur erlaubt, sondern notwendig, wenn „Bild“ z.B. in der Eurokrise ideologisierend die nationale Karte spielt und „die Griechen“ pauschal für schuldig erklärt – eine schlichte populistische Sichtweise, die auch bei „Focus“ zu lesen war. Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz haben diese Kampagne kritisch rekonstruiert, nachzulesen im Internet: <a href="http://www.bild-studie.de/" target="_blank">www.bild-studie.de</a>.</p>
<p>„Bild“ skandalisiert Politik, sie nährt die Empörung der Vielen über Missstände, moralische Verfehlungen und Bereicherung. Die Frage ist aber, ob die Zeitung bei alledem auch für einen Rest an Loyalität für diese Demokratie und ihr politisches System zu sorgen vermag. Die allgemein zurückgehende Wahlbeteiligung ist ein Krisenphänomen, das nicht nur mit der mangelnden Überzeugungskraft von Politikern erklärt werden kann. Auch nach der Mitverantwortung der Medien sollte hier gefragt werden.</p>
<p><em>Integration</em> ist meine erste normative Setzung gewesen. Jetzt kommt die zweite. Im Begriff der <em>Interpretation</em>, die sich in reiner Kommentierung bei Weitem nicht erschöpft, scheint m.E. eine renovierte Funktionsbestimmung für den Journalismus von morgen auf. Er ist es, der ein vollständiges Bild der Wirklichkeit zusammensetzt, der die Komplexität von Aufgaben und Problemen ohne Verkürzung beschreibt und die widerstreitenden Strömungen und die allgegenwärtigen Interessen- und Zielkonflikte bei der Problemlösung dokumentiert. Er ist es, der das Gesamtbild dann auch wieder auf das Wesentliche verständlich reduziert, der die Phänomene im Zusammenhang <em>auslegt, erklärt und deutet</em> – kurz: interpretiert. „Was hat es zu bedeuten?“ – gültige Antworten auf diese Frage zu geben ist die unverzichtbare und bis auf weiteres durch keine Alternative zu substituierende Verständnis- und Verständigungsleistung des Journalismus.</p>
<p>Die reine Nachricht, die pure Meldung vom Ereignis, ist heute infolge des Internets im Handumdrehen entwertet – der Hauptgrund für die momentane Krise im Geschäftsmodell der Nachrichtenagenturen. Wenn aber die Nachricht nicht mehr genügt, weil es sie gratis an jeder virtuellen Ecke im World Wide Web gibt, dann müssen andere Leistungen her, um den Begriff „Journalismus“ mit Leben zu füllen. Der FAZ-Mitherausgeber Werner D’Inka hat die „Dienstleistung des Erklärens“ zu einer journalistischen Hauptaufgabe von morgen erhoben. In die gleiche Richtung denkt der Innenpolitik-Chef der „Süddeutschen Zeitung“, Heribert Prantl, wenn er dafür plädiert, die Zeitung zu re-intellektualisieren. Ihre Zukunft liege weniger im Reportieren als in der Reflexion des Zeitgeschehens, sie solle ein „Generalschlüssel“ zum Verständnis der Wirklichkeit werden. Eigenschaften, wie sie <em>alle</em> Medien gut gebrauchen können.<a href="#_ftn2">[2]</a></p>
<p>Wie sieht ein zufriedener Zeitungleser aus? Vielleicht wie Vater Hesselbach aus der gleichnamigen Fernsehserie von 1961. Eine altdeutsche Idylle. In anderen Ländern, selbst in europäischen, ist die Pressefreiheit bedroht. In Italien z.B. sind 2009 viele Demonstranten für die Pressefreiheit auf die Straße gegangen.</p>
<p>Können Sie sich vorstellen, dass in Deutschland so viele Leute für Pressefreiheit, sollte sie bedroht sein, auf die Straße gehen? Und wenn nein, warum nicht?</p>
<hr size="1" /><a href="#_ftnref1">[1]</a> <a href="http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&amp;itemid=10918" target="_blank">http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&amp;itemid=10918</a></p>
