Watson verlässt verstaubte Wege der Online-Publizistik

25. Februar 2014 • Digitales, PR & Marketing • von

Durch seine konsequente Ausrichtung auf den mobilen Nutzer geht Watson.ch neue Wege im Online-Journalismus. Watson.ch ging auch konsequent neue Wege in der Bekanntmachung der neuen Site.

Seit dem 22. Januar ist die Schweizer-Online-News-Landschaft um ein Angebot reicher. Das seit mehr als einem Jahr von Journalisten gehypte Newsportal Watson ging an den Start.

Der erfolgte gewissermaßen klandestin: Nach einer Ankündigung auf Twitter um 21 Uhr erfolgte dann die Vorstellung in der Sendung „10 vor 10“. Gratis-PR zur guten Sendezeit. Oder war dies etwa schon „Native Advertising“ bei SRF? Clever gemacht Hansi Voigt (Chefredakteur und Geschäftsführer von Watson.ch, Anm. d. EJO-Red.)! Denn nur mit dieser unkonventionellen Strategie konnte Voigt sicher sein, dass seine Botschaft direkt die künftigen Watson-Nutzer erreichen würde, die ja vom bisherigen Hype wenig mitbekommen haben. Und dies unverfälscht ohne lästige Störgeräusche der Konkurrenz. Die kamen dann noch früh genug.

Einige Beispiele gefällig. Tages-Anzeiger: „Die teuerste Schülerzeitung“; NZZ: „News für Frauen mit Tattoos“; Bund: „Der Publizist als Dampfkochtopf“ und auch der kulturpessimistische Infosperber musste seine Einschätzung kundtun: „Chamäleon-Journalismus“. Dafür herrschte bei der direkten Konkurrenz Funkstille. Totschweigen ist alleweil besser als kommentieren scheint die Devise zu sein.

Erfrischend ehrlich und objektiv dann aber Veit Dengler, der neue NZZ-CEO, im Interview mit der Medienwoche: „Das belebt den Markt und was den Markt belebt, ist immer gut. Genau so, wie es im Print Gratiszeitungen gibt, wird es auch online Reichweitenmodelle geben neben den kostenpflichtigen Angeboten. Und für ein Reichweitenmodell ist Watson sehr gut gemacht. Die stehen nun vor der großen Aufgabe, die Marke aufzubauen. Das ist richtig teuer und richtig schwierig. Aber ich glaube, der Anfang ist ganz gut gelungen.“ Und auch Norbert Neininger meinte in einem Kommentar: „Gelungener Start!“ Sachlich ging es in den Titeln von Peter Wanner zu. Schweiz am Sonntag: „In vier Jahren in den Top 3“, Aargauer Zeitung: „Ein ambitioniertes Projekt geht online“.

Die PR-Offensive von Hansi Voigt ging dann mit einem langen Interview im Social TV-Sender Joiz weiter. Dort konnte er seine Botschaften ohne Störfeuer platzieren. Und das erst noch bei einem interessanten Teil der Zielgruppe. Zitate: „In fünf Jahren wollen wir das größte Newsportal der Schweiz sein.“ „Wir geben alles, ob wir es schaffen wissen nicht.“ „Wir würden auch als Nummer 2 oder 3 gut leben.“ „Wir können die anderen nur schlagen mit Kreativität.“ „Wir wollen dem User auf Augenhöhe begegnen.“ „Wir machen ein Produkt, das speziell auf den mobilen Markt zu geschnitten ist. Die Frage ist, ob die etablierten Marken diesen Markt gewinnen können.“ „Responsive Design: im Zentrum steht die einspaltige mobile Nutzung.“

Euphorisch dann Watson-Geldgeber Peter Wanner auf den SRF-Regionalnews: „Unsere Erwartungen sind übertroffen worden bei den Unique Usern. Und dann haben wir auch viele Anfragen von Leuten, die mit Werbung auf unser Portal kommen wollen.“

Wenn Watson.ch nur halb so gut bei Nutzern und Werbetreibenden ankommt, wie Voigt seine PR steuert, dann wird die Site zur Erfolgsstory. Zu gönnen wäre es ihr, denn Watson versucht erstmals die verstaubten Wege der Online-Publizistik zu verlassen.

 Leicht modifizierte Erstveröffentlichung: Werbewoche vom 7. Februar 2014

Bildquelle: Screenshot Watson.ch vom 24.2.2014

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