Korrelation zwischen Auflage und Stellenzahl

17. Oktober 2003 • Medienökonomie, Qualität & Ethik • von

Erstveröffentlichung: Neue Zürcher Zeitung

Eine US-Studie über Zeitungsredaktionen
Ein Redaktor pro 1’000 Exemplare Verkaufsauflage – so lautet eine amerikanische Faustregel, wie Zeitungsredaktionen personell besetzt sein sollten. An diese Formel anknüpfend, haben jetzt die Medienforscher Philip Meyer und Minjeong Kim von der University of North Carolina untersucht, wie sich Personalabbau oder Personalaufstockung in Redaktionen auf die Auflagenentwicklung von Tageszeitungen auswirken (in: «Newspaper Research Journal», Vol. 24, Nr. 3, Sommer 2003, 76-82).

Das erste Ergebnis: Die Zeitungen, die im Untersuchungszeitraum von 1995 bis 2000 ihre Redaktionen verkleinert haben, haben auch signifikant mehr Auflage verloren als die anderen. Dort, wo die Redaktionen aufgestockt wurden, ist die Auflage zwar nicht gestiegen, aber die Auflagenverluste hielten sich in deutlich engeren Grenzen.Allerdings haben wir es mit einem Huhn-Ei- Problem zu tun. Es lässt sich aus diesen Zahlen nämlich nicht ablesen, ob ein Personalabbau Folge des Auflagenverlusts war oder umgekehrt. Deshalb haben die Forscher in einem zweiten Untersuchungsschritt analysiert, ob sich bei den Zeitungen, die 1995 – gemessen an der Faustregel – redaktionell besonders gut ausgestattet waren, über die Jahre hinweg auch die Auflage besser entwickelt hat als bei Blättern, deren Redaktionen eher unterbesetzt waren. Tatsächlich hat bei dieser Betrachtungsweise eine gute personelle Ausstattung der Redaktion einen positiven Effekt auf die Auflagenentwicklung.

Die Forscher deuten ihr Ergebnis mit aller gebotenen Vorsicht, indem sie auf zahlreiche intervenierende Variablen verweisen. Vor allem müsse man natürlich mehr über die Qualität und Kompetenz der Redaktoren und über die Führungsqualitäten der Ressortleiter und Chefs wissen, um definitive Aussagen treffen zu können. Immerhin, so meinen die Wissenschafter, sollten all diejenigen Analytiker, die in einer Zeitung «nicht mehr sehen als eine Plattform, die den Werbetreibenden möglichst viele Augäpfel auf die billigste Weise liefert», nachdenklich werden. Sie sollten reflektieren, was letztlich diese Augäpfel der Leserinnen und Leser anlockt. Die redaktionelle Ausstattung und damit die inhaltliche Qualität der Zeitung wirkten sich eben doch auf den kommerziellen Erfolg aus.

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