Medienkampagne gegen Leveson-Bericht

5. Juni 2013 • Medienpolitik, Qualität & Ethik • von

2011 erschütterte der Abhörskandal der Boulevardzeitung News of the World Großbritannien. Ein Gerichtsausschuss unter Vorsitz von Lordrichter Brian Leveson nahm sich dem Fall ein Jahr lang an,  um Licht in die Affäre zu bringen und Regeln für eine künftige Selbstkontrolle der Presse zu formulieren.

Seine Ergebnisse wurden Ende 2012 in einem Bericht veröffentlicht. Britische Zeitungen berichteten in der Zeit fast ausnahmslos negativ über die sogenannte Leveson-Untersuchung und stellten sie und Presseregulierung allgemein als eine Bedrohung der Pressefreiheit dar. Das hält eine kürzlich veröffentlichte Studie des britischen Media Standard Trust fest.

Gordon Neil Ramsay und sein Team von der Nonprofit-Organisation, die sich für journalistische Qualität einsetzt, haben alle Artikel analysiert, die im Zeitraum der Untersuchung von Juli 2011 bis November 2012 in den britischen überregionalen Zeitungen zum Thema erschienen waren – insgesamt 2.016 Beiträge.

Untersuchungsgegenstand waren die 18 Zeitungen, welche die nationale Stelle zur Ermittlung der Reichweiten – genannt Audit Bureau of Circulations (ABC) –  als überregionale Tages- und Sonntagszeitungen des Vereinigten Königreichs aufführt.

Knapp drei Viertel der Artikel erschienen während der Anhörungen der Opfer des Abhörskandals, die man online im Live-Stream verfolgen konnte. Während die meisten dieser Artikel – knapp 90 Prozent – keine wertende Position einnahmen, waren nach den Anhörungen nur noch 37 Prozent der Beiträge neutral. Die Berichterstattung über die Leveson-Untersuchung war tendenziell eher negativ– und sie wurde umso negativer, je näher das Veröffentlichungsdatum des Untersuchungsberichts rückte.

In den letzten 100 Tagen vor der Veröffentlichung fanden sich in 23 der 28 in diesem Zeitraum erschienenen Leitartikel über die Leveson-Untersuchung ausschließlich negative Ansichten über die Arbeit der Kommission. Zudem war die Berichterstattung über künftige Alternativen der Medienregulierung so gut wie nicht existent. Nur drei Prozent aller untersuchten Artikel von Juli 2011 bis November 2012 beschäftigten sich mit Plänen für ein neues System der Presseregulierung in Großbritannien.

„Nicht nur in den Meinungsartikeln zur Leveson-Untersuchung, sondern auch in den Quellen der Nachrichtenartikel herrschte ein Mangel an Meinungsvielfalt“, betont Gordon Neil Ramsey, Research Fellow bei Media Standards Trust. Er sieht es als frappierend an, dass die Zeitungen den Lesern nicht genügend Informationen an die Hand gegeben haben, damit sie sich ihre eigene Meinung über die Zukunft der Medienregulierung in Großbritannien bilden konnten.

Die untersuchten Tageszeitungen waren: The Sun, The Daily Mirror, The Daily Star, The Daily Express, The Daily Mail, The Times, The Financial Times, The Guardian, The Independent

Die untersuchten Sonntagszeitungen waren: The Sunday Mirror, the People, The Sunday Express, The Mail on Sunday, The Sunday Times, The Sunday Telegraph, The Observer, The Independent on Sunday

Neben der kompletten Analyse Press Coverage of Leveson Part I: The Inquiry bietet die Website des Media Standard Trust auch Zugang zum Datenmaterial.

Bildquelle: Southbanksteve / Flickr

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