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		<title>Medienpolitik in Dänemark</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 15:59:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Wise</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
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		<description><![CDATA[Dänische Studie skizziert Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des dänischen Mediensystems. In einer kürzlich erschienenen Fallstudie haben Rasmus Helles, Henrik Søndergaard und Ida Toft von der Universität Kopenhagen (UCPH) gemeinsam mit dem MEDIADEM-Projekt untersucht, ob die Medienpolitik in Dänemark die Freiheit und Unabhängigkeit der Medien fördert. Laut der Wissenschaftler ist die dänische Medienpolitik zwischen zwei Wünschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.flickr.com/photos/mag3737/5463694639/sizes/s/in/photostream/"><img class="size-full wp-image-6149 alignleft" title="Foto: mag3737 / Flickr" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/D%C3%A4nemark.jpg" alt="" width="240" height="240" /></a>Dänische Studie skizziert Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des dänischen Mediensystems.</strong></p>
<p>In einer kürzlich erschienenen Fallstudie haben Rasmus Helles, Henrik Søndergaard und Ida Toft von der Universität Kopenhagen (UCPH) gemeinsam mit dem <a href="http://www.mediadem.eliamep.gr/findings/" target="_blank">MEDIADEM</a>-Projekt untersucht, ob die Medienpolitik in Dänemark die Freiheit und Unabhängigkeit der Medien fördert. Laut der Wissenschaftler ist die dänische Medienpolitik zwischen zwei Wünschen hin- und hergerissen: „Dem Wunsch, die Vielfalt der Medieninhalte zu bewahren und anzukurbeln und dem Wunsch nach unabhängigen Medien, die ihre demokratische Aufgabe in der Gesellschaft erfüllen.“</p>
<p>In dem Bericht „Fördert Medienpolitik die Freiheit und Unabhängigkeit der Medien?“ wird die dänische Medienlandschaft ausführlich beschrieben. Die Autoren weisen dabei vor allem darauf hin, dass das Subventionssystem der Medien das Hauptziel von Reformen sein sollte. Obwohl es für alle wichtigen Beteiligten des Medienmarkts eindeutig sei, dass das Subventionssystem der Medien verbessert werden müsse, sei es schwierig sich zu einigen. Während der Reformprozess immer komplizierter und bürokratischer werde, bleibe es das Hauptziel, ein unabhängiges Mediensystem in Dänemark zu fördern.<span id="more-6144"></span></p>
<p><strong>Das Mediensystem</strong></p>
<p>Helles, Søndergarrd und Toft erklären die Komplexität der dänischen Medienpolitik mit dem Vorhandensein mehrerer Zusatzfaktoren. So sei der Medienmarkt in Dänemark wegen seiner geringen Größe einzigartig. Seine Größe führe zur Entstehung eines zerbrechlichen Systems, das auf Privatisierung und Förderungen mit öffentlichen Geldern angewiesen sei. Kern dieses Systems sei die Notwendigkeit, dass die Medien pluralistisch und unabhängig zugleich blieben, was im digitalen Zeitalter immer schwieriger werde.</p>
<p>Die momentan auftretenden Störungen des Marktes hätten die Konkurrenz zwischen den öffentlichen und privaten Medien erhöht, wodurch ein System, das bisher immer harmonisch funktioniert habe, zerrüttet werde. Wie in vielen Medienmärkten weltweit belaste die Digitalisierung den Rundfunk und die Printmedien, da die Öffentlichkeit immer weniger bereit sei, für Inhalte zu bezahlen. In der Vergangenheit hätten mit öffentlichen Geldern finanzierte Rundfunkanstalten und privat finanzierte Printmedien unabhängig voneinander existiert. Seit der Medienmarkt aber kleiner werde, sei es nicht unüblich, auch Rundfunkmedien zu privatisieren. Der Kampf um Medienkonsumenten werde damit vor allem bei den privaten Medienunternehmen immer härter.</p>
<p>In der MEDIADEM-Fallstudie wird auch darauf hingewiesen, dass die Beziehung zwischen Pluralismus und Meinungsfreiheit komplex ist. Obwohl Pluralismus Zustimmung und Unterstützung findet, weil dadurch freie und offene gesellschaftliche Debatten ermöglicht werden, gibt es auch Vertreter, die sich dafür einsetzen, dass Fördermittel für Medien reduziert werden. Sie argumentieren, dass ein System, das Pressekanäle finanziell unterstützt, der Unabhängigkeit der Medien widerspricht.</p>
<p><strong>Reformen und Ziele </strong><strong></strong></p>
<p>Helles, Søndergarrd, und Toft betonen, dass das System der öffentlichen Finanzierung der dänischen Medien zwar notwendig, der Prozess jedoch mühselig und durch sehr viel politisches Getue gekennzeichnet  sei. Das derzeitige System, das sich beim sparsamen Verteilen der öffentlichen Gelder  an Vertriebszahlen orientiert, könne keine zulässige Option mehr sein.</p>
<p>Über neue Initiativen in der Medienpolitik verhandeln dänische Parteien mit Hilfe des sogenannten Drei-Stufen-Prozesses. Er beginnt mit Konferenzen und Treffen zwischen Parteien und Vermittlern, dann wird ein Vorschlag des Kulturministeriums formuliert und schließlich verhandeln das Kulturministerium und die Sprecher der jeweiligen Parteien. Obwohl Einwände seitens der öffentlichen und politischen Vertreter vorgebracht werden können, werden Veränderungen nur sehr selten vorgenommen. Kommt es in seltenen Fällen doch zu Veränderungen, betreffen diese meistens die Finanzierung der unterschiedlichen Pressekanäle und die Programminhalte.</p>
<p>Obwohl bisher nur wenige Vorschläge über Finanzierungsreformen gemacht wurden, legt der vor kurzem erschienene dänische Medienbericht „Förderung der Demokratie: Die Zukunft der öffentlichen Medienförderung“ (Dyremose, 2011) nahe, dass nicht Auflagenzahlen, sondern die Nachrichtenproduktion ausschlaggebend für die Verteilung der Subventionen sein sollten.</p>
<p>Dieser Bericht, verfasst von einem Komitee, das ein neues Medienförderungsmodell entwickeln sollte, skizziert ein System, das Journalisten unmittelbar unterstützen und gleichzeitig Zeitungsproduktionen subventionieren kann. Diese Reformen wurden nicht nur deshalb vorgeschlagen, weil die Zeitungen nach wie vor 70 Prozent der Nachrichteninhalte in Dänemark liefern, sondern auch weil dies sinnvoller erschien, als Komitees zu gründen, die über die Fördermittel bestimmen.</p>
<p>Bei einer solchen direkten Verteilung der öffentlichen Gelder an Journalisten und Printnachrichten könnten die  Medien ihre Unabhängigkeit bewahren und gleichzeitig politische Eingriffe umgehen.</p>
<p>Wäre die Finanzierung nicht mehr von den Auflagenzahlen abhängig, könnten laut der MEDIADEM-Studie zusätzlich die Beschränkungen beim  Markteintritt, die vom „alten, Plattform-spezifischen System“ auferlegt wurden, gelockert werden.</p>
<p>Kritiker, inklusive der  Behörde für Wettbewerb und Verbraucherschutz, geben zu bedenken, dass dies zu einem noch überfüllteren Markt führen könnte, in dem die großen Medienunternehmen einen größeren Teil der Fördergelder bekommen würden.</p>
<p>Am Ende des Berichts weisen die Autoren auf den Einfluss der Medienpolitik der Europäischen Union auf die heutigen Regelungen der dänischen öffentlich-rechtlichen Medien hin: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird nach wie vor als Grundstein der dänischen Medienpolitik und auch der dänischen Kulturpolitik angesehen.“</p>
<p><em>Übersetzt aus dem Englischen von Miryam Nadkarni</em></p>
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		<title>„Der Ruf der Stunde“</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 16:08:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt W. Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Aktionäre]]></category>
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		<description><![CDATA[Alle fordern &#8220;Transparenz, Transparenz, Transparenz!&#8221;. In den Medien ist das nicht ganz falsch. Das beste Beispiel kennen selbst in der Medienbranche nur ganz wenige, wenngleich das Beispiel über dreißig Jahre alt ist. Das Beispiel stammt aus Basel. In den siebziger Jahren war der Zürcher Verleger Max Frey Mehrheitsaktionär der damaligen Basler Nachrichten. 1977 fusionierte sein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-6140 alignleft" title="Foto: Kurt Michel  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/Franken.jpg" alt="" width="240" height="180" /></a>Alle fordern &#8220;Transparenz, Transparenz, Transparenz!&#8221;. In den Medien ist das nicht ganz falsch.</strong></p>
<p>Das beste Beispiel kennen selbst in der Medienbranche nur ganz wenige, wenngleich das Beispiel über dreißig Jahre alt ist. Das Beispiel stammt aus Basel.</p>
<p>In den siebziger Jahren war der Zürcher Verleger Max Frey Mehrheitsaktionär der damaligen <em>Basler Nachrichten</em>. 1977 fusionierte sein Blatt mit der<em> National-Zeitung </em>zur neuen <em>Basler Zeitung</em>. Max Frey hielt in der Folge an der <em>Basler Zeitung </em>50 Prozent. Im Verwaltungsrat hatte er darum ein Vetorecht. Freys Geschäftsführer Beat Curti nahm für ihn an den VR-Sitzungen der <em>Basler Zeitung </em>teil.</p>
