Der Presserat in der digitalen Steinzeit

4. September 2014 • Digitales • von

Ein moderner Internetauftritt und Präsenz auf Social Media? Das bietet der Schweizer Presserat momentan noch nicht: Die Internetseite ist veraltet, an Diskussionen in sozialen Netzwerken beteiligt sich die Organisation nicht. Wie man es besser macht, zeigen die Presseräte der Nachbarländer.

Wer auf die Internetseite des Schweizer Presserates geht, der fühlt sich zurückversetzt in die 90er-Jahre des letzten Jahrtausends. Und das nicht ohne Grund, denn die Seite sieht tatsächlich noch gleich aus wie im Jahr 1997. Das zeigt eine kurze Recherche im Internetarchiv „Wayback Machine“. Das Alter der Seite zeigt sich nicht nur in ihrem verstaubten Aussehen, sondern auch in der mangelnden Benutzerfreundlichkeit. Es ist eine unübersichtliche Ansammlung von Links, die Schrift ist klein, die Dreisprachigkeit macht die Seite verwirrend. Hinzu kommt, dass zur Zeit der Recherche nicht alle Inhalte aktuell waren. So fand man als Kontakt noch den langjährigen Sekretär Martin Künzi, als dieser schon länger nicht mehr im Amt war.

Durchzogenes Image

Die Internetseite ist ganz grundsätzlich eine schlechte Visitenkarte für die Organisation, die sonst in der Branche schon als graue Maus, Papiertiger oder gar als gänzlich überflüssig wahrgenommen wird. Gemäss einer Befragung von Schweizer Journalisten, welche die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) im Jahr 2007 durchgeführt hat, wird der Presserat zwar als „fair und kompetent“ wahrgenommen, seine Stellungnahmen werden aber nur selten in den Redaktionen besprochen. Und auch die neuesten Ergebnisse einer anderen, noch nicht veröffentlichten Studie der ZHAW sind ernüchternd: In grossen Schweizer Zeitungen erschienen im Jahr 2013 nur 36 Artikel zu Fällen, die der Presserat behandelt hat. Und das, obwohl die Organisation in diesem Jahr mehr als 20 Pressemitteilungen verschickte und 18 Zeitungen untersucht wurden. Der Presserate stösst in den Schweizer Medien also nicht auf sehr viel Resonanz.

Das durchzogene Image der Organisation wird durch den Online-Auftritt nur noch verfestigt. Eine Studie der Stanford University hat gezeigt, dass das Design einer der wichtigsten Faktoren für die Glaubwürdigkeit einer Webseite ist und damit auch für die Organisation, die dahinter steht. Es ist das Erste, das den Besuchern auffällt, wenn sie auf die Seite gehen. Es gibt bekanntlich keine zweite Chance für einen guten ersten Eindruck.

Die Nachbarn machen es besser

Wie man es besser macht, zeigen die Presseräte in Deutschland und Österreich. Optisch ansprechend und benutzerfreundlich kommen diese Seiten daher. Dem Internetauftritt wird offensichtlich Wichtigkeit beigemessen und dementsprechend investiert. Die Seiten sind übersichtlich, Aktuelles ist gleich auf der Hauptseite ersichtlich. Die Navigation ist einfach und man findet schnell, was man sucht. Vor allem die Seite des Deutschen Presserates ist sehr modern: Dort können Beschwerden sogar direkt online über ein Formular eingereicht werden. Der Internetauftritt des Österreichischen Presserats ist schlichter, dafür hat er Links zu Facebook und Twitter.

Die Österreicher sind die einzigen, die auf den sozialen Netzwerken aktiv sind. Den Schweizer und den Deutschen Presserat findet man weder auf Facebook noch auf Twitter. Das ist schade und eine verpasste Chance. Erstaunlich ist die Rückständigkeit des Schweizer Presserates in diesem Bereich vor allem auch, wenn man sich Aussagen von Präsident Dominique von Burg zu diesem Thema ansieht. In einem Interview mit der Medienwoche sagte er 2012, dass nicht genügend Diskussionen zur Medienethik stattfänden: „Es gibt zwar Akteure und Foren, Vereine oder auch Social Media, wo es solche Diskussionen gibt. Aber Medienethik geht nicht nur die Medien etwas an, sondern auch das Publikum.“ Offensichtlich möchte der Presserat aber momentan noch keinen Beitrag leisten zu solchen Diskussionen. Eigentlich wäre die Organisation aber prädestiniert dafür, medienethische Diskurse zu starten. Auf Social-Media-Kanälen könnte der Presserat direkt mit den Medien, aber auch mit dem Publikum diskutieren und dabei gleichzeitig das eigene Profil schärfen.

Erneuerung geplant

Die genannten Probleme sind dem Presserat bekannt: „Das Design und auch das Logo sind veraltet“, sagt Geschäftsführerin Ursina Wey. Es sei klar, dass die Webseite eine Rundumerneuerung brauche. Das kostet jedoch Geld. Und der Presserat habe so schon ein knappes Budget. „Bisher wurde aus finanziellen Gründen und auch wegen mangelnder Ressourcen diesbezüglich nichts unternommen.“ Auf nächstes Jahr sei aber eine Erneuerung geplant, verspricht Ursina Wey. Gleichzeitig soll dann auch über einen Auftritt auf Twitter und Facebook nachgedacht werden.

Der Presserat weiss eigentlich auch, wie eine gute Internetseite aussehen muss: Für das Buch „So arbeiten Journalisten fair – Was Medienschaffende wissen müssen“ hat er eine moderne, übersichtliche und benutzerfreundliche Internetseite gestaltet. Am Können mangelt es also nicht.

Bildquelle: Screenshot presserat.ch

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