Der Fürst der Finsternis

31. Juli 2014 • Medienökonomie • von

Der alte Tiger hat immer noch Schneidezähne. Rupert Murdoch ist wieder auf Beutejagd. 

Das Buch heißt „Paper Tigers”. Es beschreibt die dreißig größten Medientycoons des 20. Jahrhunderts. Es beschreibt sie als unersättliche Raubtiere.

Die gefräßigsten Prädatoren im Buch sind Typen wie Arthur Ochs Sulzberger, Lord Rothermere, Robert Hersant, Samir Jain und Rupert Murdoch.

Doch nur einer dieser Papiertiger ist heute noch unablässig auf der Jagd. Rupert Murdoch, inzwischen 83-jährig, kann es nicht lassen.

Letzte Woche bot Murdoch achtzig Milliarden Dollar für den Medienkonzern Time Warner. Das Unternehmen ist mit den Warner Studios und den Sendern HBO und CNN führend im Film- und TV-Geschäft. Dazu kommen Zeitschriften wie Time Magazine und Fortune.

Time Warner wies das Achtzig-Milliarden-Angebot ab. Doch das hat wenig zu bedeuten. Auch bei seinen erfolgreichen Attacken auf die Times, auf Sky TV und auf das Wall Street Journal brauchte es Zeit, bis Murdoch die Beute bekam. Für sein zweites, verbessertes Angebot verkauft er nun wohl seine Sky-Fernsehsender.

Murdoch ist die prägendste Figur der gesamten Mediengeschichte. Sein Vater starb, als er 22-jährig war, und hinterließ ihm zwei kleine Zeitungen. Eine davon musste er verkaufen, um die Steuern bezahlen zu können.

Ein Jahrzehnt später hatte Murdoch in Australien ein Zeitungsimperium aufgebaut. Damit war die Geschichte eigentlich zu Ende. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begnügten sich Medienmogule immer damit, nur ein einziges Land zu beherrschen, Sulzberger etwa die USA, Rothermere England und Jain Indien.

Murdoch wurde der erste interkontinentale Tycoon. Erst machte er mit dem Kauf von News of the World und der Sun den Schritt nach England. Kurz darauf übernahm er die New York Post. Mit den Akquisitionen von Fox TV, Star TV in Asien und Twentieth Century Fox überspülten seine Fernseh- und Filmangebote dann ganz Europa, Fernost und Südamerika. Bis heute ist Murdochs News Corporation das einzige wirklich globale Medienunternehmen. Der Umsatz liegt bei dreißig Milliarden Franken.

Einzigartig ist Murdoch auch in seinem publizistischen Credo. Er versteht sich nicht als Finanzmanager, sondern als politischer Verleger. Mit seinen Chefredaktoren redet er oft. In England unterstützte er Margaret Thatcher und später Tony Blair. In den USA setzte er auf George Bush und dann auf Barack Obama, ging aber nach Obamas schwachem Rendement auf Gegenkurs. Bekannt ist Murdochs liberale Haltung zur Immigration. Die Masseneinwanderungsinitiative hätte er abgelehnt.

Als Verleger hat er eine eher romantische Strategie. Für die Times, für das Wall Street Journal und nun auch für das Time Magazine war er stets bereit, übertriebene Preise zu bezahlen. Er tat es, weil ihm die Titel dermaßen gefielen.

Das gilt auch umgekehrt. Nachdem die Handy-Abhöraffäre bei News of the World aufgeflogen war, stellte Murdoch das Blatt ein. Er stellte es ein, obwohl es profitabel war. Das hätten nicht viele Verleger getan.

Mit dieser Haltung müsste Murdoch eigentlich die Lichtfigur der Journalisten sein. Er ist das Gegenteil davon. Für sie ist er der Fürst der Finsternis. Journalisten lieben als Verleger keine starken Persönlichkeiten, die ihnen mitunter ins Geschäft dreinreden. Sie lieben blasse Figuren, damit die Redaktion machen kann, was sie will.

Murdoch ist da stur. Beim Wall Street Journal etwa drückte er durch, dass die Berichterstattung über Politik deutlich ausgebaut wurde. Die Redaktion leistete erst Widerstand. Inzwischen sagen alle, dass das Blatt noch besser geworden sei.

Echte Verleger sind selten verlegen. Darum sind sie so unbeliebt.

Erstveröffentlichung: Die Weltwoche vom 24. Juli 2014

Bildquelle: mariopiperni / Flickr Cc

 

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