<p>Max Frey hielt die 50-Prozent-Beteiligung geheim. In den VR-Protokollen jener Zeit taucht nicht einmal der Name seines Geschäftsführers Curti auf. Warum wollte Frey keine Transparenz? Er fürchtete, dass die isolationistische Basler Gesellschaft einen Zürcher nicht akzeptieren würde. Es hätte Leser und Umsatz gekostet.<span id="more-6139"></span></p>
<p>Ein zweites Beispiel aus den neunziger Jahren: Ich saß damals in der Konzernleitung von Tamedia. Tamedia hatte eine 30-Prozent- Beteiligung an der <em>Finanz und Wirtschaft</em> und ein Vorkaufsrecht auf den Rest. Niemand wusste davon. Warum wollte Tamedia keine Transparenz? Sie fürchtete, dass das linke Image des eigenen Verlagshauses der stockbürgerlichen <em>Finanz und Wirtschaft </em>schaden würde. Es hätte Leser und Umsatz gekostet.</p>
<p>Warum wollte Christoph Blocher bei der <em>Basler Zeitung </em>keine Transparenz? Er fürchtete kaum die Reaktion der Öffentlichkeit. Die ist ihm seit je wurst. Doch sein Name, wie zu beweisen war, hätte Leser und Umsatz gekostet.</p>
<p>Damit sind wir bei Philipp Hildebrand. Die <em>Weltwoche </em>hat ihn abgeschossen, zu Recht, weil man sich im Service public nicht als privater Spekulant bereichern darf. Allerdings beging das Blatt den hitzköpfigen Fehler, Hildebrand als Lügner und als Gauner zu betiteln. Die Debatte wurde dadurch unnötig emotionalisiert. Emotionen rufen immer Populisten wie SPPräsident Christian Levrat und CVP-Pendant Christophe Darbellay auf den Plan. Sie fordern nun mehr Kontrolle der Medien, etwa eine völlige Offenlegung der Besitzverhältnisse und Finanzierungen. Primär ist es eine Strafaktion gegen die <em>Weltwoche</em>, weil sie hier die Besitzverhältnisse anzweifeln.</p>
<p><strong>Wem gehört die <em>Weltwoche</em>? </strong></p>
<p>Zuerst zum Konkreten. Als Roger Köppel 2006 die <em>Weltwoche </em>kaufte, musste er nach meinen Informationen gegenüber dem Verkäufer Tito Tettamanti eine fünfjährige Sperrfrist eingehen, während deren er nicht an Dritte verkaufen durfte. Dafür sicherte Tettamanti die Bankkredite ab, weil keine Bank einem Journalisten einfach so zwölf Millionen leiht. Seit 2007 hat Köppel jährlich zwischen ein und zwei Millionen Franken verdient und die Kredite zu gutem Teil zurückzahlen können. Levrat und Darbellay dürften enttäuscht sein: Das Blatt gehört heute seinem Herausgeber. Wenn er jetzt verkaufen würde, läge sein Profit bei etwa fünfzehn Millionen.</p>
<p>Nun zum Generellen. Hier haben für einmal die Populisten recht. Medien können nicht Transparenz bei Dritten verlangen, sich diesem Gebot aber in eigener Sache verweigern. Medienhäuser müssen heute schon ihre «namhaften Beteiligungen» öffentlich machen, wobei als «namhaft» mehr als rund zehn Prozent des Aktienkapitals gelten. Dieselbe Regelung erscheint auch gegen innen sinnvoll. Ich würde ein Gesetz unterstützen, wonach Medienhäuser all ihre Aktionäre benennen müssen, die mehr als zehn Prozent ihres Kapitals halten. Wünschenswert wäre auch Transparenz über Kredite, Aktienrechte und Bürgschaften. Aber das werden die Branchengrößen wie Tamedia, Ringier und NZZ nicht zulassen.</p>
<p>Medien müssen laut sein. Darum brauchen sie keine stillen Teilhaber.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Weltwoche Nr. 3/2012</em></p>
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		<title>Kritikkultur in Redaktionen: Fehlanzeige</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Feb 2012 13:43:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susanne Fengler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethik & Qualitätssicherung]]></category>
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		<description><![CDATA[Journalisten haben große Schwierigkeiten, professionell mit Kritik umzugehen: Weder wagen sie es in Redaktionskonferenzen, die Arbeit von Kollegen in Frage zu stellen – noch sind sie gewillt, Kritik von außen anzunehmen. Zu diesem Ergebnis kommt die Kommunikationswissenschaftlerin Yael de Haan in ihrer Studie über Medienselbstkontrolle und journalistische Verantwortung in drei niederländischen Redaktionen. Ausgangspunkt des Forschungsprojekts [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-6135 alignleft" title="Foto: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/Kritik.jpg" alt="" width="242" height="169" /></a>Journalisten haben große Schwierigkeiten, professionell mit Kritik umzugehen: Weder wagen sie es in Redaktionskonferenzen, die Arbeit von Kollegen in Frage zu stellen – noch sind sie gewillt, Kritik von außen anzunehmen. </strong></p>
<p>Zu diesem Ergebnis kommt die Kommunikationswissenschaftlerin Yael de Haan in ihrer Studie über Medienselbstkontrolle und journalistische Verantwortung in drei niederländischen Redaktionen.</p>
<p>Ausgangspunkt des Forschungsprojekts war die Beobachtung, dass Politiker und Öffentlichkeit auch in den Niederlanden seit Anfang der 90er Jahre vermehrt kritisch über die Rolle der Medien in der Gesellschaft zu diskutieren begannen. War die Debatte in den 90er Jahren noch eher von Medienstruktur- und Medienpolitikfragen geprägt, traten nach der Jahrtausendwende Themen der Medienverantwortung in den Vordergrund. Auslöser für eine intensive Auseinandersetzung war in den Niederlanden insbesondere der Aufstieg des umstrittenen Politikers Pim Fortuyn und seine Ermordung im Jahr 2002, für die Kritiker auch das von den Medien geschaffene Klima verantwortlich machten.<span id="more-6131"></span></p>
<p>In den Folgejahren haben die von Yael de Haan im Rahmen einer Fallstudie untersuchten führenden niederländischen Medien – die Tageszeitung <em>de Volkskrant</em> sowie die Redaktionen <em>NOS Nieuws</em> beim öffentlichen und <em>RTL Nieuws</em> beim privaten Fernsehen – zahlreiche etablierte und innovative Instrumente der Media Accountability – Ombudsleute, Redaktionsblogs, Korrekturspalten, Dialogangebote per Social Media usw. – eingeführt. Doch welche Bedeutung haben sie in der redaktionellen Praxis? Dieser Frage geht de Haan in ihrer Studie nach. Methodologische Besonderheit: Im Rahmen von ethnographischen Studien hat sie jeweils drei Monate als teilnehmende Beobachterin in den Redaktionen verbringen und auf diese Weise untersuchen können, wie die Redakteure in den Medienhäusern in der täglichen Praxis mit den genannten Instrumenten umgehen.</p>
<p>Das Ergebnis ist ernüchternd: In den von de Haan untersuchten Redaktionen fehlt es an einer konstruktiven Kritikkultur, was wiederum einem konstruktiven Einsatz der Accountability-Instrumente im Wege steht. Oft waren Zeitprobleme, mitunter Management-Fehler daran schuld – so suchte die neue Ombudsfrau von <em>NOS Nieuws</em> vor allem den Kontakt zur Chefebene, in der Redaktion selbst ließ sie sich kaum blicken; vielfach blockierten aber auch die Journalisten selbst Prozesse der Selbstreflexion: Obwohl insbesondere die Chefredakteure von <em>de Volkskrant</em> und <em>NOS Nieuws</em> dezidiert für Medienverantwortung und Medienselbstreflexion eintreten und zahlreiche innovative Instrumente der Media Accountability in ihren Redaktionen eingeführt haben, gaben viele der von de Haan befragten Redakteure anonym zu, es nicht zu wagen, in Redaktionskonferenzen Kritik zu äußern.</p>
<p>Gibt es kritische Bemerkungen zu Beiträgen von Kollegen, werden diese eher in Flurgesprächen – und meist hinter dem Rücken der Betroffenen – geäußert, was einer konstruktiven und professionellen Verwertung der Kritik ebenfalls diametral im Wege steht. Aber nicht nur die ambivalente Kritikkultur in den Redaktionen verhindert einen konstruktiven Dialog über Medienverantwortung unter den Journalisten: Vielfach, so hat de Haan weiter beobachtet, legen Journalisten größten Wert auf ihre professionelle Autonomie und lehnen es rundweg ab, Kritik von außen anzunehmen.</p>
<p><em>Yael de Haan (2011): Between Professional Autonomy and Public Responsibility: accountability and responsiveness in Dutch media and journalism. Amsterdam.</em></p>
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		<title>Wie twittern Journalisten?</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 11:26:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tina Bettels</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Gatekeeper]]></category>
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		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>
