Zuflucht und Zweifel

20. März 2017 • Digitales • von

Amerikanische Hochschulen machen es vor: Daten schützen heißt auch, ihnen eine Zuflucht geben vor dem Zugriff der Regierung – und Zweifel anbringen.

Jedes Wochenende treffen sich Forscher, Studenten, Bibliothekare, Digitalarchivare und Interessenten zu „Data Refuge Events“. Ihre Mission: Daten eine Zuflucht geben vor dem Zugriff der Regierung Trump, sammeln, sichten, kopieren, auf Echtheit prüfen und in geheimen Datenunterkünften in den USA und im Ausland sichern.

Ein Team der University of Pennsylvania, berichtet das Fachmagazin Columbia Journalism Review, stieß Ende 2016 diese Bewegung an, das Libraries Network stieg ein und illustriert in einem Kurzfilm, wie bedeutsam Daten für die Forschung und für jeden von uns sind, mittlerweile sind Hochschulen in 17 Bundesstaaten im Boot, unter ihnen Harvard, Yale und MIT. Sie befürchten, Datensätze werden das nächste Opfer der Bildung „alternativer Fakten“ in der „Post-Truth-World“ einer Regierung sein, die als „Fake“ brandmarkt, was ihr nicht passt, und Informationen zu Klimaschutz und Tierschutz von ihren Webseiten nimmt. Eine Studie zum Einfluss rechtsorientierter Medien wie „Breitbart“ auf den Wahlausgang bestärkt die Sorge: gezielte Desinformation vereinnahme Menschen besonders leicht.

All dies sollte uns anstacheln, ebenfalls systematischer vorzugehen. Politiker haben oft versucht, ihnen unliebsame Daten klein zu reden, Kanadas Ex-Premier Stephen Harper etwa schloss Datenerhebungsinstitute und verpasste Wissenschaftlern einen Maulkorb, damit sie für seine Politik heikle Daten nicht an Medien verrieten.

Daten spiegeln wider, wie wir unsere Welt beobachten. Wir erzeugen immer größere Datenmengen und prägen durch sie unser Zusammenleben. Diesen Daten gilt es Zuflucht zu bieten vor Übergriffen auf gesellschaftspolitischer wie personenbezogener Ebene und sie z.B. vor Verzerrung zu schützen, indem wir sie auch anzweifeln: Indem Datenjournalisten etwa ausdrücklich markieren, wenn Daten zu schön sind, um wahr zu sein. Indem unabhängige Teams auch Daten erheben, die unbequeme Wahrheiten beinhalten. Und indem Online- oder Kommunikationsforscher ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen und sich mit kritischer Stimme zu Wort melden.

Erstveröffentlichung: tagesspiegel.de vom 20. März 2017

Bildquelle: pixabay.com

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