Rund um den vierten Jahrestag des Beginns der russischen Vollinvasion in der Ukraine sind rund 40 Journalismus-Studierende aus vier europäischen Ländern in Brüssel zusammengekommen, um sich dort mit der Berichterstattung über den Krieg zu beschäftigen und selbst Beiträge zum Thema zu erstellen. Beim Workshop „Ukraine at War“ recherchierten Studierende aus Belgien, Deutschland, Portugal und Schweden zu unterschiedlichen Aspekten des Krieges.

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Organisiert wurde der Workshop vom Brüsseler Institut des Hautes Études des Communications Sociales (IHECS) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Journalistik der Technischen Universität Dortmund, der Polytechnischen Universität Lissabon und der Universität Göteborg. Das Projekt wurde als Blended Intensive Program (BIP) mit Erasmus+-Mitteln finanziert.
Ziel der Woche war es, Studierenden aus verschiedenen Ländern die Möglichkeit zu geben, gemeinsam journalistisch zu arbeiten und sich intensiv mit der Ukraine-Berichterstattung zu beschäftigen. Es ging um die Reaktionen der Europäischen Union (EU), aber auch um die Auswirkungen auf Belgien, Brüssel und die dortige ukrainische Community.
Geleitet wurde der Workshop von zwei erfahrenen Journalist:innen: dem belgischen Kriegsreporter Wilson Fache sowie Toma Istomina, der stellvertretenden Chefredakteurin des Kyiv Independent. Beide brachten ihre Erfahrungen aus der internationalen Kriegs- und Krisenberichterstattung ein. Unterstützt wurden sie von Lehrenden der drei Partnerinstitute in Dortmund, Göteborg und Lissabon sowie zwei weiteren Lehrenden aus der Ukraine.
Während des Workshops arbeiteten die Teilnehmenden in internationalen Teams an eigenen journalistischen Projekten. Dabei produzierten unterschiedliche Formate – von Online- und Printbeiträgen bis hin zu Social-Media-Videos und Audioformaten. Die Beiträge aus der cross-border journalistischen Zusammenarbeit entstanden auf Englisch oder Französisch.
Vielfältige Themenschwerpunkte
Inhaltlich beschäftigten sich die Studierenden mit Themen wie den europäischen Hilfen für die Ukraine, dem neuen EU-Satellitenprogramm IRIS2, das der Ukraine größere Unabhängigkeit von Elon Musks Starlink verschaffen könnte, sowie der Rolle von Desinformation im Krieg. Beiträge entstanden auch zum „Braindrain“ aus der Ukraine in europäische Länder, zur Tätigkeit von ukrainischen Organisationen, Aktivist:innen oder Künstler:innen in Brüssel oder zur Bedeutung des Glaubens für ukrainische Geflüchtete und Frontkämpfer. Andere Studierende interviewten belgische Kriegsberichterstatter:innen oder porträtierten eine nach Belgien geflohene ukrainische Violinistin. Manche sprachen außerdem mit geflohenen Ukrainer:innen, die bald den besonderen Schutzstatus für Kriegsflüchtlinge nach der EU-Massenzustrom-Richtlinie verlieren könnten. Auch der prekäre Schutzstatus von Kindern ukrainische Geflüchteter stand im Fokus einer Recherche.
Brüssel erwies sich dafür als idealer Arbeitsort. Als politisches Zentrum der Europäischen Union bietet die Stadt kurze Wege zu Institutionen, Organisationen und Expert:innen. Diese Nähe nutzten die Studierenden für Interviews, Hintergrundgespräche und Recherchen vor Ort. Die Recherchethemen zeigten darüber hinaus auch, wie vielfältig und weitreichend der Krieg in der Ukraine in den Alltag einer europäischen Großstadt wie Brüssel hineinwirkt.
Neben der Projektarbeit bot das Programm auch Einblicke in das Innenleben der EU und zahlreicher internationaler Organisationen. So besuchten die Studierenden das Europäische Parlament, das Brüsseler Büro der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen oder auch das ARD-Studio Brüssel. Dort erfuhren sie Details zu politischen Entscheidungsprozessen, der humanitären Arbeit im Kontext des Krieges und zur internationalen Berichterstattung über europäische Politik. Auch eine Begegnung mit dem ukrainischen Fotografen Oleksandr Glyadyelov, dessen Aufnahmen aus 30 Jahren ukrainischer Geschichte gerade im Brüsseler Geopolis-Museum zu sehen waren, stand auf dem Programm.
Die Woche in Brüssel bot den Studierenden nicht nur die Gelegenheit, journalistische Projekte zu realisieren, sondern auch internationale Zusammenarbeit im politischen Zentrum Europas praktisch zu erleben. Der Workshop zeigte eindrucksvoll, wie wichtig grenzüberschreitender Austausch und Zusammenarbeit im Journalismus sind – besonders in Zeiten eines anhaltenden Krieges in Europa.
Schlagwörter:Brüssel, Cross-Border-Journalism, EU, Journalismusausbildung, Russland, Ukrainekrieg