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		<category><![CDATA[wertend]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie Journalisten sich das Social Web zunutze machen, und ob sie dabei professionelle Grenzen überschreiten &#8211; das haben jetzt drei US-amerikanische Medienforscher analysiert. Eines der zentralen Ergebnisse: Für viele Journalisten ist es gang und gebe, ihre Meinung via Twitter kundzutun – eine Praxis, die der Norm der journalistischen Objektivität jedoch grundsätzlich eher widerspricht. Dabei zeigte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/wellohorld/6128232600/sizes/o/in/photostream/"><img class="size-full wp-image-6118 alignleft" title="Foto: wellohorld / Flickr" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/Twitter-bird-Kopie.jpg" alt="" width="240" height="180" /></a><strong>Wie Journalisten sich das Social Web zunutze machen, und ob sie dabei professionelle Grenzen überschreiten &#8211; das haben jetzt drei US-amerikanische Medienforscher analysiert.</strong></p>
<p>Eines der zentralen Ergebnisse: Für viele Journalisten ist es gang und gebe, ihre Meinung via Twitter kundzutun – eine Praxis, die der Norm der journalistischen Objektivität jedoch grundsätzlich eher widerspricht.</p>
<p>Dabei zeigte sich, dass die Tweets der Journalisten, die für kleine und lokale Medienunternehmen arbeiteten, wertender waren als die ihrer Kollegen, die für überregionale „elitäre“ Medien tätig waren.</p>
<p>Insgesamt haben die Kommunikationswissenschaftler Dominic L. Lasorsa, Seth C. Lewis und Avery E. Holton 22.000 Tweets von 430 Journalisten auf die folgenden drei Forschungsfragen hin untersucht: Geben Journalisten ihre Rolle als unabhängige Informationsvermittler auf, wenn sie ihre Meinung twittern? Lassen Journalisten, die die Einträge anderer teilen („retweeten), damit andere Twitter-Nutzer an ihrer Gatekeeper-Rolle teilhaben? Stellen Journalisten Transparenz über ihre journalistische Arbeit her, indem sie über ihre Arbeit twittern, mit anderen Twitter-Nutzern diskutieren und zu externen Quellen verlinken?<span id="more-6117"></span></p>
<p>Die Spannbreite der Twitter-Fangemeinde US-amerikanischer Journalisten ist groß: George Stephanopoulos von ABC News führte zum Zeitpunkt der Untersuchung im September 2009 auf Platz 1 mit 1.224.118 Anhängern, Andy Newman von der New York Times kam auf Platz 500 mit 690 Anhängern.</p>
<p>Fast 16 Prozent der untersuchten Tweets waren in erster Linie wertend. Zusätzlich enthielten 27 Prozent der Tweets, die hauptsächlich Informationen übermittelten, mindestens ein „Meinungselement“.</p>
<p>Bis zu einem gewissen Grad ließen die Journalisten auch andere Twitter-Nutzer an ihrer Gatekeeper-Rolle teilhaben: Mehr als 15 Prozent der journalistischen Mikroblogs waren Retweets.</p>
<p>Ebenso nutzten die Journalisten bis zu einem gewissen Grad Twitter, um Transparenz über ihre journalistische Arbeit herzustellen: Etwa neun Prozent der Tweets vermittelten in erster Linie Informationen über den Job; zudem konzentrierten sich 14,9 Prozent auf  Diskussionen mit den Nutzern.  42 Prozent der Tweets enthielten einen externen Link, der auch als Indikator für Transparenz gilt. Die Forscher stellten allerdings auch fest, dass In 20,2 Prozent der Tweets die Journalisten über ihr Privatleben bloggten.</p>
<p>Dabei fiel den Wissenschaftlern auf, dass die Journalisten der überregionalen Zeitungen und Fernsehsender nicht annähernd so meinungsfreudig twitterten wie ihre Kollegen der lokalen – weniger ‚elitären‘ – Medienunternehmen.  Es scheint, so Lasorsa, Lewis und Holton, als hätten sie weniger Probleme, mit dem Publikum zu diskutieren und auch ihre Gatekeeper-Rolle mit ihm zu teilen. Zudem sei es für Journalisten, die für prestigeträchtige Medienunternehmen arbeiten, generell einfacher, viele Anhänger auf Twitter zu bekommen, ohne viel dafür zu tun. Journalisten von kleineren lokalen Medien müssten dagegen „interessanter und aktiver“ sein, um sich auf Twitter Gehör zu verschaffen.</p>
<p><strong>Die Untersuchungsmethode</strong></p>
<p>Für die Studie wurden zunächst 500 Journalisten identifiziert, die laut der Website <a href="http://www.muckrack.com/" target="_blank">Muck Rack</a> die meisten Anhänger auf Twitter hatten.</p>
<p>Im Folgenden wurden dann die Tweets von 430 Journalisten analysiert, da einige Journalisten entweder ihr Twitter-Konto nach der Auswahl im September 2009 gelöscht oder während des zweiwöchigen Untersuchungszeitraums der Studie im Oktober 2009 nicht getwittert hatten.</p>
<p>Von den ausgewählten Journalisten arbeiteten 27 Prozent für überregionale Zeitungen, 21,8 Prozent für Lokalzeitungen, 15,2 Prozent für Zeitschriften, 10,8 Prozent für überregionales Fernsehen, 9,8 Prozent für Kabelfernsehen, 9,4 Prozent für Online-Nachrichtenseiten, 2,2 Prozent für Radiosender, 2 Prozent für Nachrichtenagenturen und 1,8 Prozent für sonstige Medienunternehmen.</p>
<p>Während des Untersuchungszeitraums wurden täglich die ersten zehn Twitter-Einträge jedes Journalisten codiert. Im Durchschnitt verfassten die Journalisten 5,6 Einträge pro Tag.  Der Rekord: Ein einziger Journalist allein verfasste 810 Einträge innerhalb der untersuchten zwei Wochen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Lasorsa, Dominic L.; Lewis Seth C.; Holton, Avery E. (2012): Normalizing Twitter. Journalism practice in an emerging communication space. In:  Journalism Studies, Vol. 13, No 1, S. 19-36.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Kleiner Markt, viele Probleme</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/6100/ethik-qualitatssicherung/kleiner-markt-viele-probleme</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 15:25:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Milica Jevtic und Marko Nedeljkovic</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethik & Qualitätssicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Besitzverhältnisse]]></category>
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		<category><![CDATA[Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Serbien]]></category>

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		<description><![CDATA[Obwohl Serbien gerade einmal sieben Millionen Einwohner hat, gibt es dort immerhin 610 Printmedien und 456 elektronische Medienplattformen. Der Mangel an transparenten Besitzverhältnissen, der Mangel an Freiheit und die Einmischung der Regierung in die verschiedenen Pressekanäle sind nur einige Probleme der serbischen Medienlandschaft. Der Markt Die Presse: Eines der größten Probleme, dem die inländische Presse [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="size-full wp-image-6101 alignleft" title="Serbien" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/SERBIA-300x171.jpg" alt="" width="240" height="147" />Obwohl Serbien gerade einmal sieben Millionen Einwohner hat, gibt es dort immerhin 610 Printmedien und 456 elektronische Medienplattformen.</strong></p>
<p>Der Mangel an transparenten Besitzverhältnissen, der Mangel an Freiheit und die Einmischung der Regierung in die verschiedenen Pressekanäle sind nur einige Probleme der serbischen Medienlandschaft.</p>
<p><strong>Der Markt</strong></p>
<p><strong>Die Presse:</strong> Eines der größten Probleme, dem die inländische Presse gegenüber steht, ist die gewaltige Konkurrenz: Angaben der ‚Serbian Business Registers Agency‘ zufolge existieren 610 Pressekanäle, darunter  20 Tageszeitungen und 83 wöchentlich erscheinende Zeitschriften. Die meisten werden landesweit verbreitet. Laut der ‚Unabhängigen Journalistenvereinigung Serbiens‘ (NUNS) haben Werbekunden 2009 36 Millionen Euro in Printmedien investiert. Im Durchschnitt sind dies 72.000 Euro für jedes Printmedium, was bedeutet, dass sie alle von jeweils 6.000 Euro monatlich überleben mussten. Obwohl Presseerzeugnisse mehr als die Hälfte der Medienunternehmen des Landes ausmachen, erhalten sie nur 22 Prozent des in Medien investierten Geldes, da Unternehmer lieber ins Fernsehen investieren. <span id="more-6100"></span>Der Internationalen Fernsehexperten Gruppe zufolge war Serbien vor drei Jahren Weltmeister im Fernsehgucken, weil der durchschnittliche serbische Bürger 302 Minuten, d.h. mehr als fünf Stunden, täglich Fernsehen schaut (zum Vergleich: der durchschnittliche US-Bürger guckt 298 Minuten am Tag). Wenn man außerdem berücksichtigt, dass nur sieben Prozent der Internetnutzer die Online-Ausgaben der Printmedien lesen, wird deutlich, dass der Pressemarkt um sein Überleben kämpft.</p>
<p><strong>Elektronische Pressekanäle:</strong> Laut Zahlen der <a href="http://www.rra.org.rs/cirilica" target="_blank">Republic Broadcasting Agency</a> hat Serbien 134 registrierte Fernsehsender (sechs mit landesweiter Berichterstattung und 30 regionale sowie 98 lokale Sender) und 322 Radiosender (fünf landesweite, eine provinzielle, 48 regionale und 268 lokale). Es gibt zwei öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten: die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Serbiens (<a href="http://www.rts.rs/" target="_blank">Radio-televizija Srbije/Radio-Television Serbia – RTS)</a> mit zwei Fernseh- und drei Radiosendern und die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt von Vojvodina (<a href="http://www.rtv.rs/" target="_blank">Radio–televizija Vojvodine/Radio-Television Vojvodina – RTV)</a> mit zwei Fernseh- und drei Radiosendern. Momentan ist die Digitalisierung der TV-Programme eine der größten Herausforderungen. Der Übergang von analog auf digital, der ursprünglich für den 4. April 2012 angesetzt war, wird nun erst teilweise ab Ende 2012 umgesetzt werden können. Der ganze Prozess soll spätestens bis zum 17. Juni 2015 abgeschlossen sein.</p>
