Die Corona-Krise trifft Europas Medien hart

16. Dezember 2020 • Internationales, Redaktion & Ökonomie, Top • von

Einbrechende Werbeeinnahmen, Kurzarbeit, Entlassungen, keine Aufträge mehr für freie Medienschaffende – die Pandemie hat in ganz Europa die Medienbranche erheblich unter Stress gesetzt. Wir haben mit Medienexpert*innen, Journalist*innen und Gewerkschaftsvertreter*innen gesprochen und geben einen Einblick, welche wirtschaftlichen Auswirkungen die Corona-Krise auf Medien in Deutschland, Georgien, Großbritannien, Italien, Lettland, Polen, Portugal, Spanien und der Ukraine hat, auf welche finanziellen Hilfen die Medienbranche zählen kann – oder nicht – und was sich in Medienunternehmen durch Corona ändern könnte.

 

Deutschland

Gewaltige Einbrüche von Werbeeinnahmen, Kurzarbeit und erheblich weniger Aufträge für freie Journalist*innen – die durch die Corona-Pandemie bedingte Wirtschaftskrise trifft auch die deutsche Medienbranche hart.

Angaben des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) zufolge verzeichneten im April 2020 fast alle Verlage bei den Anzeigenerlösen Einbrüche von über 20 Prozent, jeder zweite sogar von über 40 Prozent. Kurzarbeit machte auch vor Redaktionen nicht halt, betroffen waren auch überregionale Titel wie Die Zeit und die Süddeutsche Zeitung, die beide im Frühjahr ihren Umfang reduzierten: Aufgrund der Corona-Krise gibt es weniger Ereignisse, über die Ressorts wie Sport und Kultur berichten können.

Zudem liegt das Segment Veranstaltungen zurzeit fast brach, was Tina Groll, Vorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion (dju) und Redakteurin bei Zeit Online als „fatal“ bezeichnet, da sich insbesondere viele Verlage in den vergangenen Jahren mit der Organisation und Moderation von Veranstaltungen ein zweites oder drittes Standbein aufgebaut hätten.

Es räche sich nun, so Groll, dass viele Medienunternehmen „zu wenig innovativ waren, um tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln“. Auf der einen Seite sei das Bedürfnis der Menschen nach Qualitätsjournalismus „enorm gestiegen“, auf der anderen Seite sei seit Monaten in vielen Redaktionen Kurzarbeit zu beobachten. Das sei „absurd“, sagt Groll.

„Die Konsequenz kann nur sein, sich mehr von der Anzeigenfinanzierung zu lösen“, sagt auch Christopher Buschow, Juniorprofessor für Organisation und vernetzte Medien im Fachbereich Medienmanagement der Bauhaus-Universität Weimar. Vor allem Lokalzeitungen müssten sich künftig mehr als „Begleiter und Unterstützer der Menschen im lokalen Raum“ verstehen. Dementsprechend müsse es gelingen, „mehr Nutzerinnen und Nutzer mit passgenauen Angeboten anzusprechen und sie dann auch zu zahlenden Nutzerinnen und Nutzern zu machen“, so Buschow.

Er teile zwar die These, dass es den Lokalmedien während der Corona-Krise gelungen sei, „zu einem wichtigen Ankerpunkt und Dienstleister zu werden“, glaube aber, dass dieses Verständnis in den Medienhäusern „noch tiefer verankert“ werden müsste und sie sich den konkreten Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden bewusst werden müssten.

Besonders von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie betroffen sind freie Journalist*innen, da ihre Aufträge einfach wegfallen. „Ökonomisch gesehen ist es verheerend, dass viele freie Journalist*innen nicht von den Soforthilfen profitieren. Hier wird zwar aktuell nachgebessert – aber das kommt viel zu spät“, sagt die dju-Vorsitzende Groll.

Es gibt zwar für Solo-Selbständige staatliche Zuschüsse, bislang werden diese aber nur für die laufenden Betriebsausgaben gezahlt und nicht für Einkommensausfälle. Lediglich in Baden-Württemberg können Solo-Selbständige Geld bekommen, das auch der privaten Lebensführung dient, in Bayern wird dies gerade diskutiert.

Sowohl Groll als auch Buschow sehen die Corona-Krise aber auch als Chance für Medienhäuser. „Einige Verlage digitalisieren sich ja gerade im Nu“, sagt Tina Groll. Das digitale Arbeiten in den Redaktionen sei verbreiteter geworden, Redaktionen hätten Podcasts und Liveblogs erfolgreich ausprobiert und in einigen Verlagen finde inzwischen auch eine andere – „selbstbewusstere“ – Positionierung von Online statt.

Eine Frage ist Buschow zufolge von zentraler Bedeutung: Wie kann es gelingen, die bestehenden Akteure, die immer noch eine Rolle spielen, zu stützen, aber gleichzeitig auch Innovationen anzustoßen? Damit in der deutschen Medienbranche neue Ideen, Konzepte und Formate geschaffen werden könnten, bräuchte es auf alle Fälle Anschubfinanzierungen und entsprechende Rahmenbedingungen.

