Keiner will zahlen – jetzt ist die Politik dran

29. Juni 2015 • Digitales, Medienökonomie, Redaktion & Ökonomie • von

Soziale Medien rofitieren von Nachrichten, aber profitieren die Nachrichtenmacher auch von sozialen Medien?

Soziale Medien rofitieren von Nachrichten, aber profitieren die Nachrichtenmacher auch von sozialen Medien?

Zuerst eine gute Nachricht: Das Interesse an Nachrichten ist hoch; das erklären drei Viertel der deutschen Onliner, und zwar interessieren sie sich – in dieser Reihenfolge – für internationale, nationale, regionale sowie für Politik-Nachrichten aus Deutschland. Das ist eine Kernbotschaft im neuen Digital Report des britischen Forschungsinstituts Reuters und des Tow Centers für Digitaljournalismus. Die Forscher befragten 20.000 Personen in zwölf Ländern; den deutschen Part verantworten Sascha Hölig und Uwe Hasebrink vom Hans-Bredow-Institut in Hamburg. Die Trends sind global, trotz regionaler Unterschiede.

Das gilt auch für die Kehrseite: Nirgendwo will das Publikum für News zahlen, weder online, noch gedruckt. Auch für Werbung als Geldquelle wird es eng: in den USA nutzt bereits fast jeder zweite Ad Blocker, jeder dritte meidet Websites, auf denen Anzeigen ihn beim Lesen von Inhalten stören. Überall herrscht Ratlosigkeit: den Nachrichtenmedien fehlen digitale Erlösmodelle.

Soziale Medien und Mobilgeräte erhöhen den auf dem Nachrichtengeschäft lastenden Druck weiter: Die meisten Nachrichten werden mittlerweile digital auf dem Smartphone gelesen. Viele steuern gar nicht die News-Apps an, obwohl sie welche installiert haben, sondern sie kommen über Links in Sozialen Netzwerken zu den Nachrichten, allen voran über Facebook (41 Prozent). Aber: Soziale Medien werden zwar am häufigsten genutzt, ihnen wird aber in den meisten Ländern am wenigsten vertraut, deutlich weniger als TV- und Onlinenachrichten.

Und jetzt? Im Grunde ist die Botschaft klar: Das regelt sich nicht von alleine, die Politik ist in der Verantwortung. Sie muss dafür sorgen, dass glaubwürdige Inhalte gestärkt und finanziert werden – im Interesse der Bürger und damit der Demokratie sowie ohne die Unabhängigkeit der Inhalte zu gefährden. Sie muss das nötige Geld beschaffen – ob durch die Besteuerung von Werbung oder von Online-Transaktionen, durch eine „Medien-Abgabe“ der Bürger oder mittelbar über eine Stiftung aus Branchenvertretern, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft. Zugegeben: alle Varianten weisen Licht und Schatten auf. Aber die Debatte darüber ist dringend – und dann muss gehandelt werden.

Literatur:

Reuters Digital News Survey 2015 Ergebnisse für Deutschland

 

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  • Thomas Jager

    Was ist von einer Studie zu halten, die im dritten Jahr in Folge eine abnehmende Bezahlbereitschaft misst, während allerorten Paywalls aus dem Boden sprießen und Verlage über wachsende Digitalabo-Zahlen berichten?

  • Ralph Eisermann

    Staatliche Sterntaler für private Unternehmen sind abzulehnen.

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