Wozu noch Journalismus?

24. August 2010 • Digitales • von

Erstveröffentlichung: sueddeutsche.de vom 7.8.2010

Im Netz entsteht ein neuer interaktiver Pluralismus. Gleichzeitig wird ein vollkommener Markt geschaffen, dem es noch an Geld mangelt. Der Journalismus wird auch das überleben.

Der moderne Messias trägt einen schwarzen Rollkragenpullover, ausgelatschte Joggingschuhe und eine randlose Brille des Schwarzwälder Markenherstellers Lunor, Modell “Classic”. Wenn Steve Jobs vor sein Publikum tritt, umgibt ihn eine mystische, fast religiöse Aura.

Die öffentlichen Auftritte des Apple-Chefs werden ebenso hoffnungsvoll wie unterwürfig zelebriert – denn Jobs hat sich aufs Revolutionieren ganzer Wirtschaftszweige spezialisiert: Vor einem guten Vierteljahrhundert die Computerindustrie, in den 1990er Jahren den Berufsstand der Graphiker und Werber, später dann die Musik- und Kino- und erst vor wenigen Jahren die Mobilfunkbranche. Seine Erfindungen setzen nicht Akzente, sondern Maßstäbe. Fans wittern in jeder seiner Gesten ein globales Trendsignal. Und seine Kritiker wünschen ihm nichts sehnlicher als einen Misserfolg – werden allerdings immer wieder enttäuscht.

Wer nach einem materialisierten Gottesbeweis sucht: Bei dem 55-Jährigen könnte er fündig werden – letztlich ist Apple eine Glaubensfrage. Denn auch dem neuesten Coup biblischen Ausmaßes, vom Wirtschaftsblatt Economist bereits vier Monate vor der Markteinführung im Januar 2010 ehrfürchtig “The Book of Jobs” genannt, eilte sein Ruf weit voraus: Das iPad, ein Ding, das aussieht wie eine Schiefertafel aus Plastik und Glas, kaum größer als ein Buch und um einiges leichter als eine volle Milchtüte, löste auch in Deutschland einen Hype aus, als stünde die nächste Medienrevolution ins Haus.

Welt der Informationen im Taschenbuchformat

Sexy, smart und sleek (dt. “geschmeidig”) – mit diesen Eigenschaften hat der Apple-Hohepriester schon dem iPhone seine Jünger zugeführt und sie zu Abhängigen gemacht, die ohne den mobilen Alleskönner nicht mehr sein wollen. Jetzt plant er, mit einem Tablet-PC unseren Konsum von Text, Bild und Video vollkommen umzukrempeln – und den Journalismus gleich mit. Vereinfacht gesagt: Zuerst hat Jobs den Menschen das Internet in die Hosentasche gesteckt, jetzt will er ihnen beweisen, wie faszinierend es sein kann, die Welt der Information im Taschenbuchformat zu nutzen.

Schon ist die Rede davon, dass iPad sei der “erste wahre Homecomputer” (Time) und die neue Generation der Tablet-Computer werde “alles verändern” (Wired Magazine). “Begeistert” (Economist) seien vor allem die Zeitungs- und Magazinverleger ob des großen Potenzials: Ihre Hoffnung sei es, neue Erlösmodelle im Anzeigen- und Vertriebsbereich zu finden, die ihnen alternative Möglichkeiten zur Finanzierung journalistischer Inhalte eröffnen.

Bekanntlich lebte der Journalismus bislang gut davon, Fragen zu stellen. Er war und ist organisierte Fragenstellerei. Üblicherweise werden dabei andere, Branchenfremde gefragt, um Informationen und Hinweise für neue, möglichst exklusive Geschichten zu bekommen. Doch unter dem Eindruck des digitalen Wandels durch das Internet und den damit verbundenen technologischen Innovationen richten Journalisten Fragen an sich selbst: Wie geht es weiter mit Zeitungen und Zeitschriften? Hat Papier noch Zukunft? Was wollen die Leute lesen? Wie kann man sie einbeziehen? Wo kommt das Geld her? Wie sieht das Geschäftsmodell aus?