Auch die öffentliche Hand könnte dabei eine Rolle spielen, sagt Buschow. Die 220 Millionen Euro, mit denen der Bund in den kommenden Jahren Presseverlage fördern will – ganz unabhängig von der Corona-Krise – sieht der Medienwissenschaftler allerdings kritisch. Die Höhe der Subventionen soll, so wurde Ende Oktober bekannt, an die Höhe der Auflage gekoppelt werden, was für Buschow „eine vertane Chance“ sei, da man damit die belohne, die sowieso schon gut im Geschäft sind.

Georgien

Mit Ausbruch der Corona-Pandemie ist Georgien in eine tiefe Wirtschaftskrise gestürzt. Georgische Unternehmen haben ihre Werbung zurückgefahren, was auch Auswirkungen auf die Medien hat.

Vor Ausbruch der Pandemie konnten zum Beispiel die TV-Werbeeinnahmen einen wachsenden Trend verzeichnen, gingen dann aber im März um 4 Prozent zurück, wie es in einem Bericht der unabhängigen georgischen Regulierungsbehörde (Georgian National Communications Commission – GNCC) heißt. Dennoch stiegen die Werbeeinnahmen im ersten Quartal insgesamt um 7 Prozent.

Im zweiten Quartal 2020 aber sanken die TV-Werbeeinnahmen um knapp 40 Prozent. Im dritten Quartal 2020 stiegen die Einnahmen aus der Fernsehwerbung um 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – die Einnahmen aus politischer Werbung, die im Rahmen der Parlamentswahlen am 31. Oktober geschaltet wurden, konnten die Verluste, die der Corona-Krise geschuldet waren, in einem gewissen Umfang ausgleichen, sagt Mamuka Andguladze, Leiter des Medienprogramms bei Transparency International Georgia.

Auch in anderen Medienbereichen, z.B. bei der Presse, wird künftig mit enormen Einbußen gerechnet. In diesem Jahr seien diese noch nicht deutlich spürbar gewesen, da mit den meisten Werbekunden Jahresverträge bestünden, die größtenteils auch eingehalten worden seien, erklärt Wirtschaftsjournalistin Maia Demetrashvili.

Für die unabhängigen Medien sind vom georgischen Staat keine Finanzhilfen zu erwarten. Die Schaltung der Wahlwerbung habe selbstverständlich nur politischen Zwecken gedient, sagt Theimuraz Tchumburidze, Leiter einer Medienagentur. Zwar hat die Regierung rund eine Milliarde Euro mobilisiert, um die Wirtschaft zu retten, unabhängige Medien unterstütze sie aber weder finanziell noch in Form von Steuererleichterungen, sagt Tchumburidze.

Unabhängigen Medien lässt die georgische Regierung nur geringen Spielraum. Im Frühjahr sollte ein Gesetz „Fake News“ unterbinden und Nachrichten über die Corona-Pandemie auf staatliche Quellen beschränken. Der Gesetzentwurf wurde aber als Eingriff in die Pressefreiheit beanstandet und abgeschwächt.

Auch Mariam Gogosashvili, Vorsitzende der Georgian Charter of Journalistic Ethics, die sich für die Umsetzung und den Schutz journalistischer Normen und professioneller Standards in den Medien einsetzt, bemängelt, dass es keine staatlichen finanziellen Hilfen für Medien gibt. So müssten die Redaktionen auch selbst für die im Rahmen der Hygienemaßnahmen vorgeschriebene Schutzausrüstung aufkommen.

Theimuraz Tchumburidze wünscht sich zudem mehr Unterstützung für Medien von Seiten der Europäischen Union. „Die EU wird aufgrund ihrer Bürokratie und mangelnder Transparenz hier nicht als Förderin der Medien wahrgenommen.“

Unterstützung für Journalistinnen und Journalisten böten die US-Botschaft, amerikanische Stiftungen und andere NGOs, erzählen Theimuraz Tchumburidze, Mariam Gogosashvili und Maia Demetrashvili. Einige von ihnen hätten zum Beispiel Richtlinien und Leitfäden für den Umgang mit und die Berichterstattung über Covid-19 für die georgischen Medien entwickelt und Kampagnen zur Sensibilisierung der Journalist*innen sowie der Öffentlichkeit geführt. Auch bereits bestehende hilfreiche Angebote seien während der Pandemie dgital fortgeführt worden, sagt Wirtschaftsjournalistin Demetrashvili, zum Beispiel kostenlose Englischkurse für Journalist*innen.

Großbritannien

Der London Evening Standard war viele Jahre lang sehr attraktiv für Werbetreibende, schließlich bietet die kostenlose Tageszeitung, die vor allem in Londons U-Bahn-Stationen verteilt wird, einen entscheidenden Vorteil:  Eine konstante Leserschaft, die jährlich aus mehr als einer Milliarde Menschen besteht, die die London Underground nutzen. Bereits im Jahr 2019 machte die Zeitung jedoch einen Vorsteuerverlust von 13,6 Millionen Pfund (ca. 14,8 Millionen Euro), berichtete die Financial Times. Und nun, da sich ein unruhiges Corona-Jahr dem Ende neigt, ist die finanzielle Lage des Blattes ein Paradebeispiel für die wirtschaftlichen Turbulenzen, denen die britischen Nachrichtenmedien ausgesetzt sind.

