Auf Geldquellen-Suche

14. April 2011 • Medienökonomie • von

Eher hinter den Kulissen tobt in Amerika eine politische Auseinandersetzung um die Zukunft des National Public Radio, die in dieser Schärfe bei uns völlig undenkbar wäre.

Obschon der Senderverbund und auch sein TV-Pendant PBS im Vergleich zu den Gebühren-Milliarden, über die ORF, ARD oder ZDF verfügen, nahezu bedeutungslos sind, möchten die Republikaner den staatlichen Geldhahn endgültig zudrehen und eine wichtige, aber politisch ungeliebte Stimme Amerikas zum Schweigen bringen.

Obendrein haben Fundraiser verzweifelt versucht, für den Senderverbund  jene Mittel als Spenden einzutreiben, die in Amerika die öffentliche Hand für ihren Rundfunk nicht bereitstellt. Sie waren bei der Wahl ihrer Methoden wenig zimperlich und haben sich dabei so eindeutig politisch gegen die Republikaner und deren Tea Party-Ultras positioniert,  dass deswegen die Chefin des Senderverbundes, Vivian Schiller, kürzlich ihren Hut nehmen musste.

Dies alles zeigt, in welch erniedrigende Abhängigkeit Journalismus gerät, der entweder am Tropf des Staates hängt oder auf die Barmherzigkeit von Spendern angewiesen ist. Weder die eine noch die andere Finanzierungsquelle verheißt den nötigen Freiraum, den Journalisten brauchen, wenn sie ihre Funktion als „vierte Gewalt“ souverän ausüben wollen.

Nach der New York Times haben deshalb auch der größte US-Zeitungskonzern Gannett sowie eine der auflagenstarken Regionalzeitungen, die Dallas Morning News, angekündigt, dass sie künftig  für ihre Online-Ausgaben von ihren Lesern Geld sehen möchten. Dies verweist auf den langfristig einzig gangbaren Weg: Die Leserinnen und Leser davon überzeugen, dass guter Journalismus etwas wert ist, egal ob er auf bedrucktem Papier oder online verbreitet wird. Aus Werbeauskünften allein lässt sich hochwertiger Journalismus auf Dauer nicht mehr finanzieren. Denn Werbetreibende können kostengünstiger Social Networks wie Facebook oder Suchmaschinen wie Google als Vehikel nutzen, um ihre Zielgruppen mit Reklame zu erreichen – und sie tun das auch immer öfter.

Erstveröffentlichung: Die Furche vom 14. April 2011

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