Verflixte Statistik

18. August 2009 • Qualität & Ethik • von

Europäisches Journalismus Observatorium

Journalisten tun sich im Umgang mit Statistiken nicht nur selbst schwer, es fehlt ihnen auch oftmals an Vermittlungskompetenz, damit die Publika quantitative Information leichter erfassen. Soweit ist das kein Novum – die meisten Journalismus-Lehrbücher enthalten deshalb einschlägige Tips zum Umgang mit Zahlen und Prozentwerten. Bisher waren dies allerdings „Daumen mal Pi“-Regeln.

Die drei US-Forscher Coy Callison, Rhonda Gibson und Dolf Zillmann haben diese Regeln jetzt mit Hilfe von 240 Studierenden, die sich an einem Experiment beteiligten, empirisch überprüft und  Überraschendes herausgefunden:  Die Testpersonen konnten mit Prozentwerten genauso gut umgehen wie mit absoluten Zahlen, dagegen taten sie sich schwerer, wenn Prozentangeben verbal umschrieben wurden. Soll heissen: „30 Prozent der Bürger von XY haben Aids“ besagt zwar etwas anderes als „3000 Bürger der Gemeinde XY haben Aids“ – aber der Prozentwert ist nicht schwieriger zu verstehen oder zu erinnern. Wird der Prozentwert hingeben umgewandelt in „Drei von zehn Bürgern von XY haben Aids“, so entsteht eine zusätzliche Verständnisbarriere. Die Forscher weisen allerdings darauf hin, dass ihre Experimente auf weniger gebildete Bevölkerungsschichten auszudehnen wären.


Coy Callison et al.: How to Report Quantitative Information in News Stories, in: Newspaper Research Journal, Vol 30/Nr. 2, Spring 2009, 43-55

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