Trends in Journalismus, Medien und Technologie für 2023

18. Januar 2023 • Aktuelle Beiträge, Qualität & Ethik, Redaktion & Ökonomie • von

Nic Newman hat führende Stimmen in den Medien (hauptsächlich in Nordamerika und Europa) befragt, wie sie die Entwicklungen im kommenden Jahr einschätzen. Wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten, sowie technologische Entwicklungen stellen für Medien nach wie vor Herausforderungen dar. Jedoch können diese Herausforderungen auch eine Chance sein, die eigene Nachrichtenproduktion und Redaktionslinien zu überdenken und weiterzuentwickeln.

Eine Tafel auf der "What´s next" steht.

Was kommt als nächstes? Bildquelle: Pixabay

Im November und Dezember 2022 hat Nic Newman für das Reuters Institut mit Unterstützung von Google eine Online-Umfrage durchgeführt. Über 300 Medienschaffende aus über 50 Ländern haben teilgenommen. Die allermeisten von ihnen kommen aus den Vereinigten Staaten und Europa (75%). Die beteiligten Personen gaben an, in Printmedien (53%), digitalen Medien (24%), und Rundfunk (20%) tätig zu sein. 68 der befragten Personen gaben an Chefredakteur:innen zu sein, 49 Manager:innen und Direktor:innen, und 44 Personen leiteten Digital- und Innovationsabteilungen.

Der Autor arbeitet drei primäre Herausforderungen für das Jahr 2023 heraus:

  1. Die Inflation erhöht zusehends den Druck auf die bereits wirtschaftlich angeschlagene Presse und stellt eine Bedrohung für die Überlebensfähigkeit einiger Medienhäuser dar.
  2. Auch 2023 werden die Folgen der Corona-Pandemie noch zu spüren sein.
  3. Die politische Weltlage mit Kriegen und den Auswirkungen des Klimawandels führt für viele Menschen zu einer grösser werdenden Verunsicherung, die durch negative Berichterstattung genährt wird.

Mit Blick auf diese Ausgangslage stellt Nic Newman die Frage, ob diese Herausforderungen, gerade die zunehmende Verunsicherung, nicht eine Chance sein könnten für die Medien, ihre Arbeits- und Denkweisen zu hinterfragen. Wäre es nicht eine Chance, vermehrt hoffnungsvolle, inspirierende und nützliche Nachrichten anzubieten?

„Could this be the year when publishers rethink their offer to address the twin challenges of news avoidance and disconnection – to offer more hope, inspiration, and utility?“

Laut der Umfrage schauen Redaktionsleitungen und Management eher skeptisch auf das kommende Jahr – insbesondere der steigenden Kosten und sinkenden Einnahmen wegen. Jedoch zeigen sich die Befragten etwas zuversichtlicher, was mögliche Einkommen durch Tech-Plattformen angeht. So denken 33% der Befragten, dass in 2023 mehr Geld von den Big-Tech-Unternehmen in die Medien fließen wird. Diese Tendenz ist ein Erfolg der jahrelangen Lobbyarbeit, die nun durch neue Regeln für die Internet-Riesen zur Anwendung kommen sollen.

Andererseits haben neuen Regelwerke auch negative Konsequenzen für Medienschaffende. So machen sich 54 Prozent der Befragten Sorgen, dass Gesetzgebungen, die dazu dienen sollen gegen illegale und gefährliche Inhalte vorzugehen, es den Journalist:innen erschweren könnten Informationen zu publizieren, gerade wenn diese nicht im Interesse der Regierung sind.

Die Big-Tech-Unternehmen selbst stehen aber auch vor Herausforderungen, schreibt der Autor der Studie. Zusätzlich zu den wirtschaftlichen Einbußen, vermelden soziale Medien der ersten Generation (Facebook, Twitter) einen Rückgang der Nutzer:innenzahlen. Während Facebook und Twitter an Nutzer:innen verlieren, steigen die Zahlen bei TikTok, Instagram und YouTube. Umfrageteilnehmende geben an, von Twitter auf LinkedIn (42%) und Mastodon (10%) gewechselt zu haben.

Die technologischen Innovationen beschränken sich aber nicht nur auf Social-Media-Plattformen. Gerade im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) wird sich auch im kommenden Jahr noch einiges tun, sieht die Studie vorher. Gerade im Bereich der personalisierten Nachrichten und der Fragmentierung der Kanäle kann KI für den Journalismus eine Chance sein. 28 Prozent der Befragten geben an, KI bereits regelmässig zu nutzen. Dabei ergeben sich durch KI-basierte Anwendungen noch viele ungeklärte ethischen Fragen.

Interessant ist auch, dass die Studie zwei eher ältere Tools hervorhebt. Die Umfrage zeigt, dass Medienhäuser gerade in Podcast und E-Mail-Newsletter investieren wollen und diesen weitere Mittel zur Verfügung gestellt werden soll. Diese Kanäle werden als wichtig eingeschätzt, um eine treue Leser- und Hörerschaft aufzubauen.

Laut Umfrage macht zusätzlich zu den wirtschaftlichen und technologischen Herausforderungen auch der zunehmende Trend der «news avoidance» den Medien zu schaffen. Immer mehr Menschen wenden sich entschieden von den Nachrichtenmedien ab, gerade wenn es um schwierige Themen wie z. B. Krieg und Klimawandel geht. Wie kann mit dieser Tendenz in den kommenden Jahren umgegangen werden? Die Umfrage zeigt, dass Redaktionen vermehrt mit erklärenden Inhalten (94 %), Frage-Antworten Formaten (87 %) und inspirierenden Berichten (66 %), aber auch mit vermehrt positiven Nachrichten (48 %) dieser Tendenz entgegenwirken wollen.

Die vollständige Studie kann hier gelesen werden (Englisch).

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