<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> <em>Heribert Prantl</em>, Die Zeitung ist tot. Es lebe die Zeitung, in: jetzt.de (Süddeutsche Zeitung online) &lt;<a href="http://jetzt.sueddeutsche.de" target="_blank">http://jetzt.sueddeutsche.de</a>&gt; [Stand: 13. 9. 2010, siehe dort unter „Archiv“].</p>
<p><em>Leicht geänderte Fassung des Vortrags zum Symposion &#8220;Medien und Demokratie&#8221;, veranstaltet am 4. Juli 2011 in Bonn von der Demokratie-Stiftung an der Universität zu Köln.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://de.ejo-online.eu/5182/ethik-qualitatssicherung/5182/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Den Frieden im Sinn</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/5150/ethik-qualitatssicherung/friedensjournalismus-statt-kriegsberichterstattung</link>
		<comments>http://de.ejo-online.eu/5150/ethik-qualitatssicherung/friedensjournalismus-statt-kriegsberichterstattung#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 05 Jul 2011 14:52:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vera Rigert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethik & Qualitätssicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Ressorts]]></category>
		<category><![CDATA[Agneta Söderberg Jacobson]]></category>
		<category><![CDATA[Blogger]]></category>
		<category><![CDATA[Dahr Jamail]]></category>
		<category><![CDATA[eingebettete Journalisten]]></category>
		<category><![CDATA[Florian Zollmann]]></category>
		<category><![CDATA[Friedensjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Johan Galtung]]></category>
		<category><![CDATA[John Tulloch]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Peace Journalism]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Lance Keeble]]></category>
		<category><![CDATA[War and Conflict Resolution]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://de.ejo-online.eu/?p=5150</guid>
		<description><![CDATA[Kriege und Konflikte sind ein wichtiges Thema der Medien. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten darüber zu berichten: aus der Sicht des Militärs und aus der Perspektive der betroffenen Bevölkerung. Eine amerikanische Flagge ziert den Uniformärmel, die Haare unter dem Helm sind kurzgeschoren, in den Händen hat der Soldat ein Sturmgewehr. Er zielt auf einen Sandhügel, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="size-full wp-image-5155 alignleft" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/07/peace1.jpg" alt="" width="146" height="225" />Kriege und Konflikte sind ein wichtiges Thema der Medien. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten darüber zu berichten: aus der Sicht des Militärs und aus der Perspektive der betroffenen Bevölkerung.</strong></p>
<p>Eine amerikanische Flagge ziert den Uniformärmel, die Haare unter dem Helm sind kurzgeschoren, in den Händen hat der Soldat ein Sturmgewehr. Er zielt auf einen Sandhügel, dahinter haben sich ein paar Iraker verschanzt. Hinter dem G.I. steht ein Kameramann, er filmt über die Schulter des Soldaten. Wie in einer Videospiel‐Perspektive sehen die Zuschauer zu Hause am Bildschirm, wie die Kämpfe der amerikanische Armee im Irak verlaufen. Eine typische Kriegsszene, wie sie in den Fernsehnachrichten dargestellt wird.<span id="more-5150"></span></p>
<p>Doch dies ist nur eine Ansicht des Krieges – die Bevölkerung, die Folgen der Kampfhandlungen und die Hintergründe werden in der Regel vernachlässigt. Das Militär steuert, was die Zuschauer zu sehen kriegen. Denn nur ausgewählten Reportern, den sogenannten „eingebetteten“ Journalisten, wird es von den Militärs ermöglicht, so nah wie möglich am Geschehen zu sein. Die Kehrseite der Medaille ist , dass diesen Journalisten nichts anderes übrig bleibt, als sich auf die Inszenierungen und Erklärungen des Militärs zu verlassen.</p>