<p><strong>Das Internet:</strong> Angaben der Republikanischen Statistik Agentur zufolge verfügen 41,2 Prozent der serbischen Haushalte über einen Internetanschluss; 42,2 Prozent der Bevölkerung haben das Internet in den letzten drei Monaten genutzt; über 1.900.000 Bürger nutzen es täglich oder fast täglich; und 53 Prozent haben es noch nie genutzt. 91,8 Prozent der Bevölkerung im Alter von 16 bis 24 Jahre nutzen soziale Netzwerke, was höher ist als in fast allen anderen Länder. Das weltweit beliebteste soziale Netzwerk Facebook hat über 3.120.000 serbische Profile (Quelle: <a href="http://www.socialbakers.com/facebook-statistics/" target="_blank">Socialbakers</a>).</p>
<p><strong>Journalistenverbände:</strong> Es gibt zwei journalistische Verbände in Serbien: Den Journalistenverband Serbiens <a href="http://www.uns.org.rs/en-GB/" target="_blank">/ Udruzenje novinara Srbije (UNS)</a>, der 1981 gegründet wurde und etwa 6.000 Mitglieder hat und die Unabhängige Journalistenvereinigung Serbiens <a href="http://www.nuns.rs/" target="_blank"> / Nezavisno udruzenje novinara Srbije (NUNS)</a>, die 1994 von Journalisten gegründet wurde, die mit der <em>UNS</em> unzufrieden waren, und rund 3.300 Mitglieder hat. Seit ihrer Aufspaltung gibt es ständig Konflikte zwischen den beiden Verbänden, was die Solidarität unter den Journalisten in Mitleidenschaft zieht. Es sollte darauf hingewiesen werden, dass der <a href="http://www.savetzastampu.rs/english/" target="_blank">Presserat</a> erst seit September 2011 aktiv ist.</p>
<p><strong>Der Besitz</strong></p>
<p>Ein deutlicher Mangel an Transparenz und Staatseigentum sind die Merkmale der Besitzstrukturen der serbischen Medien. Dem Staat gehört die Nachrichtenagentur Tanjug und er hat Besitzanteile an der Tageszeitung Vecernje novosti, der ältesten Zeitung des Balkans, sowie an Politika und an Dnevnik aus Novi Sad. Die Nachrichtenagenturen Beta, FoNet und Infobiro sind in Privatbesitz. Zurzeit gibt es fünf Sender mit überregionalen Frequenzen: TV Avala, TV B92, TV Prva, TV Pink und TV Happy sowie zwei Kanäle, die zu den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gehören (RTS1 und RTS2). Die TV-Programme Pink und Happy sind die einzigen überregionalen Sender, die juristischen Personen gehören. Einem Bericht des Anti-Korruptions-Rats zufolge gab es zwischen 2008 und 2010 unter den 30 bedeutendsten Pressekanälen (zwölf Tageszeitungen, sieben Wochenzeitschriften, sechs TV-Sendern und fünf Radiosendern) 18 Unternehmen, deren tatsächliche Besitzer unbekannt waren.</p>
<p>Diese Offshore-Gesellschaften sollen oft die wirklichen Besitzverhältnisse verbergen. TV Prva, RTV B92, Radio Index und Printmedien wie Vecernje novosti und Press gehören Unternehmen, die in Zypern gemeldet sind, während TV Avala und Standard unbekannten Besitzern in Österreich gehören, berichtet der Anti-Korruptions-Rat.</p>
<p>Blic, die Zeitung mit der höchsten Auflage, und Nedeljne informativne novine (NIN), die älteste Wochenzeitschrift, gehören dem Ringier Axel Springer Verlag. Abgesehen von Blic und NIN gibt Ringier noch zwei Tageszeitungen, ein Wochenmagazin und eine große Anzahl an fachlichen Publikationen heraus.</p>
<p><strong>Ausbildung</strong></p>
<p>Die zukünftigen Journalisten werden in Serbien in mehreren öffentlichen und privaten Einrichtungen ausgebildet. Der älteste Lehrstuhl, an dem angehende Journalisten unterrichtet werden, ist die Fakultät für Politikwissenschaften in Belgrad, die 1968 gegründet wurde. Journalismus wird außerdem an den Philosophischen Fakultäten in Novi Sad und Nis gelehrt. Auch die Fakultät für Medien und Kommunikation (Singidunum Universität), die Fakultät für Kultur und Medien (Megatrend Universität), die Fakultät für Sozialwissenschaften Novi Pazar und die Kunstakademie in Belgrad bieten Studiengänge im Bereich der Medien an. Sportjournalismuskurse werden an der Sportfakultät in Belgrad gelehrt.</p>
<p>Ergebnissen einer Untersuchung des Medienzentrums der Fakultät für Politikwissenschaften in Belgrad zufolge haben die meisten Journalisten ein hohes Bildungsniveau erreicht. 2011 hatten demnach 73 Prozent der Journalisten einen Hochschulabschluss, der Rest hatte  Abitur. 2002 verfügten 56 Prozent der Journalisten über einen Universitätsabschluss.</p>
<p><strong>Zusammenfassung</strong></p>
<p>Während der Rest der Welt über die Zukunft des Journalistenberufs und dessen Veränderungen aufgrund neuer Technologien diskutiert, sind serbische Journalisten zunehmend wegen der unbefriedigenden finanziellen Situation und der unzureichenden Würdigung ihrer Arbeit besorgt. Im unterentwickelten serbischen Markt erzielt die Sensationsmacherei seit längerem die besten Ergebnisse und weil sie unter einem zusehends schärferen Konkurrenzdruck stehen, haben viele Medien umfassende Recherchen fast komplett abgeschafft. Daher ist es nicht verwunderlich, dass minderwertiger Journalismus und Boulevardjournalismus dominieren.</p>
<p>Besonders lokale Medien befinden sich in schwierigen Positionen, weil ihr Überleben oft von kommunalen, mächtigen Personen abhängt, welche Druck auf sie ausüben. In einer solchen Situation fällt Journalisten die Berichterstattung schwer und es ist für die Leser schwierig, oder sogar unmöglich, Informationen richtig einzuschätzen. Zudem bieten immer mehr Journalistenschulen den Studenten, die sich noch keine angemessenen ethischen und professionellen Standards  angeeignet haben, nur eine schnelle und oberflächliche Ausbildung, was die Bemühungen, diesen Beruf auf eine höhere Ebene zu bringen, weiter behindert. Der Kampf ums Überleben ist  die Hauptherausforderung für serbische Medien, aber nicht die einzige, die sie sich in den nächsten Jahren stellen müssen.</p>
<p><em>Übersetzt aus dem Englischen von Miryam Nadkarni</em></p>
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		<title>Abstand halten!</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 10:48:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marlis Prinzing</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethik & Qualitätssicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>
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		<description><![CDATA[Journalisten schmieren Polizisten! Polizisten holen sich Journalisten ins Bett! Journalisten stecken mit Politikern unter einer Decke! Distanz und Nähe &#8211; ein generelles Problem im Journalismus. Ob Medien und Polizei, ob Medien und Politik: Die Frage der Nähe und Distanz ist ein generelles Problem im Journalismus. Die Affäre um den deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff hat erneut [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-6093 alignleft" title="Foto: Rolf van Melis  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/decke.jpg" alt="" width="240" height="180" /></a>Journalisten schmieren Polizisten! Polizisten holen sich Journalisten ins Bett! Journalisten stecken mit Politikern unter einer Decke! Distanz und Nähe &#8211; ein generelles Problem im Journalismus.</strong></p>
<p>Ob Medien und Polizei, ob Medien und Politik: Die Frage der Nähe und Distanz ist ein generelles Problem im Journalismus. Die Affäre um den deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff hat erneut deutlich gemacht, wie heikel es wird, wenn die professionelle Distanz aufgegeben wird. Hauptthema war zwar die Beziehungskorruption zwischen Politik und Wirtschaft. Zumindest auf dem Nebenschauplatz ging es aber um das unselige Verhältnis, dass der deutsche Bundespräsident zu dem Chefredaktor der größten deutschen Boulevard-Zeitung unterhielt.</p>
<p>Auch in den Nachbarländern Deutschlands gibt es vergleichbare und aktuelle Beispiele: In der Schweiz den Fall Hildebrand, in Österreich den Fall Pelinka. Die <em>Weltwoche </em>hat im Fall des Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand nicht einfach investigativ recherchiert und das selektiert, was öffentlich relevant ist, sondern auch sortiert, wie die <a href="http://www.zeit.de/2012/05/CH-Weltwoche" target="_blank"><em>Zeit</em> </a>in ihrer aktuellen Ausgabe analysiert. <span id="more-6090"></span>Kurz gefasst: Die „Hildebrand-Geschichte“ lief anscheinend nach dem Muster: Gefällt uns (das heißt dem SVP-Chefstrategen Christoph Blocher und dem „Weltwoche“-Chefredaktor Roger Köppel), gefällt uns nicht. Diese Nähe, bei der Politiker und Medienmensch unter eine gemeinsame Decke schlüpfen, ist untragbar.</p>
