Journalismus in Europa: Wo sind die Frauen?

15. Mai 2018 • Forschung aus 1. Hand, Qualität & Ethik • von

Wie eine neue Analyse des European Journalism Observatory zeigt, wird die Print- und Online-Berichterstattung in Europa überwiegend von Männern dominiert.

In allen Ländern stammten sowohl bei den Print- als auch bei den digitalen Medien die meisten Beiträge in den Bereichen Politik und Wirtschaft von Männern. Laut Autorenzeilen verfassten Männer 41 Prozent und Frauen 23 Prozent der Beiträge. Auf fast der Hälfte der Fotos (43 Prozent) waren nur Männer zu sehen, lediglich auf 15 Prozent der Fotos waren nur Frauen abgebildet.

Bei den Printmedien ist das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern generell noch größer als bei den digitalen Medien.

Die Länder mit dem größten Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern waren Italien und Deutschland. In Italien wurden 63 Prozent der Beiträge von Männern und 21 Prozent von Frauen verfasst, in Deutschland 58 Prozent von Männern und 16 Prozent von Frauen. Der Rest der Beiträge hatte entweder keine Autorenzeile oder stammte von Agenturen.

Nur in Portugal wurden mehr Beiträge von Frauen als von Männern verfasst (31 Prozent vs. 20 Prozent). Aber auch hier waren auf Fotos viel mehr Männer (49 Prozent) als Frauen (12 Prozent) zu sehen.

Das Team des European Journalism Observatory (EJO) hat für seine Analyse je zwei Print- und Digitalmedien eines Landes unter die Lupe genommen. Während eines vierwöchigen Zeitraums im Januar und Februar 2018 wurden in allen Ländern Artikel und Fotos untersucht, die an jeweils denselben zwei Tagen einer Woche veröffentlicht wurden. Mit in die Untersuchung einbezogen wurden Medien aus Deutschland, Großbritannien, Italien, Lettland, Polen, Portugal, Rumänien, Schweiz, Spanien, Tschechien und der Ukraine.

Aus Gründen der Homogenität wurden nur die Beiträge auf den ersten 15 Seiten der Zeitungen untersucht, da hier die wichtigsten Artikel und Kommentare aus Politik und Wirtschaft veröffentlicht werden. Bei den Digitalmedien wurden die ersten 20 Storys auf der Homepage, die sich mit Politik oder Wirtschaft beschäftigten, analysiert. Beiträge über Gesundheit, Kunst, Lifestyle, Mode und Sport wurden nicht analysiert. Es wurden sowohl die Autorenzeilen der Beiträge als auch die zugehörigen Fotos betrachtet.

Journalistinnen, die über die Ergebnisse der Analyse informiert wurden, zeigten sich bestürzt; einige machten die in Redaktionen herrschende Kultur dafür verantwortlich, die oft chauvinistisch, schnelllebig und fordernd sei, vor allem in Bezug auf lange und nicht familienfreundliche Arbeitszeiten.

Frauenfeindliche Arbeitskultur?

Suzanne Franks, Leiterin des Instituts für Journalismus an der City University of London und Autorin zahlreicher Studien über Frauen im Journalismus, sagt, die EJO-Analyse hebe seit langem bestehende Ungleichheiten im Journalismus hervor: „Es ist nicht gut, dass in den Medien diese gravierenden Unterschiede zwischen Frauen und Männern noch immer fortbestehen. Umso wichtiger ist es, noch einmal darauf hinzuweisen; hoffentlich werden bald gemeinsame Anstrengungen unternommen, das zu ändern.“

Die deutsche Journalistin Susanne Klingner, die sich seit mehr als zehn Jahren mit Fragen der Gleichberechtigung auseinandersetzt und mit Plan W der Süddeutschen Zeitung ein Wirtschaftsmagazin für Frauen entwickelt hat, sagt, sie sei nicht überrascht, dass Deutschland in der Analyse so schlecht abgeschnitten habe. „In jeder OECD-Studie ist Deutschland weit hinten, was die Gleichberechtigung betrifft“, sagt sie. „Ich würde gerne sagen, dass dieses schlechte Ergebnis dadurch zustande kommt, dass keine Zeitungen wie die SZ oder die Zeit untersucht wurden, die für eine weniger konservative Einstellung bekannt sind, aber ich fürchte, das hätte nicht viel geändert.“ Trotz Versuchen von einzelnen Zeitungen die Frauenquote zu verbessern, würden noch etwa 95 Prozent der Zeitungen in Deutschland von Männern geleitet.