<p><strong>Nachrichten ohne Frauen</strong></p>
<p>Das Buch „Peace Journalism, War and Conflict Resolution“ von Richard Lance Keeble, John Tulloch und Florian Zollmann stellt der Perspektive der eingebetteten Journalisten eine andere Sichtweise, den Friedensjournalismus, entgegen. Das Buch baut auf der Definition des Friedensjournalismus des norwegischen Mathematikers und Soziologen Johan Galtung auf. Schon 1970 definierte dieser Friedensjournalismus als eine Art der Berichterstattung, welche allen Parteien eine Stimme gibt, auf die unsichtbaren Effekte von Gewalt (Traum, Ruhm, Zerstörung) fokussiert und auf die Enthüllung von Lügen zielt. Vor allem aber soll Friedensjournalismus laut Johan Galtung menschen‐ und lösungsorientiert sein.</p>
<p>Weiter bietet das Buch eine aktuelle und kritische Übersicht über die Rolle der Medien bei Konflikt‐Lösungen und vereinigt Arbeiten von über 20 Schriftstellern, Journalisten, Theoretikern und Aktivisten im Feld des Friedensjournalismus. Eine kritische Betrachtung des Friedensjournalismus bietet Agneta Söderberg Jacobson. Sie fordert, dass der Friedensjournalismus nicht nur über Hintergründe und Folgen von Kriegen und Krisen berichtet, sondern dass auch Diskriminierungen gesellschaftlicher Gruppen in die  Berichterstattung mit aufgenommen werden. Dabei geht es vor allem um die Rechte der Frauen, welche laut einer Studie der schwedischen Stiftung Kvinna till Kvinna kaum bis gar nicht in den Medien vorkommen.</p>
<p>Kvinna till Kvinna setzt sich in verschiedenen Ländern und Regionen für die Rechte der Frauen ein und unterstützt Frauenorganisationen vor Ort. 2008 führte die Stiftung eine Untersuchung der Konfliktberichterstattung aller wichtigen schwedischen Nachrichtenanbieter durch. Dabei zeigte sich, dass obwohl Männer und Frauen Teil dieser Konflikte waren, nur 15 Prozent der Berichterstattung Frauen thematisierten. 85 Prozent der Quellen in den Berichterstattungen waren Männer, welche offizielle Ämter bekleideten oder die<br />
Konfliktparteien repräsentierten. Frauen, so folgerte Agneta Söderberg sarkastisch, seien es offenbar nicht wert, in den Nachrichten erwähnt zu werden.</p>
<p><strong>Dahr Jamail – ein Blogger wird zum Friedensjournalist</strong></p>
<p>Neben der Kritik Agneta Söderbergs am Konzept des Friedensjournalismus zeigt das Buch auch auf, wie sich Kriegsberichterstattung ohne eingebettete Journalisten praktisch umsetzen lässt. Florian Zollmann, Autor und Mitherausgeber des Buches, zeigt anhand des amerikanischen Blogger und Reisejournalisten Dahr Jamail auf, wie sich das Konzept des  Friedensjournalismus verwirklichen lässt. Jamail fühlte sich während des Irak-Kriegs unter Präsident Bush falsch über die Vorgänge im Nahen Osten informiert. Er entschied sich, persönlich vor Ort zu recherchieren. Von 2003 bis 2008 war Jamail insgesamt acht Monate im Irak. Zu dieser Zeit waren Aufenthalte im Irak sehr gefährlich. Das Land wurde auseinander gerissen. Unabhängige Journalisten waren stets in Lebensgefahr, sie mussten auch mit der Aggressivität der amerikanischen Streitkräfte und ihrer Koalitionäre umgehen.</p>
<p>Freie Journalisten, die sich nicht von der Kriegspropaganda „infiltrieren“ ließen, hatten es im Irak noch schwerer: Die meisten Journalisten gingen ohnehin nur zu Pressekonferenzen oder begaben sich in Begleitung des Militärs an strategisch wichtige Punkte. Jamail wollte nicht zu dieser Propaganda‐Maschinerie gehören, so Zollmann, und<br />