Im August ließ der Vorstand des Evening Standard erklären, dass hauptsächlich die schwierigen Gegebenheiten auf dem Medienmarkt, die durch die Corona-Pandemie noch verstärkt würden, Grund für den deutlichen Auflagenrückgang des Blattes sowie für den vorhergesagten Verlust von 40 Prozent der Arbeitsplätze. Außerdem wurde betont, dass die Entwicklungen innerhalb des Unternehmens auch das sich ändernde Publikumsverhalten widerspiegeln.

Wie jedes andere Medienunternehmen in Großbritannien verfolgt auch der Evening Standard zusehends digitale Strategien. Doch trotz eines Anstiegs der digitalen Leserschaft um 35 Prozent hat der Medienmarkt mit schweren finanziellen Rückschlägen und dem Einbruch der Werbeeinnahmen zu kämpfen.

Im April enthüllte das Medienmagazin Press Gazette, dass die größten Nachrichtenunternehmen im Vereinigten Königreich und in den USA seit Beginn der Pandemie mehr als 15 Milliarden Pfund (ca. 16,35 Milliarden Euro) ihres Börsenkapitals verloren hätten. Im August schrieb das Medienmagazin, dass die Printmedien am schwersten vom Beschäftigungsrückgang betroffen seien, weil die Unternehmen mit sinkenden Leserzahlen und der Dominanz der Tech-Giganten im digitalen Werbemarkt zu kämpfen haben.

Vom gnadenlosen Stellenabbau sind zahlreiche Medienunternehmen und Konzerne betroffen, darunter der Guardian, DMG Media (mit Titeln wie der Daily Mail und Metro) und Reach (mit Titeln wie Daily Mirror und Daily Express). Zusammen erwarten sie Verluste von bis zu 800 Arbeitsplätzen. Auch vor der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt BBC machen die Kürzungen nicht halt: Prognostiziert wurden 450 Stellenstreichungen im lokalen und regionalen Bereich und 520 bei BBC News.

Es wurden Forderungen laut, der Staat solle die zuvor angekündigten 35 Millionen Pfund noch weiter aufstocken. Auch wurden die Medienhäuser dazu aufgerufen, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken und sich mehr auf die Nutzenden als zahlende Kunden zu fokussieren.

Paul Lashmar, Leiter des Instituts für Journalismus an der Londoner City University und Investigativjournalist, warnte im Gespräch mit EJO jedoch davor, alle Bereiche der Medienbranche in einen Topf zu werfen: „Wir neigen gerne dazu Dinge zu verallgemeinern, aber es gibt viele verschiedene Medienunternehmen, die sich ganz unterschiedlich verhalten. Viele versuchen, Geschäftsmodelle zu überarbeiten, versuchen seit 20 Jahren ein Modell zu finden, das funktioniert – mit unterschiedlich großem Erfolg.”

„Die Corona-Pandemie trifft uns aus heiterem Himmel“, sagt Lashmar. „Niemand war vorbereitet und das hatte große Auswirkungen auf das Geschäft und die Finanzen. Doch Fakt ist, dass Menschen weiterhin Qualitätsjournalismus brauchen – sogar mehr als zuvor. Ich denke, dass da auch der ‘Trump-Faktor’ eine große Rolle spielt: Der Bedarf nach zuverlässigen, faktenbasierten Informationen ist groß. Und Menschen sind bereit, für sie zu zahlen. Ob das die Print-Branche wirklich retten kann, ist noch nicht klar, aber ich hoffe es.“

Wie komplex und widersprüchlich die aktuelle Lage des britischen Medienmarktes ist, wird in einem jüngst erschienen Beitrag der Press Gazette deutlich. Es gibt auch Medienunternehmen, die während der Pandemie an Wert gewonnen haben. Dazu gehören ITV, dessen Marktwert um 37 Prozent gestiegen ist, Daily Mail und General Trust, die um 3 Prozent zugelegt haben, sowie Reach mit satten 63 Prozent Wachstum.

Bis das tatsächliche Ausmaß der Krise auf die britische Medienbranche zuverlässig messbar sein wird, wird es sicherlich noch eine Weile dauern. Es bleibt auch abzuwarten, wie sich sowohl die Corona-Impfungen als auch der Brexit auswirken werden.

Italien

Die Pandemie hat den italienischen Medienmarkt schwer getroffen, insbesondere was die Werbeeinnahmen betrifft. Daten des Osservatorio Stampa FCP zeigen für das Jahr 2020 einen Gesamtrückgang der Anzeigen um knapp 27 Prozent, Tageszeitungen mussten Verluste von knapp 20 Prozent und Zeitschriften von über 40 Prozent hinnehmen. Weniger stark betroffen sind die Digitalangebote, die nach Angaben des Interactive Advertising Bureau (IAB) Italia einen Einbruch der Einnahmen von zwischen 4 und 8 Prozent verzeichnen.

