Mikrozahlungen als täglich Brot

14. Juli 2014 • Qualität & Ethik • von

In der Debatte um zahlungspflichtigen Online-Journalismus darf ein wesentlicher Aspekt nicht untergehen: Die Frage, wie Nutzer für Online-Nachrichten zahlen können – etwa in Form eines einmaligen Abos oder kleinteiliger Mikrozahlungen (Micropayments).

Paul Dinulescu, Gründer der Veröffentlichungsplattform Niuzly, seit Mai in einer Betaversion online, glaubt, dass genau diese Frage im Mittelpunkt der Diskussion stehen sollte, wenn es darum geht, eine Lösung zu finden, wie Medien überleben können. Dinulescu will auf seiner Plattform ein System etablieren, über das die Leser seine Blogger und freien Journalisten mit Mikrozahlungen honorieren können.

„Es ist nicht so, dass die Leute auf keinen Fall für journalistische Inhalte zahlen wollen, aber sie wollen nicht die Bezahlsysteme nutzen, die ihnen momentan angeboten werden“, sagte er in einem Interview mit Journalism.co.uk. Er schlägt vor, in neuen Kategorien zu denken und statt einer Einmalzahlung, wie man sie für ein Zeitungsabo gewohnt ist, spontanere kleinteiligere Zahlungsmöglichkeiten anzubieten – zum Beispiel wie bei iTunes oder Amazon, wo anstelle des ganzen Albums auch einzelne Songs gekauft werden können.

Die Idee eines „iTunes für Nachrichten“ ist nicht ganz neu – David Carr, Medienkolumnist bei der New York Times, schlug das Geschäftsmodell schon 2009 in einem Artikel vor. Kürzlich hat auch das niederländische Start-up Blendle etwas Ähnliches ins Leben gerufen. Auf einer Plattform bündelt es Beiträge von den fünfzehn wichtigsten niederländischen Zeitungen und Zeitschriften, die von den Nutzern einzeln gekauft werden können. Dabei gehen 70 Prozent des Erlöses an den jeweiligen Herausgeber und 30 Prozent an Blendle.

Bei Niuzly soll das Bezahlsystem etwas anders funktionieren: Der Autor des Beitrags bekommt 80 Prozent der direkten Einnahmen (von den Nutzern) und 50 Prozent der indirekten Einnahmen (über Werbeanzeigen). Der Betrag wird an den Autoren ausgezahlt, sobald er durch die Mikrozahlungen insgesamt mindestens 300 Dollar verdient hat.

Der Fokus von Gründer Dinulescu liegt mehr auf den Autoren als auf den Herausgebern. Der großen Community von unbezahlten – oder unterbezahlten – Autoren soll mit Niuzly die Gelegenheit gegeben werden, direkt über die eigenen Beiträge Geld zu verdienen und dabei die Kontrolle über die veröffentlichten Inhalte zu behalten. Autoren, die auf Niuzly ihre Beiträge veröffentlichen, dürften diese auch auf anderen Plattformen publizieren, wenn auch unbezahlt.

Der erste Absatz des Artikels soll frei zugänglich sein; der ganze Artikel soll zwischen 5 und 30 Cent kosten. Bezahlt werden soll mit PayPal. In der Theorie erscheint dieses Bezahlmodell ziemlich unkompliziert. Es ist allerdings nicht so einfach, die gute Idee in ein gewinnbringendes Produkt umzusetzen. Zum einen muss den Lesern klargemacht werden, dass die Produktion qualitativ hochwertiger journalistischer Inhalte viel harte Arbeit bedeutet und dass man, wie in an anderen Bereichen auch, für Qualität zahlen muss. Zum anderen müssen die Autoren von den Abgaben an die Betreiber der Plattform überzeugt werden. Außerdem fallen bei Paypal für Verkäufer relativ hohe Gebühren an, das würde dann auch für die Plattform-Betreiber gelten.

Eine mögliche Lösung für dieses Problem könnte das Bezahlsystem der virtuellen Währung BitCoin sein, bei dem nur geringe Transaktionskosten entstehen. Bislang existiert eine Bezahlschranke, die auf BitCoin basiert, nur in einer Beta-Version: Das System heißt BitWall, damit können auch Zahlungen von nur einem Eurocent vorgenommen werden. Zudem sieht es auch andere Bezahlformen vor: per Tweet, über das Ansehen einer Anzeige vor dem Lesen des Texts oder durch eine Einmalzahlung für einen ganztägigen Zugang zur Seite.

Eine weitere Alternative wäre der Bezahldienst Flattr. Er wurde 2010 von Peter Sunde eingeführt, der kürzlich in Schweden für seine Beteiligung an der BitTorrent-Indexseite Pirate Bay verhaftet wurde. Flattr ist keine Piraten-Seite, sondern eher das Gegenteil – der Online-Bezahldienst wird stark kontrolliert und überwacht. Auch deshalb stockt seit einiger Zeit die Weiterentwicklung. Kürzlich haben sich die Betreiber der Plattform für Mango Pay als neuen Transaktionsanbieter entschieden. Er könnte dazu beitragen, dass die Seite den Durchbruch schafft und eine gute Alternative zu Paypal und anderen Bezahldiensten bietet, wenn es um Mikrozahlungen geht.

Übersetzt aus dem Englischen von Tina Bettels

Original-Version auf Ialienisch: Giornalismo, arrivano i micropagamenti

 

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