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	<title>EJO - European Journalism Observatory</title>
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		<title>Die Qualität, die sie meinen</title>
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		<pubDate>Fri, 18 May 2012 11:14:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claus Reitan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethik & Qualitätssicherung]]></category>
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		<description><![CDATA[Zur Lage der Medienlandschaft in Österreich: Politische Unabhängigkeit setzt wirtschaftlichen Erfolg voraus. Das eine wie das andere ist schwierig zu erreichen. Kritik und Kontrolle durch Medien entscheiden über Qualität einer Demokratie. Auf kaum etwas ist eine Demokratie so angewiesen wie auf die Qualität ihrer Vermittlung. Doch kaum etwas wird hierzulande so gering geschätzt, so behindert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="size-full wp-image-6704 alignleft" title="Foto:  Gabi Eder  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/Zensur.jpg" alt="" width="240" height="160" />Zur Lage der Medienlandschaft in Österreich: Politische Unabhängigkeit setzt wirtschaftlichen Erfolg voraus. Das eine wie das andere ist schwierig zu erreichen. Kritik und Kontrolle durch Medien entscheiden über Qualität einer Demokratie.</strong></p>
<p>Auf kaum etwas ist eine Demokratie so angewiesen wie auf die Qualität ihrer Vermittlung. Doch kaum etwas wird hierzulande so gering geschätzt, so behindert wie Medienqualität. Das hat teils historische, teils politische Ursachen. Für die Zukunft ist wenig an Besserung der Umstände zu erwarten. Es sei denn, Umdenken setzt ein.</p>
<p>Wie so oft, kommt man auch in dieser Sache um Grundsätzliches nicht herum. Diesfalls ist zu sagen: Freiheit nachrichtlicher Medien bedarf der Unabhängigkeit ihrer Verlage und Unternehmen. Diese Unabhängigkeit wiederum setzt geschäftlichen Erfolg und Freiheit vom Zugriff Dritter voraus. Das eine wird schwer gemacht, das andere nicht gewährt.<span id="more-6697"></span></p>
<p>Die Bundesregierung hebt, einzigartig in der entwickelten Welt, eine Sondersteuer auf die für Medienunternehmen bedeutsamen Werbeerlöse ein. Die Einkünfte des Staates aus dieser Steuer betragen das Zehnfache der Presseförderung, die sich damit finanzieren lässt. Der verbleibende Rest reicht aus, die Regierungskampagnen in den Straßenblättern zu bezahlen.</p>
<p><strong>Förderung? Behinderung!</strong></p>
<p>Der Qualitätsjournalismus der einen Medien wird eingedämmt, dem Erpressungsjournalismus der anderen wird nachgegeben. Das ist Medienpolitik von jener Qualität, die Herrscher schon schätzten, als am Ballhausplatz noch unter Fürst Metternich die Fäden von Zensur und Polizeistaat zusammenliefen: kritische Blätter behindern, Klatsch-Blätter gewähren lassen. In dieser Tradition steht die stete Übung Regierender, sich staatliches Radio und Fernsehen mittels Zuwendungen und Vorrechte gefügig zu halten. Daher duftet es in der Volksküche ORF so penetrant nach Opiumschwaden. Diese werden durch die Winde jener Blätter weitergetrieben, deren Leser nicht erkennen, welchen Preis an Irreführung sie für angeblich gratis bezogene Titel zu bezahlen haben.</p>
<p>Österreichs Geschichte ist &#8211; unter anderem &#8211; eine des Herrschens mit allen Mitteln. Zu diesen gehört es nicht, Kritik und Kontrolle zuzulassen. Genau das aber macht Unabhängigkeit und Qualität von Medien, macht die Substanz der Demokratie erst aus, was man hier nicht hören will. Wiederholt musste sich unsere Republik vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einige Lektionen in Sachen Meinungsfreiheit erteilen lassen. Dieser Gerichtshof erblickt aufgrund des Rechtes auf Meinungsfreiheit in den Medien einen &#8220;öffentlichen Wachhund“. Erst diese Kritik- und Kontrollfunktion durch die &#8211; faktische &#8211; vierte Gewalt vollendet die Demokratie, weil sie Übereinstimmung herzustellen und Korrektur auszulösen vermag. Die Pressefreiheit ist folglich ein hohes Gut, das Verantwortung jener auslöst, denen sie anvertraut ist.</p>
<p>Der breiten Öffentlichkeit ist dies klar: Der hohe Wert freier und nicht zensurierter Information und Meinung sei der Bevölkerung überwiegend und beeindruckend deutlich bewusst, berichtete dieser Tage der Präsident des Verlegerverbandes, Hans Gasser, unter Hinweis auf eine Umfrage.</p>
<p><strong>Der stete Kampf um Pressefreiheit</strong></p>
<p>Allerdings sei diese Pressefreiheit nur ein Recht einer kleinen privilegierten Minderheit, denn 80 Prozent der Weltbevölkerung hätten keinen oder nur bedingten Zugang zu freier Presse, wie Gasser sagte.</p>
<p>Wie wahr: Wo einzelne Journalisten ermordet oder auch nur gewaltsam an ihrer Arbeit behindert werden, sind Lenkung oder gar Unterdrückung der Massen nicht weit. Russland, Iran, andere Staaten ebenso und insbesondere China liefern beschämendes Anschauungsmaterial: &#8220;Bestrafe einen, erziehe hundert“ lautet das Prinzip diktatorischer Herrschaft.</p>
<p>In Sachen Pressefreiheit steht der einzelne Fall für viele. Die Qualität der Nachrichten-Medien steht für jene der Demokratie. Daher ist es schändlich, wenn in und mit diesen Medien weder der Freiheit noch der Demokratie gedient wird. Sondern die Pressefreiheit in Erwerbsfreiheit verfällt. Was Herrscher zulassen, weil es sie billiger kommt als Kritik und Kontrolle. Den Preis für deren Mangel zahlen ohnedies andere.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Die Furche Nr. 18/2012</em></p>
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		<title>Eigenplagiat</title>
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		<pubDate>Fri, 18 May 2012 06:00:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Ariana Huffington]]></category>
		<category><![CDATA[Bruno Frey]]></category>
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		<category><![CDATA[Karl-Theodor zu Guttenberg]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[Plagiat]]></category>
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		<description><![CDATA[Dank der unbegrenzten Kopiermöglichkeiten scheint sich eine ganze Generation ums Copyright kaum noch zu scheren. Eine Partei, die in Deutschland inzwischen einen Landtag nach dem anderen kapert, bekennt sich sogar mit ihrem Namen zu derlei Piraterie. Google und manche seiner Aktionäre sowie Web-Pioniere wie Ariana Huffington sind steinreich geworden, indem sie mit geistigem Eigentum ziemlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.flickr.com/photos/mikeblogs/3020135683/"><img class="size-full wp-image-6688 alignleft" title="Foto: Mike Seyfang / Flickr.com" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/copyright.jpg" alt="" width="240" height="241" /></a>Dank der unbegrenzten Kopiermöglichkeiten scheint sich eine ganze Generation ums Copyright kaum noch zu scheren.</strong></p>
<p>Eine Partei, die in Deutschland inzwischen einen Landtag nach dem anderen kapert, bekennt sich sogar mit ihrem Namen zu derlei Piraterie. Google und manche seiner Aktionäre sowie Web-Pioniere wie Ariana Huffington sind steinreich geworden, indem sie mit geistigem Eigentum ziemlich salopp umgehen.</p>
<p>Dagegen gerieten namhafte Politiker und Persönlichkeiten von Karl Theodor zu Guttenberg über Silvana Koch-Mehrin und Margarita Mathiopoulos bis hin zu Annette Schavan ins Straucheln, weil sie geistiges Eigentum nicht respektierten, sprich: bei ihren Doktorarbeiten geschummelt und von Dritten abgeschrieben haben. Das alles ist schon skurril genug, doch seit einigen Monaten eskaliert der Streit um Plagiate im Wissenschaftsbetrieb in geradezu bizarrer Weise.<span id="more-6685"></span> Bruno Frey zum Beispiel, einem weltberühmten Ökonomen aus Zürich, werfen seine Kollegen „Eigenplagiate“ vor. In leicht abgewandelter Form hat er seine Erkenntnisse in mehreren Zeitschriften veröffentlicht, um eine größere Wirkung zu erzielen. Dies verstößt in der Tat gegen eine Regel, der zufolge ein Wissenschaftler seine Forschungsergebnisse nur einmal veröffentlichen darf. Diese Vorschrift ist allerdings hoffnungslos antiquiert.</p>
<p>Jeder, der in Zeiten des Internets auf sich und seine Arbeit aufmerksam machen möchte, muss so oft wie irgend möglich viele Kanäle nutzen. Ohne solches Recycling kann niemand in der Aufmerksamkeitsökonomie überleben, deren Grundregeln der Wiener Sozialforscher Georg Franck bereits vor Jahren sehr klug beschrieben hat. Auch Wissenschaftler sind auf vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten angewiesen. Zum Schluss deshalb ein Geständnis aus Solidarität zu Bruno Frey: Auch der Hinweis auf Franck in diesem Kommentar ist ein Eigenplagiat.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Die Furche Nr. 20/2012</em></p>
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		<title>Nachhilfe zur Finanzkrise</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 08:57:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Russ-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ressorts]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Henry]]></category>
		<category><![CDATA[Cristina Marconi]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gabriele Reckinger]]></category>
		<category><![CDATA[Schuldenkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Volker Wolff]]></category>

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		<description><![CDATA[Weil die Schuldenkrise gerade wieder hochzukochen beginnt, sei im folgenden auf zwei Arbeiten verwiesen, die stark journalistisch geprägt sind und doch auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Sie sind bereits 2011 in Reaktion auf das Krisendebakel in einem forschungsaffinen Umfeld entstanden &#8211; und dürfen dennoch für sich in Anspruch nehmen, im Mai 2012 aktueller denn je zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="size-full wp-image-6681 alignleft" title="Foto: Gerd Altmann  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/gewinn1.jpg" alt="" width="240" height="240" />Weil die Schuldenkrise gerade wieder hochzukochen beginnt, sei im folgenden auf zwei Arbeiten verwiesen, die stark journalistisch geprägt sind und doch auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.</strong></p>
