Willkommen oder kriminell? Framing von Einwanderern

7. Februar 2017 • Qualität & Ethik • von

Wie Statistiken zeigen, steigen seit 2009 in Deutschland die Zuwanderungszahlen. In den Medien dominieren derzeit Einwanderer aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Afrika – abgebildet als willkommene Flüchtlinge bis hin zu gefährlichen Kriminellen. Aber ist die unterschiedliche Darstellung abhängig von den Herkunftsländern der Migranten?

Maheba Nuria Goedeke Tort, Lars Guenther und Georg Ruhrmann haben sich diese Frage des medialen Framings von Einwanderern gestellt. Dabei haben die Forscher bewusst die aktuelle Immigration fokussiert, indem sie Menschen mit Migrationshintergrund, die zum Teil schon seit mehreren Jahren in Deutschland leben, ausklammerten. Es wurden 371 Artikel der Tageszeitungen Welt, FAZ, Süddeutsche Zeitung (SZ) und taz aus dem Jahr 2014 inhaltsanalytisch untersucht. Dabei zeigte sich, dass das Thema Einwanderung vor allem eine lokale und politische Relevanz hat: Die Hälfte aller Beiträge erschien im Ressort Lokales/Regionales, etwa ein Drittel im Ressort Politik/Aktuelles. Mit 40 Prozent wurden die meisten Artikel in der taz und die wenigsten in der SZ (14%) publiziert. Auffallend war, dass insgesamt in zwölf Prozent aller Beiträge Bedrohungsszenarien enthalten waren, in denen Einwanderer als homogene, gefährliche Gruppe dargestellt wurden.

Mittels einer hierarchischen Clusteranalyse auf Akteursebene (n = 596) haben Goedeke Tort, Guenther und Ruhrmann fünf Frames von Einwanderern ermittelt: Kriminelle, Nützliche, Kostenintensive, Integrationswillige und Willkommene. Der Frame „kriminell“ wurde mit 22 Prozent in der Untersuchung als der dominanteste ausgemacht. Die Forscher stellten fest, dass Einwanderer selber in diesem Zusammenhang aber nicht zu Wort kommen und passiv dargestellt würden. Die Bewertungstendenz sei in diesem Cluster so negativ wie in keinem anderen (94%).

Betrachte man alle Frames zusammen, spiegelten diese eine Einwanderungsdebatte wider, die sich primär mit dem Nutzen der Immigranten für Deutschland auseinandersetze. Die Forscher vermuten, dass auch Einwanderer aus südosteuropäischen Ländern tendenziell negativer geframed werden, da diese aus wirtschaftlichen Gründen auswanderten. Ein vergleichsweise positiveres Framing sei beispielsweise bei Flüchtlingen aus Ländern, in denen bewaffnete Konflikte herrschten, festzustellen. Polen, das im Untersuchungsjahr Hauptherkunftsland der Einwanderer war, finde sich kein einziges Mal in der Stichprobe der Berichterstattung. Herkunftsländer von Asylsuchenden wie Syrien, Irak oder Eritrea wären im Vergleich zur Statistik überrepräsentiert gewesen. Je nach Nationalität würden Einwanderer also unterschiedlich dargestellt.

Politisch eher konservativ orientierte Zeitungen verwendeten, so die Forscher, im Verhältnis mehr negative Frames. Als „nützlich“ bzw. „integrationswillig“ würden Einwanderer besonders häufig in der SZ (18 % bzw. 22%) und der taz (19%, bzw. 21%) geframed. Bedrohungsszenarien seien besonders in der Welt und der FAZ zu finden, wohingegen die taz diese am meisten widerlege. Diese Tendenz und das unterschiedliche Framing je nach Herkunftsland könne zum einen Grundlage für Medienkritik sein, zum anderen könne es aber auch die unterschiedliche Selektion von Themen widerspiegeln.

Goedeke Tort, M.N., Guenther L. & Ruhrmann, G. (2016). Von kriminell bis willkommen. Wie die Herkunft über das mediale Framing von Einwanderern entscheidt. M&K Medien & Kommunikationswissenschaft, 64(4), 497-517.

Bildquelle: pixabay.com

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    btw interessanter Artikel *THUMB UP*

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