Wissenschaftler: Angst vor falschen Zitaten

10. September 2008 • Qualität & Ethik • von

Schweizer Journalist 8 + 9 / 2008

Wie ist es um den Transfer kommunikationswissenschaftlicher Ergebnisse in die Praxis bestellt? Dieser Frage hat Leoni Klump in ihrer Magisterarbeit nachgespürt. Die „Medienprofessoren“ hat sie ihr Werk betitelt – und sich aus Hunderten von Kommunikationsforschern im deutschsprachigen Raum die Handvoll herausgepickt, die relativ häufig in den Medien präsent sind.*

Die ebenso ernüchternde wie erwartbare Erkenntnis: Es bleibt noch viel zu tun, das Fach hat ein „hochgradig gespaltenes Verhältnis zur massenmedialen Öffentlichkeit“.
 
Vielleicht können gar Kommunikationswissenschaftler, wenn es um Auftritte in den Medien geht, noch etwas von ihren Kollegen aus der Biomedizin lernen. Folgt man einer international vergleichenden Studie, dann schätzen diese nämlich – entgegen landläufiger Vorurteile – Kontakte zu Journalisten positiv ein. Untersucht wurde, wie Epidemiologen und Stammzellenforscher in den führenden Wissenschaftsnationen Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Japan und die USA mit den Medien umgehen. Neun von zehn Forschern, die häufiger interviewt werden, beklagen allerdings das „Risiko, falsch zitiert zu werden“ und acht von zehn die „Unberechenbarkeit von Journalisten“ – nicht eben ein Ruhmesblatt für den Berufsstand, aber wohl auch ein Indiz, dass Wissenschaftsreporter eben nicht nur Sprachrohre der Wissenschaftler sind.

Zur Rolle eines leitenden Forschers gehöre es inzwischen, den Massenmedien Auskunft zu erteilen, meint Hans Peter Peters (Forschungszentrum Jülich), einer der Initiatoren der Studie. Vielleicht hülfe also die massenweise Beförderung in Leitungspositionen, endlich auch Kommunikationsforscher zum Kommunizieren zu bewegen.

* Editors Note: Einer der befragten Protagonisten ist der Verfasser.

Quellen:
Leoni Klump, Die Medienprofessoren. Die Wissenschaftler der massenmedialen Öffentlichkeit – und ihr Verhältnis zur massenmedialen Öffentlichkeit, Magisterarbeit, Universität Münster 2008
Hans Peter Peters et al., Interactions with the Mass Media, in: Science Vol. 321 v. 11.7.2008
http://juwel.fz-juelich.de:8080/dspace/bitstream/2128/3129/1/reprint32158862

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