“Journalism reloaded” – kompetent in die Zukunft

14. Dezember 2010 • Ausbildung, Qualität & Ethik • von

Die Bedingungen, unter denen Journalismus zustande kommt, verändern sich rasant. Reichen die klassischen journalistischen Kompetenzen da noch aus?

Nein, kommt eine Masterarbeit zum Schluss und präsentiert ein praxisnahes Set zusätzlicher Kompetenzen. Damit guter Journalismus auch in Zukunft noch möglich ist.

Der Journalismus ist unter Druck: Verändertes Mediennutzungsverhalten, neue Technologien sowie wirtschaftlicher Druck schränken die Möglichkeiten der Medienschaffenden, gute Arbeit leisten zu können, mehr und mehr ein. Diese Veränderungen in der Umwelt des Journalismus – so die These, die dieser Arbeit zugrunde liegt – führen dazu, dass die klassischen Kompetenzen wie Recherchieren, Selektieren und Präsentieren nicht mehr ausreichen. Journalistinnen und Journalisten müssen über erweiterte Kompetenzen verfügen, wollen sie auch in der Zukunft noch in der Lage sein, ihre eigentliche Aufgabe zu erfüllen: die Öffentlichkeit mit Informationen und das Publikum mit Unterhaltung zu versorgen.

Die Arbeit hat zwei Ziele:

1. Ein die bisher anerkannten journalistischen Kompetenzen (z.B. der Tartu-Deklaration) ergänzendes Set von Kompetenzen zu formulieren («Journalism reloaded»), mit denen Journalistinnen und Journalisten auch unter steigendem Druck guten Journalismus machen können.

2. Eine neue (für die Praxis einfachere) Darstellungsform von Kompetenzen zu entwickeln. Die Kompetenzen sind in der vorliegenden Arbeit neu aufgeschlüsselt und kategorisiert worden: in „Wollen“ (Haltung), „Können“ (intellektuelle Fähigkeit und handwerkliche Fertigkeit) sowie „Wissen“ (inhaltlicher und fachlicher Art).

Statt Akteure und Expertinnen zu befragen, untersuchte die Autorin Einflussfaktoren, die auf den Journalismus wirken und die Möglichkeit der Medienschaffenden beeinflussen, gute Arbeit zu liefern. Aus den Erkenntnissen dieser Analyse in den Bereichen Technologie, Gesellschaft/Nutzerinnen und Nutzer sowie Wirtschaft hat sie 44 zusätzliche Kompetenzen abgeleitet und in der von ihr entwickelten Matrix dargestellt.

Der Journalismus der Zukunft braucht mehr Kompetenzen: Zu den klassischen journalistischen Kompetenzen der Tartu-Deklaration (linke Hälfte in englischer Sprache), kommen die in der Arbeit aus dem Umfeld abgeleiteten Kompetenzen (rechte Hälfte in deutscher Sprache). Die Farben bezeichnen die Gruppe von Kompetenzen. (Großansicht durch Klicken auf das Bild)

Mit ihrer Arbeit hofft die Autorin, die als Studienleiterin am maz, der Schweizer Journalistenschule arbeitet, praxisbezogene und leicht erschließbare Impulse für die Ausarbeitung von Bildungsangeboten im journalistischen Bereich geben zu können. Dies aus ihrer Überzeugung heraus, dass die Aus- und Weiterbildung von Medienschaffenden in Zeiten des Umbruchs einen entscheidenden Erfolgsfaktor darstellt: Vielleicht nicht unbedingt für die Zeitung von heute. Aber auf jeden Fall für das Medium von morgen.

Die Masterarbeit (hier zum Downlad als pdf ) von Alexandra Stark ist im Oktober 2010 im Studiengang New Media Journalism an der Universität Leipzig/in Zusammenarbeit unter anderem mit dem maz entstanden. Die Autorin (alexandra.stark(at)maz.ch) freut sich auf Feedback!

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