Die Pandemie wirkte sich auf einen ohnehin schwachen Markt aus, der schon lange von anhaltenden, strukturell bedingten Problemen und starken Auflagenrückgängen betroffen war. Insbesondere die Tageszeitungen hatten in den vergangenen sechs Jahren „außerordentliche Einbußen“. Aufgrund der Pandemie mussten auch viele Zeitungskioske ihren Bankrott erklären. Nach Schätzungen des italienischen Verbandes der Zeitungshändler Sindacato nazionale autonomo giornalai (Snag) wurden allein in der ersten Hälfte des Jahres 2020 1.410 Zeitungskioske geschlossen.

Um den Mediensektor während der Covid-19-Pandemie zu unterstützen, hat die italienische Regierung eine Reihe von Fördermaßnahmen genehmigt, darunter Steuergutschriften für Werbeinvestitionen und den Kauf von Papier. Im November 2020 wurde außerdem ein zweckgebundener Fonds von 50 Millionen Euro zur Unterstützung lokaler Radio- und Fernsehsender eingerichtet. Auch wurde ein Bonus von 500 Euro für Zeitungskioske eingeführt.

Diese schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen haben unweigerlich den Arbeitsschutz und die Beschäftigungsbedingungen von Journalist*innen gefährdet. Laut Raffaele Lorusso, Generalsekretär der Federazione Nazionale Stampa Italiana (FNSI), der größten italienischen Journalistengewerkschaft, nutzten zahlreiche italienische Verlagshäuser das von der Regierung bis Ende 2020 finanzierte Covid-19-Kurzarbeitsprogramm ‘cassa integrazione’. Seit Beginn der Corona-Krise waren 3.000 von insgesamt 15.000 Journalist*innen von Kurzarbeit betroffen, im Dezember 2020 waren es noch 990. Die Regierung hat die Entlassungssperre bis März 2021 verlängert, ausgenommen davon sind Entlassungen aus wichtigem Grund.

Freiberuflern wurden stattdessen die gleichen Boni gewährt, die für alle Selbstständigen geschaffen wurden. „Freiberufliche Journalisten erhielten im März und April einen einmaligen Bonus von 600 Euro“, erklärt Debora Malaponti von ACTAMedia, einem italienischen Verband, der freiberuflich tätige Medienschaffende vertritt. „Von einem einmaligen Bonus in Höhe von 1000 Euro, den andere Selbstständige im Mai erhielten, wurden einige freiberufliche Medienschaffende aber ausgeschlossen“, fügt Malaponti hinzu. Freiberufliche Journalist*innen und Medienschaffende in Italien leiden ohnehin unter prekären Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen, wie eine kürzlich von ACTAMedia und Slow News koordinierte Umfrage ergeben hat: 68 Prozent der italienischen Freiberufler verdienen weniger als 10.000 Euro jährlich.

Während die von der Regierung eingeführten Sofortmaßnahmen positiv aufgenommen wurden, stellen sie eindeutig nur eine begrenzte Antwort auf die strukturellen Herausforderungen des italienischen Medienmarktes dar.  „Diese staatlichen Maßnahmen haben Unternehmen und Arbeitnehmern etwas Luft verschafft“, sagt Lorusso. Seiner Ansicht nach muss jedoch noch mehr getan werden: „Die Krise der Branche begann bereits vor Covid-19, und der Sektor befindet sich jetzt in einem völligen Wandel. Wir brauchen Unterstützung von der öffentlichen Hand, damit die Unternehmen digitale Innovationen verfolgen, die Öffentlichkeit zur Mediennutzung anregen und das Vertriebsnetz modernisieren können. Darüber hinaus sind strukturelle Interventionen erforderlich, um die prekären Verhältnisse zu verbessern und stabile Arbeitsbedingungen zu schaffen. Auf Seiten der Regierung ist ein Kurswechsel erforderlich, um die vielen Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt zu bekämpfen, die schon jetzt die Zukunft der nächsten Generation von Journalisten und die Qualität von Informationen gefährden.“

Dies scheint umso dringlicher zu sein, wenn es um jene Freiberufler geht, deren Probleme durch die Pandemie noch verschärft wurden: „Angesichts der extremen Bedingungen, denen Freiberufler schon lange vor der Pandemie ausgesetzt waren, sind wir der Meinung, dass strukturelle Interventionen – und nicht nur Notfallmaßnahmen – erforderlich sind“, so Malaponti. Er fügt hinzu: „Dazu gehören eine faire Bezahlung der Aufträge und Leistungen, die die Risiken der Selbständigkeit berücksichtigen. Wir von ACTAMedia fordern unsere Kollegen nachdrücklich auf, schlecht bezahlte Jobs abzulehnen und sich vor Auftraggebern zu hüten, die wegen Covid-19 Kürzungen der Bezahlung durchsetzen.“