<p>Sie sind bereits 2011 in Reaktion auf das Krisendebakel in einem forschungsaffinen Umfeld entstanden &#8211; und dürfen dennoch für sich in Anspruch nehmen, im Mai 2012 aktueller denn je zu sein.</p>
<p>Gabriele Reckinger und Volker Wolff, beide hochangesehene Wirtschaftsjournalisten und letzterer darüber hinaus Journalistik-Professor an der Universität Mainz, haben etwas zustande gebracht, was im Zeitalter von Wikipedia und Corporate Spin Doctoring altmodisch anmuten mag, aber notwendiger denn je sein dürfte. Sie haben ein Kompendium „Finanzjournalismus“ verfasst, das alles andere als ein klassisches Lehrbuch ist und doch als Ratgeber in jede Wirtschaftsredaktion gehört. Weil das eklatante Problem des Finanzjournalismus im Zeitalter ausgedünnter Redaktionen und florierender Gratisangebote vor allem  mangelnde Sachkenntnis der hochkomplexen Finanzwelt sein dürfte, haben sie 56 beschlagene Kolleginnen und Kollegen gebeten, ihr Fachwissen zu einzelnen Stichworten preiszugeben. <span id="more-6669"></span>So ist ein bemerkenswert lesbares und kenntnisreiches Buch entstanden, das nicht nur über Behavioral Finance, Hedge Fonds, Private Equity, Termingeschäfte und anderes aufklärt, sondern Journalisten gezielt mit Tips versorgt, was sie zu solchen Themen bei ihren eigenen Recherchen wissen sollten.</p>
<p>Nur eine Kostprobe: Andreas Henry, bis vor kurzem Korrespondent der <em>Wirtschaftswoche</em> in New York, warnt vor einer Berufsgruppe, die sich inzwischen auch in renommierten Blättern mit ihren Börsentipps austoben dürfen: „Journalisten, die sich bei ihrer Arbeit stark auf das Urteil und die Berichte von Analysten verlassen, sind entweder zu faul, oder nicht in der Lage, sich etwa durch das Studium von Bilanzen oder durch eigene Recherchen ein Bild über ein Unternehmen zu machen.“ Ein guter Journalist liefere den Analysten Informationen, nicht umgekehrt. Vor allem sollten Journalisten wissen, in wessen Interesse Analysten agierten: Es gebe solche auf der „Sell Side“, die von einer Bank oder einem Broker beschäftigt würden und die „mit ihren Unternehmensstudien Aktienkäufe generieren sollen, für die die Bank oder der Broker dann Gebühren kassiert“. Analysten auf der „Buy Side“ arbeiteten dagegen für einen institutionellen Investor. Ein unabhängiges Urteil sei von solchen Leuten also eher nicht zu erwarten.</p>
<p>Zu einer ganz anderen Forschungsarbeit hat die Krise Cristina Marconi inspiriert, eine italienische Journalistin, die in Brüssel als Korrespondentin gearbeitet hat, bevor sie am Reuters Institute for the Study of Journalism in Oxford Fellow wurde. Sie hat sich angesehen, wie führende Blätter in Italien, Frankreich und Großbritannien über die Europäische Union und den griechischen Schuldenberg berichtet haben. Die <em>Financial Times</em> ausgenommen, beobachteten alle von ihr untersuchten Blätter die Geschehnisse in Brüssel jeweils „nur aus dem Blickwinkel nationaler Interessen“. Es gebe keine unvoreingenommene Sicht; damit verstellten sich die Journalisten den Blick auf das, was auf der europäischen Ebene wirklich passiere. Die Griechenland-Krise sei ein gutes Beispiel dafür, wie die Presse die „toughen“ Fragen zum Gebaren der EU-Institutionen gar nicht mehr stelle, gerade weil sie entweder ihre europhilen oder ihre euroskeptischen Vorurteile kultiviere. Es liege in der Natur der Sache, dass die EU sehr häufig Kompromisse kommunizieren müsse – also Politik-Ergebnisse, „mit denen sich oft keiner mehr richtig identifizieren kann.“</p>
<p>Das freilich gilt auch anderswo für die Kunst des Möglichen. Vielleicht ist das eigentliche Problem der EU ein ganz anderes: Sie investiert viel zu viel Geld in Selbstdarstellung und Public Relations – statt etwa durch eine großzügige Förderung  journalistischer Aus- und Weiterbildung an den wenigen europäischen Hochschulen und an Bildungsstätten wie dem European Journalism Center in Maastricht dafür zu sorgen, dass ihre Arbeit von wirklich fachkundigen, aber eben auch kritischen Journalisten begleitet wird.</p>
<p><span style="color: #888888;">Gabriele Reckinger/Volker Wolff (Hg.): Finanzjournalismus, Konstanz: UVK 2011</span></p>
<p><span style="color: #888888;">Cristina Marconi: Does the Watchdog Bark? The European Union, the Greek Debt Crisis and the Press, Reuters Institute for the Study of Journalism, University of Oxford, 2011</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><a href="http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/about/news/item/article/does-the-watchdog-bark-the-europea.html"><span style="color: #888888;">http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/about/news/item/article/does-the-watchdog-bark-the-europea.html</span></a></span></p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Schweizer Journalist Nr. 4+5/2012</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Der Skandal ist allgegenwärtig</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 10:24:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernhard Pörksen und Hanne Detel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
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		<description><![CDATA[Wie Entlarvung und Enthüllung unter den modernen Kommunikationsbedingungen funktionieren, zeigen die Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und Hanne Detel in ihrem Buch „Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“ am Beispiel von zahlreichen Fallgeschichten auf. Kurz zusammengefasst: Im Zeitalter der digitalen Überall-Medien und der wechselseitigen Dauerbeobachtung ist der Skandal allgegenwärtig. Jeder kann ihn auslösen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><strong> <img class="size-medium wp-image-6646 alignleft" title="" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/entfesselter_skandal_titela-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" /></strong></strong></p>
<p><strong>Wie Entlarvung und Enthüllung unter den modernen Kommunikationsbedingungen funktionieren, zeigen die Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und Hanne Detel in ihrem Buch „Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“ am Beispiel von zahlreichen Fallgeschichten auf.</strong></p>
<p>Kurz zusammengefasst: Im Zeitalter der digitalen Überall-Medien und der wechselseitigen Dauerbeobachtung ist der Skandal allgegenwärtig. Jeder kann ihn auslösen, jeden kann er treffen. Neun Thesen zur Zukunft der Enthüllung.</p>
<p><strong>1.</strong> Heute kann jeder einen Skandal auslösen. Allzweckwaffen der Skandalisierung – Smartphones und immer kleiner und leistungsfähiger werdende Handys mit Kamera- und Videofunktion – tragen die meisten von uns am Körper. Netzwerk- und Multimedia-Plattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube, Blogs, persönliche Websites und Wikis sind die neuartigen Instrumente der Enthüllung. Sie liegen in den Händen aller.</p>
<p><strong>2.</strong> Heute kann jeder zum Opfer eines Skandals werden. „Gegen Ohnmächtige oder kleine Leute“, so einst der Publizist Johannes Gross, „bricht kein Skandal aus.“<strong> </strong>Diese Diagnose stimmt nicht mehr. Man muss nicht prominent oder mächtig sein oder zur gesellschaftlichen Elite zählen. <span id="more-6639"></span>Enthüllungsgeschichten richten sich im digitalen Zeitalter in einem bislang unbekannten Ausmaß auch gegen Ohnmächtige und komplett Unschuldige. Auch Nichtigkeiten lassen sich nun skandalisieren; auch gänzlich Unbekannte können es zu zweifelhafter Ad-hoc-Berühmtheit bringen. Gesellschaftliche Fallhöhe ist kein Schlüsselkriterium mehr.</p>
<p><strong>3.</strong> Das Publikum ist die neue Macht. Das Publikum skandalisiert selbst, setzt eigene Themen, tritt in der Rolle des Archivars, des Informanten, des Beweis-Lieferanten und des Anklägers in Erscheinung. Damit verändert sich der bisher bekannte Dreischritt der Skandalisierung, der für das Gatekeeper-Zeitalter typisch war: Am Anfang stand einst die Normverletzung, es folgte die Enthüllung durch die Medien, schließlich – am Ende des Kommunikationsprozesses – die Empörung eines mehr oder minder effektiv alarmierten Publikums. Nun kann es sein, dass die Publikumsempörung den Auftakt bildet und etablierte Massenmedien zur Reaktion gezwungen werden.</p>
<p><strong>4.</strong> Die Digitalisierung ist die alles entscheidende Zäsur. Denn was in digitaler Form vorliegt, kann von Computern verarbeitet, beliebig vervielfältigt, blitzschnell um die Welt geschickt und simultan rezipiert werden. Eben weil digitalisierten Daten und Dokumenten diese „neue Leichtigkeit“ (Peter Glaser), diese Möglichkeit zur totalen Transformation und zur globalen Präsenz eigen ist, können einzelne Textsplitter und Imagefragmente, Bilder und Filme zu kollektiv wirksamen Empörungsanlässen werden, die ein kaum fassbares, nicht mehr kalkulierbares Publikum erreichen. Die Digitalisierung macht den Skandal – im Verbund mit den Technologien des Web 2.0 – potenziell allgegenwärtig.</p>
<p><strong>5.</strong> Die ohnehin bescheidenen Möglichkeiten der Kontrolle nehmen dramatisch ab. Die breite Streuung der Daten, ihre leichte Verfügbarkeit, die womöglich globale Verbreitung, die Permanenz ihrer Präsenz, die rasche Durchsuchbarkeit und leichte Rekombinierbarkeit, die schwierige Identifikation der Verursacher und Auslöser – all diese Merkmale lassen die mehr oder minder brachialen Formen des Skandalmanagements (Zensur- und Einschüchterungsversuche durch aggressive Medienanwälte, Korrekturen und Gegendarstellungen, die Schwärzung missliebiger Passagen in einem Buch etc.) als vergleichsweise hilflos erscheinen. Der Einzelne besitzt keine Möglichkeit mehr, seine Realitätsversion durchzusetzen, andere Realitäten effektiv zu verdrängen oder ganz und gar unsichtbar zu machen.</p>