<p>Ein weiteres Beispiel eines solch unseligen Zusammenbandelns ist die letztlich glücklicherweise gescheiterte Ernennung von Niko Pelinka zum Büroleiter des ORF-Generaldirektors Alexander Wrabetz, die ebenfalls im Januar für Furore sorgte. Pikant war dieses Ansinnen, weil sich der Chef des öffentlich-rechtlichen Monopolsenders einen 25-jährigen Shootingstar ins Haus holen wollte, der bis dahin in der Parteizentrale der Regierungspartei SPÖ gearbeitet hatte. Ob Pelinka nun tatsächlich aus der Machtzentrale des Senders heraus Informationen an die Sozialdemokraten ausgeplaudert hätte oder nicht, das wollte Belegschaft des ORF gar nicht erst herausfinden. Sie protestierte. Diese Nähe war den meisten Redaktionsmitgliedern zu viel. Ihnen genügte schon die Befürchtung, dass, egal wie auch immer der Alltag aussähe, die Personalie an sich bereits das Ansehen des Senders vehement beschädigen würde.</p>
<p>Ein solcher Distanzverlust zeigt sich auch in der Beziehung zwischen Medien und Polizei. Dazu drei Beispiele.</p>
<p>Die britische Polizei durchsuchte am letzten Januarsamstag Büros des Boulevardblatts <em>Sun</em>. Fünf Personen wurden wegen Korruptionsverdacht festgenommen: vier Journalisten, ein Polizist. Um an Informationen zu kommen, sollen Journalisten  Polizisten geschmiert haben. Ein Beispiel für eine, sollte sich der Verdacht bestätigen,  kriminelle „Nähe“ zwischen Journalisten und Polizisten und eine weitere Facette des Skandals rund um die Abhörattacken britischer Boulevardjournalisten auf Prominente und Nicht-Prominente.</p>
<p>Nicht kriminell, aber verwegen ist folgendes Beispiel: Vor dem ersten Einsatz dieses Jahres am Stuttgarter Bahnhofsgebäude lud die Polizei eine Anzahl handverlesene Journalisten ein, das Geschehen aus Polizeiwarte zu begleiten. Es wurde offenbar ein Deal mit der baden-württembergischen Landespressekonferenz geschlossen; dort nicht akkreditierte Journalisten sollten draußen bleiben. Dieses „Embedden“, das Einbetten von Journalisten erinnern wir aus dem Irakkrieg, wo die Journalisten, die ihn aus der Perspektive des Militärs verfolgten, zunächst zu einem ziemlich falschen Bild in der Öffentlichkeit beigetragen haben. Die (übrigens „eingebettete“) <em>Stuttgarter Zeitung</em> leistete sich einen entlarvenden Fehler: Ihr rutschte ein vorgeschriebener Text ins Blatt, in dem bereit am Abend zu lesen war, die Polizei habe nach Mitternacht das Gelände geräumt&#8230;</p>
<p>Das historisch betrachtet vielleicht gravierendste Rollendurcheinander kennen wir durch die Geiselnahme in der deutschen Kleinstadt Gladbeck im August 1988. Polizei und Journalisten gerieten ins Kreuzfeuer der Kritik. Die Polizei wegen grober Fehler in der Einsatzkoordination. Die Journalisten, weil sie erstens teils den Job der Polizei machten, indem sie halfen, dass fünf Geiseln frei kamen, weil sie zweitens die Polizei in ihrer Arbeit behinderten durch ihre viel zu große Nähe zu den Ereignissen: sie fuhren im Fluchtwagen, interviewten die Täter, ließen sie Pressekonferenzen halten&#8230;</p>
<p>Jeder hat seinen Platz. Journalisten vermitteln, Polizisten ermitteln; Journalisten recherchieren, sie interviewen, Polizisten verhören; die Polizei ist zuständig für die öffentliche Ordnung, die Medien für öffentlichen Diskurs. Journalisten müssen herausfinden, wie etwas wirklich war – ohne zu schmieren und ohne ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen. Kurzum: Journalisten müssen raus aus den Betten der anderen!</p>
<p>Und wer soll Sorge tragen, dass dies auch geschieht? Was auch immer Journalisten sich an Fehlleistungen erlaubt haben, in Ordnung bringen kann dies zumindest in einem demokratischen System sinnvoller Weise vor allem die Branche selbst. Alles andere würde letztlich Zensur befördern.</p>
<p>In Großbritannien diskutiert die <a href="http://www.levesoninquiry.org.uk/" target="_blank">Leveson Inquiry</a> nach dem Telefonhacking bei Murdochs <em>News of the World</em> Empfehlungen, welchen Spielregeln die britische Presse künftig folgen soll. Eines hat die von Lordrichter Brian Leveson präsidierte Kommission bereits signalisiert: Es werden Empfehlungen sein für eine bessere Selbstkontrolle als die, welche der britische Presserat, die Press Complaints Commission (PCC), derzeit betreibt, aber keine für eine staatliche Aufsicht über die Medien.</p>
<p>In Sachen Selbstreflexion ist offenbar Bewusstseinsarbeit zu leisten. Das machte Mike Jempson (<a href="http://www.mediawise.org.uk/www.mediawise.org.uk/index.html" target="_blank">The Media Wise Trust</a>) klar, der sich seit Jahren als Journalist, Dozent und Forscher mit Medienethik befasst. Bei einer Tagung über die Chancen und Fallen verantwortungsbewussten Medienschaffens am letzten Januarwochenende in Lugano (<a href="http://www.mediaact.eu/news.html?&amp;tx_ttnews[tt_news]=45&amp;cHash=2bbdcf6d369415731cdb9fe1113a8fc1" target="_blank">Media Accountability. Potentials and Pitfalls in the Era of Web 2.0</a>) schilderte er, wie mühsam er mit einer Studie vorankomme, für die er britische Journalisten nach ihrem medienethischen Verständnis befragte. Viele legten den Fragebogen lieber zur Seite, als über sich selbst zu reflektieren.</p>
<p>Sie müssen aufpassen, dass die Ereignisse sie nun nicht überrollen. Im britischen Presserat sitzen bislang Leute, die sich mit Medien wenig auskennen, und Chefredaktoren, die eigene Interessen vertreten. Der Leveson-Kommission schweben eher Strukturen vor wie etwa in der Schweiz, wo in der Stiftung Schweizer Presserat  die Verleger, die SRG, Journalistenverbände und die Organisation der Chefredaktoren vertreten sind. Und <em>Guardian</em>-Chefredaktor Alan Rusbridger droht Kollegen, die nicht mitmachen würden, bereits mit einem Vorschlag, der – sollte er sich durchsetzen – wehtun würde: Wer sich der Selbstregulierung entzieht, verliert die Vergünstigungen bei der Mehrwertsteuer.</p>
<p>Noch ist dies Zukunftsmusik. Am einfachsten wäre ohnehin, jeder Journalist, den dies betrifft, schlägt die Decke zurück und geht in sein eigenes Bett. Idealismus? Ja. Aber auch der lohnt sich. Und wirkungsvoll wäre, wenn gleichzeitig der Medienjournalismus auf breiter Ebene auflebte und die kritische Selbstbeobachtung nicht nur von Leuchttürmen der Branche aus stattfände. In anderen Branchen hat man längst erkannt, welchen Wert Reputation hat. Nicht zuletzt die Boulevardkrise in Großbritannien zeigte, wie sehr solche Fehlleistungen den Ruf (und mittelbar die finanzielle Basis) eines gesamten Berufsstandes ramponieren.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Kleinreport vom 1. Februar 2012</em></p>
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		<title>Demokratie braucht unabhängige Medien</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 16:55:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tina Bettels</dc:creator>
				<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Rangliste der Pressefreiheit 2011]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Rangliste der Pressefreiheit 2011 von &#8216;Reporter ohne Grenzen&#8217; (ROG) zeigt: Die Gegensätze zwischen den europäischen Staaten haben sich weiter verschärft. Während Finnland, Norwegen und die Niederlande weiterhin vorderste Plätze im Ranking einnehmen, sind Bulgarien und Italien weiter zurückgefallen. In Bulgarien wurden im vergangenen Jahr Journalisten, die über Korruption und organisierte Kriminalität berichteten, bedroht und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.reporter-ohne-grenzen.de"><img class="size-full wp-image-6084 alignleft" title="" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/rog_logo_neu.gif" alt="" width="185" height="66" /></a></strong></p>
<p><strong>Die Rangliste der Pressefreiheit 2011 von &#8216;Reporter ohne Grenzen&#8217; (ROG) zeigt: Die Gegensätze zwischen den europäischen Staaten haben sich weiter verschärft.</strong></p>
<p>Während Finnland, Norwegen und die Niederlande weiterhin vorderste Plätze im Ranking einnehmen, sind Bulgarien und Italien weiter zurückgefallen.<br />
In Bulgarien wurden im vergangenen Jahr Journalisten, die über Korruption und organisierte Kriminalität berichteten, bedroht und gezielt angegriffen – das Land ist um zehn Plätze auf Platz 80 gefallen.</p>
<p>In Italien war vor allem die Politik des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconis ausschlaggebend für Platz 61 im Ranking (Platz 49 im Vorjahr). Seine Gesetzesentwürfe, die nur knapp abgelehnt wurden, sahen es vor, die Medien zu gängeln sowie Internetsperren ohne richterlichen Beschluss zuzulassen. Zudem lebe in Italien etwa ein Dutzend Journalisten unter Polizeischutz, schreibt ‚Reporter ohne Grenzen‘ in seinem Bericht.<span id="more-6078"></span></p>
<p>Mit Griechenland (Platz 70), wo Fotografen und Kameraleute, die über die Proteste während der Wirtschaftskrise berichteten, teilweise unter kriegsähnlichen Bedingungen arbeiteten, gehören Bulgarien und Italien zu den Schlusslichtern der Länder der europäischen Union.</p>
