Der Medientrainer als Marke

20. Januar 2012 • Ausbildung • von

Seit fünf Jahren qualifiziert die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) Medientrainer. Die Medienpädagogin Christa Claßen ist eine der Medientrainer-Ausbilderinnen und spricht mit uns über ihre Erfahrungen und Wünsche in Bezug auf das Medientraining.

Was ist ein Medientrainer?

Der Begriff Medientrainer wird momentan fast inflationär benutzt. Die Landesanstalt für Medien, für die auch ich als Medientrainer-Ausbilderin arbeite, hat die Qualifizierungsmaßnahme für Medientrainer eingeführt, um diesbezüglich eine „Marke“ zu setzen und den Teilnehmern eine grundlegende Kompetenz und Qualifizierung in diesem Bereich zu vermitteln. Ich schule die Teilnehmer zu Medientrainern, so dass sie in Zukunft selber in der Lage sind, ihr Wissen weiter zu geben, also Seminare selber zu planen und zu konzipieren.

Wer  bewirbt sich als Medientrainer?

Es gibt ein hoch angelegtes Bewerbungssystem bei der LfM. Bestimmte Voraussetzungen müssen erfüllt sein, und dann wird geschaut, wer sich eignet. Die Vorerfahrung mit praktischer Arbeit ist ganz wichtig. Zu den Bewerbungsunterlagen gehört ein Produkt, zum Beispiel ein Fernseh- oder Radiobeitrag. Man sollte irgendwo mit Gruppen gearbeitet haben. Das muss aber nicht unbedingt im Fach sein. So kann man zum Beispiel als Jugendlicher auch im Sportverein oder als Übungsleiter gearbeitet haben oder in einem anderen gesellschaftlichen Kontext wie zum Beispiel als Pfadfinder Gruppen geleitet haben.

Christa Claßen

Es gibt curriculare Vorgaben bei der Medientrainer-Qualifizierung. Zum einen geht es um die Sicherung von Qualität. Denn die Produkte wie Fernseh- oder Radiobeiträge sollen ja hör- und sehbar gestaltet und produziert werden. Zum  anderen geht es darum, die Menschen für die Medien Hörfunk und Fernsehen zu sensibilisieren, so dass sie in der Lage sind, ein Gefühl dafür zu bekommen, was es heißt, Fernsehen oder Radio zu „machen“. Alle Teilnehmer haben sich vorher bereits mit Medien beschäftigt und haben auch wirklich Lust und Interesse daran, mit Menschen zu arbeiten. Es gibt sehr viele fachkompetente Menschen, aber nicht jeder Mensch eignet sich auch dafür, dann wiederum mit Menschen zu arbeiten. Diese „Train the trainer“-Basis spielt auch eine große Rolle bei der Qualifizierung und vor allem beim ersten Modul „Medientrainerqualifizierung“. Letztendlich müssen sie auf einer Metaebene betrachten und entscheiden: Was muss ich selber beherrschen, damit ich das auch anderen vermitteln kann?

Wie kann man zwischen seriösen und unseriösen Angeboten in der Medientrainer-Ausbildung unterscheiden?

Aufgrund dieser Frage arbeiten wir momentan daran, den Medientrainer-Lehrgang als Marke zu implementieren. Akkreditierte LfM-Medientrainer haben eine festgelegte Qualifizierung und erhalten bei Abschluss ein Zertifikat. Die Ausbildung zu Medientrainer/innen wird ausschließlich von Personen durchgeführt, die von der LfM als Medientrainer/innen anerkannt sind (weitere Informationen im Medienkompetenzbericht 2010/2011 der LfM).

Welche spezifischen Vorteile haben Journalisten von der Medientrainer-Ausbildung?

Das ist nicht unbedingt an den Beruf des Journalisten gebunden. Ich sehe es durchaus unter dem Aspekt, sich ein eigenes Portfolio zu schaffen. Das machen auch wirklich nur die Leute, und das kann ich aus Erfahrung sagen, die wirklich Lust darauf haben, noch etwas anderes zu machen und viel mit Menschen zu arbeiten. Hinsichtlich der Fachkompetenz bezogen auf die Journalistik – was ich nicht studiert habe – bin ich mir sicher, dass mir die Journalisten weit voraus sind. Zwar habe ich mir im Laufe der Zeit auch selber viel Wissen angeeignet, aber es geht hierbei eher um die anderen Bereiche Methodenkompetenz und Gruppenarbeit. Die Vermittlung personaler sozialer Kompetenz finde ich unheimlich wichtig, und dafür sind die Teilnehmer auch sehr dankbar. Die vielen Rückmeldungen während der Qualifizierung mit der Hauptfragestellung „Wie wirke ich auf eine Gruppe und woran kann ich noch arbeiten?“ empfinden die meisten Teilnehmer als ungemein wertvoll und hilfreich. Die Praxisphase, die noch nicht so lange Bestandteil der Qualifizierung ist, ist laut der letzten Evaluation sehr hilfreich, da dort noch mal kontrolliert auf die Arbeit jedes einzelnen Teilnehmers geschaut wird, und im Anschluss konstruktive Kritik geübt wird.

Welche aktuellen Projekte stehen bei Ihnen an?

An das Projekt mit nrwision (TV-Lernsender für Nordrhein-Westfalen, Anm. d. Red.), bei dem Studierende der Journalistik vor kurzem zu Medientrainern ausgebildet wurden, die wiederum Studierende der Rehabilitationswissenschaften ausgebildet haben, schließt sich – diesmal im Bereich Radio und in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ingo Bosse vom Lehrstuhl motorische Entwicklung und frühe Hilfen der TU Dortmund –  im Frühjahr 2012 ein neues Projekt an einer Förderschule an: In einem ersten Kompaktseminar lernen die Studierenden der Rehabilitationswissenschaften „Radio zu machen“ und natürlich auch, dieses Wissen weiterzuvermitteln. Sie sollen lernen, mit Gruppen zu arbeiten, hier im Kontext des Förderbereichs. Danach werde ich die Studierenden für eine Woche an eine Förderschule begleiten, wo sie dann selber mit den Schülern und Lehrern arbeiten müssen. Außerdem beginnt momentan ein neuer Kurs mit Fernseh-Medientrainern.

Was wünschen Sie sich in Bezug auf die Medienaus- und Fortbildung für die Zukunft?

Ich komme aus der Bürgermedienszene und habe selber fast 15 Jahre beim Offenen Kanal Dortmund gearbeitet. Immer unter dem Aspekt der Demokratiekompetenz, der Teilhabe an Öffentlichkeit. Da wäre natürlich unter dem Aspekt mein Wunsch, dass weiterhin viele Menschen diese Chance nutzen, teilzuhaben im Sinne von Kommunikation wie bei nrwision. Diese Möglichkeit gilt es auch immer noch im Bürgerfunk zu nutzen, auch wenn das mittlerweile sehr zurückgegangen ist. Im Bereich der Medien Fernsehen und Hörfunk sehe ich diese Teilhabe als eine große Chance an. Was die Medientrainer-Ausbildung an der LfM angeht: Sie ist immer wieder korrigiert, nachgebessert und überprüft worden. Jetzt sind wir gerade in der Phase, in denen wir Medientrainer-Ausbilder in Zusammenarbeit mit der LfM und unseren Kollegen zurück schauen und entscheiden, was noch ergänzt, wegfallen und verbessert werden kann.

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