Innovationen: Sechs Lektionen für Redaktionen

22. August 2016 • Qualität & Ethik • von

Redakteure sind oft so beschäftigt mit dem aktuellen Tagesgeschehen, dass sie keine Zeit haben, sich mit der Weiterentwicklung ihrer Redaktion zu befassen. Trotzdem kann niemand leugnen, dass Redaktionen sich weiterentwickeln müssen und Innovationen brauchen. Ich habe mit Redakteuren von mehreren Nachrichtenredaktionen in Großbritannien darüber gesprochen, wie es gelingen kann, im journalistischen Alltag Innovationen umzusetzen.

newsroomSeit einem Jahrzehnt ist „Innovation“ das Schlagwort in Redaktionen auf der ganzen Welt; einige übertreiben es und werfen mit dem Begriff nur so um sich. Dass Medienunternehmen sich weiterentwickeln müssen, um für ihr Publikum relevant zu bleiben, bestreitet aber niemand.

Dass sich viele Redaktionen mit Innovationen schwer tun, liegt also nicht an einem mangelnden Bewusstsein dafür, dass Weiterentwicklung wichtig ist oder daran, dass Strategien fehlen. Es mangelt oft an der Fähigkeit, innovative Strategien umsetzen zu können. So haben diejenigen, die meist von entscheidender Bedeutung für die Umsetzung der Strategie sind, nämlich die leitenden Redakteure, oft zu wenig Zeit und sind nicht darauf vorbereitet. Ich weiß das, seitdem ich einer von ihnen bin.

Im vergangenen akademischen Jahr hatte ich die Gelegenheit, am Reuters Institute for the Study of Journalism in Oxford zu forschen und mich darauf zu konzentrieren, wie wir dieses Problem überwinden und die tägliche journalistische Arbeit mit der Weiterentwicklung der Redaktion und der Umsetzung von Innovationen vereinbaren könnten. Im Gespräch mit Redakteuren von mehreren britischen Redaktionen und mithilfe von Erkenntnissen des Kreativität-Managements bin ich auf sechs Lektionen gekommen, die jeder Chef vom Dienst oder Ressortleiter lernen sollte. Diese stelle ich ausführlich in meinem Reuters Institute Fellowship Paper How to Lead Innovation and Still Keep Your Newsroom Working vor und fasse sie im Folgenden zusammen:

Think big – Denken Sie in großen Formaten. Es hat mich überrascht, dass die meisten Redakteure an neue Ideen für Geschichten, Serien oder Kampagnen denken, wenn man nach Innovationen fragt – also an Dinge, die sie schon immer getan haben. Es scheint, dass unsere tägliche Arbeit unsere Vorstellungskraft schwächt und wir uns deshalb die größeren Möglichkeiten, die unsere Redaktion haben könnte, bewusst vor Augen führen müssen.

Definieren Sie Ihre Stärken und Ihre Zielgruppe. Die Tatsache, dass Redaktionen sich in alle möglichen Richtungen entwickeln können, heißt nicht, dass sie das auch sollten. Sie müssen wissen, welche Stärken sie haben und an wen sie sich richten. So sagte ein Redakteur vom Guardian, dass es keinen Zweck habe, dort endlose Geschichten über Justin Bieber zu veröffentlichen, stattdessen habe man einen Redakteur bestimmt, der sich nur mit Immigration beschäftige, weil man wisse, dass an diesem Thema ein großes Interesse bestehe und man seine Marke kenne.

Setzen Sie Prioritäten. Sobald Sie Punkt zwei gemeistert haben, müssen Sie sich entscheiden, wo Sie Ihre Energie einsetzen. Dies gilt auch für die persönlichen Ressourcen: Weil Sie jetzt mehr um die Ohren haben, müssen Sie etwas aufgeben. Sie werden lernen müssen, sich Ihre Zeit einzuteilen, wie einer der Befragten meinte.

Geben Sie Kontrolle ab. Vertrauen Sie in die Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter. Alle befragten leitenden Redakteure haben betont, wie wichtig es ist, Reportern ihre Freiräume zu garantieren und auf ihre Expertise zu setzen. „Jeder hat eine Leidenschaft. Wenn man den Leuten gestattet, ihrer Leidenschaft zu folgen, führt das zu einem großartigen Journalismus“, so Christian Broughton vom Independent Digital, „wenn man weiß, dass jemand auf etwas versessen ist, sagen wir die Erdölindustrie, dann lass ihn darüber eine Geschichte machen.“

Zeigen Sie Interesse an der Weiterentwicklung Ihrer Mitarbeiter. Es hat mich etwas bestürzt zu erfahren, dass die meisten leitenden Redakteure mit denen ich gesprochen habe, glaubten, dass Journalisten von sich aus das Interesse haben, neue Dinge zu lernen. Ich glaube eher, dass Journalisten, wie alle Menschen, dazu neigen, es sich in der Routine bequem zu machen und es deshalb wichtig ist, sie zur Weiterbildung und dem Erlernen neuer Fähigkeiten zu motivieren.

Kommunizieren Sie und hören Sie zu. Innovativ und effektiv zugleich zu sein funktioniert nicht ohne klare Ziele vor Augen. Und auch die klarsten Ziele scheitern, wenn sie nicht effektiv kommuniziert werden. Wie ein befragter Redakteur sagte, ist eine „unerbittliche Kommunikation über das, was wichtig ist und warum“ entscheidend. Darüber hinaus ist es nicht genug, dass die vertikale Kommunikation – die Verständigung der Leiter mit ihren Mitarbeitern – funktioniert; Redaktionsleiter müssen auch sicherstellen, dass die horizontale Kommunikation, die jeweils auf einer Organisationsebene stattfindet, klappt.

Bildquelle: Alex Gamela / Flickr CC: Tiny Telegraph; Lizenzbedingungen: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

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