Lettland

Die lettische Medienbranche musste schon zu Beginn dieses Jahres – noch vor der Corona-Krise – schwere Verluste hinnehmen: Die Mediengruppe All Media Baltics stellte den Betrieb ihres zweitgrößten Fernsehsenders LNT ein. Einige Beschäftigte wechselten innerhalb der Gruppe zu TV3, viele andere aber verloren ihren Arbeitsplatz. Der lettische Journalistenverband bezeichnete dies als das schlimmste Medienereignis des letzten Jahrzehnts. Zudem gab eine der drei Tageszeitungen, die Neatkarīgā Rīta Avīze, bekannt, dass sie nur noch digital erscheint. Mit dem Ausbruch der Corona-Krise zogen viele Werbekunden ihre Aufträge zurück In Folge dessen bauten zahlreiche lettische Medienunternehmen Arbeitsplätze ab, kürzten die Gehälter ihrer Mitarbeiter um 20 bis 30 Prozent und vergaben keine Aufträge mehr an freie Journalist*innen.

Im Rahmen eines Medienunterstützungsprogramms stellte die lettische Regierung knapp 1,2 Millionen Euro bereit. Etwa 522.000 Euro erhielten die Print- und Online-Nachrichtenmedien, etwa 224.000 Euro bekamen Verlage für die Zustellkosten von Zeitungen, knapp 220.000 gingen an den Rundfunk für Übertragungskosten ihrer Programme und mit 220.000 Euro wurden regionale Printmedien und Online-Nachrichtenportale sowie die lettischen Diasporamedien unterstützt. Der Nationale Rat für elektronische Massenmedien verwaltete 700.000 Euro, die für öffentlich-rechtliche und private elektronische Medien bereitgestellt wurden.

Diese Unterstützung war vor allem für die lokalen und regionalen Medien sehr wichtig, deren Einnahmen aus dem Zeitungsverkauf und dem Anzeigenverkauf stark zurückgegangen waren.

Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden des lettischen Werbeverbandes Baiba Liepiņa betrug das Gesamtvolumen des Werbemarktes in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 knapp 31 Millionen Euro. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres beträgt der Rückgang mehr als 10 Millionen Euro, was fast einem Viertel entspricht.

Die Fernseh- und Radio-Werbeeinnahmen werden in diesem Jahr um 20 bis 30 Prozent zurückgehen, prognostiziert Andris Ķēniņš, Leiter des lettischen Rundfunk- und Fernsehverbands, was Verluste von 8 bis 12 Millionen Euro bedeutet. Gegenwärtig kämpfen die Verbände der lettischen Medienschaffenden darum, die Regierung davon zu überzeugen, im kommenden Jahr die Mittel des Unterstützungsfonds nicht zu kürzen.

„Sowohl die Medien als auch die lettische Regierung konnten nur reaktiv auf die Probleme reagieren“, sagt Arta Ģiga, Vorsitzende des lettischen Journalistenverbandes. „Es ist allen klar, dass die wirtschaftliche Existenz der Medien während der Krise ernsthaft bedroht ist. Dennoch gibt es keine ernsthaften und nachhaltigen Entscheidungen, die die drohende Gefahr abwenden könnten.“

Polen

Kaum ein Medienunternehmen in Polen ist von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise verschont geblieben. Aufgrund des Lockdowns im Frühjahr, der einen Stillstand vieler Wirtschaftsbereiche zur Folge hatte, sei ein nur niedriges Niveau von Marketing- und Werbeausgaben zu verzeichnen gewesen, sagt Tadeusz Kowalski, Professor für Medienökonomie an der Universität Warschau.

In Folge dessen mussten die meisten Medien mit einem Mangel an Werbeeinnahmen kämpfen. Sogar die Online-Werbung verzeichnete im ersten Halbjahr 2020 – zum ersten Mal in der Geschichte – einen Rückgang um 4,5 Prozent. Regionale Zeitungsverlage mussten eigenen Angaben zufolge im zweiten Quartal dieses Jahres einen Einnahmeneinbruch von bis zu 80 Prozent hinnehmen. Nach neun Monaten (Januar – September) war der Nachrichtenmarkt um 12 Prozent geschrumpft. Einige Medienunternehmen, darunter der der Regierungspartei PiS nahestehende Verlag Fratria, baten ihre Nutzer*innen, sie durch den Kauf von Online-Abos oder zusätzlich durch Spenden zu unterstützen.

Bei den meisten Zeitungen brachen die Verkaufszahlen ein. Einige lokale Wochenzeitungen verkauften 40 Prozent weniger. Viele Lokalmedien haben daraufhin den Umfang und ihre Aktivitäten eingeschränkt. Lokale Zeitungsverleger sagten in einem Interview in der Fachzeitschrift Press (5-6/2020) voraus, dass Polen zu einer Wüste der lokalen Medien werden könnte. Einige Special-Interest-Zeitschriften (z.B. im Segment Reise oder Hobby) mussten komplett aufgeben. Das Nachrichtenmagazin Wprost stellte seine gedruckte Ausgabe ein und erscheint nur noch online – allerdings schwächelte der Titel schon länger und nach Ansicht von Experten hat die Corona-Krise die Entscheidung, von Print auf Digital umzustellen nur beschleunigt.