„Ich habe es so oft gesehen: Junge Journalistinnen und Journalisten, die in einer Redaktion anfangen, werden nicht nach ihrer Leistung, sondern gefühlsgeleitet beurteilt und die alteingesessenen weißen (was weitere mangelnde Vielfalt zeigt) männlichen Journalisten bevorzugen die jungen weißen männlichen Journalisten. Sie sehen sich in ihre Anfangszeit zurückversetzt und fördern sie. Viele junge Journalistinnen bleiben unentdeckt, egal wie talentiert sie sind. Sie haben im Unternehmen einfach nicht so viele Fürsprecher. Sobald genügend Frauen in führenden Positionen sind, wird sich das ändern.“

***

Die Ergebnisse der Länder im Überblick

 

Die Untersuchungsländer: Deutschland, Großbritannien, Italien, Lettland, Polen, Portugal, Rumänien, Schweiz, Spanien, Tschechien und die Ukraine

Deutschland

Nachrichten sind in Deutschland Männersache: Laut Autorenzeile stammten 58% der Beiträge von Männern, 16% von Frauen. Dasselbe gilt für die Fotos: 43% zeigten nur Männer, 22% nur Frauen

FAZ

Beiträge laut Autorenzeile: 81% von Männern, 13% von Frauen. Männer dominierten die Berichterstattung zu Politik und Wirtschaft, Frauen tauchten eher im Kulturressort auf.
Fotos: 38% zeigten nur Männer, 14% nur Frauen

BILD

Beiträge laut Autorenzeile: 39% von Männern, 14% von Frauen

Fotos stellten Frauen oft in sexualisierten Kontexten dar, zum Beispiel im Bikini, oder sie zeigten die Partnerinnen berühmter Männer

Bento

Die Nachrichtenwebsite richtet sich an ein jüngeres Publikum und berichtet regelmäßig über Themen wie Frauenrechte, Rassismus und Gender.

Beiträge laut Autorenzeile: 58% von Männern, 38% von Frauen

Fotos: 36% zeigten nur Männer, 27% nur Frauen

t-online

In Deutschlands reichweitenstärkstem Online-Medium sind nur 5% der Beiträge von Frauen geschrieben worden, 27 % dagegen von Männern.

Fotos: 46% zeigten nur Männer, 23% nur Frauen

Großbritannien

Für das Vereinigte Königreich wurden zwei Zeitungen (The Daily Telegraph, The Sun) und zwei Nachrichtenwebsites (Buzzfeed, International Business Times) untersucht.

The Sun (Boulevardzeitung)

Beiträge laut Autorenzeile:40% von Männern, 12% von Frauen

Fotos: 35% zeigten nur Frauen. Diese wurden jedoch häufig nur spärlich bekleidet abgebildet. The Sun ist für offenherzige Fotos von Frauen auf Seite 3 bekannt.

The Daily Telegraph (Qualitätszeitung)

Beiträge laut Autorenzeile: 28% von Männern, 33,5% von Frauen.

Außerdem kritisierten während des Untersuchungszeitraumes Reporterinnen des Telegraph die geschlechtsbezogenen Gehaltsunterschiede bei der BBC, die im Februar bekannt wurden. Nur wenig später, Ende März, kam allerdings heraus, dass Frauen bei keinem anderen Medium so viel weniger verdienen als Männer wie beim Telegraph. Journalistinnen der Telegraph Media Group (TMG) verdienen 35% weniger als ihre männlichen Kollegen.

Geschäftsführer Nick Hugh kündigte an, diesen “inakzeptablen” Zustand bis 2025 ändern zu wollen. Für alle freien Stellen solle es in Zukunft eine Shortlist mit jeweils genauso vielen Frauen wie Männern geben und es solle darauf geachtet werden, dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen.

Journalistinnen machen im Vereinigten Königreich 45% der Branche aus. Die Reuters Institute/Worlds of Journalism study (2016) legte jedoch offen, dass sie grundsätzlich schlechter bezahlt werden als Journalisten und dass sie in höheren Positionen unterrepräsentiert sind.

Italien

Die Analyse aus Italien zeigt einen großen Überschuss von Männern als Autoren und Fotomotive. Alle vier untersuchten Nachrichtenmedien (sowohl Print als auch Online) veröffentlichten an allen Tagen mehr Texte von männlichen Autoren und mehr Fotografien von Männern. Von insgesamt 594 Beiträgen mit Autorenzeile stammten 373 (63%) von Männern und 123 (21%) von Frauen. Die übrigen stammten von Nachrichtenagenturen oder „anderen“ Quellen. 42% aller Fotos zeigten nur Männer, 12% nur Frauen.