<p><strong>6.</strong> Zensurversuche wirken oft kontraproduktiv. Sie erzeugen das Gegenteil dessen, was erreicht werden soll. Sie mobilisieren.<em> </em>Wer damit droht, einmal veröffentlichte Daten wieder aus dem Netz zu bannen, der macht sie in der Regel erst so richtig bekannt, sorgt für jede Menge Aufregung und eine Fülle von in Rekordgeschwindigkeit angefertigten, begeistert verbreiteten Kopien und lässt die Verbreitung von Daten mitunter als einen Akt der Rebellion erscheinen, als eine Art Gratis-Protest, dem man sich ohne größere zeitliche, ökonomische oder intellektuelle Unkosten anschließen kann. Das allgemeine Muster: Oft sind es gerade die Versuche der Informationskontrolle, die den Kontrollverlust provozieren.</p>
<p><strong>7.<em> </em></strong>Den digitalen Skandal charakterisiert eine eigene Zeitform. Es ist die potenziell ewige Gegenwart.<em> </em>Der lineare Zeitpfeil, der von der Vergangenheit in die Gegenwart und von dort in die Zukunft weist, ist unter den neuen Medienbedingungen gebrochen. Auch Vergangenes und gerade noch gnädig Versendetes – eine unbedachte Äußerung, eine idiotische Fehlleistung, ein unsympathisch wirkender Aussetzer – wird zur abrufbaren und bei Bedarf erneut aktualisierbaren Gegenwart, zum bedrohlich im Hintergrund brodelnden Zukunftsgift. Selbst marginales Fehlverhalten bleibt öffentlich abrufbar und womöglich weltweit präsent.</p>
<p><strong>8.</strong> Das digitale Panoptikum der Gegenwart ist selbst fabriziert. Es ist nicht eine böse, fremde Macht, die uns überwacht. Wir alle beobachten und überwachen uns permanent gegenseitig. Auch sind es gerade die eigenen Datenspuren in Blogs, Chat-Protokollen, Facebook-Postings, Mailbox-, SMS- und Twitter-Botschaften, die womöglich eines Tages zu Dokumenten der Demontage und Blamage werden. Auf das Dauerrisiko des plötzlichen Reputationsverlustes sind wir mental nicht vorbereitet. Niemand lebt in dem Gefühl, dass er immer und überall auf einer womöglich weltweit einsehbaren Bühne steht. Der kategorische Imperativ des digitalen Zeitalters lautet daher: „Handele stets so, dass Dir die öffentlichen Effekte Deines Handelns langfristig vertretbar erscheinen. Aber rechne damit, dass dies nichts nützt.“</p>
<p><strong>9.</strong> Der digitale Skandal ist nicht einfach gut oder schlecht, sondern hat seinen eigenen Schrecken und seine eigene Schönheit. Mal ist er einfach nur grausames Spektakel, mal dringend benötigte Aufklärung, die Folter und Gewalt beendet und den Sturz von gefährlichen Charismatikern, Despoten und Diktatoren voran treibt. Alles hängt davon ab, wie die Publizisten der neuen Zeit, also wir alle, die Werkzeuge der Skandalisierung gebrauchen. Denn<em> </em>hinter dem Werkzeug und dem Medium steht immer noch ein einzelner, im Letzten verantwortlicher Mensch mit seinen guten oder schlechten Absichten, seinen guten oder schlechten Zielen, Sehnsüchten, Wünschen, Hoffnungen. Schon allein daraus folgt, dass Monoperspektiven und prinzipiell euphorische oder kulturpessimistische Positionen unsinnig sind, weil sie die Vielfalt der Verwendungszwecke übersehen.</p>
<p>Im Übrigen gilt: Auch das Netz ist nicht einfach gut oder schlecht. Die neuen Manichäer aktueller Debatten, die so fein säuberlich zwischen Licht und Finsternis zu unterscheiden wissen, marschieren in die Irre, weil sie über Algorithmen, Medien und Technologien entweder überschäumend begeistert oder nur noch erschrocken und schockiert reden – aber immer so, als wären diese Werkzeuge so etwas wie eigenmächtig und stets berechenbar handelnde Wesen, Entitäten mit einer prinzipiell festgelegten Natur. Aber das sind sie nicht. Wir selbst sind es, die publizieren, was uns wichtig, brisant und interessant oder eben auch skandalös erscheint.</p>
<p><em>Die hier vorgestellten Thesen wurden zuerst auf Spiegel online (4.5.2012) veröffentlicht und gehen auf das Buch &#8220;<em>Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter&#8221; zurück.</em><br />
</em></p>
<p><em>Pörksen, Bernhard; Detel, Hanna (2012): Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter. Köln: Halem-Verlag.<br />
</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong><em></em></strong><em><br />
</em></p>
<p><em> </em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Zur Macht und Ohnmacht von Medienmogulen</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/6622/medienpolitik/zur-macht-und-ohnmacht-von-medienmogulen</link>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 09:17:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Franke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Außenmacht]]></category>
		<category><![CDATA[Australien]]></category>
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		<category><![CDATA[News Corporation]]></category>
		<category><![CDATA[News of the World]]></category>
		<category><![CDATA[Rupert Murdoch]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Untersuchung zu Rupert Murdochs News Corporation in Großbritannien und Australien Könige, Kaiser, Präsidenten – viele auf den ersten Blick einleuchtende Akteure würden dazu taugen, den Einband einer theoretischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Machtkonzeptionen zu zieren. Nicht so im Falle der Veröffentlichung von Barry Hindess (1996). Von deren Umschlag prangt vielmehr ein Bild von Orson Welles [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-6671 alignleft" title="Foto: 38 Degrees / Flickr" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/murdoch_a1-238x300.jpg" alt="" width="238" height="300" /><strong>Eine Untersuchung zu Rupert Murdochs <em>News Corporation</em> in Großbritannien und Australien</strong></p>
<p>Könige, Kaiser, Präsidenten – viele auf den ersten Blick einleuchtende Akteure würden dazu taugen, den Einband einer theoretischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Machtkonzeptionen zu zieren. Nicht so im Falle der Veröffentlichung von Barry Hindess (1996). Von deren Umschlag prangt vielmehr ein Bild von Orson Welles alias Medienmogul William Randolph Hearst aus dem Film <em>Citizen Kane</em>.</p>
<p>Auf den weiteren über 180 Seiten folgt kein einziger Hinweis darauf, weshalb Medienmogulen im Allgemeinen oder Hearst im Besonderen tatsächlich das Attribut „machtvoll“ zugeschrieben werden könnte. Dies ist symptomatisch: Die Assoziierung von Medienmogulen mit Macht erfolgt häufig reflexhaft und wird als Selbstverständlichkeit präsentiert.</p>
<p>Obwohl erst nach Fertigstellung der Studie enthüllt, bestätigt auch der Umgang mit dem aktuellen Abhörskandal rund um die britischen Zeitungen von Rupert Murdochs <em>News Corporation</em> diese Ausgangsbeobachtung. Trotz zum Teil entwaffnender Befragungen und hohem öffentlichen Druck, der in der Schließung der <em>News of the World</em> gipfelte, strotzt die Berichterstattung nur so vor Formulierungen wie „heimlicher Herrscher Großbritanniens“. Wer doch über seinen „Machtverlust“ spekuliert, hegt zumindest keine Zweifel, dass Murdoch tatsächlich Macht zu verlieren hat. Als bedürfe es für diese Annahme keiner weiteren Erläuterungen.<span id="more-6622"></span></p>
<p>Es zeigt sich: Für Medienmogule wird gebetsmühlenartig Macht reklamiert, ohne auch nur die Mindestbedingungen einer Machtanalyse hinreichend zu erfüllen. Entscheidende Fragen bleiben meist unbeantwortet: Macht gegenüber wem? Wodurch? Mit welchen Konsequenzen und vor allem Einschränkungen? Ziel dieser Studie ist es, diesen Fragen über die Entwicklung eines geeigneten Analyserahmens systematisch und differenziert auf den Grund zu gehen.</p>
<p><strong>Untersuchungsgegenstand/Fragestellung</strong></p>
<p>Aus forschungslogischen und –ökonomischen Gründen fokussiert die Arbeit in dreierlei Hinsicht:</p>
<ol>
<li>Als vermeintlich machtvollster der ja ohnehin als machtvoll erachteten Protagonisten seiner Zunft konzentriert sich die Arbeit auf <strong>Rupert Murdoch</strong>, dessen Status als Medienmogul sich aus seiner engen Verbindung zum Medienkonzern <em>News Corporation</em> abgeleitet.</li>
<li>Im zweiten Schritt fokussiert die Untersuchung auf konkrete Medienlandschaften. Als solche bieten sich die Länder <strong>Großbritannien und Australien</strong> an, in denen die <em>News Corporation</em> auf verschiedenen Medienmärkten aktiv ist.</li>
<li>Im dritten Schritt werden die zu untersuchenden Bezugsobjekte der Macht von Rupert Murdoch benannt. In beiden Länden ist eine Reihe an solchen Bezugsobjekten mit (medien-) wissenschaftlicher Relevanz vorhanden, von denen sich die Arbeit auf zwei konzentriert:</li>
</ol>
<ul>
<li>Murdochs <strong>Innenmacht</strong> in Bezug auf <strong>dem der <em>News Corporation</em> zurechenbaren (nachrichten-) journalistischen Personal</strong> in Großbritannien und Australien: Medienmogulen wird immer wieder nachgesagt, sie übten einen maßgeblichen Einfluss auf das redaktionelle Geschehen in Medienunternehmen aus. Mediale Berichterstattung wird dabei als abhängige Variable von zugrundeliegenden Produktionsbedingungen begriffen.</li>
<li>Murdochs <strong>Außenmacht/Meinungsmacht</strong> in Bezug auf die <strong>Bevölkerungen</strong> der beiden Länder. Medienberichterstattung ist die unabhängige Variable in Medienwirkungsprozessen. Sofern dem Medienmogul Innenmacht über die Journalisten des Konzerns oder zumindest einzelnen Bereichen attestiert werden kann, stellt sich somit die Frage nach den Implikationen der unter diesen Bedingungen produzierten Nachrichteninhalten für die Bevölkerung.</li>
</ul>
<p>Die Untersuchung der ersten Fragestellung ist entscheidend, um auch die zweite beantworten zu können. <strong>Das Vorhandensein von Innenmacht in Organisationen ist eine notwendige Voraussetzung, um einem individuellen Akteur wie Murdoch auch Außenmacht zuschreiben zu können.</strong> Organisationen machen durch die Bündelung von individuellen Kräften potentiell weit mehr Macht verfügbar, als die einzelnen Organisationsmitglieder unabhängig voneinander ausprägen könnten. Organisation kann nur dann die Machtquelle eines bestimmten individuellen Akteurs sein, wenn die spezifische Gestaltung des Outputs oder Teilen des Outputs der Organisation auf das intentionale Wirken &#8211; die Innenmacht &#8211; dieses Akteurs zurückgeführt werden kann.</p>
<p><strong>Vorgehensweise</strong></p>
