Medien, auf in den Dialog!

18. Oktober 2010 • Digitales • von

Otfried Jarren

Das Internet gaukelt uns etwas vor: Jede Art von Information sei verfügbar – überall, gratis, jederzeit, für jedermann.

Doch der Schein der digitalen Welt trügt. Denn nach wie vor sind „Wissensvermittler“ nötig – „Intermediäre“ nennt sie Otfried Jarren, Ordinarius am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich. Dazu zählt er etwa Parteien, Kirchen, NGOs, Interessensgemeinschaften, Museen, Bildungseinrichtungen und selbstverständlich die Massenmedien.

Die Organisationsgesellschaft habe institutionelles Vertrauen in sie, so Jarren. Im Rahmen der Hedy-Lamarr-Lectures, organisiert von der Akademie der Wissenschaften, Medienhaus Wien und Telekom Austria, legte er sein Interpretationsmodell dar. Dessen Kernaussage: Das Internet ist nicht genug. Erst Intermediäre geben Orientierung und helfen bei Entscheidungen.

Die Gesellschaft habe diese Unterstützung dringend nötig. Sie zersplittert, der Pluralismus floriert. Geprägt von Fluktuation und Mobilität suchen die Individuen Halt. Den geben ihnen Jarren zufolge die Institutionen der Intermediäre – doch selbst hier sind Auswahl und Konkurrenz groß, ein vertrauenswürdiger Partner nicht auf den ersten Blick auszumachen. Denn: Wer von ihnen vermittelt redlich, transparent und nicht (nur) von eigenen Interessen geprägt zwischen Öffentlichkeit und Privaten?

Jarren sieht vor allem jene Intermediäre als vertrauenswürdig, die langfristig und in konstanter Qualität die von den Rezipienten erwünschte Informationsleistung erbringen. Klassischen Medien, die auch offline tätig sind, käme dies also online zugute. Doch, so Jarren, sollten sie sich nicht auf den in der analogen Welt gesammelten Lorbeeren ausruhen, denn die Beratungsindustrie boomt.

Zwei Tipps gibt Jarren deshalb den Massenmedien mit auf den Weg, der offenbar aus der Wirtschaftskrise führt, auf dem aber noch Steine der strukturellen Krise (hervorgerufen durch die Digitalisierung) liegen. Selbstreflexion und Qualitätsmonitoring rät er der Medienbranche – denn bisher habe die sich „beratungsresistent“ gezeigt. Und: Auf in den Dialog mit dem Publikum! Sonst lässt sich das bald von anderen helfen.

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