<p>Ungarn verschlechterte sich von Platz 23 auf Platz 40, da die Regierung neue Mediengesetze einführte, die es ihr ermöglichen, sanktionierend in die freie Berichterstattung einzugreifen.</p>
<p>Großbritannien rutschte vor allem wegen der Abhöraffäre beim Murdoch-Blatt <em>News of the World</em> auf von Platz 19 auf Platz 28 ab, aber auch der Umgang mit dem Persönlichkeitsrecht und die Reaktion auf die Unruhen in London fielen negativ ins Gewicht.</p>
<p>Auch der Abstand zwischen den baltischen Staaten hat sich vergrößert. Estland, im vergangenen Jahr auf Platz 9, rückte an die Spitze der Rangliste auf Platz 3 vor. Dagegen fielen Litauen und Lettland wegen Eingriffen der Sicherheitsbehörden in die journalistische Arbeit auf Platz 30 bzw. 50.</p>
<p>Deutschland nimmt mit Platz 16 innerhalb der 27 EU-Länder weiterhin eine stabile Mittelposition im Pressefreiheitsranking ein und verbesserte sich gegenüber 2011 um eine Position. Vor allem der Zugang zu Behördeninformationen sowie der Schutz von Quellen und Informanten bleiben hier schwierig.</p>
<p>Außerhalb der EU sieht die Lage der Pressefreiheit in Europa noch alarmierender aus. Auf dem Balkan hat die Wirtschaftskrise die Probleme der Medien noch verschärft: Sie werden dort oft für private oder kriminelle Interessen missbraucht. Auch Selbstzensur ist weit verbreitet. Mazedonien verlor zudem 2011 mit der Schließung des Medienunternehmens Plus Produkcija, zu dem drei Tageszeitungen und der größte private Fernsehsender des Landes gehörten, 40 Prozent seiner Medien. Das Land rutschte von Platz 68 auf Platz 98.</p>
<p>Die Rangliste der Pressefreiheit, die ROG in diesem Jahr zum zehnten Mal herausgegeben hat, zeige auch dieses Mal wieder sehr deutlich, wie eng Demokratie und Medienfreiheit zusammenhängen und dass Demokratie unabhängige Medien braucht, hält ROG in seinem Bericht fest.</p>
<p><a href="http://www.reporter-ohne-grenzen.de/ranglisten/rangliste-2011/" target="_blank">Hier</a> geht es zur ROG-Rangliste 2011, die die Pressefreiheit der Medien in 179 Staaten und Regionen vergleicht.</p>
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		<title>Medien als verlängerter Arm der Politik</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/6069/pressefreiheit/verlangerter-arm-der-politik</link>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 12:39:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Remzi Lani</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethik & Qualitätssicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
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		<category><![CDATA[sowjetisches Medienmodell]]></category>
		<category><![CDATA[Tele-Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Beziehung zwischen Medien und Politik im Balkan ist äußerst komplex und voller Widersprüche. Die heutige Balkan-Presse ist eher ein verlängerter Arm der Politik als eine Vertretung der öffentlichen Meinung, da ein beträchtlicher Teil der Medien immer noch von mächtigen politischen Gruppen kontrolliert wird. Den Beobachtungen einiger Autoren zufolge (unter anderem Karol Jakubovicz, Mihai Coman, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.flickr.com/photos/charlesfred/2827506912/sizes/s/in/photostream/"><img class="size-full wp-image-6070 alignleft" title="Foto: CharlesFred / Flickr" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/balkan.jpg" alt="" width="240" height="160" /></a>Die Beziehung zwischen Medien und Politik im Balkan ist äußerst komplex und voller Widersprüche.</strong></p>
<p>Die heutige Balkan-Presse ist eher ein verlängerter Arm der Politik als eine Vertretung der öffentlichen Meinung, da ein beträchtlicher Teil der Medien immer noch von mächtigen politischen Gruppen kontrolliert wird. Den Beobachtungen einiger Autoren zufolge (unter anderem Karol Jakubovicz, Mihai Coman, Colin Sparks und Tomasz Goban-Klas) weist die Mediensituation der Balkanstaaten die gleichen Merkmale wie in anderen post-kommunistischen Gesellschaften auf: Die Presse ist zwar pluralistisch und frei geworden, aber immer noch nicht unabhängig.</p>
<p>Die Umstellung vom „Sowjetischen Medienmodell“ zum „Modell der sozialen Verantwortung“ scheint schwieriger zu sein als erwartet. Politiker und politische Parteien versuchen weiterhin permanent die Medien zu beeinflussen, da sie wie zu Zeiten des Kommunismus immer noch der Überzeugung sind, dass derjenige, der die Medien kontrolliert, die Macht innehat. <span id="more-6069"></span>Die politischen Klassen, die im Allgemeinen davon besessen sind ihre Macht aufrechtzuerhalten, „halten die Medien nicht für eigenständig, sondern primär für ein Instrument der Politik“ (Goban-Klas, 1997).  Goban-Klas hält auch fest: „Diese Vision der Medien ist eindimensional, über-politisiert und vereinfacht. Sie glaubt an eine missionarische Rolle der Journalisten und an eine ideologische Presse.“<br />
Würde nach zwei Stichwörtern gefragt, welche die wesentlichen Probleme der Balkan-Medien in der heutigen Zeit beschreiben sollen, würden diese Wörter ohne Zweifel „Re-Politisierung“ und „Vetternwirtschaft“ lauten.<br />
Wirft man einen Blick auf die Beziehung zwischen Medien und Politik, so kann bestätigt werden, dass die Medien während der post-kommunistischen Übergangszeit mehr von der Politik beeinflusst und geformt werden als andersrum.</p>
<p>Es ist unvermeidbar, dass eine konfliktreiche und hoch politisierte Gesellschaft (was in Balkan-Gesellschaften der Fall ist) die Medien infiziert. Politisierte Gesellschaften nutzen Pressekanäle außerdem als wichtige Werkzeuge in Konflikten – und zerstören damit deren Unabhängigkeit, Objektivität und Professionalität. Einigen fällt es sogar schwer, sich ein Mediensystem ganz ohne Vetternwirtschaft vorstellen.<br />
Diese Vetternwirtschaft ist vor allem eine Spiegelung der Politik, die eher vom Konflikt als vom Dialog geprägt wird. Beispiele für politischen Klüngel sind am häufigsten im öffentlichen Rundfunk in Albanien, Mazedonien, Montenegro und im Kosovo zu finden. Die dortigen Rundfunkanstalten unterstehen immer noch der Kontrolle der zentralen Regierungen, die sie für Wahlkämpfe und darüber hinaus nutzen und missbrauchen.<br />
Obwohl es weit hergeholt wäre, die heutigen Sender mit den Propagandabastionen, die sie in der Zeit des neuen Autoritarismus waren, zu vergleichen, sind viele sogenannte öffentliche Fernsehsender immer noch „rote Teppich“-Sender, da sie die Protokolle und Informationen der Regierungen eins zu eins weitergeben. Diese öffentlichen Sender weisen eine große Ähnlichkeit mit „Propagandaministerien“ auf.<br />
Vetternwirtschaft in den Medien ist ein komplexes Phänomen, das eng mit den Umständen der sozialen und politischen Entwicklung einer Region verbunden ist. In den Balkan-Staaten wird Politik immer mehr zu „Tele-Politik“. Generell werden politische und öffentliche Debatten, die früher nur von Demonstranten geführt wurden, nun im Fernsehen diskutiert, was sicherlich eine gute Entwicklung ist. Trotzdem scheint es, als müssten die Medien einen Preis für diesen Wandel zahlen.</p>
<p>Tele-Politik kann als Teil der Medialisierung der Politik gesehen werden &#8211; eine völlig normale Entwicklung. Nichtsdestotrotz scheint es, als stelle die Tele-Politik weniger eine Medialisierung der Politik, sondern vielmehr eine Politisierung der Medien dar. Vor allem in Albanien, im Kosovo und Mazedonien werden Medien von Politkern genutzt, zweckentfremdet und missbraucht.<br />
Der albanische Analytiker Fatos Lubonja gebraucht den Ausdruck „Medienregime“, um die Situation zu beschreiben. „Wenn in sogenannten Polizei- oder Militärregimes die Armee oder Geheimdienste genutzt werden, um die Macht des Regimes zu erhalten, dann werden in unserem Fall die Medien genutzt“. Der angemessenste Begriff wäre in diesem Fall vielleicht „Medienherrschaft“.<br />
Während in der Theorie Probleme, die die Medien betreffen, als demokratische Probleme dargelegt werden, sind sie in der Praxis eine Frage der Macht. Sandra B. Hrvatin und Brankica Petkovic schreiben richtigerweise: „ Ohne die Hilfe der Medien scheint es heutzutage  unmöglich die Fäden der Macht in der Hand zu behalten.“<br />
Als Samuel Huntington über die Gefahren für die Demokratie sprach, suggerierte er, dass Nachrichtenkanäle – eigentlich Instrumente der Demokratie – zu Instrumenten werden könnten, welche „die Demokratie beschädigen oder zerstören“.</p>
<p>Es gibt eine weitere Tendenz, die auf den ersten Blick eine uneingeschränkte Unabhängigkeit widerzuspiegeln scheint: In einigen Fällen können Journalisten so viel schreiben und kritisieren wie sie wollen.  Darauf folgen jedoch weder ein Aufschrei noch bemerkbare Veränderungen. Dieses Phänomen konnte in Albanien beobachtet werden, wo Kritik einst nervöse Reaktionen ausgelöst hat, die nun von einer vollkommenen Gleichgültigkeit abgelöst wird. In den letzten Jahren wurden mehrere wichtige, investigative Artikel in den Zeitungen von Tirana veröffentlicht, doch weder die Behörden noch das Justizwesen haben die von den Journalisten geforderten Untersuchungen eingeleitet. Journalisten mögen das Recht haben zu sprechen, aber den „entsprechenden“ Menschen scheint es nicht zu gelingen zuzuhören. Traurigerweise führt Gleichgültigkeit gegenüber Kritik zu einer Entwertung der freien Welt.</p>
