Mit Darwin zum Erfolg

30. Dezember 2014 • Medienökonomie, Redaktionsmanagement • von

Zum Jahresabschluss, wie wir alle wissen, zählt nur eines. Es zählen nur die Zahlen. Und die Zahlen für 2014 sind schön. Es gibt sechs wichtige Medienverlage in Schweizer Hand. Ringier, Tamedia und die NZZ-Gruppe aus Zürich, AZ Medien aus Aarau, Somedia aus Chur und die Basler Mediengruppe.

Die Big Six kommen 2014 auf einen kollektiven Umsatz von fast drei Milliarden Franken. Ihr kollektiver Gewinn im Jahr 2014, auf Ebitda-Stufe, erreicht rund 420 Millionen.

Ebitda, der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen, ist das beste Kriterium unternehmerischer Leistungskraft. Die Big Six erzielen nach diesem Kriterium eine Umsatzrendite von vierzehn Prozent. Das ist eine Marge, wie sie führende Firmen wie ABB und Nestlé in Europa herausholen, also beeindruckend hoch. Wenn wir über Medien reden, müssen wir darum zwischen Fakten und Fiktionen unterscheiden. Fakt ist, dass 2014 eine Erfolgsgeschichte der großen Verlage ist. Sie haben über Jahre gespart, auf Redaktionen und im Backoffice, und sie haben das Geld in kommerzielle Online-Aktivitäten investiert. Nun beginnen sie zu ernten. Sie werden darum ihr bisheriges kollektives Rekordergebnis aus dem Jahr 2011 vermutlich gar übertreffen.

Fiktion hingegen ist, dass die Medien in einer Finanzkrise stecken.Die Medienkrise, die es in Zahlen nicht gibt, reden vor allem linke Politiker aus SP und CVP herbei. Sie wünschen sich finanzschwache Medien. Sie wünschen sie, damit der Staat die Notleidenden mit Subventionen retten kann. Nur wenn der Staat dadurch Einfluss auf die Medien bekommt, haben auch linke Parteien und Politiker eine Chance, Einfluss auf die Medien zu bekommen.

Selbst der Bundesrat hat nun erkannt, dass er eine erfolgreiche Branche nicht retten muss. Vor zwei Wochen publizierte er seinen Motionsbericht zu den Medien. Die Medien, sagt die Regierung, brauchen keine obrigkeitliche Unterstützung. Die bestehenden Privilegien wie verbilligte Postzustellung und tieferer Mehrwertsteuersatz genügen vollauf. Wörtlich sagt der Bundesrat: “Die voreilige Einführung neuer Förderansätze könnte zu Fehlanreizen führen.”

Förderansätze und Fehlanreize. Das ist zwar Beamtendeutsch, aber sonst eine Aussage von erfreulichem Liberalismus. Sogar Medienministerin Doris Leuthard, sonst gern ein eilfertiges Kind der Regulierung, lässt für einmal die Finger von unnötigen Staatseingriffen.

Der Schweizer Medienbranche geht es erfreulicherweise gut. Es geht ihr bedeutend besser, als man vor fünf Jahren befürchten musste. Ich habe damals auch gedacht, sie überlebe nur mit besseren staatlichen Rahmenbedingungen. Ich habe mich zum Glück getäuscht. Die Verlagshäuser haben die Kurve aus eigener Kraft genommen.

Natürlich gibt es in solchen Phasen immer Mutige und Mutlose. Mutig waren vor allem Ringier und Tamedia. Sie haben in den letzten Jahren weit über eine Milliarde Franken in neue Online-Marktplätze für Immobilien, Stellen, Autos, Handelsgüter und Werbevermittlung gesteckt. Nur die NZZ-Gruppe verschlief mutlos diesen digitalen Trend. Sie ist darum das einzige Medienunternehmen, das für 2014 sinkende Gewinne ankündigen musste. Den Sündenbock fand sie in der Chefredaktion.

Ich bin zuversichtlich für die Medienbranche. Sie hat am richtigen Ort gespart und am richtigen Ort investiert. Sie ist digital sehr aggressiv. Sie wird darum auch in Zukunft gute Gewinne machen. Ich glaube, die Schweizer Medienbranche ist derzeit die fitteste Medienbranche Europas.

Charles Darwin war offenbar ein Medienkenner: Survival of the Fittest.

Erstveröffentlichung: Die Weltwoche vom 18.12.2014

Bildquelle: Sascha Kohlamann/flickr.com

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