zog den Gefahren zum Trotz wie ein Lokalreporter los. Er konnte mit Zivilisten reden, über Zusammenhänge berichten und die Perspektive der Leute vor Ort einnehmen. Er berichtete über den Alltag der Iraker während der Besetzung, über Tote unter der Zivilbevölkerung, über die amerikanische Militärpolitik und über Folter und Terrorismus.</p>
<p>Dabei sprach Dahr Jamail nicht nur mit den offiziellen Quellen, sondern suchte nach den Fakten und Tatsachen, welche die Propaganda unterdrücken sollte. Im Gegensatz zu den meisten Massenmedien, die dazu tendieren, zu beschönigen und die Interessen des Militärs und der Regierungen in ihrer Berichterstattung bevorzugt würdigen, konnte Jamail den Hintergründen und Folgen des Kriegs nachspüren. Er gab ganz im Sinne von Johan Galtungs Definition allen Parteien eine Stimme, fokussierte auf die unsichtbaren Effekte von Gewalt und enthüllte auf allen Seiten viele Lügen. Durch Jamails Engagement als Friedensjournalist konnte er seiner Leserschaft eine andere Perspektive zeigen als die westlichen Massenmedien mit ihren eingebetteten Journalisten.</p>
<p>Jamail gewann für seine Reportagen und Berichte aus dem Irak mehrere Preise, unter anderem den „James Aronson Award for Social Justice Journalism“. Bis heute stehen die Massenmedien dem Friedensjournalismus eher skeptisch gegenüber. Dabei geht es vor allem darum, dass der Friedensjournalismus für den Journalisten die Aufgabe des objektiven Standpunkts und der Rolle des Beobachters und Informationsvermittler bedeuten kann. Doch so sagte schon der ehemalige ZDF‐Chefredakteur Nikolaus Brender: „Guter Journalismus hat immer den Frieden im Sinn“.</p>
<p>Weitere Informationen zum Friedensjournalismus finden Sie im Buch „Peace Journalism, War and Conflict Resolution“ von Richard Keeble, John Tulloch und Florian Zollmann,  erschienen bei Peter Lang Publishing, New York.</p>
<p><span style="color: #888888;">Quellen:</span></p>
<p><span style="color: #888888;">Keeble, R., Tulloch, J., Zollmann, F. (2010). Peace Journalism, War and Conflict<br />
Resolution. New York. Peter Lang.</span></p>
<p><span style="color: #888888;">http://peace1.wordpress.com/2009/08/26/thursday‐sept‐3‐program‐with‐awardwinning‐journalist‐dahr‐jamail‐in‐minneapolis/</span></p>
<p><span style="color: #888888;">http://dahrjamail.net/</span></p>
<p><span style="color: #888888;">http://www.frankfurterpresseclub.de/157.0.html</span></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://de.ejo-online.eu/5150/ethik-qualitatssicherung/friedensjournalismus-statt-kriegsberichterstattung/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Atemlos durch alle Kanäle</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/5051/redaktionsmanagement/atemlos-durch-alle-kanale</link>
		<comments>http://de.ejo-online.eu/5051/redaktionsmanagement/atemlos-durch-alle-kanale#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 May 2011 16:55:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Redaktionsmanagement]]></category>
		<category><![CDATA[Ressorts]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Springer AG]]></category>
		<category><![CDATA[FAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Konvergenz]]></category>
		<category><![CDATA[Kürzungen]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Neven DuMont]]></category>
		<category><![CDATA[Newsrooms]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[SRG]]></category>
		<category><![CDATA[SZ]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[WAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschafts-PR]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftsjournalismus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://de.ejo-online.eu/?p=5051</guid>
