Der Service privat

18. Juni 2008 • Medienökonomie • von

Weltwoche 24 / 2008

Die grossen Stars des Schweizer Fernsehens sind alle nur Teilzeitbeschäftigte. Die verbleibende Freizeit nutzen sie eifrig zum Geldverdienen.

Stephan Klapproth ist viel unterwegs. In der Messe Basel moderiert er erst das «Forum logistische Gesamtsysteme». Dann geht es in den Schiffbau in Zürich zur Moderation des «Forums Schweizer Aussenwirtschaft». Im Hotel «Victoria-Jungfrau» in Interlaken wartet nun schon das «Forum Promarca». Nun ist Zeit für die «UBS-Wirtschaftsarena» im KKL Luzern und das Forum «CRM Transfer» im «Mövenpick» in Glattbrugg.

Dazwischen muss er manchmal ins Studio, um als Präsentator von «10 vor 10» aufzutreten. Das kann zwar lästig sein, ist aber wichtig, weil er via Bildschirm seine Aufträge akquiriert.

Ähnlich umtriebig sind auch die andern SF-Stars unterwegs. Klapproth-Kollegin Susanne Wille moderiert den «Esprix Excellence-Evening» in Zürich, gesponsert von der Credit Suisse. «Arena»-Chef Reto Brennwald ist am «Swiss-Export-Tag» in Luzern zugange, gesponsert von Euler Hermes. «Kassensturz»-Präsentator Ueli Schmezer moderiert das Berner «HR-Forum», gesponsert von Meichle + Partner AG. Weil sie andauernd sich selber vermarkten, sind alle grossen TV-Stars vertraglich nur Teilzeitangestellte der SRG. Stephan Klapproth, Susanne Wille, Reto Brennwald, Ueli Schmezer arbeiten genauso im Part-time-Pensum wie Daniela Lager, Sonja Hasler, Beni Thurnheer, Sandra Studer, Kurt Aeschbacher, Röbi Koller, Sven Epiney und Katja Stauber.

Die Sache hat zwei Aspekte, einen finanziellen und einen medienethischen. Beginnen wir mit Punkt zwei.

Am Bildschirm stehen Moderatoren für Glaubwürdigkeit. Ganz besonders gilt dies für die Köpfe aus den News-Programmen. Erstberuflich sind sie öffentliche Figuren, und die Zuschauer vertrauen ihnen.

Zweitberuflich sind sie das Gegenteil. Hier sind sie PR-Fuzzis. Die Briefings für ihre kommerziellen Moderationen sind oft detailliert. Man sagt den Klapproths, Schmezers, Brennwalds und Willes, welche Fragen sie stellen und welche Fragen sie ausblenden sollen und welche Sponsoren positiv zu erwähnen sind. Als Profis halten sie sich daran.

Wir wollen hier nicht gross über doppelte Moral im Journalismus herziehen, denn wir leben in der bestmöglichen, also kapitalistischen Gesellschaft. Wir können nur sagen, dass das Ganze etwas unappetitlich ist.

Dieses Urteil ist nicht von Belang, denn es geht um recht viel Geld. Topmoderatoren wie Stephan Klapproth kommen auf 7000 bis 10 000 Franken pro Veranstaltung. 5000 bis 7000 Franken kassiert die zweite TV-Garnitur. Manche sind bei Agenturen wie Speakers.ch unter Vertrag, welche sie an Firmen und Organisationen weitervermitteln. Die TV-Prominenz darf die Einkünfte zu hundert Prozent behalten. Schon mit zwei gutbezahlten Moderationen pro Monat kommt man also auf ein höheres Einkommen, als man es als kleiner Teilzeitangestellter vom Schweizer Fernsehen bezieht.

In den TV-Aufsichtsgremien schiebt man das Problem vor sich her. Lösen müsste es eigentlich SRG-Generaldirektor Armin Walpen. Denkbar wäre etwa ein Modell, wie es in Medienunternehmen gilt: Fünfzig Prozent des Honorars gehen an die Firma, fünfzig Prozent an die Privatperson. Dass Walpen die Frage nicht angeht, ist wenig verwunderlich. Der SRG-Chef, genannt «Cayenne-Walpen», hat ebenfalls stets ein glückliches Händchen bewiesen, wenn es darum ging, sein kärgliches Salär mit Zusatzeinnahmen aufzubessern.

So bleibt die amüsante Situation, dass wir Gebührenzahler TV-Stars finanzieren, die nur dank unserer Zwangsabgaben überhaupt TV-Stars werden. Die TV-Stars vergolden sich dann auf private Rechnung.

Das ist die privatwirtschaftliche Seite des Service public. Der Service privé.

 

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