Polen: Lokale Nachrichtenmedien bündeln Ressourcen

15. Oktober 2019 • Internationales, Qualität & Ethik, Redaktion & Ökonomie • von

Lokale Nachrichtenmedien in Polen arbeiten zusammen, um ihre Position in einem schwierigen Markt zu behaupten.

Fünf lokale Verlage haben mit PBeM ein neues Unternehmen gegründet.

Auch wenn der weltweite Trend zu einer stärkeren Konsolidierung in der Medienbranche geht, gibt es in Polen nach wie vor Hunderte kleine unabhängige Verlage. Dabei handelt es sich oft um sehr kleine Unternehmen, bei denen der Eigentümer/Verleger eine Reihe von lokalen Titeln betreibt, hauptsächlich Wochenzeitungen und Nachrichten-Websites, deren Vertrieb in der Regel auf einen einzigen Bezirk beschränkt ist. Viele dieser lokalen Medien haben Mühe, sich am Markt zu behaupten und ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu finden.

„Der Markt für lokale Medien ist schwierig. Sie haben mit sinkenden Werbebudgets im Printbereich und der aggressiven Preispolitik unserer Hauptkonkurrenten zu kämpfen“, sagte Joanna Kowalska vom Verband der Lokalzeitungen (Stowarzyszenie Gazet Lokalnych – SGL), die sich als Projektmanagerin um die Interessen unabhängiger lokaler Verlage kümmert, gegenüber EJO.

Im SGL sind 50 unabhängige Verlage Mitglied, die für die Produktion von 77 lokalen Wochenzeitungen und 74 lokalen Nachrichten-Websites verantwortlich sind (Stand Dezember 2018). Hauptkonkurrent in diesem Bereich ist Polska Press – ein riesiger Verlagskonzern, der 20 regionale Tageszeitungen und rund 150 lokale Wochenzeitungen sowie einige sehr beliebte Fernsehzeitschriften herausgibt.

In vielen Regionen stehen unabhängige Verlage auch im Wettbewerb mit Nachrichtenblättern der Kommunen.

Gemeinsame Anstrengungen

Durchschnittlich verkauft jede der von den SGL-Mitgliedern herausgegeben Wochenzeitungen 3.000 bis 4.000 Exemplare. Das mag nicht nach einer hohen Verkaufsauflage klingen, aber „insgesamt geben die Verbandsmitglieder jeden Monat rund eine Million Exemplare gedruckter Pressetitel heraus“, so Kowalska.

Vor allem in den Bereichen Werbung und Technologie versuchen die SGL-Mitglieder, knappe Ressourcen zu teilen und nicht miteinander zu konkurrieren.

Um die Werbeeinnahmen zu steigern, hat SGL eine integrierte Werbeplattform geschaffen, die es ermöglicht, Anzeigen über alle Titel hinweg zu verkaufen. „Einzeln ist keiner in der Lage, große Werbetreibende wie Telekommunikations- und Pharmaunternehmen oder Autohäuser anzuziehen. Aber wenn wir gemeinsam verhandeln, sind wir erfolgreicher“, sagt Kowalska.

Technologisches Know-how

Der technologische Fortschritt stellt auch für kleine unabhängige Verlage eine große Herausforderung dar, die es trotz der Stärke ihrer Marken schwer haben, mit ihm Schritt zu halten. SGL unterstützt ihre Mitglieder mit einer Reihe von Initiativen. Eine davon ist das von der Europäischen Kommission geförderte InForMe-Projekt, das den Verlagen eine professionelle Prüfung ihrer fachlichen Anforderungen ermöglicht und sie finanziell unterstützt, so dass sie in moderne Ausrüstung und neue Tools für die Monetarisierung investieren und ihre Kenntnisse auf den neuesten Stand bringen können.

Digitale Unterstützung

Viele lokale Medien haben zudem Schwierigkeiten, eine Online-Präsenz aufzubauen, da ihnen die IT-Kompetenz fehlt. Vor einigen Jahren haben sich fünf unabhängige lokale Verlage aus dem ganzen Land zusammengeschlossen und ein neues Unternehmen namens PBeM gegründet, das darauf abzielt, andere lokale Medien bei der Digitalisierung und Rationalisierung ihrer Prozesse zu unterstützen.

„Viele Websites sind veraltet, nicht benutzerfreundlich und haben eine schlechte Grafik. Einzelne Verlage verfügen nicht über die Ressourcen, um in IT zu investieren. Das Online-Geschäft erfordert sehr spezifische Fähigkeiten und Kenntnisse, die die Verlage nicht haben”, sagte PBeM-Mitbegründer Paweł Golak gegenüber EJO.

Zusammen mit IT-Support und -Training soll sie anderen Verlagen kostenpflichtig zur Verfügung gestellt werden. Das Start-Up hat bislang in zwei Runden der Digital News Initiative von Google Fördermittel erhalten.

Qualität ist der Schlüssel

Es seien aber nicht so sehr die technischen Spielereien, die die Stärke dieser Initiativen ausmachen, sondern ihre lokale Verankerung und die direkte Verbindung zu ihren Lesern, macht Joanna Kowalska deutlich und betont, dass es immer wichtig sei, in Qualitätsjournalismus zu investieren.

Paweł Golak stimmt ihr zu: „Unsere Stärke liegt darin, dass wir sehr nah bei den Lesern und den lokalen Nachrichten sind“. Er fügt hinzu, dass lokale Medien „Erstkontaktmedien“ seien, deren Geschichten später oft von Fernsehsendern oder großen überregionalen Zeitungen aufgegriffen würden. Das einzige Problem bestehe darin, dass die überregionalen Medien nur selten ihre Informationsquellen nennen. „Deshalb müssen wir zusammenarbeiten – wir haben die gleichen Probleme und stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Nur vereint sind wir stark“, schlussfolgert Golak.

Dieser Beitrag wurde zuerst auf der englischen EJO-Seite veröffentlicht.

Übersetzung aus dem Englischen von Tina Bettels-Schwabbauer

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