		<description><![CDATA[Der Medienwandel erfasst auch jene Redaktionen, welche über die Wissenschaft berichten. Können sie davon profitieren, wenn die Medien vermehrt ressortübergreifend arbeiten? Derzeit werden drei Varianten erkennbar, wie große Medienhäuser auf die Konvergenz, auf das Zusammenfließen der Mediengattungen, reagieren: Im Extremfall werden, wie bei der SRG, einzelne Fernseh-, Radio- und Online-Redaktionen zusammengefasst. Ähnliches tun in Deutschland [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" title="Foto: antony_mayfield / Flickr" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/2011/05/telegraph1.jpg" alt="" width="230" height="153" /></p>
<p><strong>Der Medienwandel erfasst auch jene Redaktionen, welche über die Wissenschaft berichten. Können sie davon profitieren, wenn die Medien vermehrt ressortübergreifend arbeiten?</strong></p>
<p>Derzeit werden drei Varianten erkennbar, wie große Medienhäuser auf die Konvergenz, auf das Zusammenfließen der Mediengattungen, reagieren: Im Extremfall werden, wie bei der SRG, einzelne Fernseh-, Radio- und Online-Redaktionen zusammengefasst. <span id="more-5051"></span>Ähnliches tun in Deutschland die Axel Springer AG, der Verlag Gruner und Jahr sowie die WAZ-Gruppe, welche ganze Zeitungs-, Zeitschriften- und Online-Redaktionen zusammenlegen.</p>
<p>Weniger weit gehen jene Häuser, die Mantelredaktionen auslagern, welche dann mehrere Zeitungstitel beliefern. – Der Kölner Verlag Neven DuMont arbeitet so mit der &#8220;Berliner Zeitung&#8221;, der &#8220;Frankfurter Rundschau&#8221;, dem &#8220;Kölner Stadtanzeiger&#8221; und der &#8220;Halleschen Zeitung&#8221;.</p>
<p>Unspektakulärer sind schließlich die Beispiele jener Medien, welche die Ressortmauern einreißen und flexiblere Teamstrukturen einführen. So entstehen – als Modelle für die künftige, konvergente Medienwelt – Newsrooms und Newsdesks, die mehrere Kanäle, zumindest aber Print und Online gemeinsam bedienen.</p>
<p><strong>Größer, leistungsfähiger?</strong></p>
<p>Was heißt das für den Wissenschaftsjournalismus? Im besten Fall entsteht durch Zusammenlegung ein größeres, leistungsfähigeres Ressort. Wahrscheinlicher werden indes einige feste Stellen wegrationalisiert, denn das ist ja Sinn und Zweck der Übung. Im ungünstigeren Fall werden sie eingespart, im günstigeren ausgelagert und durch flexibler einsetzbare freie Mitarbeiter ersetzt.</p>
<p>Ob Newsrooms eher eine Bedrohung oder eine Chance für den Wissenschaftsjournalismus sind, darüber streiten sich die Betroffenen vorerst noch. Es liegt nahe, anzunehmen, dass gerade die kleinen Ressorts im Umstrukturierungsprozess besonders gefährdet sind. Zum einen können sie wenig Hausmacht im internen Verteilungskampf aufbringen, zum anderen schlägt die Kürzung von ein oder zwei Stellen in einem kleinen Ressort ganz anders zu Buch als in einem großen.</p>
<p>Bei der SRG arbeiten die Mitarbeiter der Wissenschaftsredaktionen, die insgesamt 13 Fernsehredaktionsstellen sowie 9 Vollstellen im Radio umfassen, alle auch am Online-Angebot mit. Mit Blick auf die Konvergenz wird es aber wohl erst im Lauf dieses Jahres spannend. Da steht die Entscheidung an, ob die Radio- und die Fernseh-Wissenschaftsredaktionen fusionieren. Beim Sport wurde ein solcher Zusammenschluss bereits realisiert.</p>
<p>Bei den Qualitätszeitungen in der Schweiz sind die Wissenschaftsredaktionen geschrumpft: Bei der NZZ von 510 auf 390, beim &#8220;Tages-Anzeiger&#8221; von 560 auf 420 Stellenprozente. Beide Redaktionen befinden sich noch in einem Vorstadium der Konvergenz. Die Online-Berichterstattung läuft eher nebenher mit. Auch bei den beiden großen deutschen überregionalen Titeln, der &#8220;Frankfurter Allgemeinen Zeitung&#8221; und der &#8220;Süddeutschen Zeitung&#8221;, bilden Online- und Presseredaktionen noch Parallelwelten.</p>