Eine tiefe Verunsicherung hat eine Branche ergriffen, die davon profitiert, mit klugen Analysen und Kommentaren, spannenden Reportagen und investigativen Nachrichtenstories die Bürger aufzuklären. Die Verunsicherung im Journalismus wird jedoch größer, weil es mit jedem Monat mehr Fragen als Antworten gibt – und nicht abzusehen ist, wie sich der Medienkonsum verändert. Denn letztlich entscheiden Märkte, also in Geldeinheiten gefasste Kundenpräferenzen, über das Schicksal der Medienschaffenden. Aber was heißt das schon in einem Metier, das einen public service leistet, der von der Gesellschaft offensichtlich nicht mehr ausreichend als Nutzen für unser Gemeinwesen und unsere Demokratie goutiert wird.

Gesamtbild aus vielen Facetten

Die Redaktion von sueddeutsche.de hat in den vergangenen 26 Wochen die Essay-Reihe “Wozu noch Journalismus?” veröffentlicht, weil sie genug von Fragen hat und auf Antworten wartet. Der ökonomische Negativtrend ist kein Naturgesetz, sondern vermutlich auch Folge von Unterlassungssünden. Wer wäre also besser geeignet, Ideen zur Belebung der Branche beizutragen und Fehltritte anzuprangern als die Macher selbst? Es ging darum, ein Forum zu schaffen für Experten und Expertisen, für Beteiligte aus ganz verschiedenen Positionen.

So schreiben Medienwissenschaftler, Presse-Journalisten, Fernsehmoderatoren, Publizisten, Verlagsmanager und Berater über die Krise und ihre Folgen. Aus den vielen Einzelwahrnehmungen ergibt sich ein Gesamtbild. Das ist noch keine Lösung des Problems, wohl aber ein Anreiz, das ein oder andere zu versuchen, sich nicht resignativ einem Niedergang zu ergeben.

Wenn es eine Gemeinsamkeit der Beiträge gibt, dann ist es das Wissen darüber, dass Journalismus nicht einfach nur Umsatz und Gewinn bedeutet, dass die Suche nach Wahrheit mehr ist als eine Ware, und dass es sich lohnt, unabhängig von merkantilen Interessen zu kämpfen. Die Zeiten der einfachen Automatismen sind jedenfalls vorbei. Also die Zeiten, in denen beispielsweise mit dem ersten Hausstand ein Zeitungsabonnement eingerichtet wurde, das dann ein Leben lang hielt und an die Nachkommen weitergegeben wurde. Oder in denen die Werbeindustrie ohne viele Fragen Anzeigen und Spots bestellte, weil es schlicht an Auswahl fehlte. Zeiten, in denen passgenau Journale für ermittelte Zielgruppen entstehen konnten – ganz so, wie unter Marken wie Persil neue Waschmittel auf den Markt geworfen werden.

Journalismus hat es derzeit mit sehr viel Wandel auf einmal zu tun – und das wird noch einige Zeit andauern. Da sind die Konsumenten, für die Rituale nicht mehr zählen, sondern spontane Events. Da ist die Neigung jüngerer Menschen, sich online zu informieren, sei es am PC oder mit dem Smartphone. Da sind die Werbekunden, die mit dem Publikum mitgehen und sich am liebsten ihre eigenen Medien schaffen wollen. Und schließlich bietet die Industrie in immer kürzeren Abständen neue Geräte wie beispielsweise das iPad für den Medienkonsum.

Das, was jahrzehntelang getrennt war, wächst im Internet zwangsläufig zusammen. Jahrzehntelang beschäftigten sich Journalisten entweder mit Wort oder mit Ton oder Bild, online aber vermischen sich die hergebrachten Gattungen Presse, Radio und Fernsehen. Und damit besteht die Chance, eines neuen, aufregenden Journalismus. Auch das zeigt das Buch Wozu Journalismus?: Dass zwar viel von Konvergenz geredet wird, aber dass das Verständnis darüber, was das denn konkret bedeutet, welche Regeln gelten, erst schwach ausgebildet ist.

Für die Menschen sind die neuen Entwicklungen fürs Erste weniger schlimm als für die Macher. Das Internet schafft so etwas wie einen vollkommenen Markt, mit einer großen Weite an Information, die für sie (derzeit noch) kostenlos ist. Es lassen sich nicht nur mit wenigen Klick-Vorgängen die journalistischen Leistungen vieler Redaktionen vergleichen, es kommen auch die Möglichkeiten hinzu, sich selbst zu beteiligen und einzubringen, in Foren, Kommentaren und Blogs.

Das alles schafft einen neuen, interaktiven Pluralismus, der allerdings gelegentlich mit Vorsicht zu genießen ist. Denn was heißt das für die Meinungsbildung in einer Gesellschaft? Was bedeutet das für all diejenigen, die sich als “Vierte Gewalt” bezeichnen?