<p><em>Auszug aus dem Artikel “Balkan Media: Lost in Transition?”, veröffentlicht in Akt magazine, Nr.7, 2011</em></p>
<p><em>Übersetzt aus dem Englischen von Miryam Nadkarni</em></p>
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		<title>In „sportlichem Tempo” zur Paywall</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 12:49:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Büsser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktionsmanagement]]></category>
		<category><![CDATA[Bezahlmodell]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkonvergenz]]></category>
		<category><![CDATA[New York Times]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
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		<category><![CDATA[Paywall]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Hogenkamp]]></category>
		<category><![CDATA[Print]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine konvergente Redaktion für alle Kanäle, eine Online-Paywall, ein Leiter Geschäftsbereich NZZ – die NZZ-Redaktion muss sich schnell auf viele Veränderungen einstellen. Sie könnte aber mit dem neuen Onlinemodell zu einer Vorreiterin werden. &#8220;Zusammenrottungen”, so hört man aus der NZZ-Redaktion, habe es Ende November gegeben, nachdem die Redaktion die interne Mitteilung des NZZ-Verwaltungsrates zur „Konvergenzstrategie” [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.nzz.ch"><img class="size-full wp-image-6062 alignleft" title="" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/nzz.png" alt="" width="238" height="180" /></a>Eine konvergente Redaktion für alle Kanäle, eine Online-Paywall, ein Leiter Geschäftsbereich <em>NZZ</em> – die <em>NZZ</em>-Redaktion muss sich schnell auf viele Veränderungen einstellen. Sie könnte aber mit dem neuen Onlinemodell zu einer Vorreiterin werden.</strong></p>
<p>&#8220;Zusammenrottungen”, so hört man aus der <em>NZZ</em>-Redaktion, habe es Ende November gegeben, nachdem die Redaktion die interne Mitteilung des <em>NZZ</em>-Verwaltungsrates zur „Konvergenzstrategie” erhalten hatte: Auf den Gängen standen <em>NZZ</em>-Journalistinnen und -Journalisten zusammen und fragten sich, was damit konkret auf sie zukommen würde.</p>
<p>Fest stand lediglich, dass bei der <em>NZZ</em> laut Verwaltungsratsbeschluss „künftig konsequent auf eine konvergente Inhalteproduktion” gesetzt wird. Das bedeutet unter anderem, dass es nur noch eine Redaktion geben wird, die alle Kanäle – Print, Online und Mobile – versorgt. Sie soll, so Chefredaktor Spillmann gegenüber der Redaktion, künftig „medienkonvergente Informationsdienstleistungen” erbringen.<span id="more-6058"></span></p>
<p>Diese Veränderung soll im ersten Quartal 2012 geschehen, dann soll auch <em>nzz.ch</em> neu und mit Bezahlschranke online sein. Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien <em>NZZ</em>, meint, das komme ja nicht überraschend: „Seit ich im Amt bin, steht fest, dass wir eine Konvergenzstrategie fahren und eine Paywall einführen werden.” Der Verwaltungsrat habe diese Strategie im Mai beschlossen, jetzt sei lediglich noch einmal der Zeitplan bestätigt worden: „Der ist allerdings in der Tat immer noch sportlich; andere brauchen zwei Jahre für solche Projekte.”</p>
<p><strong>Rund um die Uhr</strong></p>
<p>In sportlichem Tempo wird nun etwa die Onlineredaktion der <em>NZZ</em> ausgebaut; acht Neue sollen dazukommen. Auch steht der Kraftakt bevor, die Schranken zwischen Online- und Printredaktion aufzuheben. Soweit die Redaktion weiss, ist zwar kein grosser Newsroom wie beim <em>Blick</em> geplant, doch faktisch soll eine einzige Redaktion fast rund um die Uhr alle Kanäle bedienen. Bloß ist vieles noch unklar: „In der <em>NZZ</em> ist die Verteilung der Dossiers auf einzelne Redaktoren sehr ausgeprägt. Wie soll einer, der ein Dossier betreut, das rund um die Uhr tun?”, fragen sich etwa Redaktoren.</p>
<p>Und vor allem: „Wer bestimmt, was online aufgeschaltet wird?” Denn im Netz wird ein Teil des <em>NZZ</em>-Angebots gratis zur Verfügung stehen, daran ändert auch die Einführung einer Bezahlschranke nichts. Laut Peter Hogenkamp<br />
wird die Schranke eine sogenannte „Metered Paywall” sein; sie begrenzt, wie viel ein Nutzer gratis abrufen kann: „Will er innerhalb eines festgelegten Zeitraums, etwa eines Monats, mehr als die festgelegte Anzahl Artikel  abrufen, muss er sich zunächst registrieren. Zum Beispiel nach zehn oder 15 Artikeln, die Zahlen sind noch nicht festgelegt. Der zweite Schritt folgt, wenn er zum Beispiel insgesamt auf 20 Artikel kommt. Dann muss er ein Abonnement für einen bestimmten Zeitraum lösen. Wer bereits ein Print- oder E-Paper-Abonnement hat, ist davon ausgenommen.”</p>
<p>Vorbild dafür ist die <em>New York Times</em>, in der Schweiz kennt auch <em>Le Temps</em> diese Art von Paywall. Es ist der Versuch, einerseits so viel gratis anzubieten, dass möglichst viele Nutzerinnen und Nutzer die Site besuchen – denn es braucht Traffic für die Onlinewerbung. Andererseits sollen auch aus dem Nutzermarkt, also von den Leserinnen und Lesern, Einnahmen generiert werden, indem ein Teil des Angebots kostenpflichtig wird. Ein Spagat – doch die <em>NZZ</em> ist bei Weitem nicht das einzige Schweizer Medienhaus, das ihn versuchen will. Zum Beispiel sagte Christoph Bauer, CEO der AZ Medien, im Interview (EDITO+KLARTEXT 5/2011), sein Unternehmen denke über mögliche Bezahlmodelle im Bereich Region nach, in dem die <em>Aargauer Zeitung</em> eine „Marktposition mit einer gewissen Exklusivität” habe. Auch andere Medienhäuser werden das Paywall-Konzept der <em>NZZ</em> mit größter Aufmerksamkeit verfolgen.</p>
<p><strong>Paywall macht Sinn</strong></p>
<p><strong></strong> Dabei sollten sie der <em>NZZ</em> die Daumen drücken, findet Gabriele Siegert, Professorin für Medienökonomie und Medienmanagement an der Universität Zürich. „Um die Paywall kommen die Verlage auf lange Sicht nicht herum”, sagt sie, denn die Preise für Online werbung seien niedrig. Und so viel Werbung, dass man online ähnliche Erlöse erziele wie mit den Offline-Medien, könne man gar nicht auf eine Seite packen. Sonst vertreibe man die Nutzer. Man müsse also eine Art von Erlösmodell etablieren. Gleichzeitig sei es schwierig, das Paywall-Konzept durchzuhalten: „Denn für den Nutzer ist die vermeintlich gleiche Information oft nur einen Klick weiter gratis. Dennoch muss die <em>NZZ</em> ein Bezahlmodell einführen. Und wenn es bei der <em>NZZ</em> mit ihrem Qualitätscontent nicht klappt, wo sollte es denn sonst klappen?” Siegert sieht das Bezahlmodell als Teil des Gesamtkonzepts „Online-Erlösmodell”, das kompliziert sein wird: „Die Einkünfte aus dem Paywall-Konzept werden künftig ein Teil der Einnahmen von Medienhäusern sein müssen, ebenso wie die Einnahmen aus App- und E-Paper-Abos und aus der Werbung. So einfach wie das Offline-Erlösmodell – Erlöse aus dem Leser- und dem Werbemarkt – wird das Online-Erlösmodell nie sein können.”</p>
<p>Das <em>NZZ</em>-Paywall-Konzept bewertet Siegert positiv, die Etappierung der Bezahlung erscheint ihr „sinnvoll”: „Bisher waren die Onlineinhalte gratis, deshalb kann man die Nutzer nicht plötzlich auf ‚Entzug setzen’, sondern muss quasi ‚herunterdosieren’.” Auch die Bezahlstrategie mache Sinn: „Wenn man nicht bei jedem Bezug bezahlen, sondern nach einer bestimmten Schwelle ein Abo lösen muss, ist das sicher von Vorteil. Denn wenn man das Abo mal gelöst hat, tut es nicht mehr weh.” Wie viele Nutzerinnen und Nutzer des <em>NZZ</em>-Online-Angebots sich den „Schmerz” des Abolösens antun, wie viele <em>nzz.ch</em> überhaupt treu bleiben, wird sich 2012 zeigen. Die Befürchtung, dass die Nutzerzahlen bei der Einführung einer teilweisen Kostenpflicht sinken, hat bisher die meisten Verleger davor zurückschrecken lassen. „Es wird sicherlich den Fall geben, dass einzelne User das <em>NZZ</em>-Angebot wegen der Paywall weniger oder gar nicht mehr nutzen, aber das ist nur ein möglicher  Fall, der eintreten kann”, sagt Peter Hogenkamp. „Auf der anderen Seite werden wir viel mehr Content auf <em>NZZ Online</em> haben, weil ja nach und nach die gesamte heutige Printredaktion konvergent arbeiten wird. Daher wird das Angebot viel größer. Ich hoffe nicht, dass die Reichweite temporär zurückgeht, aber selbst wenn – ich gehe davon aus, dass sie mittelfristig steigt.”</p>
