Spurensuche nach einem Mediensystem-Modell: hin zur Italienisierung?

11. Juli 2008 • Medienpolitik • von

Research-abstract

Ein Vergleich zwischen osteuropäischen und südeuropäischen Mediensystemen


Um in Westeuropa und Nordamerika Mediensysteme zu vergleichen, erarbeiteten Paolo Mancini (Universität Perugia, Italien) und Daniel C. Hallin (Universität Kalifornien, San Diego, USA) ein Modell aus vier Hauptmerkmalen. Die Kommunikationswissenschaftler beschränken sich auf die Entwicklung der Medienmärkte, den politischen Parallelismus, die Entwicklung der journalistischen Professionalisierung und auf den Grad der Medienregulierung in einem Mediensystem. Aufgrund dieser Variablen gelangten sie zu eindeutigen Gruppierungen in ein Liberales Modell, ein demokratisch-korporatistisches Modell und ein polarisiert-pluralistisches Modell.

Innerhalb der spezifizierten Modelle unterscheiden sich die Mediensysteme in Südeuropa eindeutig von denen in Westeuropa und in Nordamerika. Die Autoren folgerten, dass ihr polarisiert-pluralistisches Modell dasjenige sein könnte, an dem weitere Mediensysteme gemessen werden können. In der Tat lassen sich charakteristische Merkmale in den Mediensystemen und in den politischen Systemen in zentraleuropäischen Ländern wie Polen, Ungarn, Tschechien oder den Baltischen Staaten finden. Die Ähnlichkeiten sind, unter anderem, folgende: ein hoher Grad der Politisierung der Massenmedien, eine starke Intervention der Regierung in die Medien, vergleichsweise wenig entwickelte berufsethische Standards. Schlussendlich trifft man das Erscheinungsbild von Mediensystemen in Portugal, Spanien, Griechenland oder Italien beispielsweise im zentraleuropäischen Raum in weit ausgeprägterer Form an. Sie sind aber nicht so sehr verschieden, dass sie eine eigenständige Modellkategorie bilden würden. Diese Gedankenführung führt die Autorin auf Splichal’s Konzept der Italienisierung der zentraleuropäischen Medien. Dieses Phänomen ist auf Italien bezogen, weil sich an diesem Beispiel die Veränderungen in der Medienindustrie in den 80-er und 90-er Jahren gut zeigen lässt.

Davon ausgehend, versucht die Autorin in ihrem Beitrag, Mediensysteme in Zentraleuropa mit jenen in Südeuropa zu vergleichen, und zwar vor allen Dingen mit Spanien, Portugal, Italien und Griechenland und sie erörtert die Frage nach einer Italienisierung. Sie bezieht sich dabei auf die genannten, von ihr leicht veränderten Kriterien (Journalismus, Auflagenentwicklung, Einfluss des Staates auf die Medien und Grad der journalistischen Professionalisierung). Die Autorin führt ausserdem zwei neue Kategorien ein, ein duales Medienmodell – öffentliche und kommerzielle Sender sowie die Presse-Konkurrenz.

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In: B. Dobek-Ostrowska and Głowacki (eds) (2008): Comparing Media Systems in Central Europe: Between Commercialization and Politicization. University of Wroclaw Press.

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