<p>Für die Bestimmung von Rupert Murdochs <strong>Innenmacht</strong> werden zunächst bestehende Machtquellen sowie der darauf aufbauende Einsatz von ausgewählten Machtmitteln – auch im Lichte organisationstheoretischer Erkenntnisse &#8211; untersucht. Ferner erfolgt die Analyse weiterer Faktoren, welche sowohl die Stärke als auch die Reichweite dieser Machtmittel beeinflussen. Die Sekundäranalyse konnte dafür auf vielfältige Quellen – unter anderem Stellungnahmen von Murdoch selbst, zahlreiche Marktstudien und Biographien, wissenschaftliche Beiträge, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel usw. – zurückgreifen.</p>
<p>Bei der Einschätzung der <strong>Außenmacht</strong> Rupert Murdochs wird sich insbesondere auf die Wahrscheinlichkeit intendierter Medienwirkungseffekte in der Bevölkerung konzentriert. Zunächst wird quantitativ anhand der aktuellsten verfügbaren Daten die Stellung des Konzerns in den einzelnen Medienteilmärkten in Großbritannien und Australien ermittelt. Die Bestimmung von Marktanteilen in den einzelnen Medienteilmärkten ermöglicht unter Anwendung eines Rechenmodells der deutschen Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) ferner eine quantitative Analyse der Stärke der „Meinungsmacht“ des Konzerns <em>News Corporation</em> als Ganzem. Diese Einschätzungen werden in der Folge einer qualitativen Beurteilung unterzogen, welche unter anderem die Meinungsrelevanz der Konzernangebote im spezifischen kulturellen Kontext analysiert. Ein Abgleich zwischen der mediengattungsspezifisch variierenden Innenmacht Rupert Murdochs mit den landesspezifischen Ausprägungen von intervenierenden Drittvariablen im Medienwirkungsprozess befähigt abschließend zur Identifikation möglicher Machtgrenzen sowie damit zu einer fundierten Gesamtbetrachtung seiner Außenmacht. Diese Drittvariablen umfassen das politische Informationsverhalten, Vertrauen in einzelne Mediengattungen sowie Prädispositionen zur medialen Beeinflussung (erfasst durch Parteiidentifikation, Wählervolatilität, gesellschaftliches Engagement).</p>
<p><strong>Ergebnisse</strong></p>
<p><strong>a)     </strong><strong>Innenmacht</strong></p>
<p>Durch den Besitz des größten stimmberechtigten Aktienpakets ist Rupert Murdoch der überragende Eigentümer der <em>News Corporation</em>. Das Verfügen über die <strong>Machtquelle</strong><strong> Eigentum</strong> führt zur Bekleidung beider Spitzenposten US-amerikanischer Konzerne, des Chairman und des CEO, in Personalunion. Die Position als oberster Geschäftsführer wird mit größtmöglicher Dominanz und Entscheidungsgewalt ausgefüllt. Sie eröffnet überdies das Verfügen über eine Reihe an <strong>Machtmitteln</strong>, deren konkrete Ausschöpfung letztlich zu einer <strong>mediengattungsspezifisch variierenden Innenmacht </strong>in zurechenbaren Medien in Großbritannien und Australien führt.</p>
<p>Im <strong>Fernsehbereich</strong> ist Murdochs Möglichkeit, über Innenmacht den inhaltlichen Output zu beeinflussen, stark begrenzt. So verhindern in Bezug auf die australischen Joint Ventures hohe Anteilspakete anderer Eigentümer die Dominanz eines spezifischen Anteilseigners, sodass Rupert Murdoch keine uneingeschränkte Verfügung über Machtmittel besitzt. Beim britischen <em>BSkyB</em> ist indes eine zunehmende Emanzipation des Führungspersonals zu beobachten. Nicht zuletzt implizieren regulatorische Bestimmungen zur Unparteilichkeit und Ausgewogenheit von Fernsehinformationen in beiden Ländern erhebliche Handlungseinschränkungen. Die <strong>Machtquelle Organisation</strong> kann Murdoch in Bezug auf das Fernsehen in Großbritannien und Australien insgesamt nicht zugeschrieben werden.</p>
<p>Anders bei den<strong> britischen und australischen Zeitungen</strong> und entsprechenden Online-Medien, für die eine sehr hohe Innenmacht Murdochs zu attestieren ist. Das Verfügen bzw. der Einsatz von spezifischen Machtmitteln eröffnet dort die Möglichkeit, den unternehmensinternen sozialen Kontext für journalistisches Personal zu determinieren, Handlungsoptionen auszuschalten und damit den journalistischen Output auch ohne häufige direkte Intervention maßgeblich zu beeinflussen.</p>
<p>Besonders relevant ist dabei seine <strong>Personalmacht</strong>, die sich in der persönlichen Auswahl journalistischen Schlüsselpersonals sowie einer starken Innenorientierung im Rekrutierungsprozess äußert. Beides stellt einen Machttransport („Machtketten“) auch in untere redaktionelle Hierarchieebenen sicher. Dieses Schlüsselpersonal ist seinerseits weiteren Machtmitteln wie <strong>legitimer Macht</strong> über Weisungen oder häufiger subtilere Vorgehensweisen unterworfen. Schlussendlich entfaltet das selektiv eingesetzte Machtmittel <strong>Bestrafungsmacht</strong> unter Annahme bedürfnisbefriedigender Akteure eine disziplinierende Wirkung.</p>
<p><strong>Weitere Rahmenbedingungen</strong> wie verengte journalistische Arbeitsmärkte, das Fehlen entscheidender Gegenmachtquellen bei der Mehrheit der einzelnen Journalisten sowie die traditionell streng verrichtungsorientierte Zeitungsproduktion in den jeweiligen Ländern erhöhen dabei noch die Wirksamkeit dieser Machtmittel. Überdies sorgen fehlende gesetzliche Regularien zur Outputgestaltung im Printbereich für keine Verkleinerung des Handlungsspielraumes Rupert Murdochs. Zweifelhaft sind ferner großflächige Handlungseinschränkungen durch die Gewinnorientierung der <em>News Corporation</em>.</p>
<p>Alles in allem ist Rupert Murdoch in Bezug auf die britischen und australischen Zeitungen der <em>News Corporation</em> eine starke Innenmacht und somit die Machtquelle Organisation durchaus zuzuschreiben. Der spezifische Output besonders der großen Titel entsteht maßgeblich unter Produktionsbedingungen, die durch den (potentiellen) Einsatz ihm zuzuordnender Machtmittel geprägt sind. Zahlreiche inhaltsanalytische Arbeiten zeigen dementsprechend, dass Murdochs Zeitungen in der Tat durch eine frappierende intellektuelle Orthodoxie verbunden mit ideologisch-politischer Uniformität zugunsten konservativer Standpunkte gekennzeichnet sind. Auf der anderen Seite gelten die unter allenfalls schwacher Innenmacht Murdochs produzierten Nachrichtenangebote der Rundfunkkanäle der <em>News Corporation</em> als ausgewogen.</p>
<p><strong>b)      </strong><strong>Außenmacht/Meinungsmacht</strong></p>
<p>Unter Verwendung des von der KEK anlässlich der geplanten Übernahme der <em>ProSiebenSat.1 Media AG</em> durch die <em>Axel Springer AG</em> konzipierten Rechenmodells ergibt sich eine starke bis sehr starke Gesamtstellung der <em>News Corporation</em> in den beiden Medienlandschaften. Ziel des streng quantitativen, zugegeben umstrittenen Modells ist die Ableitung eines Gesamtmarktanteils am Fernsehmarkt durch eine Gewichtung der Stellung auf den einzelnen Medienteilmärkten. Vorherrschende Meinungsmacht wird unter anderem vermutet, wenn eine Gesamtbeurteilung der Aktivitäten eines Unternehmens im Fernsehen und auf medienrelevanten verwandten Märkten ergibt, dass die dadurch erzielte Kumulation von Medieneinflüssen einem Zuschaueranteil von 30% im Fernsehmarkt entspricht.</p>
<p>In <strong>Großbritannien</strong> erreicht die <em>News Corporation</em> eine hohe, aber nicht vorherrschende Meinungsmacht. Insgesamt verfügt der Konzern dort durch seine zurechenbaren Aktivitäten über eine Meinungsmacht, die derjenigen eines Unternehmens entspricht, dem Fernsehprogramme mit einem Zuschaueranteil von insgesamt 26,4% zuzurechnen sind.</p>
<p>Mit 54% exorbitant ist der Anteil in <strong>Australien.</strong> Vor allem der hohe Marktanteil im Zeitungsmarkt (57,5%) trägt dazu bei. Dies stellt eine sehr deutliche Überschreitung der 30%-Grenze dar, und spricht für eine sehr starke vorherrschende Meinungsmacht.</p>
<p>Eine <strong>qualitative Gesamtwürdigung</strong> der Befunde zeigt indes erste Einschränkungen auf: Beispielsweise weisen die zurechenbaren Pay-TV-Angebote in beiden Ländern eine schwache Meinungsrelevanz auf. Die hoch meinungsrelevanten Kanäle von <em>Sky News</em> und <em>Sky News Australia</em> erreichen je einen Gesamtmarktanteil von deutlich unter einem Prozent. Außerdem sind in Großbritannien die ohnehin nur moderaten Marktanteile im Internet im Zuge der Einführung eines Bezahlmodells nach jüngeren Erhebungen marginalisiert worden.</p>
<p>Eine Verknüpfung mit den Erkenntnissen über die variierende Innenmacht Rupert Murdochs sowie eine Analyse der gesamtgesellschaftlichen Ausprägungen von in den Medienwirkungsprozess intervenierender Variablen nährt weitere Zweifel an einer großen Meinungsmacht des Medienmoguls.</p>
<p><em>Großbritannien</em></p>
<p>Entscheidend für eine Einschätzung von Rupert Murdochs Meinungsmacht ist primär der Zeitungsbereich, für den Murdoch aufgrund seiner erheblichen Innenmacht die Machtquelle Organisation zugeschrieben wurde. Mit einem Marktanteil von über 23% ist dies ferner der einzige Medienteilmarkt in Großbritannien für den bezüglich der <em>News Corporation</em> sowohl Meinungsrelevanz als auch hohe Breitenwirkung konstatiert werden kann. Den Zeitungen stehen allerdings in einem dynamischen, moderat konzentrierten Markt bedeutsame Wettbewerber entgegen, die insgesamt hohe oder sogar marginal höhere Auflagenzahlen erreichen. Überdies spricht viel für ein beschränktes Meinungseffektpotential der Mediengattung Zeitung.</p>
<p>Die Hauptinformationsquelle der Briten ist mit sehr weitem Abstand das Fernsehen, während Zeitungen von einer Mehrheit nicht einmal als zweitwichtigste Quelle angesehen werden. Dies spiegelt sich auch deutlich in aktuellen Nutzungsdaten. Einen begrenzten Meinungseffekt der Zeitungen legen überdies ihre beispiellos geringen Vertrauenswerte nahe, welche die auflagenstärksten Titel der <em>News Corporation</em> an stärksten betreffen. Im Gegensatz dazu genießt das Fernsehen und andere Zeitungen weit mehr Vertrauen. Die Einschätzung der Stärke von Präferenzfestlegungen führt überdies zur Vermutung lediglich moderater Prädispositionen für mediale Beeinflussung in der britischen Bevölkerung. Obgleich dies durchaus die Möglichkeit breiterer Meinungseffekte einschließt, ist angesichts der weiteren Feststellungen jedoch eine Beeinflussung durch das Fernsehen oder andere Zeitungen weit wahrscheinlicher.</p>
