Start-ups im globalen Süden: Kampf ums Überleben

29. April 2019 • Internationales, Redaktion & Ökonomie • von

„Der Journalismus scheint im Westen kommerziell tragfähig zu sein, daher wird angenommen, dass das überall so ist. In anderen Teilen der Welt, insbesondere in Entwicklungsländern, ist das jedoch absolut nicht der Fall“, schreibt Premesh Chandran, CEO des Online-Nachrichtenportals Malaysiakini im Vorwort des neuen Berichts „Fighting for Survival: Media Startups in the Global South“, der untersucht, welchen Hindernissen journalistische Start-ups in Entwicklungsländern ausgesetzt sind.

Fighting for Survival“ ist die Fortsetzung eines früheren Berichts, „Publishing for Peanuts“ (2015), in dem Anya Schiffrin, J.J. Robinson und Kristen Grennan – zu diesem Zeitpunkt alle Professoren an der School of International and Public Affairs der Columbia University – 35 Journalismus-Start-ups in Ländern des Globalen Südens untersuchten.

Drei Jahre später nahm Schiffrin mit einem neuen Forschungsteam 21 der Start-ups erneut unter die Lupe und analysierte, wie es ihnen unter den verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen ergangen ist.  Es stellte sich heraus, dass drei der Start-ups gescheitert waren. Sechs wurden umgestaltet oder umbenannt. Zudem wurden fünf neue Start-ups in die Untersuchung einbezogen.

Die größte Herausforderung für die meisten Start-ups war und ist die finanzielle Nachhaltigkeit. Darüber hinaus arbeiten einige der Journalisten in unstabilen politischen Verhältnissen und sind physischen Attacken ausgesetzt.

Zu den untersuchten Medienprojekten gehören der südafrikanische Daily Maverick, das simbabwische Center for Innovation and Technology, der kenianische iHub, der jordanische 7iber, der sri-lankische Himal Southasian und die mexikanische El Daily Post. Die meisten dieser Start-ups sind hauptsächlich auf das Internet und mobile Dienste zur Informationsverbreitung angewiesen.

Die meisten Start-ups müssen ständig um zuverlässige Finanzierungsquellen kämpfen. Da auf Einnahmen durch Werbung und Crowdfunding kein Verlass ist, sind sie auf Spenden als Hauptfinanzierungsquelle angewiesen. Geldgeber langfristig zu binden stellt jedoch eine neue Art von Herausforderung dar.  Sechs von 17 Organisationen, die auf die Frage antworteten, ob ihr Einkommen ihre Ausgaben decke, sagten, dass dies nicht der Fall sei. Zehn der befragten Medien haben Mitarbeiter für Fundraising und das Erstellen von Förderanträgen eingestellt.

Geld zu verdienen ist nicht das Hauptziel der meisten Start-Ups: sie wollen vor allem ihrer Community dienen. Solche guten Absichten allein reichen jedoch nicht aus, um das Überleben zu sichern. Aus Sicht von Peter Deselaers, Kyle James, Roula Mikhael und Laura Schneider von der Deutschen Welle Akademie haben die Medien die beste Überlebenschance, denen es gelingt, ein Gleichgewicht zwischen der wirtschaftlichen, politischen, inhaltlichen, technologischen und gesellschaftlichen Dimension herzustellen.

Strategien und Lösungen

Die Autoren des Berichts fordern die Einrichtung einer branchenweiten Institution, die kleinen Medienunternehmen helfen soll, Fundraising-Fähigkeiten (einschließlich Fundraising auf internationaler Ebene) zu lernen. Sie plädieren auch für eine globale Medienfinanzierungsinitiative und heben die unschätzbare Rolle hervor, die das Global Investigative Journalism Network (GIJN) bei der Unterstützung von Medien-Start-ups spielt, indem es ihnen hilft, Geschäftsstrategien zu entwickeln.

Auch die Gründer und Journalisten der Start-ups haben einige Tipps für Neueinsteiger. Mehrere der für den Bericht Befragten betonen, wie wichtig es sei, vom ersten Tag an an den Umsatz zu denken und einen klaren, langfristigen Finanzplan zu haben. Octavio Rivera López, ehemaliger Chefredakteur der mexikanischen El Daily Post, warnt Neueinsteiger davor, nicht die Fehler zu machen, die zum Scheitern seines Unternehmens führten: „Man sollte sich nicht nur auf eine Einnahmequelle verlassen.  Neben dem Anzeigengeschäft und dem Produktabsatz ist es auch wichtig, Zuschüsse an Land zu ziehen. Außerdem muss man wissen, dass Projekte Zeit brauchen, um zu reifen – und man braucht Geld, um zu überleben. Kleiner ist besser. Man muss klein anfangen und dann so weit wachsen, wie es geht.“

Dieser Beitrag wurde zuerst auf der englischen EJO-Seite veröffentlicht.

Übersetzt aus dem Englischen von Tina Bettels-Schwabbauer

 

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