La Repubblica (Tageszeitung; mitte-Rechts)

Beiträge laut Autorenzeile: 68% von Männern, 28% von Frauen Fotos: 33 zeigten nur Männer, 4% nur Frauen

Corriere della Sera (Tageszeitung; liberal-konservativ)

Beiträge laut Autorenzeile: 74% von Männern, 23% von Frauen

Fotos: 43% zeigten nur Männer, 16% nur Frauen

Linkiesta.it

Beiträge laut Autorenzeile: 67% von Männern, 15% von Frauen

Fotos: 46% zeigten nur Männer, 13 % nur Frauen

Huffpost.it

Beiträge laut Autorenzeile: 35% von Männern, 16% von Frauen. Die restlichen Autorenzeilen wiesen weder auf männliche noch auf weibliche Autoren hin oder stammten von Agenturen.

Fotos: 36% zeigen nur Männer, 27% nur Frauen

Lettland

Traditionell ist der Journalismus in Lettland eine Domäne der Frauen. Trotzdem stammten nur 13% aller Beiträge in den untersuchten Medien von Frauen und 32% von Männern. Bei 54% der Artikel war nicht ersichtlich, wer sie geschrieben hatte, da entweder kein Name angegeben wurde oder die Texte von internationalen bzw. nationalen Agenturen stammten. Nur auf 10% der Fotos waren ausschließlich Frauen zu sehen, nur Männer waren auf 44% der Fotos zu sehen.

Segodna (russischsprachige Boulevardzeitung)

Beiträge laut Autorenzeile: 85% von Männern, 14% von Frauen

Latvijas Avize (Qualitätszeitung)

Beiträge laut Autorenzeile: 34% von Männern, 18% von Frauen

Delfi

Das beliebteste Online-Medium des Landes überraschte mit einem umgekehrten Geschlechterverhältnis.

Beiträge laut Autorenzeile: 6% von Männern, 19% von Frauen. Die Mehrzahl (33%) der Beiträge stammten allerdings von Agenturen.

In allen vier Medien bildeten höchstens 11% aller Fotos nur Frauen ab.

Polen

Die Mehrheit (37%) der Beiträge in den polnischen Nachrichtenmedien wurde von Männern produziert, nur 24% von Frauen. 35% der Artikel wurden anonym ohne Angabe eines Autorennamens veröffentlicht.

Gazeta Wyborcza (links-liberale überregionale Tageszeitung)

Beiträge laut Autorenzeile: 55% von Männern, 14% von Frauen. Nur an einem der untersuchten Tage wurden mehr Texte von Frauen (10) als von Männern (8) veröffentlicht.

Fakt (reichweitenstärkste Boulevardzeitung)

Beiträge laut Autorenzeile: 10% von Männern, 9% von Frauen. 80% stammten von Agenturen.

Wp.pl

Autorenzeilen: 58% von Männern, 40% von Frauen.

Onet.pl

Beiträge laut Autorenzeile: 27% von Männern, 16% von Frauen. Mehr als die Hälfte (56%) stammten von Agenturen.

An allen Tagen der Analyse wurden in den untersuchten polnischen Medien mehr Fotos veröffentlicht, die nur Männer zeigten (39%), als solche, die nur Frauen abbildeten (14%). Teilweise wurden sogar solche Artikel, in denen die Protagonistinnen Frauen waren, mit Fotos von Männern bebildert.

Portugal

In Portugal stellte sich das Geschlechterverhältnis anders dar als in den meisten anderen Ländern. 30% der Beiträge in den untersuchten Medien (Print: Correio da Manhã und Público; Online: Notícias ao Minuto und Observador) wurden von Frauen geschrieben, nur 20% von Männern.

In den Zeitungen waren Frauen sogar noch stärker vertreten: Sie verfassten darin 37% der Beiträge, Männer nur 18%.

Warum gerade in Portugal Journalistinnen so stark vertreten waren, ist unklar, zumal laut einer aktuellen Studie mit 52% knapp mehr Männer als Frauen (48%) im Journalismus arbeiten. Es könnte darauf hinweisen, dass Männer in den Medien in höheren Positionen arbeiten und daher weniger Artikel schreiben als Frauen. Diese Theorie wurde im vergangenen Jahr bei einem Panel des jährlichen Journalistenkongresses in Lissabon aufgestellt.

Die Studie legte auch offen, dass Männer im Journalismus durchschnittlich mehr verdienen. 37% der Journalistinnen gaben an, mit ihrem Gehalt unzufrieden zu sein, aber nur 30% der Männer. Dieses Ungleichgewicht bleibt bestehen, obwohl in Portugal mehr Frauen einen Universitätsabschluss haben (54%) als Männer (34%).

