Heute keine Show?

22. Oktober 2014 • Pressefreiheit • von

Die ZDF-Sendung „heute show“ bekommt keine Drehgenehmigung im Deutschen Bundestag. Begründung: Es handele sich nicht um politisch-parlamentarische Berichterstattung. Ein Kommentar.

 Bei dem mit TV-Preisen ausgezeichneten Format handelt es sich um Polit-Satire und das ist eine legitime journalistische Darstellungsform. Schließlich wird auch niemand von der Berichterstattung ausgeschlossen, weil er keine klassische Nachrichtenberichterstattung betreibt, sondern beispielsweise aus dem Parlament für seinen Blog schreiben will. Wobei? Doch, der Bundestag hat im Fall Markus Beckedahl und seines Blogs netzpolitik.org ja genau das gemacht. Handelt es sich bei dem Drehverbot also um ein Problem mit dem Erhalt des Medienpluralismus – zu dem auch Satire und Blogs gehören – oder um die Tatsache, dass die Politiker einfach keinen Humor auf ihre Kosten verstehen? Immerhin verschafft diese Berichterstattung den Akteuren auf dem Berliner Parkett Aufmerksamkeit bei einem großen Publikum.

Dabei hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert in der Vergangenheit immer wieder die fehlende Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender aus dem Parlament bemängelt. Die, die der Bundestag bekommt, gefällt Pressesprecher Dr. Ernst Hebeker, der die Drehabsage erteilte, aber auch nicht. Soll das etwa heißen, dass nur so über den Bundestag berichtet werden darf, wie es dem Bundestag beliebt? Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes garantiert da etwas anderes: Pressefreiheit.

Immerhin: Ob das Drehverbot für die „heute show“ endgültig ist, wissen die Macher der Satire-Sendung derzeit noch nicht. Vielleicht dauert es ja auch nur seine Zeit, wie im Fall Markus Beckedahl und der Anfang 2014 erteilten Akkreditierung dieses vermeintlich neumodischen Online-Journalismus. Die Satire gibt es schließlich auch erst seit mehr als zwei Jahrtausenden.

Bildquelle: Milestoned / flickr.com

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