“Wir müssen den Journalismus neu erfinden”

31. März 2010 • Digitales • von

Antoni Maria Piqué i Fernàndez, Medienberater und Journalismus-Dozent an der International University of Catalunya, vergleicht im EJO-Interview traditionelle Medien mit Pferdekutschen – und ist nicht der Ansicht, dass man sie retten sollte.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach der Journalismus in den nächsten zehn Jahren verändern?

Die Herausforderung für uns alle, für Journalisten, Wissenschaftler und Berater, ist es, den Journalismus neu zu erfinden – und nicht Tageszeitungen, Fernsehen oder Radio. Diese Medien sind nur Werkzeuge.

Die Grundidee des Journalismus ist es, das Recht der Bürger auf Informationen zu erfüllen. Es müssen neue Wege gefunden werden, wie Journalisten ihrer Informationspflicht nachkommen können. So müssen wir lernen, wie wir beispielsweise auf Twitter Journalismus machen können. Wir müssen lernen, wie wir mit Informationen in Echtzeit akkurat umgehen. Wir müssen die Werte des Journalismus neu entdecken, den Journalismus neu erfinden. Zeitungen, Fernsehen und Radio haben meiner Meinung nach so gut wie ausgedient.

Glauben Sie also, dass es in zehn Jahren gar keine Zeitungen, kein Fernsehen oder kein Radio mehr geben wird?

Ich glaube schon, dass es sie noch geben wird, aber ihre Relevanz wird gleich null sein, weil neue Medien die Menschen viel schneller mit Informationen versorgen können. Es ist so, als versuchte man derzeit, die alten Pferdekutschen zu retten, obwohl man viel eher in neue Straßen, neue Tankstellen und neue Werkstätten investieren sollte. Wir fahren Autos und keine Pferdekutschen mehr, und es hat wenig Sinn, die alten Wasserspeicher, Futtersilos und Poststationen zu erhalten.

Werden Zeitungen, Fernsehen und Radio als Unterhaltungsmedien eine Zukunft haben?

Schon jetzt dient das Fernsehen primär der Unterhaltung. Die Nachrichtensendungen im Fernsehen sind sehr teuer und nicht einfach zu handhaben. Allerdings wurden sie bis jetzt dazu gebraucht, TV als „Marke“ zu etablieren. Wenn es aber möglich ist, übers Internet live zu senden, dann hat es keinen Sinn, viel Geld in die Produktion von TV-Nachrichten zu stecken. TV, Radio und Zeitungen werden bald als Nachrichten-Lieferanten ausgedient haben.

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