Wie ist es mit Tablets und Tampons?

16. Januar 2011 • Digitales • von

Liebe xy, was soll ich mit meinem Leben anfangen? Kein Problem, wir wissen Rat.

Darf ich meinen Cousin heiraten?, fragt eine Leserin. Ja, sagt der Beobachter, nur bei der kirchlichen Trauung könnte es Probleme geben. Haben Fußgänger in Tempo-30-Zonen Vortritt, wenn sie die Straße überqueren?, fragt Leserin Ursula. Nein, sagt der Blick, Vortritt haben die Autos. Soll ich Staatsobligationen kaufen?, fragt Leser Markus. Nein, sagt die Neue Luzerner Zeitung, besser sind Firmenobligationen mit guter Bonität. Damit wären wir beim Thema: Es geht um die Consumer Electronics Show in Las Vegas. Die weltweit wichtigste Messe der Unterhaltungselektronik fand letzte Woche statt. Es gab nur ein Thema. Das Thema waren die Tablets. Die großen Hersteller präsentierten unter lautem Mediengetöse ihre neusten Flachcomputer.

Nur Apple, der größte Hersteller, blieb der Show wie immer fern. Welchen Tablet soll ich nun kaufen?, fragt also Leser Stefan die Weltwoche. Weil ich schon über Tablets geschrieben habe, bin ich natürlich der Spezialist. Leser Stefan wird also eine Antwort bekommen, aber zuerst bekommt er etwas Medientheorie.

Leser fragen – Zeitungen antworten. Das ist der Ratgeberjournalismus. Manchmal nennt man ihn auch Nutzwertjournalismus. Hier werden nicht, wie üblich, die fundamentalen Fragen der Menschheit bedeutungsschwer analysiert. Der Ratgeberjournalismus bietet stattdessen Service und Beratung bei den täglichen Problemen des Individuums. Darf ich meinen Cousin heiraten?

Der Ratgeberjournalismus ist ein Klassiker der Mediengeschichte. Die Gattung entstand nach 1700. Man nannte sie damals “moralische Wochenschriften”.

Erfolgreich wurden etwa die Discourse der Mahlern aus der Schweiz, die englischen The Spectator und The Tatler und der deutsche Vernünftler.

Heute gibt es im deutschsprachigen Raum zwei Zeitschriften, die als Ratgeber Herausragendes bieten. Es sind dies der Beobachter und Bravo. Wer den Beobachter abonniert, erwirbt sich zugleich den Zugang zu seinem Beratungszentrum. Dreißig journalistische Experten beraten ihre Leser kompetent und oft gratis von AHV und Adoption bis Zahnarzt und Zwangsheirat. Das schafft eine hohe Leserbindung, heute das entscheidende Element im Zeitungsmarketing.

Eine vergleichbar gute Leserbindung hat Bravo, die größte deutsche Jugendzeitschrift. Ihr Beratungsteam, unter dem Namen Dr. Sommer, führt seit 1956 Generationen von Jugendlichen in die Freuden der geschlechtlichen Liebe ein. Es gibt in Bravo berühmte Leserinnenfragen, wie etwa die: “Reicht mein Tampon zur Verhütung, weil es ja das Sperma aufsaugt?” Dr. Sommer riet ab.

Welcher Tablet also ist zu kaufen? Es gibt rund sechzig Anbieter. Klarer Marktleader ist der iPad von Apple mit dem Betriebssystem iOS. Die Konkurrenten wie Samsung, Motorola und Dell nutzen das Android-Betriebssystem, das Google entwickelt hat und das für Touchscreens speziell gut geeignet ist. Keine große Rolle im Tablet-Markt spielt hingegen Microsoft, weil sein Windows 7 für Tastschirme wenig taugt. Microsoft hat nun angekündigt, seine Software umzuschreiben, um sie für leichte, mobile Computer verwendbarer zu machen. Bis zu Windows 8 dauert es aber mindestens ein Jahr.

Ich würde heute auf Nummer sicher gehen und den iPad kaufen. Apple, anders als die meisten Konkurrenten, bietet Hard- und Software aus einer Hand. Das macht die Entwicklung stabiler. Der nächste iPad wird wohl auch eine Telefonfunktion haben. Wenn man Apple aus den USA unsympathisch findet, kauft man am besten den Galaxy von Samsung oder den französischen Archos. Die sind ähnlich gut.

Sind noch Fragen?

Erstveröffentlichung: Weltwoche Nr. 2 /2011

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