Wie Journalisten soziale Medien nutzen

12. Oktober 2017 • Digitales • von

Soziale Medien werden auch für Journalisten immer wichtiger. Sie nutzen bevorzugt soziale Netzwerke wie Facebook, über die Hälfte nutzen aber fünf verschiedene Typen sozialer Medien parallel. Dies ist eins der Ergebnisse der aktuellen Social Journalism Studie vom PR-Software-Anbieter Cision Germany. Zum sechsten Mal in Folge wurde darin das Social-Media-Verhalten von Journalisten untersucht.

Ziel der Studie ist, „das Verständnis der Medienindustrie von der Verbreitung sozialer Medien sowie vom Einfluss von Technologien und Prozessen auf die journalistische Arbeit“ zu verbessern. Untersucht wird, wie Journalisten Social Media verwenden, welche beruflichen Aufgaben sie darüber organisieren und wie sie den Einfluss der sozialen Medien auf ihre Arbeit sehen. Unter „Journalist“ fasst Cision auch Marktforscher, Redakteure und andere Medienschaffende. Die Studie basiert auf einer internationalen Online-Befragung von Cision und der Canterbury Christ Church University. Befragt wurden Stichproben aus den 1,6 Millionen Datenbankeinträgen des Marktkommunikationsunternehmens. Für Deutschland gab es dazu 439 Antworten von Journalisten.

Das Ergebnis: Im Januar und Februar 2017 nutzten deutsche Journalisten bevorzugt soziale Netzwerke wie Facebook oder Google+. 82 Prozent der Befragten agierten mindestens einmal wöchentlich auf diesen Plattformen. Das sind 20 Prozent mehr als 2011, als Content Plattformen wie Wikipedia am beliebtesten waren. Live-Video-Dienste wie Facebook Live werden mit 14 Prozent am seltensten genutzt. 84 Prozent der Journalisten arbeiten heute aber parallel mit mindestens drei verschiedenen Social Media-Typen.

Bei den Nutzern unterscheidet die Studie zwischen sechs Gruppen: Skeptiker, Beobachter, Jäger, Botschafter, Promotoren und Architekten. Die Botschafter tauchten im diesjährigen Bericht zum ersten Mal auf: „Diese Gruppe nutzt soziale Medien besonders gern zum Versenden von Nachrichten und um mit der allgemeinen Öffentlichkeit in Kontakt zu bleiben“. Darin unterscheiden sie sich von den Jägern, die ebenfalls in sozialen Netzwerken unterwegs sind, dort aber eher nach Informationen „jagen“. Am intensivsten nutzen die „Architekten“ soziale Medien, am wenigsten die „Skeptiker“. Dabei fällt auf, dass es 2017 genauso viele (21 Prozent) Skeptiker wie noch 2012, aber deutlich weniger Architekten als 2012 (13 vs. 35 Prozent) gibt. Unter den Architekten sagen 65 Prozent, sie könnten ihre Arbeit ohne soziale Medien nicht ausüben, unter den Skeptikern nur vier Prozent. Am meisten Zeit verbringen Promotoren mit den sozialen Medien, 54 Prozent von ihnen sind fünf bis acht Stunden pro Tag aktiv.

PR-Schaffende als wichtige Quelle

Die verschiedenen Gruppen haben einen unterschiedlichen Bezug zu PR-Schaffenden. Am häufigsten (58 Prozent) nutzen die Botschafter Public Relations als Quelle, am seltensten die Promotoren (37 Prozent). Zugleich vertrauen die Botschafter mit 28 Prozent den PR-Schaffenden auch am meisten, mit 16 Prozent teilen unter den Architekten und Skeptikern die wenigsten Journalisten dieses Vertrauen. Auch um die Verlässlichkeit von PR-Schaffenden sind viele der befragten Journalisten besorgt: Nur gut die Hälfte (56 Prozent) sind mit ihrer Beziehung zu PR-Schaffenden zufrieden, darunter Fachjournalisten häufiger (74 Prozent) als Kultur- und Unterhaltungsjournalisten (42 Prozent). 47 Prozent hingegen trauen ihnen nicht immer, jüngere eher als ältere.

Weiterhin sind Social Media nicht der bevorzugte Kommunikationsweg zwischen Journalisten und PR-Schaffenden. E-Mails stehen weiterhin an erster Stelle.

72 Prozent der von Cision befragten Journalisten nutzen jeden Tag soziale Medien für ihre Arbeit, 25 Prozent mehr als drei Stunden pro Tag. Besonders wichtig finden sie sie für die Veröffentlichung und Promotion eigener Inhalte, um andere Medien zu beobachten und für die Interaktion mit der eigenen Zielgruppe.

Verschiedene Themen, Medien und Arbeitsverhältnisse von Journalisten schlagen sich in deren Wahrnehmung der sozialen Medien nieder. Wirtschaftsjournalisten greifen öfter auf professionelle Netzwerke zurück als andere, um Kontakte zu knüpfen oder zu pflegen. Kultur-, Unterhaltungs-, Sport-, Mode- und Lifestyle-Journalisten hingegen greifen eher auf soziale Netzwerke zurück. Am kritischsten reflektieren Politik- und Nachrichtenjournalisten den Umgang mit sozialen Medien. 59 Prozent von ihnen halten Fake News für ein großes Problem. Insgesamt sind soziale Medien für freiberufliche Journalisten wichtiger als für festangestellte.

Kontakt zu den Nutzern

Nicht nur die Medienproduktion funktioniert zunehmend über Computer und Smartphones. Die Studienergebnisse zeigen auch, wie wichtig soziale Medien für den Kontakt zwischen Journalisten und Rezipienten sind. 55 Prozent gaben an, sich für die Kommunikation mit ihren Nutzern komplett oder hauptsächlich auf Facebook und Co zu verlassen. 35 Prozent kommunizieren täglich online. Dabei spielt auch das Alter eine Rolle: Je jünger die Journalisten, umso intensiver die Social-Media-Nutzung.  Die wichtigste Quelle für 48 Prozent der deutschen Journalisten sind Experten, so die Studie. Über soziale Medien kommunizieren sie aber häufiger (55 Prozent) mit der allgemeinen Öffentlichkeit, die nur für 26 Prozent eine wichtige Informationsquelle ist. Die Informationsbeschaffung scheint also nicht der hauptsächliche Zweck der Nutzung zu sein.

Haben soziale Medien das Selbstverständnis der Journalisten verändert? Die Studienergebnisse und der Vergleich mit den Ergebnissen aus den Vorjahren zeigen, dass soziale Medien immer stärker in verschiedene Aspekte des journalistischen Arbeitsalltags eingebaut werden und Arbeitsweisen verändern. Die Tatsache, dass vor allem jüngere und frei arbeitende Journalisten auf Social Media vertrauen, lässt vermuten, dass sie in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen werden. Nur 26 Prozent der Befragten glauben aber, dass dies eine positive Veränderung bedeutet. Viele Journalisten gaben an, dass ihre Arbeit durch Algorithmen und Automatisierung komplexer wird. Fünf Prozent sehen außerdem den Verlust ethischer Werte.

Bildquelle: pixabay.com

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