So sehr der Beruf des Journalismus einem fundamentalen Wandel unterliegt, so gravierend wirkt sich diese Entwicklung auch auf das journalistische Selbstbild und somit unsere gesamte Informationskultur aus: Mit Verschwinden des alten Geschäftsmodells schwindet nicht nur die existentielle Sicherheit, sondern auch das journalistische Gewissen, das redaktionelle Profile und Arbeitsprozesse bislang prägte.

Journalisten müssen künftig nicht nur für ihr Publikum arbeiten, sondern mit ihm in einen unablässigen Dialog treten. Journalismus wird nicht mehr als Produkt, sondern als steter Prozess verstanden, der seine Funktionen und Rollen noch deutlicher inmitten der Gesellschaft verortet. Dies betont seinen gemeinnützigen Charakter und stuft ihn als förderungswürdig ein – auch und besonders durch zivilgesellschaftliche Träger und Einrichtungen, etwa Stiftungen, die journalistische Projekte gezielt fördern.

Stiftung für Qualitätsjournalismus

Die neuerliche Diskussion über ein Leistungsschutzrecht für Verlage, das zeigen auch einige der Beiträge, täuscht über grundsätzliche Unsicherheiten hinweg: Vergütungen, Lizenzgebühren und andere Kleinstbeträge werden nicht das retten können, was immer deutlicher zur Disposition steht.

Gefragt werden sollte nicht nach der Zukunft einer oder vieler Verwertungsketten, sondern danach, wie bewährte Grundprinzipien eines mächtigen, weil verantwortungsvollen Berufsstandes wider alle Missstände erhalten werden können. Eine “Kulturflatrate” wäre deshalb nur dann sinnvoll, wenn sie (über alle Verteilungskämpfe erhaben) in eine Stiftung für Qualitätsjournalismus münden würde, bei dem sich Interessenten (Journalisten, Redaktionen, Blogger, Online-Portale) im Dienste des Journalismus um eine Förderung bewerben können, zum Beispiel für Rechercheprojekte, Stipendien und Auslandsaufenthalte.

Auch die deutsche Medienpolitik, das resultiert zumindest aus einzelnen Essays dieser Serie, sollte sich – schon im eigenen Interesse – aktiv daran beteiligen, die Rahmenbedingungen journalistischer Qualität und der Presse-Vielfalt dauerhaft zu erhalten. Dies kann einerseits in Form von gesetzgeberischen Maßnahmen geschehen, anderseits durch die Konsolidierung oder Förderung gemeinnütziger Initiativen in der journalistischen Aus- und Weiterbildung – jedoch keinesfalls durch einen blinden Protektionismus angeschlagener Branchen oder Wirtschaftszweige.

Es ist, so glauben wir, gerade Aufgabe der Medienpolitik, die generelle Funktion des Journalismus als “Vierte Gewalt” sicherzustellen, um mittelfristig einem weiteren Rückgang des demokratischen und zivilgesellschaftlichen Engagements entgegenzuwirken.

Der Journalist als Moderator

Wie verändert das Internet den Beruf, das Handwerk an sich? Fest steht: Das Internet verbessert oder verschlimmert den Journalismus nicht per se – denn es kommt darauf an, wie man es professionell einsetzt. Als offenes Raum-Zeit-Kontinuum weist es jedoch einige wesentliche Charakteristika im Vergleich zu anderen Medienkanälen auf, die – wenn sie handwerklich sinnvoll genutzt werden – die Qualität und das Erscheinungsbild journalistischer Angebote erheblich aufwerten.

Mindestens vier Ebenen werden den Journalismus nachhaltig verändern: 1. Neue Tiefenstrukturen erhöhen die Transparenz journalistischer Recherchen, 2. Das Dialog-Prinzip ermöglicht dynamische, sich fortschreibende Themen und Inhalte, 3. Angebote können individuell zusammengestellt und zielgruppenspezifisch vermittelt werden, 4. Die Einbindung des Users in Social Communities begünstigt die Entstehung redaktioneller Informations- und Wissensdatenbanken. Nach diesem Verständnis wandelt sich der Journalist also noch stärker zum Bildungsagenten und Moderator von Leser- und Zuschauerinteressen, der immer mehr auf die Mithilfe und Präferenzen der Nutzer angewiesen ist.

