Wenn sich Desinformation verbreitet, steigt der Bedarf an Medienkompetenz: Neuer Online-Kurs zu KI und Desinformation

22. Dezember 2025 • Aktuelle Beiträge, Digitales, In eigener Sache, PROMPT • von

Da sich Desinformation schneller und weiter verbreitet als je zuvor, wird Medienkompetenz zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Journalist:innen und Journalismusstudierende. Ein neuer Online-Kurs im Rahmen des EU-finanzierten PROMPT-Projekts vermittelt Teilnehmenden in ganz Europa ein Verständnis dafür, wie KI falsche Narrative vorantreibt und aufdeckt, und bietet praktische Einblicke in die Überprüfung von Informationen und die Verteidigung des demokratischen Diskurses.

Weltweit – und zunehmend auch in Europa – haben Desinformationskampagnen gegen Einzelpersonen, staatliche Behörden und ganze Länder zugenommen. Ein Beispiel: Im Dezember 2024 wurden die Präsidentschaftswahlen in Rumänien vom Verfassungsgericht für ungültig erklärt, nachdem die Behörden eine ihrer Meinung nach koordinierte Online-Einmischung festgestellt hatten, darunter verdächtige Aktivitäten in sozialen Medien und unrechtmäßige Wahlkampfpraktiken, die weithin ausländischen Einflussnahmen zugeschrieben wurden.

In ähnlicher Weise dokumentierten Expert:innen im Vorfeld der Bundestagswahlen 2025 in Deutschland eine neue Welle von Desinformation, die falsche Behauptungen über Kandidat:innen verbreitete und Angst und Verwirrung unter den Wähler:innen säte. Allein in den letzten Wochen vor der Wahl verbreiteten Dutzende von gefälschten Konten irreführende Videos und erfundene Terrorwarnungen auf mehreren Plattformen – als Teil einer größeren Kampagne, die mit einem russlandnahen Netzwerk in Verbindung stand.

Die Gefahr geht jedoch über gelegentliche Ausbrüche im Zusammenhang mit Wahlen hinaus. Es gibt einen ständigen Strom von Fehlinformationen, Desinformation und Fake News, die online zirkulieren – verstärkt durch Bots, algorithmische Empfehlungssysteme, Deepfakes und andere immer ausgefeiltere Tools. Da die Taktiken böswilliger Akteure immer ausgefeilter werden, wird die Herausforderung für Journalist:innen und Journalismusstudierende immer komplexer. Deshalb ist Medienkompetenz – die Fähigkeit, digitale Inhalte kritisch zu bewerten und zu überprüfen – heute ein wichtiges Instrument zur Verteidigung der Demokratie in Europa.

Medienkompetenz: Neuer Online-Kurs zu KI, Journalismus und der Integrität von Informationen

 

Screenshot der COPE-Plattform-Homepage mit mehreren Modulen, darunter das PROMPT-Modul.

Im Rahmen des von der EU finanzierten PROMPT-Projekts hat das Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus zusammen mit anderen Projektpartnern einen Online-Lernkurs entwickelt, der eine Medienkompetenzkomponente zu KI, Journalismus und Desinformation integriert. Dieses neue Modul mit dem Titel „Narrative, Nachrichten und Lärm: KI, Journalismus und die Integrität von Informationen” ist auf der COPE Training MOOC verfügbar und vermittelt Journalismusstudierenden und -pädagog:innen in ganz Europa ein Verständnis dafür, wie KI Desinformation sowohl fördert als auch aufdeckt. Der kostenlose Kurs, den die Teilnehmer:innen in ihrem eigenen Tempo absolvieren können, lädt sie dazu ein, anhand von Beispielen aus der Praxis und kritischer Reflexion zu erkunden, wie falsche Narrative entstehen, verstärkt und bekämpft werden.

Das Modul ergänzt den von der EU finanzierten COPE Massive Open Online Course (MOOC). Die COPE-Plattform „Covering Cohesion Policy in Europe – Training MOOC for European Journalism Students” wurde von einem Konsortium von Journalismusinstituten aus 27 EU-Ländern unter der Leitung der TU Dortmund zwischen Januar 2023 und Juni 2024 entwickelt. COPE bietet 14 mehrsprachige thematische Module, die sich an Journalismusausbilder:innen, Universitäten, Redaktionen und einzelne Journalist:innen richten, die sich weiterbilden möchten.

Durch die Nutzung dieser etablierten MOOC-Infrastruktur konnte PROMPT sein Modul zu KI, Desinformation und journalistischer Integrität effizient integrieren und so eine interaktive, grenzüberschreitende Journalistenausbildung in ganz Europa fördern.

Was Sie lernen werden

Kurs-Homepage von „Narratives, News, and Noise”: Überblick über das Modul

Das Modul vermittelt sowohl konzeptionelle Grundlagen als auch praktische Einblicke und versetzt die Teilnehmer in die Lage, Desinformation in einer sich schnell verändernden Medienlandschaft zu verstehen, zu analysieren und darauf zu reagieren. Zu den Schwerpunkten gehören:

  • Die doppelte Rolle der KI bei der Verbreitung und Aufdeckung von Desinformation: Die Teilnehmer untersuchen, wie künstliche Intelligenz sowohl irreführende Narrative verstärken kann – durch algorithmische Empfehlungen, Bots und Deepfakes – als auch Journalisten dabei helfen kann, falsche Inhalte zu identifizieren und zu verifizieren, und beleuchten dabei die komplexen ethischen und technischen Herausforderungen, die damit verbunden sind.
  • Fallstudien aus der Praxis: Detaillierte Beispiele aus der russischen Invasion in der Ukraine, den rumänischen Wahlen und Anti-LGBTQ+-Kampagnen veranschaulichen, wie Desinformation in verschiedenen politischen, kulturellen und sozialen Kontexten funktioniert. Anhand dieser Fälle können die Lernenden Theorie und Praxis miteinander verbinden und die lokalen und globalen Auswirkungen irreführender Narrative verstehen.
  • Das Durchsatzmodell: Dieses Rahmenwerk bietet einen strukturierten Ansatz zur Analyse des Flusses von Desinformation und hilft den Teilnehmern, die Verbreitung falscher Informationen nachzuvollziehen, wichtige Akteure und Netzwerke zu identifizieren und Interventionsstrategien zu bewerten.
  • Tools zur Faktenprüfung und journalistische Strategien: Das Modul stellt praktische Ressourcen zur Erkennung, Überprüfung und Bekämpfung von Fehlinformationen vor und ermöglicht es den Lernenden, evidenzbasierte Techniken in der realen Berichterstattung und redaktionellen Entscheidungsfindung anzuwenden.
  • Ethische Dilemmata und sich entwickelnde regulatorische Reaktionen: Die Teilnehmer untersuchen die moralischen Fragen, die durch KI-gesteuerte Medien aufgeworfen werden, von algorithmischer Voreingenommenheit bis hin zur Moderation von Inhalten, sowie aktuelle und sich abzeichnende Richtlinien, die darauf abzielen, Desinformation zu regulieren und gleichzeitig die Meinungsfreiheit zu wahren.

Ob Sie Journalismus studieren, als Lehrkraft tätig sind oder sich einfach für die Verteidigung demokratischer Informationsökosysteme engagieren – dieses Modul vermittelt Ihnen das Wissen, die Rahmenbedingungen und die praktischen Werkzeuge, um kritisch zu denken, fundierte Entscheidungen zu treffen und verantwortungsbewusst mit Desinformation umzugehen.

Für wen ist es gedacht?

Dieses Modul richtet sich in erster Linie an:

  • Studierende der Fachrichtungen Journalismus und Medien
  • Lehrkräfte und Journalistenschulen
  • Medienfachleute, die sich für KI und Informationsintegrität interessieren
  • Akteure der Zivilgesellschaft und alle, die sich mit digitaler Medienkompetenz beschäftigen

Es kann unabhängig absolviert oder als Teil des umfassenderen COPE-MOOC-Lehrplans, der 14 Module – plus das neue PROMPT-Modul – zu Journalismus, öffentlicher Kommunikation und europäischer Politik umfasst, in Universitätskurse und Ausbildungsprogramme integriert werden.

Pädagogischer Ansatz und Integration

Das Modul wurde so konzipiert, dass es sowohl flexibel als auch pädagogisch fundiert ist, sodass Universitäten und Journalistenschulen es nahtlos in bestehende Lehrpläne integrieren oder als eigenständige Lernressource nutzen können. Seine interaktive Struktur schafft ein ausgewogenes Verhältnis zwischen theoretischen Grundlagen und praktischen Lernmöglichkeiten, sodass die Studierenden sich aktiv mit dem Material auseinandersetzen können, anstatt Inhalte passiv aufzunehmen.

Zu den wichtigsten Komponenten des Moduls gehören:

  • Analytische Übungen auf der Grundlage realer Fälle von Desinformation, die den Studierenden praktische Erfahrungen bei der Identifizierung, Rückverfolgung und Bewertung irreführender Narrative auf verschiedenen Plattformen und in unterschiedlichen Kontexten vermitteln.
  • Reflexive Fragen, die zum kritischen Denken anregen und den Studierenden helfen, Quellen, Annahmen und die weiterreichenden gesellschaftlichen Auswirkungen von Desinformation zu hinterfragen.
  • Multimedia-Ressourcen wie Videos, Infografiken und Datensätze, die das selbstständige Lernen unterstützen und es den Lernenden ermöglichen, komplexe Themen in verschiedenen Formaten zu erkunden.

Der Kurs basiert auf der Bloomschen Taxonomie und ist so strukturiert, dass er die Lernenden schrittweise vom grundlegenden Verständnis und der Analyse von Desinformation hin zur Bewertung von Strategien und der Anwendung kritischer Ansätze für ethischen Journalismus in einer KI-gesteuerten Medienumgebung führt. Durch die Auseinandersetzung mit aktuellen Desinformationsdynamiken, KI-Tools und ethischen Herausforderungen vermittelt das Modul Journalismus-Dozenten die Mittel, um Studierende auf die komplexen, sich schnell entwickelnden Realitäten der Berichterstattung in einer zunehmend von künstlicher Intelligenz geprägten Medienlandschaft vorzubereiten.

So nehmen Sie teil

Die Teilnahme ist kostenlos und kann im eigenen Tempo erfolgen. Befolgen Sie diese Schritte, um loszulegen:

  1. Erstellen Sie ein Konto auf der COPE-Lernplattform: https://cope.csd.auth.gr/
  2. Gehen Sie direkt zum PROMPT-Modul: https://cope.csd.auth.gr/mooc/course/view.php?id=31

Sie können jederzeit beginnen – lernen Sie in Ihrem eigenen Tempo, entdecken Sie die Materialien und werden Sie Teil einer wachsenden Gemeinschaft von Journalismusstudierenden aus ganz Europa.

Dieses Modul wurde im Rahmen des EU-finanzierten PROMPT-Projekts entwickelt und in die COPE-MOOC-Plattform (kofinanziert von der Europäischen Union) integriert, um die nächste Generation von Journalisten dabei zu unterstützen, in einer von KI geprägten Welt für Wahrheit und Integrität einzustehen.

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