Andrzej Krajewski, Journalist und Mitglied der Journalistengewerkschaft Towarzystwo Dziennikarskie, berichtete, dass z.B. bei der Mediengruppe Agora, in der die größte überregionale Tageszeitung Gazeta Wyborcza erscheint, und bei ZPR Media, dem Herausgeber der Boulevardzeitung Super Express, die gesamte Belegschaft für ein halbes Jahr eine Lohnkürzung um 20 Prozent hinnehmen musste. Bei der Gazeta Wyborcza wurde ein Zehntel des Personals entlassen. Bei Internet HaloRadio wurde der Stundenlohn für die Redakteur*innen um 25 Prozent gekürzt.

In den öffentlich-rechtlichen Medien gab es keine Lohnkürzungen oder Kündigungen. Zwar gingen die Werbeeinnahmen des polnischen öffentlich-rechtlichen Radios um 20 Prozent zurück. Sowohl das Radio (PR) als auch das Fernsehen (TVP) erhielten aber im Jahr 2020 Zuschüsse in Höhe von 500 Millionen Euro von der Regierung.

Auch einige ausländische Medienunternehmen, die auf dem polnischen Markt präsent sind, reduzierten die Zahl der Beschäftigten und kürzten Löhne. So entließ beispielsweise Burda Media Polen jeden fünften Mitarbeiter (insgesamt 50), Edipresse entließ im April 31 Beschäftigte und kürzte die Löhne für sechs bis acht Monate um 20 Prozent.

Zwar habe die polnische Regierung kein spezielles Hilfspaket für Medien geschnürt, so Medienökonomie-Professor Tadeusz Kowalski, aber sowohl Medienunternehmen als auch freie Journalisten könnten allgemeine Corona-Hilfen in Anspruch nehmen, wie z.B. Darlehen, die nur teilweise oder gar nicht zurückgezahlt werden müssen oder sie können eine Befreiung von den Sozialversicherungsbeiträgen für einige Monate beantragen.

Unternehmen, die diese Hilfen in Anspruch nehmen möchten, müssen einige Kriterien erfüllen. Das wichtigste Kriterium ist, dass sie bis zum Ende des Jahres die Zahl ihrer Angestellten halten. Bislang konnten etwa ein Dutzend mittlere und große Verlage von den Maßnahmen profitieren, die größte Unterstützung mit knapp 800.000 Euro erhielt bislang die Gremi Media Gruppe, die die zweitgrößte überregionale Tageszeitung Rzeczpospolita herausgibt. Die Nachrichtenmagazine Polityka und Wrpost erhielten jeweils ca. 335.000 Euro und 310.000 Euro. Die regionalen Tageszeitungen von Edipresse, Bonnier und Polska Press (die bis Anfang Dezember zur Verlagsgruppe Passau gehörte) sowie die Publikationen von Ringier Axel Springer Polska (Fakt, Newsweek und Onet) gingen bisher leer aus.

Einige lokale Medien erhielten zusätzliche Werbeanzeigen von der Regierung und staatlichen Institutionen – diese Einnahmen sind aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Portugal

Seit Jahren sind die Umsätze portugiesischer Medienunternehmen rückläufig. Grund dafür ist vor allem die Vormachtstellung von Suchplattformen und sozialen Netzwerken im digitalen Sektor. Wirtschaftsanalysten prognostizierten, dass die Corona-Pandemie im zweiten Quartal 2020 für Verluste von 40 bis 50 Prozent bei den Werbeeinnahmen sorgen werde. Sofia Branco, Vorsitzende des portugiesischen Journalistenverbandes sagt: „Nicht nur bringt uns die Pandemie neue Probleme, sie zeigt auch jene Wunden auf, die bereits vorher existierten.“

Seit März beobachtet OberCom (Observatório da Comunicação) die Auswirkungen der Pandemie auf die finanzielle Lage der portugiesischen Medien. Die Erkenntnisse zeigen: Alle Medien erlebten zwischen März und April Höchststände in der Zahl der Rezipienten. Dies könne als Folge eines „Dursts nach Informationen“ zu Beginn der Pandemie betrachtet werden. Nur bei den Radio-Sendern blieb dieser Effekt aus. März und April waren schwere Monate für den Radiojournalismus. Die 20 Minuten, die ein Portugiese täglich durchschnittlich im Auto verbringt, sind für die Werbeeinnahmen der Sender entscheidend. Während des Lockdowns ist jedoch kaum jemand gependelt.