Die veränderten Raum- und Realitätsvorstellungen im Netz erfordern jedoch angepasste Arbeitstechniken und Darstellungsformen, die – auch das zeigen viele der Beiträge – größtenteils erst noch entwickelt werden müssen. Es steht letztlich außerfrage, dass professionelle Berichterstatter weiterhin gebraucht werden – allerdings müssen sie auch bereit sein, in anderen Kategorien, Kontexten und Begriffen zu denken, mit denen sie unsere Welt erschließen. Das tut vielleicht an manchen Stellen zunächst weh, aber nur so schaffen sie einen Mehrwert, reduzieren Komplexität – und verbessern die Qualität unserer Informationskultur.

An der Aushandlung eines neuen Gesellschaftsvertrags beteiligen

Der vorliegende Auswahl an klugen wie reflektierten Essays ist in diesem Sinne nicht nur lebendiger Beweis dafür, dass es im deutschsprachigen Raum nach wie vor eine blühende Medienpublizistik gibt, die sich um das Wohl und Wehe der Branche sorgt, sondern offenkundig auch ein geneigtes Publikum, das sich für derlei Debatten leidenschaftlich begeistern kann. Wir glauben, dass sich die Medien vorbehaltlos an der Aushandlung eines neuen Gesellschaftsvertrags beteiligen müssen, wenn ihre Vertreter, besonders die Journalisten, weiterhin eine zentrale Rolle einnehmen wollen – ganz gleich, ob als Beobachter, Vermittler, Anwälte, Moderatoren, Rechercheure oder Wortführer.

Diese professionellen Rollen und Routinen sind allerdings weder ein Menschenrecht noch Gottgegeben, sondern sie wurden über viele Jahrzehnte mühsam erlernt, verfeinert und von Journalistengeneration zu Journalistengeneration weitergetragen. Es wäre folgenreich, wenn der Journalistenberuf auf dem Altar der Wirtschaftlichkeit geopfert würde. Denn ohne hochwertigen Journalismus löst sich die Presse als verlässliche Institution in ihre molekularen Bestandteile auf – und das würde auf lange Sicht längst nicht nur dem Image der Verlage hierzulande schaden, sondern zweifellos auch unserer Demokratie. Nur die Provokation, die streitbare These kann die Systemrelevanz des Journalismus aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken.

ozu noch Journalismus? Im offenen Raum

07.08.2010, 18:34 2010-08-07 18:34:52

Ein Schlusswort von Stephan Weichert, Leif Kramp und Hans-Jürgen Jakobs

Im Netz entsteht ein neuer interaktiver Pluralismus. Gleichzeitig wird ein vollkommener Markt geschaffen, dem es noch an Geld mangelt. Der Journalismus wird auch das überleben.

Der moderne Messias trägt einen schwarzen Rollkragenpullover, ausgelatschte Joggingschuhe und eine randlose Brille des Schwarzwälder Markenherstellers Lunor, Modell “Classic”. Wenn Steve Jobs vor sein Publikum tritt, umgibt ihn eine mystische, fast religiöse Aura.

buchcover Bild vergrößern Das Buch zur Serie “Wozu noch Journalismus”, herausgegeben von Stephan Weichert, Leif Kramp und Hans-Jürgen Jakobs erscheint im September beim Verlag Vandenhoeck&Ruprecht, 200 Seiten, kartoniert, 17,90 Euro. (© Cover/sde)

Die öffentlichen Auftritte des Apple-Chefs werden ebenso hoffnungsvoll wie unterwürfig zelebriert – denn Jobs hat sich aufs Revolutionieren ganzer Wirtschaftszweige spezialisiert: Vor einem guten Vierteljahrhundert die Computerindustrie, in den 1990er Jahren den Berufsstand der Graphiker und Werber, später dann die Musik- und Kino- und erst vor wenigen Jahren die Mobilfunkbranche. Seine Erfindungen setzen nicht Akzente, sondern Maßstäbe. Fans wittern in jeder seiner Gesten ein globales Trendsignal. Und seine Kritiker wünschen ihm nichts sehnlicher als einen Misserfolg – werden allerdings immer wieder enttäuscht.