<p>Insgesamt ist es daher zweifelhaft, dass Rupert Murdoch über seine Innenmacht im Zeitungsbereich auch eine erhebliche Außenmacht in Bezug auf die britische Bevölkerung entwickelt. Vielmehr bestätigen die Befunde eine Reihe anderer Studien, die ein begrenztes Meinungseffektpotential der britischen Presse im Allgemeinen ermittelten.</p>
<p><em>Australien</em></p>
<p>Entscheidend für eine Beurteilung von Rupert Murdochs individueller Meinungsmacht ist auch in Australien der Zeitungs- und Onlinebereich. Wie schon in Großbritannien besitzt der Konzern nur in diesem Sektor Meinungsrelevanz und eine hohe Breitenwirkung.</p>
<p>Noch stärker als in Großbritannien legen die Befunde trotz des immensen Marktanteils nicht zu vernachlässigende Beschränkungen von Murdochs Meinungseffektpotential nahe. So weisen im internationalen Vergleich schwache Auflagen- und Nutzungszahlen auf einen niedrigen qualitativen Stellenwert des Mediums Zeitung in Australien hin. Das Fernsehen ist mit Abstand die Hauptinformationsquelle für die Mehrheit der Australier. Ferner ist das Fernsehen das meistvertraute bzw. glaubwürdigste Medium, allerdings erreichen Tageszeitungen je nach Studie bessere Werte als in Großbritannien.</p>
<p>Angesichts der Innenmacht Rupert Murdochs sowie der dominanten Stellung der <em>News Corporation</em> auf dem australischen Zeitungsmarkt mögen gewisse, dem Medienmogul zuzuschreibende Meinungseffekte dennoch plausibel erscheinen. Eine großflächige gesellschaftliche Meinungsmacht ist aber äußerst zweifelhaft. Das Medium mit dem größten Meinungseffektpotential ist auch in Australien das Fernsehen, für das Murdoch die Machtquelle Organisation nicht zugeschrieben werden konnte. Sehr starke Präferenzfestlegungen, die sich unter anderem in beispiellosen Parteiidentifikationsraten spiegeln, lassen überdies grundsätzlich bezweifeln, inwiefern Medien überhaupt kurzfristige Meinungseffekte innerhalb weiter Teile der australischen Bevölkerung hervorrufen können. Insgesamt ist Rupert Murdochs Außenmacht also auch in Australien spezifischen Beschränkungen unterworfen.</p>
<p>Alles in allem zeigt die Arbeit, dass im Fall Rupert Murdoch sowohl bei seiner Innen- als auch bei der Außenmacht zum Teil große Einschränkungen bestehen. Die oft zu beobachtende quasi-automatische Zuschreibung von Macht zu Medienmogulen ist im Lichte dessen in ihrer Absolutheit und Eindimensionalität nicht zu rechtfertigen.</p>
<p><em><span style="color: #888888;">Auswahl der verwendeten Literatur</span></em></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Anand</strong>, Bharat / <strong>Attea</strong>, Kate (2003): News Corporation, Harvard Business School Case Study 9-702-425, o.O.: Harvard Business School.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Craig</strong>, Geoffrey (2004): The Media, Politics and Public Life, Crows Nest: Allen&amp;Unwin.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Cunningham</strong>, Stuart / <strong>Turner</strong>, Graeme (20103): The Media and Communications in Australia, Crows Nest: Allan&amp;Unwin.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Franklin</strong>, Bob (2004): Packaging Politics. Political Communiations in Britain’s Media Democracy, London: Hodder Arnold.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Galbraith</strong>, John K. (1987): Anatomie der Macht, München: Heyne.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Gerhards</strong>, Jürgen (1991): Die Macht der Massenmedien und die Demokratie. Empirische Befunde, Discussion Paper FS III 91-108, Berlin: Wissenschaftszentrum für Sozialforschung.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Luhmann</strong>, Niklas (2003): Macht, Stuttgart: Lucius &amp; Lucius.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Marjoribanks</strong>, Timothy (2000): News Corporation, Technology and the Workplace. Global Strategies, Local Change, Cambridge: Cambridge University Press.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Marshall</strong>, Ian / Kingsbury, Damien (1996): Media Realities. The News Media and Power in Australian Society, Melbourne: Longman.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>McNair</strong>, Brian (1998): The Sociology of Journalism, London: Arnold.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Olsen</strong>, Marvin E. / Marger, Martin N. (1993): Power in Modern Societies, Boulder: Westview Press.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Shawcross</strong>, William (1997) Murdoch: The Making of a Media Empire. Revised and Updated, New York: Simon &amp; Schuster.</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><strong>Wolff</strong>, Michael (2009): Der Medienmogul. Die Welt des Rupert Murdoch, München: Deutsche Verlags-Anstalt.</span></p>
<p><em>Peter Franke, M.A. studierte Medien- und Politikwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der University of Otago (Dunedin, Neuseeland). Seine Ende 2010 eingereichte Abschlussarbeit &#8220;Zur Macht und Ohnmacht von Medienmogulen. Eine Untersuchung zu Rupert Murdochs <em>News Corporation</em> in Großbritannien und Australien&#8221; erhielt den Preis des Jenaer Instituts für Kommunikationswissenschaft für die beste Magisterarbeit im Prüfungszeitraum 2010/2011.</em></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Erfolg ist, wenn man überlebt</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/6613/neue-medien-web-2-0/erfolg-ist-wenn-man-uberlebt</link>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 09:12:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tina Bettels</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Agoravox]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Il Post]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Lettera43]]></category>
		<category><![CDATA[Linkiesta]]></category>
		<category><![CDATA[Mediapart]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Start-ups]]></category>
		<category><![CDATA[Perlentaucher]]></category>
		<category><![CDATA[Reuters Institute for the Study of Journalism]]></category>
		<category><![CDATA[Rue89]]></category>
		<category><![CDATA[The European]]></category>

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		<description><![CDATA[Journalistische Online-Start-ups haben es in Europa alles andere als leicht: Das hat eine Studie des Reuters Institute for the Study of Journalism der Universität Oxford festgestellt. Nicola Bruno und Rasmus Kleis Nielsen haben jeweils drei Neugründungen aus  Deutschland, Frankreich und Italien analysiert und festgestellt, dass nur zwei der neun untersuchten Websites Gewinne erzielen, und zwar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/about/news/item/article/survival-is-success-new-risj-chal.html"><img class="size-full wp-image-6614 alignleft" title="" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/Survical-is-success.jpg" alt="" width="183" height="260" /></a>Journalistische Online-Start-ups haben es in Europa alles andere als leicht: Das hat eine Studie des Reuters Institute for the Study of Journalism der Universität Oxford festgestellt.</strong></p>
<p>Nicola Bruno und Rasmus Kleis Nielsen haben jeweils drei Neugründungen aus  Deutschland, Frankreich und Italien analysiert und festgestellt, dass nur zwei der neun untersuchten Websites Gewinne erzielen, und zwar das deutsche Kultur- und Literaturmagazin <em>Perlentaucher</em> und das französische Nachrichten-Angebot <em>Mediapart</em>. <em>The European</em> aus Deutschland, <em>Agoravox</em> und <em>Rue89</em> sowie <em>Il Post</em>, <em>Lettera43</em> und <em>Linkiesta</em> aus Italien kämpfen dagegen ums Überleben, die deutsche <em>Netzeitung</em> wurde sogar bereits wieder eingestellt.</p>
<p>Der Titel des Forschungsprojekts „Survival is Success“ verrät es: Journalistische Online-Start-ups können in Europa schon einen Erfolg verbuchen, indem sie überleben.  Das Forscherteam sieht vor allem zwei wesentliche Herausforderungen, denen sich die Existenzgründer stellen müssen:  Der Markt der Online-Nachrichten wird weiterhin von Online-Ablegern der alteingesessenen Medienunternehmen dominiert, die dank ihres bekannten Namens und schon vorhandenen Ressourcen wesentlich mehr Nutzer als Start-ups anlocken und zudem höhere Erlöse erzielen.  <span id="more-6613"></span>Zudem wird der europäische Online-Werbemarkt weiterhin von einigen wenigen großen Unternehmen aus den USA dominiert, weshalb für deutsche Unternehmen, vor allem für kleine, vom Werbekuchen weniger übrig bleibt.</p>
<p>Bruno und Nielsen haben bei den analysierten Start-ups, die es geschafft haben, zu überleben, die folgenden drei Gemeinsamkeiten ausgemacht: Die Unternehmen halten ihre Kosten gering, haben neben Online-Werbung noch andere Einnahmequellen und bedienen eine Nische.</p>
<p>So beweist das deutsche Angebot <em>Perlentaucher</em> seit mehr als einem Jahrzehnt, dass seine Strategie erfolgreich ist: Die Betriebskosten werden dank einer kleinen Redaktion gering gehalten, neben dem Ursprungsprodukt werden noch andere Produkte angeboten (u.a. eine Datenbank für Buchrezensionen) und die Themen Literatur und Kultur richten sich an eine spezifische Zielgruppe.</p>
<p>Auch das Konzept von <em>Mediapart</em> aus Frankreich geht auf: Im Gegensatz zu den anderen acht analysierten Start-ups haben die Gründer der Nachrichtenseite ihre Inhalte kostenpflichtig gemacht. Das Online-Magazin hat sich zudem vor allem mit seinem investigativen Journalismus einen Namen gemacht, u.a. hat es 2010 die Bettencourt- Affäre aufgedeckt.</p>
<p>Nicola Bruno, Co-Autor der Studie und Mitgründer des italienischen Start-ups <em>Effecinque</em>, betont, dass sich die Erfolgsgeschichten einiger US-amerikanischer Start-ups wie z.B. die <em>Huffington Post</em>, <em>Gawker</em> und <em>Politico</em>  nicht so einfach in Europa wiederholen lassen, da auf beiden Kontinenten bezüglich Größe des Medienmarktes und Struktur der Medienindustrie ganz andere Ausgangsvoraussetzungen herrschen.</p>
<p>Die neun analysierten Online-Start-ups in Zahlen:</p>
