Journalismus: Die Wiki-Spuren in Österreichs Medien

26. August 2009 • Ressorts • von

Erstveröffentlichung: Die Presse

Online-Suchmaschinen und Web-Lexika sind drittwichtigste Quelle heimischer Politikjournalisten.

Das Zeitwort „googeln“ steht nicht umsonst seit Jahren im Wörterbuch – wir tun es schließlich oft genug. Journalisten allerdings besonders häufig: 97 Prozent aller österreichischen Berichterstatter, die sich mit dem Thema Innenpolitik beschäftigen, nutzen täglich eine Online-Suchmaschine – und zu wiederum 95 Prozent davon heißt diese Suchmaschine Google. Google also setzt die Agenda. Wie seriös ist Wikipedia?

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Medienhaus Wien gemeinsam mit Emmerich Tálos vom Institut für Staatswissenschaft der Universität Wien derzeit auswertet. Die repräsentative Befragung von einhundert österreichischen Politikjournalisten (EU-, Innen- oder Kommunalpolitik) – 300 bis 400 solche gibt es im Land – führte das Gallup-Institut durch.

Demnach sind „externe persönliche Gespräche“ die bedeutendste Recherchemethode der österreichischen Politikjournalisten: Für 88 Prozent sind sie „sehr wichtig“. Das sind auch Telefonate – für 80 Prozent. Auf Platz drei im Bedeutungsranking folgt schon das Internet, für immerhin 64 Prozent der Journalisten „sehr wichtig“. Dann folgen „interne Gespräche“, die Recherche in der Nachrichtenagentur, das Onlinearchiv im Haus, die „eigene Ablage“, Printmedien und E-Mails (noch für 33 Prozent „sehr wichtig“). Damit dominiert die persönliche Kommunikation vor der digitalen und jener auf Papier: Nur auf den hinteren Plätzen liegen die Recherche in Dokumenten, auf Pressekonferenzen, in Fax- oder Briefpost, Bibliotheken und – als Schlusslicht – in Büchern (für sieben Prozent „sehr wichtig“).

Wie seriös ist Wikipedia?
Bei der Häufigkeit der Web-Anwendungen geben – nach den 97 Prozent, die Suchmaschinen täglich nutzen – 50 Prozent an, jeden Tag Nachrichtensuchmaschinen wie Google News zu verwenden. Wikipedia liegt auf Platz drei (41% nutzen das Lexikon täglich), wird von Befragten aber auch als „Suchmaschine“ gereiht. 23 Prozent nutzen täglich soziale Netzwerke, immerhin zehn Prozent Twitter.

International tobt derzeit eine Debatte über die Seriosität von Wikipedia: Wie korrekt, gehaltvoll und gefärbt sind die Einträge dort? Eine Frage, die in Hinblick auf die offenbar starke Nutzung durch Journalisten – als Multiplikatoren – nur an Bedeutung gewinnt.

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