Wer nach einem materialisierten Gottesbeweis sucht: Bei dem 55-Jährigen könnte er fündig werden – letztlich ist Apple eine Glaubensfrage. Denn auch dem neuesten Coup biblischen Ausmaßes, vom Wirtschaftsblatt Economist bereits vier Monate vor der Markteinführung im Januar 2010 ehrfürchtig “The Book of Jobs” genannt, eilte sein Ruf weit voraus: Das iPad, ein Ding, das aussieht wie eine Schiefertafel aus Plastik und Glas, kaum größer als ein Buch und um einiges leichter als eine volle Milchtüte, löste auch in Deutschland einen Hype aus, als stünde die nächste Medienrevolution ins Haus.

Welt der Informationen im Taschenbuchformat

Sexy, smart und sleek (dt. “geschmeidig”) – mit diesen Eigenschaften hat der Apple-Hohepriester schon dem iPhone seine Jünger zugeführt und sie zu Abhängigen gemacht, die ohne den mobilen Alleskönner nicht mehr sein wollen. Jetzt plant er, mit einem Tablet-PC unseren Konsum von Text, Bild und Video vollkommen umzukrempeln – und den Journalismus gleich mit. Vereinfacht gesagt: Zuerst hat Jobs den Menschen das Internet in die Hosentasche gesteckt, jetzt will er ihnen beweisen, wie faszinierend es sein kann, die Welt der Information im Taschenbuchformat zu nutzen.

Schon ist die Rede davon, dass iPad sei der “erste wahre Homecomputer” (Time) und die neue Generation der Tablet-Computer werde “alles verändern” (Wired Magazine). “Begeistert” (Economist) seien vor allem die Zeitungs- und Magazinverleger ob des großen Potenzials: Ihre Hoffnung sei es, neue Erlösmodelle im Anzeigen- und Vertriebsbereich zu finden, die ihnen alternative Möglichkeiten zur Finanzierung journalistischer Inhalte eröffnen.

Bekanntlich lebte der Journalismus bislang gut davon, Fragen zu stellen. Er war und ist organisierte Fragenstellerei. Üblicherweise werden dabei andere, Branchenfremde gefragt, um Informationen und Hinweise für neue, möglichst exklusive Geschichten zu bekommen. Doch unter dem Eindruck des digitalen Wandels durch das Internet und den damit verbundenen technologischen Innovationen richten Journalisten Fragen an sich selbst: Wie geht es weiter mit Zeitungen und Zeitschriften? Hat Papier noch Zukunft? Was wollen die Leute lesen? Wie kann man sie einbeziehen? Wo kommt das Geld her? Wie sieht das Geschäftsmodell aus?

Eine tiefe Verunsicherung hat eine Branche ergriffen, die davon profitiert, mit klugen Analysen und Kommentaren, spannenden Reportagen und investigativen Nachrichtenstories die Bürger aufzuklären. Die Verunsicherung im Journalismus wird jedoch größer, weil es mit jedem Monat mehr Fragen als Antworten gibt – und nicht abzusehen ist, wie sich der Medienkonsum verändert. Denn letztlich entscheiden Märkte, also in Geldeinheiten gefasste Kundenpräferenzen, über das Schicksal der Medienschaffenden. Aber was heißt das schon in einem Metier, das einen public service leistet, der von der Gesellschaft offensichtlich nicht mehr ausreichend als Nutzen für unser Gemeinwesen und unsere Demokratie goutiert wird.

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  • Danke für diesen Beitrag.
    Technik wie das iPad alleine wird meiner Meinung den Qualitäts-Journalismus nicht retten.
    Ich lese seit über 25 Jahren “Die Zeit” weil ich will, dass sich ein Meister seines Fachs die notwendige Zeit nimmt, um für ein Thema die notwendigen Informationen zusammen zu tragen und über das Thema differenziert und fesselnd zu berichten.
    Ich bin davon überzeugt, einer von ganz vielen Menschen zu sein, der einen Mangel an Qualitäts-Journalismus spürt.
    Es ist die Relevanz der Beiträge für mein Leben, die darüber entscheidet, ob ich als Leser bereit bin, Geld auszugeben oder mich “kostengünstig” und ohne Filter im Internet informiere.
    Diese Relevanz spüre ich. Es ist das Gefühl, die “Geschichte” berührt mich. Neben den reinen Fakten (Antworten auf die vielen W-Fragen) will ich auch das Gefühl haben dabei zu sein.
    Dann erzähle ich auch anderen davon und es entsteht eine gemeinsame Geschichte. Diese ist Voraussetzung dafür, dass ich mich nach dem Lesen aufmache und mich in die Gesellschaft einbringe.
    Dann kaufe ich auch die nächste Ausgabe.

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