Das Zusammenspiel von Politikern und Journalisten

31. Januar 2014 • Qualität & Ethik • von

Unterscheidet sich – im Vergleich zu Mittelmächten wie Deutschland, Frankreich oder Italien – das Zusammenspiel von Journalisten und Politikern in Kleinstaaten?

Stephanie Schwab-Cammarano spürt in ihrer Forschungsarbeit, mit der sie an der Universität Zürich promoviert wurde, am Beispiel der Schweizer Bundespolitik dieser Frage nach. Zumindest ein Teil ihrer Ergebnisse dürfte sich auch auf Nachbarländer wie Österreich, Belgien oder die Niederlande übertragen lassen.

Ziel ihrer Studie ist es, „die Vorgänge auf der Hinterbühne der Politikvermittlung auf nationaler und politikfeldübergreifender Ebene zu beleuchten“. Ihre Befunde sind erhellend – so überrascht bereits, dass selbst in der kleinen Schweiz nur ein Drittel der Parlamentsmitglieder mehrmals im Monat Kontakt mit Journalisten haben, Pressekontakte also stark auf die Parlamentseliten konzentriert sind.

Unter den Journalisten wiederum sind es gerade die Parlamentsberichterstatter, die auf der persönlichen Ebene Distanz zu Politikern halten: „Die befragten Bundeshauskorrespondenten sind mit signifikant weniger Politikern befreundet als andere Medienschaffende“.

Dagegen pflegen die Chefredakteure deutlich häufiger als die anderen Journalisten solche Freundschaften. Die Redaktionschefs dienen aber auch als Klagemauer: „Politiker kontaktieren häufig dann Chefredakteure, wenn sie mit der Berichterstattung nicht zufrieden waren“ – weshalb die befragten Chefredakteure auch „den Umgang mit Politikern als deutlich konfliktreicher empfinden als andere Medienschaffende.“

Spannend sind auch folgende Details: Die dem rechten Spektrum zuzurechnenden SVP-Politiker unterhalten intensivere Medienkontakte als Parlamentarier der Mitte. Parlamentarierinnen „kontaktieren weniger häufig Medienschaffende als ihre männlichen Kollegen“, und Journalistinnen werden ebenfalls seltener von Politikern angesprochen als ihre männlichen Pendants. Nicht zuletzt unterscheiden sich „die politisch-journalistischen Interaktionen kaum in sprachregionaler Hinsicht“.

Die Erkenntnisse gehen auf eine Befragung zurück, in die einerseits Parlamentarier und andererseits Bundeshauskorrespondenten, Chefredakteure und leitende Inlandsredakteure einbezogen waren. Insgesamt wurden 76 Parlamentsmitglieder und 161 Journalisten befragt. Die Rücklaufquote betrug bei den Politikern bemerkenswerte 37 Prozent, bei den Journalisten sogar 38 Prozent.  Die Autorin ruft abschließend zu recht in Erinnerung, dass ihre Ergebnisse Aussagen der Befragten über ihr Verhalten beinhalten, von denen das tatsächliche Handeln abweichen kann. So könnte es beispielsweise sein, dass Frauen die Kontakthäufigkeit unterschätzen“, während die Männer sie überschätzten. Insofern sind die Daten mit Vorsicht zu genießen.

Außerdem gibt es Besonderheiten der Schweiz, die einer voreiligen Übertragung der Ergebnisse auf andere Kleinstaaten entgegenstehen: „Im internationalen Vergleich zählt das Schweizer Parlament zu den am schwächsten professionalisierten Legislativen, gemessen an Einkommen, Kosten und zeitlicher Belastung der parlamentarischen Tätigkeit“, so Schwab-Cammarano. Andererseits gibt es nirgendwo in vergleichbarem Ausmaß Volksabstimmungen und direkte Demokratie.

So ist zu vermuten, dass die hochprofessionalisierte PR-Maschinerie, die auch in der Schweiz längst das politische Leben prägt, sich zwar weniger als anderswo als Filter und Verstärker zwischen die Abgeordneten und die Journalisten schiebt, dafür jedoch an anderer Stelle ihre Wirkkraft umso mehr entfaltet.

Stephanie Schwab-Cammarano (2013): Rollen in der Politikvermittlung. Die Interaktion zwischen Politik und Journalismus in der Schweiz, Baden-Baden: Nomos

Erstveröffentlichung: Message – Internationale Zeitschrift für Journalismus Nr. 1 / 2014

Bildquelle: Joujou / pixelio.de

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