<p>Die Wissenschaftsredaktion der &#8220;FAZ&#8221; ist binnen weniger Jahre von sechs auf drei Redaktoren geschrumpft, also halbiert worden. In der Online-Redaktion sitzt ein weiterer Wissenschaftsredaktor, der aber zugleich für das Feuilleton die Sachbücher betreut. Bei der &#8220;SZ&#8221; war der Aderlass nicht weniger heftig. Es sind derzeit sechs Redaktoren fest angestellt; vor eineinhalb Jahren waren es, so der Leiter der Wissenschaftsredaktion, Patrick Illinger, noch acht.</p>
<p>Besonders spannend ist es natürlich, zu sehen, wie sich der Wissenschaftsjournalismus in zusammengelegten Redaktionen entwickelt – also etwa bei Axel Springer, wo eine einzige Redaktion inzwischen für &#8220;Welt&#8221;, &#8220;Welt am Sonntag&#8221;, &#8220;Welt online&#8221;, &#8220;Welt kompakt&#8221;, &#8220;Welt HD App&#8221;, &#8220;Welt aktuell&#8221;, &#8220;Welt Mobil&#8221; sowie das Regionalblatt &#8220;Berliner Morgenpost&#8221; zuständig ist.</p>
<p>In der Wissenschaftsredaktion dieser Gruppe sind neun feste Redaktoren beschäftigt. Jeder von ihnen arbeitet für alle Titel, also auch für die Online-Angebote. Betriebsgeheimnis bleibt jedoch, wie viele Stellen bei der Zusammenlegung gekürzt wurden. Die Zahl der im Wissenschaftsressort arbeitenden Personen sei &#8220;aufgrund der sich veränderten Konstellation nicht vergleichbar mit Mitarbeiterzahlen aus früheren Jahren&#8221;, heißt es ausweichend im PR-Speak des Konzerns.</p>
<p>Um das Bild abzurunden, noch ein Blick zur Gratiszeitung &#8220;20 Minuten&#8221;: In deren schlanker Redaktion war natürlich weder ein Wissenschaftsressort noch ein eigener Publikationsplatz für Forschungsthemen vorgesehen – bis sich ein Sponsor fand. Zwei Stiftungen waren der Meinung, dem jungen Publikum dieser Zeitung müsse Wissenschaft nahegebracht werden, und spendierten dem hochrentablen Blatt eine entsprechende Rubrik – obschon &#8220;20 Minuten&#8221; erkennbar den übrigen Schweizer Pressemarkt bedrängt, einschließlich der hauseigenen Titel von Tamedia.</p>
<p><strong>Folgen des Wettbewerbs</strong></p>
<p>Wie Inhaltsanalysen zeigen, hat der Wissenschaftsjournalismus in den letzten Jahren in den etablierten &#8220;alten&#8221; Medien eine Blütezeit erlebt. Zu befürchten ist indes, dass sich dieses Publikum als Folge der Medienkonvergenz spaltet. Der kleinere Teil der wirklich Wissenschaftsinteressierten wird, entsprechende Zahlungsbereitschaft vorausgesetzt, besser denn je informiert werden. Darauf deuten nicht zuletzt die erstaunlich stabilen Auflagen der Wissenschaftsmagazine hin.</p>
<p>Am Großteil des Publikums wird künftige Wissenschaftsberichterstattung aber wohl eher vorbeizielen. Weil die Informationsflut im Internet so unüberschaubar ist, entwertet der Überfluss die einzelne Nachricht. Ob sich die hohe Bereitschaft, für Print-Wissenschaftsjournalismus zu zahlen, in die konvergierende Web-2.0-Welt hinüberretten lässt, &#8220;wissen wir noch nicht&#8221;, konstatiert denn auch der Chefredaktor von &#8220;Bild der Wissenschaft&#8221;, Wolfgang Hess.</p>
<p>Mit der Ressortgrenze fällt vielerorts auch der Schonraum, der gesicherte eigene Publikationsplatz. Das kann eine Chance sein zu mehr Zusammenarbeit. Durch Konvergenzprozesse wird der Trend absehbar verstärkt, dass aus <em>Wissenschafts</em>journalismus Wissenschafts<em>journalismus</em> wird: Medien berichten dann seltener über einzelne Forschungsprojekte, ziehen aber dafür öfters das Fachwissen von Wissenschaftern heran, um tagesaktuelle Fragen zu klären. Das journalistische Handeln, so der Medienforscher Markus Lehmkuhl von der FU Berlin, werde dann weniger von den Erwartungen der Wissenschafter als von der Konkurrenz um Publika bestimmt.</p>
