Courage zur Gegenwehr!

26. September 2016 • Digitales • von

Cybermobbing breitet sich immer weiter aus, zeigen verschiedene Studien. Auch, weil viele stillhalten, wenn andere betroffen sind.

bullying-679274_1920Kettenmails, peinliche Bilder, Schimpfkanonaden, systematische Schmähungen und Lügen im Netz – Cybermobbing breitet sich immer weiter aus, wird aber dennoch oft ignoriert. Eine internationale Trendstudie sowie zwei auf Deutschland fokussierte Studien alarmieren: Die Opfer werden immer jünger, jede dritte deutsche Schule verzeichnet pro Woche einen Fall, jeder vierte Schüler war mindestens einmal am digitalen Pranger, jeder fünfte kann sich vorstellen, Täter zu werden. Der Anteil von Mobbing unter Erwachsenen ist ähnlich hoch, erfolgt aber noch öfter außerhalb des Netzes. Zwei von drei Attacken spielen sich am Arbeitsplatz ab, jeder zweite Chef sieht zu oder macht mit, viele Unternehmen ignorieren das Thema trotz hoher Krankheitsfolgekosten.

Die Trendstudie illustriert die internationale Dimension: Ob Großbritannien, Italien, Niederlande, Norwegen, Polen, Spanien oder USA – das Problem ist überall groß, und überall wird das Smartphone zur am häufigsten verwendeten Waffe, aus der breit gestreut mit gemeinen Fotos, Videos und Posts das Ansehen anderer beschossen wird.

Die Studie attestiert Deutschland einen guten Forschungsstand, aber große Lücken bei der Vorbeugung. Während britische Schulen flächendeckend Aktionspläne vorweisen und norwegische seit zehn Jahren zur Prävention verpflichtet werden, geben sich 84 Prozent der deutschen Schulen unbedarft. Die Forscher verlangen ein Schulfach Cyberpsychologie und Medienerziehung, Präventionspflicht, ein Cybermobbing-Gesetz und umfassenden Opferschutz. Das stützt die Arbeit zahlreicher Initiativen (u.a. Klicksafe der EU, Bündnis gegen Cybermobbing, Medienscout-Netzwerk „Bundesjugendkonferenz Medien“) und Ratgeber, die helfen, bei Beleidigungen strafrechtlich rasch Kante zu zeigen.

Doch um diese Art Cybergewalt einzudämmen, die zudem jeden treffen kann, sollten wir nicht nur Täter und Opfer im Blick haben, sondern auch die vielen, die stillhalten, wenn jemand in den sozialen Medien verbal bespuckt wird. Das ist, als nehme man hin, wenn einer vor einem in der Bahn verprügelt wird. Es gehört zu unserer Verantwortung, unsere eigene Würde, aber auch die anderer zu schützen, indem wir dann Gegenrede halten, sachlich, wider den Pranger.

Erstveröffentlichung: tagesspiegel.de vom 25. September 2016

Bildquelle: pixabay

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