Jungverleger mit alten Tugenden

21. Februar 2011 • Medienökonomie • von

Hinter dem Schlachtenlärm um die Basler Zeitung steht ein genereller Trend in der Medienbranche.

Zuerst zu den Zahlen. Rund 2000 Abon­nenten hat die Basler Zeitung seit einem Jahr verloren. 1300 kündigten, als Christoph Blochers Beratungsfirma Robinvest ein Mandat beim Blatt übernahm. Die andern ­gingen aus ideologischen Gründen.

2000 verlorene Abonnemente sind sehr wenig, wenn man sieht, mit welchem Trommelfeuer man gegen die Basler Zeitung (BaZ) schießt. Zuerst ging es gegen Vorbesitzer Tito Tettamanti und seine Entourage. Jetzt ist Nachfolger Moritz Suter im Visier. Hinter dem Trommelfeuer steht die rot-grüne Szene der Stadt.

Die rot-grüne Szene steckt den Journalisten außerhalb Basels immer neue, negative Storys zu. Soeben wieder ist in Dutzenden von Zeitungsartikeln außerhalb Basels gleichzeitig die bange Frage gestellt worden: Wer hat ­Moritz Suter den Kauf finanziert? War es Tettamantis Sterling Strategic Value Ltd. in Tortola oder die Emesta Holding AG in Zug, die den vier Blocher-Kindern gehört?

Interessanter als die Suche nach dem Kreditor­ sind zwei andere Aspekte. Zuerst ist auffällig, wie ergeben unsere Journalisten sich auf die Seite der Rot-Grünen schlagen. Es gibt Hunderte von Artikeln und Sendungen zur BaZ, aber keine einzige kritische Recherche zur Interessenlage der Zeitungsgegner. Das ist völlig ungewöhnlich.

Noch interessanter ist die Rolle des Ver­legers. Im Trommelfeuer zeigt Suter bisher ­eine Standfestigkeit, die ihm viele nicht zu­getraut haben. Der Ruf nach Absetzung von Chefredaktor Markus Somm ließ ihn unbeeindruckt. Er stellt sich hinter die neue, bürger­liche Redaktionslinie. Sichtbar wurde sie bisher primär in Somms Kommentaren. Sie sind reichlich wertkonservativ, aber auch von einer publizistischen Diskussionsfreude, die in Basel zuvor unbekannt war.

Nun könnte man wieder auf dunkle Hintermänner verweisen, die das steuern. Natürlich braucht Suter Leute, die ihm den Rücken ­stärken. Unbestritten bleibt aber, dass der Jungverleger wie ein Verleger alter Schule agiert. Suter dreht den Kopf nicht nach dem populistischen Wind. Er hat Haltung. Damit verkörpert er durchaus den Zeitgeist der ­Branche. Denn wir erleben eine Re-Politisierung der Zeitungen.

In den achtziger Jahren wandelte sich die frühere Parteipresse zu Forumszeitungen. ­Alle Standpunkte sollten im Forum aufscheinen. Oft endete das allerdings in einem beliebigen Wischi­waschi. Fusionen unter früheren Konkurrenten verstärkten den Hang zur Belanglosigkeit. Die Zeitungen verloren ihr Profil. Vormals beachtete Blätter wie die Basler National-Zeitung, das Luzerner Vaterland, das St. Galler Tagblatt und die Berner Zeitung verschwanden aus der nationalen Meinungsbildung. Auch Wochenblätter wie Facts, Cash und Weltwoche blichen nach 1990 aus. Nur wenige Zeitungen wie Tages-Anzeiger, NZZ und zeitweilig Blick behielten ein erkennbares poli­tisches Profil.

Es ist klar, dass die Gegenbewegung ein­setzen musste, die Unverbindlichkeit wieder durch Haltung ersetzt. Es begann mit dem Rutsch der Weltwoche nach rechts. Es folgte die NZZ am Sonntag mit ihrem pointiert kritischen Wirtschaftskurs. Der Tages-Anzeiger wanderte von der Mitte wieder auf linke Positionen. Die Basler Zeitung schwenkte nun ebenfalls in Richtung Meinungspresse.

Die Re-Politisierung ist auch durch ökonomische Faktoren bedingt. Der Einbruch der Werbeeinnahmen führte dazu, dass die Leser als Basis immer entscheidender wurden. ­Zeitungen lernten wieder, dass sie von Lesern und nicht von Inserenten leben. Kluge Journalisten und Verleger wissen inzwischen, dass sie mit Profillosigkeit kein Publikum der Zukunft gewinnen.

Ausgerechnet Quereinsteiger Suter ist ­darum eine Art Trendsetter der Branche.

Erstveröffentlichung: Weltwoche Nr. 7 /2011

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