Erkennbare Trendwende im amerikanischen Journalismus

7. April 2014 • Medienökonomie • von

Innovationen und Veränderungen im amerikanischen Journalismus lassen auf eine Trendwende hoffen, schreibt das renommierte Pew Research Center in seinem gerade erschienenen Bericht „State of the News Media 2014“. Obwohl noch vieles in Bewegung sei, könne man erstmals einen Silberstreif am Horizont erkennen, heißt es.

„Das Ausmaß an neuen Aktivitäten im vergangenen Jahr lässt den Eindruck entstehen, dass sich etwas sehr Wichtiges, vielleicht sogar ein Umschwung, bemerkbar macht. Auch wenn die neuen Entwicklungen erst ein Tropfen auf dem heißen Stein sind, so handelt es sich doch um einen sehr großen Tropfen.“

Der Bericht baut auf umfangreicher Datenanalyse, qualitativen Interviews und Marktforschung auf und liefert damit einen fundierten Überblick über aktuelle Trends im amerikanischen Journalismus. Besonderes Augenmerk gilt den Entwicklungen im digitalen Journalismus und ihren Auswirkungen auf Geschäftsmodelle, Jobs, Nachrichteninhalte und Konsumverhalten.

Laut Schätzungen des Pew Research Center erwirtschaftete der amerikanische Nachrichtenjournalismus mindestens 63 Milliarden Dollar Umsatz im vergangenen Jahr, den Großteil aus Werbeeinnahmen (69%). Von diesen Werbeeinnahmen profitierten am meisten traditionelle Zeitungsunternehmen (58%), gefolgt von lokalen TV-Nachrichten (20%). Werbeeinnahmen von rein digitalen Unternehmen sind dem Bericht zufolge schwer zu schätzen, werden aber mit mindestens 500 Millionen Dollar (weniger als ein Prozent aller Werbeeinnahmen) beziffert. Es muss allerdings beachtet werden, dass Zeitungsunternehmen im Allgemeinen weiterhin an Umsatz einbüßen und die Verluste immer noch nicht mit neuen Geschäftsmodellen ausgleichen können. Bezahlte Inhalte (Abos, Fernsehgebühren) steuern 15 Milliarden Dollar zum Gesamtumsatz bei, wobei wiederum Zeitungsunternehmen das größte Stück vom Kuchen bekommen (69%). Digitale Anbieter erhalten weniger als ein Prozent von diesen Einnahmen.

2013 war auch das Jahr, in dem digitale Unternehmer sehr öffentlichkeitswirksam ins Mediengeschäft eingestiegen sind, wie zum Beispiel Jeff Bezos, der die Washington Post gekauft hat. Während der tatsächliche Kapitalfluss dieser digitalen Unternehmer im Vergleich zu anderen Einnahmequellen äußerst gering ist, so ist die psychologische Wirkung dieser Entwicklung nicht zu unterschätzen, stellt der Bericht fest. „Sie (die digitalen Unternehmer) haben erheblichen Wirbel erzeugt und nicht nur Interesse für neue Kapitalflüsse, sondern auch für neue Ideen geweckt. Ein großer Teil ihrer Investments kommt ohne den Ballast der traditionellen Produktionsstrukturen aus und schafft damit ein Potential für neue Möglichkeiten der Produktion und Verbreitung von journalistischen Inhalten. Dies stellt eine psychologische Entwicklung dar, die tiefer geht als es reine Dollarbeträge vermuten lassen würden.“

Der Bericht des Pew Research Center hat auch erstmals die Anzahl der Jobs in rein digitalen Medienunternehmen erhoben. Mehr als 5.000 Journalisten arbeiten mittlerweile in diesem Bereich, wobei zwei Drittel für die 30 größten Unternehmen, darunter Huffington Post, Buzzfeed, Politico und Vice, tätig sind. Diese Anzahl ist immer noch gering verglichen mit den 38.000 Vollzeitstellen in klassischen Redaktionen. Außerdem machen diese neuen Jobs nicht den Verlust von 16.200 Stellen wett, die in den letzten zehn Jahren gestrichen wurden. Allerdings zeigt sich laut dem Bericht definitiv ein explosives Wachstum der Arbeitsplätze in digitalen Unternehmen. Positiv wird auch vermerkt, dass mit diesen neuen Stellen auch verstärkt die internationale Berichterstattung ausgebaut wird.

Digitaler Journalismus scheint mittlerweile auch Lücken im Bereich des lokalen und investigativen Journalismus zu füllen. Speziell kleinere Unternehmen oder Projekte definieren sich oft als lokal oder hyperlokal während sich größere Non-Profit-Unternehmen (z.B. ProPublica, das Center for Public Integrity und das Center for Investigative Reporting) auf investigative Reportagen spezialisieren – oft in Zusammenarbeit mit traditionellen Medien.

Der Bericht liefert auch einige Anhaltspunkte dafür, dass die sich verändernde Nachrichtenlandschaft nicht notwendigerweise zu weniger Interesse auf Seiten der Konsumenten führt. „Das vergangene Jahr hat mehr denn je den Beweis geliefert, dass Nachrichten über soziale Netzwerke und mobile Geräte geteilt werden und damit auch die Gelegenheit bieten, mehr Menschen als jemals zuvor zu erreichen. Die Hälfte der Facebook-User erhält Nachrichten, obwohl sie nicht gezielt danach suchen. Und die User, die am meisten über das aktuelle Geschehen informiert werden, sind die 18- bis 29-Jährigen. Dasselbe gilt für den Wachstumsbereich der Online-Videos. Die Hälfte jener, die Videos online ansehen, konsumiert Nachrichten-Videos. Auch in diesem Fall besteht das Publikum vor allem aus jüngeren Nutzern.“

Trotz all dieser optimistischen Anzeichen warnt der Bericht aber auch davor, allzu blauäugig in die Zukunft zu blicken, insbesondere wenn es um die rein digitalen Unternehmen geht. „Trotz des Wachstums ist es noch nicht eindeutig ersichtlich, ob die digitalen Geschäftsmodelle auch nachhaltig sind.“

Photo credit: Yusuke Kawasaki / Flickr Cc

Zum Thema: US-Medien müssen mit weniger mehr erreichen (State of the Media 2013)

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