Ein Großteil der Beiträge in den analysierten Medien wurde von Agenturen übernommen, vor allem beim Online-Portal Notícias ao Minuto, das über die Hälfte seiner Inhalte von Agenturen bezog (hauptsächlich von der portugiesischen Nachrichtenagentur LUSA). Das Geschlechterverhältnis bei den Beiträgen war relativ ausgeglichen (22% von Männern, 24% von Frauen).

Rumänien

Hotnews.ro (eins der erfolgreichsten rumänischen Online-Nachrichtenportale) veröffentlichte entgegen dem europäischen Trend mehr Beiträge von Frauen (57%) als von Männern (43 %).

Adevarul (Qualitätszeitung) veröffentlichte knapp mehr Beiträge (44%) von Männern als von Frauen (38%). Alle Artikel im Ressort Auslandsberichterstattung stammten von Frauen, die Artikel auf den ersten Seiten jedoch eher von Männern. Dies war auch bei der zweiten untersuchten Tageszeitung, Libertatea, der Fall. Sowohl bei Hotnews als auch bei Adevarul waren die Texte von Journalistinnen kürzer als die ihrer männlichen Kollegen.

Obwohl die anderen Medien eine traditionellere Rollenverteilung aufwiesen (besonders die Website stiripesurse.ro, bei der 83%  der Autorenzeilen Männer nannten und nur 17% Frauen), war das allgemeine Verhältnis in Rumänien 54% Männer zu 36% Frauen.

Bei den Fotos dominierten in allen Medien die Männer. Insgesamt stellten 45% nur Männer dar, 16% nur Frauen.

Schweiz

Für die bilinguale Schweiz wurden im Rahmen der Analyse jeweils ein Print- und ein Onlinemedium auf Deutsch und Französisch untersucht: Die Qualitätszeitung Neue Zürcher Zeitung und die rein digitale Nachrichtenplattform Watson (deutschsprachig) sowie die Tageszeitung Le Temps und die Nachrichtenwebsite des öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieters RTS Info (französischsprachig).

In der Schweiz schrieben Männer 38% aller Artikel, 27% stammten von Agenturen und nur 16% nannten eine Frau als Autorin. Das Ungleichgewicht spiegelte sich in der Bebilderung wieder: nur 11% aller Fotos zeigten ausschließlich Frauen, 42% ausschließlich Männer. 47 zeigten sowohl Männer als auch Frauen oder weder noch.

Deutschsprachige Medien

Beiträge laut Autorenzeile: 39% von Männern, 14% von Frauen

Französischsprachige Medien

Beiträge laut Autorenzeile: 39% von Männern, 14% von Frauen

Nachrichtenwebsites

Beiträge laut Autorenzeile: 19% von Männern, 11% von Frauen.

Fotos: 13% zeigten nur Frauen, 55% nur Männer, 23% beide oder weder noch.

Zeitungen

Autorenzeilen: 46% von Männern, 18% von Frauen.

Fotos: 10% zeigten nur Frauen, 37% nur Männer, 53% beide oder weder noch.

Spanien

Männer dominieren auch die spanische Medienlandschaft, obwohl Frauen über die Hälfte der Journalistinnen ausmachen. Insgesamt stammten 39% der analysierten Artikel in den Zeitungen El Mundo und El País und den Online-Medien HuffingtonPost.es und elespanol.com von Männern, 21% von Frauen. An einigen Tagen stammten sogar 80% der Beitrag bei mindestens einem Medium von Männern.

Auch bei den Fotos waren die Frauen unterrepräsentiert. 45% bildeten nur Männer ab, 21% nur Frauen. Bei Fotos in den Zeitungen El Mundo und El País fiel auch ein deutlicher Größenunterschied auf: Bilder, die Politikerinnen (z.B. die spanische Vizepräsidentin Saenz de Santamaría oder Angela Merkel) zeigten, waren tendenziell kleiner als solche, die Politiker zeigten.

El País

Beiträge laut Autorenzeile: 65% von Männern, 28% von Frauen

HuffPost

Beiträge laut Autorenzeile: 13% von Männern, 8% von Frauen. HuffPost veröffentlichte auch die größte Anzahl von Artikeln, die gemischte Teams geschrieben hatten.

Tschechien

Alle tschechischen Nachrichtenmedien werden von Männern dominiert – außer einem.

Dabei beginnen viel mehr junge Frauen als Männer ein Studium der Journalistik: An der Prager Karlsuniversität waren sie in den vergangenen fünf Jahren konstant in der Überzahl. Im laufenden akademischen Jahr haben sich 217 weibliche und 168 männliche Studierende eingeschrieben.

