Tanz auf zwei Hochzeiten – kein Konflikt?

6. Mai 2013 • PR & Marketing • von

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist für freie Journalisten schwierig: Die Aufträge sind rar, die Konkurrenz groß und die Bezahlung aufgrund der finanziellen Engpässe in den Verlagshäusern mehr schlecht als recht. Warum sich also nicht ein Stück des lukrativen PR-Kuchens abschneiden und dafür dem Ende des Monats gelassen entgegen blicken?

Genau das tun 40 Prozent der freien Journalistinnen und Journalisten in Deutschland, wie eine Studie von Thomas Koch, Romy Fröhlich und Magdalena Obermaier von der Ludwig-Maximilians-Universität in München festhält. Die drei Forscher haben erstmals freie Journalisten aus Deutschland, die nebenberuflich im PR-Bereich tätig sind, zu möglichen Rollenkonflikten und Präventionsstrategien befragt.

Die Kombination von Journalismus und PR birgt ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential. Während die Aufgabe des Journalismus darin besteht, die Öffentlichkeit mit einem breiten Spektrum an relevanten Nachrichten zu versorgen, versucht die PR, im Auftrag von einzelnen Organisationen die Rezipienten gezielt zu informieren und zu beeinflussen. Bei einer Vermischung der beiden Bereiche besteht daher die Gefahr der „Deprofessionalisierung des Journalismus“, wie die Autoren festhalten.

Rollenkonflikt ist nicht belastend

Die 18 freien Journalisten aus Deutschland (neun Männer und neun Frauen), die von den Forschern in einem rund 45-minütigen Leitfadeninterview befragt wurden, sind sich dieses Rollenkonflikts durchaus bewusst. Besonders kritisch werde es dann, wenn journalistisch über den eigenen PR-Auftraggeber berichtet werden müsse und wenn die unterschiedlichen Rollenerwartungen für potentielle Auftraggeber zum Problem würden. Die Befragten gaben jedoch an, dass diese beiden Formen des Rollenkonflikts im Berufsalltag lediglich eine untergeordnete Rolle spielten.

Die Journalisten verwenden den Forschern zufolge vier Präventionsstrategien, um Rollenkonflikte zu vermeiden. Sie versuchten, strikt zwischen journalistischen Aufträgen und PR-Texten zu trennen und bei der Auswahl der PR-Auftraggeber darauf zu achten, dass diese „keine zweifelhaften oder unethischen Ziele verfolgen“. Um dem Rollenkonflikt aus dem Weg zu gehen, verschweigen freie Journalisten allerdings auch ihre PR-Tätigkeit gegenüber dem journalistischen Auftraggeber, was von den Autoren als „passives Abschirmen“ taxiert wird. Diese Strategie werde sehr oft angewendet. Dagegen kommt die vierte Präventionsmaßnahme – die  offene Thematisierung der Doppelrolle – im  Alltag nur selten zum Einsatz.

Diskussion soll am Leben gehalten werden

Der Rollenkonflikt sei für die Betroffenen auch deshalb nicht so gravierend, weil – so die Forscher – sich „die Akzeptanz der PR-Nebentätigkeit  in den letzten Jahren etabliert“ habe und auch die journalistischen Auftraggeber „die prekäre Situation der freien Journalisten kennen“. Die Befragten meinen deshalb, dass die Forderung, journalistische Arbeit und PR-Nebentätigkeiten nicht zu vermischen, in der heutigen Zeit schlicht nicht mehr legitim sei.

Das Fazit der Autoren fällt kritischer aus. Sie merken an, dass gerade aufgrund der steigenden Zahl von Journalisten, die nebenberuflich im PR-Bereich tätig sind, die Diskussion, unter welchen Bedingungen die beiden Rollen miteinander vereinbart werden können, weiter geführt werden müsse. Sie weisen allerdings selbst darauf hin, dass die Stichprobenauswahl ihrer Studie nicht über jeden Zweifel erhaben sei: Bei den freien Journalisten wurden nicht alle journalistischen Ressorts berücksichtigt, zudem fand keine Differenzierung hinsichtlich der verschiedenen Tätigkeitsbereiche in der Öffentlichkeitsarbeit statt und auch Effekte der Selbstselektion konnten nicht ausgeschlossen werden.

Koch, Thomas; Fröhlich, Romy; Obermaier, Magdalena (2012): „Tanz auf zwei Hochzeiten. Rollenkonflikte freier Journalisten mit Nebentätigkeiten im PR-Bereich“, in: Medien- und Kommunikationswissenschaft, 60. Jg./Heft 4, S. 520-535.

Bildquelle: Kai Niemeyer  / pixelio.de

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Seminars im Studiengang Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Luzern unter der Leitung von Stephan Russ-Mohl entstanden.

 

 

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