<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="153"><strong>Deutschland</strong></td>
<td valign="top" width="153"><em>Netzeitung</em></td>
<td valign="top" width="153"><em>Perlentaucher</em></td>
<td valign="top" width="153"><em>The European</em></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">In Betrieb</td>
<td valign="top" width="153">2000-2009</td>
<td valign="top" width="153">seit 2001</td>
<td valign="top" width="153">seit 2009</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Redaktionsmitglieder</td>
<td valign="top" width="153">40-60</td>
<td valign="top" width="153">4</td>
<td valign="top" width="153">14</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Jährliche Betriebskosten</td>
<td valign="top" width="153">ca. 2 Mio. €</td>
<td valign="top" width="153">ca. 250.000 €</td>
<td valign="top" width="153">k.A. (geschätzt 1 Mio. €)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Gewinne?</td>
<td valign="top" width="153">nie</td>
<td valign="top" width="153">ja</td>
<td valign="top" width="153">k.A. (wahrscheinlich noch nicht)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153"><strong>Frankreich</strong></td>
<td valign="top" width="153"><em>Agoravox</em></td>
<td valign="top" width="153"><em>Rue89</em></td>
<td valign="top" width="153"><em>Mediapart</em></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">In Betrieb</td>
<td valign="top" width="153">seit 2005</td>
<td valign="top" width="153">seit 2007</td>
<td valign="top" width="153">seit 2008</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Redaktionsmitglieder</td>
<td valign="top" width="153">9</td>
<td valign="top" width="153">26</td>
<td valign="top" width="153">36</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Jährliche Betriebskosten</td>
<td valign="top" width="153">ca. 300.000 Euro</td>
<td valign="top" width="153">ca. 2,2 Mio. €</td>
<td valign="top" width="153">ca. 4,5 Mio. €</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Gewinne?</td>
<td valign="top" width="153">zurzeit nicht</td>
<td valign="top" width="153">noch nicht</td>
<td valign="top" width="153">ja, seit 2011</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153"><strong>Italien</strong></td>
<td valign="top" width="153"><em>Il Post</em></td>
<td valign="top" width="153"><em>Lettera43</em></td>
<td valign="top" width="153"><em>Linkiesta</em></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">In Betrieb</td>
<td valign="top" width="153">seit 2010</td>
<td valign="top" width="153">seit 2010</td>
<td valign="top" width="153">seit 2011</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Redaktionsmitglieder</td>
<td valign="top" width="153">6</td>
<td valign="top" width="153">21</td>
<td valign="top" width="153">15</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Jährliche Betriebskosten</td>
<td valign="top" width="153">ca. 250,000 €</td>
<td valign="top" width="153">ca. 1,8 Mio. €</td>
<td valign="top" width="153">ca. 800.000 €</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="153">Gewinne?</td>
<td valign="top" width="153">noch nicht</td>
<td valign="top" width="153">noch nicht</td>
<td valign="top" width="153">noch nicht</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><em> Quelle: Survival is Success</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Studie des Reuters Institute for the Study of Journalism kann nach kostenloser Registrierung auf der <a href="http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/about/news/item/article/survival-is-success-new-risj-chal.htm" target="_blank">Website des Instituts</a> heruntergeladen werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Anti-Terror-Gesetze schränken Pressefreiheit ein</title>
		<link>http://de.ejo-online.eu/6599/pressefreiheit/6599</link>
		<comments>http://de.ejo-online.eu/6599/pressefreiheit/6599#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 25 Apr 2012 15:07:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Wise</dc:creator>
				<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Anti-Terror-Gesetze]]></category>
		<category><![CDATA[Gefängnis]]></category>
		<category><![CDATA[inhaftiert]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Recep Tayyip Erdogan]]></category>
		<category><![CDATA[Reporter ohne Grenzen]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>

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		<description><![CDATA[Weil in der Türkei einige Anti-Terror-Gesetze falsch ausgelegt werden, werden immer mehr Journalisten inhaftiert. Die Zahl der in der Türkei inhaftierten Journalisten hat sich seit dem vergangenen Jahr fast verdoppelt: 95 türkische Journalisten sitzen laut eines Berichts der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und von Reporter ohne Grenzen (ROG) im Gefängnis. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.flickr.com/photos/sockrotation/5559644816/"><img class="size-full wp-image-6600 alignleft" title="Foto: Foomandoonian / Flickr" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/T%C3%BCrkei.jpg" alt="" width="240" height="160" /></a>Weil in der Türkei einige Anti-Terror-Gesetze falsch ausgelegt werden, werden immer mehr Journalisten inhaftiert.<br />
</strong></p>
<p>Die Zahl der in der Türkei inhaftierten Journalisten hat sich seit dem vergangenen Jahr fast verdoppelt: 95 türkische Journalisten sitzen laut eines <a href="http://www.osce.org/fom/89371" target="_blank">Berichts</a> der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und von Reporter ohne Grenzen (ROG) im Gefängnis. Die große Anzahl der inhaftierten Journalisten stelle das Recht auf freie Meinungsäußerung in der Türkei stark in Frage, so die OSZE-Medienbeauftragte Dunja Mijatović.</p>
<p>Verantwortlich für die meisten Verurteilungen sind ein paar falsch ausgelegte Gesetze, und zwar die Artikel 5 und 7 der türkischen Anti-Terror-Gesetze sowie Artikel 314 des türkischen Strafgesetzbuches. Diese Rechtsvorschriften zielen darauf ab, Personen zu bestrafen, die bewusst Propaganda im Namen einer Terroristengruppe erstellen und/oder verteilen, die mit dem Ziel andere Personen zu verletzen einer bewaffneten Organisation beitreten, und die sich gegen den Staat verschwören.<span id="more-6599"></span></p>
<p>Mijatović erkennt Regierungen natürlich das Recht an, Terrorismus zu bekämpfen sowie die nationale Sicherheit und die der Bürger zu schützen, zeigt sich aber besorgt, was die Einschüchterungen von Seiten der türkischen Regierung und ihre Effekte auf die aufstrebende Demokratie der Türkei betrifft.</p>
<p>“Objektive Berichterstattung über alle Themen, inklusive sensiblen Themen wie Terrorismus, ist ein fundamentaler Teil von demokratischen Gesellschaften und Journalisten, die die Öffentlichkeit mit Informationen versorgen, sind unverzichtbar.“</p>
<p>Auch die Art und Weise, wie Journalisten in der Türkei verurteilt werden, ist fragwürdig. Türkische Haftrichter sind dafür bekannt, beispiellos lange Haftstrafen zu verhängen – viele Journalisten sind zu ‚lebenslänglich‘ verurteilt worden. Zudem müssen sich Journalisten oftmals mehreren Gerichtsverfahren stellen und werden regelmäßig für mehrere Vergehen auf einmal bestraft.</p>
<p>Im November vergangenen Jahres hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) festgestellt, dass unter den 47 Mitgliedsstaaten des Europarats die Türkei das Land mit den meisten Verstößen gegen die Pressefreiheit ist. Beinahe 9000 Beschwerden hat der EGMR 2011 erhalten, 2500 mehr als zwei Jahre zuvor. Auch in einem <a href="http://www.cjr.org/behind_the_news/which_countries_jail_the_most.php" target="_blank">Ranking der Columbia Journalism Review</a> hat die Türkei in punkto Pressefreiheit schlecht abgeschnitten. Sie gehört zu den Ländern, in denen gemessen an der Einwohnerzahl die meisten Journalisten verhaftet wurden; im Ranking steht sie noch vor Iran und dem Jemen.</p>
<p>Ein im Januar 2012 veröffentlichter <a href="http://www.nytimes.com/2012/01/05/world/europe/turkeys-glow-dims-as-government-limits-free-speech.html?_r=3" target="_blank">Artikel der New York Times</a> nahm den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan an die Kandare: Erdogan tue alles dafür, um seine Kontrahenten zum Schweigen zu bringen, nachdem 2008 ihr Versuch, seine Partei zu verbieten, gescheitert sei. In dem Artikel wurden türkische Regierungsmitglieder und Medienvertreter zitiert, die sagten, dass Erdogan die Freiheit der Presse unterdrücke, indem er zum einen Journalisten einschüchtere und inhaftiere und zum anderen Intrigen spinne, um seine Interessen durchzusetzen. So habe er vor ein paar Jahren einige einflussreiche Zeitungen an eine Firma verkauft,  in der sein Schwiegersohn das Sagen habe.</p>
<p>Die türkische Regierung streitet indes ab, dass sie die Medienfreiheit einschränke, weshalb Vermittler von europäischen Organisationen Fingerspitzengefühl beweisen müssen, wenn sie sie davon überzeugen wollen, ihre Anti-Terror-Gesetze so auszulegen, dass Journalisten in der Türkei ihre Rolle als Informationsvermittler weiterhin wahrnehmen können.</p>
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		<title>Darf man das?</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 11:33:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt W. Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ethik & Qualitätssicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Medienjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Cover]]></category>
		<category><![CDATA[Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Roma]]></category>
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		<category><![CDATA[Titelbild]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kunst des Titelbilds ist die Kunst der maximalen Reduktion. Nur Reduktion führt zu Reaktion. Im Juli 1977 erschien der Spiegel mit dem berühmtesten Titelbild seiner Geschichte. Es zeigte einen Teller Spaghetti. Auf den Spaghetti lag ein schwarzer Trommelrevolver. Darunter stand: „Urlaubsland Italien“. Die Italiener heulten auf. Es kam zu öffentlichen Protesten. Der Spiegel wurde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.weltwoche.ch/no_cache/die-weltwoche/aktuelle-ausgabe/ausgabe_jahr/2012/ausgabe_nummer/14.html"><img class="size-full wp-image-6590 alignleft" title="Foto: Screenshot Weltwoche" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/Roma_Pistole.jpg" alt="" width="240" height="135" /></a>Die Kunst des Titelbilds ist die Kunst der maximalen Reduktion. Nur Reduktion führt zu Reaktion.</strong></p>
