Ein Journalismus-Trendbuch

29. Juli 2005 • Qualität & Ethik • von

Neue Zürcher Zeitung, 27. September 2005

Das ist erfrischend anders: Bernhard Pörksen, ein junger Journalistikprofessor an der Universität Hamburg, gibt ein «Trendbuch Journalismus» heraus, in dem sich erfolgreiche Medienmacher über Ausbildung, Berufseinstieg und über die Zukunft der Medienbranche auslassen.

Nicht alle, aber immerhin 28 Journalisten und Medienschaffende von Rang und Namen sind versammelt und geben Auskunft – darunter die Chefredaktoren von «Spiegel» und «Bild»-Zeitung, Stefan Aust und Kai Diekmann, ebenso wie «Zeit»-Herausgeber Michael Naumann, Blattmacher Werner Funk, Werbeagentur-Chef Sebastian Turner und die «Tagesthemen»-Moderatorin Anne Will.

Das Projekt ist vor allem deshalb spannend, weil es im Rahmen eines Seminars als Gemeinschaftswerk von Studierenden entstanden ist. Diese konnten im Umgang mit der Medienprominenz erste Interviewerfahrungen sammeln. Herausgekommen ist ein Bändchen, das zwar nicht zuverlässig über Trends im Journalismus informieren kann, weil vieles eben doch anders kommt, als einzelne Entscheider es vorhersehen mögen. Dafür gewährt es aber pointenreich Einblick ins Denken einflussreicher Medienmacher – ihre Techniken der Selbstdarstellung eingeschlossen. Wer weiss, wie rar sich heute Spitzenjournalisten bei studentischen Interviewanfragen machen und wie viel Mühe es bereitet, Texte von Berufsanfängern sorgfältig zu redigieren, kann da nur staunen. Ein ermutigender Beleg, dass selbst an überfüllten deutschen Universitäten praxisnahe Ausbildungsprojekte realisierbar sind, die nicht nur den Autoren, sondern auch den Lesern Spass machen.

 

Bernhard Pörksen (Hg.) unter Mitarbeit von Jens Bergmann: Trendbuch Journalismus. Erfolgreiche Medienmacher über Ausbildung, Berufseinstieg und Zukunft der Branche. Edition Medienpraxis, Herbert-von-Halem-Verlag, Köln 2005.

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