Alternative Fakten nur für Rechte?

7. Mai 2019 • Qualität & Ethik • by

Inhalte, die den eigenen Vorstellungen und Standpunkten entsprechen, werden für glaubwürdiger und wahrhaftiger gehalten. Das bestätigt eine neue Studie.

Falschmeldungen verbreiten sich in den sozialen Netzwerken schneller und nachhaltiger als in den konventionellen Massenmedien. Die journalistische Kontrolle fehlt und die Glaubwürdigkeit der Quellen spielt für viele Nutzer keine große Rolle. Seit Langem gibt es die Vermutung, dass solche „alternativen Fakten“ vor allem im rechten und rechtsextremen Milieu erfolgreich sind.

Zum einen, weil rechtspopulistische Akteure die sozialen Netzwerke verstärkt nutzen, um die Kontroll- und Auswahlmechanismen des professionellen Journalismus zu umgehen, und zum anderen weil politisch rechts orientierte Nutzer den sogenannten Mainstreammedien zunehmend misstrauen und alternative Informationsquellen bevorzugen.

Florian Arendt, Mario Halm und Julia Beck, ein Forscherteam der Universitäten Wien und München, sind dieser Frage nun erstmals experimentell nachgegangen. Sie konfrontierten mehr als 500 Versuchspersonen mit unterschiedlicher politischer Orientierung mit einem breiten Spektrum von Nachrichtenmeldungen in der typischen Aufmachung einer Facebook-Chronik, darunter auch fünf frei erfundene Falschmeldungen mit und ohne politischen Bezug.

Die Untersuchung bestätigte die Hypothese, dass Personen, die sich selbst als politisch rechts einordnen, eher geneigt sind, erfundenen Meldungen zu glauben als Personen, die sich eher links von der Mitte positionieren. Auch zusätzlich eingeblendete Warnhinweise, die auf eine mögliche Falschmeldung hinwiesen, hatten bei den rechtslastigen Lesern gar keinen Effekt.

Für die Nutzung politischer Inhalte lässt sich das Ergebnis mit dem „Confirmation Bias“ erklären: Inhalte, die den eigenen Vorstellungen und Standpunkten entsprechen, werden für glaubwürdiger und wahrhaftiger gehalten. Nur gilt dies erstens normalerweise für beide Pole des politischen Spektrums, und zweitens trat der Effekt auch bei eindeutig unpolitischen Falschmeldungen auf („Tattoo-Studio tätowiert Kleinkinder“).

Es muss also noch mehr dahinterstecken: Die Autoren vermuten eine höhere Leichtgläubigkeit im rechten Milieu und eine Vorliebe gerade für Themen, die in den journalistischen Medien keine Chance haben.

 

Florian Arendt, Mario Haim, Julia Beck (2019): Fake News, Warnhinweise und perzipierter Wahrheitsgehalt: Zur unterschiedlichen Anfälligkeit für Falschmeldungen in Abhängigkeit von der politischen Orientierung. In:  Publizistik 64, S. 181-204 (doi: https://doi.org/10.1007/s11616-019-00484-4).

 

Erstveröffentlichung: tagesspiegel.de vom 5. Mai 2019

Bildquelle: pixabay.de

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