41% aller Beiträge in den untersuchten Medien stammten von Männern, nur 19 % von Frauen. Beiträge zu Wirtschaftsthemen wurden sogar zu 80% und Kommentare zu 90% von männlichen Journalisten verfasst.

Seznamzpravy.cz (führende Nachrichtenwebsite, gegründet 2016)

Beiträge laut Autorenzeile: 53% von Frauen,  40% von Männern

Beiträge laut Autorenzeile an einem beispielhaften Untersuchungstag: 12 von Frauen, 5 von Männern

Aktuane (Nachrichtenwebsite)

Beiträge laut Autorenzeile an einem beispielhaften Untersuchungstag: 2 von Frauen, 12 von Männern

MF DNES (politisch mittig anzuordnende überregionale Tageszeitung)

Beiträge laut Autorenzeile an einem beispielhaften Untersuchungstag: 5 von Frauen, 12 von Männern

Pravo (eher linke Tageszeitung)

Beiträge laut Autorenzeile an einem beispielhaften Untersuchungstag:  3 von Frauen, 26 von Männern

Auf den Fotos waren in allen vier Medien die Männer dreimal so stark vertreten wie die Frauen. Frauen wurden häufig in Alltagssituationen abgebildet, während Männer in Rollen als Politiker oder Experten dargestellt wurden (die Bilder zeigten 148 männliche und nur 26 weibliche PolitikerInnen; 21 Experten und nur sechs Expertinnen). An einem der Tage tauchten 10 Männer und keine einzige Frau auf, an einem anderen wurden nur freizügige Bilder von Frauen beim Karneval in Rio gezeigt. Dass männliche Politiker häufiger abgebildet wurden, mag daran liegen, dass sie in der Politik tatsächlich überrepräsentiert sind (nur 22% der Mitglieder des tschechischen Parlaments sind Frauen).

Ukraine

In den untersuchten ukrainischen Zeitungen herrschte das meiste Gleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Autoren. In der Boulevardzeitung Segodnya stammten sogar mehr Beiträge von Frauen als Männern (51% gegenüber 40%), in der Qualitätszeitung Den hielten beide Geschlechter sich die Waage (jeweils 37%).

Bei den beiden reichweitenstärksten Nachrichtenwebsites zeigte sich eine traditionellere Rollenverteilung: Censor veröffentlichte 24% Beiträge von Männern im Vergleich zu 13% von Frauen, die Boulevardseite Obozrevatel 29% von Männern und 10% von Frauen. In allen Medien waren Männer insgesamt also mit 33% stärker vertreten als Frauen (28%).

Da in ukrainischen Medien viele Texte aus anderen Quellen übernommen werden, gibt es häufig gar keine Autorenzeilen. Eigene Beiträge werden oft eher mit dem Logo des Mediums versehen als mit einem Autorennamen. Diese Gegebenheiten könnten die tatsächlichen Geschlechterverhältnisse verfälschen.

Auf den Fotos waren deutlich öfter nur Männer abgebildet (49%) als nur Frauen (10%). 15% der Fotos in der Zeitung Den bildeten ausschließlich Frauen ab, in der Zeitung Segodnya waren es 17%. Censor (7%) und Obozrevatel (6%) schnitten schlechter ab. Ein Grund dafür ist, dass die Onlinemedien hauptsächlich Beiträge publizierten, in denen es um männliche Akteure ging (Politiker, Geschäftsmänner, Soldaten etc.) Tatsächlich sind Frauen in der Ukraine in vielen Bereichen, nicht zuletzt in der Politik, unterrepräsentiert – nur 12 % der Parlamentsmitglieder sind Frauen, und dies ist der größte Frauenanteil seit 1991.


An der Analyse beteiligt waren Ana Pinto Martinho (Portugal), Paulina Pacula (Polen), Rachel Stern (Deutschland), Felix Simon (Großbritannien), Caroline Lees (Großbritannien), Georgia Ertz (Schweiz), Philip di Salvo (Italien), Līga Ozoliņa (Lettland), Sandra Štefaniková (Tschechien), Antonia Matei (Rumänien), Dimitrina Jivkova Semova (Spanien), Halyna Budivska (Ukraine) und David Gerber (Schweiz) beteiligt.


Originalversion auf Englisch: Where Are The Women Journalists In Europe’s Media?

Übersetzt aus dem Englischen von Johanna Mack und Tina Bettels-Schwabbauer

Bildquelle: World Bank Photo Collection / Flickr CC: World Bank Group President Jim Yong Kim at 2014 Spring Meetings Opening Press Conference; Lizenzbedingungen: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

 

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