<p>Im Juli 1977 erschien der <em>Spiegel </em>mit dem berühmtesten Titelbild seiner Geschichte. Es zeigte einen Teller Spaghetti. Auf den Spaghetti lag ein schwarzer Trommelrevolver. Darunter stand: „Urlaubsland Italien“. Die Italiener heulten auf. Es kam zu öffentlichen Protesten. Der <em>Spiegel </em>wurde mit Strafklagen wegen Volksverhetzung eingedeckt. Die italienischen Auslandorganisationen demonstrierten. Politiker bis zu Premierminister Giulio Andreotti gaben ihrer Empörung Ausdruck. Es war aus journalistischer Sicht ein perfektes Titelbild. Das sogenannte Cover, so die Regel der Zeitschriftenbranche, muss das Thema der Story verdichten, einkochen, maximal reduzieren. Mit der maximalen Reduktion auf Spaghetti und Schusswaffe wurde diese Vor­gabe zielgenau erreicht.</p>
<p>Damit sind wir bei der <em>Weltwoche</em>. Auch sie hat das Prinzip der Reduktion umgesetzt und auf dem Cover ein Roma-Kind mit Pistole abgebildet. Auch sie sieht sich nun einem Proteststurm gegenüber, auch hier flankiert von den üblichen Strafklagen. <span id="more-6586"></span>Und natürlich springen Politiker auf den Zug auf. Aus medientheoretischer Sicht ist an diesen Fällen immer die Diskrepanz zwischen Form und Inhalt interessant. Die <em>Spiegel</em>-Titelgeschichte thematisierte seinerzeit die Unfähigkeit Italiens, gegen Terrorismus und Mafia vorzugehen. Niemand mochte über ­diese Missstände diskutieren. Alle stürzten sich nur auf das Titelbild. Bei der <em>Weltwoche</em>, wenig erstaunlich, spielt genau derselbe Effekt.</p>
<p>Bei Magazinen sorgt die Optik für die Emotionen. Das Bild kann heftige Abwehrreflexe auslösen. Der Text, weil zu faktennah, erbringt den schnellen Schockeffekt der Fotografie in der Regel nicht. Der Effekt gelingt am besten bei Themen wie Verbrechen, Sex und Religion. Besonders gut funktioniert die optische Reduktion, wenn sie eine unterschwellige Dosis an politischer Unkorrektheit mittransportiert.</p>
<p>Darf man das? Das ist die aufwühlende ­Frage bei Titelbildern. Es gibt viele Beispiele in der Mediengeschichte, die mit diesem Mechanismus für Skandale sorgten. Riesig war etwa die Aufregung, als Demi Moore 1991 auf dem Titelbild von <em>Vanity Fair </em>posierte. Sie war nackt und hochgradig schwanger und streckte ihren kugelrunden Bauch in die Kamera. Diesmal drehten die konservativen Organisationen durch und reagierten mit den üblichen Protesten und Strafklagen.</p>
<p>Ein ähnlicher Hammer auf Seite eins gelang 1987 dem Stern. Ein Reporter fotografierte im Hotel „Beau Rivage“ in Genf den deutschen CDU-Politiker Uwe Barschel, der tot in der Badewanne lag. Darf man das? Die Protestwelle war jedenfalls gewaltig. <em>Esquire </em>brachte 1968 Muhammad Ali auf dem Titelblatt, nachdem der Boxweltmeister den Militärdienst in Vietnam verweigert hatte. Es zeigte ihn von Pfeilen durchbohrt, wie den heiligen Sebastian, den christlichen Märtyrer. Der Aufschrei war gewaltig.</p>
<p>Nicht viel besser war es schon <em>Time </em>ergangen, als das Blatt Ende 1938 Adolf Hitler als „Man oft the Year“ aufs Titelblatt hob. Die vorletzte vergleichbare Aufregung gelang dem Magazin Ok, als es 2009 das letzte Bild des toten Michael Jackson aufs Cover pflanzte. Meist verfliegt die vermeintliche Schock­wirkung der starken Bilder aber sehr schnell. Am besten kann man das daran aufzeigen, wie sich der gewaltige Skandal um Demi Moore weiterentwickelte. Nach ihr posierten unter anderem Britney Spears, Christina Aguilera, Jessica Simpson und Mariah Carey genauso nackt und genauso hochschwanger auf den Titelblättern.</p>
<p>Als Letzte zeigte Claudia Schiffer ihren nackten Kugelbauch 2010 vorn auf der ­deutschen <em>Vogue</em>. Es war nur noch zum ­ Gähnen.</p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Weltwoche Nr. 16/2012<br />
</em></p>
<p><span style="color: #808080;">Mehr zum Thema &#8220;Roma-Kind mit Pistole&#8221; auf dem Titelbild der Weltwoche Nr. 14/2012</span></p>
<p><a href="http://www.weltwoche.ch/no_cache/die-weltwoche/aktuelle-ausgabe/ausgabe_jahr/2012/ausgabe_nummer/14.html" target="_blank">http://www.weltwoche.ch/no_cache/die-weltwoche/aktuelle-ausgabe/ausgabe_jahr/2012/ausgabe_nummer/14.html</a></p>
<p><a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2012-15/editorial-roma-die-weltwoche-ausgabe-152012.html" target="_blank">http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2012-15/editorial-roma-die-weltwoche-ausgabe-152012.html</a></p>
<p><a href="http://www.infosperber.ch/Artikel/Medien/Das-Roma-Kind-gehort-in-ein-CARITAS-Projekt" target="_blank">http://www.infosperber.ch/Artikel/Medien/Das-Roma-Kind-gehort-in-ein-CARITAS-Projekt</a></p>
<p><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/rassismusvorwurf-gegen-zeitung-weltwoche-roma-mit-pistole-11713234.html" target="_blank">http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/rassismusvorwurf-gegen-zeitung-weltwoche-roma-mit-pistole-11713234.html</a></p>
<p><a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/zentralrat-der-roma-und-sinti-zeigt-weltwoche-an-wie-im-nationalsozialismus-1.1329509" target="_blank">http://www.sueddeutsche.de/medien/zentralrat-der-roma-und-sinti-zeigt-weltwoche-an-wie-im-nationalsozialismus-1.1329509</a></p>
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		<title>Zur Skandaldynamik in der Wirtschaft</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Apr 2012 14:18:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tina Bettels</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ressorts]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmerksamkeitsmaximierung]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Zürcher Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaftsskandale]]></category>

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		<description><![CDATA[Internationale Großbanken und Unternehmen stehen seit einigen Jahren europaweit zunehmend im Fokus der – oftmals skandalisierten – Berichterstattung. Inwieweit Skandalisierungen in der Wirtschaftsberichterstattung in der Schweiz seit den 1960er Jahren zugenommen haben, hat nun der Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich analysiert. Wichtigstes Ergebnis: Die fög-Studie „Zur Skandaldynamik in der Wirtschaft“ zeigt eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.pixelio.de"><img class="size-full wp-image-6582 alignleft" title="Foto: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com  / pixelio.de" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/finanzindustrie.jpg" alt="" width="240" height="180" /></a><strong>Internationale Großbanken und Unternehmen stehen seit einigen Jahren europaweit zunehmend im Fokus der – oftmals skandalisierten – Berichterstattung.</strong></p>
<p>Inwieweit Skandalisierungen in der Wirtschaftsberichterstattung in der Schweiz seit den 1960er Jahren zugenommen haben, hat nun der Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich analysiert. Wichtigstes Ergebnis: Die fög-Studie „Zur Skandaldynamik in der Wirtschaft“ zeigt eine kontinuierliche Zunahme der Bedeutung von Wirtschaftsskandalen im Mediendiskurs. Vor allem ab den 1990er Jahren erhalten Skandalisierungen von Wirtschaftsthemen massiv mehr Aufmerksamkeit.</p>
<p>Immer häufiger gehören sie seitdem in der Berichterstattung der vom fög untersuchten Medien <em>Neue Zürcher Zeitung</em>, <em>Tages-Anzeiger</em> und <em>Blick </em>zu den zehn größten Kommunikationsereignissen pro Jahr. Während in den 1980ern vor allem die Pharmabranche mit dem Seveso-Giftgasskandal und dem Brand beim Chemiekonzern Sandoz Negativschlagzeilen machte, dominiert seit 1998 die Berichterstattung über die Finanzindustrie die Liste der Wirtschaftsskandalisierungen, ausgehend vom Kollaps der Lehman Brothers bis zum Versagen der Finanzmärkte.<span id="more-6579"></span></p>
<p>Im Zeitraum 1998 bis 2004 rückte die Berichterstattung über die Swissair-Pleite in den Vordergrund der Berichterstattung. Von 2008 bis 2010 überwogen aber wieder eindeutig Skandalisierungen der Finanzindustrie, also des Bankensektors. Im Jahr 2009 machten sie laut der fög-Forscher sogar knapp 45% der Beiträge innerhalb der Top-10-Kommunikationsereignisse aus.</p>
<p>Als Ursachen der intensivierten Skandaldynamik sehen die Wissenschaftler zum einen den Wunsch nach Aufmerksamkeitsmaximierung im kommerzialisierten Mediensystem. Davor ist, wie die Studie zeigt, zunehmend auch der jahrzehntelang als seriös und zuweilen trocken geltende Wirtschaftsjournalismus nicht mehr gefeit – auch hier kämpfen Redaktionen nun mit dem Mittel der Skandalisierung um die Aufmerksamkeit des Wirtschaftspublikums. Zum anderen könne die gewachsene Zurschaustellung der Wirtschaft auch auf Effekte des sozialen Wandels zurückgeführt werden. Die neoliberale Ära, die seit den 1990er Jahren herrsche, habe den gesellschaftlichen Erwartungsfluss auf das Teilsystem Wirtschaft kanalisiert. Die Finanzindustrie steige zur Leitindustrie auf und stehe zunehmend unter öffentlicher Beobachtung.</p>
<p>Die Folgen der Dauerbeobachtung durch die Medien liegen auf der Hand, so die Forscher: sie geraten unter verstärkten Legitimationsdruck.</p>
<p>Mehr Informationen zur Studie „Zur Skandaldynamik in der Wirtschaft“ finden Sie auf der <a href="http://jahrbuch.foeg.uzh.ch/Seiten/default.aspx" target="_blank">Website des fög</a>.</p>
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		<title>Fernsehen und Partizipation – ein Zukunftsmodell?</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 12:53:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annika Sehl, Hannah Lobert &#38; Michael Steinbrecher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Medien & Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Annika Sehl]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