Die Fernsehzuschauerzahlen erreichten dagegen zwischen März und April einen Höhepunkt. Im Laufe der Pandemie pendelten sich die Zahlen jedoch wieder auf ein normales Niveau ein. Experten sprechen von einer „Informationssättigung“. Obschon im Frühjahr die TV-Werbeplätze noch begehrt waren, flachten die Investitionen in Fernsehwerbung in der Zeit danach bereits wieder ab.

Im ersten Halbjahr 2020 gingen auch die Print-Auflagen um 19 Prozent (im Vergleich zum Vorjahr) zurück. Zwar stieg die digitale Auflage um etwa 50 Prozent, das konnte die Medien aber nicht aus der Krise retten, da der relative finanzielle Wert einer verkauften digitalen Einheit deutlich geringer ist als der Wert eines vergleichbaren Print-Produkts. Grund ist, dass der portugiesische Medienmarkt sehr stark traditionell ausgerichtet ist und sich Unternehmen noch immer vorrangig auf Verkäufe und Werbeaufträge im Print-Bereich verlassen.

Jedes Jahr zeigt der Digital News Report des Reuters Institute aufs Neue, dass eine der größten Schwächen der portugiesischen Presse der Mangel an wirtschaftlichen Strategien ist. Einige Unternehmen versuchen noch immer herauszufinden, ob und wie es möglich ist, digitale Nachrichten zu monetarisieren, obschon im vergangenen Jahr nur 10 Prozent der Bevölkerung bereit waren, für entsprechende Angebote zu zahlen. Nur Público (Tageszeitung mit Print- und Digital-Abos) und Expresso (Wochenzeitung und Online-Nachrichtenplattform) haben es geschafft, wirtschaftliches Wachstum im digitalen Segment zu verzeichnen. Público wuchs um 101,9 Prozent (im Vergleich zu 2019), Expresso erreichte ein Wachstum von 48,6 Prozent.

Spanien

Die erste Bilanz der Pandemie-Folgen in Spanien zeigt einen starken Rückgang bei den Werbeeinnahmen: dem Bericht Trend Score zufolge verloren zwischen März und August 2020 Zeitungen 32 Prozent, Radiosender 26,2 Prozent, das Fernsehen 25,3 Prozent und das Internet 7,8 Prozent ihrer Werbeeinnahmen. Es wird damit gerechnet, dass Investitionen in der Medien- und Kommunikationsbranche in diesem Jahr um 21% zurückgehen.

Hunderte Fachkräfte bei großen Medienkonzernen sind von Kurzarbeit betroffen (ERTE – Expediente de Regulación Temporal de Empleo). Am stärksten betroffen ist die Produktionsfirma Mediapro, hier beziehen 1.200 von insgesamt knapp 7.000 Beschäftigten Kurzarbeitergeld.

David Álvarez, Professor am Institut für Journalismus und Neue Medien der Universität Complutense Madrid, sagt dazu: „Es ist ein großes Paradoxon, dass die Medien eine Zunahme von Nutzern verzeichnen und gleichzeitig mit einer Werbekrise konfrontiert sind, die diese öffentliche Dienstleistung, aber auch Tausende von Arbeitsplätzen gefährdet.“ Álvarez weist zum Beispiel daraufhin, dass die Grupo Vocento eine Kürzung der Arbeitszeit um 40 Prozent plant, die für kaufmännische und im Management tätige Angestellte gelten soll. Die Gruppe Joly plant Kurzarbeit für ihre neun Zeitungen Málaga Hoy, Granada Hoy, Diario de Córdoba, Huelva Información und Europe Sur. „Das ist nur ein Vorgeschmack auf die wirkliche Krise, die dem Mediensektor bevorsteht“, so Álvarez.

Kürzlich veröffentlichte die Nachrichten-Webseite Infolibre einen Artikel, in dem es heißt, dass die spanischen Medien aufgrund der Pandemie fast 2 Milliarden Euro ihres Wertes an der Börse verloren haben. Der Börsenwert der Prisa-Gruppe sei um knapp 72 Prozent gesunken, der des TV-Produktionsunternehmens Mediaset um die Hälfte. Die Aktie der Mediengruppe Atresmedia sei seit März um 22 Prozent und die von Vocento um 40 Prozent gesunken.

„Die Regierung war tatenlos, als es um direkte Hilfe für die Presse ging, obwohl diese für den Kampf gegen Desinformation, insbesondere in Zeiten einer Pandemie, unerlässlich ist“, sagt Victoria Pérez, Vorsitzende der Plataforma en Defensa de la Libertad de Información (PDLI), einer zivilgesellschaftlichen Gruppe, die Journalist*innen, Rechtsanwält*innen, Medienhäuser, soziale Bewegungen und Verbraucherschützer vereint. Zeitungen wie Público hätten für eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Abonnements gekämpft, diese Maßnahme habe aber nicht gereicht.

Auch von der EU, beklagt Álvarez, hätten Medien keine finanzielle Hilfe erhalten. Zwar lege die strategische Agenda 2019-2024 dar, dass die EU entschlossen sei, Gesellschaften, Bürger und Freiheitsrechte vor hybriden Bedrohungen zu schützen, insbesondere vor Desinformation und Fehlinformation, dennoch habe es keinen Plan für die finanzielle Unterstützung der Medien gegeben.