<p>Geht die Reichweite zurück, wirkt sich das auf den Werbemarkt aus. Dass <em>nzz.ch</em> nun in diesem Tempo und so grundlegend umgebaut werden soll, macht die Arbeit der <em>NZZ</em>-Werbemarktverantwortlichen nicht einfacher: Eigentlich sollten die Kunden jetzt für das Jahr 2012 buchen, gleichzeitig wissen sie nicht, was für ein Umfeld sie  dann erwartet. Das von der <em>NZZ</em> angeschlagene Tempo erstaunt auch intern. „Der Verwaltungsrat gibt Gas, die wollen das durchpowern”, wird auf der Redaktion gemutmaßt – und dass der Druck auf  Markus Spillmann entsprechend groß sei. Er ist, so hat der Verwaltungsrat entschieden, für das Konvergenzprojekt verantwortlich. Gleichzeitig ist er nun nur noch Leiter Publizistik und <em>NZZ</em>-Chefredaktor. Denn der <em>NZZ</em>-Verwaltungsrat hat entschieden, dass neu ein Leiter Geschäftsbereich <em>NZZ</em> eingesetzt werden soll. „Nochmals ein neuer Chef mit ein paar Sekretärinnen für den <em>NZZ</em>-Wasserkopf”, wird in der Redaktion gespottet.</p>
<p><strong>Auch in Luzern und St. Gallen</strong></p>
<p>Zusammen mit <em>tagblatt.ch</em> und <em>luzernerzeitung.ch</em> bildet <em>nzz.ch</em> im Onlinewerbemarkt das <em>NZZ</em>-Netz. „Wir sind damit kommerziell sehr zufrieden, liegen bei den Einnahmen über Budget, also gibt es keinen Grund, etwas an diesem Modell zu verändern”, sagt Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien <em>NZZ</em>. Doch <em>luzernerzeitung.ch</em> und <em>tagblatt.ch</em> übernehmen aktuell Mantelinhalte von <em>nzz.ch</em>. „Es stellt sich, wenn wir bei der <em>NZZ Online</em> die Paywall einführen, die Frage, was dann in St. Gallen und Luzern geschieht”, sagt Hogenkamp. „Wir überlegen uns noch, wie wir hier vorgehen – möglich wäre, dass wir nur die agenturbasierten Artikel der <em>NZZ</em> weitergeben oder mit einem Agenturticker arbeiten.” Mittelfristig wolle man das Content-Management-System inklusive Paywall, das man für die <em>NZZ</em> entwickle, aber auch auf den regionalen Sites einsetzen: „Zürich ist quasi der Pilot, Luzern und<br />
St. Gallen werden folgen.”</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: EDITO +KLARTEXT Medienmagazin Nr. 6 /2011<br />
</em></p>
<p><em><a href="http://www.edito-online.ch" target="_blank">www.edito-online.ch</a></em></p>
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		<title>Medien im Jagdfieber – teils mit Beißhemmung</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 11:34:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethik & Qualitätssicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsident]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Glaubwürdigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Mathias Kepplinger]]></category>
		<category><![CDATA[Hildebrand]]></category>
		<category><![CDATA[Rücktritt]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Nationalbankpräsident]]></category>
		<category><![CDATA[Skandalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Wulff]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Skandalisierung von Hildebrand und Wulff im Vergleich Beginnen wir mit der eigenen Fehlprognose: Noch am Morgen, bevor der Schweizer Nationalbankpräsident Hildebrand das Handtuch warf, hatte ich im kleinen Kreis von Studierenden avisiert, aus „wissenschaftlicher Sicht“ sei der deutsche Bundespräsident Wulff der erste Rücktrittskandidat. Zu dieser Fehleinschätzung hat mich eine gediegene Studie verleitet, in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-6044 alignleft" title="Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/jagd.jpg" alt="" width="240" height="183" /></a>Die Skandalisierung von Hildebrand und Wulff im Vergleich</strong></p>
<p>Beginnen wir mit der eigenen Fehlprognose: Noch am Morgen, bevor der Schweizer Nationalbankpräsident Hildebrand das Handtuch warf, hatte ich im kleinen Kreis von Studierenden avisiert, aus „wissenschaftlicher Sicht“ sei der deutsche Bundespräsident Wulff der erste Rücktrittskandidat. Zu dieser Fehleinschätzung hat mich eine gediegene Studie verleitet, in der Hans Mathias Kepplinger Skandale und publizistische Konflikte unterscheidet. Dem Mainzer Medienforscher zufolge ist beiden gemeinsam, dass von den Medien „tatsächliche oder vermeintliche Misstände angeprangert“ werden. Bei Skandalen bestehe jedoch nach kurzer Zeit ein „breiter Konsens in der Einschätzung der Ursachen der Missstände sowie der Verantwortung ihrer Urheber“. Bei publizistischen Konflikten komme es dagegen zu einer öffentlichen Auseinandersetzung darüber, wie die „Ursachen der Missstände und die Verantwortung ihrer Urheber“ einzuschätzen seien.</p>
<p>Vergleichen wir die Causa Hildebrand mit der Causa Wulff, so sind die ursprünglichen Verfehlungen der beiden Präsidenten, die den Anlass zur Skandalisierung lieferten, in etwa „gleichwertig“, auch wenn der geldwerte Vorteil der Devisengeschäfte von Hildebrands Frau größer war und diese auch näher am Kerngeschäft des Nationalbankpräsidenten dran waren als die Kreditaufnahme des deutschen Minister- und späteren Bundespräsidenten bei &#8220;friends &amp; family&#8221;.<span id="more-6039"></span></p>
<p>Ganz unterschiedlich verlief dagegen der Prozess der Skandalisierung durch die Medien: In der Schweiz war es eher ein publizistischer Konflikt zwischen der rechtspopulistischen Weltwoche und dem Rest der Journaille, mit einigen differenzierten Zwischentönen, zum Beispiel auf seiten der <em>Neuen Zürcher Zeitung</em>. Karl Lüönd resümierte in der <em>Medienwoche</em>, die Reaktion vieler Medien sei vom „Anti-Blocher-Grundrauschen“ statt von dem „normalen journalistischen Reflex“ bestimmt gewesen. In der Tat gab es Hildebrand gegenüber eine merkwürdige Beißhemmung, wie sie in einem größeren Land mit einer angelsächsischen Journalismus-Kultur, etwa den USA oder Großbritannien, kaum vorstellbar wäre.</p>
<p>In Deutschland haben wir dagegen den seltenen Fall, dass von <em>taz</em> bis <em>FAZ</em>, von <em>Bild</em> über <em>Frankfurter Rundschau</em> bis hin zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Medien gemeinsam den Bundespräsidenten zum Rücktritt drängen &#8211; allerdings auch, weil er, anders als Hildebrand, bei seiner Selbstverteidigung grobe Fehler beging und,schlimmer noch, wie ein Winkeladvokat ein Vertuschungsmanöver nach dem anderen unternahm.</p>
<p>Kepplinger, der über Jahrzehnte hinweg Skandalisierungs-Prozesse der Medien verglichen hat, resümiert, im publizistischen Konflikt gehe es „vor allem darum, wie das Urteil aussehen soll“. Im Skandal stehe „dagegen das Urteil nach kurzer Zeit fest. Es geht nur noch darum, wann und wie es exekutiert wird.“<br />
Mich hat deshalb der Rücktritt von Hildebrand überrascht. Er hat die Urteilsfindung der Schweizer Medien erst gar nicht abgewartet. In Deutschland hat der Skandalisierungsprozess inzwischen ein neues Stadium erreicht. Sie führen gegen den Bundespräsidenten jenen „Krieg“, den Wulff in völliger Fehleinschätzung seiner Möglichkeiten dem Springer-Konzern und dem <em>Bild</em>-Chefredaktor angedroht hatte, und insistieren auf Urteils-Exekution, in dem sie die Kampagne täglich weitertreiben. Sie ist zu einem merkwürdigen, unappetitlichen Machtkampf eskaliert, wie er in der Schweiz bisher kaum denkbar wäre.</p>
<p>Es gibt noch eine Gemeinsamkeit zwischen den deutschen und den Schweizer Medien im Umgang mit Skandalen. Auf sie macht Nick Lüthi in der <em>Medienwoche</em> aufmerksam: „Das eigene Verhalten blieb bisher unreflektiert.“ Das gilt mit wenigen Ausnahmen für die Mainstream-Medien. Sie büßen allerdings längst die Oberhoheit und damit die Kontrolle über den Diskurs um Journalismus ein. Denn auf den einschlägigen Plattformen im Internet gibt es ja lebhafte, fortdauernde Diskussionen um diesen blinden Fleck, der weiterhin einen Mangel an Professionalität des Journalismus offenbart.</p>
<p>Auch wenn Wissenschaftler (siehe oben), bei Vorhersagen Vorsicht walten lassen sollen &#8211; vermutlich trifft zumindest diese Prognose zu: Egal, ob Wulff alles weiter aussitzt oder doch noch zurücktritt, am Ende wird es auf beiden Seiten Verlierer geben. Denn beide Seiten werden weiter an Glaubwürdigkeit einbüßen: die allzu scheinheilig moralisierenden Medien, die ihren Jagd-Instinkten folgen, ebenso wie die politische Klasse, die in Deutschland über Parteigrenzen hinweg in Fragen des Machterhalts noch weniger feinfühlig agiert als in der Schweiz.</p>
<p>PS: Kepplinger erklärt übrigens plausibel Wulffs bisheriges Verbleiben im Amt wie folgt: Er könne „nicht abgewählt oder abgesetzt werden und muss deshalb auch nicht zurücktreten“, vorausgesetzt „er hält den moralischen Druck aus“. Wulffs Kalkulation sehe „anders aus als normalerweise: Wenn er zurücktritt, verliert er alles (auch seinen Apparat)“. Wenn er durchhalte, werde er eine schwere Zeit haben, aber auch „viel Zeit, um sich einen akzeptablen Abgang zu sichern“.</p>
<p>Hans Mathias Kepplinger: Die Mechanismen der Skandalisierung. München: Olzog Verlag (erscheint im Februar 2012)</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Werbewoche Nr. 1 vom 20.1.2012 </em></p>
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