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		<category><![CDATA[Lernsender]]></category>
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		<category><![CDATA[offene Kanäle]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Social Web]]></category>
		<category><![CDATA[TU Dortmund]]></category>

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		<description><![CDATA[Erste Ergebnisse der Begleitforschung zu nrwision  Die Journalistik steht vor großen Herausforderungen. So viele Umbrüche, so viele Fragen, so viele Forschungsansätze  wie selten zu vor beschäftigen uns. Welche Medien werden zukünftig in welcher Intensität zu welchem Zweck genutzt? Wie verändern sich journalistische Berufsbilder und welche neuen, innovativen Formen der Partizipation werden sich auf Dauer etablieren? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.nrwision.de/index.php"><img class="size-full wp-image-6568 alignleft" title="nrwision" src="http://de.ejo-online.eu/wp-content/uploads/nrwision.jpg" alt="" width="240" height="134" /></a>Erste Ergebnisse der Begleitforschung zu <em>nrwision </em></strong></p>
<p>Die Journalistik steht vor großen Herausforderungen. So viele Umbrüche, so viele Fragen, so viele Forschungsansätze  wie selten zu vor beschäftigen uns. Welche Medien werden zukünftig in welcher Intensität zu welchem Zweck genutzt? Wie verändern sich journalistische Berufsbilder und welche neuen, innovativen Formen der Partizipation werden sich auf Dauer etablieren? Die Antworten scheinen sich zu bündeln in der Feststellung: „Die Zukunft liegt im Internet“.</p>
<p>Wer beschäftigt sich schon noch mit dem alten, anscheinend sogar nicht im Trend liegenden Leitmedium Fernsehen? Ist  dieses Medium überhaupt tauglich, um neue Formen von Partizipation zu erproben? Oder noch grundsätzlicher: Ist das Fernsehen, auch wenn es noch so modern über Flachbildschirme angepriesen wird, in Zeiten von YouTube nicht längst ein Auslaufmodell?<span id="more-6565"></span></p>
<p>In  Nordrhein-Westfalen hat die Landesanstalt für Medien (LfM) auf den ersten Blick gegen den Trend in der Nachfolge der Offenen Kanäle ein neues TV-Modell etabliert: einen Lernsender, der landesweit im digitalen Kabelnetz zu empfangen ist und von der TU Dortmund betrieben wird. Zwei Ziele, die mit diesem Sender verbunden werden, sind eine Stärkung der publizistischen Vielfalt und die Vermittlung von Medienkompetenz. Wie kann das funktionieren? Anders als die großen TV-Sender setzt <em>nrwision</em> voll auf Partizipation. Jeder Hobby-Fernsehmacher, der Interesse am Medium hat, kann das Programm mitgestalten. Dies gilt auch für Berufsschüler und Studierende aus sehr unterschiedlichen  Fachrichtungen, denen in „Lehr- und Lernredaktionen“, gefördert von der Lf M, gezielt Fernsehkompetenzen vermittelt werden. Hinzu kommen angehende Profis, die sich bereits in einer professionellen Medienausbildung befinden.</p>
<p>Diese drei Gruppen liefern jeweils Programm zu, das von der „Zentrale“ in Dortmund in einem wöchentlichen Programmschema gebündelt wird. Erfahrene Studierende der Dortmunder Journalistik, die in der Regel bereits ein Volontariat absolviert haben, nehmen als Programmredakteure die Beiträge der Zulieferer entgegen und geben jedem, der bei <em>nrwision</em> mitmacht, individuelle technische, dramaturgische oder journalistische Feedbacks. Somit entspricht <em>nrwision</em> weder dem Modell des reinen Bürgerjournalismus noch dem in großen Sendern überwiegend praktizierten traditionellen Journalismus. Die besondere Form der angeleiteten Partizipation macht dieses Modell auch für die Forschung interessant. Ist der Sender eine Alternative zur Partizipation über <em>YouTube</em>? Setzt er auf ähnliche Motivationsstrukturen wie das Social Web oder entwickelt der Lernsender ein eigenes Profil?</p>
<p>Ein laufendes Lehrforschungsprojekt  am Institut für Journalistik der TU Dortmund unter Leitung von Annika Sehl und Mitarbeit von Hannah Lobert hat die Zulieferer von <em>nrwision</em> unter die Lupe genommen. Es wurden alle befragt, die im Jahr 2011 bis einschließlich Oktober eine Sendung zugeliefert hatten. Dazu verteilten Studierende die Fragebögen vor Ort in den Redaktionen oder verschickten sie auf Wunsch per Post. Von 83 zuliefernden Redaktionen forderten etwas mehr als die Hälfte Fragebögen an. Bisher kamen mit 168 Fragebögen über 40 Prozent der angeforderten Exemplare ausgefüllt zurück. Da die Anonymität der Teilnehmer gewahrt werden sollte, sind keine Rückschlüsse auf den Rücklauf in einzelnen Redaktionen möglich. Weiterhin kann das Verhältnis der Befragten zu allen Zulieferern nur geschätzt werden, da die Ansprechpartner in den Redaktionen nicht in allen Fällen die genaue Anzahl ihrer Redaktionsmitglieder angeben konnten. Schwerpunkte der Befragung waren u. a. die Motivation der Zulieferer, ihre Selbsteinschätzung im Vergleich zum professionellen Journalismus  und das Zusammenspiel zwischen den Zulieferern und der Programmredaktion.</p>
<p>In diesem Artikel beschäftigen wir uns vorwiegend mit der Abgrenzung von <em>nrwision</em> zum Social Web und den Merkmalen, die die Zulieferer diesen beiden Angeboten jeweils zuordnen. Zunächst aber eine kurze Beschreibung der Befragten: Mit Blick auf das Alter fällt auf, dass die Zulieferer eine breite Altersspanne abdecken. Der jüngste  Befragte ist 14 Jahre, der älteste Befragte 79 Jahre alt. Die Hälfte der Teilnehmer ist 24 Jahre oder jünger, davon wiederum die meisten zwischen 20 und 24 Jahren. Im Vergleich zu einer Studie über die ehemaligen Offenen Kanäle in Nordrhein-Westfalen (vgl. Volpers/Werner 2007) zeigt sich hiermit eine jüngere Altersstruktur. Eine genauere Auswertung ergibt, dass dies vor allem durch die Gruppen der angehenden Medienprofis und der Studierenden in Lehr- und Lernredaktionen bedingt ist.</p>
<p>Bei der Gruppe der Hobby-Fernsehmacher sind Zulieferer aller Altersgruppen relativ gleichmäßig vertreten. Entsprechend ergibt sich für die derzeitige Beschäftigung  der Zulieferer: Jeder zweite ist noch Studierender. Die Hobby-Fernsehmacher befinden sich im Gegensatz zu den anderen beiden Gruppen in sehr unterschiedlichen Beschäftigungssituationen. Von Schülern, Auszubildenden und Studierenden über Arbeiter, Arbeitslose, Angestellte/Beamte oder Selbständige bis hin zu Rentnern ist eine große Bandbreite vertreten. Die meisten Zulieferer sind in einem Team organisiert, die wenigsten produzieren alleine. Männer und Frauen sind nahezu gleich häufig bei <em>nrwision</em> als Zulieferer vertreten. Auf den ersten Blick könnte man denken, dass sich diese Verteilung im Vergleich zur oben angesprochenen Studie über die Offenen Kanäle geändert hat. Dort waren vor allem Männer aktiv. Doch auf den zweiten Blick zeigt sich auch bei <em>nrwision</em>: In der Gruppe der Hobby-Fernsehmacher haben nach wie vor mehrheitlich die Männer die Zügel in der Hand. Im Gegensatz dazu dominieren die Frauen in der Gruppe der angehenden Medienprofis.</p>
<p>Der Einfluss der Medienprofis in Ausbildung und der Studierenden in Lehr- und Lernredaktionen auf das Ergebnis zeigt sich auch beim höchsten Bildungsabschluss. Von allen Zulieferern haben rund drei Viertel Abitur gemacht oder sogar einen Hochschulabschluss in der Tasche. Bei den Hobby-Fernsehmachern verteilt sich die formale Bildung allerdings breiter – von Volks-/Hauptschule bis ebenfalls zum Hochschulabschluss. Kommen wir jetzt zum Vergleich der Merkmale, die <em>nrwision</em> oder dem Social Web zugeschrieben werden. Das Social Web beinhaltet Formate wie Weblogs, <em>YouTube</em> oder Social Networks. Dabei wurden die Zulieferer gefragt, ob sie bestimmte Merkmale eher <em>nrwision</em>, eher dem Social Web oder beiden im gleichen Maße zuordnen: Die Ergebnisse zeigen, dass die Zulieferer sehr deutlich differenzieren und <em>nrwision</em> und das Social Web unterschiedlich charakterisieren. „Trifft eher auf <em>nrwision</em> zu“ sagen die Zulieferer vor allem in den Bereichen „journalistisch dazulernen“ (76% <em>nrwision</em> versus 9% Social Web), „Rückmeldung bekommen“ (50% versus 16%) und „Anerkennung bekommen“ (41% versus 15%).</p>
<p>Die ersten beiden Punkte liefern ein erstes Indiz dafür, dass die Intention des Lernsenders, Medienkompetenz zu vermitteln, von den Zulieferern deutlich registriert wird. Interessant  ist, dass auch der Punkt „Anerkennung bekommen“ <em>nrwision</em> stärker zugeschrieben wird als Angeboten im Social Web. Hier ist zu vermuten, dass durch die redaktionelle Gesamtstruktur die soziale Interaktion mit der Programmredaktion und anderen Zulieferern deutlicher wahrgenommen wird. Umgekehrt ist das Profil des Social Web ebenso deutlich zu erkennen. Sowohl das Vernetzen (70% Social Web versus 4% nrwision)  als auch das Erreichen eines breiten Publikums (38% versus 23%) werden eindeutig stärker dem Social Web als <em>nrwision</em> zugeordnet. Dass ein Fernsehsender trotz aller Online-Aktivitäten nicht mit den Vernetzungsoptionen des Social Web konkurrieren kann, war vorhersehbar und unterstreicht, dass die Zulieferer von <em>nrwision</em> dem Lernsender andere Qualitäten zuordnen als dem Social Web.</p>
<p>Bedeutet diese Differenzierung der Angebote insgesamt, dass das Medium Fernsehen doch eine Partizipations-Option der Zukunft sein kann?  Für eine Beantwortung der Frage ist es noch zu früh. Fest steht, selbst wenn <em>nrwision</em> bezogen auf die Reichweite nicht mit großen Sendern konkurriert, könnte der Lernsender als Modell eine interessante Perspektiv-Diskussion anstoßen. Er kann zur Klärung der Frage beitragen, welche Partizipations-Möglichkeiten das als eher unbeweglich abgestempelte Medium Fernsehen grundsätzlich eröffnen kann.</p>
<p><span style="color: #888888;">Literatur:</span></p>
<p><span style="color: #888888;">Volpers, Helmut/Werner, Petra (Hrsg.) (2007): Bürgerfernsehen in Nordrhein-Westfalen. Eine Organisations- und Programmanalyse. Berlin: Vistas.</span></p>
<p><em>Erstveröffentlichung: Journalistik Journal Nr. 1 / 2012</em></p>
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