Im November gab die Zeitung El Diario bekannt, dass ihre Lokalausgabe in Castilla-La Mancha Hilfe vom European Journalism Centre (EJC) erhalten werde. Zwar handelt es sich dabei nur um einen kleineren Betrag von 25.000 Euro, aber er wird der Zeitung helfen, die regionale Berichterstattung über die Pandemie fortzusetzen. Der Hilfsfonds „European Journalism COVID-19 Support Fund“ wurde vom EJC und dem Facebook Journalism Project ins Leben gerufen, um Lokaljournalismus in Europa finanziell zu unterstützen.

Ukraine

Die Corona-Pandemie hat sich merklich auf die wirtschaftliche Lage der ukrainischen Medien ausgewirkt, vor allem auf jene, die sich nicht in der Hand von Oligarchen befinden und stets versuchten, unabhängig zu bleiben und ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu finden. Viele ukrainische Medien mussten starke Rückgänge ihrer Werbeeinnahmen hinnehmen, bauten darauf Stellen ab und beendeten die Zusammenarbeit mit freien Journalist*innen. Vor allem Lokal- und Regionalmedien waren betroffen – vereinzelt kam es sogar zu Schließungen von Redaktionen. Unter anderem wurde das Projekt Redaktsia in der Oblast Odessa beendet, das Online-Format Hromadske TV: Cherkasy pausierte die Aktivitäten auf seiner Website.

Während überregionale Online-Medien rückläufige Werbeeinnahmen von bis zu 50 Prozent beklagten, erlitten Lokalmedien sogar Verluste von 70 bis 90 Prozent. Wenn die überregionalen Medien einen anderen Weg finden, Einnahmen zu generieren, könnte den Lokalmedien der Werbemarkt noch als Überlebenschance bleiben.

Die Regierung stellt den Medien keine Unterstützung zur Verfügung. Ukrainische Medienunternehmen versuchten, Spendengeber in anderen Ländern zu finden und über neue Wege der Monetarisierung an Einnahmen zu gelangen. Laut Andrii Ianitskyi, Direktor des Exzellenzzentrums für Wirtschaftsjournalismus an der Kiev School of Economics, zwingt die Corona-Krise die ukrainischen Medien, neue Einkommensquellen zu finden. Vor der Krise setzten die Verlage auf Werbeumsätze und das Geld ihrer Eigentümer (entweder Investoren oder Oligarchen). In Ausnahmefällen garantierten auch internationale Geber das Überleben einiger Unternehmen. „Inmitten der Krise änderten die unabhängigen Medien ihre Strategie und versuchten, über ihre Leserschaft an Geld zu gelangen. Manche führten Paywalls ein, andere fragten nach Spenden, wieder andere entwickelten Mitgliedschaftsmodelle“, erklärt Ianitskyi.

Als die internationalen Unterstützer ihre Förderungen umstrukturierten, um in der Corona-Krise alle Medien unterstützen zu können, mussten sich die Medienunternehmen, die zuvor ausschließlich auf die Hilfe der Geber setzten, nach neuen Einkommensquellen umschauen, beispielsweise Crowdfunding.

Medienunternehmen, die sich gänzlich auf Oligarchen und deren Investitionen verließen, erlebten ebenfalls starke Einschnitte, weil Geldflüsse reduziert und Investitionen rückläufig wurden.

Doch indes, erklärt Andrii Ianitskyi, macht die Situation in der Ukraine eine Wende. „So wie ich das beobachte, kehren die Zuschüsse zurück. Stück für Stück nehmen die Werbeaufträge wieder zu. Aber es ist klar, dass das alte Modell, das bis 2019 funktioniert hat und rein auf Werbung und den Eigentumsverhältnissen basierte, in Zukunft nicht mehr anwendbar sein wird. Jetzt schauen sich die Medienhäuser nach neuen Geschäftsmodellen um“, sagt er.

 

Projektkoordinatorin:

Tina Bettels-Schwabbauer, Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus, TU Dortmund, EJO Deutschland

 

Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter:

Johanna Mack und  Roman Winkelhahn, Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus, TU Dortmund, EJO Deutschland

Leli Bibilashvili, Natia Kaladze und Salome Tsartsidze, The University of Georgia (Tbilisi), Georgien

Halyna Budivska, Kyiv Mohyla School of Journalism, EJO Ukraine

Álex Costa Escuredo und Dimitrina J. Semova, Complutense University of Madrid, EJO Spanien

Philip Di Salvo, Università della Svizzera italiana, Lugano, EJO Italien

Natricia Duncan, City, University of London, EJO England

Michal Kuś und Adam Szynol, Universität Wrocław, EJO Polen

Ana Pinto-Martinho und Miguel Paisana, University Institute of Lisbon, EJO Portugal

Anda Rožukalne, Riga Stradiņš University, Lettland

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