<p><strong>&#8220;Das alte System ist kaputt&#8221;</strong></p>
<p>Damit einhergehend verändern sich aber auch die Arbeitsbedingungen für Wissenschaftsjournalisten drastisch: &#8220;Das alte System ist kaputt. Und das neue parasitiert unseren Arbeitsalltag&#8221;, so klagt der Leiter des Wissenschaftsressorts der &#8220;FAZ&#8221;, Joachim Müller-Jung, im Fachmagazin &#8220;Wissenschafts- und Medizinjournalist&#8221;: &#8220;Nehmen wir die Blattplanung im Wochenrhythmus. Wissenschaft in der Wochenbeilage hat etwas Abgeschlossenes, Ghettohaftes gelegentlich, auch etwas Abgestandenes, zugegeben. Aber das hat uns auch Luft gelassen zum Durchatmen, zum Überdenken. Im Cyberraum jagt ein Thema das nächste.&#8221;</p>
<p>Dass die Redaktionsarbeit hektischer wird, dazu tragen auch die Universitäten und Forschungseinrichtungen ihr Scherflein bei. Allesamt haben sie entdeckt, wie wichtig für sie öffentliche Aufmerksamkeit ist, und so füttern sie die Redaktionen mit Material. Ihre Kommunikationsabteilungen sind inzwischen personell meist besser ausstaffiert als die korrespondierenden Wissenschaftsredaktionen.</p>
<p>Die Forschungsstätten suchen aber auch an den Redaktionen vorbei direkten Kontakt zu ihren Zielgruppen und machen so dem Wissenschaftsjournalismus Konkurrenz. Für Petra Giegerich, die Leiterin der Pressestelle an der Universität Mainz, wird das Internet &#8220;zum zentralen Trägermedium – von Text, Bild und Video&#8221;. Anne Hardy-Vennen, Referentin für Wissenschaftskommunikation an der Universität Frankfurt, bestätigt, die direkte Kommunikation mit Zielgruppen sei &#8220;letztlich lohnender und befriedigender&#8221;. Im Filter der Medien blieben &#8220;viele Themen hängen, und es ist schade um die vergeblich investierte Arbeit&#8221;.</p>
<p>Viele Journalisten merken noch kaum, wie dramatisch Public Relations ihren Arbeitsalltag beeinflussen. Der Wissenschafts-Ressortchef der &#8220;FAZ&#8221; ist da realistisch: &#8220;Schluss ist mit den sorgfältigen Recherchen in den wissenschaftlichen Journalen&#8221;, so Müller-Jung. &#8220;Was einem beim stakkatohaften Scannen durch die virtuelle Realität der Online-Magazine und die massenweisen elektronischen Pressepakete auffällt, wird nicht mehr selektiert, sorgfältig markiert und kopiert.&#8221;</p>
<p><strong>Papierflut</strong></p>
<p>Und weiter meint Müller-Jung: &#8220;Was heute interessant genug daherkommt, und das ist immer mehr, wird rücksichtslos ausgedruckt. Adieu, papierloses Büro. Die gedruckten Journale türmen sich dafür unberührt auf dem Schreibtisch und auf diversen Ablagen. Wie Trutzburgen des Papierzeitalters stehen sie da, die vielen Haufen Wissenschafts- und Medizinmagazine. Gut zwanzig Ausgaben kommen jede Woche neu an, sie landen mit den allerbesten Absichten obendrauf, eine nach der anderen.&#8221;</p>
<p>Müller-Jung beschreibt allerdings den Alltag einer der bestausgestatteten deutschen Wissenschaftsredaktionen. Andere hängen noch mehr am Tropf der Öffentlichkeitsarbeit. Die überraschende Zwischenbilanz: In der Wissenschaftskommunikation ist ein Konvergenzprozess besonders weit fortgeschritten, den wir bisher gar nicht als solchen wahrgenommen haben – die Konvergenz von Wissenschafts-PR und Wissenschaftsjournalismus, wobei klar die PR die Oberhand gewinnen dürften.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: NZZ vom 31. Mai 2011</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://de.ejo-online.eu/5051/redaktionsmanagement/atemlos-durch-alle-kanale/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

