„Mutiges Projekt, das europäische Öffentlichkeit schafft“

15. Juni 2019 • In eigener Sache, Qualität & Ethik • by

Das European Journalism Observatory ist mit dem Günter-Wallraff-Preis 2019 ausgezeichnet worden.

Prof. Dr. Susanne Fengler (3.v.l.) nahm den Günter-Wallraff-Preis stellvertretend für das EJO-Team entgegen. Ensaf Haidar (4.v.r.), Ehefrau des inhaftierten saudischen Bloggers Raif Badawi, nahm den Preis für ihren Mann in Empfang. Birgit Wentzien, Chefredakteurin Deutschlandfunk (1.v.r.), Günter Wallraff (3.v.r.) und Hektor Haarkötter, Vorsitzender der Initiative Nachrichtenaufklärung (5.v.r.), gratulierten. // Foto: David Ertl, DLF

Das European Journalism Observatory (EJO) hat vergangenen Freitag den Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik 2019 von der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) verliehen bekommen. Die Preisverleihung fand im Rahmen des 5. Kölner Forums für Journalismuskritik statt, das die INA in Kooperation mit dem Deutschlandfunk in dessen Kölner Funkhaus veranstaltete. Namensgeber und Mit-Initiator des Preises ist der Journalist Günter Wallraff, der durch seine investigativen Recherchen über diverse Großunternehmen und die Bild-Zeitung bekannt geworden ist.

In der Begründung der INA-Jury heißt es: „Das EJO dient als Schnittstelle zwischen Medien-, Kommunikations- und Journalismusforschung und der Medienpraxis. Gerade jetzt, da Europas Einheit schwächelt, ist die Arbeit des EJO für einen unabhängigen, qualitativ hochwertigen Journalismus von großer Bedeutung. Als Leuchtturm einer konstruktiven Journalismuskritik ist das EJO ein herausragendes Beispiel für eine europäische und transatlantische Nachrichtenaufklärung.“

Die Laudatio hielt die Chefredakteurin des Deutschlandfunks, Birgit Wentzien. Sie würdigte das EJO als „mutiges Projekt, das europäische Öffentlichkeit in Sachen Medien schafft“. Darüber hinaus sporne es Redaktionen in Europa zu einem selbstkritischen und transparenten Umgang mit eigenen Fehlern an.

Das EJO wurde 2004 von Stephan Russ-Mohl, bis 2018 Professor für Journalismus und Medienmanagement an der Università della Svizzera italiana (USI) in Lugano, als gemeinnütziges Zentrum der USI gegründet. Mittlerweile ist das EJO ein dezentral organisiertes Netzwerk von mittlerweile 13 Medien- und Journalismusforschungs-Instituten in Europa. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, zwischen Journalismusforschung und Medienpraxis Brücken zu bauen und unabhängige europäische Medienkritik zu leisten. Gerade in den EJO-Partnerländern wie Polen und Ungarn, in denen zunehmend Druck auf die Medien ausgeübt wird, ist dies von großer Bedeutung.

Der Preis ist auch eine große Auszeichnung für unsere europäischen Partner, die sich – gerade in Süd-, Mittel- und Osteuropa – unter oft sehr schwierigen Rahmenbedingungen für Qualität im Journalismus und unabhängige und transparente Medien einsetzen.  In den süd- und osteuropäischen Ländern ist das EJO meist mehr oder minder die einzige Plattform, die Medienpraktiker mit Brancheninformation versorgt und zum Nachdenken über Journalismus einlädt, weil es an entsprechenden Fachzeitschriften oder Online-Plattformen bisher fehlt und die Medienpraktiker somit von Informationen abgeschnitten sind, die sie brauchen, um ihre Arbeit zu reflektieren und sich professionell weiterzuentwickeln.

Das Preisgeld wird das EJO-Team für neue gemeinsame Forschungsprojekte einsetzen. In vorigen Projekten haben wir unter anderem die Berichterstattung über die „Flüchtlingskrise“, die Amtseinführung von Donald Trump, den Ukraine-Konflikt und den Brexit – alles Themen, über die in Europa kontrovers berichtet wurde – analysiert.

Zusammen mit dem EJO wurde der Blogger und Menschenrechtler Raif Badawi geehrt, der in Saudi-Arabien zu zehn Jahren Haft, 1000 Peitschenhieben und einer hohen Geldstrafe verurteilt worden ist. Den Preis nahm stellvertretend für ihn seine Frau Ensaf Haider entgegen. Haider setzt sich in internationalen Kampagnen für die Freilassung ihres Mannes ein. Wie wichtig es ist, dass die internationale Öffentlichkeit den Druck auf die saudische Regierung aufrecht erhält, betonte Günter Wallraff in seiner leidenschaftlichen zweiten Laudatio. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 10.000 Euro wurde von der Mediengruppe RTL, der Rewe Group, dem 1. FC Köln und Günter Wallraff selbst zur Verfügung gestellt und zwischen beiden Preisträgern aufgeteilt.

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