Betreibt „Die Republik“ Lobby-Journalismus?

27. November 2018 • Aktuelle Beiträge, Qualität & Ethik • von

Italien- und Wissenschafts-Berichterstattung im Kreuzfeuer: Petra Reski legt sich mit Benjamin von Wyl an.

Wie war das doch gleich: „Die Republik“, das Crowdfunding-Wunder aus der Schweiz, verspricht den ganz anderen Journalismus – und vor allem Transparenz, Transparenz und nochmals Transparenz. Jetzt ist es zwischen dem „Republik“-Autor Benjamin von Wyl und der langjährigen Italien-Korrespondentin Petra Reski, die sich vor allem als Reporterin über die Mafia einen Namen gemacht hat, zu einer Kontroverse gekommen. Wir möchten sie dokumentieren – auch um zu verhindern, dass die Sache nur auf dem Leserbriefe-Friedhof möglichst elegant und unsichtbar beerdigt wird.

Es geht nicht nur um ein ökologisches Problem in Süditalien – der rechte Umgang mit einem Killer-Bakterium und das großflächige Abholzen von Olivenhainen. Es geht auch um Monsanto und um den Gründer der Fünfsterne-Bewegung und Populisten Beppe Grillo – sowie um das Grundsatzproblem, wie Journalisten mit wissenschaftlichen Kontroversen umgehen sollten, vor allem dann, wenn der Verdacht naheliegt, dass die eine Seite von potenten Wirtschaftsinteressen geschmiert wird.

Das EJO verfügt, vermutlich ähnlich wie die finanziell leistungsstärkere „Republik“, nicht über die Mittel, um letztgültig zu prüfen, wer im italienischen Stimmengewirr recht hat. Aber die Beiträge sprechen für sich selbst – und wir möchten mit dieser Dokumentation darauf aufmerksam machen, in welchen Recherche-Dilemmata sich journalistische Start-ups wiederfinden: Sie haben nicht die redaktionellen Ressourcen einer großen Redaktion und sind auf freie Mitarbeiter angewiesen, denen sie vertrauen, obwohl gelegentlich mehr Kontrolle angezeigt wäre.*

Das Spannende an der Kontroverse: Reski wirft von Wyl vor, Lobby-Journalismus zu betreiben – also das genaue Gegenteil der „raison d`être“ der „Republik“.

Der Republik-Artikel: https://www.republik.ch/2018/11/16/la-malattia

Petra Reskis Erwiderung auf ihrer Website: https://www.petrareski.com/2018/11/18/la-malattia-und-die-republik/?fbclid=IwAR1yxAcDfRvWJTq3spag1MXJDEFWdiRVbpt9lYySjb022B795RbwT376ASY

Die weitere Auseinandersetzung zwischen Reski und von Wyl: https://www.republik.ch/2018/04/03/dialog-mit-der-redaktion/diskussion?focus=fed021cd-636b-4a6d-b9e4-ecd836939199

* Der Satz „Sie haben nicht die redaktionellen Ressourcen einer großen Redaktion und sind auf freie Mitarbeiter angewiesen, denen sie vertrauen, obwohl gelegentlich mehr Kontrolle angezeigt wäre“ wurde nachträglich ergänzt, da der Ausdruck „Recherche-Dilemmata“ für Verwirrung sorgte.

Bildquelle: pixabay.com

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